Sara Lisa Schaeubli

ABC: Raum für alternatives Lesen

Die Hamburger Journalistin Sara Lisa Schäubli möchte in Eimsbüttel einen Laden für Printmedien eröffnen, der Lesezimmer, Treffpunkt und Café ist. Am 4.8. gibt es eine Unterstützerlesung

Ein eigener Laden ist der Traum vieler. Einer für Printmedien der Plan weniger – und die Verbindung von Shop, Café und Kulturstätte das Konzept Mutiger. Wie Sara Lisa Schäubli. Die studierte Journalistin ist mit Printmedien groß geworden. Sie mochte die Zeit, als Papier noch notwendig war für die Verbreitung von Kultur, Politik und Kunst. Dem geschriebenen Wort wandte sich Sara Lisa auch beruflich zu: Als Texterin und Lektorin verdient die 26-Jährige ihr Brot. Die Butter dazu bringt der Job hinterm Tresen. Als Barfrau hat sie hier in Hamburg gearbeitet – doch bereits der Studienjob in einem Züricher Café zeigte ihr, wie wichtig der Kontakt zu all den Menschen für das Schreiben ist.

ABC Laden HamburgDamit ist die Grundlage für ihr Konzept geschaffen. ABC, der Magazin-Laden, ist die Novelle im Literaturbetrieb: Lesezimmer, Treffpunkt und Café, in dem man sich ganz und gar der großen Kunst alternativer Magazinwelten hingeben kann. „Das passt sehr gut zusammen. In so einem Laden kann man sich endlich Zeit nehmen für die Fundstücke“, sagt Sara Lisa zu ihrem Konzept. Im ABC geht es um den kollektiven Printkonsum: Gemeinsam grenzgängerische Magazine lesen, besprechen, vorstellen und lieben lernen.

Entstehen soll zunächst ein Pop-up-Store, die Zeit in der uns das innovative Format beglücken könnte, wäre also vorerst begrenzt. Sollte die Kampagne erfolgreich verlaufen, bekommt Hamburgs Literaturszene von Oktober bis November Zuwachs. So will die Initiatorin testen, wie das Konzept ankommt.

Wer sich bisher weniger mit Independent-Magazinen auseinandergesetzt hat, mag sich fragen, was sie von herkömmlichen Zeitschriften unterscheidet. Sara Lisa Schäubli denkt da aus der Perspektive der Blattmacherin: „Der Druck von oben durch zwingende Erlöse, der in etablierten Verlagen oft herrscht, ist weniger präsent: Die Redakteure arbeiten freier, tiefer und in ihrem eigenen Rhythmus. So haben auch andere Geschichten Platz, wie etwa eine über die Produktion fairer Computermäuse. So geschehen beim unabhängigen Wirtschaftsmagazin Enorm“.

Ergo: Jedes Thema verdient eine aufrichtige Aufarbeitung. Auch politische, ökonomische oder gar psychologische Fragen können in Independet-Magazinen nach allen Regeln der Sprach- und Bildkunst abgehandelt werden. So sollen die im ABC ausgestellten Hefte vor allem solche sein, die sich in Papierqualität, Sprachniveau und Format vom Einheitsbrei unterscheiden. Gibt es davon denn genug für einen ganzen Laden? „Oh ja! Ich finde immer wieder neue unabhängige Magazine, von denen du noch nie was gehört hast. Die für mich reservierte Ladenfläche von 30 Quadratmetern in der Weidenallee könnte damit x-mal gefüllt werden.“

Text: Jenny V. Wirschky

Die Crowdfunding-Kampagne zur Unterstützung der Idee läuft noch bis zum bis 7.8.

Wer das Projekt, den Raum und die Initiatorin kennenlernen möchte, kommt zur Unterstützerlesung am 4.8. in das zukünftige Zuhause des Magazin-Ladens (Weidenallee 61). Es liest: Viktor Hacker, bekannt durch seine Türsteher-Lesungen. Eintritt und Flüssiges beruhen auf Spendenbasis und fließen in die Crowdfunding-Kampagne.