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Afrob: „Früher war nicht alles besser“

Im vergangenen Herbst veröffentlichte der Wahl-Hamburger Rapper Afrob mit „Mutterschiff“ ein weiteres Soloalbum. Der Buddy von Samy Deluxe und Max Herre ist einer der deutschsprachigen HipHop-Stars, der auch nach der Hochphase des Genres noch im Geschäft ist.

Ein Gespräch mit Afrob über Rap im Wandel, Tour-Leben mit Disziplin und eine Art Berufsjugendlichkeit.

 SZENE HAMBURG: Afrob, kürzlich hast du in einem Rap festgehalten: „Ich werde älter, doch nicht klüger.“ Warum eigentlich nicht?

Afrob: Als Kind habe ich immer gedacht: Erwachsene wissen alles. Später, als ich selbst in das Alter kam, musste ich allerdings feststellen: Erwachsene tun immer nur so, als wären sie total schlau. Älter werden heißt einfach nicht gleich klüger werden.

Woran machst du das fest?

Zum Beispiel daran, dass wir die gleichen Fehler immer wieder machen, obwohl wir eigentlich frühzeitig hätten daraus lernen sollen.

Hat das Nicht-Erwachsenwerden vielleicht auch etwas mit einem Nicht-Erwachsen-werden-wollen zu tun?

Kann sein, und bei mir hat es wohl auch mit meinem Job zu tun. Ein guter Freund hat mal gesagt, dass wir durch unsere Art von Musik unsere Jugend konservieren. Das stimmt und ist auch einer der Gründe, warum ich kein Problem damit habe, älter zu werden.

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Erwachsen oder nicht erwachsen? Auf Tour ist Afrob nach eigener Aussage jedenfalls sehr erwachsen

Wer hat den Satz gesagt? Max Herre?

(lacht) Woher weißt du das?

In seinem Song „Zu elektrisch“ von 2004 – da war er bereits 31 – hieß es bezüglich seines Rap-Comebacks: „Ich fühl’ mich gut, fühl’ mich wieder wie 19.“

Stimmt. HipHop ist eben eine junge Musikkultur, in der einen mancher schon schräg anguckt, wenn man 30 und immer noch dabei ist, so nach dem Motto: Was machst du denn noch hier? Aber man hört ja nicht auf, Rap zu hören und zu machen, nur weil man ein bestimmtes Alter erreicht hat. Für mich persönlich ist das Alter überhaupt nicht wichtig, sondern nur, was jemand kann.

Und wie sieht es mit dem Tour-Leben aus? Ist das bei dir mit den Jahren vielleicht etwas gesitteter geworden?

Das war schon immer sehr gesittet.

(lacht)

Nee, wirklich! Ich weiß ja nicht, was sich da für Legenden gebildet haben, aber Disziplin auf Tour war mir schon immer wichtig, schon damals, als es los ging. In den ersten Jahren war ich glücklicherweise mit Leuten unterwegs, die bereits erfolgreich waren. Die haben mir erklärt, wie wichtig Disziplin ist. Wenn man die nicht hat, ist nach drei Tagen der ganze Bus krank, und man hat keinen Spaß mehr an seiner Show. Das Einzige, was sich mit der Zeit geändert hat, ist dass ich nicht mehr 20 Joints am Tag kiffe, aber sonst – alles beim Alten.

Bock, noch mal in die Zeit Ende der 90er, Anfang der 00er Jahre zurückzureisen, also in die HipHop-Jahre, in denen du als Künstler groß wurdest?

Früher war nicht alles besser. Ich berufe mich auch nicht wie andere Rapper ständig auf etwas, das ich früher mal gemacht habe. Ich bilde mir nichts auf damalige Erfolge ein – das wäre ja auch albern. Wenn ich das tun würde, bräuchte ich im Jahr 2017 nicht mehr auf Tour gehen. Ich mochte Rap, wie er damals war, und ich mag ihn, wie er heute ist. Ich bin und bleibe immer offen für Neues …

… und das scheinbar auch in Sachen Wohnort: Im vergangenen Jahr bist du nach Hamburg gezogen. Warum? Und wie lebst du hier so?

Von Hamburg war ich schon immer ein großer Fan. Jetzt bin ich hier, in dieser extrem inspirierenden Stadt. Ich wohne in Eimsbüttel, eigentlich ganz bürgerlich.

Was meinst du mit bürgerlich? Zwei Zimmer, Balkon und ein bisschen Grün drum herum?

So in der Art, ja (lacht).

Tipp: Am 25. Februar 2017 tritt Afrob im Mojo Club auf. Start: 20 Uhr


Erik

 Erik Brandt-Höge leitet unser Musik-Ressort und schreibt für die Rubrik Stadtleben. 

 

 

 

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