Shared Reading auf der Altonale 2018 Foto: Hannes Windrath

altonale20 – Die XXL-Interaktion

Das Hamburger Kulturfestival wird 20 und hat zum runden Geburtstag ein neues Motto ausgerufen: „Grenzen“.

Ganze 17 Tage, mehr als 2.000 Künstler, über 200 Veranstaltungen: Die altonale, Hamburgs Kulturfestival der besonderen Art, hat in seiner 20. Ausgabe ein erwartungsgemäß pickepackevolles Programm. Und das, ohne einen Eintritt festzuschreiben. „Pay what you want“, so der Festivalslogan, oder auch: „Mach es möglich – zahle deinen Beitrag und unterstütze Kunst und Kultur nachhaltig“. Gemeint ist, dass Besucher genau das beisteuern sollen, was sie für angemessen halten. Ein roter Vogel mit Hut wird altonale-Gästen in Verbindung mit Bezahlstationen bei den Veranstaltungen begegnen. Diese Art von Wertschätzung für das Erlebte ist freilich wichtig für die Finanzierung des Ganzen. Denn nicht mehr als zwölf Prozent des Gesamtetats von 900.000 Euro werden aus öffentlichen Geldern gefördert. Immer wieder müssen Sponsoren und Unterstützer gefunden werden, um die altonale möglich zu machen.

Dancing Dabke

Die ersten vier altonale-Tage werden begleitet von STAMP, dem internationalen Festival der Straßenkünste, das in diesem Jahr eine spezielle Einlage plant: eine Choreografie für alle. Das Ziel von STAMP ist es, die vielfältige Gesellschaft darzustellen und die unterschiedlichen Stimmen zu einem Dialog zu verbinden. Das soll gelingen, in dem alle, Festivalmacher und – Besucher, gemeinsam den sogenannten Dabke tanzen, einen Tanz aus Ländern des Nahen Ostens, dessen Schrittfolge gelernt (siehe Video) und auf die Paradenstrecke zwischen Bruno-Tesch-Platz und Platz der Republik gebracht ist (Start: 3.6., 15 Uhr). Entwickelt wurde dieses STAMP-Schmankerl in Zusammenarbeit mit HausDrei von den Choreografen Rica Blunck und Patricia Carolin Mai. Die syrische Band Syriab wird zum Abschluss des Dabke-Spektakels im Park dazukommen und den passenden Soundtrack liefern, nämlichen einen Mix aus klassischer und orientalischer Musik.

Top-Location: Krankenhaus

Allgemein ist die altonale an Facettenreichtum erneut kaum zu überbieten, hat Kultur und Kulinarik ebenso im Programm wie Sport- und Informationsveranstaltungen. Spannend sind auch die ausgewählten altonale-Spielorte. Nicht selten überraschen die Macher mit ungewöhnlichen Locations und führen das Publikum an Plätze, die es womöglich niemals mit einem Unterhaltungsfestival in Verbindung gebracht hätte. Bestes Beispiel: die Asklepios Klinik Altona (5.- 12.6.). Nachdem die altonale-Kulturreihe „(Not) At Home“ im vergangenen Jahr in den leeren Hallen des einstigen OBI-Baumarktes von Altona-Bahrenfeld aufgeschlagen ist, geht es jetzt ins Krankenhaus. Malerei, textile Installation, Videokunst, Fotografie – das alles wird hier, in dem alten Klotz an der A7, zu sehen sein. Das größentechnische Gegenteil ist die temporäre Kunstaktion Wortfindungsamt. Auch hier geht es vor allem um Interaktion. In einem pinkfarbenen Bauwagen wird ein Amt eingerichtet, in dem jeder ein für sich oder sein Umfeld bedeutsames Wort einreichen kann. Genehmigte Wörter können später in Form von Schildern wieder abgeholt und im Stadtbereich aufgehängt sowie für die Wortfindungsamt-Website fotografiert werden. Ziel: das Sensibilisieren des Blickes für den alltäglichen Lebensraum.

Auf diese und viele andere Arten schafft es die altonale, ihr derzeitiges Motto in die Tat umzusetzen, ja es sogar ein Stückweit verschwinden zu lassen. Denn „Grenzen“ werden in diesen 17 Tagen nicht gezogen, sondern gesprengt.

Text: Erik Brandt-Höge
Beitragsfoto: Hannes Windrath

1.-17.6.2018; www.altonale.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

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