BierSzene Von Freude

BierSZENE. Learning by brewing – mit Natalie von Von Freude

Ein grauer Schietwettertag in Hamburg – der perfekte Zeitpunkt für ein großes bisschen Freude! Deshalb habe ich mich mit Natalie Warneke von der Hamburger Craft-Beer-Brauerei Von Freude getroffen, um mehr über sie und ihr Bier zu erfahren.

BierSzene. Learning by brewing – Auf ein Bier mit Natalie von Von Freude

Bereitet Freude an einem dunklen Wintertag. Schmackhaftes Craft Beer. Foto: Sybille Fischer + Jennifer Meyer

Daniel: Vom Job in der Modebranche hin zur Bierdesignerin, was für ein Karrierewechsel! Warum bist du Brauerin geworden?

Natalie: Das ist eigentlich ganz einfach: Ich liebe gutes Essen und gutes Trinken. Und ich liebe Bier. Ich bin an der belgischen Grenze zwischen belgischen Bier und Kölsch aufgewachsen. Als ich für meinen früheren Job in der Modebranche nach Hamburg gezogen bin, habe ich ehrlich gesagt aufgehört, Bier zu trinken. Denn Supermarktpils war nie meins und die Vielfalt hier oben ziemlich mau. Dann kam mir und meinem Mitgründer Martin der Gedanke: Bier kann man ja auch selber machen und zwar in lecker und ohne Kunststoffe zum Filtrieren. Also haben wir am heimischen Herd unser erstes Bier gebraut.

Aufregend – das erste eigene Bier. Wie seid ihr das angegangen?

Die Ideen für den Sud haben wir uns ganz einfach in amerikanischen Heimbrauforen angelesen – und uns dann für ein ­Düsseldorfer Alt entschieden. Martin und ich finden: So muss Altbier sein. Außerdem war uns bei einem obergärigen Bierstil, der nicht gekühlt werden muss, klar, dass wir den in unserer heimischen Küche hinkriegen könnten. Von da an ging das große Experimentieren los, mit Hopfen, mit Malzen, mit neuen Techniken. Unser Bierwissen haben wir uns also Stück für Stück erlesen und zusammengebraut.

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Foto: Von Freude

Learning by brewing, also. Sehr schön! Und an welchen Bieren arbeitet ihr gerade?

Im Moment arbeiten wir unter anderem an einem Weizenbier, denn viele Kunden haben uns danach gefragt. Jetzt geht es also darum, wie ein Von-Freude-Weizen schmecken kann und muss. Natürlich aufregender und spannender als das klassische …

Eine gute Idee! Schließlich ist die Auswahl an Weizen in Hamburg noch ziemlich gering.

Ja, das stimmt. Grundsätzlich ist es aber auch so, dass wir immer an einer ganzen Reihe von Bieren gleichzeitig arbeiten, da die Testsude mehrere Wochen brauchen, bis sie fertig sind. Da hat man zwischendurch Zeit, andere Ideen zu entwickeln und auszuprobieren.

Wie sehen denn eure Zukunftspläne aus?

 Wir möchten unsere Bierbasis ausbauen. Momentan sind drei Biere dauerhaft erhältlich, dass sollen mehr werden. Wir wollen außerdem weiter experimentierfreudig bleiben und mit Limited Editions testen, was gut ankommt und was nicht. Zudem planen wir mehr saisonale Biere, wie unser alljährliches Frischhopfenbier und unser Winterbier.

Was macht ihr denn anders als andere Craft-Beer-Brauer?

Wir denken oft anders, da wir eigentlich aus anderen Berufen kommen. Bei der Rezeptentwicklung habe ich zum Beispiel eine ganz eigene Herangehensweise: Ich entwickle meine Rezepte eher wie ein Koch und nähere mich neuen Kreationen von der Aromenseite. Ich überlege, welche Aromen ich spannend finde und baue um diese Aromen dann passende Hopfensorten oder auch einen Hefestamm. Deshalb ist bei mir am Anfang oft nicht klar, welcher Bierstil am Ende rauskommt – und darum passen unsere Biere auch oft nicht eindeutig in eine ‚Bierstil-Schublade’.

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Beim Hopfen zählt Regionalität. Oder Vielfalt. Da muss man sich entscheiden.

Das Thema Nachhaltigkeit ist euch sehr wichtig. Was macht euer Bier nachhaltiger als andere Biere?

Bierproduktion ist an sich ziemlich ressourcenintensiv, deshalb fängt Nachhaltigkeit bereits bei den Zutaten an. Für uns heißt das: Wir arbeiten direkt mit den Bauern und Lieferanten zusammen. Wir wissen, wo die Felder für unsere Zutaten sind und können dort auch jederzeit hinfahren. Nur beim Hopfen ist reine Regionalität echt schwierig, denn die Hopfenauswahl vor unserer Haustür ist begrenzt. Da muss man sich also entscheiden: Setzt man auf eine spannende Geschmacksvielfalt oder auf größtmögliche Regionalität. Wir haben uns für die Vielfalt entschieden, das heißt, wir beziehen unseren Hopfen weltweit, achten aber auch dabei auf Nachhaltigkeit im Anbau.

Ist Craft Beer denn grundsätzliche nachhaltiger gebraut als Industriebier?

Als Craft-Beer-Brauer verkauft man seine Biere an Menschen, die sich sehr mit Nachhaltigkeit und Genuss beschäftigen. Das merkt man vor allem daran, dass unsere Kunden oft Fragen zu unseren Produkten und zur Herstellung stellen. Deshalb gehen wir ganz offen mit diesen Themen um und machen uns viele Gedanken dazu.

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Das Auge trinkt mit. Foto: Von Freude

Wenn Bier so ressourcenintensiv ist, müssten wir der Natur zu Liebe also eigentlich ganz aufhören, Bier zu trinken?

Oh nein, bitte nicht. (lacht) Es stimmt, Bier ist ressourcenintensiv, aber an sich ein sehr natürliches Produkt; anders als stark verarbeitete industriellen Lebensmittel, die eher einem bunten Chemiebaukasten ähneln und bei dem die Menschen gar nicht mehr wissen, was alles drin steckt. Unser persönliches Reinheitsgebot lautet: Unser Bier ist Natur pur. Natürlich dürfen auch mal Gewürze ein Bier verfeinern, aber die sind dann auch natürlich und auf dem Etikett ausgezeichnet. Also: Bitte weitertrinken!

Mehr über Von Freude erfahrt ihr auch hier.  / Fotos: hfr / Jennifer Meyer + Sybille Fischer


Who the fuck is…Daniel?

Szene Hamburg

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen Bieronkel und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!  @bieronkelHH_

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