Casa Alfredo

Dieser Italiener in St. Georg ist eigentlich Portugiese, kann gleichzeitig sieben Pfannen befeuern und für Kinder Spaghettiketten basteln

Alfredo, Alfredo … mehrmals wiederhole ich seinen Namen und stelle mir dabei einen mop- peligen, von Mafiosi geknechteten Gastrobetreiber mit ölverschmierter Schürze vor, der gebetsmühlenartig die üblichen Frauenanmachsprüche vor sich hinleiert. Aber nein! Der Typ sieht wirklich gut aus, im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen beherrscht er das Multitasking aus dem Effeff und hat, ja, fast alles im Griff.

Er bedient, kocht, schmeißt seinen ganzen Laden alleine. Befeuert lässig mal so fünf bis sieben Pfannen auf dem Herd, während er mit der anderen Hand für kleine Gäste Spaghettiketten bastelt und großen Gästen, die mit lästigen Wünschen seinen Arbeits-Flow stören, dann doch freundlich Wein und Salz und Pfeffer an den Tisch bringt.

Ich spreche hier von einem Italiener in St. Georg, der eigentlich Portugiese ist und ein Ein-Mann-Unternehmen betreibt, das seinesgleichen sucht. Wer hierher kommt, sollte Zeit mitbringen. Und Vertrauen. Denn: Eine Speisekarte gibt es nicht. Alfredo fragt seine Gäste nach ihren Vorlieben, und einige – okay, manchmal auch geraume – Zeit später landet ein exzellentes Gericht auf dem Tisch.

Pure, schnörkellose, frisch zubereitete mediterrane Küche, die sensationell gut schmeckt. Wie die gebratenen Tintenfische mit leichter, zitroniger Sauce, die sautierten Mischpilze mit frischen Kräutern, der Wildschweinrücken oder die Pasta mit Meeresfrüchten. Die sehr guten Flaschenweine werden übrigens großzügig auch glasweise ausgeschenkt.

Eigentlich möchte ich gar nichts über „meinen“ Alfredo schreiben – dieses Kleinod darf nicht durch unbezwingbaren Ansturm zerstört werden. Ein solches Lokal sollte unter Artenschutz stehen.

Text: Birgit Hamm
Foto: Jakob Börner

Casa Alfredo
Kirchenallee 27 (St. Georg)
Telefon 57 24 24 12
Mo-Fr 11.30–15, 18–23, Sa-So ab 17 Uhr

Casa Alfredo ist Testsieger der Kategorie „Kosmopolitanien“ in unserem Gastroführer SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN. Dafür schlemmten wir uns in Hamburg von Griechenland über Österreich bis nach Litauen.