Charlie Hebdo: Vater & Sohn zeigen ihre Doku

Am 7.1.2015 wurde in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ geschossen. Ein Jahr später läuft in Hamburg der bewegende Film über den Anschlag

Das nennt man Ironie des Schicksals: Gerade noch so haben die Franzosen bei ihren Regionalwahlen einen Triumph des rechtsextremen „Front National“ abgebogen. Fast zeitgleich, exakt ein Jahr nach den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo, startet die Dokumentation „Je suis Charlie“ in einigen deutschen Kinos. Während Europas Bürger sich fragen, warum Frankreich politisch immer weiter nach rechts rückt, erhalten sie so gleichzeitig die Gelegenheit, das Bild eines anderen Frankreichs zu sehen. Eines Landes, dessen Bürger mit beeindruckender Solidarität auf den markerschütternden Jahresanfang 2015 reagierten.

Dokustil ohne Popanz

Vater Daniel Leconte und Sohn Emmanuel als Regisseure rekonstruieren die Anschlagsserie islamischer Extremisten, die am 7. Januar 2015 mit dem Sturm auf das Satiremagazin Charlie Hebdo begann. Die schreckliche Bluttat, bei der zwölf Menschen starben, steht selbstverständlich im Fokus des Films – und damit die ermordeten Mitarbeiter, besonders der Herausgeber und Zeichner Stéphane Charbonnier („Charb“) und die Karikaturisten Jean Cabut („Cabu“) und Bernhard Verlhac („Tignous“).

Dem Anlass angemessen wählt das familiäre Regisseursduo einen Dokustil ohne Popanz. Meistens sprechen die Hinterbliebenen von Charlie Hebdo, in dessen satirisches Universum der Film durch die Einblendung vieler Karikaturen der Anschlagsopfer einführt.

Den Opfern ein Gesicht geben

Mit dieser Mischung plus der Aufarbeitung des seit dem Abdruck der ersten Mohammed-Karrikaturen 2006 andauernden Konflikts zwischen Charlie Hebdo und radikalen Islamisten (schon 2011 wurde auf das Magazin ein Brandanschlag verübt) setzt sich die Dokumentation einerseits für freiheitliche Wertvorstellungen ein, die „Front National“-Chefin Marine Le Pen wohl in ihren schlimmsten Albträumen nicht unterschreiben würde. Darüber hinaus gelingt es den Lecontes, dem Motto ihres Film gerecht zu werden: „Wir wollen den Opfern ein Gesicht geben.“

Besonders bewegend: die Originalaufnahmen vom Trauermarsch am 11. Januar 2015. 4 Millionen Franzosen gingen auf die Straße, davon allein 2 Millionen in Paris. „Charlie“-Sprechchöre, Liebe, Glaube, Hoffnung. Frankreich, du kannst so wunderbar sein.

Text: Mirko Schneider

Die Dokumentation „Je suis Charlie“ („L’Humour à mort“) läuft ab dem 7.1. in Hamburg im Abaton und Studio Kino

Regie: Emmanuel Leconte, Daniel Leconte. Mit Elisabeth Badinter, Gerard Briard, Marika Bret, Jean Cabu, Charb, Coco

Info: Zum 7. Januar, wenn der Anschlag exakt ein Jahr zurückliegt, wird „Charlie Hebdo“ ein Sonderheft herausgeben, das eine Million mal gedruckt werden soll. Etwa 50-tausend Exemplare werden nach Deutschland exportiert.