Das Aalhaus: Hamburgs modernste Gardinenkneipe

Was diese muckelige Bar verkörpert, braucht jeder in der Winterzeit bei sich um die Ecke: eine aalförmige Höhle mit Sparclub

Wer in eine neue Stadt zieht, wünscht sich meist nichts sehnlicher als einen Ort zu haben, an dem man sich zuhause fühlt, soziale Kontakte knüpft und aufgefangen wird. Das Aalhaus ist so einer. Hier geht es um das Zusammen. Niemand, der allein am Tresen sitzt und Anschluss sucht, wird sich selbst überlassen. Das Wort, welches beispielsweise ein Austauschstudent in dieser Kneipe als erstes lernen würde, wäre „muckelig“.

„Wir machen das, wie’s uns gefällt. Ohne ein Riesenkonzept zu haben. Vielleicht ist das naiv, aber das ist mir egal. Wir wollen unsere Menschlichkeit nicht verlieren“, sagte Mitinhaber Timotheus Wiesmann gut ein Jahr nach der Eröffnung zum Hamburger Abendblatt. Davon ist, ganz im positiven Sinne, nichts mehr zu sehen. Die Gläser zum Beispiel sind ein Augenschmaus – für jeden Drink findet sich die passende Form. Zusammen mit Pascal Laigre hatte Wiesmann das Aalhaus 2011 eröffnet. Auch Martin (Foto) ist einer der Betreiber und sozusagen Aal vom Dienst, den kennt hier jeder. Auf die versteckte Location hinter der ehemaligen Viktoria-Kaserne, Heimat des Künstlervereins Frappant e.V., kamen sie, weil Laigre direkt darüber wohnte.

Aalhaus Hamburg 2

Auch Luise gehört zur Aalhaus-Crew

Am Tresen des Aalhaus könnten Romane geschrieben werden. Schon jetzt werden gerne Geschichten erzählt. Über den kleinen Kasten, der in der Ecke hängt zum Beispiel. Das Aalhaus hat nämlich, uriger geht es kaum, einen Sparclub. Jedes Mitglied hat ein kleines Fach in welches es jede Woche Geld einwirft. Am Ende des Jahres wird der Betrag ausbezahlt. Sozusagen ein externes Sparschwein, das vor einem selbst sicher ist.

Im Aalhaus trifft sich nicht nur der Sparclub, sondern jeden zweiten Donnerstag des Monats auch Freunde von Ratespielen. Anstatt allein zuhause am Quizduell zu hängen, wird zusammen das Internationale Aalhaus-Kneipenquiz bestritten. Wer das nun staubig findet, hat sich geschnitten. Die Plakate für die Veranstaltungen sprühen vor schrägem Witz und schrecken Spießer unweigerlich ab. Das, was das Aalhaus verkörpert, braucht jeder in der Winterzeit bei sich um die Ecke: eine aalförmige Höhle.

Text: Sara Lisa Schäubli
Foto: Jakob Börner

Aalhaus
Eggerstedtstraße 39 (Altona-Nord)
Mo-Fr ab 18, Sa ab 13 Uhr
0,33 Liter Bier 2 Euro

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