„Das hier ist unser Herzblut“

Die Daniela Bar war eine der ersten Szenekneipen auf dem Schulterblatt. Die Wirtinnen Patricia Neumann und Florence Mends-Cole vergleichen früher mit heute

Mitten auf dem Schulterblatt liegt die Daniela-Bar. Trotzdem wollen die Betreiberinnen kein Teil des Kneipenkults sein. Ihr schlauchförmiger Laden war schon hier, als es noch keine Piazza gab, hinter vorgehaltener Hand auch „Galão-Strich“ genannt.

Wie lange gibt es die Daniela-Bar schon?

Florence: Seit 1992, wobei wir sie erst 1995 übernommen haben. Patricia und ich haben uns hier beim Arbeiten kennengelernt.

Wie war die Schanze damals?

Florence: Von Kneipenviertel konnte man noch nicht sprechen. Die heutige Piazza war eine kleine Seitenstraße mit einem 1,50 bis 2 Meter breiten Bürgersteig, in der die Autos direkt vor den Läden parkten. Es gab einen Fleischer, einen Gemüse-, Milch- und Tante-Emma-Laden.
Patricia: Uns gab es schon, das Café Transmontana nebenan ab 1994 oder 1995, dann den Saal II …

Florence: Außerdem rechts von uns das Café X – die heutige Katze –, einen Billardladen und die Taxifahrerkneipe Golem, in der ich übrigens angefangen habe zu arbeiten. Die linke Szene war dort stark vertreten. Das Le Fonque hat ungefähr zeitgleich mit uns eröffnet.

Schulterblatt Sternschanze Hamburg

Klingt, als sei hier ein vollkommen anderes Publikum unterwegs gewesen.

Patricia: Es gab nicht so viel Laufkundschaft wie heute. Damals kam man gezielt zu uns, heute entdeckt man die Daniela Bar durch Kneipenhopping.

Florence: Die Sommergarten-Öffnungszeiten gab es auch noch nicht. Vor 22 Uhr haben wir gar nicht aufgemacht. Insgesamt ging alles sehr viel später los – dafür dann aber bis in die Morgenstunden, manchmal auch in den Vormittag hinein.

Eure Gäste kommen heute nur noch zum Vorglühen hierher?

Patricia: Das auch nicht. Wir haben tolle Stammkunden, die uns über die Jahre begleitet haben. Die sind froh, dass es uns noch gibt, und fühlen sich wie zu Hause. Das ist auch der Grund, warum uns unser Job noch so viel Spaß macht.

Florence: Das hier ist unser Herzblut. Wir haben ein Publikum, das mit uns gewachsen ist. Mittlerweile kommen sogar die Kinder der „ersten Generation“ zu uns. Dadurch bleibt uns viel Ärger erspart, man kennt sich. Und wenn doch mal was sein sollte, sagt man den Türstehern vom „Kleinen Donner“ gegenüber Bescheid.

Habt ihr das Gefühl, den Kneipenkult auf dem Schulterblatt losgetreten zu haben?

Patricia: Die Trendwelle wurde definitiv durch die Piazza ausgelöst, die 2002 angelegt worden ist. Veranlasst wurde das durch die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg, die vorher schon mit der Umstrukturierung des Viertels begonnen hatte. Wir haben uns lange geweigert, Sommerbänke draußen aufzustellen. Mittlerweile öffnen wir im Sommer schon um 18 Uhr und stellen ein paar Bänke raus. Das ist vielen Leuten aber immer noch zu spät.

Florence: Es ist uns wichtig, Kontinuität zu wahren, dass wir beständig sind und uns nicht nach dem richten, was von außen verlangt wird. Gäste, die manchmal nach vielen Jahren wieder unsere Bar besuchen, sind regelmäßig positiv überrascht darüber, alles noch so vorzufinden, wie damals in den 90ern – uns hinter der Bar inklusive.

Wie geht ihr mit den Krawallen am 1. Mai um?

Patricia: Eine von uns ist dann für gewöhnlich im Laden. Das Prozedere kennen wir seit zwanzig Jahren und wissen, was zu tun ist. Wenn es losgeht, kommt die Außenbestuhlung rein und dann wird erst einmal abgewartet. Krawalle kann es aber zu allen möglichen Zeitpunkten geben. Als nächstes stehen wohl weitereProteste wegen der Schanzenhöfe an.

Interview: Jasmin Shamsi
Fotos: Philipp Jung