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Der Fotoautomaten-Mann aus der Schanze

Vor sechs Jahren stellte Morris Kaya seinen ersten Fotoautomaten in der Schanze auf. Heute gehören ihm 16 Exemplare. Eine Idee zum Reichwerden? „Ne“, sagt er. „Das ist Kunst.“

Am Schulterblatt, Ecke Max Brauer-Allee, direkt neben dem Asia-Imbiss, steht er: der älteste Fotoautomat der Stadt. „Der ist von 1965, analog, eine echte Rarität, Mann“, sagt Morris Kaya stolz.

32 Jahre ist er alt, ein echtes Schanzengewächs. Da geboren und aufgewachsen, „meine Schanze“ nennt Morris seinen Stadtteil. Da ist er zu Hause. Und genau dort, im Haus 73, entdeckte er vor rund acht Jahren seine Liebe zu den hölzernen, analogen Knipsautomaten.

„Ich hing damals viel in dem Laden rum, arbeitete als DJ und in der Gastro“, erzählt Morris. In der Ecke vor dem Tresen hätte ein Fotoautomat gestanden, den ein Betreiber aus Flensburg gewartet habe. „Ich habe mich mit ihm angefreundet und ihn unterstützt, wenn mal etwas kaputt war. Dann musste er nicht immer nach Hamburg kommen. In der Zeit habe ich mich reingefuchst in die Technik. Nach zwei Jahren ließ er den Automaten abholen, ist krank geworden und konnte sich nicht mehr darum kümmern. Und da habe ich beschlossen, einen eigenen Automaten dort aufzustellen. Ich bin da einfach so reingerutscht.“ Seinen ersten Fotoautomaten kaufte Morris in Tennessee. Analog, mit Originaltechnik von 1928. Die seien schwer zu kriegen, die meisten Geräte stammen aus den USA. Bis zu 25.000 Euro kann so ein Gerät kosten, auch das Doppelte, wenn es sich um Liebhaberstücke handelt.

Morris war angefixt, recherchierte, kaufte weitere fünf analoge Automaten. Liebevoll setzte er diese instand, draußen, im Central Park. Dort lernte er Marcus Paponi kennen. Der 32-jährige Rostocker lebt seit sechs Jahren in Hamburg und half ihm gelegentlich bei der Reperatur der Automaten. Das Thema nahm Fahrt auf, die Nachfrage nach Fotoautomaten wuchs. Morris gründete seine Firma Photomat Hamburg, zog vom Central Park in seine Werkstatt im Karoviertel und erstand zusätzlich zu den analogen auch digitale Geräte. Die sind leichter zu warten und unkomplizierter in der Handhabung. Damit verdient er sein Geld, stellt sie in den Hamburger Clubs auf oder vermietet sie für Hochzeiten oder Firmenfeiern.

„Die wollen die Fotos anfassen, nicht nur auf dem Handy speichern.“

Inzwischen beschäftigt Morris zwei Mitarbeiter. Marcus ist seit einem Jahr festes Teammitglied und zuständig für die Wartung und Instandsetzung der Geräte, die auf Außenflächen stehen. Morris’ Kumpel Mühle übernimmt die freitägliche Kontrolle der Fotoautomaten in den Clubs. Und Morris selber macht das Marketing, recherchiert neue Locations für seine Automaten und wartet die analogen Geräte.

„Ich habe am Anfang gedacht, das ist so ein Hype. Aber das ist mehr. Die Leute wehren sich gegen die Digitalisierung. Die wollen die Fotos anfassen, nicht nur auf dem Handy speichern. Deshalb werden Fotoautomaten,auch niemals aussterben“, sagt er.

Das Geschäft boomt also, der Bedarf ist da. Aber Morris’ Ziel lautet nicht Reichtum.

„Ich mache das nicht, um viel Geld zu verdienen“, sagt er mit Nachdruck. „Ich mache das, damit die Leute sich über ihre Fotos freuen. Deshalb stehe ich auch nachts auf und rette irgendwelche Fotos, wenn ein Automat streikt und die Leute die Notrufnummer wählen. Das passiert manchmal vier bis fünf Mal in der Nacht. Das ist denen wichtig, das sind unvergessliche Erinnerungen. Das Foto, das sie an dem Abend gemacht haben, gibt es nur einmal. Ich kann sie gut verstehen.“

„Hey, ich, ich bin der analoge Automatentyp in dieser Stadt!“

Morris mag es unkonventionell, starre Tagesabläufe sind nicht sein Ding. Technik schon. Er liebt es, an den analogen Geräten herumzuschrauben. Ersatzteile für diese Automaten gibt es nicht mehr. Deshalb verbaut er Teile anderer Automaten oder Kfz-Relais. „Man muss erfinderisch sein“,sagt er. „Improvisieren.“ Inzwischen erhält er auch diverse Anfragen für Sonderobjekte wie Video-Fotoautomaten. Für die Kunsthalle entwickelte er beispielsweise im Rahmen der Manet-Ausstellung 2016 einen Augen-Fotoautomaten. „Der erste Augen-Fotoautomat der Welt, Mann“, erklärt Morris stolz.

Der Mann tüftelt gern. Auch wenn Automaten beschädigt oder aufgebrochen werden oder schlicht defekt sind, sieht er das weniger als Ärgernis, sondern als Herausforderung. Da ist Morris entspannt. „Wir fixen das.“ Aufgegeben und eine der analogen Raritäten abgeschrieben hat er noch nie. Was er nicht reparieren kann, wird upgecycelt. Deshalb sieht er auch dem Konkurrenzkampf auf dem Markt gelassen entgegen.

Bei der Vermietung von digitalen Automaten sei die Zahl der Mitbewerber inzwischen groß. Aber bei analogen? Da kann ihm keiner was. Das ist sein Revier. „Hey, ich, ich bin der analoge Automatentyp in dieser Stadt. Und: Was ich hier mache, ist kein bloßes Geschäft. Das hier, das ist Kunst.“

Text: Regine Marxen / Fotos: Philipp Jung

www.fotobox-vermietung-hamburg.de

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