Elbjazz-Clubnacht (29.+30.5.)

Zum 6. Mal findet das Elbjazz-Festival statt. Zum 1. Mal wird auch Nachtschwärmern ein Programm geboten

Die Pressekonferenz im Jazzclub Hadleys ist bis auf den letzten Platz besetzt. Diejenigen, die gleich ans Mikro treten, haben einiges dafür getan, ein großes Medienecho herzustellen. Es gibt Neuigkeiten: Die Elbjazzer wollen ihr Programm einem breiteren Publikum schmackhaft machen. Erklärtes Ziel der Veranstalter: für Menschen interessanter zu werden, die bis jetzt mit Jazz nicht viel anfangen konnten.

An erster Stelle steht das genreübergreifende musikalische Programm, welches auf mehrere Spielorte entlang der Elbsüdseite verteilt wurde und den Hafen erneut in eine riesige Bühne für Livemusik verwandeln soll. Doch auch das Rahmenprogramm wurde in diesem Jahr massiv ausgebaut. Neben einem erweiterten gastronomischen Angebot, für das die hiesige Foodtruck-Szene eingeladen wurde, oder einem umfangreichen Kinderprogramm wird das Elbjazz-Festival bis zum Sonntag auch an verschiedenen Orten der Stadt präsent sein.

Besonders spannend für Nachtschwärmer ist die Premiere der Elbjazz-Clubnacht. Wenn gegen 23 Uhr auf dem Hauptgelände bei Blohm + Voss die Lichter langsam ausgehen, zieht der Festival-Tross vom Süden der Stadt in den Norden. „Die Clubnacht bildet den Abschluss und die Möglichkeit, bis in den Morgen zu tanzen“, freut sich Festivalchefin Tina Heine. „Die Stadt wird eingebunden und Clubs bringen aus ihrer Szene heraus Programmpunkte ein.“

Die Ausweitung des Begriffs „Jazz“ zeigt sich hier besonders deutlich. Mit Golem, Mojo, Nochtwache, Prinzenbar, Resonanzraum sowie Uebel & Gefährlich sind gleich mehrere Läden beteiligt, die mit dem Genre eher nicht in Verbindung gebracht werden. Während es im Mojo-Jazz-Café noch recht genrenah zugeht und dort Freitag- und Samstagnacht verschiedene Elbjazz-Künstler zur Open Jam Session laden, öffnet sich das Musikfeld zwei Stockwerke tiefer mit Deep-House-Afroklängen von Boddhi Satva oder einem Auftritt der HipHop-Formation The Mouse Outfit.

ElbJazz Festival Hamburg Atmo

Foto: Frank Jasper

Auch in anderen Clubs spiegelt sich die vielfältige musikalische Bandbreite. Da reicht das Programm von zeitgenössischem Garage House von xxxy in der Nochtwache über futuristischen Space-Pop der Band Pollyester im Golem bis hin zu klassischer Kompositionstechnik vermischt mit dem Rums einer Kick Drum von Seth Schwarz in der Prinzenbar.

Im Turmzimmer des Uebel & Gefährlich gar präsentiert das Festival mit „District66“ eine neue Veranstaltungsreihe des Clubs, die sich auf Techno in allen Facetten fokussiert und die mit Ronald Albrecht und Andre Kronert zwei Headliner zu Gast hat, bei denen Fans der härteren elektronischen Gangart auf ihre Kosten kommen.

Wie das noch zum Elbjazz passt, erklärt Wiebke Pranz, Bookerin vom Golem und verantwortlich für den Clubrahmen, so: „Das Elbjazz versteht sich als Festival, bei dem die musikalische Basis im Jazz wurzelt, das aber auch für andere Genres die Grenzen öffnet. Wir freuen uns, wenn nicht nur der klassische Jazzfan mit dem Elbjazz in Kontakt kommt, sondern auch junge Leute, die mit der Clubkultur vertraut sind. Es war uns daher wichtig, dass die Clubs ein Programm machen, womit sie ihre Zielgruppe erreichen. Ein Jazzabend im Uebel & Gefährlich würde da wenig Sinn machen.“

Der Clou: Die Clubnacht ist nicht nur für Festivalbesucher im Preis enthalten, sondern für jeden anderen zugänglich. „Es wird ein gesondertes Clubticket geben, mit dem man in beiden Festivalnächten durch die teilnehmenden Clubs ziehen kann“, so Pranz. Ob sich am Ende Vater und Tochter beim Tanzen in der Prinzenbar treffen, wird sich zeigen. Für das Nachtleben der Stadt ist die Elbjazz-Clubnacht auf jeden Fall eine Bereicherung.

Text: Ole Masch

29.–30.5., Festival und Clubnacht