Henssler Ahoi

Der Henssler hat ’nen Neuen

Steffen Henssler wollte bei seinem neuen Laden Ahoi „designmäßig mal so richtig Gas geben“

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Popcorn statt Brot.

Herausgekommen ist ein Restaurant, das dem Hipster-Trend zwei Jahre hinterher hängt, aber Starkoch-Küche zu fairen Preisen serviert.

Donnerstagmittag, Fotografenauflauf in Hamburgs Spitalerstraße. TV-Koch Steffen Henssler hat die Presse geladen, um sein neustes Restaurant vorzustellen. Den leuchtenden Schriftzug über dem Laden sieht man durch die Februar-Nebelsuppe schon von weitem. Ein „Ahoi“ zieht dort alle Blicke auf sich, wo die letzten 80 Jahre der Schriftzug von Daniel Wischer seinen festen Platz hatte.

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Ahoi – ein Restaurantname, der fast genauso originell ist wie die Inneneinrichtung des potenziellen Touri-Hotspots selbst. TV-Koch Steffen Henssler feiert trotzdem beides: „Für mich ist es einer der geilsten Läden der Stadt! Wir sind sehr stolz.“ Das dritte Restaurant sollte anders werden als die Fine-Dining-Tempel Henssler & Henssler und Ono. „Ein modernes Schnellrestaurant, das auch in London oder New York stehen könnte“, so der Anspruch des TV-Kochs. Sitzt man tatsächlich im Restaurant fühlt es sich eher so an, als wolle man Hipstern wie Normalos gleichermaßen gefallen. Ein Konzept, das nicht außergewöhnlich, für den Standort aber vermutlich goldrichtig ist.

Henssler-Speisen für den kleinen Geldbeutel

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Asiatische Gourmetküche soll im Ahoi übrigens nicht auf den Teller kommen, hier geht es handfester zur Sache. Auf der kleinen Karte finden sich Burger-Variationen, Sushi, bodenständige Fischgerichte und Schnitzel. Gerichte „Marke Eigenbau“, die normalerweise zwischen 2,90 € und 16,90 € liegen, je nachdem, welche Speisen man mit welchen Beilagen kombiniert. Gedacht ist das Konzept ganz bewusst auch für Henssler-Fans, die nicht viel Geld für einen Restaurantbesuch ausgeben wollen.

Beim Pressetermin sind es die simpel scheinenden Gerichte, die nicht recht überzeugen. Während die Pommes ordentlich kross-fritiert serviert werden, kommt der Backfisch mit Labber-Panade an den Tisch. Der Beef-Teriyakiburger hat von allem zu viel: Er ist zu süß, zu sauer, zu sabschig. Die großen Mengen Sauerrahm und Teriyakisauce machen es einem nicht nur unmöglich, das hübsche Ding – gut aussehen tut er – stilvoll zu essen, sie überdecken auch völlig den Fleischgeschmack. Schade!

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Der Überraschungssieger des Tages ist der Ahoi Veggie Burger, der mit gegrillter Aubergine, Tomatenpesto und Sojazwiebeln Gaumen und Vegetarierherzen im Sturm erobert. Etwas, bei dem viele Hamburger Restaurants schlichtweg scheitern. Richtig gut sind aber auch die knusprigen Tempura-Garnelen auf Gemüsecarpaccio, bei dem hauchdünne Rote-Beete-Scheiben reizvoll mit dem Zitronen-Pfeffer-Dressing flirten. Statt Brot kommt übrigens salziges Popcorn auf den Tisch. Seltsam, aber irgendwie charmant.

Für seine Fans will Steffen Henssler die ersten zwei, drei Wochen täglich im neuen Laden stehen. Wer ihn doch mal verpasst, kann sich mit einem Selfie vorm Henssler-Wandbild in Lebensgröße trösten – oder mit Henssler Nummer 2. Denn das Ahoi führt Steffen Henssler gemeinsam mit seinem Bruder Peter, der als Restaurantleiter bereits im Henssler & Henssler überzeugte.

Text/Fotos: Jennifer Meyer


Jenny Meyer Essen + TrinkenSteht nicht nur auf Ananas. Jennifer Meyer ist Foodie und Gastro-Kennerin. Kein Wunder, dass sie gemeinsam mit Sybille Fischer unsere „Szene Hamburg Essen + Trinken“ leitet.

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