G20
G20: „Macht was daraus!“

Da pfeift man auf den Klimaschutz, tritt Grundrechte mit Füßen, diskriminiert, quält und tötet Menschen und will von Pressefreiheit nichts wissen: Einige Gäste des G20-Treffens im Juli bringen selbst ruhige Gemüter auf die Barrikaden.

So bereitet sich das Karoviertel auf die Demo-Woche vor

Protokolle: Erik Brandt-Höge & Ilona Lütje / Fotos: Philipp Jung

G20
Sven, 46, Organisator des yoga.wasser.klang Festivals

Turbokapitalismus ist nicht gut für unsere Erde – da hilft nur Umdenken und dafür gibt’s die „Vibration der Liebe“.

Mit der „Frequenz ERDE“-Aktion wollen wir von KYMAT, einem Projekt rund um audiovisuelle Installationen, das ganze Karoviertel in einer gemeinsamen Schwingung vibrieren lassen: Aus unzähligen Boxen wird ein ganz besonderer Klang ertönen.

Bei der Frequenz 68,05 Hz handelt es sich um die Schwingung der Erde, die Liebes- und Friedensfrequenz. Es ist ein bisschen wie „der Braune Ton“ von South Park. Hülle deine Umgebung in die ursprüngliche Vibration der Erde. Also: Öffnet die Fenster und dreht auf – es ist kein Problem, wenn jeder ein paar Minuten verzögert auf Play drückt, es passt immer zusammen.

Das Karoviertel ist im Moment so unruhig, ständig kreisen Hubschrauber, überall Blaulichtpatrouillen und Kontrollen. Die ganze „Frequenz ERDE“-Aktion ist wie eine Schweigeminute zum Hören, sich besinnen, worum es wirklich geht. Liebe und Frieden für alles Leben. Alle können mitmachen, auch die Polizei.

Die Frequenz gibt’s unter www.facebook.com/ KYMAT.GoodVibrations

Feline, 23, Verkäuferin

Ich kenne das Karoviertel am 1. Mai, und klar, es könnte sein, dass es in der G20-Zeit hier genauso chaotisch werden wird.

Ich persönlich glaube aber nicht daran, habe auch keine Angst vor G20 und hätte kein Problem damit, im Laden zu sein und zu arbeiten. Allerdings wird es dazu nicht kommen, da wir wohl schließen und höchstens zum Aufräumen herkommen werden.

Warum müssen die das  Treffen auch unbedingt in Hamburg machen und gehen nicht, sagen wir, in den Schwarzwald, wo nicht eine ganze Großstadt davon betroffen wäre? Hier werden nicht nur Geschäfte, der Verkehr, der Tourismus und das Leben abends in den Bars und Clubs durcheinandergebracht.

Der ganze Alltag wird uns Hamburgern erschwert. Grundsätzlich freue ich mich ja, dass diese grundverschieden eingestellten Politiker sich an einen Tisch setzen und reden.

Ich bin immer fürs Reden! Nur bitte nicht hier, sondern irgendwo anders! 

Antin, 32, Grafikerin

Wir haben lange überlegt, was wir im Rahmen des G20-Gipfels machen könnten. Zur Debatte stand zum Beispiel, die Fensterfront mit Holz zu verbarrikadieren. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden und unsere Schaufenster stattdessen als Mittel zur Meinungsäußerung und Kommunikation genutzt.

Deshalb haben wir die Schaufenster weiß zugestrichen und zwei Hashtags darauf geschrieben: einen zum Frustablassen (#schimpfwörtergegenG20) und einen für Wünsche rund um G20 (#G20wishwall) – obwohl wir eigentlich gar nicht wollen, dass sie sich überhaupt treffen.

Jeder, der vorbeigeht, kann etwas dazu schreiben. Wir selbst werden in der Zeit des G20-Gipfels im Laden sein und auch geöffnet haben. Nach Feierabend werden wir dann die friedlichen Proteste unterstützen und selbst demonstrieren gehen.

Was ich den Politikern gerne mal sagen würde, wenn ich die Möglichkeit hätte? „Wenn ihr euch schon treffen müsst – ganz egal  wo – dann macht wenigstens etwasdaraus!“ Bei den bisherigen G20-Gipfeln ist ja nicht wirklich viel rumgekommen. Der G20 stabilisiert anscheinend nur die kapitalistische Politik der westlichen Staaten, während behauptet wird, dass man internationale Probleme löst, um Entwicklungsländern zu helfen.

G20
Noah, 44, Ladeninhaber

Ich werde den Laden geschlossen halten, habe aber eigentlich keine Sorge, dass es jemand darauf abgesehen haben könnte. Mein Gefühl sagt mir, dass hier gar nichts passieren wird. Sollten Leute mit einem sogenannten ill will ins Viertel kommen, wird hier alles ruckzuck abgesperrt werden und niemand in diese Straße gelangen.

Nebenan, auf dem Heiligengeistfeld, könnte es allerdings schon etwas kritischer werden. Dort ist immer noch eine Baustelle, es liegt überall reichlich Material zum Rumschmeißen, von Bauzäunen bis Backsteinen.

Vielleicht hänge ich für den Notfall draußen doch ein Banner vors Fenster: „G20 Bier holen!“ Wobei ich eigentlich viel lieber den Politikern selbst eine Message hinterlassen würde, so in der Art: „Räumt mal bei euch in der Kinderstube auf!“