„Hamburg macht sein eigenes Ding“

Adana Twins im Interview: Hamburgs erfolgreiches House-Duo spricht über die Clubkultur der Stadt und wo sie sich nachts ins Freibad stehlen

Ihr werdet weltweit gebucht, habt gerade eine Nordamerika-Tour hinter euch. Wie häufig seid ihr eigentlich noch in Hamburg?

Benni (rechts auf dem Bild): Wenn man bedenkt, wie sehr wir diese Stadt lieben, muss man ganz klar sagen: viel zu selten.

Besteht nicht die Gefahr, den Anschluss an die heimatliche Szene zu verlieren?

Friso: Natürlich sind wir nicht mehr so stark involviert, wie zu der Zeit, als wir jede Woche eine Party veranstaltet haben. Aber wir bemühen uns, auf dem neuesten Stand zu sein und unsere besten Buddys halten uns auf dem Laufenden.

Benni: Und dadurch, dass wir so oft weg sind, steht Feiern und Ausgehen nicht mehr an erster Stelle. Da chillen wir lieber mit unseren Frauen oder gehen mit Freunden was essen.

Trotzdem die Frage: Wie schätzt ihr die Szene für elektronische Musik in der Hansestadt zurzeit ein?

Benni: Sehr stark. Hier kommen echt eine Menge cooler Leute und Labels her. Diynamic, Smallville, Jeudi, Pampa, Liebe & Detail, um nur einige zu nennen. Die Qualität ist unfassbar gut.

Friso: Gerade im Ausland wird man von vielen Leuten positiv auf Hamburger Künstler oder Labels angesprochen.

Welche Rolle spielt Hamburg im internationalen Vergleich?

Friso: Eine Große! Zum Beispiel hat Pete Tong letztens eine ganze Show auf BBC Radio1 der Stadt gewidmet. Mit dabei: Solomun, Tensnake, Kruse & Nürnberg … und wir.

Was passiert denn im Moment bei euch musikalisch?

Benni: Wir erleben gerade einen kleinen Umbruch. Weg von Sample-House, hin zu darkeren, auch klassischeren Sachen. Es ist irgendwie immer doof, Namen für das zu finden, was man selbst macht. Wir haben auf jeden Fall extrem Spaß daran, vielschichtig an Dinge heranzugehen und etwas auszuprobieren.

Eure Adana Nights füllen seit Jahren die Läden der Stadt. Wie seht ihr grundsätzlich die hiesige Clubszene?

Benni: Hamburg war und ist schon immer etwas spezieller. Berlin-Themen wie Berghain, Panoramabar oder KaterMukke gehen fast immer. Auch lokale Größen sind wichtig, denn große internationale Acts wie Tale of Us, DJ Tennis oder Jamie Jones wären keine Garantie, dass die Bude aus allen Nähten platzt.

Friso: Das ist aber auch nicht verkehrt und zeigt, dass Hamburg eher sein eigenes Ding macht und nicht so sehr auf Hype-Themen steht.

Ihr veranstaltet eure Partys seit der Schließung des Ego an gleicher Stelle in der Villa Nova. Wie hat sich die Location verändert?

Friso: Das Soundsystem ist der absolute Wahnsinn. Schon im Ego war es sehr gut. Doch die neue Anlage setzt Maßstäbe. Auch die Raumaufteilung ist meiner Meinung nach besser und lässt den Club viel größer wirken. Und dann ist das neue Team wirklich herzlich. Wie damals im Ego, haben wir uns vom ersten Moment an wie zu Hause gefühlt.

Wenn ihr doch mal ausgeht, wo trifft man euch dann?

Benni: Wir gehen privat in die Villa Nova, aber gerne auch in den Baalsaal oder den Pudel. Soll es eine Bar sein, sind wir im Clockers, dem Wal-Rus und bald mit Sicherheit im neu eröffnenden Nusstafa.

Zum Schluss bitte noch eure persönlichen Tipps für den Sommer.

Benni: Open Airs sind immer ein Tipp. Außerdem zur Konzert-Saison im Stadtpark grillen, Bier an der Elbperle schlürfen oder nachts in Eimsbütteler Freibäder schleichen.

Text: Ole Masch
Foto: Felix Krüger