„Hey, lass uns Popstars werden!“

Frederike und Daniela haben klassische Musik in Frakfurt studiert. In Hamburg wollen sie „groß rauskommen“, als Schnipo Schranke mit Indie-Pop

SZENE HAMBURG: Friederike und Daniela, erst kürzlich habt ihr erklärt: „Wir wollen jetzt groß rauskommen!“ Wie macht man das als junge Indie-Band im Hamburger Musikdschungel?

Daniela Reis: Mit intuitivem, naivem Handeln. Den Gedanken, groß rauszukommen und berühmt zu werden, hatten wir schon, bevor auch nur ein Song fertig war.

Warum eigentlich berühmt werden? Was versprecht ihr euch davon?

Daniela Reis: Es ist die pure Existenz-angst, die uns antreibt. Wir wollen einfach unseren Lebensunterhalt sichern. Als Band gibt es letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder total groß werden und von der Musik leben können, oder in einer Indie-Nische hängenbleiben und Nebenjobs machen müssen. Wir dachten eben: „Hey, lass uns Popstars werden!“

Friederike Ernst: Wir haben Musik studiert und wussten: Wenn wir damit Geld verdienen wollen, müssen wir Lehrerinnen werden. Das ging gar nicht klar.

Ihr habt in Frankfurt klassische Musik studiert, genauer: Cello und Blockflöte. Wie kam es denn dazu?

Friederike Ernst: Wir sind da so reingeraten. Wir stammen aus einem Umfeld, in dem es normal ist, Musik zu machen und auch zu studieren. Und wir haben eben Klassik gewählt und leider erst spät gemerkt, dass das nichts für uns ist.

Daniela Reis: Ich glaube allerdings, dass das Studium nötig war, um zu merken, was wir wirklich wollen. Vielleicht mussten wir diese absurde Klassikwelt einmal erlebt haben, um ins andere Extrem wechseln zu können.

Musik Haupt Schnipo Credit Jenny Schäfer 300dpi

Als ihr nach Hamburg kamt, hattet ihr schnell Förderer, etwa Frank Spilker und Ted Gaier haben euch vorangebracht. War es leicht, Fans zu finden?

Friederike Ernst: Als wir nach Hamburg kamen, fand man uns hier längst gut. Das wussten wir, und das hat uns Mut gemacht, etwas aufzubauen.

Daniela Reis: Nicht wir haben die Förderer gefunden, sondern sie uns.

War ja auch nicht schwer: Ihr seid aufgefallen, vor allem textlich. Angeblich aber unabsichtlich. Ihr habt sogar mal gesagt, ihr haltet gar nichts davon, bewusst schräge Sachen zu machen.

Daniela Reis: Vor allem wollen wir nicht bewusst provozieren. Aber natürlich haben wir uns überlegt, wie wir auffallen können. Und wir haben uns etwas ausgesucht, das uns wirklich am Herzen liegt und authentisch ist.

Zählt dazu auch das nach Urin riechende Untenrum, von dem euer erster kleiner Hit „Pisse“ handelt?

Daniela Reis (lacht): Ach, es ist doch so: Privat unterhält sich jeder in einer ähnlichen Sprache, wie wir sie für unsere Songtexte benutzen – und es findet niemand seltsam. Wenn wir Liebeslieder schreiben, wie „Pisse“ eines ist, wollen wir unsere Gefühle einfach genauso ausdrücken, wie wir es außerhalb der Musik auch tun. Wir brauchen dafür nicht unbedingt die schönsten Worte.

Friederike Ernst: Mit unserer Sprache treffen wir anscheinend auch gerade einen Nerv – warum auch immer. Schließlich haben wir 2015! Es sollte längst keine Überraschung mehr sein, wenn Frauen über „Pisse“ singen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Fotos: Jenny Schaefer

Schnipo Schrankes Album „Satt“ erscheint am 4.9. Am 4.12. ist das Duo im Uebel & Gefährlich zu sehen, präsentiert von SZENE HAMBURG. Ticketverlosung im November