Hinter der Fassade Szene Hamburg

Hinter der Fassade – Herbert Knaup im St. Pauli Theater

Florian Zeller gehört neben Yasmina Reza zu den erfolgreichsten Dramatikern Frankreichs. Seine Komödie „Hinter der Fassade“ ist noch bis zum 27. Januar im Hamburger St. Pauli Theater zu sehen

Eine amüsante, schlaue und pointenreich inszenierte Komödie hat Florian Zeller mit „Hinter der Fassade“ geschrieben. Dabei greift er auf einen alten Kunstgriff zurück. Er versetzt das Publikum in die Lage des Allwissenden. Die Figuren lassen es an ihren inneren Monologen und Gedanken teilhaben, indem sie diese laut äußern. Die Folge: jede Menge Situationskomik. Denn das Grundthema dieser Story ist so alt wie das ewige Geplänkel zwischen Frauen und Männern überhaupt. Was denkt sie eigentlich. Und er?

Hinter der Fassade.

Daniel (Herbert Knaup) und Isabelle (Cristin König) sind ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das durch die Ehekrise eines befreundeten Paares selber ins Trudeln gerät. Foto: Oliver Fantitsch

Das Stück: Daniel, gespielt von Herbert Knaup, lädt seinen alten Freund Patrick zum Essen ein. Seine Frau Isabelle (Christin König ) ist davon nur wenig angetan. Schließlich hat Patrick (Stephan Schad) ihre beste Freundin verlassen, um mit der sehr jungen und sehr blonden Emma (Jessica Ohl) eine neue Beziehung einzugehen. Doch das Essen findet statt. Und was vordergründig wie ein beschaulicher Abend aussieht, ist hinter der Fassade ein brodelndes Fass voller aufgestauter Emotionen und sexuellen Avancen.

Hinter der Fassade

Daniel versucht, am Herd Eindruck zu schinden bei Emma (Jessica Ohl). Foto: Oliver Fantitsch

Daniel, tapsig, verwirrt und nicht Herr der Lage, schwankt zwischen Neid und Abscheu gegenüber seinem besten Freund und versucht sich mit Snoopy-Küchenschürze und Kochlöffel in der Hand als echten Kerl zu positionieren und Emma zu imponieren. Isabelle ringt mit ihrem Bedürfnis, Patrick ihre Meinung zu sagen – und Emma lebt komplett in ihrem eigenen Film. Alles auf der Bühne hat einen doppelten Boden. Enge Freundschaften werden als hohles Gefäss entlarvt.

Und über all dem schwebt die Angst vor dem Altern. Emma ist der Katalysator, der Daniel ins Schlingern bringt und ihn zweifeln lässt an seinem Leben. Ist der samstägliche Wochenmarkteinkauf wirklich Highlight der Zweisamkeit? Wirklich jetzt?

Emma ist die Blaupause für die Jugend. Für Männer sexuelles Phantasieobjekt und Jungbrunnen, für Isabelle rotes Tuch. Eine Provokation auf zwei langen, schlanken Beinen im schwarzen, kurzen Spitzenkleid. „War ich nicht auch einmal so sexy? Was bildet die sich ein!“ sagt sie.

Insofern: das Männer und Frauen in unterschiedlichen Ebenen denken, das ist nicht neu. Spannender in diesem Stück sind die Kriegsnebenschauplätze.

Hinter der Fassade, da fragt sich Daniel in diesem Moment, welche Haarfarbe Emma an anderen Körperstellen wohl so trägt...Foto: Oliver Fantitsch

Hinter der Fassade, da fragt sich Daniel in diesem Moment, welche Haarfarbe Emma an anderen Körperstellen wohl so trägt…Foto: Oliver Fantitsch

Das Stück hat Charme, Komik und Tiefe. Ulrich Waller hat Zellers Stück gekonnt umgesetzt, die Darsteller brillieren.  
In Paris war Daniel Auteuil Zentrum der monatelang ausverkauften Uraufführung, in Hamburg steht Herbert Knaup ihm in nichts nach. /REM / Foto: Oliver Fantitsch

Termine: 
11. Januar 2017 bis 15. Januar 
17. Januar 2017 bis 22. Januar 
24. Januar 2017 bis 27. Januar 2017, jew. 19.30 und sonntags um 18 Uhr im St. Pauli Theater Hamburg

 

 

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