Im Bunker mit Helge-Schneider-Helmfrisur

Nein, in der grotesken Gesellschaftssatire von Nikias Chryssos geht’s nicht um Hitler. Ab 12.2. läuft der Film im 3001 Kino

Auch wenn der Hausherr im „Bunker“ ein Oberlippenbärtchen trägt, mit dezent österreichischem Akzent spricht und sich der Plot im Wesentlichen um die Aufzucht erfolgreichen Nachwuchses dreht. Der hier blond ist und auf den Namen Klaus hört.

Klaus lebt mit seinen Eltern in völliger Isolation in einem unterirdischen Bunker mitten im Wald. Zum familiären Trio stößt ein Student, der zur Vollendung einer abstrusen wissenschaftlichen Arbeit völlige Ruhe sucht und zu diesem Zwecke ein Zimmer gemietet hat. Zum Arbeiten kommt er dennoch kaum:

Der Außerirdische Heinrich, der in Mutters geschwollenem Bein haust (doch, wirklich!) und eigentliches Oberhaupt der Familie ist, beschließt, dass der Student an des Vaters Stelle den Sohnemann unterrichten wird. Die geistige Erziehung des Sprösslings mit Helge-Schneider-Helmfrisur erweist sich als quasi unlösbare Aufgabe, bei der der Student irgendwann seine Prinzipien der Realität anpassen muss …

Chryssos’ mehrfach preisgekröntes Langfilmdebüt ist ein völlig absurdes, dabei irrwitzig komisches Kammerspiel, bei dem auch das kleinste Detail noch stimmt – oder vielmehr auch gerade nicht. Allein Klausens Klamotte!

Doch so grotesk die Geschichte auch erscheinen mag, dahinter steckt durchaus tiefgründige Gesellschaftskritik: an leistungsorientierten Helikopter-Eltern, die ihre Kinder maßlos überfordern und sie gleichzeitig nicht loslassen wollen. Klaus, der angeblich acht Jahre alt ist, aber aussieht, als wäre er mindestens dreißig, wird noch von seiner Mutter gestillt. Ein echter Albtraum, das Ganze. Aber ein komischer. Und ein Muss für Freunde des bizarren Kinos.

Text: Maike Schade

Regie: Nikias Chryssos. Mit Pit Bukowski, Daniel Fripan, Oona von Maydell, David Scheller.
12., 13.+17.2. im 3001 Kino
Schanzenstraße 75 (Sternschanze)