Jannes Wochenrückblick Vol. 4

Kolumne: Von Heimweh und Fernweh. Und warum Touristen unsere Stadt genauso lieben dürfen, wie wir

Der Mensch will oft genau das, was er gerade nicht hat. Regen, wenn er lernen muss. Sonne, wenn er draußen spielen will. Nix los, wenn im eigenen Kopf zu viel los ist. Mehr los, wenn im eigenen Kopf nix los ist.

Dem Hamburger erschließt sich hier regelmäßig eine weitere Dimension. Er möchte in der schönsten Stadt der Welt leben, sie aber mit niemandem teilen. Der „echte Hamburger“ zeichnet sich also dadurch aus, dass er jeden, aber auch wirklich jeden Gast zum Hafengeburtstag schlecht macht. Wo er nur kann. So richtig weltoffen.

Überall Touris, jede Bahn zu voll, superlaut, immer diese Engländer, keiner spricht deutsch, Asiaten stehen ständig im Weg rum. Diese Liste lässt sich endlos fortführen. Wir vergessen, dass auch wir ständig irgendwo Touristen und Ausländer sind. Und das aus denselben Gründen: Weil wir die Stadt lieben, die wir gerade besuchen.

Und Hamburg kann man ja nun einmal gut lieben. Für seinen Hafen. Wir gehen da ja selber ständig hin. Wenn wir Heimweh haben. Wenn wir Fernweh haben. Wenn wir Weitblick brauchen. Oder wenn jemand ein semischarfes Foto bei miesem Wetter postet, das wir sofort bei Facebook liken, weil wir ja Hamburger sind.

Man kann Hamburg für das angrenzende St. Pauli lieben. Den Ort, der gerade einen ziemlich imposanten Foodtruck-Markt auf dem Spielbudenplatz veranstaltet hat. Der Ort, der immer wieder gute Clubs und Bars hervorbringt. Ja, auch schlechte und auch 47 Döner-Energy-Kioske. Aber auch das Molotow, das Moondoo, den Gruenspan, die Freiheit, das Ego, den Sommersalon, den Hörsaal, den Baalsaal, den Mojo Club, die KorallBar, das Clockers, das 3 Freunde… Der Ort, an dem man sich neuerdings sogar selber anpinkeln kann. Das klingt doch ganz spannend.

Genau wie die Gäste des Hafengeburtstages: Ich habe dieses Jahr sehr nette Leute aus New York, Kolumbien, Kanada, Australien und Sachsen kennengelernt. Und vier Russinnen von der Marine. In Uniform.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Foto: Marius Röer