Jannes Wochenrückblick Vol. 5

Kolumne: Draußen spielen. Wer sich bei Open Airs nicht benimmt, dem pinkelt eine Armee Eichhörnchen ins Bett

Superstar-Acts wie Moonbootica tun es. Clubs wie der Baalsaal, das Uebel & Gefährlich, das ehemalige Ego oder der Golden Pudel Club tun es. Veranstalter wie die OV Silence oder Grünanlage tun es. Ok, spätestens bei dem Wort Grünanlage muss eigentlich bei jedem unter 59 Jahren der Groschen gefallen sein: Hamburg darf endlich wieder draußen spielen.

Dabei sind den Locations keine kreativen Grenzen gesetzt. Überall, wo die Stadt vierstellig junge Menschen mit Seifenblasen und Glitzer im Gesicht vertragen kann, gibt es 2015 tolle Partys. Elbpark Entenwerder, Ballinstadt, Wilhelmsburg, Wassersport Arena Pinneberg, Luhmühlen, Blohm + Voss. Die Veranstalter zeigen dem jungen Feiervolk mittlerweile richtig was von der Stadt.

Und zwar in einer ziemlich imposanten Frequenz: Samstag, Sonntag, Vatertag, Muttertag, Pfingsten – alles Feiertage. Es gibt im Sommer wohl kaum ein Wochenende, wo neben Elbjazz, Elbriot, Dockville, Hurricane, Fusion oder Reeperbahnfestival noch ein Plätzchen im Feierkalender wäre. Dazu kommen allerlei Sausen auf Schiffen, den offiziellen Open-Air-Flächen in Winterhude oder Bahrenfeld, illegalen Spots und urbanen Flächen wie dem Knust-Vorplatz, den der Baalsaal auch bereits erfolgreich bespielt hat. Und da sage mal einer, in Hamburg sei nichts los.

Für einen perfekten Sommer habe ich zwei Bitten. Die eine hat mit „wer feiern kann“ zu tun, die andere mit „kann auch arbeiten“. Vortrinken ist immer lustig, ein „Fußpils“ oder ein verborgener Flachmann in der U-Bahn auch, aber irgendwann muss man auch mal anfangen, den Veranstaltern am Tresen etwas Geld für Musik, Müll und Gebühren zurückzugeben. Klar, viel kostet heuer auch schon Eintritt, aber die Taschen voll machen sich tatsächlich die wenigsten.

Stichwort Müll: gar nicht erst machen. Sonst rufe ich eine Armee Eichhörnchen, Maulwürfe und Singvögel zusammen und wir vermüllen Deine Bude mal so richtig. Und pinkeln sechsmal auf Dein Bett. Wenn Du Glück hast. Mal alles vergessen in der Natur – schön und gut. Aber die Natur vergisst uns nicht.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Foto: Tord Henning Zich