Jannes Wochenrückblick Vol. 58

Kolumne: Rotgrünschwäche. Oder warum Jannes Vahl etwas dagegen hat, Verkehrsplanung unseren Smartphones zu überlassen

Ich bin absolut pro Fortschritt. Ich mag zwar auch Print und Unterschriften mit Füllfederhaltern und die Neunziger, aber mir ist  durchaus bewusst, dass die Technologie Fortschritte macht. Dass Leseratten einen Bildschirm mit in den Urlaub nehmen anstatt drei Bücher. Dass Weltbürger einen Bildschirm nach News fragen anstatt eine Oldschool Zeitung oder die Uroldschool Tagesschau. Dass Pendler einen Bildschirm mit in die Öffis nehmen anstatt sich anzulächeln.

Alles geschenkt. Und gratis: Wissen, Nachrichten, Benutzerportale – alles frei. Dass eine dänische Stadt jetzt aber Fußgängerampeln im Boden installieren will, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu verringern, weil wir Menschen beim Laufen mit den Augen eher auf dem Pflaster als in der Luft hängen, ist erschreckend. Handy im Auto: verboten. Handy auf dem Rad: verboten. Aber die Menschen in der Stadt werden es doch wohl noch selber schaffen, sich nicht überfahren zu lassen, oder?

Nun gut, Menschen bringen sich von Fast Food über Extremsex bis Krieg auf vielfältig dumme Art und Weise ins Grab und die Unterschiede zwischen Geh-, Radweg und Straße verwischen auch immer mehr, aber dass wir die Stadtplanung jetzt schon Smartphones überlassen, finde ich langsam wirklich etwas Terminator 2.

Habt einen schönen Start in die Woche, I’ll be back. Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.