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Jannes Wochenrückblick Vol. 67

Kolumne: Gastfreundschaft. Oder: Warum Vorurteile bequem sind und es deshalb an der Zeit ist, unbequem zu werden

Ich liebe italienisches Essen. Ich liebe chinesisches Essen. Ich liebe japanisches Essen. Ich liebe spanisches Essen. Ich liebe die isländische Natur. Ich liebe französische Lebensart. Ich liebe amerikanischen Sport. Ich liebe türkische Snacks. Außerdem liebe ich viele Menschen aus diesen Ländern. Also platonisch jetzt.

Italiener haben weltberühmte Mafiosi. Chinesen machen allerlei Barbarisches mit Tieren. Japaner zum Beispiel mit Haien. Spanier mit Stieren. Isländer zum Beispiel mit Walen. Franzosen mit Fröschen. Die Amerikaner haben Donald Trump. Die Türkei diesen größenwahnsinnigen Kleingeist.

Nun ist es so, dass man diesen – größtenteils westlichen – Beispielen ziemlich viel ankreiden könnte. Themen: Politik, Menschenrechte, Kolonien, Umgang mit Nachbarn oder anderen Ländern… Das machen wir aber kaum. Vergangenheit ist vergangen, kaum jemand weiß das wohl so gut wie wir. Ich kenne den Umgang mit diesen Ländern seit 1981 eigentlich mehr als harmlose „Vorurteile“. Chinesen stehen oft im Weg rum und fotografieren. Franzosen sind oft so depressiv. Amerikaner sind dick oder doof. Oder Waffennarren.

Warum sind uns heute trotzdem Länder „fremd“, wo es gute Reportagen, gute Journalisten und das gute Internet gibt? Weil es bequem ist. Dann liebe ich es, unbequem zu sein.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder. Jannes

Foto: Tord Henning Zich

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.