(2.11.) Musik, Simon & Garfunkel Revival Band, Delphi Showpalast, 20 Uhr

„The Boxer“, „The Sound of Silence“ und „Mrs. Robinson“: Mit Songs wie diesen haben Paul Simon und Art Garfunkel seit Mitte der 60er-Jahre den Folk-Rock und die Popkultur gleichermaßen mit einer guten Portion Poesie beschenkt. Keine leichte Aufgabe also, diese Stücke stil- und gefühlsecht in der Gegenwart wieder auf die Bühne zu bringen: Die Simon & Garfunkel Revival Band nimmt sich dieser künstlerischen Herausforderung an. Michael Frank und Guido Reuter überzeugen dabei nicht nur stimmlich, sondern auch mit stimmigen Mitmusikern, Arrangements und einer Interpretation, die sich in die alten Folk-Songs hineinversetzt und sie mehr als nur Cover sein lässt.

/ MT

Delphi Showpalast
2.11.17, 20 Uhr

 

(1.11.) Theater, „Szenen einer Ehe“, Ernst Deutsch Theater, 19:30 Uhr

Die Rechtsanwältin Marianne und der Naturwissenschaftler Johan sind seit zehn Jahren verheiratet – scheinbar glücklich. Doch schon in der ersten der „Szenen einer Ehe“ kündigt sich das Scheitern ihrer Ehe an. Es ist zunächst Marianne, die gern an der starren Enge und Routine etwas ändern möchte, aber sich von Johans Desinteresse schnell entmutigen lässt. Allzu deutlich orientiert sich Regisseur Harald Weiler in seiner Inszenierung an den Dialogen und den Protagonisten des gleichnamigen Spielfilms von 1973. Regisseur Ingmar Bergman sorgte damals mit seiner deutlichen Kritik an der heiligen Institution Ehe und durch die offene Thematisierung der Sexualität für einen Skandal.

Trotz ihrer frischen, unabhängigen Ausstrahlung kann Nele MuellerStöfen als Marianne sich nicht von dem berühmten Vorbild Liv Ullmann absetzen und im Stück ein eigenes Profil entwickeln. Besonders aber die Rolle des Johan (Kai Scheve) lässt wenig Spielraum. Das ist eine vertane Chance, denn so wirkt es als hätte sich in der Beziehungsdynamik in den letzten vierzig Jahren gar nichts verändert.

Fehlende Gefühle

Und auch der zermürbende Rosenkrieg auf der Bühne, der einsetzt als Johan seine Frau wegen einer jungen Studentin verlässt, kann weder mit dem großartigen Psychodrama des schwedischen Kultregisseurs noch mit seiner damals auf den Film folgenden sechsteiligen Fernsehserie mithalten. Dem Stück im Ernst Deutsch Theater fehlen leider die interessanten Gefühlshöhen und -tiefen. Diesen Geschlechterkampf sollte man sich lieber wieder einmal im Original anschauen.

/ Angela Kalenbach / Foto: Joachim Gern

Ernst Deutsch Theater
1.11.17, 19:30 Uhr 

(1.11.) Nachtleben, Monophona Konzert, Häkken, 21 Uhr

Aus unerfindlichen Gründen sind Monophona immer noch ein Geheimtipp – es ist längst Zeit, dass sich das ändert. Aus der Schnittmenge der grundverschiedenen musikalischen Welten von Produzent PhilippeChookSchirrer und der aus dem Folk stammenden Singer-Songwriterin Claudine Muno entsteht in der Musik der Luxemburger ein faszinierender Hybrid aus elektronischer Distanzwahrung und warmer, akustischer Annäherung, der an TripHop-Helden wie Portishead oder Lamb erinnert. Das jüngst erschienene „Girls On Bikes Boys Who Sing“ unterstreicht die Qualitäten der Band erneut.

/ FR

Häkken
1.11.17, 21 Uhr 

 

(1.11.) Literatur, Lesung: „Unter einem Dach“, W3, 20 Uhr

Die Sußebachs haben Ende 2015 Amir Baitar bei sich aufgenommen, einen geflüchteten Studenten aus Syrien. Gemeinsam leben sie seitdem in einem Haus am Hamburger Stadtrand. Über ihr Zusammenleben haben Amir Baitar und Henning Sußebach ein Buch geschrieben, das „Unter einem Dach“ heißt und aus dem sie heute im Zuge des eigenarten Festivals im W3 lesen werden. Eine wahre Geschichte vom Verschiedensein, dem Zusammenwachsen – und der echten Chance, die Geflüchtete und Hamburger gemeinsam haben.

/ MT

W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik, Nernstweg 32
1.11.17, 19:30 Uhr 

(31.10.) Film, „God’s Own Country“, 3001 Kino, 17 Uhr

Die Verantwortung erdrückt Johnny (Josh O’Connor). Der 24-Jährige hasst das entbehrungsreiche Leben und die harte Arbeit auf der abgelegenen Schafsfarm seiner Familie im Norden Englands. Martin, der Vater, ist krank und verbittert, weil ihn die Frau verlassen hat, der Hof nicht genug Geld bringt. Die stoisch unfreundliche Großmutter kümmert sich um den Haushalt. Wenige Worte werden nur gewechselt, grob, fast bösartig. Um seinen Frust zu betäuben, besäuft sich Johnny jeden Abend im Pub. Er ist schroff, abweisend, will mit niemandem sprechen, ab und zu hat er unverbindlichen Sex mit jungen Männern.

Der Vater beharrt auf einem Saisonarbeiter während des Frühjahrs, wenn die Lämmer geboren werden. Johnny fügt sich nur widerwillig, verhöhnt den gleichaltrigen und äußerst attraktiven Gheorghe (Alec Secăreanu) als Zigeuner. Der Rumäne ist im Gegensatz zu ihm mit Leidenschaft Farmer, packt gern zu, hat viel Erfahrung, der Zuschauer spürt, welche Willenskraft und Zärtlichkeit in ihm stecken, er geht behutsam, liebevoll mit den Tieren um. Die beiden Männer geraten aneinander, aus der körperlichen Auseinandersetzung entwickelt sich ihre erste sexuelle Begegnung: ein Mix aus Schlamm, Schweiß, animalische Gier, Wut, mehr Kampf als Umarmung.

Gewaltige Gefühle in Nahaufnahme

Diese Explosion widersprüchlicher Emotionen ist atemberaubend und schauspielerisch meisterhaft. Die stürmischen Hochmoore in Yorkshire waren schon Schauplatz von Emily Brontës „Wuthering Heights“. Regisseur Francis Lee ist hier aufgewachsen, er drehte nur wenige Minuten von der elterlichen Farm entfernt, in seiner Jugend schien er sich der archaischen wilden Schönheit der Gegend noch nicht bewusst, empfand sie als erdrückend, brutal und ging nach London, um Schauspieler zu werden.

God’s Own Country“, das sind große gewaltige Gefühle in Nahaufnahme: Die Kamera weicht den beiden Protagonisten nicht von der Seite, Lees Regiekonzept verlangt absolute Authentizität. Die zerklüftete Felslandschaft prägt die Menschen, ist zugleich Spiegel ihrer Hoffnungen und Ängste. Ganz langsam löst sich Johnny aus seiner Erstarrung, erst durch Gheorghe begreift er, was Zärtlichkeit ist, entdeckt die unwiderstehliche Magie der Natur. Als der Vater einen zweiten Schlaganfall erleidet, bittet Johnny den Freund zu bleiben. Der willigt ein, aber nur unter einer Bedingung.

/ Anna Grillet

3001 Kino
31.10.17, 17 Uhr / Deutsche Fassung

(31.10.) Musik, Kraftklub, Sporthalle, 20 Uhr

Warum Kraftklub eine Ausnahmestellung im deutschen Pop einnehmen? Weil sie kommerziellen Erfolg der Attitüde unterordnen. Das taten sie etwa 2013, als sie für den „Echo“ nominiert waren. Mutig genug für ein politisches Statement, zogen die Chemnitzer damals ihre Teilnahme zurück, weil sie nicht auf einer Liste mit der Band Frei.Wild stehen wollten. Dass Felix, Till, Karl, Steffen und Max bis heute enorm relevant für die hiesige Musiklandschaft sind, zeigt ihr starkes drittes Album „Keine Nacht für Niemand“, das sie an gleich zwei Abenden in Hamburg spielen werden.

/ EBH / Foto: Philipp Gladsome

Sporthalle Hamburg
31.10.17, 20 Uhr

(31.10.) Film, „Maudie“, Abaton, 20:15 Uhr

Auf der BerlinalePremiere gab es Standing Ovations. Vor allem als Sally Hawkins die Bühne be- trat, diese Ausnahme-Schauspielerin, die auch als Malerin Maude Lewis (1903–1970) umwerfend ist. Die Füße nach innen geknickt und wegen rheumatischer Athritis seltsam verkrümmt, tippelt sie in der kanadischen Einöde in das Leben des ruppigen Junggesellen Everett (Ethan Hawke), der eine Haushälterin sucht. Erst putzt Maude das Haus, dann beginnt sie es zu bemalen und wird von New Yorks Kunstszene entdeckt. Eine wahre Geschichte, die tief in das Wesen der Kunst eindringt.

/ SD

Abaton
31.10.17, 20:15 Uhr

(30.10.) Nachtleben, Pirates of St. Pauli, Große Freiheit, 22 Uhr

In diesem Jahr ist der 31.10. für alle frei und darum beginnt die HalloweenParty schon einen Tag vorher. Gruseln könnt ihr euch auf drei Floors. Neben der Großen Freiheit wird auch im Kaiserkeller und in der Galerie 36 getanzt. Wie sich das an Halloween gehört, zahlen verkleidete Gäste nur die Hälfte.

Musikalisch heißt es Best of Charts mit DJ Yann & Matt Nautique, Gothic Rock von DJ Paddy und Salsa, Latino und Black mit DJ Renzo. Und wer den finalen Grusel braucht, wandelt morgens durch den Kiez und besichtigt versprengte Partygäste.

/ DAK

Große Freiheit
30.10.17, 22 Uhr

(30.10.) Nachtleben, Keller-Kantate, Prinzenbar, 24 Uhr

Die Kantate meint im musiktheoretischen Sinne all jene Werke, die für mehrere Gesangsstimmen oder Instrumentalbegleitungen gedacht sind, auf mehreren Ebenen klingen. Bei der Keller-Kantate handelt es sich um die musikalischen Aktivitäten des in Berlin Neukölln ansässigen KELLER Labels, die schlichtweg für bloß einen Ort zu schade wären. Die hauseigene Partyreihe KELLERGEDECK geht daher auf Reisen. Mit im Gepäck: Ben Böhmer, Acud & Emphis und Nicorus.

/ MME

Prinzenbar
30.10.17, 24 Uhr

(30.10.) Lesung, „Der Spaziergänger von Aleppo“, Bücherhallen, 19:30 Uhr

Niroz Malek ist ein syrischer Schriftsteller, der in Syrien geblieben ist und sich mit dem geschriebenen Wort gegen die Scharfschützen und Sprengfallen um ihn herum wehrt. Und seine literarischen Einblicke beschäftigen sich mit dem eigentlich alltäglichsten der Welt: Dem Spazierengehen. Daraus ist das Buch „Der Spaziergänger von Aleppo“ entstanden, aus dem heute in den Bücherhallen seine Tochter Dinan Hesso liest. Das tut sie auf Arabisch, während abwechselnd Nikola Duric aus der kürzlich erschienen deutschen Übersetzung vorträgt.

Musikalisch untermalt wird die Lesung vom syrischen Gitarristen Aladdin Haddad. Nach der Lesung sprechen der Verleger Stefan Weidle mit Dinan Hesso und der Übersetzerin des Buches und Syrienkennerin, Larissa Bender, über Bleiben und Gehen, den Entstehungsprozess des Buches, und das Ringen um menschliche Würde mit den Mitteln der Kunst. Der Abend findet im Rahmen des eigenarten Festivals statt und wird von „Wir machen das“ veranstaltet, einem Bündnis, das sich um interkulturelle Begegnungen bemüht.

Der Eintritt ist frei.

/ MT

Zentralbibliothek Bücherhallen / Hühnerposten 1
30.10.17, 19:30 Uhr