Zu Besuch in der Störtebeker Elbphilharmonie

Wow. Echt jetzt. Eigentlich ist man ein bisschen sprachlos, dass die Elbphilharmonie tatsächlich bald eröffnen wird. Haben wir auch nicht geglaubt und deshalb das Störtebeker dort besucht

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Christoph Strenger (li) und Jürgen Nordmann (re) mit dem Küchenchef Andreas Pechatschek in ihrer Mitte

Auch wenn die Kritik groß ist in dieser Stadt, und zurecht über Kosten und Kostenexplosionen gestritten worden ist: Die Elbphilharmonie hat es verdient, dass wir sie einfach mal ohne Vorbehalte ansehen. Architektonisch ist sie ein kleines Meisterwerk. Fügt sich ein in die Skyline, ist präsent, ohne dominant zu sein. Spätestens in dem Moment, in dem wir mit einem Getränk in der Hand über den Hafen schauen, schleicht sie sich durch die Hintertür in unser Herz hinein. Der Ausblick kann was. Muss man nicht drüber diskutieren.

Laga, Lage, Lage heiß es im Immobilien-Bereich. Hat sich Störtebeker-Chef Jürgen Nordmann wohl auch gedacht, als er vor über 10 Jahren den Zuschlag erhielt, die Gastronomie in dem Gebäude übernehmen zu dürfen. Über Investitionen will der Craft Beer Produzent am liebsten nicht sprechen. Aber die Lage in der Elbphilharmonie wird sich auszahlen – und passt ins Konzept der Marke. Norddeutsch, Meer-gestählt, mit Klasse und eigenem Kopf.

Zusammen mit east-Group Geschäftsführer Christoph Strenger hat Nordmann in der Elbphilharmonie drei Stockwerk-Teile übernommen. Im Deck 5 ist das Restaurant „Beer & Dine“ mit seinen 220 Sitzplätzen und Lounge- und Barbereich beheimatet. Auf der Speisekarte stehen gebackener bunte Beete Salat (16,50 Euro) oder überbackenes Franzbrötchen (10,50 Euro). Bier gibt es natürlich auch, ab 3,80 Euro (o,3 l). Das Konzept, man sieht es an den Gerichten, ist, ein wenig edgy zu sein, ohne elitär zu wirken. Eine schmaler Grad für die Betreiber. Deshalb setzt man bei der Innenausstattung auf ausgewählte Materialien, die das Thema Brauhaus modern interpretieren. Keine Fischernetze oder andere Klinkerlitzchen versperren hier den Blick. Statt dessen dominieren rustikale Holztische mit Leder-Sitzen den Raum.

Ein Stockwerk höher, im Taste & Shop, geht’s ums Hopfengetränk. Hier finden Verkostungen statt. Außerdem werden spezielle Merchandising- und Souvenir-Artikel angeboten; die neuen Eisbockbiere beispielweise. Oder Geschenkesets im Elbphi-Look. Oder frisch gezapfte Biere im Growler, der so nur in Hamburg zu kriegen ist.

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Blick aus dem Beer & Dine

Im Obergeschoss, Deck 8, im Deck & Deli, gibt es Snacks und Getränke. Bier auch. Klar. Und den unschlagbaren Blick über den Hafen, da wo Hamburgs Herz unermüdlich schlägt. Bisschen romantisch ist das. Trotz all der Streitereien, die das Bauwerk in sich trägt. Liebe Elbphi, wir wünschen gutes Ankommen in dieser Stadt. Und dem Störtebeker eine reibungslose Eröffnung morgen.

 

Nur in Hamburg erhältlich: Störtebecker Growler

Nur in Hamburg erhältlich: Störtebeker Growler

 

(1.8.) Literatur, Liebe für alle, Vol. 17 – Ladies Night, Grüner Jäger, 20.30 Uhr

Kurzgeschichten, Satiren, Lieder, Cartoons und ganz viel Liebe – die Hamburger Lesebühne, diesmal rein weiblich besetzt:
„Ladies Night“ mit Katrin Seddig, Ella Carina Werner und famosen Stargästinnen, charmant und feminin moderiert von Piero Masztalerz.
Aber kiene Sorge: Männliche Zuschauer sind natürlich willkommen!

Zu Gast is auch die Cartoonistin Dorthe Landschulz, die extra aus der Bretagne anreist. Die in Hamburg lebende Malerin und Autorin Ina Bruchlos hat eine kürzere Anreise, ist aber nicht weniger gewitzt. Zuletzt erschien 2015 ihr Band: „Da ist ein Riss in der Welt“ mit Erzählungen und Bildern. Eintritt: 7 Euro

Grüner Jäger
1.8.17, 20.30 Uhr

10. altonale Kunstherbst steht in den Startlöchern

Der 10. altonale Kunstherbst findet am 5. und 6. November 2016 im Ex-Englandfährterminal statt

Kunst und Künstler aus Hamburg und der Region, aber auch aus dem Ausland finden an diesen Tagen auf im Rahmen des altonale Kunstherbstes in Hamburg eine Bühne für ihr Schaffen. Rund 50 Künstlerinnen und Künstler stellen ihre aktuellen Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Fotografie nicht nur aus, sondern bieten sie vor allem auch zum Kauf an.

Die freakheads sind ein kleines Hamburger Kunstprojekt. Jeder freakhead ist ein Unikat.

Die freakheads sind ein kleines Hamburger Kunstprojekt. Jeder freakhead ist ein Unikat.

 

Alle Künstler sind persönlich vor Ort, einen Schwerpunkt bildet in diesem Jahr der Bereich Objekt & Skulptur. Hier fallen die Holzarbeiten von Benjamin Fock ins Auge. Der geborene Nordfriese besuchte in Flensburg die Werkkunstschule. Nach einer fünfjährigen Studienreise als Bildhauer hat er sich nun im Norden wieder niedergelassen. Als freischaffender Künstler erschafft er hauptsächlich figurative Skulpturen aus Holz.

Am Sonntag ab 15 Uhr wird außerdem Auktionator Gerhard Fiedler wieder einige Kunstwerke unter den Hammer bringen. Die Hälfte des Erlöses kommt dem altonale Freundeskreis e.V. zugute, der mit dem Geld die Kulturveranstaltungen der altonale unterstützt.

 5.11.2016: 11 – 19 Uhr / 6.11.2016: 11 – 18 Uhr; Ex-Englandfährterminal, Van-der-Smissen-Straße 4
Tagesticket 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kombi-Ticket für beide Tage 8 Euro
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei

Liam Tanzen ist Fans der Millerntorgallery wohl bekannt. Der Teenager hatte mit seinen Fußballer-­ und Starzeichnungen inzwischen schon Ausstellungen im europäischen Ausland.

Der Künstler Liam Tanzen ist Fans der Millerntorgallery wohl bekannt. Der Teenager hatte mit seinen Fußballer-­ und Starzeichnungen inzwischen schon Ausstellungen im europäischen Ausland.

(1.8.) Musik, GHvC Plattenladen, Knust, 14 Uhr

Das Grand Hotel van Cleef feiert Geburtstag in diesem Monat, und das Knust feiert kräftig mit. Heute eröffnet der GHvC Plattenladen. Bis zum 4. August wird das Knust Café zum echten Plattenladen. Täglich von 14 bis 20 Uhr könnt ihr euch durch das gesammelte Shop van Cleef – Sortiment shoppen. 

Dazu gibt es einige Artikel die es vorerst nur im GHvC Plattenladen vor Ort zu erwerben geben wird – dazu gehören sowohl exklusive Ticketkontigente als auch Platten und spezielle Geburtstagswochenartikel. 

Und am Abend, ab 18 Uhr (-20 Uhr)  erwartet euch dann noch Live-Musik: Heute treten Abend Hello Piedpiper & Burkini Beach auf. 

Das Line-up der folgenden Tage liest sich so:

Der Eintritt ist natürlich frei, auch für die Konzerte am Abend.

Knust
1.8.17, 14 Uhr

 

Neu! Der Schietwetter Guide für Hamburg

Einmal ein Beitrag in eigener Sache: Wir sind stolz, euch unser neuestes Baby, den Schietwetter Guide, vorzustellen. 148 Seiten gegen Schlecht-Wetter-Frust in dieser Stadt

SZENE Hamburg SchietwetterHerbst in Hamburg. Es nieselt, ist diesig. Vielleicht stürmt es auch mal, pladdert. Das Wetter in dieser Stadt ist manchmal wankelmütig. Macht nichts, weil auch die rauen Seiten der Hansestadt schön sein können. Und zu bieten hat sie bei jedem Wetter was. Um das zu beweisen, haben wir einen prall gefüllten Schietwetter Guide produziert – mit Empfehlungen für ausgedehnte Shopping-Touren, Adressen aus Kultur, Sport, Essen & Trinken.

Wir stellen euch coole, wettererprobte Hamburger vor. Zum Beispiel Carola Vertein, die der Liebe zum Schirm verfallen ist. Wir führen euch durch Hamburgs Craft Beer-Oasen. Ein Treffen bei guten Getränken mit guten Leuten, während es draußen schauert… ein schöner Gedanke.

Unsere Projektleiter Katharina Grabowski und Jasmin Shamsi haben bei ihren Recherchen selber manch neue Location in Hamburg entdeckt. Oder wieder entdeckt.

Unsere stressresistente Art Director- und Design-Kennerin Eike Hahn hat das ganze liebevoll layoutet. Kurz: Wir sind ein bisschen stolz auf diese Arbeit. Da steckt viel Arbeit und Liebe drin. Lange Nächte. Streifzüge durch die Stadt. Zahlreiche Entwürfe, Ideen, Gespräche.

Nun ist er gedruckt und ab sofort zum Preis von 7,50 Euro im Zeitschriftenhandel oder in unserem Abo-Shop erhältlich. Schaut doch mal rein! AHOI und kommt gut durch die Schietwetter-Tage.

(31.7.) Film, Paterson, Schanzenkino, 21.45 Uhr

Ein Woche im Leben eines jungen Mannes, seiner Frau und ihrer englischen Bulldogge in der mittelgroßen Stadt Paterson, New Jersey. Punkt. Jim Jarmuschs Film nimmt einen mit in den kleinen Kosmos großartiger Charaktere. Wer den Film bisher verpasst hat, kann ihn heute im Schanzenkino ansehen.

Foto: Mary Cybulski

 

Schanzenkino
31.7.17, 21.45 Uhr

(31.7.) Literatur, Ronja von Rönne, Sommer in Altona, 19 Uhr

Positiv denken ist sehr in. Dabei ist das großer Unsinn. Wenn man zum Beispiel sehr einsam ist, hilft es auch nicht, sich einzureden, man sei eigentlich nur die kleinste Polonaise der Welt. Es macht mehr Freude, sich einzureden, man sei allein und nicht etwa ein sehr exklusives Clübchen.“

Wie genau man das anstellt, erfährt man im Buch „Heute ist leider schlecht“ von Ronja von Rönne, dem laut Deutschlandfunk Kultur „neuen Stern am Himmel des deutschen Popliteratentums“. „Heute ist leider schlecht“ ist ihr zweites Buch. Die Kolumnistin der Welt am Sonntag ist bekannt für ihren Witz und Scharfsinn. Obacht, es besteht Provokationspotential! Ronja von Rönnes Lesung ist Teil des Festivalprogramms von Sommer in Altona.

 / Beitragsbild: Carolin Saage

Sommer in Altona – Festival im Zirkuszelt
31.7.17, 19 Uhr

Logo-Chef Gugel braucht keine Millionen

Eberhard Gugel könnte seinen Club locker für viel Geld an Immobilien-Investoren verkaufen. Macht er nicht. Logo –  ein Leben lang

Mitten in Hamburg, auf einem der begehrten Sahnegrundstücke im Grindel, steht zwischen Altbauten und Geschäftshäusern ein pechschwarzer Flachbau, der fast wie eine dieser alten Garagen aus den 60ern aussieht. Seit über 40 Jahren ist hier das Logo zu Hause. Und obwohl dem Eigentümer Eberhard Gugel, dem Club und Grundstück seit 21 Jahren gehören, regelmäßig Millionenbeträge angeboten werden dafür, dass er seine Koffer packt, bleibt er stur. „Was soll ich denn mit dem vielen Geld?“, fragt er dann. Aber das wissen die Investoren auch nicht so recht. Sie haben nur einen Wunsch: Auf dem Grundstück – direkt gegenüber der Uni und mit bester Nah- und Fernverkehrsanbindung – einen schönen, modernen Neubau zu errichten. 4.000 Quadratmeter, die sich bei der aktuellen Wohnungsnot ideal verkaufen ließen. Aktuell könnte man locker 8.000 Euro pro Quadratmeter verlangen.

„Wenn es keinen neuen Platz für das Logo gibt, werde ich hier nicht weggehen“, sagt der 60-Jährige und haut trotzig mit der flachen Hand auf den Tresen. Dabei ist es nicht so, dass er nicht schon alles versucht hat. Fast sah es auch nach einer guten Lösung aus: Der scheidende Bezirksamtschef Torsten Sevecke wollte den Club in einem Neubau vorm Bezirksamt unterbringen. Allerdings hatte er die Rechnung ohne das Denkmalamt gemacht – und das fand die Idee auf dem Gelände der mit Ensembleschutz belegten Grindelhochhäuser gar nicht gut. Im Gespräch war auch der Uni-Neubau gegenüber der Polizei in der Sedanstraße. „Da hätten wir niemanden gestört“, so Gugel. Doch die Uni beanspruchte die 400 Quadratmeter schließlich selbst.

Etwas, das man dem Logo auch nachsagt: Bands treten gern zweimal auf – einmal bei ihrem Auf- und einmal bei ihrem Abstieg

Weg aus Eimsbüttel will Gugel auf keinen Fall. „Die Gegend ist schön und unglaublich sicher. Wir haben hier ein gemütliches kleines Viertel, das noch lange nicht diese ganze Schanzen-Arroganz in sich trägt. Und du kommst hier völlig entspannt her“, schwärmt er. „Ich zieh schon gar nicht auf den Kiez und erst recht nicht nach Billbrook oder Eidelstedt. Ich möchte, dass die Gäste völlig stressfrei und ohne Angst herkommen können.“

Das Publikum: Bunt gemischt. Professoren, Arbeiter, Auszubildende – „Hier ist alles, was sich für Livemusik interessiert “, sagt Gugel, der nach Punk, Metal und Rock jetzt auch ein wenig entspannter mit HipHop umgeht. „Das zählt ja für mich eigentlich nicht zur Livemusik“, sagt er achselzuckend. „Aber manche find ich gar nicht schlecht.“ Etwas, das man dem Logo auch nachsagt: Bands treten gern zweimal auf – einmal bei ihrem Auf- und einmal bei ihrem Abstieg.

„Ich denke nicht übers Verkaufen nach – dann wär das Logo ja weg.“

Um Mitternacht muss die letzte Zugabe vorbei sein. Nach massiven Anwohnerbeschwerden habe man sich auf diesen Kompromiss geeinigt. Feierabend ist dann allerdings noch lange nicht. „Wenn alles gemütlich ist, kann es auch vorkommen, dass wir noch bis drei Uhr sitzen, Bier trinken und kickern“, erzählt Gugel.

„Eigentlich dachte ich immer, ich geh mit 60 in Rente. Aber da wär mir ja langweilig und meine Frau würde sich wahrscheinlich scheiden lassen, weil der Alte die ganze Zeit rumnervt“, sagt er lachend. Dann seien die millionenschweren Angebote wohl eine schöne Altersvorsorge? Gugel guckt verständnislos. „Ich denke nicht übers Verkaufen nach – dann wär das Logo ja weg.“ Schließlich sei es der einzige Liveclub im Viertel. „Ich werde den Laden später einfach an junge Leute verpachten, die Bock drauf haben. Und dann komm ich zweimal pro Woche rein und weiß alles besser. Das ist doch viel spannender.“  / Ilona Lütje

Neugierig geworden? Dann geht’s hier zum Logo-Programm.


SZ1116-001_Titel_.inddDer Text ist ein Auszug aus dem Titelthema „Leben im Grindel“ aus der November-Ausgabe von SZENE Hamburg.

Es ist ab sofort am Kiosk, im Zeitschriftenverkauf und im Internet erhältlich.


Mehr über das Grindel gibt’s hier:

(28.7.) Nachtleben, Klubhaus Festival St. Pauli, 17 Uhr

Ein Haus, 7 Klubs und eine Feier: Das Klubhaus Festival St. Pauli lädt ein zu großen Feierei! Und zur Erkundungstour durchs Gebäude. Denn diese kleine Nachbarschaft aus Clubs, Theatern und Erlebnisgastronomie unterschiedlichster Couleur hat eine Menge zu bieten.

 Interessierte Besucher dürfen sich am 28. Juli bei freiem Eintritt kreuz und quer durchs Haus treiben lassen, und spannende, repräsentative Programme in den einzelnen Locations erleben. So wird Dennis Grundt im Bahnhof Pauli sein Comedy Programm präsentieren, ab 21 Uhr legt Aaron Lanz ebendort elektronische Musik auf, die Alte Liebe wird bei tollen Getränken zum Tanz mit „The Age of Aquarius“ und „Citizens of the Sun“ bitten, das Schmidtchen Auszüge aus seinem Programm präsentieren, das Skurrilum kleine Probe-Rätsel in seinen Escape-Rooms anbieten, das Häkken schiebt heiße Beats mit den Acts „NYX“, „Sherly“, „Kuoko“ und „Polina“, der Sommersalon gibt Wohnzimmergeschichten und kleinere Live-Auftritte zum Besten, während das Kukuun unter dem Motto „Mit dem zweiten hört man besser“ die drei Band-Duos „The Girl & The Ghost“, „Poems for Jamiro“ und „Horst with no name Orchestra“ auf seine Bühne schickt.

Klingt gut, wild, anspruchsvoll, witzig, charmant… und alles für umme.

Klubhaus St. Pauli
28.7.17, 17 Uhr

Kunst und Kohle. Ein Interview mit Musikerin Sarajane

Die Hamburger Musikerin Sarajane arbeitet unter anderem als Background-Sängerin für Künstler wie Ina Müller – und gleichzeitig an ihrer Solo-Karriere. Ein Gespräch über Kunst, Kohle und die Motivation, sein eigenes Ding zu machen

 

SZENE Hamburg: Sarajane, du arbeitest als Backgroundsängerin unter anderem bei Ina Müller. Warum startest du jetzt mit eigenem Stoff durch?

Sarajane: Als Ina mich anrief, habe ich mich gerade mit Kellnern über Wasser gehalten, hatte aber bereits meine Band und eine kleine Veranstaltungsreihe namens „In the Mix“,  die auf dem Hamburger Berg im Phoca startete. Dort haben wir alle 8 Wochen mit meiner Band Songs mit verschiedenen Gast-Künstlern in unserem Mix gespielt.  Wenn man zum Beispiel einen  Singer-Songwriter hat, der dann seine Songs mit uns zusammen in souligem Gewand mit Chor und Bläsern spielt, das ist toll.  Diese Reihe habe ich großgemacht, bis hin zu einer Einladung zu NDR Hamburg Sounds und großen Konzerten im Knust, wo ich ja bald wieder spiele. Das mit Ina Müller war einfach ein Glücksfall der immer noch andauert. Ich bin schon seit 2008 dabei und im Frühjahr geht es wieder auf Tour. 

Kunst und Kohle: Mal ehrlich, kannst du von deiner Musik leben? Kommt man heute als Sängerin gut über die Runden?

Mit meiner eigenen Musik bin ich seit der Albumveröffentlichung soweit, dass meine Musiker bezahlt werden können, dass ich es mir leisten kann Plakate zu drucken und solche Dinge. Durch Jobs wie die für Ina Müller und diverse andere Künstler, denen ich meine Stimme für Tourneen oder Album Produktionen leihe, kann ich es mir dann leisten ein Album aufzunehmen. Ich spiele mit Coverband unter anderem Gigs im Angie’s Nightclub und auf diversen Veranstaltungen. Das macht unglaublich viel Spaß. Und bezahlt eben auch die Miete. Es wird also nicht langweilig. Ich lebe also komplett von meiner Stimme.  

Welche Jobs würdest du ablehnen trotz Kohle? 

Ich würde alle Jobs annehmen, die mir etwas geben und hinter denen ich stehen kann. Aber: In Zeiten von Facebook und Co kann ich mich nicht irgendwo heimlich hinstellen und einen gut bezahlten „best of Schlager“ Abend machen. Ich bin in einem englischen Haushalt aufgewachsen, ich habe diese Musik nie gehört, dafür kann ich nicht mein Gesicht hergeben, auch wenn es gut bezahlt wäre.

Es geht eben nicht nur um Kohle. Ich habe meinen Style und mache Dinge, die mir wirklich Freude bereiten. Sachen, für die ich mich nicht schäme, wenn es jemand online stellt.

Wenn ich für eine Partei gefragt würde irgendwo ein Konzert zu spielen, würde ich das nicht tun. Wenn es allerdings mit der Musik von heute auf morgen vorbei wäre, würde ich mir etwas suchen. Ich bin zwar die schlechteste Kellnerin der Welt, aber es gibt  ja immer einen Haufen Cafés die Leute suchen. Ich hab keinen anderen Beruf auf den ich zurückgreifen könnte, aber ich bin lange genug selbstständig, um zu wissen, dass es immer irgendwie geht. 

Der mieseste Gig, den du je hattest?

Hmmm…da muss ich echt lange überlegen. Ich hatte schon ein paar miese Gigs. Es sticht eigentlich keiner so hervor. Einmal wurde mir während des Konzerts aus dem Backstage Raum meine Tasche geklaut, da saß ich dann nach der Show auf dem Polizeirevier, weil alles weg war. Handy, Schlüssel, Portemonnaie. Sowas ist echt frustrierend. Oder Läden in denen man einfach nicht willkommen ist. Das macht dann keinen Spaß. Alles andere wendet sich meist zum Guten. Wir haben im April bei Schnee, Regen und Hagel auf dem Osterstraßenfest gespielt, aber die Leute sind geblieben und haben getanzt als wäre es Sommer. Es war im Nachhinein ein echt toller Tag, obwohl die ganze Band danach erkältet war. 

Und der geilste?

Mein Album-Showcase im Knust. Ich hatte am Abend vorher keine Stimme mehr, verbrachte den ganzen Vormittag des Showtages in der Notaufnahme mit Stimmärzten, die versuchten, da doch noch etwas möglich zu machen. Ich ging auf die Bühne mit dem sicheren Gefühl, ich werde mich verbeugen und die Band spielen lassen, ich kann das ja so kurzfristig nicht absagen. Aber es war der schönste Gig meines Lebens. Wir als Band waren total zusammen, das Publikum hatte mitbekommen, dass ich kurz vor der Absage stand und wir haben einfach alle zusammengehalten. Meine Stimme hat irgendwo noch Töne aus der Reserve gezaubert und es war einfach magisch. 

Erinnerst du dich an den ersten richtigen Gehaltscheck als Musikerin? 

Hallo!? Natürlich erinnere ich mich!!  Es war in Celle. Im Jahr nach meinem Abitur. Ich sang Background Vocals für den wunderbaren Reggie Worthy, ein Bassist aus New Jersey, der schon mit 17 Jahren mit Ika & Tina Turner auf Tour war. Der hatte sich verliebt und blieb in Deutschland. Wir lernten uns in dem Studio kennen, in dem ich meine ersten Demos aufnahm. Es war so aufregend!  Vor allem meine richtige erste Show direkt mit solchen Profis. Ich war tief beeindruckt von all dem! Und wusste auch ganz genau, das will ich auch! 

Kunst und Kommerz: Einheit oder Gegenpole?

Gute Frage! Ich finde es wichtig, dass Menschen nach einem Konzert ein großes Gefühl mit nach Hause nehmen. Das man ein Stückchen entspannter, mutiger, ausgelassener ist als vor der Show. Wenn Menschen eine bestimmte Musik hören, um sich in eine gute Stimmung zu versetzten, etwa vor einem Bewerbungsgespräch. Oder wenn sie endlich mal wieder heulen wollen. Diesen alten Freund mal wieder anrufen, sowas. Es muss einen bewegen, körperlich und auch seelisch. Wenn man als Künstler derartige Gefühle bei vielen ausgelöst und der Künstler damit dann unglaublich reich wird, ist es doch toll! 

Wenn man einfach Projekte macht, weil man weiß: Das ist gerade Trend, da kann man viele Tickets verkaufen, dann finde ich das persönlich langweilig und blöd. Ich interessiere mich aber auch sehr für die Personen hinter Songs, Bildern oder Filmen. Was sind ihre Intentionen, warum tun sie das, was ist ihre Leidenschaft? Ich glaube, wahre Kunst passiert dann, wenn man als Intention nicht den Profit hat.  Mit Glück trifft man aber genau damit den Nerv der Zeit, so wie Adele mit ihrem ersten Album und geht durch die Decke. Es kommt einfach auf die Intention an.

Am 7.11.2016 treten Sarajane & Band im Knust in Hamburg auf. Einlass ist ab 20 Uhr.