(22.1.) Theater, „Schöne neue Welt”, Altonaer Theater, 19:30 Uhr

In seinem Science-Fiction-Klassiker „Schöne neue Welt“ zeichnete Aldous Huxley 1932 ein Bild von der Welt, in der die Menschen willenlose Mitläufer sind, die nichts hinterfragen und nur für den unmittelbaren Genuss leben. Das ist ein Thema, das aktueller denn je ist, findet Regisseur Jean-Claude Berutti, der das Stück für das Altonaer Theater inszeniert. Am 22. Januar feiert „Schöne neue Welt“ Premiere und ist dann bis zum 25. Februar zu sehen. Die Geschichte erzählt, von Max, der sich weigert, die Droge „Soma“ zu nehmen, die in der Gesellschaft allgegenwertig ist.

/MES

Foto: G2 Baraniak

Altonaer Theater
22.1.18, 19:30 Uhr

Serie: Altona. Das Künstler-Kombinat. Der Hausbesuch Teil 5

Im Eschelsweg hat sich über 16 Jahre hinweg ein Ort entwickelt, der Musiker, Tonstudios und kreative Werkstätten unter einem Dach vereint. Teil 5 unseres Hausbesuches: Buchbinderei Altona-Inhaberin Kathrin Langenhagen

/ von Regine Marxen. Foto: Philipp Jung

„Ach, das ist so toll, dass es so was noch gibt.” Das ist so ein Spruch, der die Buchbinderin Kathrin Langenhagen (44) nervt.

„Dass es so was wie mich gibt, hat ja jeder selber in der Hand. Ob er ein Handwerk beauftragt oder im Internet ein standardisiertes Produkt bestellt.“

Seit acht Jahren ist sie mit ihrem Meisterbetrieb im Eschelsweg daheim. Bindet Bücher, Speisekarten oder Fotobände und gibt meist an den Wochenenden Buchbinder-Workshops. Der 150 Quadratmeter große Raum ist hell und lichtdurchflutet. Schmiedeeiserne Maschinen, Prägestempel, Schneidemaschinen und Papiere haben ihren Platz. Vor der Tür stehen Blumen in Setzkästen. Kathrin fühlt sich sichtlich wohl. „Die neuen Vermieter machen hier viel, kümmern sich, das gefällt mir. Hier hat sich viel getan.“

Damals war’s spezieller. Aber Zeiten – und Hausgemeinschaften – ändern sich

Im Haus selber hat Kathrin wenig berufliche Schnittmengen. Sie fällt als Handwerksbetrieb ein wenig aus dem Rahmen.

„Jeder macht sein Ding. Das war vor acht Jahren anders. Das Haus hat sich eben verändert. Unten waren Messgeräte-Produzenten für meteorologische Instrumente, eine Druckerei gab es, unten im Keller war ein italienischer Espresso-Maschinen- Bastler. Das war damals spezieller. Das hat sich schon verändert. Mit den neuen Mietern habe ich wenig Austausch. Das stört mich aber nicht. Dafür beschwert sich keiner, wenn ich mal laute Partys feiere. Das nachbarschaftliche Verhältnis stimmt einfach in diesem Haus.“

Mehr über die Buchbinderei Altona findet ihr unter www.buchbinderei-altona.de

(22.1.) Jazz & Klassik, Kulturfestival arabesques, Kulturkirche Altona, 20 Uhr

Unter dem Motto „Gegenwelten – repenser le monde“ beginnt heute das deutsch-französische Kulturfestival arabesques 2018. Das von Nicolas Thiébaud gegründete Ensemble mit Solisten der Hamburger Staatsoper und des Institut des vents français Marseille spielt zum Eröffnungskonzert Werke Hamburger und Marseiller Komponisten, darunter Georg Philip Telemann und Emmanuel Chabrier. Das Festival dauert fünf Wochen und widmet sich auch der 60-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Marseille.

/ ILO / Foto: Isabelle Jung

Kulturkirche Altona 
22.1.18, 20 Uhr 

(21.1.) Kunst, Arbeit der Diakonservierung, Hamburger Kunsthalle, 11 Uhr

In der Dia-Woche der Hamburger Kunsthalle geben die Restauratorinnen Barbara Sommermeyer und Claartje van Haaften Einblick in ihre Arbeit der Diakonservierung. Und dabei geht es alles andere als trocken zu. Neben einem Blick hinter die Kulissen zeigen sie anhand von sechs Dia-Kunstwerken, wie sie versuchen diese zu erhalten. Und immer wieder stellt sich die Frage: Kann man das überhaupt? Denn nicht nur die Dias verblassen, auch die Projektoren verschwinden.

/ SD / Foto: Wolfgang Neeb

Hamburger Kunsthalle
21.1.18, 11 Uhr 

Serie: Altona. Das Künstler-Kombinat. Der Hausbesuch Teil 4

Im Eschelsweg hat sich über 16 Jahre hinweg ein Ort entwickelt, der Musiker, Tonstudios und kreative Werkstätten unter einem Dach vereint. Teil 4 unseres Hausbesuches: die Chefrock Studios-Inhaber und Musiker Peter Keller & Tilmann Ilse

/ von Regine Marxen. Fotos: FB

2. Stock. Chefrock Studios. Peter Keller & Tilmann Ilse

Eschelsweg

Chefrocker mit Gast: Peter Keller (li.) und Tilmann Ilse (re.) mit Tim Bendzko. Screenshot:FB

Noch ist hier Baustelle, aber schon diesen Frühsommer feiern die Chefrock Studios im zweiten Stock ihre Eröffnung. Was hier entsteht, ist fett. Eine große Regie, mehrere Studios, eine Küche als Aufenthaltsraum – und das Ganze mit Tageslicht und Fußbodenheizung. Purer Luxus im Leben eines Musikers. Die beiden Inhaber Peter Keller und Tilmann Ilse haben einiges investiert – an Zeit, Geld und Muskelkraft. Und bei dem Gedanken an die Eröffnung steht ihnen die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Freude auch, klar. Aber Musiker sind eben keine Handwerker. Auch wenn Tilmann in diesem Bereich durchaus Talent hat, wie dieses Video auf Facebook beweist.


Die beiden sind im Eschelsweg keine Neulinge. Peter, der auch Teil von Achims und Arnes Band Wunder war, ist seit 15 Jahren mit seinem Studio hier beheimatet. Zusammen mit Tilmann betrieb er später rund zehn Jahre ein gemeinsames Tonstudio im Zwischengeschoss. „Wir sind da räumlich und musikalisch immer wieder an die Grenzen gestoßen. Tilmann und ich hatten daher schon vor Jahren den Wunsch, uns zu vergrößern. Wir haben glücklicherweise beide Projekte, die uns das finanziell gestatten. Ich spiele unter anderem mit Peter Maffay in der Band und produziere dessen Platten. Wir arbeiten auch gerade an einem ,Tabaluga‘-Kinofilm. Es ist also kein Harakiri-Projekt“, erzählt Peter. „Es war dann aber schwierig, das richtige Objekt zu finden. Wir waren so happy, als es sich abzeichnete, dass diese Fläche im Haus frei wird, weil das Immobilienbüro ausziehen wollte.“

Entstehen soll ein Ort, der Möglichkeiten eröffnet. Musikalisch und persönlich. Ganz im Geiste der Eschelsweg-Community.

„Ich bin so froh, dass mit dem letzten Verkauf des Gebäudes diese Künstler- Zelle nicht gesprengt worden und erhalten geblieben ist. Wenn ich durch das Treppenhaus gehe oder in einem der Studios sitze und fette Beats höre, dann inspiriert mich das. Hier oben soll auch ein Ort der Begegnung entstehen. Einen der Räume wollen wir zum Beispiel auch vermieten.“ Mindestens zehn Jahre müsse man mit den Studios hier bleiben, damit sich die Investition lohne. 25 Jahre wird Peter Keller dann im Eschelsweg zuhause sein. Ein Vierteljahrhundert. „Ich habe hier viele gute und viele schlechte Momente erlebt. Beruflich und privat. Ich stand hier neulich und fragte mich, was ich in den nächsten Jahren wohl erleben werde. Wahnsinn, da wird so ein Gebäude Teil deines Lebens.“

Mehr Infos über die Chefrocker unter www.chefrock.studio und bei Facebook

(21.1.) Nachtleben, MFOC mit Phon.o, Pudel, 20 Uhr

Glücklich ist, wer (endlich wieder) einen Pudel hat, der selbst an winterlichen Sonntagen dazu treibt, doch noch mal das Haus zu verlassen, um etwas Wind an Locken und Nase zu lassen – und eine Runde im schönsten Holzhäuschen vorbeizuschauen, den Hafen im Blickfeld. An diesem Sonntag mit dem Berliner Phon.o und seinen bisweilen obskuren aber einnehmenden Mixturen aus HipHop, Dub, Dancehall und Techno als Gastgeber – dürfte sogar Netflix-Versuchungen ausstechen! Gassirunde ab, Montag ist erst morgen!

/ MME

Golden Pudel Club 
21.1.18, 19 Uhr 

Serie: Altona. Das Künstler-Kombinat. Der Hausbesuch Teil 3

Im Eschelsweg hat sich über 16 Jahre hinweg ein Ort entwickelt, der Musiker, Tonstudios und kreative Werkstätten unter einem Dach vereint. Teil 3 unseres Hausbesuches: Laut gegen Nazis & Attraktor e.V.

/ von Regine Marxen. Foto: Philipp Jung

 

1. Stock. Zwischengeschoss Coworking Space. Laut gegen Nazis

 

Jörn Menge (50) ist seit August 2015 Untermieter im Coworking Space im ersten Stock und organisiert als Ein-Mann-Betrieb die Aktionen von Laut gegen Nazis. „Ich bin der Gründer dieser Kampagne“, sagt er. „Ich hatte lange eine Agentur, die hieß Büro Lärm. Wir haben für den Stern gearbeitet und Mut gegen rechte Gewalt gemacht, mit viel Unterstützung der Musikbranche. Als der Stern keinen Bock mehr hatte, Etats zu verwalten und zu schaffen, waren wir pleite. Ich habe damals gesagt, es kann nicht sein, dass eine der größten Initiativen gegen Nazis nicht mehr stattfinden kann. Und dann habe ich 2004 die Gründung der Kampagne Laut gegen Nazis vorangetrieben.“

Jörn kommt eigentlich aus der Musik-Promoter-Szene. Auf Partys sein und geil sein, das sei ja alles ganz cool, sagt er grinsend  aber er wollte etwas Sinnvolles machen.

„Ich hatte gleich tolle Partner: Smudo und Peter Lohmeyer, die sind beide noch heute dabei. Wir haben Konzepte ausgearbeitet, eine Tour geplant. 2008 gründeten wir den Verein Laut gegen Nazis, um die Förderung von Initiativen und deren Finanzierung durch Spenden voranzutreiben. Strategisch in ganz Deutschland.“

Es ist, wie es ist: Spenden fließen immer dann, wenn es brennt. Bei Laut gegen Nazis ist das leider oft wortwörtlich zu verstehen.

„Wenn Flüchtlingshäuser brennen, freut sich unser Spendenkonto. So bitter das ist. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, haben wir daher den ganzen Koloss an Mitarbeitern abgeschafft. Wir waren bis vor Kurzem mehr Leute, waren auch Ausbildungsbetrieb. Aber in diesen dynamischen Zeiten müssen auch wir sparen.“ Nun sitzt Jörn allein mit seinem Schreibtisch in seinem Büro im Zwischengeschoss, hinter ihm stapeln sich Kartons mit Shirts, Jutebeuteln und anderem Kampagnenmaterial.

„Wir passen hier rein“

In der Ecke schräg gegenüber hat Lena Winkel ihren Arbeitsplatz. Seit Ende 2016 ist sie dabei. Die freie Grafikerin arbeitet eng mit Jörn zusammen und unterstützt ihn unter anderem bei der aktuellen G20-Kampagne. Oder bei der aktuellen Kampagne Love Speech Therapy. Lena ist unter anderem Teil der Jury.

Laut gegen Nazis

Liebesbotschaften gegen Hasstiraden. Mit der Aktion setzt LAUT GEGEN NAZIS unter anderem auch bei den Plakataktionen zur Bundestagswahl ein Zeichen.

 

Das ist es, was Jörn sehr schätzt an diesem Haus: die Synergien. „Hier habe ich ein gutes Netzwerk. Mit den Künstler-Managements, mit deren Künstlern wir auf Tour waren, mit Kreativen wie Lena. Dieses Gebäude finde ich toll, wir tauschen uns aus, Lena unterstützt uns grafisch. Das ist sehr kommunikativ und spart gleichzeitig Geld. Und wir kommen aus dieser Ecke, Laut gegen Nazis wurde auf St. Pauli geboren. Altona war für uns schon immer wichtig. Derzeit fühlen wir uns als Verein sehr gut aufgehoben. Wir passen hier einfach rein.”

Mehr Informationen zu Laut gegen Nazis unter www.lautgegennazis.de. Lena Winkel, im Beitragsbild oben rechts, erreicht ihr unter www.lenawinkel.com

1. Stock. Attraktor e.V.

230 Quadratmeter groß sind die Räumlichkeiten des Makerspace Attraktor. Und schon zu klein. Sagt jedenfalls Ole Popp, langjähriges Vereinsmitglied. Rasch führt er uns durch das Raumgeflecht, das vollgestopft ist mit Materialien aller Art von biederen Schrauben und Nägeln, Nähmaschinen und Stoffen bis hin zu 3D-Druckern und Laser-Schneidern. Monitore, Kabel, schier unerschöpflich ist die Auswahl an den unterschiedlichsten Werkstoffen.

Attraktor Hamburg, betont Ole, sei ein Makerspace, kein Slackerspace. Hier wird gemacht. Wer hier mitmachen will, muss eine eigene Idee haben. Dann findet er Hilfe. „Herkommen und nur zugucken, ist nicht drin.“

„Auch wenn alle so stumpf rüberkommen, wir sind gar nicht so doof “

 

Um die 120 zahlende Mitglieder hat der Verein. 32 Euro kostet eine Basismitgliedschaft im Monat. Dafür hat man Gleichgesinnte und einen Bereich, in dem man seine Ideen voll ausleben kann. „Wenn jemand einen künstlichen Muskel bauen will am Sonntag um 4 Uhr nachts, dann braucht man diesen Ort. Hier hat man ihn.“ Das Niveau sei hoch bei den Attraktoren. „Auch wenn alle so stumpf rüberkommen, wir sind gar nicht so doof “, lacht Ole.

„Wir sind sozusagen der militärische Flügel des Chaos Computer Clubs“

Seine Wiege hat der Verein im Chaos Computer Club Hamburg. „Das ist so die Hippie-Fraktion. Aber wir wollen was schaffen. Wenn du jedoch dieses Gesellschaftspolitische im Boot hast, kommst du nicht voran. Dann bist du sehr lange in Plänen gefangen. Die sind zudem sehr stark mit ihrem Fokus aufs Elektronische gerichtet. Also haben wir uns abgespalten. Wir sind sozusagen der militärische Flügel des Chaos Computer Clubs und machen pragmatisches Basteln in allerlei Formen.“

Eschelsweg

Pragmatisches Basteln aller Art im 1. Stock.

Seit 2014 sind die Mädels und Jungs Teil der Eschelsweg-Community. Sie sind die Exoten. Macht nichts. „Ich finde, wir passen strukturell ganz gut rein, weil wir einen Hauch von Freaktum mitbringen, der in diesem Haus noch nicht drinnen ist. Wir mögen komisch gekleidete Exoten sein, aber sind nach wie vor Teil der Szene.

Mehr Informationen über die Attraktoren findet ihr unter www.attraktor.org/willkommen

(21.1.) Theater, Michael Kohlhaas, Thalia Theater, 19 Uhr

Regiestar Antú Romero Nunes inszeniert Heinrich von Kleists Geschichte über den Rosshändler Michael Kohlhaas. Dieser soll an einer Grenze einen Passierschein lösen, was zuvor noch nie der Fall war. Sie kommen zu der Einigung, dass er diesen in der Stadt nachlöst und seine beiden Pferde als Pfand zurücklässt. Als er sie abholen will, sind die Tiere halb verhungert. Aus dieser Situation heraus, entspinnt Kohlhaas einen Rachefeldzug, der in rauer Gewalt mündet.

Doch die Frage, wer ist gut und wer böse, ist eine Frage der Perspektive, wie Nunes findet: „Die Welt ist kompliziert und Kohlhaas geht dagegen an. Er wehrt sich und bringt die Ordnung ins Wanken. Um Recht zu bekommen, begeht er Unrecht. Kohlhaas geht seinen Weg, verliert alles und findet sich selbst. Er scheitert und er gewinnt. Beides! Das ist der Witz an der Sache.“

/ HED / Foto: Armin Smailovic

Thalia Theater 
21.1.18, 19 Uhr (Premiere)

Serie: Altona. Altona 93: „Wir können alles werden“

Berkan Algan, Trainer von Altona 93, blickt auf ein bewegtes Fußballerleben zurück – und das im Alter von erst 40 Jahren. Ein Gespräch über frühe Straßen-Kicks in Altona, unzählige Vereinswechsel und schmerzhafte Höhepunkte im UEFA-Cup

 *Das Interview haben wir vor dem Aufstieg von Altona 93 geführt. 

SZENE HAMBURG: Berkan Algan, Sie haben in Ihrer Kindheit und Jugend sowohl für Altona 93, als auch für den FC St. Pauli und den HSV gespielt. Wie haben Sie diese so unterschiedlichen Vereine damals wahrgenommen?

Berkan Algan: Ich war viereinhalb Jahre alt, als ich beim FC St. Pauli angefangen habe, Fußball zu spielen. Schon als Kind fand ich, dass es ein rundum toller Verein ist, mit angenehmen Strukturen und vor allem Zeit für die Spieler, sich zu entwickeln. Hinzu kam damals natürlich noch das schöne alte Stadion. Alles Gründe, warum ich insgesamt 14 Jahre geblieben und er erst mit 18 zum HSV gegangen bin, wo natürlich alles komplett anders war, viel professioneller, ohne damit St. Pauli als unprofessionell bezeichnen zu wollen.

Und Altona?

Mit Altona verbinde ich nicht nur den wunderbaren Verein, den ich immer geliebt habe und bis heute liebe. Ich bin auch in Altona aufgewachsen, habe jede freie Minuten nach der Schule in den Straßen gekickt. Ich war schon früh gut genug, um bei den 14-, 15-Jährigen mitspielen zu dürfen.

Was haben Sie beim Straßenfußball gelernt?

Dass man schon mal gegen den Zaun geworfen wird, wenn man einen von den Großen tunnelt (lacht). Wer die Älteren bloß stellte, musste auch mit der Quittung umgehen können. Allgemein habe ich mir auf der Straße ein dickes Fell zulegen können, was mir später in meiner Karriere geholfen hat. Wobei mein unbedingter Wille, immer zu gewinnen, eher nicht von der Straße kommt, sondern vom Training beim HSV.

Weil dort jedem Spieler von Beginn an beigebracht wurde, dass Verlieren keine Option ist?

Genau. Ich war zwar an sich schon sehr ehrgeizig und fleißig, hatte die besten körperlichen Werte. Aber bei einem Verein wie dem HSV entwickelt ein junger Spieler noch einen zusätzlichen Kämpfergeist. Das ist einerseits natürlich gut, weil es leistungssteigernd wirken kann. Andererseits kann es einen auch zermürben, weil man für besondere Anstrengungen nicht unbedingt besonders belohnt oder auch nur beachtet wird.

Ehrgeiz, Fleiß und offensichtlich Talent waren also vorhanden. Irgendwelche Defizite? Es heißt, mit der Geduld hätten Sie es nicht so gehabt, was auch die vielen Vereinswechsel im Karriereverlauf erklären würde.

Dazu kann ich nur sagen: Den besten Honig können nur Bienen liefern, die an vielen verschiedenen Blüten waren.

Eine dieser „Blüten“ war in Ihrem Fall der finnische Verein Haka Valkeakoski, für den Sie von 2000 bis 2001 aktiv waren und sogar zwei UEFA-Cup-Spiele gegen Union Berlin absolvierten. Für Sie auch die beiden wichtigsten Begegnungen Ihrer Laufbahn?

Von der Wertigkeit vielleicht, aber ich habe mit Buraspor auch in der ersten türkischen Liga gegen Fenerbahce Istanbul gespielt (1998; Anm. d. Red.), das war auch ziemlich spannend. Und was die UEFA-Cup-Spiele angeht, habe ich davon gar nicht so viel mitbekommen. Ich stand zu dem Zeitpunkt unter starken Schmerzmitteln, weil mir zuvor so ein Riesen-Finne im Haka-Training gegen meine Schulter gesprungen war. Um spielen zu können, habe ich heftige Pain-Killer genommen, die man normalerweise nur beim Eishockey einsetzt.

 

„Ich will mit Altona einfach jedes denkbare Ziel erreichen.“

 

Wie genau sahen die Nebenwirkungen aus?

Ich bin im Rückspiel in der Halbzeit umgekippt. Als ich wieder zu mir kam, war das Spiel schon wieder in vollem Gange. Kurz darauf wurde ich dann operiert, ein Knochen wurde aus der Hüfte gesägt und oben wieder eingesetzt. Das Ende meiner aktiven Karriere.
Dafür könnte Ihre Trainerkarriere bald an Höhepunkten gewinnen. Nach dem verpassten Aufstieg in die Regionalliga mit Altona 93 im vergangenen Jahr könnte es jetzt gelingen …

… was eine schöne Geschichte wäre. Man muss sich hierzu auch mal die Lage des Vereins vergegenwärtigen: Altona 93 ist fest verankert in einem wachsenden, polarisierenden, einfach starken Stadtteil. Wir sind offen für alle und können gemeinsam auch alles werden.

 

Welches Ziel wäre in Ihren Augen das höchstmögliche?

Ich will jetzt erst mal aufsteigen. Und dann will ich noch mal aufsteigen. Und am liebsten nochmal. Ich will mit Altona einfach jedes denkbare Ziel erreichen. Wir Verantwortlichen wollen von der Fan-Kultur bis zum letzten Mann auf der Bank alles schaffen, was irgendwie geht.

/ Interview: Erik Brandt-Höge / Foto: Philipp Jung


Berkan Algan…

…wurde 1977 in Hamburg geboren. Als Jugendfußballer spielte er für Altona 93, den FC St. Pauli, den Hamburger SV und den VfL Pinneberg. Nur einige seiner späteren Stationen: 1. FC Köln II, Buraspor, Haka Valkeakoski, SC Concordia Hamburg, FC Sylt. Algan wurde für die U-21-Nationalmannschaften von Deutschland und der Türkei eingesetzt. Seit Sommer 2015 ist er Trainer bei Altona 93 und ist mit dem Club von der Griegstraße jetzt aus der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen.

(20.1.) Sonstiges, Repair-Café, Kulturhaus Eppendorf, 14-17 Uhr

Wegwerfen? Denkste! Im Repair-Café Eppendorf bringen ehrenamtliche Reparatur-Expert*innen den Besuchern bei, wie sie defekte Gegenstände selbst reparieren können. So können Möbel, elektrische Geräte, Fahrräder, Spielzeug, Kleidung und vieles mehr wieder in Schuss gebracht werden. Ersatzteile sollten nach Möglichkeit mitgebracht werden.

Zwei linke Hände? Keine Angst – hier gibt’s die perfekte Anleitung zum Schrauben, Hämmern, Löten und Nähen. Ehrenamtliche Reparaturprofis sind übrigens immer willkommen.

/ ILO / Foto: Hans Loose

Kulturhaus Eppendorf  
20.1.18, 14-17 Uhr