FoodSZENE: Jasmin unterwegs #2

„Go with the flow“ heißt es für drei Hamburger Gastronomen, die vor Kurzem ihr zweites Restaurant eröffnet haben. Ob südamerikanische Hausmannskost oder Casual Dining – hier tut sich was!

 

Komm zu Mama! – Maria Magdalena

Leche de Tigre-Betreiber Tschabi und Aurelio haben ein neues Lokal. In den Räumlichkeiten des ehemaligen Gasthofs Möhrchen am Spritzenplatz gibt es jetzt magenwärmende Soulfood-Eintöpfe in riesigen Keramikschüsseln. An den Wänden gestickte Landschaftsbilder und 50er-Jahre-Lampen, auf den Tischen kleine Porzellanvasen mit bunten Nelken: Fühlt sich an wie bei Omi zu Hause. Einer Omi mit dem wohlklingenden Namen Maria Magdalena, die mit lateinamerikanischen Rhythmen und Düften aufgewachsen ist. Einer, die mit viel „Corazon“ und Geduld langsam gegarte Speisen zubereitet. „El Güero“, ein Gericht aus gebackenem Hähnchen, Yuca, fermentierter Wassermelone, gerösteten Erdnüssen, Avocado und Koriander in einer dicken Fenchelbrühe ist die perfekte Streicheleinheit an einem Sonntagabend. Die Türen des Pop-up-Restaurants bleiben bis Anfang 2018 geöffnet. Wenn es gut läuft, geht es an einem anderen Standort weiter, sagen Tschabi und Aurelio bescheiden. Wer die Geschichte vom Leche de Tigre kennt, muss sich eigentlich keine Sorgen machen.

Spritzenplatz 4 (Ottensen), Telefon 0176 / 23 75 39 38, Mo-So 17–1 Uhr;
www.facebook.com/spritzenplatz4/

 

Fast Food mit Anspruch – Kokomo Noodle Club

Ein Meer aus Laternen und Lampions, winkende Katzen, Bonsai-Bäumchen, japanische Schriftzeichen und Malereien mit Männern im Kimono an den Wänden: Hamburg hat einen neuen Ramen-Laden in der Clemens-Schultz-Straße, den Kokomo Noodle Club. Die bissfesten Nudeln werden von Robin und Moritz, Betreiber des Grilly Idol nebenan, selbst hergestellt. Sie schwimmen in würzigen, dicken Brühen zusammen mit gekochten Eiern, Frühlingszwiebeln, Shiitake- oder Enoki-Pilzen, mit Schweinebauch, Lachs oder Seidentofu. Dazu kann man scharfes Kimchi oder knackige Edamame mit Splittersalz bestellen. Im Eingangsbereich finden Eilige an bunten Barhockern Platz. Wer es gemütlicher mag, setzt sich an einen der langen Holztische im hinteren Bereich. Das rötliche warme Licht ist sehr schmeichelhaft und daher perfekt für ein Date. Fun Fact: In Tokyo, der Stadt mit der höchsten Ramen-Bar-Dichte, wurden bereits zwei solcher Läden mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Clemens-Schultz-Straße 40 (St. Pauli), Telefon 52 15 59 70, Mo-So 18–22 Uhr;
www.facebook.com/kokomonoodleclub

 

In rustikaler Nachbarschaft – Berta Emil Richard Schneider

Starker Kontrast: Gegenüber von der Schlachterbörse und ein paar Häuser entfernt vom Erika’s Eck hat sich ein feiner, von außen fast unscheinbarer Laden eingenistet. Das Berta Emil Richard Schneider ist nach seinem Betreiber Nils Berschneider benannt, dem auch das Rain Cafeatary in Ottensen gehört. Elegant-minimalistisch, aber irgendwie auch gemütlich: In seinem neuen Lokal setzt Nils auf Understatement. Das verwinkelte Interieur bestimmen holzverkleidete und mintgrüne Wände, Tische im Industrial- Look, Sukkulenten in goldenen Vasen, weiße Stumpenkerzen und gedämpftes Licht. Auf den Tischen liegt dekorativ in Stofftücher eingewickeltes Silberbesteck bereit, vorweg gibt es gewürztes Popcorn, frisches Brot und aromatisiertes Olivenöl. Die Speisekarte ist übersichtlich, die Getränkekarte dafür umso ausladender: Zur Auswahl stehen verschiedene Weine aus der Pfalz, Rheinhessen oder dem Burgund, Aperitifs und Cocktails. Dazu kann man Bar Food wie Lobster Roll oder Ringelbete mit karamellisiertem Ziegenkäse bestellen. Oder, für den größeren Hunger, eine visuell ansprechende Labskaus- Variation mit Lachsfilet, Rote-Bete-Pürree und Wachtelei. Außerdem lohnt sich ein Besuch der stillen Örtchen: Zum Händetrocknen liegen Gästehandtücher und nette Aufmerksamkeiten wie Handcreme, Ohrenstäbchen und Kondome bereit. Bei den Männern Kaugummis und Ricola. Interessante Auswahl.

Kampstraße 25–27 (Sternschanze), Telefon 20 95 62 95, Di-Sa 18–1 Uhr;
www.berta-emil-richard-schneider.de

 


Who the fuck is…

 

Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. „Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch“, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de

FoodSZENE: Jasmin unterwegs #1

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass nicht irgendwo in Hamburg ein neues Lokal eröffnet. Hier drei heiße Tipps von Food-Redakteurin Jasmin Shamsi

Foto: Sophia Herzog

Little Amsterdam – Grachtenflair am Isebekkanal

Aus dem Lautsprecher schallt Elvis’ „Crazy Little Thing Called Love“, auf der Theke stehen Teller mit gegrillten Sandwiches bereit, und in allen Ecken scheint es zu sprießen und zu blühen: Das neu eröffnete Little Amsterdam an der Ecke Lehmweg/Klosterallee versprüht eine Gemütlichkeit, wie man sie auch aus der niederländischen Hauptstadt kennt. Mit großen Sprossenfenstern, flauschigen Wolldecken, Lichterketten und ein paar knalligen Farbakzenten bietet das ehemalige WC-Häuschen ausreichend Sitzplätze – ausschließlich draußen, mutig für Hamburg! – und einen freien Blick auf den Isebekkanal. Die Karte ist übersichtlich: bunte Salat-Bowls, saftige vegane Wraps mit Bratlingen und Grillgemüse (mein Tipp!) oder gegrillte Ciabatta-Sandwiches. Kein Grachtenflair ohne Kaffee und Kuchen – Letzterer ist natürlich hausgemacht, vor allem die Rüblitorte ist ein Hit.

Klosterallee 69 (Harvestehude), Telefon 33 37 03 28, Mo-So 11–24 Uhr; www.facebook.com/LittleAmsterdamHH

Otto’s Burger – zurück in St. Georg

2014 eröffnete Otto’s Burger den ersten kleinen Imbiss in der Langen Reihe, jetzt feiert die Gourmet-Burger-Kette nach Standorten in der Schanze, im Univiertel und in Ottensen ihre Rückkehr nach St. Georg. Bei Otto’s Burger wird auf Qualität und lokale Produzenten Wert gelegt. Das Fleisch etwa kommt von Weiderindern aus der Lüneburger Heide, die Schorlen von Hamburger Saftmanufakturen wie Leev oder Schnick Schmack und das Bier unter anderem von der Kehrwieder Kreativbrauerei oder von Wildwuchs. Nach außen gibt sich die Systemgastronomie individuell: Das Interieur ist vom Flair des jeweiligen Stadtteils beeinflusst. In der Langen Reihe geht es schicker zu: Dunkle Farben, rustikale Holzverkleidung, grüne Lederbarhocker und eine goldene Decke aus Metallfliesen lassen auch den Einfluss von Inhaber Daniel MacGowan von Holstein erkennen.

Lange Reihe 40 (St. Georg), Mo-Do 11.30–22.30, Fr-Sa 11.30–23, So 11.30–22 Uhr; www.ottosburger.com

Foto: Sabine Büttner

Gassenhaur – bestes Schnitzel der Stadt

Restaurant & Beisl, so bezeichnet sich ein neuer Laden mitten auf dem Kiez: das Gassenhaur. Es will Qualität und ein bisschen Glamour bieten, aber eben auch „gmiatlich“ sein, bestenfalls sogar ein Ort für gepflegte Absacker. Trotz seiner räumlichen Nähe zum Schmidts Tivoli, will das Gassenhaur auf keinen Fall ein Theaterrestaurant sein. Restaurantleiter ist der gebürtige Tiroler Christoph Wilson, der auch im Dips ’n Stix seine Finger im Spiel hat. Sein Ziel: das beste Wiener Schnitzel in Hamburg zu bieten. Was ihm gelingt – ich habe selten so ein leckeres Schnitzel gegessen. Das Fleisch ist wunderbar zart und die Panierung ein Traum. Jedes Schnitzel wird in der Pfanne gebraten – was seine Zeit braucht und natürlich auch seinen Preis hat. Dazu gibt’s Erdinger Urweisse im Ausschank oder einen frischen mineralischen Sommerwein namens „Frau Mayer“. Bis auf das Fleisch, das aus Österreich geliefert wird, kommen alle in der Küche verwendeten Produkte aus der Region: Die Kartoffeln – pardon, Erdäpfel – zum Beispiel aus dem Alten Land und die Preiselbeeren, raffiniert gewürzt mit einer Prise Szechuan-Pfeffer, aus der Manufaktur Marge Ziegler. Klasse: die volltätowierte und heisere Gastgeberin Julie Rampa. Mit ihrer herzlichen und robusten Art gelingt die perfekte Melange aus österreichischer Esskultur und Kiez-Flair.

Kastanienallee 32 (St. Pauli), Telefon 31 12 31, Mi-So 17–23 Uhr; www.gassenhaur.de

 


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Foto: Philipp Jung

Unsere Kollegin Jasmin Shamsi schlemmt sich für uns durch Hamburg. Als Foodredakteurin schlägt ihr Herz für Kultur und Kulinarik – die zwei großen Ks, für die sie brennt. „Sie hängen eng miteinander zusammen und befinden sich im ständigen Austausch“, sagt sie. Für uns spürt sie die Geschichten über Macher und Marken auf und serviert sie brühwarm und immer neu gewürzt – online und in jeder Ausgabe der SZENE HAMBURG.

jasmin.shamsi@vkfmi.de

Reeperbahn Festival 2017. Dicker Dub und große Kochkunst

Nach wie viel Minuten fängt ein Wasserkessel an zu pfeifen? Wie lange dauert es, bis Popcorn aufpoppt? Ein halbes Jahr lang haben Stevan Paul, Autor und Koch, und der Turtle Bay Country Club um den Beginner-Produzenten Matthias Arfmann daran getüftelt, verschiedenste Kochgeräusche punktgenau mit der Musik abzustimmen.

„Ich habe mich selten so weit aus meiner künstlerischen Komfortzone hinausbewegt“, sagt Stevan Paul. Er sei es gewöhnt, als Alleinunterhalter auf den Lesebühnen zu stehen. Mit dem Turtle Bay Country Club allerdings war Teamwork angesagt – und ein großes Maß an Konzentration, um die Töne, die beim Live-Kochen entstehen, minutengenau zu liefern.

Am Sonntag ist James-Brown-Drummer Tony Cook eingetroffen, er wird die Musiker vom Turtle Bay Country Club als Special Guest beim Reeperbahn Festival unterstützen. Für das innovative Format „Cook ’n‘ Dub“ am 20. September im Schmidtchen stehen Milan Meyer-Kaya am Keyboard, Peter Imig am Bass, Sängerin Onejiru am Mikro, Arfmann an der Gitarre und Stevan Paul am Kochgeschirr auf der Bühne. Während Stevan Paul Brot röstet, Humus püriert und Curry-Popcorn aufpoppen lässt, gibt es dazu dicken Dub und große Melodien. Am Ende des Abends wird der Koch sechs bis acht Portionen ins Publikum reichen. Aber keine Angst: Im Hintergrund hat derweil Oliver Trific vom Restaurant Trific das Rezept für weitere 200 Personen nachgekocht. Ein kulturell-kulinarischer Abend ganz nach meinem Geschmack!

Kleiner Tipp: Das Schmidtchen ist nicht besonders groß. Also lieber einen Ticken früher da sein.

/ JS

Reeperbahn Festival 2017
Cook ’n‘ Dub mit dem Turtle Bay Country Club

Schmidtchen Clubhaus St. Pauli
20.9.17, 22 Uhr


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FoodSZENE: Kochen mit der Kitchen Guerilla

Die Kitchen Guerilla war mal wieder für uns unterwegs: Aus Ecuador haben uns Koral und Onur Elci farbenprächtige Leckereien mitgebracht. Bei einem Workshop durften wir von ihnen lernen, was sich alles daraus zaubern lässt. 

Für Foodies ist Ecuador ein Paradies: Unzählige Obst- und Gemüsesorten haben hier ihre Heimat, allein die Kochbanane ist mit drei Sorten vertreten. Ecuador zählt zu den Ländern mit der höchsten Biodiversität. Zum einen liegt das an der Lage am Äquator und den gleichbleibend hohen Temperaturen, zum anderen aber auch am Einfluss der Meeresströmungen und den Anden, deren verschiedene Höhenlagen eine große Vielfalt an Lebensräumen ermöglichen. Ob Hochland, Nebelwald, Küste oder Amazonasdschungel – die verschiedenen Klimazonen liegen hier so dicht beieinander, dass man sie innerhalb weniger Stunden von der Hauptstadt Quito aus erreichen kann.

Die Brüder Koral und Onur Elci von der mobilen Kocheinheit Kitchen Guerilla waren im Mai in Ecuador und haben ihre farbenprächtige Ausbeute anschließend während eines Koch-Workshops in Hamburg präsentiert: Tamarillo, Kakao, Maniok, Salak, Mangostane – diese Produkte findet man hier in keinem Nullachtfünfzehn-Supermarkt. Dafür aber die leckersten Snacks, die ich seit langem gegessen habe: Kochbananen- und Maniok-Chips (el origen Mana oder Bana Fritas sind ab Ende Oktober über www.solvino.de und in allen Budni-Märkten verfügbar). Die dürfen ab jetzt auf keiner Party fehlen. Kochbananen gehören zum Grundnahrungsmittel der Ecuadorianer – und das zu Recht: Sie sind nicht nur eine nährstoffreiche Energiequelle, sondern machen sowohl gekocht, frittiert, gegrillt oder auch gebraten eine gute Figur.

Die Kakaofrucht wird in Ecuador vielseitig eingesetzt, zum Beispiel findet sie in erfrischenden Limonaden Verwendung. Als echtes Luxusgut wird das beliebte Erzeugnis aus der Kakaobohne gehandelt: ecuadorianische Schokolade bzw. die Sorte „Cacao Nacional de Arriba“, eine weltweit geschätzte Spezialität. Besonderer Pluspunkt: Kleinbauern haben sich in Kooperativen zusammengeschlossen und verkaufen ihre hochwertige Schokolade direkt an die Konsumenten und Einzelhändler. So bleibt der Großteil des Gewinns in den Kooperativen.

Unverzichtbar für jeden Ecuador-Fan, zu denen ich mich neuerdings zähle, ist der federleichte Toquilla-Hut (auch bekannt als Panamahut). Hier die gute Nachricht: Er steht wirklich jeder Kopfform. Je feiner die Faserstränge, aus denen sie gewebt sind, desto höher die Qualität. Im Idealfall kann man die Hüte knüllen und zusammenrollen, ohne dass sie zu Schaden kommen. Hochwertige Toquilla-Hüte erkenne man daran, dass sie sich anfühlten wie ein Babypopo, sagt Onur Elci. Er muss es wissen. Das traditionelle Weben der kultigen Kopfbedeckung wurde übrigens 2012 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt.

Kitchen Guerilla Workshops

Die Jungs von Kitchen Guerilla veranstalten regelmäßig Workshops, Kochsessions, mentale Genussreisen, Food-Discos oder gemeinsame Abendbrote in Hamburg, Berlin und Istanbul. Am 14. September heißt es „Thrill Your Food“ im Hamburger Basecamp: Ob Crostini mit Ziegenkäse, Caramel Crunch mit feurigen Mandeln oder Pannfisch mit Senfkavier und „Sauce Hot-landaise“ – zusammen mit Tabasco interpretiert Kitchen Guerilla deutsche Klassiker in Kombination mit der US-Südstaaten-Küche neu. Das kann heiß werden. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann bei der Bloody Mary Night im Anschluss weiter einheizen.

Weitere Infos gibt´s hier: www.facebook.com/kitchenguerilla

Beitragsbild und Fotos: seren dal


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