BierSZENE: 5 Angeberfakten zum Tag des Bieres

Am Sonntag ist der Tag des Bieres. Nein, was sage ich, der FEIERTAG des Deutschen Bieres. Für mich als Biersommelier also quasi der wichtigste Tag des Jahres

Am 23. April vor genau 501 Jahren wurde das deutsche Reinheitsgebot proklamiert – und gilt seitdem per Gesetz. Vom Reinheitsgebot kann man halten, was man will, aber: Bier ist immer ein guter Grund zum Feiern.

BierSzene

Bier & Whiskey? Geile Idee. Nicht lang schnacken, machen!

Damit ihr am Sonntag mit Wissen klotzen könnt, gibt’s hier fünf astreine Angeberfakten für euch

  1. In Bier stecken bis zu 2.000 Aromen. Da kann Wein mit seinen schlappen 500 Aromen einpacken – Spirituosen mit 300 bis 400 sowieso. Was so geschmacklich im Bier steckt? Von Kaffee, Schokolade und Lakritz bis hin zu Toast, Heu und Gletschereis-Bonbons, in Sachen Aromavielfalt ist bei Bier (fast) alles drin.
  2. Whisky und Bier sind unzertrennlich. Denn: Die Herstellung beider Getränke ist anfangs identisch – bei beiden wird Getreide vermälzt. (So nennt man den kontrollierten Keimvorgang, bei dem aus Getreide Malz entsteht.) Es gibt Traditionsbetriebe in Schottland, die nur Braumeister anstellen. Nicht zum Bierbrauen, sondern um aus ihnen beste Whiskey-Brennmeister zu machen.

By the way: Schenkt euch mal ein torfiges Porter ein (16–17 Grad warm) und trinkt ein Gläschen Jonny Walker Double Black dazu – naturlement auch bei Zimmertemperatur. Beide schaukeln sich durch ein ähnliches Aromaprofil toll gegenseitig auf. Mega, sag ich euch!

  1. Die belgische Bierkultur wurde 2016 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt – als erste Biernation überhaupt. Begründung: Unser Nachbarland trumpft mit einer enormen Biervielfalt (1.500 Biersorten!), seiner langen Biertradition und einer hochlebendigen Bierkultur mit regionalen Brauereipraktiken, Festen, Vereinigungen und mehr im ganzen Land auf.
  2. Weltweiter Marktführer in Sachen Bier ist: China. Im Reich der Mitte wurden 2012 mehr als 490 Millionen Hektoliter Bier hergestellt. Deutschland schafft es mit seinen 94,6 Millionen Hektolitern nur auf Platz 5 – und selbst von dem hier gebrauten Bier wird über eine Million nach China exportiert.

 

5. Der weltweit renommierteste Bierwettbewerb ist der World Beer Cup . Alle zwei Jahre treffen sich tausende von Brauereien in Boulder, Colorado, und batteln sich in rund 100 Kategorien. 2016 gingen ganze 1.907 Brauereien aus 55 Ländern mit insgesamt 6.596 Bieren  an den Start. Das Motto: „Die Qualität und die Vielfalt von Bieren aus der ganzen Welt beweisen, dass exzellentes Brauhandwerk keine Grenzen kennt.“ Das nenn ich mal echte Völkerverständigung.

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

Fotos: Henning Angerer (Beitragsbild) /  www.instagram.com/bieronkelhh/


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen@bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! 

Eine Stadt sieht einen Film – Fraktus 

Unter dem Motto „Eine Stadt sieht einen Film“ läuft „Fraktus“ am 30. April in 16 Kinos – präsentiert von SZENE HAMBURG.

Fraktus

Ohne Fraktus wäre die deutsche Elektro-Szene nicht die, die sie heute ist, da sind sich Scooter, Westbam und Blixa Bargeld einig.

Eigenartig, ist das Trio Infernale doch ein Hirnprodukt des Studio Braun?! Nichtsdestotrotz machte sich 2012 ein Filmteam daran, die drei Musiker wieder zu vereinen. Fraktus ist back!

Jetzt kommt die zum Schreien komische Pseudo-Musik-Doku mit Rocko Schamoni, Jacques Palminger und Heinz Strunk nochmals ins Kino, und zwar satt:

Unter dem Motto „Eine Stadt sieht einen Film“ läuft „Fraktus“ am 30. April in 16 Kinos – präsentiert von SZENE HAMBURG. Zu den Vorstellungen, die über den ganzen Tag verteilt sind, kommen viele Gäste, unter anderem die Hauptdarsteller, Regisseur Lars Jessen, Kameramann Oliver Schwabe und Produzent Klaus Maeck.

Fraktus

Drumherum gibt’s ein schmuckes Rahmenprogramm inklusive Hypochonder-Quiz – und eine fette Aftershow-Party samt Live-Acts. Ja, auch Fraktus!

Gefeiert wird ab 22 Uhr unter dem Motto „Ich hab Bock“ im Knust. Tickets für die Sause gibt’s im Abaton Kino, im B-Movie, im Metropolis Kino, bei der Hanseplatte und online für sieben Euro (Abendkasse: neun Euro). Mehr Infos zum Programm gibt es auch hier./ MAS 

Bilder: © corazon int./ Pandora Film 

Bosse Engtanz Open Air mit Special Guests

Bosse lädt am 26. August 2017 zum Engtanz Open Air. Und Boy und Mighty Oaks sind als Special Guests dabei

Bosse

Im letzten Jahr ging es ab für Bosse. Die „Engtanz“-Tour entwickelte sich zur bis dato größten Hallentour des Künstlers und wird 2017 fortgesetzt. Am 26. August kommt es auf der Trabrennbahn in Hamburg- Bahrenfeld zum krönenden Abschluss-Heimspiel.

Bosse Engtanz -Open Air

LiLaLaune-Event: der Hamburger Kultursommer auf der Trabrennbahn. Foto: Pablo Heimplatz.

Ein Open Air mit tollen Gästen:  Boy und Mighty Oaks zwei ganz besondere „Special Guests“. Boy waren bereits 2011 als Support der gesamten Wartesaal-Tour mit Bosse unterwegs, Mighty Oaks wiederum bei fünf unvergesslichen Terminen der Kraniche-Tour 2013.

Tickets für Bosse am 26. August 2017 sind zum Preis von 35 Euro (zzgl. Gebühren) unter der Hotline 01806 – 853 653 (0,20 €/Min. aus dem deutschen Festnetz/Mobilfunk max. 0,60 €/Min., Mo.-Fr. 10 bis 18 Uhr) und an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. / Beitragsbild: Christian Glatthor Rocketchris Photography

Samstag, 26. August 2017 / Hamburg – Trabrennbahn Bahrenfeld / Einlass: 16 Uhr / Beginn: 18 Uhr  / www.hamburger-kultursommer.de

 

Top oder Flop? Der Hamburger Mensa-Check

Wo hat man die schönste Aussicht? Wo findet man immer einen Platz? Und wie schmeckt es dort? Butter bei die Fische: Hier kommt der Mensa Check von Melina Mork und Nele Heimann

HSU Mensa

HSU-Mensa: Stillgestanden!

HSU-Mensa: Die Truppenküche

Umgeben von uniformierten Rekruten fühlt man sich in der Helmut-Schmidt-Uni wie ein Eindringling. Die Mensa der Universität der Bundeswehr erinnert stark an eine Truppenküche. Auf der Speisekarte stehen urdeutsche Gerichte, heute zum Beispiel diese zwei: Frikadellen oder Leberkäse mit Kartoffeln und Rotkohl. Vegetarische Alternative? Pustekuchen. Für Externe ist es nicht leicht, in den Genuss der rustikalen Küche zu kommen. Der Menüpreis von 4,75 Euro kann nur mit Kleingeld oder Fünf-Euro-Schein bezahlt werden. Studentenrabatt gibt es nicht. Ob man dafür den weiten Weg bis Marienthal auf sich nehmen will, sollte man lieber zweimal überlegen.

  • Preis/Leistung: 2/5
  • Atmosphäre: 2/5
  • Gestaltung: 3/5
  • Lage/Erreichbarkeit: Holstenhofweg 85 (Marienthal). Bus 261 bis Universität der Bundeswehr
HCU Mensa

HCU-Mensa: So schick ist das Studentenleben.

HCU-Mensa: Die Stylische

Die HafenCity Uni, Hamburgs Jüngste, zeichnet sich nicht nur durch ihren modernen Beton-Schick aus, auch der Blick auf Elbe und Veddel ist legendär. Ihr cleaner Look strahlt trotzdem Gemütlichkeit aus. Obwohl auch diese Mensa ihr Essen vom Studierendenwerk bezieht, sieht es besser aus und schmeckt auch so. Ist das am Ende nur Einbildung? Wenn es im laufenden Semester eng wird, kann man in die Cafeteria ausweichen oder an die frische Luft gehen. Dort gibt es an Betontischen weitere Sitzmöglichkeiten. Bei strahlendem Sonnenschein mit einem Kaffee in der Hand und den Kommilitonen zusammen vor der HCU-Mensa sitzen – ach herrlich, dieses Studentenleben.

  • Preis/Leistung: 4/5
  • Atmosphäre: 4/5
  • Gestaltung: 4/5
  • Lage/Erreichbarkeit: Überseeallee 16 (HafenCity). U4 oder Bus (111, 256) bis U HafenCity Universität
Mensa check hfbk

HFBK-Mensa: Kreativer Kochort

HFBK-Mensa: Die Innovative

Wie es sich für eine Kunsthochschule gehört, ist auch in der HFBK (Hochschule für bildende Künste) der Speiseplan überaus kreativ. Bulgur sin Carne, Kartoffelcake oder Ofenkürbis überzeugen als vegane Gerichte. Auf der „animalischen“ Seite stehen Currywurst, Seelachsfilet oder Chili con Carne. Zusätzlich gibt es den „Salat der Woche“ und hin und wieder ein vegetarisches Gericht. Betrieben wird die Mensa seit zwei Jahren von der Hirn und Wanst-Küchenbrigade in Kooperation mit dem Wilhelmsburger Verpflegungsbetrieb Kaffeeklappe. Ihr Führungsstil ist innovativ und nachhaltig: Im Café beispielsweise, wo alte Lampen ein schummriges Licht auf Vintage-Sofas werfen, kann man sich nach 15 Uhr das übriggebliebene Essen noch einmal aufgewärmt schmecken lassen.

  • Preis/Leistung: 5/5
  • Atmosphäre: 4/5
  • Gestaltung: 3/5
  • Lage/Erreichbarkeit: Lerchenfeld 2 (Uhlenhorst). U3 bis Mundsburg oder Bus (25, 172, 173, 606) bis Uferstraße
Mensa Check Schweinemensa

Schweinemensa: Böser Name, gutes Essen

Schweinemensa: Die Riesige

Die Mensa im Studierendenhaus ist die größte der drei Campus-Mensen. Hier finden hungrige Studenten in drei unterschiedlich großen Räumen garantiert immer einen Platz. Bis zu acht verschiedene Gerichte gehen hier über die Tresen. Da ist sowohl für Fleischliebhaber als auch für Vegetarier etwas dabei. Woher die Bezeichnung „Schweinemensa“ kommt, kann niemand erklären. Erzählungen zufolge liege es an der langen Essensausgabe, die einige Studenten an einen Schweine-Trog erinnert hat. Und manchmal kann man beim Essen schließlich auch aussehen wie ein Schwein.

  • Preis/Leistung: 4/5
  • Atmosphäre: 3/5
  • Gestaltung: 3/5
  • Lage/Erreichbarkeit: Von-Melle-Park 2 (Rotherbaum). S3/ S11 bis Dammtor oder Bus (4, 5) bis Universität/Staatsbibliothek
mensa check philturm

Philturm: Durchatmen. Waffeln essen. Platz sichern.

Philturm: Die Klassische

Viele halten die Philturm-Mensa für die Beste auf dem Uni-Campus. Die Bestleistung beginnt bei den Öffnungszeiten. Ab 8 Uhr morgens (sogar samstags!) lockt ein kleines Frühstücksbuffet und der Geruch von frischem Kaffee. Mittags ist die Auswahl an Gerichten abwechslungsreich – egal ob Fleisch oder fleischlos, an der Nudel-Bar oder bei den täglichen Wok-Gerichten. Im Herbst gibt es nachmittags sogar frische Waffeln! Das einzige Manko: Im Mittagsstrom ist das Essen manchmal kalt, bevor man einen Platz gefunden hat. Die Tische sind voll besetzt und die Lautstärke führt dazu, dass man sein Gegenüber kaum versteht. Im Sommer ist es da leichter: einfach das Tablett nehmen und sich draußen auf die Wiese setzen.

  • Preis/Leistung: 3/5
  • Atmosphäre: 2/5
  • Gestaltung: 3/5
  • Lage/Erreichbarkeit: Von-Melle-Park 6 (Rotherbaum). S3/ S11 bis Dammtor oder Bus (4, 5) bis Universität/Staatsbibliothek

Beitragsbild: Pexels


Ein fettes Danke schön an unsere Mensa-Checker-Mädels: Nele Heimann und Melina Mork, die auch die Fotos machte. 

 

Nele Heimann

Gestatten: Nele &

Melina

 

 

 

 

 

 

 


Uni Extra 2017Ein Beitrag aus der SZENE Hamburg Uni Extra Frühjahr/Sommer 2017. Das Magazin für Hamburgs Studenten liegt kostenfrei auf dem Campus aus und ist zusätzlich als Heft im Heft in der April-Ausgabe unseres Stadtmagazins SZENE Hamburg erschienen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Tipp! Tipp! Tipp!

Vom 24. – 30. April 2017 findet  das studentische Stadtfestival „Studi Woche“ in Hamburg statt. Hierbei soll den Studenten vorgestellt werden, was Hamburg zu bieten hat. 

Studenten erhalten eine Woche lang freien Eintritt & Specials in allen teilnehmenden Locations wie Bars, Clubs und Restaurants. Jeden Tag werden zahlreiche Ausgehmöglichkeiten angeboten, um die Vielfalt dieser Stadt zu zeigen. Wie es funktioniert? Bändchen kaufen, anlegen, mitmachen.

Tickets gibt es hier:
▸ An zahlreichen Vorverkaufsstellen
▸ Online VVK (+3,- Gebühr für Versand von Bändchen und Infomaterialien)
▸ In folgenden Mensen:
Uni Hamburg – 20.04. & 24.04.
HAW Hamburg – 19.04. & 24.04.
Preis: 15,-Euro

Alle Infos, das komplette Programm & Tickets unter:
http://www.studiwoche.com/hamburg/

Alte Bekannte und Neuzugänge. Festivals 2017 im Überblick

Weil die Fusion in diesem Jahr nicht stattfindet, klafft bei vielen eine Lücke im Festivalkalender. Das Off the Radar-Festival in Schleswig-Holstein könnte diese Lücke ausfüllen. Auf ins Festivaljahr 2017!

Noch liegt der Gutshof im Dornröschenschlaf. Da, wo heute nur die Sonntagsfahrer Gas geben, soll bald reges Treiben herrschen. Mitten in Schleswig-Holstein liegt der Hof Ovendorf, sechs Gebäude, 4,5 Quadratkilometer Gelände. Wer Ovendorf im Navi eingibt, landet automatisch am richtigen Ort.

Viele sind sicher traurig, dass das Fusion-Festival dieses Jahr pausiert. „Nach 20 Jahren sind wir an den Punkt gekommen, einmal einen Gang runterschalten zu wollen“, schreiben die Organisatoren auf ihrer Webseite. Trotzdem lohnt es sich, das letzte Juniwochenende freizuhalten: Auf dem Off the Radar-Festival gibt es vier Tage lang Musik, Kunst und Politik fernab von ausgetretenen Pfaden. Dass der Name Programm ist, vermeldet auch das Handy: Kein Empfang in Ovendorf.

An Fusion-Flair wird es auch sonst nicht mangeln. Die Crew des Off the Radars bespielt seit 2015 den Hangar „TubeBox“ auf dem Gelände in Lärz. Mitorganisator Thomas Lengefeld hat sogar 16 Jahre Mitarbeit auf dem Buckel: „Durch die Jahre auf der Fusion haben wir ein riesiges Netzwerk aufgebaut, auf das wir jetzt zurückgreifen können.“

Die eng gestrickte Gemeinschaft zeigt sich auch im Line-Up: Große Headliner fehlen. „Wir wollen Bands, die sich aktiv dem Mainstream verweigern“, so Lengefeld. Am ehesten bekannt sind wohl Schnipo Schranke, Dÿse, Sophia Kennedy oder Ratttengold.

Auch sonst gibt es in Ovendorf im Gegensatz zu den großen Festivals keine lieblosen Bühnen mit Sponsorenwerbung sondern einen Apfelbaumgarten, eine Allee und einen kleinen Weiher.

Thomas Lengefeld traute seinen Augen nicht, als er das erste Mal das Gelände betrat: „Das müssen wir bespielen!“, war ihm sofort klar.

Das Festival hat einen entscheidenden Twist: Die Besucher tragen mit ihrem Feiern dazu bei, dass von den Einnahmen sinnvolle Projekte unterstützt werden.

Unter anderem fließt knapp ein Viertel des Gewinns in den Wiederaufbau des „Golden Pudel Clubs“. Wer das kleine Refugium am Park Fiction vermisst, kann den Pudel sogar auf dem Festival in einer Scheune besuchen.

Die Fusion ist vom kleinen Insiderfestival über die Jahre zum Großevent geworden. Nostalgiker erzählen gerne von früheren Zeiten, damals, als alles noch schöner, besser, authentischer war.

Vielleicht ist Ovendorf bald das neue Lärz und wer dieses Jahr auf dem Off the Radar feiert, kann später seufzen: „Damals …“

29.–32.6. Off The Radar – Music And Arts Festival, Hof Ovendorf


Weitere Festivals im Überblick

Auf ein Neues ! Der Hamburger Hafen hat ein weiteres Jährchen auf dem Buckel und das wird erneut gebührend zelebriert. Mit einem vielfältigen Musikangebot und hoffentlich wieder so wunderbarem Wetter wie im vergangenen Jahr.

Fr–So 5. – 7.5.17 entlang der Hafenstraße

 

Wenn es wieder wärmer wird, finden sich unterschiedlichste Bands, Musiker, Artisten und andere Künstler im Schanzenzelt ein und verwandeln es in eine kulturelle Hochburg. Dieses Jahr ist unter anderem ein Multimediavortrag der „Die Ärzte“ Biografie von Stefan Üblacker geplant. Ach ja, das Bo schaut auch vorbei.

18.5. – 2.7.17 im Schanzenpark

 

Eine riesig grüne Fläche mitten in der Stadt- natürlich wird der Stadtpark im Sommer nicht nur Anlaufpunkt für Touris sein, ganz besonders nicht wenn dort die großen Musiker aufschlagen. Traditionsgemäß eröffnet Lotto King Karl das Spektakel das sich über vier Monate streckt.

13.5. – 17.9.17 Freilichtbühne im Stadtpark

 

„Ich hab noch 10 Bänder von Scheeßel um den Arm!“ Alteingesessene wie aber auch Neulinge können sich dieses Jahr wieder auf eine geballte Ladung Rockmukke mit Matsch-Alarm freuen. Die Alt-Herren von Green Day und Linkin Park lassen sich auch blicken.

Fr–So 23.–25.6. 17 in Scheeßel

Die rund 50 Konzerte am 2. und 3. Juni 2017 finden auf insgesamt acht verschiedenen Bühnen statt, die sich um zwei Zentren – die HafenCity und das Werftgelände von Blohm+Voss – gruppieren: In der Elbphilharmonie (Großer Saal), auf der Open Air-Bühne „HfMT Young Talents“ auf dem Vorplatz der Elbphilharmonie, in der Hauptkirche St. Katharinen, im „Thalia Zelt“ am Baakenhöft sowie auf vier Bühnen bei Blohm+Voss (Open-Air-Hauptbühne, Open-Air-Bühne „Am Helgen“, Alte Maschinenbauhalle, NDR Info Radio Stage in der Schiffbauhalle 3). Auch das zusätzlich zu den Konzerten stattfindende Rahmenprogramm ist nun bekannt. Das wird spannend!

Fr-Sa 2-3-6.17 

Radikal-ästhetisch und poptheoretisch-interessant – so die Beschreibung der Tanz-, Theater-, Musik-Performances vom und im Kampnagel und weiteren Standorten. Hier werden aktuelle Themen der Medienwelt auf besondere Art und Weise gestaltet und vorgestellt.

9.–27.8. 17 auf Kampnagel

 

Wie ein wahr gewordener Sommernachtstraum gibt sich das Festival bei Lüneburg.

Frauen in langen weißen Kleidern tanzen mit ihren Kindern umher, es gibt Folk-Pop und Bastel-Workshops.

Mi–Sa 2.–5. 8.17  in Luhmühlen

 

Der indische Brauch ist längst zu einer Riesenhype in ganz Deutschlands geworden. Hier wird mit allen Farben des Regenbogens fröhlich umher geschmissen und zu elektronischen Klängen abgetanzt.

Sa 5.8.17 im Volkspark Stadion

 

Moderat, Flume, SOHN; das diesjährige Line-Up hat einige zu bieten in diesem Schnapsjahr. Das Dockville ist nicht mehr wegzudenken aus der Riege der Dauer- Festival- Brenner und auch seine Brüder und Schwestern haben sich ihren Festplatz im Sommer am Deich in Wilhelmsburg gesichert. Ob Spektrum (5.8.), Vogelball (5.8.) oder Artville (29.7.–12.8.). Auf dem Festivalgelände ist den ganzen Sommer über ein vielseitiges Programm geboten. Augen und Ohren offen halten!

Fr–So 18.–20.8.17 in Wilhelmsburg

 

Ein neuer Ort für Musik und Theater wird im August unweit des Kiezes auf der Grünfläche am Nobistor entstehen. Genau hier, im Herzen der Stadt, wird er stattfinden, der Sommer in Altona, unter anderem mit Jochen Distelmayer.

 30.7 – 31.8.17, Nobistor 42

 

25 Jahre „Die Sterne“ ! Das wird nicht irgendwo gefeiert sondern in der Stadt wo alles seinen Anfang hatte. Unterstützung bekommen die Jungs von der Hamburger Schule von Madsen, Pollyester und weiteren Bands. Am besten schnappt ihr euch auch euren Nachbarn und die nette Verkäuferin von nebenan – denn es müssen schließlich alle mit.

Sa 2.9.17 in Stade

 

Wenn es langsam wettertechnisch wieder schlechter wird, gibt es um die Reeperbahn herum nochmal ein paar ganz heiße Termine. In diesem Jahr ist Kanada das Partnerland. Auf St. Pauli liegt an diesen Tagen der Fokus auf Musik, trotzdem kommt die Kunst nicht zu kurz. Eine bunte Mischung aus Jam- Sessions in Plattenläden, Kellerkonzerten, Lesungen und Kunstinstallationen.

Mi–Sa 20.–23.917. um die Reeperbahn


Uni Extra 2017Ein Beitrag aus der SZENE Hamburg Uni Extra Frühjahr/Sommer 2017. Das Magazin für Hamburgs Studenten liegt kostenfrei auf dem Campus aus und ist zusätzlich als Heft im Heft in der April-Ausgabe unseres Stadtmagazins SZENE Hamburg erschienen.

Maura Porrmann: weltbeste Tischfußballerin aus Hamburg

Kein kickt besser. Maura Porrmann tritt bei der Kicker-WM auf Kampnagel an

Als sie 15 war, hatte Maura Porrmann in der Dorfkneipe ihres Ortes nahe Paderborn die Wahl: Tanzen oder Kickern. Sie kickerte.

Mit 20 bestritt sie, für ihre Musicalausbildung nach Hamburg gezogen, ihr erstes Training gegen stadtbekannte Cracks am Tisch. Es setzte haushohe Niederlagen.

Bei unserem Treffen demonstriert die 26-Jährige an einem der zehn Kickertische im Kixx am Nobistor ihren Lieblingsschuss: den Pin-Shot.

Sie klemmt den kleinen Ball mit der Kickerpuppe ein, zieht ihn minimal zur Seite und knallt ihn trocken ins Tor. Es geht ratzfatz, das normale Auge ist überfordert.

Die Kategorie „normal“ hat Porrmann im Kickern längst hinter sich gelassen. Was vor elf Jahren begann „mit dem Versuch, den Ball überhaupt zu treffen“, wie sie sympathisch lachend beschreibt, hat sie zum Shootingstar gemacht. Seit einigen Monaten ist Porrmann, die in der Bundesliga für das Frauen-Team Hamburg Piranhas antritt, die Nummer 1 der Weltrangenliste bei den Damen. „Ein Freund machte mich darauf aufmerksam. Er meinte: ,Du bist übrigens die Beste auf der Welt.’ Ich hatte das gar nicht mitbekommen“, sagt sie.

Elf Turniersiege errang sie seit 2013, wurde immer besser. „Der Schlüsselmoment war vor zwei Jahren. Ein Sieg gegen einen nominell klar besseren Gegner. Da wusste ich: Alles ist möglich.“ So spielte sie auch international bei Events wie in Bratislava oder Salzburg ganz vorne mit. Bei der Tischfußball-WM im April auf Kampnagel ist Porrmann eine große Hoffnung.

Sie könnte Weltmeisterin werden, tritt mindestens im Einzel und für das Nationalteam an. Wer das belächelt, hat ganz klar den Trend verpennt. Hamburg ist die Kickerhochburg Deutschlands, 1000 gemeldete Spieler und 6000 Hobbyspieler leben hier, zur WM kommen über 800 aus mehr als 50 Nationen. Die erste WM fand 2006 statt, damals noch in den Fischauktionshallen.

 

„Die Entwicklung des Spiels und der Kickerszene sind unglaublich. Früher fand ich vor allem die Geschwindigkeit daran faszinierend“, erklärt Porrmann. „Mittlerweile mag ich auch die Analyse sehr. Es ist ein bisschen wie Rätsel lösen. Die Fragen lauten: Welche Varianten hast du im Arm? Und wann wendest du was an?“ Der Reichtum an Möglichkeiten ist beeindruckend. Jet (Kontakt zur Kickerstange nur mit dem Handgelenk), Zieher, Stupser, Bandenspiel, Tricks und Finten wie Dribbeln oder Übersteiger begeistern die Zuschauer.

Ein Spiel auf hohem Niveau dauert schließlich manchmal bis zu eineinhalb Stunden

Maura Porrmann

Schnell. Konzentriert. Talentiert. Immer am Ball. Foto: Philipp Jung

Und das ist noch nicht alles. Viele umwickeln die Kickerstange mit einem Griffband, schlüpfen für die Duelle mit ihrer Schusshand in einen Golfhandschuh. Wegen der Griffigkeit. Auch die Tische sind eine Wissenschaft für sich. Fünf Varianten sind offiziell für Turniere zugelassen. Die französische Variante (Bonzini), der Leonhart (Deutschland), Garlando (Österreich), Roberto (Italien) und Tornado (USA). „Alle Tische sind unterschiedlich. Die Kickerpuppen sind anders, die Beschaffenheit der Bälle, der Untergrund. Der Garlando verzeiht zum Beispiel keine Fehler, die Glasplatte ist als Belag sehr rutschig. Auf dem Tornado lässt sich gut Tik-Tak spielen, also den Ball zwischen den Puppen hin und her passen.“ Porrmann kommt ins Schwärmen, redet über die verschiedenen Taktiken und Siegchancen. Sie betreibt sogar ein Videostudium der Gegner, macht sich Notizen. Dazu Kraft- und Fitnesstraining. Ein Spiel auf hohem Niveau dauert schließlich manchmal bis zu eineinhalb Stunden.

Mit den Männern kann sie mehr als mithalten, war im Doppel unter anderem mit Oke Harms erfolgreich. „Am meisten gelernt habe ich von ihm, Björn Brose und Minyoung Bai“, sagt Porrmann. Trainiert wird im Schnitt zwei- bis dreimal die Woche, vor großen Turnieren steht sie vier- bis fünfmal in der Woche bis zu vier Stunden am Tisch.„Ein bisschen Nerd muss man für diese Sportart schon sein“, sagt sie grinsend.

Rikko Tüitjer (41), Inhaber des Kixx, Vorsitzender des Hamburger Tischfußballverbandes und Organisator der WM, erinnert sich gut an den Tag, als Maura durch die Tür kam.

„Von Beginn an war klar: Sie ist unheimlich talentiert und ehrgeizig. Sie macht sich über alles Gedanken: Theorie, Taktik, Trainingsmethoden. Wir alle wünschen ihr den Titel.“

Leben kann Porrmann vom Kickern nicht. Die Preisgelder auf den Turnieren sind nicht hoch. Ab und zu wird sie von Firmen für Events gebucht. Aber dafür ist sie, als wahres Multitalent, ja noch auf anderem Gebiet erfolgreich. Mit ihrer Gesangspartnerin Hannah Silberbach bildet sie das Duo „Lieblingsfarbe Schokolade“. „Wir machen deutsche kabarettistische Popmusik und treten mit unserem Programm ,Die Kreise weiten sich immer mehr aus’ seit 2015 bundesweit auf“, freut sich Porrmann.

Und weil sie nicht nur verdammt gut kickern kann, endet dieser Text mit einem Anspieltipp der Redaktion, zu dem Pormann als 15-Jährige vielleicht in der Paderborner Dorfkneipe sanft getanzt hätte: dem Song „Allwetterspeckrolle“. Text: Mirko Schneider/ Fotos: Philipp Jung

Tischfußball-WM, 12.-16. April auf Kampnagel

 

 

Hallo Schaltzentrale! Das Kraftwerk Bille

Freie Räume für nachbarschaftliche Kulturproduktionen sind rar in Hamburg. Aus diesem Grund hat das Kollektiv um die Hallo-Festspiele die Schaltzentrale ins Leben gerufen

In Hammerbrook, direkt an der Bille, steht Hamburgs ältestes Kohlekraftwerk, Strom wird allerdings schon lange nicht mehr produziert. Ursprünglich sollte hier eine Oldtimer-Erlebniswelt einziehen, doch nach Insolvenzanmeldung der zukünftigen Betreiber lag das Gelände erneut brach. Als Nichtanwohner würde man sich wahrscheinlich nicht in diese hinterste Ecke an der Bille verirren. Doch es lohnt sich.

Der Verein „Viele Grüße von e.V.“ mit kulturbegeisterten Machern und Macherinnen hat sich im stillgelegten Kraftwerk niedergelassen, um es mit großen und kleinen Festspielen und der neu eröffneten Schaltzentrale wiederzubeleben.

Dass sie gerade hier gelandet sind, war Zufall. Auf Fahrradttouren, Wanderungen und Entdeckungsreisen haben die Organisatoren das Kraftwerk für sich entdeckt. „Das Besondere an diesem Ort war und ist, dass er viel Fläche bietet und mit einem Interesse an Kultur entwickelt wird. Das ist rar in Hamburg“, sagt Dorothee Halbrock (Foto rechts), eine der Macherinnen. Angefangen hat es 2015 mit den Hallo-Festspielen, die zuerst nur am und mittlerweile auch im Kraftwerk stattfinden. Einmal im Jahr geht es darum, mit gespendeten und gesammelten Materialien zusammen vor Ort etwas aufzubauen, ein großes Fest zu veranstalten und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Der Verein sieht es als eine Art Pionierprojekt, was in den leeren Hallen möglich ist.

Die neu eröffnete Schaltzentrale in dem alten Verwaltungsggebäude ist eine Art Nachbarschaftsstammtisch, Begegnungsraum und Bindeglied in einer Umgebung, die auf den ersten Blick weniger für kulturelles Leben als für Industrie und Bürotürme steht.

Julia Lerch-Zajączkowska (Foto links), ebenfalls Mitglied des Kollektivs: „Es passiert nicht so oft, dass Leute einfach so nach Hammerbrook fahren. Aber es lohnt sich immer mehr, auch mal hier hinzuschauen.“ Die verwinkelten Räume der Schaltzentrale, die allesamt während der Hallo-Festspiele entstanden sind, sind gefüllt mit selbstgebauten Tischen und Theken. In Zukunft soll hier viel passieren.

Schaltzentrale

Da entsteht etwas im Osten

Dieses Potential sieht auch die Stadt Hamburg. Mit dem umfassenden Stadtentwicklungsprogramm „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ will sie bis 2025 in Hamburg-Ost Raum zum Wohnen und für urbane Produktion entwickeln. Hammerbrook soll durch die Nähe zur Innenstadt ein Ort für Stadtpioniere werden – mit 20.000 neuen Wohnungen und neuen Wegeverbindungen.

Alles soll grüner werden und besser. Die Ziele klingen groß. Was sich die Behörde vorstellt, birgt Chancen, ist aber nicht in erster Linie Vision von allen.

SchaltzentraleBeispielsweise soll am Billebogen eine Gewerbemeile entstehen. Genau dort ist seit über 100 Jahren auch ein traditionsreicher Ruderverein, der diesen Ideen weichen müsste. Und deswegen sei es wichtig, dass man sich auch die kleinen Geschichten anhöre, sagt Julia Lerch-Zajączkowska. Die Schaltzentrale möchte diesem Groß-Denken entgegenwirken – einerseits in den Stadtteil hineinhorchen, Akteure versammeln und so Ideen und Bedürfnisse an die Behörde, die diese Masterpläne erstellt, weitergeben. Sie wäre somit Bindeglied zwischen Stadtteil und den großen Visionen der Stadt. Andererseits, so die Organisatorinnen: „Die Schaltzentrale soll ein langfristiger Begegnungsraum werden, mit einem Café, mit einer Nachbarschaftskantine, mit Werkstätten. Wir wollen uns weiter professionalisieren, ohne dass es hier geleckt sein muss.“

Zumindest für die nächsten eineinhalb Jahre. Denn es gibt schon Pläne des Eigentümers das einstöckige Verwaltungsgebäude durch ein sechsstöckiges Haus zu ersetzen. Das hält das Kollektiv allerdings nicht davon ab, diesen Ort weiter mitzugestalten. Dorothee Halbrock: „Ein Abriss wäre natürlich traurig, da man sich auch emotional an die Räume bindet, aber das begrenzt uns jetzt nicht in unserer Entwicklung.“

Und wenn in eineinhalb Jahren hier kein totes Eck mehr sei und der Ort an Relevanz für die Entwicklung des Kraftwerks gewonnen habe, sei man nicht mehr so schnell wegzudiskutieren. Deswegen darf jeder mitmachen – zum Beispiel beim Hoffest im April oder bei den Festspielen im Herbst, die dieses Mal unter dem Motto „Auditive Raumforschung“ stehen. / Text & Fotos Melina Mork 

Aki Kaurismäki: Die andere Seite der Hoffnung

So lustig wie tragisch und auf der Berlinale preisgekrönt: Aki Kaurismäki erzählt wie ein junger syrischer Flüchtling und ein finnischer Vertreter für Oberhemden sich finden. Jetzt im Kino

Es ist ein kleines Wunder, wie Aki Kaurismäki es immer wieder schafft, einen so lakonischen wie zutiefst menschlichen Blick auf die Welt zu werfen, der einen lachen lässt und gleichzeitig zutiefst bewegt.

Diesmal fällt dieser auf den syrischen Flüchtling Khaled (Sherwan Haji), den es auf einem Kohle-Schiff nach Finnland verschlägt. Inständig bemüht, alles richtig zu machen, geht er erst duschen, scheitelt sich ordentlich das Haar und meldet sich dann ordnungsgemäß bei den Behörden. Und während er durch die bürokratische Mangel gedreht, in eine Flüchtlingsunterkunft gebracht und stundenlang verhört wird, entspinnt sich eine zweite Geschichte, die ebenfalls von einem Neuanfang erzählt, der dennoch ein ganz anderer ist.

Wortlos verlässt Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen), ein finnischer Vertreter für Oberhemden, seine langjährige Gattin, um als Restaurantbesitzer neu zu starten – in einem heruntergekommenen Etablissement, in dem lediglich ein Gericht auf der Speisekarte steht, ein Terrier in der Küche versteckt wird und man – bei dem Versuch mit der Zeit zu gehen – das wohl schlechteste Sushi der Filmgeschichte serviert.

Natürlich kreuzen sich die Wege von Khaled und Wikström und seinem schrägen Küchenpersonal. Und was zwischen ihnen entsteht, erzählt in satten Bildern, so schön, als seien sie auf Zelluloid gemalt, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Plädiert für frisches Blut in Europa. Aki Kaurismaeki

„Wo zum Teufel noch mal ist die Menschlichkeit geblieben? Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen und morgen können wir es sein, die als Flüchtlinge enden“, stellte Kaurismäki auf der Berlinale wütend fest, wo er dem Silbernen Bären für die beste Regie gewann und watschte auch die Angst vor Islamisierung ab.

„Ich beobachte keine kulturellen Veränderungen in Europa, obwohl wir die eigentlich brauchen. Unser Blut wird langsam zu dick“, schimpfte er und ließ seinen Hauptdarsteller und langjährigen Freund Sakari Kuosmanen einen finnischen Tango anstimmen.

Er gehört zu Kaurismäkis Stammpersonal, aber auch mit den kampflustigen Obdachlosen gibt es ein Wiedersehen, die schon im ersten Teil von Kaurismäkis Flüchtlingstrilogie „Le Havre“ einen schlagkräftigen Auftritt hatten. Denn schließlich vereint „Die andere Seite der Hoffnung“ einmal mehr alles, was einem Kaurismäki-Film so umwerfend macht: mundfaule Komik, gepaart mit Einstellungen, in denen schon mal ein Gummibaum mit einer einsamen Jukebox einen Dialog eingeht – und dazu gibt es jede Menge Musik.

Im Helsinski Kaurismäkis steht an jeder Ecke ein Bluesmusiker, von denen er den Bogen zu Khaleds syrischen Gitarrenklängen zieht, als dieser zurück nach Aleppo soll. Schließlich haben die finnischen Behörden errechnet, dass die Gefahr gemessen an der Bevölkerungsdichte dort nicht allzu hoch sei. Dabei war Khaled sogar dem Rat eines irakischen Flüchtlings gefolgt: „Sieh unbedingt glücklich aus“, empfahl der, „denn die Melancholiker werden immer als erste ausgewiesen.“ / Sabine Danek

Regie: Aki Kaurismäki. Mit Sherwan Haji, Sakari Kuosmanen, Ilkka Koivula. Ab 30.3.17 im Kino

Copyright: ©Sputnik Oy / Fotograf Malla Hukkanen

LesBar. Heinz Strunk: Jürgen

Optimismus und Verfall. Der neue Roman von Heinz Strunk beschreibt wieder mal eine einsame, irgendwie degenerierte aber dennoch liebenswürdige Hamburger Seele, die inmitten unseres flirrenden hansestädtischen Treibens unterzugehen droht

Strunks neues Werk ist ein humoristischer Roadtrip der Trostlosigkeit – eine Erzählung mit viel Bewegung auf der Straße und im Inneren, die bei uns Lesern wehmütige Empathie provoziert: Mit Bernie stellt der Autor seinem titelgebenden Protagonisten einen vom Schicksal gebeutelten Kompagnon zur Seite, mit dem Letzterer aus der Tristesse der Single-Einsamkeit auszubrechen versucht. Es folgen ein bis zum Fremdschämen auserzähltes Date mit Manuela, diverse „Fachliteratur“ und schließlich die Idee, sich in Polen professionell unter die Arme greifen zu lassen.

Entgegen aller gesellschaftlichen Vorzeichen geben die beiden Altsingles ihre Suche nach dem späten Eheglück nicht auf. Und das, obwohl der Titelheld als Luxus-Tiefgaragen-Pförtner seine bettlägerige Mutter zu versorgen hat, deren Beziehung sich in einem Satz zusammenfassen lässt:

„Ich verabschiede mich per Handschlag von Mutter und hänge … noch den Besteckkasten an den Ventilator, damit sie nicht so alleine ist. Das fröhliche Klappern ist für sie wie Besuch, hat sie mal gesagt.“

Und auch „Bernd im Stuhle“, wie Jürgen seinen Leidensgenossen nennt, hätte allen Grund aufzugeben. Aber nix da …

Geschildert wie ein autobiografisches Selbstgeständnis mit den Augen der Titelfigur, ist die Story auch eine charmante Persiflage auf den neuen Romantic-Hipster-Hype, der die alten Werte von Familie und Beziehung entgegen aller sozialen Modalitäten der Postmoderne unbedingt reanimieren will. Amüsant wird das Ganze vor allem durch das Nichtgesagte – typisch Strunk zwar, aber immer wieder wirkungsvoll, denn letztlich begreift man erst durch die forcierte Reflexion auf das Gelesene, mit wem man es eigentlich zu tun hat.

Auch den elendigen Gender-Sprech nimmt Strunk aufs Korn, wenn er souverän betont, dass es keine „weiblichen Pförtner, also Pförtnerinnen“ gibt (ich mag so was … ist es doch ein Fingerzeig auf postmoderneHeinz Strunk Jürgenn Sprachzwang) – wie auch immer, Jürgen zumindest bedauert diesen Sachverhalt, „denn wie man herausgefunden hat, nehmen zwei Drittel aller Liebesbeziehungen auf der Arbeit ihren Anfang“. Und so nimmt dann die Suche nach dem Liebesglück auf Abwegen ihren Lauf.

Kurz: Strunks neuester Wurf ist ein Liebes-Lehrbuch mit redundanten Erklärungen, ein Beziehungsratgeber mit obsoleten Unterweisungen, ein Outlaw-Tagebuch mit wirklich amüsanten Bekenntnissen. Man stellt sich schon jetzt eine grandiose Verfilmung vor, die zweier Hände bedarf, um sich selbst in den schlimmsten der köstlichen Fremdschäm-Momenten die Sicht zu versperren.

Jenny V. Wirschky / Foto: (C) Dennis Dirksen

 

Heinz Strunk: „Jürgen“, Rowohlt Verlag, 192 Seiten, 19,95 Euro

Stichwort Verfilmung. Den Soundtrack zum Buch gibt es schon. Sanky Panky Boy ist die erste Singleauskopplung.

Serie: Start-up! leev Apfelsaft

In Hamburg sind die Foodies in Sachen Start-up auf dem Vormarsch. Wir stellen euch einige vor.

Protokoll: Erik Brandt-Höge

Wir wollen den Apfelsaft für die Menschen wieder zum Erlebnis machen!

Name: leev

Alter: 2,5 Jahre

Inhaber: Natalie Richter (32, Geschäftsführerin), Joachim Holst (56), Benjamin Beck (30)

Branche: Apfelsäfte

Stage: Expansion

Leev

Natalie Richter glaubt an den Apfel.

Unsere erste Idee war

Wie wollen den Apfelsaft für die Menschen wieder zum Erlebnis machen! Das schaffen wir, indem wir beste Altländer Äpfel Sorte für Sorte getrennt mosten, so dass verschiedenste Geschmacksrichtungen von Boskoop, Elstar und Holsteiner Cox entstehen. Ganz neu ist jetzt auch die leev Hoppe: Herber Apfel mit Craft Beer Hopfen und Sprudel, natürlich alkoholfrei. Unsere Botschaft: In der heimischen Natur gibt es so viel Leckeres zu entdecken, wenn man sich nur mal mit Liebe mit ihr beschäftigt. Deshalb heißen wir übrigens auch leev: Das bedeutet Liebe auf Plattdeutsch.

Wir dachten, wir können das

Joachim ist ein waschechter Altländer, der seit vielen Jahren in seiner kleinen Mosterei Äpfel aus der Umgebung presst. Natalie und Benjamin kommen von der anderen Seite der Elbe: Die beiden haben in Hamburger Werbeagenturen gelernt, wie man gute Produkte auch gut verkauft. Zu dritt sind wir der perfekte Saftladen.

Unser bisher größter Erfolg war

Mit der leev Hoppe haben wir eine absolute Innovation aus zwei urdeutschen Zutaten geschaffen: Apfel plus Hopfen – darauf ist noch keiner gekommen. Die Resonanzen sind gigantisch und nach nur drei Monaten ist die leev Hoppe zu unserem stärksten Produkt geworden.

Unser größter Fehler

Zu lange darauf zu warten, dass die Welt auf uns wartet. Tue Gutes und rede darüber! Inzwischen haben wir uns vertrieblich fit gemacht und rennen jeden Tag in Gastronomie und Einzelhandel offene Türen ein.

Das nächste Ziel

Die leev Hoppe zu DEM Hamburger Sommergetränk 2017 zu machen.

Kleiner Tipp an alle, die ein Start-Up entwickeln wollen

Habt keine Angst! Es geht sowieso immer etwas schief, aber aus jedem Fehler lernt ihr. Jeder, der sich traut etwas Neues anzupacken wird am Ende durch eine steile Lernkurve und viele gemeisterte Herausforderungen wachsen. Das ist der schönste Lohn für alle Mühen.

Foto: Benjamin Beck

leev

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr wollt durchstarten? Macht mit beim Crowdfunding Contest!