BierSZENE. Zisch & weg: Meine Top 4 Festivalbiere

Sommer, Sonne, Festivals – vor uns liegt die schönste Zeit des Jahres! Gut, während ich das in die Tasten tippe, schlagen fette Hagelkörner gegen mein Fenster, aber hey … #sommerinhamburg

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Nicht immer da, aber wenn sie kommt, geht’s ab: SONNE!

Bevor ihr also eure sieben bis siebenundsiebzig Sachen fürs Hurricane am Wochenende oder für Melt, Deichbrand, MS Dockville und Co packt, kommt hier meine ultimative Top 4 der Festivalbiere 2017 für den perfekten Craft-Groove.

Mein Motto: Alles außer langweilig!

1.Backyard Beach Summer Ale von Ratsherrn

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Beach Gefühl fürs Festival: Foto: Ratsherrn

Wenig Alkohol (4,5 %) und trotzdem extrem hopfig – mit diesem naturbelassenen Summer-Ale-Träumchen kann man auch bei 30 Grad noch ganz entspannt der Hopfendröhnung frönen. Richtig gut: Ratsherrn ist mit seinen Bieren auch auf vielen kleinen Festivals in Norddeutschland direkt vor Ort. Die Schlepperei kann man sich also sparen.

2. Go To IPA von Stone Brewing Berlin

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Das Trio zum Glück:Wasser, Bier, Musik

Zelt steht, Mukke läuft: Jetzt erst einmal ein schööönes Dosenbier. Und zwar in richtig gut mit dem Go To IPA von Stone Brewing Berlin. Das bitter-spritzige Ding lässt deine Festivalträume dreifach hochleben: Die Dose ist leicht und bruchsicher, lässt sich mega schnell runterkühlen und löscht mit Grapefruit und Zitrone in Nullkommanix selbst den hartnäckigsten Bierdurst.

3. Landgang von Hopper Bräu

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Hopper macht auch Pils. Foto: Jennifer Meyer

Kein Festival ohne Bier, kein Norddeutscher ohne Pils. Pünktlich zum Festivalsommer hat Hopper Bräu unsere allerliebste Lieblingssorte komplett neu aufgelegt: Das Landgang ist nordisch herb und malzig-süffig zugleich; das schockt und rockt jeden Festivaljunkie.

4. überNomalNull von Kehrwieder Kreativbrauerei

Hopfensüchtig, aber verkatert? Drei Tagen wach und trotzdem Bierdurst? Kein Problem! Dope dich mit überNormalNull (ü.NN), dem alkoholfreiem IPA von der Kehrwieder Kreativbrauerei. AL-KO-HOL-FREI-ES IPA? Aber hallo und was für eines! Randvoll mit fantastischen Aromahopfensorten bringt es dich wieder auf Spur. Möge der nächste Act kommen …

BierSZENE

Prost und eine schöne Festival-Feierei

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

Kunst-Feierei: Die Millerntor Gallery#7

Die Millerntor Gallery steht bereits zum siebten Mal in den Startlöchern. Vom 29. Juni bis zum 2. Juli verwandelt sich das Millerntor-Stadion wieder in eine offene Plattform für Dialog und Austausch auf interkultureller Ebene – mit zeitgenössischer Kunst und vielen Music Acts

Millerntor_Gallery

Das Stadion wird zur Galerie. ©Stefan Groenveld

Utopien sollen auch dieses Mal wieder reichlich Platz bekommen. Das Social Art Festival, initiiert von Viva con Agua und dem FC St. Pauli steht diesmal unter dem Leitthema „Wasser für alle“ – mitdenken und mitgestalten sind gefragt.

100 internationale und lokale Künstler werden in der Millerntor Gallery ausstellen

Bei der Aktivierung für kreatives Engagement haben die Millerntor Gallery und der FC St. Pauli bereits den ersten großen Schritt gemacht: Gemeinsam hatten sie erstmals die größte und wichtigste Wand der Ausstellung im Millerntor-Stadion öffentlich zur Gestaltung ausgeschrieben. Der Siegerentwurf soll nun das bisherige Kunstwerk des Künstlerduos Herakut ablösen.

Millerntor Gallery

Kunst macht Laune. Foto: ©Stefan Groenveld

Zudem werden rund 100 internationale und lokale Künstler in der Millerntor Gallery ausstellen – darunter unter anderem Okuda, Andreas Preis, Katie Armstrong, MadC, Nychos und Pum Pum.

 

Waren auch schon mal dabei: Max Herre und Clueso. Foto: ©Stefan Groenveld

Das Bühnenkonzept verspricht dazu Großartiges: Fettes Brot, Bela. B. und DJ Mad haben als Bühnenpaten das Line-up für je einen Tag erstellt.

Die Millerntor Gallery setzt auch dieses Mal auf ein interaktives Kulturprogramm: Dazu gehören unter anderem Discover Football, die Mädchenfussballworkshops anbieten, und Tatkräftig e.V., die zeigen, dass auch ein Kurzzeitengagement nachhaltige Effekte bringen kann.

/ ILO / Fotos/ Beitragsbild:  ©Stefan Groenveld

29.6.-2.7.17, Millerntor Gallery im Millerntorstadion, www.millerntorgallery.org

Serie: Altona. Bahnhof Altona – Zug um Zug

Der Umzug des Altonaer Bahnhofs nach Diebsteich kostet Hunderte Millionen Euro und ist ein Hamburger Vorzeigeprojekt. Doch es gibt Widerstand

Michael Jung schwingt sich aufs Fahrrad. Er spricht fast ununterbrochen, auch wenn er radelt. Zwei Stunden wird die Tour an diesem Montag im Mai dauern.

Während Fakten und Kritik aus ihm heraussprudeln, sucht er sich seinen Weg durch das gigantische Neubaugebiet an der Harkortstraße. Sein roter Anorak flattert im Wind. Ab und zu rückt er seine dunkelblaue Schirmmütze zurecht, jene mit dem Logo der Kreditanstalt für Wiederaufbau an der Seite. Die Rohbauten der ersten neuen Wohnhäuser lässt er links liegen, die haushoch gestapelten Bierkisten der Holstenbrauerei rechts.

Plötzlich versperrt ihm ein Bauzaun den Weg. „Die Käufer der Wohnungen haben etwas unterschreiben müssen“, ruft er. Die Investoren, die hier die Häuser hochziehen, hätten von den neuen Eigentümern verlangt, nicht wegen Bahnlärm und Brauereigeruch nachträglich eine Minderung des Kaufpreises zu verlangen. „So sichern die sich ab, sollten Brauerei und Fernbahnhof doch nicht verlegt werden“, sagt er, während er umständlich wendet. Seine Reifen haben sich zentimetertief in den gelben Sand der Baustelle gegraben.

Altonaer Bahnhof

Rechnet mit dem Schlimmsten: Michael Jung kämpft mit seiner Bürgerinitiative gegen die Pläne von Stadt und Bahn. Foto: Philipp Jung

Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg wollen den Altonaer Bahnhof nach Diebsteich verlegen. Nur die S-Bahn soll weiter dorthin fahren. Michael Jung will das nicht. Der Rentner hat deshalb die Bürgerinitiative „Prellbock“ gegründet.

Seit Jahren kämpft er mit seinen Mitstreitern gegen Bahn und Stadt und die Pläne, den Zugverkehr vom Altonaer Bahnhof nach Diebsteich zu verlegen, um Platz für das riesige, prestigeträchtige Neubauprojekt „Mitte Altona“ zu schaffen. Auch die Holstenbrauerei soll deshalb umziehen, in den Hamburger Süden. Schließlich wird so Wohnraum geschaffen und gleichzeitig der Zuglärm reduziert. Außerdem entstehen neben schicken Apartments auch Sozialwohnungen, im Verhältnis zwei zu eins.

Doch in Jungs Augen geht das alles auch anders: billiger, schneller, transparenter und ohne den Fernbahnhof zu verlegen.

Der Pressesprecher der Bahn für den Regionalbereich Nord, Egbert Meyer- Lovis, sitzt in einem kleinen, hellen Konferenzraum im obersten Stock eines Büroneubaus in Hamburg-Hammerbrook. Hier hat die Bahn ihre Hamburg-Zentrale.

Vor ihm auf dem Tisch liegen Prospekte der Bahn über den geplanten Bahnhofsumzug. In ihnen sind neben Plänen und Luftbildern auch Illustrationen im Graffiti-Stil zu sehen. Sie zeigen Altonaer Bürger, wie sie sich selbst gern sehen: jung, im Trend, grün.

Die Deutsche Bahn möchte sie so für sich und für das Projekt gewinnen.

Damit springt sie über ihren eigenen Schatten. Für die Bahn gibt es nur Sachbeschädigung, Street Art ist ihr fremd. Jetzt hat sie sie selbst gedruckt.

Zu den hübschen Illustrationen passen auch die Argumente der Bahn für die Verlegung: Nach DB-Angaben spart sie etwa Rangierfahrten, was 370 Tonnen weniger Kohlendioxidausstoß jährlich bedeutet. Zudem sind laut Zahlen der Bahn nur etwa 5.000 der 130.000 Menschen, die täglich in Altona umsteigen, Fernbahnkunden. Das örtliche kleine und große Gewerbe würde also aus Sicht der Bahn nicht allzu sehr leiden, wenn keine Regional- und Fernzüge mehr in Altona halten. Noch dazu, auch das versichert Meyer-Lovis, wird von den 125 Bahnmitarbeitern in Altona niemand entlassen werden.

Hier werden in sechs Jahren Fernzüge halten. Foto: Philipp Jung

Die Angestellten werden vielmehr mit dem Bahnhof umziehen. Sogar die Alternativvorschläge der Bürgerinitiative haben die Bahner geprüft. Ihr Urteil: So leider nicht machbar, der Betrieb am Altonaer Fernbahnhof wäre auch mit den Vorschlägen von „Prellbock“ nicht aufrechtzuerhalten. Die Bahnhofsverlegung scheint alternativlos zu sein.

„Was nun auf die Bahn zukommt, sind die Kosten für die gesamte Verlegung des Bahnhofes“, sagt Meyer-Lovis. Die würden insgesamt bei rund 360 Millionen Euro liegen. „Es gibt außerdem eine vertragliche Regelung zwischen Bahn und Stadt darüber, dass die Stadt einen Investor für den Bereich außerhalb des neuen Bahnhofes in Diebsteich sucht“, sagt er. Es sei also nicht Sache der Bahn, Gebäude dort zu planen, zu bezahlen und auszuschreiben. Ansonsten ist für ihn – laufendes Planfeststellungsverfahren hin oder her – längst ein Point of no return erreicht: Schon vor Jahren hat die Bahn die Grundstücke für das neue Wohngebiet verkauft. Der Deal war umstritten, die Grundstücke wurden mehrfach weiterverkauft und in Bauland für Wohnhäuser umgewidmet.

Der Wert der Immobilien hatte sich so um ein Vielfaches erhöht. Für die „Mitte Altona“ einigte sich die Stadt dann mit dem neuen Eigner, dem Immobilienfonds Aurelis in der Hand von Investor George Soros – auf Kosten der Bürger, wie manche meinen.

Zwischen Meyer-Lovis Prospekten liegt auch ein Ausdruck einer großen Anfrage von CDU-Abgeordneten an die Hamburger Bürgerschaft. 33 Fragen zu den Plänen des Senats und der Bahn haben die Politiker gestellt. Auf viele davon wünschen sich Michael Jung und seine Bürgerinitiative schon lange Antworten. Auch, wenn es sie überrascht, dass ausgerechnet die CDU ihnen jetzt beispringt.

Im nächsten Jahr soll es mit dem Umzug losgehen, 2023 soll alles fertig sein

Etwa die Hälfte der Fragen müssen Meyer- Lovis und seine Leuten nun beantworten helfen, weil sie auch Angelegenheiten der Bahn berühren. Im nächsten Jahr soll es mit dem Umzug losgehen, 2023 soll alles fertig sein, geht es nach den Bahnern.

Altonaer Bahnhof

Befürchtet schwerwiegende Nachteile: Jan-Oliver Siebrand von der Handelskammer Hamburg. Foto: Sebastian Grundke

Was dann in Diebsteich geschieht, beschäftigt auch die Hamburger Handelskammer. In Zimmer 352 der Hamburger Handelskammer hängt eine riesige Landkarte von Hamburg mit vielen roten Markierungen. In dem Zimmer arbeitet Jan-Oliver Siebrand. Er leitet die Abteilung der Kammer für Stadtentwicklung. Längst hat er eigene Pläne für das Gebiet um den neuen Bahnhof in Diebsteich entwickeln lassen.


2 Hochhäuser will die Stadt als Bahnhofsempfangsgebäude bauen. Dafür werden insgesamt 30 Millionen Euro investiert 360 Millionen Euro wird die Verlegung des Bahnhofs Altona voraussichtlich kosten 2023 sollen Fernreisende bereits in Diebsteich in den Zug steigen können


Eine Mehrzweckhalle für Konzerte und Party-Events, Sportplätze auf dem Dach der Lagerhalle eines Großhändlers, ein Parkhaus, ein Hotel, ein Kongresszentrum.

Solche Dinge plant er dort. Diebsteich heißt auf diesen Plänen schon gar nicht mehr Diebsteich, sondern nach dem neuen Bahnhof, der Altona heißen wird. Der bisherige Altonaer Bahnhof wird dann Altona- Mitte heißen, zumindest diese Bahnhofsumbenennung ist, sagt Siebrand, beschlossene Sache.

Er blättert durch seine Unterlagen, erklärt Pläne und Skizzen, den Masterplan der Kammer eben. Er hat heute keinen Schlips um. Seit in der Kammer die Reformer das Sagen haben, geht das. „Die Stadt führt da momentan vorbereitende Untersuchungen durch“, erklärt er dann. Das sei der erste Schritt zu einer sogenannten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, die die Umwidmung der Grundstücke dort nach sich ziehen könnte. „Dies gilt als das schärfste planungsrechtliche Schwert“, sagt er.

Seine Kammer habe die Befürchtung, dass das Gebiet in diesem Zuge verstärkt als Wohngebiet ausgewiesen werden könnte. „Für die verbleibenden Betriebe könnte dies schwerwiegende Auswirkungen haben, etwa, dass künftig nicht mehr im Drei- Schicht-Betrieb, sondern nur noch im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden darf oder der Zu- und Anlieferverkehr deutlich eingeschränkt wird“, sagt er. Das seien nur zwei Beispiele dafür, was für die Wirtschaft auf dem Spiel stehe, wenn sich die Gegend zum Wohngebiet hin wandeln würde. Die Pläne der Kammer stehen im Widerspruch zu dem, was die Stadt für das Viertel plant.

Altonaer Bahnhof

Dirk Kienscherf von der SPD hat große Pläne für das neue Gebiet beim Diebsteich. Foto: Philipp Jung

Die Stadt, das ist in diesem Fall Dirk Kienscher, Experte für Stadtentwicklung der Hamburger SPD und Bürgerschaftsabgeordneter. „Das Konzept der Handelskammer ist so ganz hübsch und nett. Aber realistisch ist der Bau einer Parkanlage, also ohne Einnahmen, über eine große Gleisanlage bei laufenden Betrieb, nun wirklich nicht“, sagt er. Selbst beim Hauptbahnhof, den Gleisen zum Hühnerposten hin, habe es vielfach Überlegungen zur Überbauung mit Häusern und damit auch einer Gegenfinanzierung gegeben. „Aber bis heute hat das aufgrund der enormen Kosten keiner hingekriegt“, sagt er.

Dirk Kienscherf ist um Bürgernähe bemüht. Auf der Website des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten steht sogar seine Handynummer. Wie er so im Bistro nahe des Altonaer Bahnhofs sitzt und an einem Käsebrötchen kaut, kauft man ihm diese Nähe auch ab. Er ist sogar gekommen, obwohl er momentan mit einer alten Sportverletzung kämpft. Seine Krücken lehnen neben ihm. Den Weg vom Bahnhof ist er praktisch gehumpelt.

„Bis spätestens 2024 muss dieser Bahnhof in Diebsteich stehen, aber was danach kommt, dafür werden wir uns mehr Zeit nehmen“, sagt er. Mit der städtebaulichen Entwicklungsplanung hätten sie jetzt Vorkaufsrechte geltend gemacht. „Wenn jemand auf die Idee kommt, dort mit den Grundstücken zu spekulieren, geht das nicht“, sagt er.

Wie sich das ganze nach der Bahnhofsverlegung tatsächlich weiterentwickeln wird, sei noch offen. Kienscherf plant jedenfalls zwei Hochhäuser mit je 16 bis 20 Stockwerken beim Diebsteich, sozusagen als Bahnhofsempfangsgebäude. Die Grundstücke hat die Stadt bereits gekauft. Die wollte dort ein Bahnhofsgebäude bauen, das Kienscherfs Meinung nach viel zu klein gewesen wäre. Er spricht in dem Zusammenhang gerne von einer Hundehütte.

Auch hat Kienscherf durchgesetzt, dass der neue Bahnhof in Diebsteich längere Bahnsteigüberdachungen bekommt.

Rund 30 Millionen wird das Ganze die Stadt etwa kosten. Langfristig stellt er sich eine Entwicklung wie in Altonas Mitte vor, also mehr Wohnhäuser mit einem Drittel Sozialwohnungen.

Altonaer Bahnhof

Das Ende naht: Feuchtbiotop am Bahnhof Diebsteich. Foto: Philipp Jung

Michael Jung hält an und steigt vom Fahrrad ab. Er ist jetzt mitten im Niemandsland zwischen Altona und Diebsteich angekommen. Nun ist er nur  mit Bahnbelangen befasst, um die Waggonbeschaffung hat er sich damals zum Beispiel gekümmert. Den Krach um den Tiefbahnhof Stuttgart 21 hat er vorhergesehen – jedenfalls, dass das Ganze nicht wie geplant finanzierbar ist. Nun befürchtet er so etwas in kleinerer Form auch in Hamburg. Er würde gerne verhindern, dass es so kommt. So denkt Jung: Wenn etwas noch nicht komplett feststeht, wird es schlimmer als gedacht. Er ist der Pessimist unter den ganzen Zahlenmenschen, die sich mit diesem Projekt beschäftigen. Vielleicht ist er auch der einzige, der laut seine Zweifel äußert. Seine Bürgerinitiative hat auch dem neuen Bahnvorstand geschrieben. In dem Brief prangert er die Missstände des Projekts an: Die mangelnde Bürgerbeteiligung, die fehlende Transparenz und die Gefahr, dass die Kosten steigen zum Beispiel. Den Bahnvorstand fordert er auf, dass Projekt zu stoppen. Er bekam eine freundliche, aber abschlägige Antwort.

Jung steigt wieder aufs Fahrrad. Er möchte noch das Feuchtbiotop am Diebsteicher Bahnhof zeigen. Das soll zugeschüttet werden. Auch weiß er von einigen Gewerbetreibenden dort, die ihre Grundstücke vielleicht bald gewinnbringend verkaufen und dann wegziehen werden.

Deren Niederlassungen möchte er ebenfalls noch zeigen.

/ Text: Sebastian Grundke /Beitragsbild: Philipp Jung


Mehr Infos gibt’s unter www.bahnprojekt-hamburg-altona.de

Hamburgs Open Air Kinos – ein Überblick

Die Open-Air-Kino-Saison in Hamburg läuft. Und wir erzählen euch, was geht

Open Air Kino

Foto: Stefan Boekels

Kino Nächte Barmbek

Mitten auf dem Barmbeker Marktplatz und neben der Filiale von Globetrotter-Ausrüstung finden die Kino Nächte Barmbek statt. Unverändert zum Vorjahr, ist das Kopfhörer-Freiluft-Kinokonzept wobei die Besucher den Kinoton ausschließlich über Funkkopfhörer hören. Bei ausgewählten, internationalen Filmen können die Zuschauer sich zusätzlich die gewünschte Sprachfassung einstellen: ob in Deutsch oder im Orginal für ein individuelles Film- und Klangerlebnis.

Kartenvorbestellung und Programminfos unter www. kinonaechte-barmbek.de

 

St. Pauli-Sommerkino

 

Am 9. Juli flimmert hier zum letzten Mal die Leinwand. Bis dahin ist das Freiluft-Kino in der Nordkurve vom Millerntor-Stadion mit überdachten Tribünen-Sitzplätzen Ort für große und kline Filme. Tipp: Am 23. Juni wird hier im Stadion zu der Vorführung von „Manche hatten Krokodile“ den DVD-Release des Films mit dem Regisseur und weiteren Protagonisten gefeiert.  Der Film handelt von Typen auf St. Pauli, die vor Jahrzehnten dort gestrandet sind. Ganz großes Kino!

Kartenvorstellung und Programm unter www.stpauli-sommerkino.de

Überdacht in der Nordkurve. Foto: Stefan Boekels

Open-Air-Sommerkino

Vom 21. Juli bis 10. September öffnet das Freiluft-Kino hier seine Tore. Seit 17 Jahren begeistert es im Sternschanzenpark die Zuschauer und ist mit bis zu 40.000 Gästen in einer Saison topp  besucht. Beste Lage und witzige Technik, denn die große Bildleinwand wird ausschließlich über ein Luftgebläse am Abend hochgefahren. Erstmals können die Besucher optional Funkkopfhörer dazu mieten, um internationale Filme in der von ihnen gewünschten Sprachfassung zu hören: ob in Deutsch oder im Original.

Frühzeitiges Kommen wird belohnt mit dem begrenzten Platzkontingent an Beachchairs. Ansonsten lohnt es sich, Decken und Kissen mitzunehmen.

Kartenvorbestellung und Programm unter www.schanzenkino.de

Generell gilt für alle drei Freiluft-Kinos: Filmbeginn ca. 21.45 Uhr. Einlass eine Stunde vor Filmbeginn. Die Einlasszeiten ändern sich jeweils mit dem Sonnenuntergang und werden über die jeweiligen Kino-Webseiten mitgeteilt. Der Eintrittspreis beträgt an der Abendkasse 8 €. Ermäßigt 7 €

/Fotos: Stefan Boekels / www.stefanboekels.com

Serie: Altona. Die altonale Pop Nacht

Ein Tag, ein Festival. Die altonale Pop Nacht gehört  zu den etablierten Kulturhighlights des Sommers in Altona

Am Sonnabend, Kinder, wird’s was geben. Und zwar feinste Musik an unterschiedlichen Locations in Altona. Im Rahmen der altonale 19 findet auch in diesem Jahr die altonale Pop Nacht statt. Am 24. Juni wird Altona für einen Tag zur Konzertbühne.

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Ist am Start: Mega-Sympath Spaceman Spiff © Andreas Hornoff

Neben der Christians- und St. Petri Kirche, dem Innenhof des Rathauses und einer kostenfrei zugänglichen Bühne am Festivalzentrum, wird in diesem Jahr auch wieder der stimmungsvolle Gallionsfigurensaal des Museums bespielt. Spannende und für Konzerte nur selten genutzte Orte bilden damit den Rahmen für einen langen Abend mit 12 Künstlerinnen und Bands samt Aftershow-Party bis in die frühen Morgenstunden.

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Niklas Paschburg nimmt am Piano Platz © Promo

Wer ist dabei? Spaceman Spiff, der Folk-Popper Yalta Club und die hoch gehandelten und tanzbaren Beats der Berliner Oum Shatt. Zudem konnten aufstrebende Akteure des immer beliebteren Neoklassik-Genres gewonnen werden; an den Kirchenpianos nehmen Platz Niklas Paschburg und Mammal Hands.

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Kommen in die Kirche: MammalHands © Promo

Abgerundet wird das Programm von Künstlern, die im Laufe dieses Jahres den Schritt aus dem Insiderkreis in Richtung große Bühnen gehen werden: Frère (Indie-Pop aus Bochum), Das Paradies (Neues Projekt des Talking To Turtles-Sängers), Jon Kenzie (Folk aus Manchester), The Bongo Club (Energie à la The Hives aus Schweden) und Lor (Polens neuer Indie-Stern).

Die Fakten

Spielorte:

  • Rathaus Altona
  • Christianskirche
  • St. Petri Kirche
  • Altonaer Museum (Gallionsfigurensaal)
  • Festivalzentrum

24. Juni 2017 /Einlass: 17 Uhr / Beginn: 18 Uhr / Mehr Infos: www.altonale.de/altonale/kultur/musik/popnacht/  oder auf Facebook

TICKETS an allen bekannte VVK-Stellen oder hier:

 

Tipp: Bei gutem Wetter wird traditionell um 14 Uhr zum Pop Picknick in den Park beim Platz der Republik eingeladen.

/REM/ Beitragsbild-Thomas Panzau

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Folk Popper Yalta Club werfen sich schon mal in Pose © Promo

 

Serie: Altona. altonale 19. Was Sie über das Kulturfestival wissen müssen

200 Konzerte, Kunstausstellungen, Lesungen, Film- und Theateraufführungen: Vom 16. Juni bis 2. Juli findet wieder Norddeutschlands größtes Kultur- und Stadtteilfestival statt. Willkommen auf der altonale 19!

Kunst im öffentlichen Raum: altonale 19. Foto: Thomas Panzau

Es ist schon eine Weile her, genauer gesagt satte 19 Jahre, da wurde der Grundstein für ein Stadtteilfest gelegt, das schon bald viel mehr war, als nur eine Aneinanderreihung von Fressbuden und kommerziellen Händlern. Konzeptionell und zeitlich. Ursprünglich wurde die Altonale an nur einem Wochenende veranstaltet, seit einigen Jahren geht dem Straßenfest ein 14-tägiges Kulturprogramm voraus, an dem sich professionelle Künstler aus Altona, aber auch viele kreative Bewohner beteiligen.

Inzwischen ist die altonale als lokales Festival zu einem festen Bestandteil des Kulturlebens im Bezirk geworden –  mit Strahlkraft auch über Hamburgs Grenzen hinaus.

In diesem Jahr ist die Partnerstadt das niederländische Groningen, das sich unter anderem mit dem Kunstprojekt „Simulacrum“ der Fotokünstler von Noorderlicht beteiligt. Zu der kleinen Musik und Festivalstadt besteht bereits eine lebhafte Beziehung. Man kennt sich, zum einen durch die Städtepartnerschaft der beiden Hafenstädte und zum anderen durch die Handelsverbindungen seit der Hansezeit.

Das Thema der altonale 19 heißt diesmal „Raum“. Naheliegend, spielt doch die Inbesitznahme und Umgestaltung des öffentlichen Raums durch Kunst und Kultur bei der Altonale grundsätzlich eine Rolle. Aber auch die zunehmende Verdichtung in dem ohnehin schon dicht besiedelten Bezirk, vor allem durch das neue Wohngebiet Mitte- Altona und die geplante Bebauung des Holsten-Areals, beschäftigen die Bewohner.

 

altonale 19: Schauplätze & -orte

 

In Straßen und auf Plätzen rund um den Altonaer Bahnhof und die Große Bergstraße tobt an diesen Tagen das Leben. Und mehr noch: Erstmals wird das Veranstaltungsareal von Altona und Ottensen auch nach Bahrenfeld ausgeweitet.

Not at home altonale 19

Unter dem Motto „(NOT) AT HOME“ findet über den gesamten Zeitraum in der alten Lagerhalle des OBI-Baumarkts in der Ruhrstraße täglich ein Crossover verschiedener Kunstsparten statt. „Ich freue mich, dass wir diesen Raum als Kunst- und Kulturhalle revitalisieren können“, sagt Heike Gronholz, die 2016 die Geschäftsführung der altonale übernommen hat.

Highlights „(NOT) AT HOME“

„Salon International“,Tanzprojekt der Choreografin Rica Blunck mit Jugendlichen aus Syrien, Chile, Deutschland, Afghanistan, Togo. 23. Juni, 20 Uhr / Bildervortrag des Journalisten Oliver Lück zu seinen europaweiten Reisen. 29.6., 20 Uhr / „Nachtasyl“ von Maxim Gorki. 30.6.–1.7., 19 Uhr / Gruppenausstellung von Achterhaus und 2025 Kunst und Kultur. 23.6.–1.7.
Alle Termine: OBI-Halle, Ruhrstraße 46–88

Auch der altonale Salon im Thalia in der Gaustraße, den sie im letzten Jahr ins Leben gerufen hat, liegt Heike Gronholz besonders am Herzen. Hier können die Bürger am 24. Juni ab 13 Uhr mit verantwortlichen Politikern und Experten über das Thema „Verwendung und Nutzung des öffentlichen Raums“ und über die Wandlungsprozesse im Stadtteil diskutieren. Eingeladen dazu sind auch Grünen- Politikerin Christa Goetsch, Bezirksamtsleiterin Liane Melzer und Baudezernent Johannes Gerdelmann.

Der altonale Salon soll Ort der Diskussion sein. Foto: Thomas Panzau

Wie im vergangenen Jahr wird der Park beim Platz der Republik zum Festivalzentrum. Dort wird am 16. Juni um 18 Uhr die altonale zum zweiten Mal gemeinsam mit STAMP, dem internationalen Festival der Straßenkünste, eröffnet. Hier wird es jeden Abend ein abwechslungsreiches Programm mit Aufführungen, Musik und Tanz geben. Wie die meisten Veranstaltungen von Altonale und STAMP sind auch diese für jedermann zugänglich und kostenfrei.

STAMP altonale

STAMP, das Festival der Straßenkünste, eröffnet zeitgleich mit der altonale. Foto: Thomas Panzau

altonale 19, 16.6.–2.7.; alle Termine und Orte unter www.altonale.de

/Text: KAL / Foto: Thomas Panzau

Vier Macher, eine Mission: Restart für BalconyTV Hamburg

Ein Balkon, ein Mikrofon, eine Band. Und ein guter Song. Das sind die Zutaten für BalconyTV. Rund zwei Jahre lang lag das in über 50 Städten weltweit verbreitete Online-Musik-Format in Hamburg brach. Dann kamen Liv Thamsen und ihre Crew und erweckten es zu neuem Leben: Restart für BalconyTV Hamburg

Ein Jahrzehnt Balkon-Musik: 2016 wurde BalconyTV zehn Jahre alt. Eigentlich eine fixe Idee von drei Studenten in Dublin, entwickelte sich das Video-Format im Netz rasch zu einem Erfolg. Denn das Konzept ist simpel wie liebenswert: Eine Band spielt einen Song, im Anschluss folgt ein kurzes Interview. Die Aufzeichnung ist ein One Shot, ungeschnitten, gerade heraus, authentisch. Und das ganze findet auf einem Balkon statt, mit Blick auf die Stadt, in der die Aufzeichnung stattfindet. Musik zum Kennenlernen und Entdecken, perfekt für den Einsatz im Netz und in den sozialen Medien.

In über 50 Städten in 29 Ländern weltweit hat dieses Format ein Zuhause, oder besser einen Balkon gefunden. Von Anfang an mit dabei: Hamburg. Bis es 2015 zu einem Break kam.

 

Vier für den Erfolg: Restart für BalconyTV Hamburg

 

BTV Hamburg

Vier Köpfe, ein Gedanke: Und im Herzen Musik: Jan-Hendrik Paulsen (Kamera, links), Göran Weinbrandt (Ton, rechts) Susan Penack (Moderation, 2. v. li.) und Liv Thamsen.

Was war geschehen? Das, was man Leben nennt. Jene, die BalconyTV im damaligen kukuun ins Leben riefen, wurden älter, hatten neben dem Job immer weniger Zeit, das Projekt voranzutreiben. Denn, neben besagtem Balkon braucht es vor allem eines: Menschen, die musikbegeistert sind, die Bock haben auf Bands und Menschen, und zwar so sehr, dass sie das Ganze ehrenamtlich am Laufen halten.

Wer bei BalconyTV mitmacht, arbeitet aus purer Leidenschaft. Aus Spaß an dem Format. So wie Liv Thamsen (29).

Nach dem Master-Studium aus Berlin kommend stellte die freie Video-Redakteurin und Wahl-Hamburgerin vor rund drei Jahren fest, dass BalconyTV in Hamburg pausierte. Und war sofort Feuer und Flamme. „Ich hatte einfach Lust, etwas Neues aufzuziehen. Und hörte mich bei Freunden und bei Musikern um, ob ihnen das Format fehlen würde.“ Die Zustimmung war von Anfang an riesig. Quasi ein Selbstläufer, lacht sie.

Schnell war das Team zusammengetrommelt. Die Redakteurin und Autorin Susan Penack moderiert das Geschehen, Göran Weinbrandt übernimmt die Tonarbeiten und Jan-Hendrik Paulsen filmt und editiert die Videos. Und der Balkon? Der ist hoch über dem Spielbudenplatz zu finden, im Häkken.

Alle Beteiligten arbeiten neben ihrem normalen Job an diesem Format. Ohne Bezahlung. Ein reines Freizeit- und Lieblingsprojekt also. „Ich kannte die Videos schon aus meiner Zeit in Magdeburg, wo ich studierte und bereits ehrenamtlich für ein Musikmagazin arbeitete“ erinnert sich Susan. „Ich fand es schon immer cool. Und als mich Liv anrief, war ich sofort dabei. Das macht einfach Spaß. Ich meine, im Job, überall musst du performen. Hier sind wir ohne Druck unterwegs. Einfach, weil wir es wollen.“

Spaß, der auch Invest bedeutet. Zeit vor allem.

Den härtesten Job macht Liv. Sie ist verantwortlich fürs Booking, für die Produktion und die Vernetzung. Mindestens eine Stunde am Tag investiert sie in das Projekt. Mails beantworten, Bands anfragen, bestätigen. Oder absagen. „Das ist mit das härteste: Bands abzusagen, weil uns ihre Musik nicht gefällt.”

Denn das ist eine der maßgeblichen Regeln, die neben den gestalterischen Vorgaben den Inhalt von BalconyTV Hamburg bestimmt. „Genre und Stil sind uns komplett egal. Die Musik muss gefallen“, sagt Susan. „Sie muss es wert sein, dass wir für diese ein Video produzieren.“ Erlaubt ist, was gefällt. Was rockt, berührt, überrascht, Freude bereitet.

 

Auf dem Balkon kommen bei BalconyTV Hamburg vor allem Newcomer. Kraków Loves Adana waren da. Oder Hans Maria Richter.

 

Eine Wunschliste für Bands haben die Macher nicht. Obwohl: „Wir arbeiten an einer HipHop-Ausgabe . Da sind wir stark auf der Suche“, verrät Susan. Ob’s klappt? Bestimmt. Was auf jeden Fall sicher ist: BalconyTV Hamburg ist wieder am Start. Und damit ist das Netz und unsere Stadt um eine kleine musikalische Wundertüte reicher.

/Text: Regine Marxen / Fotos: BalconyTV Hamburg

BTV Hamburg

Hans Maria Richter auf dem Balkon. Bei uns tritt der Künstler am 14.6.2017 im Rahmen unserer Redaktionskonzerte auf. Tickets gibt es nur zu gewinnen. Foto: BalconyTV Hamburg

 

 

SZENE HAMBURG Redaktionskonzert: Hans Maria Richter

Weiter geht’s mit unseren Redaktionskonzerten. Dieses Mal mit Hans Maria Richter. Wir verlosen Gästeplätze und streamen das Konzert live auf Facebook!

„Aus den Kolonien“, „Himmel für alle“, „Die Ekstase der Möwen“: drei deutschsprachige Indie-Pop-Platten für die Ewigkeit. Samba haben in den 00er Jahren mit schnell glücklich machenden Melodien und Auf-den-Punkt-Texterei zahlreiche musikalische Perlen veröffentlicht.

Samba-Sänger Knut Stenert ist mittlerweile solo unterwegs. Als Hans Maria Richter (Debütalbum „Die Welt zu Gast beim Feind“; VÖ 9.6.) spielt er tolle, teils hittige Gitarrensongs und singt Samba-schlaue Geschichten über die moderne Gesellschaft dazu – demnächst auch bei uns in der Redaktion.

Wann?  Am 14.6.2017, 20 Uhr

Wo? Bei uns!

SZENE HAMBURG verlost 10×2 Gästelistenplätze für das Redaktionskonzert mit Hans Maria Richter. E-Mail mit Betreff „Richter“ bis 12.6.17, 10 Uhr,  an verlosung@vkfmi.de

/Text: EBH/ Beitragsbild: Andreas Hornoff

 

Serie: SZENE Hamburg Essen+Trinken 2017/18. Philipps Restaurant

Philipp scheint ein verdammt cooler Kerl zu sein. Er setzt auf unaufdringlichen Style, unkompliziertes Essen und Musik von The Cure. Unser Testsieger in der Kategorie Szene-Läden.

Mit seinem gleichnamigen Souterrain-Restaurant mitten im Karoviertel hat er sich in den vergangenen zwei Jahren längst etabliert. Nur wer rechtzeitig einen Tisch im Philipps reserviert, hat auch gute Chancen, seinen Wunschtermin zu finden. Und obwohl es fast immer ausgebucht ist, wirkt es nicht voll.

Phillips

Gehoben, aber nicht abgehoben. Und richtig satt wird man auch.

Hier sitzen die Gäste in vielen kleinen Separees – ja, sogar im Weinregal – und im Sommer auch auf einer lauschigen Terrasse. Chef Philipp Johann steht in der Küche, als wir direkt neben dem Tresen am hohen Tisch Platz nehmen.

Der Service ist freundlich, aufmerksam und alles andere als aufgesetzt. Wir starten mit drei selbst gebackenen kleinen Brötchen, zu denen Algenbutter und Portwein- Schalotten-Quark gereicht wird.

Philipp versteht offenbar, wie man Gäste stilvoll willkommen heißt. Kein Wunder, dass es das Philipps 2016 auch in den Guide Michelin geschafft hat.

Ein Satéspieß mit kerniger selbst gemachter Erdnussbutter versüßt als Amuse gueule die Zeit bis zur Vorspeise. Auf den Tisch kommen dabei ein frisches Ceviche vom Kabeljau mit Limetten, Koriander, Chili und roten Zwiebeln (12,50 Euro) sowie Pulpo à la Gallega (15,50 Euro). Letzter war für unseren Geschmack ein Tickchen zu lang in der Pfanne.

Der Service stimmt. Er erkundigt sich regelmäßig gut gelaunt nach dem Befinden und hat ein Auge auf sich langsam leerende Gläser.

Das Restaurant ist sein Baby, der Funke springt über

Als Hauptgang werden knusprig gebratene Filets von der Meerbarbe auf Bärlauchrisotto (22,50 Euro) sowie verdammt zartes Cordon bleu vom Kalbsrücken mit grünem Spargel (21,50 Euro) serviert. Die Portionen sind viel größer als erwartet, darum bleibt am Ende nur noch Platz für ein gemeinsames Dessert. Die Crème brûlée (7,50 Euro) überzeugt und macht eine rundes Menü aus allen drei Gängen.

Küche stimmt, Service stimmt. Wir kommen wieder.

Als alle Gäste satt und zufrieden sind, kommt Philipp aus der Küche. Er plaudert kurz an den Tischen, fühlt sich sichtlich wohl auf seiner Bühne. Auch hinterm Tresen packt er gern selbst mit an. Mehr als sympathisch!

Das Restaurant ist sein Baby, der Funke springt über. Wir kommen gern wieder!

/ Getestet von Ilona Lütje / Fotos: Philipps

Preisklasse: €€€

Adresse:Turnerstraße 9, (Karolinenviertel), Telefon 63 73 51 08, Di-Sa 12–14.30, 18–21.30 Uhr, Kreditkarten: Mastercard, Visa, Amex; EC-Karte; www.philipps-restaurant.de


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Serie: Altona. Altona 93: „Wir können alles werden“

Berkan Algan, Trainer von Altona 93, blickt auf ein bewegtes Fußballerleben zurück – und das im Alter von erst 40 Jahren. Ein Gespräch über frühe Straßen-Kicks in Altona, unzählige Vereinswechsel und schmerzhafte Höhepunkte im UEFA-Cup

 *Das Interview haben wir vor dem Aufstieg von Altona 93 geführt. 

SZENE HAMBURG: Berkan Algan, Sie haben in Ihrer Kindheit und Jugend sowohl für Altona 93, als auch für den FC St. Pauli und den HSV gespielt. Wie haben Sie diese so unterschiedlichen Vereine damals wahrgenommen?

Berkan Algan: Ich war viereinhalb Jahre alt, als ich beim FC St. Pauli angefangen habe, Fußball zu spielen. Schon als Kind fand ich, dass es ein rundum toller Verein ist, mit angenehmen Strukturen und vor allem Zeit für die Spieler, sich zu entwickeln. Hinzu kam damals natürlich noch das schöne alte Stadion. Alles Gründe, warum ich insgesamt 14 Jahre geblieben und er erst mit 18 zum HSV gegangen bin, wo natürlich alles komplett anders war, viel professioneller, ohne damit St. Pauli als unprofessionell bezeichnen zu wollen.

Und Altona?

Mit Altona verbinde ich nicht nur den wunderbaren Verein, den ich immer geliebt habe und bis heute liebe. Ich bin auch in Altona aufgewachsen, habe jede freie Minuten nach der Schule in den Straßen gekickt. Ich war schon früh gut genug, um bei den 14-, 15-Jährigen mitspielen zu dürfen.

Was haben Sie beim Straßenfußball gelernt?

Dass man schon mal gegen den Zaun geworfen wird, wenn man einen von den Großen tunnelt (lacht). Wer die Älteren bloß stellte, musste auch mit der Quittung umgehen können. Allgemein habe ich mir auf der Straße ein dickes Fell zulegen können, was mir später in meiner Karriere geholfen hat. Wobei mein unbedingter Wille, immer zu gewinnen, eher nicht von der Straße kommt, sondern vom Training beim HSV.

Weil dort jedem Spieler von Beginn an beigebracht wurde, dass Verlieren keine Option ist?

Genau. Ich war zwar an sich schon sehr ehrgeizig und fleißig, hatte die besten körperlichen Werte. Aber bei einem Verein wie dem HSV entwickelt ein junger Spieler noch einen zusätzlichen Kämpfergeist. Das ist einerseits natürlich gut, weil es leistungssteigernd wirken kann. Andererseits kann es einen auch zermürben, weil man für besondere Anstrengungen nicht unbedingt besonders belohnt oder auch nur beachtet wird.

Ehrgeiz, Fleiß und offensichtlich Talent waren also vorhanden. Irgendwelche Defizite? Es heißt, mit der Geduld hätten Sie es nicht so gehabt, was auch die vielen Vereinswechsel im Karriereverlauf erklären würde.

Dazu kann ich nur sagen: Den besten Honig können nur Bienen liefern, die an vielen verschiedenen Blüten waren.

Eine dieser „Blüten“ war in Ihrem Fall der finnische Verein Haka Valkeakoski, für den Sie von 2000 bis 2001 aktiv waren und sogar zwei UEFA-Cup-Spiele gegen Union Berlin absolvierten. Für Sie auch die beiden wichtigsten Begegnungen Ihrer Laufbahn?

Von der Wertigkeit vielleicht, aber ich habe mit Buraspor auch in der ersten türkischen Liga gegen Fenerbahce Istanbul gespielt (1998; Anm. d. Red.), das war auch ziemlich spannend. Und was die UEFA-Cup-Spiele angeht, habe ich davon gar nicht so viel mitbekommen. Ich stand zu dem Zeitpunkt unter starken Schmerzmitteln, weil mir zuvor so ein Riesen-Finne im Haka-Training gegen meine Schulter gesprungen war. Um spielen zu können, habe ich heftige Pain-Killer genommen, die man normalerweise nur beim Eishockey einsetzt.

 

„Ich will mit Altona einfach jedes denkbare Ziel erreichen.“

 

Wie genau sahen die Nebenwirkungen aus?

Ich bin im Rückspiel in der Halbzeit umgekippt. Als ich wieder zu mir kam, war das Spiel schon wieder in vollem Gange. Kurz darauf wurde ich dann operiert, ein Knochen wurde aus der Hüfte gesägt und oben wieder eingesetzt. Das Ende meiner aktiven Karriere.
Dafür könnte Ihre Trainerkarriere bald an Höhepunkten gewinnen. Nach dem verpassten Aufstieg in die Regionalliga mit Altona 93 im vergangenen Jahr könnte es jetzt gelingen …

… was eine schöne Geschichte wäre. Man muss sich hierzu auch mal die Lage des Vereins vergegenwärtigen: Altona 93 ist fest verankert in einem wachsenden, polarisierenden, einfach starken Stadtteil. Wir sind offen für alle und können gemeinsam auch alles werden.

 

Welches Ziel wäre in Ihren Augen das höchstmögliche?

Ich will jetzt erst mal aufsteigen. Und dann will ich noch mal aufsteigen. Und am liebsten nochmal. Ich will mit Altona einfach jedes denkbare Ziel erreichen. Wir Verantwortlichen wollen von der Fan-Kultur bis zum letzten Mann auf der Bank alles schaffen, was irgendwie geht.

/ Interview: Erik Brandt-Höge / Foto: Philipp Jung


Berkan Algan…

…wurde 1977 in Hamburg geboren. Als Jugendfußballer spielte er für Altona 93, den FC St. Pauli, den Hamburger SV und den VfL Pinneberg. Nur einige seiner späteren Stationen: 1. FC Köln II, Buraspor, Haka Valkeakoski, SC Concordia Hamburg, FC Sylt. Algan wurde für die U-21-Nationalmannschaften von Deutschland und der Türkei eingesetzt. Seit Sommer 2015 ist er Trainer bei Altona 93 und ist mit dem Club von der Griegstraße jetzt aus der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen.