Ricebrothers – Mehr als Reis

Bei den neu eröffneten Ricebrothers wird asiatische Küche mit eigenem Dreh serviert. In hippem Industrie-Ambiente gibt es Sommerrollen-Sets zum Selberbasteln und asiatisch inspirierte Drinks.

Die Restaurants auf dem Schulterblatt haben Zuwachs be­kommen. Seit Kurzem findet man bei den Ricebrothers asia­tisches Street Food „for cra­zy Leutz“. Der Laden wirkt auf den ersten Blick wie eine moder­ne Höhle: Die Wände der dunklen Räumlichkeiten sind be­malt und mit Hashtags versehen und in der offenen Küche flackert das Feuer unter den Pfan­nen. Gegessen wird aus handgemachten Keramikschalen, auf den Tischen findet man Stan­dard-­Sojasauce und Plastik­pflanzen in Metalltöpfchen.

Ricebrothers Restaurant in Hamburg Foto: Sabrina Pohlmann

Unsere Sommerrollen be­stellen wir als Selbstbau­-Set für 15 Euro, das reicht für zwei Personen. Der Kellner führt die Faltprozedur vor, bei ihm sieht es auch ganz einfach aus: Die Fül­lung aufs Reispapier legen, erst die langen Seiten falten, dann die kurzen. Nach eigenen Versuchen stellt sich heraus: Som­merrollen zu falten, ist nichts für Ungeübte. Doch die freundliche Servicekraft erklärt die Technik nochmals geduldig und wacht den Rest des Abends über uns. Die anderen Gerichte sind oberer Durchschnitt, ihnen fehlt aber das gewisse Etwas. Der ve­getarische Burger (7,90 Euro) ist lecker, mir persönlich aber nicht bissfest genug. Meine Beglei­tung hingegen liebt ihn. Positiv stechen die Drinks heraus: Der Hanoi Mule (7 Euro) mit Zitro­nengras-­Sake ist perfekt abge­schmeckt, ebenso die hausge­machte Limo mit Ingwer und Limette (4 Euro). Das Dessert, warmer Reiskuchen in Kokos­milch (4,90 Euro), ist der krö­nende Abschluss des Mahls. Fest steht: Die Ricebrothers brauchen noch ein bisschen Zeit, um das Profil zu schärfen. Der freundliche Service fällt auf jeden Fall schon mal sehr positiv auf. Lobenswert sind auch die zahlreichen Veg­gie-­Variationen und die Spiel­ecke für Kinder. Die Einrich­tung ist Geschmackssache, aber an schönen Sommertagen kann man auch nach draußen ausweichen.

Text: Sabrina Pohlmann
Beitragsfoto: Rolf Bork / Ricebrothers

Schulterblatt 35 (Sternschanze), Telefon 37 50 48 88, Mo-So 12–0 Uhr; www.ricebrothers.de

Fr. 29.6. 19.30: Livemusik bei den Ricebrothers: Sons and Preachers, Tomi Simaputang, Eintritt 5€


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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

BierSZENE – Auf diesen Festivals gibt’s richtig gutes Bier

Bye bye, Industriebier: Daniel Elich zeigt, auf welchen europäischen Festivals gute Craft Biere aus den Hähnen fließen.

„Welcome to Rock am Ring – powered by Carlsberg!“ Seid Ihr es auch leid, auf Mainstream-Festivals zu gehen, die von großen Bierkonzernen gesponsert werden? Ich finde, deren Zeit sollte sich langsam aber sich dem Ende zuneigen. Für alle, die keine Lust mehr auf Astra & Co. haben, gibt es hier deshalb eine kleine feine Liste mit unabhängigen Festivals, bei denen beste Kreativbiere aus den Zapfhähnen fließen.

1) „Wilde Möhre“

Seit 2013 gibt es das Festival „Wilde Möhre“ in Brandenburg. Das Kunst- und Musikfestival ist ein gemeinschaftliches Festival für alle – ungeachtet von Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder Herkunft. Musikalisch geht die Wilde Fahrt von Techno bis HipHop. Das beste ist aber: Hier gibt es auch jedes Mal tolles Craft Beer von der Berliner Bierfabrik.

Wann? 9. bis 13. August 2018
Wo? Brandenburg (Deutschland) 
Mehr Infos: wildemoehrefestival.de

2) „Green Man“

Seit 2003 öffnet das Green Man Festival seine Tore für Musik- und Kunst-Liebhaber aus aller Welt. Eingebettet ist das Festival in die majestätischen Brecon Beacons – eine Bergkette in Wales. Eine ganze Woche lang kann hier gecampt werden, um tagsüber die Wälder, Wasserfälle und Flüsse zu erkunden oder um mehr als 1.000 Künstler zu erleben. Auf die Ohren gibt es hier Alternative, Indie, Rock und Folk. Für den Durst: das eigens fürs Festival gebraute Craft Beer, das es nirgends sonst zu kaufen gibt.

Wann? 16. bis 19. August 2018
Wo? Brecon Beacons (Wales, Großbritannien)
Mehr Infos: www.greenman.net

3) „Garbicz Festival“

Das „Garbicz Festival“ ist ein Musik- & Kunstfestival direkt am See und mit einer traumhaften Waldkulisse. Das Festival lebt aber auch von der Wahrnehmung, dass wir alle gemeinsam für Mensch und Natur verantwortlich sind. Eine Anreise mit Auto, ist der Umwelt zuliebe, deshalb auch nicht möglich. Musikalisch gibts vor allem Elektronisches. Nach dem Abdancen erfrischt Bier aus diversen polnischen Craft-Beer-Brauereien.

Wann? 2. bis 5. August 2018
Wo? Garbicz (Polen)
Mehr Infos: garbiczfestival.com

In diesem Sinne: Prost.

Euer Daniel

Text: Daniel Elich
Beitragsfoto: Florian Forsbach


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Daniel Ehlich

Foto: Felix Valentin / Jupiter Union

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

Top 10 – Hier gibt’s Hamburgs beste Burger 2018

Wir lieben Hochstapler! Und hier verraten wir euch, wer die besten Burger der Stadt brät.

Sortierung alphabetisch und nicht nach Plazierung
Beitragsfoto: Otto’s Burger

1. Burgerlich

Alles homemade! Alles frisch! Alles richtig lässig! Yeah! Burgerlich setzt den Fleisch-Buns die Krone auf. Kreative Burger-Variationen klingen nicht nur gut, sondern schmecken auch so. Dazu empfiehlt sich Lavendel- und Orangen-Thymian-Limonade, exotisch und erfrischend anders.

Speersort 1 (Altstadt), Telefon 35 71 56 32, So-Do 11.30–23, Fr-Sa 11.30–24 Uhr, Kreditkarten: Visa, Mastercard; EC-Karte; www.burgerlich.com

2. Dulfs Burger

Hmmm, bei Dulf’s Burger gibt es geile Burger. Zwischen die Burger Buns aus ökologischen Rohstoffen kommt feinstes Premium Beef aus artgerechter Haltung in Schleswig-Holstein. Dazu gibt es allerlei Belag und knusprige Pommes. Geht es noch besser?

Karolinenstraße 2 (St.Pauli), Telefon 46 00 76 63, So-Do 11.30–23.30 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.dulfsburger.de

3. Edelsatt

Edelsatt-Burger aus Wildfleisch in Hamburg Foto: Edelsatt

Drei Schichten Wildfleisch. Foto: Edelsatt

Der Name ist Programm: In den zwei schicken Filialen im Karoviertel und in Winterhude werden schmackhafte Burger von Reh-, Rot-, Schwarz- und Damwild aus heimischen Wäldern zubereitet. Das Wildfleisch glänzt durch einen feinwürzigen Geschmack, der Nachhaltigkeit und Regionalität widerspiegelt.

Karolinenstraße 32 (St.Pauli), Telefon 7237 61 60, Mo 12–21, Di-Sa 12–22.30 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.edelsatt.de

4. Goldburger

Der Goldburger ist total regional, selbst das Ketchup wird mit Zutaten aus der Region selbst produziert. Die Rinder stehen ganzjährig auf Weiden im Wendland und werden per Kugelschuss auf der Weide getötet, ganz ohne Angst und Stress. Deswegen schmeckt das Fleisch so saftig und würzig. Den Burger gibt es im Restaurant Glashaus in Lüneburg und auf den Wochenmärkten in Ottensen und Eppendorf.

Bessemerstraße 3 (Lüneburg), Telefon, Mo-Di 11.30–16, Mi-Fr 11.30–21, Sa 17–21, So 11.30–21 Uhr; Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.goldburger.net

5. Grilly Idol

Biofleisch und Kiezflair bei Grilly Idol in Hamburg

Biofleisch und Kiezflair: Grilly Idol. Foto: Grilly Idol

Der Burgerladen auf St. Pauli macht einfach alles richtig. In dem schlichten, aber gemütlichen Restaurant werden ordentlich dimensionierte Portionen serviert, die super schmecken. Für’s Gewissen: Hier kommt nur Bio-Rindfleisch ins Bäckerbrötchen.

Clemens-Schultz-Straße 40 (St.Pauli), Telefon 33 45 29 06, Mo-Do 12–23, Fr-Sa 12–24, So 12–22 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.grilly-idol.de

6. Helden&Co.

In dem kleinen amerikanischen Diner werden Superhelden-Burger wie “Dragon Ball”, “Batman” oder “Der Pate” gebrutzelt, mit Rindfleisch von der Norddeutschen Färse. Auch optisch ist der Laden im Superhelden-Fieber: An den Wänden zieren Figuren aus Geschichten der Kindheit die Wände.

Margaretenstraße 58 (Eimsbüttel), Telefon 46 65 34 44, Mo-So 12–21.30 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.heldenundco.de

7. Jim Block

Das beste aus der Systemgastronomie: Burger von Jim Block in Hamburg

Das beste aus der Systemgastronomie: Jim Block. Foto: Jim Block

Heimat der Burger-Jugend. Der Laden brummt, Berührungsängste gibt es nicht. Zum Essen quetscht man sich gern bunt gemischt an den Tischen zusammen und schließt auch spontane Freundschaften zwischen Burger-Bun und -Pattys. Klar ist: Der beste Burger-Brutzler unter den Systemgastronomen.

Jungfernstieg 1 (Innenstadt), Telefon 30 38 22 17, So-Do 11–22, Fr-Sa 11–23 Uhr. Kreditkarten: Mastercard, Visa, Amex; EC-Karte; www.jim-block.de

 

8. Otto’s Burger

Ottos Burger in Hamburg

Handgemachtes Gourmetfutter bei Otto’s Burger. Foto: Otto’s Burger

Beste Gourmet Burger serviert Otto’s Burger in vier schick designten Läden in Hamburg. Das Fleisch ist saftig und kommt von Weidekühen aus der Lüneburger Heide, die Saucen werden ohne Zusatzstoffe gekocht und die Brioche Brötchen selber gebacken. Fantastisch!

Lange Reihe 40 (St. Georg), Telefon 65 04 04 61, Mo-Do 11.30–22.30, Fr-Sa 11.30–23, So 11.30–22 Uhr, Kreditkarten: Mastercard, Visa; EC-Karte; www.ottosburger.com

9. The Burger Lab

In dem hübschen Ecklokal kommen wunderbare Burger auf den Tisch, ob mit klassischem Patty, Lamm, Chicken oder in vegetarischer und veganer Variante. Die Brioche Brötchen werden nach dem hauseigenen Rezept gebacken. Übrigens: Die Süßkartoffel-Pommes haben auf jeden Fall das Zeug, süchtig zu machen.

Max-Brauer-Allee 251 (Altona), Telefon 41 49 45 29, Mo-Sa 12–22.30, So 13–20.30 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.theburgerlab.de

10. Vincent Vegan

Vincent Vegan in Hamburg Foto: Vincent Vegan

Hübsche Location in der Europapassage – Vincent Vegan. Foto: Vincent Vegan

Vincent Vegan in Hamburg Foto: Vincent Vegan

Genau so deftig wie Fleischburger – Vincent Vegan. Foto: Vincent Vegan

Dass vegane Burger ihrem Vorbild in nichts nachstehen, beweist Vincent Vegan im neuen Restaurant im Food Sky der Europa Passage. Zwischen zarte Brioche Buns kommen deftige Patties, Cole Slaw, Guacamole oder Jalapenos. Kreativ und lecker, so gehört sich das!

Ballindamm 40 (Altstadt), Telefon 89 06 55 67, Mo-Sa 10–21, So 11–18 Uhr, Kreditkarten: keine; EC-Karte; www.vincent-vegan.com


Lieber ‚was Leichtes?


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Diese Topliste stammt aus unserem Gastro Guide. Der Gastro Guide SZENE HAMBURG Essen+Trinken 2018/2019 ist am 19.4.2018 erschienen und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Privattheatertage – „Einfach mal mehr Mut haben“

Die Privattheatertage sind in Hamburg mittlerweile eine feste Größe. Zwölf ausgesuchte Produktionen aus ganz Deutschland sind im Juni zu Gast. Jurymitglied und Schauspielerin Marion Elskis erzählt, warum es in diesem Jahr ein Festival der starken Frauen ist – obwohl nur zwei der Stücke von Regisseurinnen inszeniert wurden.

SZENE HAMBURG: Marion Elskis, Sie stehen bei den Privattheatertagen nicht selber auf der Bühne, sondern saßen in der reisenden Jury. Wie ist das, einmal selbst in die Rolle des Kritikers zu schlüpfen?

Marion Elskis: Wunderbar. Es hat wirklich großen Spaß gemacht, einmal nicht beurteilt zu werden, sondern selber zu beurteilen.

Wie viel Stücke haben Sie sich angesehen?

Ich war in einer von insgesamt drei Jurys, wir haben uns Klassiker beziehungsweise moderne Klassiker angesehen. Das waren insgesamt 24, verteilt in ganz Deutschland. Und wir durften nur vier davon einladen! Da waren wir uns nicht immer in allem einig.

Welche Klassiker haben es zum Festival in Hamburg geschafft?

„Buten vör de Döör“ von Borchert, eine Produktion vom Ohnsorg Theater Hamburg. Außerdem wird „Das Lächeln am Fuße der Leiter“ von Henry Miller aufgeführt, ein Einpersonenstück aus Dresden. Und „Die Liebe der kleinen Mouche“ ist zu Gast, vom Theater Waidspeicher aus Erfurt. Die Hauptrollen sind zwei Puppen, die von Schauspielern gespielt und gesprochen werden – eine ganz zarte, liebevolle Inszenierung. Puppentheater kommt hier immer gut an, letztes Jahr hat ein Stück mit Puppen auch den Publikumspreis gewonnen. Außerdem „Hamlet“ von Shakespeare in einer sehr besonderen Inszenierung vom Forum Theater Stuttgart.

Puppentheater verzaubert, vielleicht weil es die Menschen zurück in die Kindheit versetzt…

Das ist das richtige Wort. Ich war zwei Stunden lang verzaubert, versunken in dieser Geschichte. Ich freue mich aber auf alle Stücke sehr, es ist wirklich ein toller Spielplan geworden.

Warum sind die Privattheatertage so wichtig für Privattheater?

Um darauf aufmerksam weil es in vielen Städten und vor allem in Hamburg Privat­theater mit sehr guten Stü­cken gibt. Für die ist unser Festival natürlich eine wahn­sinnig gute Plattform.

Axel Schneider, der Initiator der Privattheatertage, sagte letztes Jahr bei der Eröffnung, die Theaterhäuser in Hamburg hätten sehr unter der Eröffnung der Elbphilharmonie gelitten. Hat sich daran etwas geändert?

Die Eröffnung der Elb­philharmonie war natürlich ein Publikumsmagnet. Und auch verständlicherweise. Das ist etwas Neues, das macht die Leute neugierig. Und wenn man den Preis für eine Karte in der Elbphilhar­monie bezahlt, bleibt erstmal nicht so viel Geld für andere Kultureinrichtungen. Das ha­ben wir natürlich zu spüren bekommen, aber sicherlich war das bei allen Theater­häusern so, auch bei den staat­lichen. Da gab es denke ich gar keinen Unterschied.

„Es gibt wenig Rollen für ältere Frauen zwischen 40 und 60“

Dieses Jahr wird der Monica-Bleibtreu-Preis zum siebten Mal verliehen. Warum fiel die Wahl bei der Benennung auf Frau Bleibtreu?

Um ihr ein Denkmal zu setzen. Sie war eine tolle Schauspielerin, die leider viel zu früh gestorben ist. Ihr Va­ter hatte ein Theater in Wien, sie war dem Privattheater auch immer sehr verbunden. Das war wahrscheinlich auch ein Grund für diese Wahl.

Braucht es mehr starke Schauspielerinnen wie Monica Bleibtreu?

Es gibt natürlich einige starke Frauen. Es kann aber nie genug geben!

Ihre Jurykollegin Tanja Müller sagte, dass die Privattheatertage dieses Jahr ein Festival der starken Frauen sei. Welche Stücke sind unter diesem Aspekt besonders hervorgestochen?

Das Stück „7 Minuten“. Der Chef einer Firma will in darin die Pause um sieben Mi­nuten verkürzen. Die Frauen des Betriebsrates diskutieren dann darüber, jede mit ihrer eigenen Motivation und Ar­gumentation. Ein sehr gutes Theaterstück mit starken Frauen. Auch interessant ist die Produktion von „Ham­let“. Die Hauptrolle wird von einem Mann gespielt, alle an­deren Rollen von fünf Frauen. Klassische Werke sind ja nicht immer so leicht verständ­lich, aber dieses Stück hat sich sehr modern und aktuell an­ gefühlt. Es ist natürlich auch spannend zu beobachten, wie diese Frauen in verschiedene Rollen schlüpfen, aber das hatte wahrscheinlich auch ei­nen Kostenspargrund. Womit wir wieder bei den Problemen des Privattheaters wären.

Klassische Stücke sind nicht bekannt für ihre progressive Geschlechteraufteilung. Braucht es neues Material, um Frauen in der Theaterwelt zu stärken?

Beides ist wichtig. Sowohl alte Stücke, die mutig neu in­szeniert werden, als auch neue Werke. Die könnten auch gerne frauenlastiger sein, das wäre schön. Ich habe in der Vergangenheit öfter gedacht: „Typisch, jetzt gibt es schon wieder fünf Männerrollen und nur eine Frau.“ Deswegen habe ich mit einer Kollegin zusam­men ein Zweipersonenstück, beide weiblich, geschrieben und in Hamburg und Berlin aufgeführt. Es braucht mehr Stücke dieser Art. Außerdem fällt mir immer wieder auf, wie wenig Rollen es für äl­tere Frauen gibt. Bis zu einem bestimmten Alter ist die Geschlechteraufteilung meistens sehr ausgewogen, aber das An­gebot für Schauspielerinnen zwischen ungefähr 40 und 60 ist sehr dünn.

Wie kann man Frauen in der Theaterbranche noch weiter stärken?

Frauen sollten auch mal öfter den Mut haben, Regie zu führen. Dann würde sich das vielleicht von alleine ergeben, dass es mehr Rollen für Frauen gibt. Ich meine auch, wir haben jetzt bei den Privattheatertagen kaum Re­gisseurinnen. Ich zähle eben mal im Programm nach … Ja, es sind zwei von zwölf Stü­cken. Das ist schon bezeich­nend. Wir Frauen sind außer­ dem immer so selbstkritisch. Dabei sollten wir einfach mal Mut haben und breitbeiniger auftreten!

Interview: Sophia Herzog
Beitragsfoto: Bo Lahola

Privattheatertage, 19.6.-1.7.18, www.privattheatertage.de


Mehr Theater?


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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Madsen – „Es begann mit einer Krise“

Frontmann Sebastian Madsen sah sich plötzlich mit Ängsten konfrontiert – und erzählt im Gespräch zum neuen Madsen-Album „Lichtjahre“ (VÖ 15.6.18), wie er sie überwinden konnte.

SZENE HAMBURG: Sebastian, hast du die diesjährige ECHO-Prozedur verfolgt?

Sebastian Madsen: Ja, zuerst die Show im Fernsehen, und dann war ich noch auf der Aftershow-Party. Allerdings nicht lange – die Stimmung war echt schlecht.

Grund dafür war der Eklat um Farid Bang und Kollegah. Hast du mit Branchenkollegen darüber sprechen können?

Auf der Party war das noch etwas schwer, die Leute waren wie paralysiert. Viele waren sich auch nicht sicher, was sie über die Geschehnisse denken sollten und fragten sich wahrscheinlich: Dürfen die das? Ich hingegen habe mich gefragt: Warum unterstützt denn da keiner Campino…

…der als einziger anwesender Künstler schon auf der Bühne das Werk der Rapper kritisiert hatte. Hättest du es genauso gemacht?

Ja. Ich hatte sofort eine klare Haltung zu all dem und fand es sehr mutig, was Campino gemacht hat, gerade in seiner Position als alter Punk, der vielen Jugendlichen wahrscheinlich wie ein Oberlehrer vorkommt.

„Alle in der Band haben eine politische Haltung“

Was politische Statements angeht, haltet ihr euch mit Madsen grundsätzlich nicht zurück, geht etwa gegen Nazis und Atomkraft offensiv vor. In euren Liedern hingegen geht es eher um das Innenleben des Individuums, politische Parolen werden ausgespart. Gab es denn etwas, das ihr auf eurem neuen Album „Lichtjahre“ textlich unbedingt behandeln wolltet?

Erst mal stimmt es, dass es sich bei Madsen songtextlich vor allem um das Du und das Ich dreht. Das liegt aber nicht daran, dass ich keine Lust hätte, etwas Politisches zu schreiben, heutzutage gibt es in dieser Hinsicht ja viel zu bereden. Aber ich kann das einfach nicht so gut. Feine Sahne Fisch Filet können das, haben da einen sehr direkten Bezug und sind zu Recht eine der derzeit wichtigsten Bands. Bei mir aber kommt Politisches immer komisch rüber, so liedermachermäßig.

Woran liegt das?

Vielleicht daran, dass ich Popmusik so sehr liebe. Ich und alle anderen in der Band haben eine klare politische Haltung, mögen auch grundsätzlich so eine Aufbruchstimmung. Aber textlich fühle ich mich in einem persönlichen Bereich eben wohler.

Wo fing dieser Bereich für „Lichtjahre“ an, wo hörte er auf ?

Er begann mit einer persönlichen Krise. Inwiefern? Bei mir kamen zum ersten Mal in meinem Leben Angststörungen und Panikattacken auf. Das war noch in der Zeit vom „Kompass“-Album (erschienen 2015). Ich weiß auch nicht, ob das alles einherging mit einer allgemeinen Erschöpfung – es war schließlich schon unser sechstes Album.

Wie haben sich Angst und Panik geäußert?

Ich hatte das Gefühl, nicht auf die Bühne gehen zu können. Es hat mich total überfordert, Konzerte zu spielen.

„Wir haben alle Zelte abgebrochen“

Und wie hast du und wie habt ihr als Band darauf reagiert?

Wir haben erst mal alle Zelte abgebrochen und einige Monate gefühlt gar nichts gemacht. Das ging soweit, dass ich im Bett lag und nicht mehr aufstehen konnte. Furchtbar. Irgendwann habe ich aber wieder Kontaktgesucht, vor allem zu anderen Musikern, und ich habe gemerkt, dass es ungefähr jedem zweiten schon so ging wie mir. Ich war also kein Außerirdischer, sondern hatte ein Problem, was in der Gesellschaft total angekommen war und ist. Ich habe mir dann sehr viele hilfreiche Tipps geholt.

Was waren das für Tipps?

Unter anderem wurde mir zum Sport machen geraten, also zu Bewegung allgemein. Fiel mir nicht immer leicht, aberes half. Außerdem bin ich mit meiner Freundin in den Urlaub gefahren, was mir gut tat – auch wenn ich plötzlich sogar Angst vorm Fliegen hatte. Und der Tipp, der am meisten geholfen hat und gleichzeitig am unangenehmsten in der Umsetzung war, war der, dass man in Phasen, in denen man viel zu tun hat, vielleicht nicht jeden Abend Bier trinken, sondern rausgehen und Sachen machen sollte, also Dinge anpacken sollte. Dazu zählte auch der Bühnengang. Und jedes Mal, wenn ich mit mir zu kämpfen hatte, raus und auf die Bühne zu gehen und es doch gemacht habe, es also geschafft habe, kam so ein Gefühl auf, gewonnen zu haben – gegen mich selbst.

Sicher auch nicht leicht, sich in den schwierigeren Phasen zu beruhigen und darauf zu vertrauen, dass schon alles gut werden wird. Wie ist dir das gelungen?

In solchen Situationen habe ich mich an eine Zeit erinnert, in der man noch keine Karriere und Termine hatte und alles cool war. Da hat man das Leben ja auch einfach genießen können. Dieser Gedanke war ein gutes Back-up für mich, wenn die Angst wieder aufkam.

Und heute? Wie ist dein Bühnengefühl?

Ich habe meine Probleme in den Griff gekriegt. Sie sind zwar textlich noch sehr präsent auf der neuen Platte, aber das ändert nichts daran, dass mir und allen anderen von Madsen die Konzerte wieder richtig Spaß machen.

Interview: Erik Brandt-Höge
Beitragsfoto: Dennis Dirksen

22.-24.6.18, Hurricane, Scheeßel


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(Don’t )Try this at home – Skaten ist nicht rational erklärbar

Freiheit, Rausch und Systemkritik prägen Straßenkulturen – auch die Skateszene. Der Fotograf und Skater Felix Valentin dokumentiert den Zeitgeist einer Subkultur, zu der er selbst gehört, und gewährt mit seinen Arbeiten einen Einblick in den rauen, aber amüsanten Alltag von jungen Asphaltsportlern.

Fotograf und Skater Felix Valentin dokumentiert den Zeitgeist der Skate-Szene.

Das erste Skateboard bekam Felix Valentin in der siebten Klasse von seiner Großmutter geschenkt, seitdem ließ der Board-Sport den heute 30-Jährigen nicht mehr los. Durch einen neuen Job als Art Director erhielt die Fotografie mehr Einzug in sein Leben – beruflich wie privat. Was anfänglich mit Skatefotos begann entwickelte sich schnell zu einer dokumentarischen Arbeit über die lokale Skateszene abseits des Skateparks. „Das ist das eigentlich Spannende, weil es Außenstehende nie zu Gesicht bekommen“, so Felix Valentin. „Wenn ich abends mit den Jungs nach Hause gehe, mit denen ich mich tagsüber aufs Maul gelegt habe, dann gibt es oft eine explosive Mischung aus Adrenalin, Scheißegal-Haltung und dem Hang zum Exzessiven.“

Authentische Fotos, die sich dem Rausch hingeben

In solchen Momenten entstehen authentische Fotos von Menschen, die sich dem Rausch nur zu gern hingeben und für die Freiheit wie Selbstbestimmung existenziell sind. Dass sich solche Charaktere besonders häufig unter Skatern finden, ist für Felix Valentin leicht zu erklären: „Skaten kann eine Flucht vom tristen Alltag sein. Während einer Session hat man viele Erfolgserlebnisse. Einen Trick zum ersten Mal zu stehen, gibt einem ein höchst befriedigendes Gefühl. Es ist oft harte Arbeit, einen neuen zu lernen. Dafür auch noch Anerkennung von Freunden zu bekommen, die diese Leidenschaft mit dir teilen, fühlt sich einfach gut an“, erklärt der Designer, „Skaten ist eine körperliche und geistige Grenzerfahrung und nicht immer rational erklärbar.“ Das Wichtigste, was einen das Skaten lehre: Immer wieder aufstehen, auch wenn man noch so tief gefallen ist.

Der hohe Kontrast und die Farbigkeit des Schwarz-Weißen unterstreicht die Härte seiner Bilder. Starke Schatten sind erwünscht, die Haut soll gar nicht weich wie bei einem Beauty Shot aussehen. Alles, was auf dem ersten Blick nicht klassisch schön ist, ist für Felix Valentin ästhetisch. „Schönheit ist für mich ein gemachter Begriff. Darum habe ich gar kein Verlangen danach, so etwas abzulichten“, erklärt der Fotograf, „Ich will ehrliche Momentaufnahmen, die nicht kreiert sind und meine Sicht der Dinge zeigen. Das ist für mich interessant – nicht die gebaute, bunte Welt.“ In Zukunft möchte sich der Fotograf auch der Dokumentation des Lebens anderer Randgruppen widmen, die so nicht auf jedem x-beliebigen Instagram- Kanal zu finden sind. Noch bis Ende Juni können sich Interessierte die Arbeiten in der Ausstellung „Try this at home“ in der Pony Bar anschauen.

Die Ausstellung „Try this at home“ könnt ihr noch bis zum 30.6.2018 in der Pony Bar sehen.

Text: Jennifer Meyer
Fotos: Felix Valentin

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Unionitas – Die Superwoman-Pose

Die Fußballerinnen vom Altonaer S. C. Union 03 hatten einen erschwerten Start, sorgten aber schnell dafür, dass die Macho-Blödelei am Spielfeldrand aufhörte. Allez, allez, Unionitas!

Am Anfang gab es Pfiffe. 2006, im Jahr des deutschen „Sommermärchens“, wagte es eine ambitionierte Truppe von Uni-Fußballerinnen, auf dem Feld des S. C. Union 03 vorzuspielen. Der Club hatte damals noch keine Frauenmannschaft. Männer aller Altersklassen schleppten sich über das unebene Grün und staunten nicht schlecht, als sie plötzlich Besuch bekamen, der auch noch vorhatte, zu bleiben. „Die Pfeiferei war das eine, die Kommentare vom Spielfeldrand das andere“, erinnert sich die 37-jährige Phoebe, eine der Frauen, die damals debütierten. „Nicht selten bekamen wir einen ‚Ey, Triokottausch!‘-Spruch zu hören. Die Männer waren es einfach nicht gewohnt, dass auch Frauen vor Ort waren.“

Eine direkte Konfrontation, so die promovierte Pädagogin, habe es nicht gegeben, niemand wurde zur Rede gestellt, vielmehr vor vollendete Tatsachen. „Wir haben einfach weitergemacht, uns unser Standing peu à peu erarbeitet.“ Heute gebe es keine Quatschkommentare mehr, im Gegenteil. Von den Union-Männern komme sogar die Anfrage nach einer gemeinsamen Weihnachtsfeier.

„Für Jedermann“

Harte Schale, weicher Kern, möchte man meinen, und das nicht nur in Sachen Mentalität. Auch die Räumlichkeiten von Union wirken schroff, mit grau-grün gefliesten Wänden und dem Sportmief aus zig Jahrzehnten in den winzigen Kabinen. Die Gaststätte nebenan: „Für Jedermann“, so steht es an der Mauer, aber außer ein paar Bierbauchburschen und dem Barmann traut sich selten jemand hinein in die schrullig eingerichtete Stube, die Besuchern freien Blick auf das Spielgeschehen bietet.

Seit 2006 sind beim S. C. Union 03 auch Frauen am Ball. Foto: Michael Kohls

Das Bild draußen passt zum Rest: mittelgut gepflegter Rasen, keine zehn Zuschauerreihen, die sich als Mix aus Kieselsteinen und rissigem Beton ums Feld biegen. Dahinter kommt nur noch bröckelnder Industriehallencharme, der genug Fläche für eine XXL-Aufschrift des Vereins bietet: S. C. Union von 1903 e. V.

Soweit die Kulisse, vor der Phoebe und Co bei Heimspielen antreten. Auch damit kommen sie klar. „An der Uni war der Fußballkurs für Frauen umsonst und gut besucht“, erzählt Phoebe, „wir hatten richtig Bock auf Kicken und irgendwann auch auf mehr als nur den Uni-Fußball.“ Daher die Unionitas, und daher auch die ersten, ziemlich bald eingefahrenen Erfolge. Die defensive Mittelfeldakteurin und ihre Mitspielerinnen rangieren aktuell auf dem sicheren sechsten Platz der Bezirksliga, haben es aber zeitweise schon in die Landesliga geschafft, also dorthin, wo etwa die zweite Frauenmannschaft des großen HSV ein Gegner war. Fun Fact: Die Union-Männer kicken derzeit nur in der Kreisliga.

Vereinsstolz? Nein, Unionitas-Stolz!

Vielleicht liege es an den Schwierigkeiten zu Beginn, dem nicht sofort vorhandenen Respekt, meint Phoebe, dass es auch nach zwölf Jahren bei Union 03 keinen wirklichen Vereinsstolz unter den Frauen gebe. Dafür einen Stolz auf die Frauen, die Unionitas. Sie seien zwar alle berufstätig, haben fast alle Kinder, und der Fußball sei vor allem ein Freizeitvergnügen, zweimal die Woche im Training und am Wochenende beim Punktspiel. Aber man habe sich eben etwas aufbauen können, sich nicht unterkriegen lassen, also Grund genug, selbstbewusst aufzutreten.

Beim Warmmachen am Spieltag kommen sie zusammen, im Kreis um ihren Trainer Markus Redlich, die Hände in die Hüften gestemmt. „Wir gehen dann immer in die Superwoman-Pose, zeigen, dass wir da sind und an uns glauben. Wir sagen uns: Wir können was, wir sind gut, und wir gehen jetzt auf den Platz.“ Kurz vor dem Anpfiff noch der Schlachtruf: „Allez, allez, Unionitas!“ Und mancher Mann an der Bande murmelt ihn mit.

Text: Erik Brandt-Höge

Fotos: Michael Kohls

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Steil auf Erfolgskurs – Hamburgs Handball-Helden

Mit Bodenhaftung und einheimischen Spielern begeistert der Handball Sport Verein Hamburg seine Fans. Der Lohn ist der Aufstieg in die zweite Liga.

Der Blick auf die Volksbank Arena irritiert. Dort prangt noch immer das Logo der Hamburg Freezers. Im Mai 2016 erhielt der Eishockeyclub keine Lizenz mehr. Vier Monate zuvor hatte der HSV Handball Insolvenz angemeldet. Kein Eishockey und kein Handball mehr auf Top-Niveau in der höchsten Spielklasse. Die Abgesänge auf die Sportstadt Hamburg beschäftigten die Sportjournalisten bundesweit. In Hamburg, so ihr Tenor, seien eben nur die Fußballclubs HSV und FC St. Pauli salonfähig – die sind mittlerweile, durch den Abstieg des HSV, beide zweitklassig. Die vom Spielbetrieb abgemeldeten Freezers sind längst Sportgeschichte.

Doch mittlerweile wird in der Volksbank Arena eine neue Story geschrieben. Vom Handball Sport Verein Hamburg. Unter seinem ursprünglichen Vereinsnamen tritt der frühere HSV Handball seit zwei Jahren an. Inklusive eines neuen Logos, da der Hamburger SV nach der Saison 2015/16 die Kooperation mit dem Handball Sport Verein Hamburg beendete. Zeitgleich zur Insolvenz stieg in jener Saison beinahe unbemerkt die zweite Mannschaft in die 3. Liga auf. „Der Weg, den wir dann beschritten haben, war so sicher nicht abzusehen“, sagt der frühere Weltklasse-Handballer und heutige Trainer Torsten „Toto“ Jansen im Rückblick.

Der Handball Sport Verein Hamburg machte nämlich Nägel mit Köpfen, sein zweites Team zur ersten Mannschaft – und startete in der 3. Liga neu durch. In der Saison 2016/17 wurde das Team Dritter, dann kehrte „Toto“ zurück, der zuvor bereits von 2003 bis 2015 in Hamburg spielte Stadtleben und später die A-Jugend trainierte. Mit ihm als Coach gelang in der aktuellen Saison mit viel Fleißarbeit (bis zu acht Trainingseinheiten à 90 Minuten in der Woche) die Rückkehr in die zweite Liga. In der Volksbank Arena wurde trainiert und vor meist ausverkauftem Haus, rund 3.500 Zuschauern, bei den Spielen in der Alsterdorfer Sporthalle begeisternder Handball geboten.

Die Rückkehr der „La Ola“

Die Mannschaft wirkt dabei wie ein Gegenentwurf zu früher, als der Club alle großen Titel inklusive der Champions League abräumte. Präsident Andreas Rudolph engagierte sich damals mit vielen Millionen und kaufte den ganz großen Erfolg. Weltklassespieler wie Guillaume Gille, Hans Lindberg und Pascal Hens warfen Tor um Tor. Allerdings vor einem wesentlich eventorientierten Publikum in der Barclaycard-Arena, dem bei manchem Heimspiel von Stadionsprecher erklärt werden musste, wie eigentlich „La Ola“ („Die Welle“) als Feierritual mit den Spielern nach einem Sieg funktioniert. Sprechchöre der Fankurve wurden zur Sicherheit öfter mal auf dem Videowürfel eingeblendet – damit der Rest der Halle auch mitmacht.

Das sieht heute anders aus. Die Mannschaft besteht aus vielen Auszubildenden und Studenten. Einzig Stefan Schröder (36) blieb nach der Insolvenz. Der frühere Nationalspieler und Rechtsaußen: „Ich bin in Hamburg verwurzelt. Für mich war schnell klar: Ich will dabei mithelfen, dass es hier wiederaufwärtsgeht.“ Das tat Schröder nicht nur auf dem Feld, wo er mit dem Aufstieg das perfekte Ende für seine grandiose Karriere fand. Sondern auch in der Geschäftsstelle. Er engagiert sich dort im Bereich Marketing, wird dem Handball Sport Verein Hamburg nach seiner aktiven Karriere weiterhin erhalten bleiben.

Schlussapplaus mit 9964 Fans – Besucherrekord. Da freut sich auch der Handball Sport Verein Hamburg. Foto: Fishing4

So ist der Handball Sport Verein Hamburg plötzlich in. Ein um den Wiederaufstieg in höhere Gefilde kämpfender Club mit einheimischen Spielern aus der Region, die „sich natürlich ganz besonders mit Hamburg identifizieren“, so Rix. „Allerdings war es am Anfang ungewohnt, vor so vielen Leuten zu spielen. Bei der zweiten Mannschaft schauten ja manchmal nur 50 Leute zu.“ Am 26. Dezember wurde selbst der Ausflug in die frühere Heimstätte, die Barclaycard-Arena, für ein Spiel gegen Fredenbeck zum Erfolg. 9.964 Zuschauer kamen und knackten den Zuschauerrekord der Dritten Liga. Nur wenig erinnert an alte Zeiten. „Ab und zu müssen wir bei Auswärtsspielen weghören, wenn die Leute uns stolpern sehen wollen, weil sie sich an das große Team von früher erinnern“, sagt Rix, „Aber das sind wir eben nicht mehr. Wir sind nicht mehr der Champions-League- Sieger und Deutsche Meister.“ Dafür sind sie frischgebackener Aufsteiger – und nun in der zweiten Liga dabei, um dort zu bleiben.

Vielleicht hängt das Logo der Hamburg Freezers an der Volksbank Arena also genau richtig. Als eine Mahnung für die Verantwortlichen bei den Handballern, wenn es mal wieder ganz nach oben gehen sollte und der Höhenflug an Bodenhaftung verliert. Man weiß ja nie.

Text: Mirko Schneider 

Foto: Fishing4

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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Rindchen schlemmt – Der perfekte Sommergarten

Nicht nur das wunderschöne Ambiente lockt unseren Kolumnisten Gerd Rindchen ins Hygge nach Nienstedten.

In einem wunderschönen, verwunschenen Sommergarten am Reetdachhaus sitzen, exzellente Küche ohne ChiChi genießen und dazu außergewöhnliche und überdies bezahlbare Weine entdecken: Das recht neue „Hygge“ im ehrwürdigen Landhaus Flottbek macht’s möglich. Die Crew von Küchenchef Thomas Nerlich beherrscht die ganze Klaviatur von der unkomplizierteren „Bar Food“-Karte mit würzigem Pulled Pork Burger mit Röstzwiebeln (12 Euro) oder hervorragend angemachtem Tatar vom Weiderind (Vorspeise 16, Hauptgang 26 Euro) bis hin zu kreativen Vorspeisen wie Allerlei vom Blumenkohl mit jungen Salatherzen und wilden Rotgarnelen (15 Euro) und Klassikern der hanseatischen Hochküche wie Tranche vom Steinbutt mit Erbsenpüree, Kopfsalat und Queller (34 Euro) oder Hamburger Stubenküken mit Rahmkohlrabi und Karottenpüree (22 Euro). Erlebnishungrigen MitbürgerInnen lege ich dringlichst das Nerlich’sche Dreigang-Überraschungsmenü für faire 36 Euronen ans Herz. Eine Klasse für sich ist die Weinberatung und die Weinkarte, vom ausnehmend freundlichen Ex-Sternesommelier Lennart Wenk enorm kundig und, eher hamburg-unüblich, sehr interessant und abwechslungsreich zusammengestellt. Dabei wurde sogar ziemlich fair kalkuliert. So gibt es die legendäre fränkisch-trockene Scheurebe von Max Müller I für 29 € pro Flasche, ein veritables Großes Gewächs (2011 Niersteiner Orbel von St. Antony) ist für 48 Euro zu haben. Wer keine Lust auf Wein hat bekommt leckere hausgemachte Limonaden oder erstklassig gemixte Drinks von Barchef Alexander Wagner. Und wenn es draußen wieder (nicht auszudenken aber unabwendbar) kalt und ungemütlich wird? Dann schart sich alles im gemütlichen Gastraum um den warmen Kamin.

Text: Gerd Rindchen

Hygge im Hotel Landhaus Flottbek: Baron-Voght-Straße 179 (Nienstedten), Telefon 040.82 27 41 60; www.hygge-hamburg.de

Noch mehr „Rindchen schlemmt“?


Gerd Rindchen im Rindchen's Weinkontor. Foto:

Gerd Rindchen im Rindchen’s Weinkontor.

Gerd Rindchen ist Gründer von Rindchen’s Weinkontor. Seit 25 Jahren verkostet er Weine nach dem Prinzip „Bestes Preis-Genuss-Verhältnis“. In der SZENE HAMBURG wendet er dieses Prinzip jeden Monat auch auf die Küchen dieser Stadt an.

 

 

 


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 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juni 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

DUB:KE – Mit Arab Techno gegen Club-Rassismus

Anas Aboura kam 2015 aus Syrien nach Deutschland. Heute arbeitet er als Kurator. Zusammen mit Kollegin und Dramaturgin Nadine Jessen, veranstaltet er seit zwei Jahren die erfolgreiche Oriental-Karaoke Reihe. Im Juni startet ihr neuestes Projekt. Mit DUB:KE wollen sie Hamburg in die weite Welt des Arab Techno einführen und gleichzeitig eine Party etablieren, die den im Nachtleben häufigen Rassismus überwindet.

SZENE HAMBURG: Techno und die Kultur der elektronischen Musik kann in vielen arabischen Ländern nur im Untergrund stattfinden. Welche Gründe seht ihr dafür?

Nadine: Zunächst ist dies sicher nicht nur ein Problem in arabischen Ländern. Kaum eine Regierung mag diese Art von Rave-Kultur, die häufig mit Drogen und einem freiheitlichen, alternativen Lebensstil verbunden wird. Bestes Beispiel dafür ist Georgien, wo es in der Hauptstadt Tiflis kürzlich zu groß angelegten Razzien gegen die Clubszene kam. Aber auch in Deutschland gibt es immer wieder Clubs die geschlossen werden. Die Reflexe der Regierungen sind immer gleich. Viele junge Leute hören Musik, wollen tanzen, feiern und frei sein und das könnte gefährlich werden.

Trotzdem ist die Situation in arabischen Ländern repressiver als in den meisten europäischen Staaten …

Anas: Natürlich und das liegt daran, dass es dort häufig Diktaturen gibt. Der Versuch von Leuten Freiheit zu erlangen oder auch nur Freiheit zu spüren, soll im Keim erstickt werden. Es gibt viele Versuche Rave-Festivals in arabischen Ländern zu veranstalten, aber die werden meistens schon nach ein paar Stunden von der Polizei kontrolliert und beendet.

Wie versuchen Leute, dies zu umgehen?

Anas: Als ich noch in Syrien war, gab es zwar einige Clubs mit Musik einer bestimmten Richtung, die erlaubt war, aber sobald wir irgendetwas Neues machen wollten, mussten wir es im Untergrund machen. Ich kenne ein Beispiel aus dem Libanon, wo während eines Festivals mehrmals die Location gewechselt wurde. Aber man muss auch sagen, dass die Kontrollen im Nachtleben nicht die größten waren. Im normalen Leben waren sie viel stärker.

Im Juni startet eure Partyreihe DUB:KE auf Kampnagel. Wie kam es dazu?

Nadine: Das Ganze ist aus dem Migrantpolitan entstanden. Dieses kleine Holzhaus im Kampnagel-Garten ist seit über zwei Jahren ein Treffpunkt, in dem neue Formate des Zusammenarbeitens und Zusammenlebens erprobt und entwickelt werden. Ein Ort, der gesellschaftliche Zuordnungen in Flüchtlinge und Einheimische hinter sich lässt und wo gemeinsam kosmopolitische Visionen entworfen werden.

Anas: Mittlerweile ist Migrantpolitan auch zu einem kulturellen Café geworden, was fast täglich geöffnet hat und in denen wir Workshops und Jam Sessions veranstalten oder unsere eigene TV-Show „Hello Deutschland“ zeigen (Anm. d. Red: Neue Folgen ab 30.5. jeden Mittwoch, 20.15 Uhr). Einmal hatten wir dort eine Veranstaltung mit den Leuten der Hamburger Perfomance Studies und trafen den DJ des Abends. Er kam aus dem Iran und hat sehr viele interessante Tunes aufgelegt. So eine Art Slow Oriental-House. Wir kannten Ähnliches von der Hamburger Band Shkoon und uns wurde bewusst, dass es da noch viel mehr zu entdecken gibt.

Wofür steht DUB:KE?

Nadine: Viele orientalische Sounds klingen bereits sehr technoid. Aber mit DUB:KE wollten wir dem Ganzen einen Namen geben, der das Ganze ein bisschen lustig umschreibt und etwas überzieht. Es klingt einfach genau gleich wie der traditionelle Tanz. Natürlich ist Dub auch nicht Techno, aber wir wollen ja gerade nicht in diesen Kategorien denken, sondern solche überwinden.

Anas: Dabke heißt der traditionellen Tanzstil, der im Nahen Osten, aber auch in anderen Ländern wie Iran oder Afghanistan unter anderem Namen sehr beliebt ist. Wenn eine bestimmte Art der Musik anfängt, stellen sich alle in der Reihe auf, fassen sich an den Händen und fangen an zu tanzen. Das ist häufig sehr energetisch und hebt manchmal Grenzen zwischen den Leuten komplett auf und bringt sie alle zusammen.

Ist das auch das Ziel eurer Partyreihe?

Nadine: Auf jeden Fall. Es herrscht in Deutschland ein großer Rassismus im Partyleben. Das kommt natürlich nicht von der Regierung, aber von Clubbesitzern, die sagen, was für Leute sie im Laden haben wollen. Ich lehne diese Attitüde komplett ab. Und deswegen wollen wir neben Formaten wie Oriental Karaoke, dem noch mehr entgegenhalten und sagen „Hey, die Musik ist sehr cool, der Sound ist sehr cool, wir können zusammen feiern und du bist willkommen“. Wir glauben daran, dass wenn du nicht zusammen feiern kannst, kannst du auch nicht zusammen leben.

Der erste Gast bei DUB:KE ist DJ Dziri, a.k.a. Sadziky vom Soukcollective. Foto: Francois Huppertz

Was plant ihr für den Abend?

Anas: Unser erster Gast ist Sadziky. Sie ist in Brüssel aufgewachsen und hat tunesisch-belgische Wurzeln. Ihr großes Netzwerk mit dem Namen Soukcollective reicht bis Toronto. Eine unglaublich offene und inspirierende Persönlichkeit. Sie mischt tanzbare Folk-Musik aus arabischen Ländern mit Techno Beats oder hat zum Beispiel Oum Kalthoum geremixed. Aber es ist immer schwer Musik zu beschreiben, man muss sie spüren.

Nadine: Wir wollten zudem vor allem am Anfang unserer Reihe direkt klarmachen, dass es viele Frauen gibt, die in dieser Szene involviert sind. Und sie repräsentiert dieses Netzwerk.

Anas: Das Besondere am ersten DUB:KE Abend ist, dass er gleichzeitig mit dem Ende vom Ramadan zusammenfällt. Wir laden also alle ein, mit uns zusammen im Migrantpolitan das Zuckerfest zu feiern, um dann gemeinsam zur Party zu gehen.

Welches Publikum wünscht ihr euch?

Nadine: Wir sind absolut gegen Rassismus, Sexismus oder Homophobie, aber sonst ist jeder willkommen. Es soll ein Safe Space für jeden sein. Ein großes Problem ist ja auch, dass viele Menschen, die ihr Land verlassen müssen, immer von der großen Freiheit in Europa hören und dann in Deutschland teilweise nicht mal in Clubs gelassen werden. Ich hoffe, mit unserer Partyreihe können wir diesen Umstand überbrücken und diese Art von Rassismus überwinden. Wir wollen also auch gezielt Leute damit ansprechen, die neu in Deutschland sind.

Anas: Aus meiner Perspektive kann ich noch sagen, dass ich mir sicher bin, dass dies gelingt. Seitdem wir auf Kampnagel diese unterschiedlichen Events machen, habe ich schon viele arabische Leute getroffen, die sich willkommener fühlen. Hier wird keiner kontrolliert oder vorverurteilt und jeder zahlt, was er zahlen kann. Damit können wir das schöne Image des Lebens in Deutschland tatsächlich zeigen und für viele neue Leute sind solche Verbindungen eine große Hilfe um ihr soziales Leben zu erweitern.

Wie geht es weiter mit DUB:KE?

Nadine: Die Künstler, die wir für die kommenden Partys einladen werden, sind Leute, die aus diversen Ländern kommen und unterschiedlichen Sound spielen. Wir planen die Party alle zwei Monate, aber das hängt natürlich von unserem Budget ab. Am 29. September werden wir außerdem auf der großen We’ll come united-Demo dabei sein und den Abend vorher auf Kampnagel zusammen feiern. Für uns ist das Ganze eine Reise, die wir gerade erst beginnen.

Interview: Ole Masch
Beitragsfoto: Shahin Sheho

Die erste DUB:KE-Nacht steigt am 15.6.18, 23 Uhr, auf Kampnagel.

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