WohnSZENE: Die Weihnachtspuristin

(Sponsored) Interior-Bloggerin Sarah Ramroth gibt auf www.wohnfreude.de – dem informativen Lifestyle-Blog der Sparda-Bank Hamburg – Inspirationen für eine puristische Weihnachts-Deko.

Die Tage werden kürzer, die ersten Weihnachtsmärkte haben schon geöffnet, der Glühwein wärmt, überall wird darauf hingewiesen, dass der 24. Dezember dieses Jahr auf einen Sonntag fällt und man keine Last-Minute-Geschenke kaufen kann. Was lässt all das erahnen? Natürlich: Weihnachten, und damit die gemütlichste Zeit des Jahres steht vor der Tür!

Und genau diese schöne Jahreszeit spaltet die Nation in verschiedene Lager! Ist man eher Typ A, der schon Ende September den ersten Adventskalender im Supermarkt kauft? Oder Typ B, der erst im Dezember zu Hochtouren aufläuft und seine Kisten mitWeihnachtsdeko aus dem Keller holt? Oder aber ist man – wie ich – Typ C, der meist auf den letzten Drücker loszieht, um bei Media Markt einen Gutschein zu kaufen. Jedes Jahr nehme ich mir auf’s Neue vor, rechtzeitig loszugehen, um für meine Liebsten innovative Geschenke zu besorgen und meine Wohnung etwas weihnachtlicher zu gestalten. Bisher bin ich kläglich daran gescheitert, aber ich habe das Gefühl, dass ich dieses Jahr eine Kehrtwende hinbekommen könnte!

Sarah, die Weihnachts-Puristin

Mein minimalistischer Lebensstil bestimmt auch meine Haltung zu Weihnachten! Oder anders gesagt: ich bin in dem Punkt zwiegespalten. In meiner Wohnung findet man maximal einen Kiefernzweig. Ich erwarte allerdings, sobald ich für die Weihnachtstage zu meinen Eltern fahre, einen Tannenbaum und viel weihnachtliche Deko.

Kitschig, bunt und „a little too much“ sind die ersten Worte, die mir in den Kopf kommen, wenn ich an Weihnachtsdeko denke. Während der Adventszeit versuche ich die Innenstadt zu meiden, was dann dazu führt, dass ich zu den Menschen gehöre, die am 24. Dezember noch losziehen um die letzten Geschenke zu besorgen. Warum innovativ sein, wenn man Gutscheine kaufen kann? Früher hab ich die nur allzu gerne gebastelt. Irgendwann sind meine Eltern allerdings dahinter gekommen, dass sie die wohl nie einlösen können und ich musste mir was Neues überlegen.

Da ich den minimalistischen Stil sehr ansprechend finde, bin ich ein großer Fan davon, nicht zu viel Deko rumstehen zu haben. Ich investiere lieber in ausgewählte Stücke, von denen ich lange etwas habe. Dementsprechend sucht man bei mir vergeblich nach Weihnachtsdeko. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal einen Adventskranz der etwas anderen Art gebastelt. Das war’s dann aber auch schon. Aufgrund von Läden wie Søstrene Grene und H&M Home ist es mittlerweile möglich, für wenig Geld Weihnachtsdeko zu kaufen. Da ich mir allerdings sicher bin, dass ich die Sachen nach Weihnachten wegwerfen würde, gebe ich erst gar kein Geld dafür aus.

Sobald ich allerdings für die Feiertage zu meinen Eltern fahre, fühle ich mich wieder wie ein Kleinkind und liebe es, mit meiner Ma zusammen den Tannenbaum zu schmücken und „Last Christmas“ zu hören. Sowohl der Süßigkeitenteller als auch das jährlich gleiche Essen am 24. Dezember gehören für mich zum weihnachtlichen Charme dazu. Denke ich an Rituale in der Weihnachtszeit, fällt mir nur ein, dass meine Ma mir jedes Jahr in der Weihnachtszeit Plätzchen schickt und meine Schwester und ich uns jedes Jahr im Wechsel einen selbstgebastelten Weihnachtskalender schenken. Da werde dann selbst ich kreativ.

Text & Fotos: Sarah Ramroth

 Dieser Text ist ein Auszug aus Sarahs Beitrag „So schmückt sich Hamburg zu Weihnachten!“ für www.wohnfreude.de, der informative Lifestyle-Blog der Sparda-Bank Hamburg eG rund ums Bauen, Wohnen, Finanzieren.


Who the fuck is…

Sarah Ramroth gibt auf wohnglueck.hamburg und  @wohnglueckhamburg (Instagram) seit über einem Jahr praktische Einrichtungstipps und verbindet sie mit ihrer Liebe zu Hamburg. Ihre Markenzeichen: der ungezwungene Plauderton, ausgefuchste Methoden und große Geschmackssicherheit! Sarah berichtet einmal pro Monat über Hamburger Wohnthemen für www.szene-hamburg.com und www.wohnfreude.de, den Wohn-Blog der Sparda-Bank Hamburg.

Hamburgerin des Monats: Hannah und der Schwer-in-Ordnung-Ausweis

Hannahs Gegenentwurf zum Schwerbehindertenausweis ist ein viraler Hit im Netz. Als sie und ihre Eltern die Chance erkennen und anderen mit dieser Botschaft helfen, wird aus der Idee der 14-Jährigen eine Tatsache. Die Hamburger Sozialbehörde will den „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ jetzt offiziell ausstellen. Nicht als Ersatz. Aber als Zeichen. Ein Gespräch mit der Urheberin und ihren Eltern

„Alle sind besonders…“

SZENE HAMBURG: Hannah, du hast einen Schwerbehindertenausweis bekommen. Dann hast du dir einen „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ gemacht, weil du dachtest, der andere passt gar nicht zu dir. Warum?
Hannah Kiesbye: Na ja, weil eben alle schwer in Ordnung sind. Egal, was für Besonderheiten sie haben.

Du bist also mit 14 Jahren bereits eine „Ausweiserfinderin“ – weißt du schon, was du später machen möchtest?
Hannah: Ich bin noch am Überlegen. Ich hab schon viele Ideen, was ich mal werden könnte. Zum Beispiel Lehrer oder Arzt oder Friseur oder so. Oder vielleicht sogar Bäcker … dann muss ich zwar früh aufstehen, aber das stört mich nicht.

Vielleicht hast du ja ein Hobby, das du irgendwann mal gern den ganzen Tag machen würdest?
Hannah: Mein größtes Hobby ist Zirkus. Da mach ich Springseil und
Diabolo. Mit den zwei Stäben und in der Mitte das Diabolo, das wirft man dann hoch. Und mit Pois mache ich auch viel, das sind so Teile mit Tüchern dran, die man sich um die Hand legt und dann umherschwingt und Tricks macht.

„…normal ist man deswegen trotzdem“

Du hast also ganz schön viele Ideen und lässt dich auch gar nicht einschränken. Du weißt, was du willst. Welchen Tipp würdest du Menschen geben, die andere Menschen ausgrenzen, nur, weil diese anders sind?
Hannah: Meine Eltern und ich haben neulich einen Film geguckt, der heißt „ein Tick anders“. Das Mädchen, das diese Ticks hat, heißt Eva und jedes Mal, wenn sie aufgeregt ist oder sauer oder traurig oder nicht weiterweiß, dann spricht sie Wörter aus, die gar nicht zu dem Satz passen. Wie „Überfall“ oder so. Das ist ihre Besonderheit.

Inge Kiesbye, Hannahs Mutter: Ich hätte vielleicht noch ein Beispiel. Wenn ein Mädchen aus eurer Mädchengruppe geärgert wird, weil es anders ist als andere. Zum Beispiel, weil es immer Fragen stellt und dann kommt jemand, der sagt: „Oh, du nervst mit deinen Fragen“. Was würdest du zu der Person sagen?

Hannah: Ich würde sagen: Hey, hör mal auf, die zu ärgern. Die ist doch auch normal, es gibt doch eigentlich keinen Grund, die so zu belästigen. Und jetzt hör mal bitte auf damit. Oder wenn jetzt jemand diese Eva aus dem Film ärgern sollte, dann würd ich sagen: Hey, die Eva ist doch auch normal, auch wenn sie vielleicht ein bisschen irritiert – kann ja sein – aber normal ist man deswegen ja trotzdem.

Ich finde das Wort „normal“ ganz schön schwierig. Aber vielleicht hast du ja eine Idee, was normal ist …
Hannah: Mmmh … das fällt mir grad auch nicht ein …

Hast du schon mal mit jemandem darüber gesprochen, was normal ist und was nicht?
Hannah: Nicht so ausführlich.

Kai Bruhn, Hannahs Vater: Wir sprechen viel über Besonderheiten. Das ist ein Begriff, der interessanter ist als „normal“.

Hannah: Ja, zum Beispiel meine Freundin L. Die kann nicht immer vollständige Sätze machen. Wenn sie erzählt, was sie erlebt hat, dann sagt sie eher so einzelne Wörter.

Verstehst du sie trotzdem?
Hannah: L. kenn ich ganz gut und darum habe ich mich auch schon daran gewöhnt. Eine andere Klassenkameradin zum Beispiel macht oft laute Schluckgeräusche, wenn es ganz ruhig in der Klasse ist.

Inge: Und was ist deine Besonderheit? Hast du eine?

Hannah: Soll ich einfach mal den Namen dieser Besonderheit nennen? Trisomie 21.

Du bist in einer Mädchengruppe, in der alle eine Besonderheit haben – kommen da auch mal neue Mädchen dazu, oder ist die immer schon gewesen, wie sie jetzt ist?

Hannah: Die war von Anfang an so. Ich kannte meine Freundinnen aus der Gruppe schon vorher. Die sind auch auf meiner Schule. Aber S. und A. hab ich in der Gruppe neu kennengelernt.

„Das war schon ungewohnt und ein bisschen schwierig“

Musstest du dich an die Besonderheiten von den beiden erst gewöhnen?
Hannah: Da kann ich mich nicht mehr so richtig dran erinnern …

Inge: Die Gruppe gibt es jetzt auch schon drei Jahre. Aber wenn zum Beispiel jemand neu zum Zirkus dazukommt, wie zum Beispiel A., wie ist das für dich?

Hannah: Sie hat die Besonderheit, dass sie immer ganz offen auf andere zugeht. Wie bei mir. Direkt: „Moin, hallo, ich bin A.“ Das war schon ungewohnt und ein bisschen schwierig.

Du hast jetzt viele interessante Sachen über deine Hobbys erzählt. Magst du uns noch etwas über deine Schule erzählen?
Hannah: Ich geh auf die Schülerschule in Pinneberg. Da mag ich am liebsten die Fächer Mathe und Lebenspraktisches Projekt. Da lernt man was Praktisches für seinen Alltag später. Zum Beispiel kochen, auf den Markt gehen, bügeln und so.

Was macht dir daran so viel Spaß?
Hannah: Die Lehrerin, die das leitet, die mag ich gerne. Und die Kinder, die da mitmachen, sind meine Freunde.

Fast geschafft, Hannah. Eine letzte Frage: Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Hannah: Meine Hobbys sind Zirkus, die Mädchengruppe und reiten. An mir mag ich mein Lächeln, meine Klamotten und dass ich ’ne Brille aufhabe. Und wenn ich mein Kleid angezogen habe, finde ich auch, dass ich schick aussehe.

Interview: Jenny Wirschky / Foto: Jakob Börner

 


Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zum PDF der ersten Ausgabe aus Juni 2017.

Kurzfilm in Hamburg

Mit einer großen Party hat die KurzFilmAgentur im Oktober ihren 25. Geburtstag gefeiert. Schön, schön, happy birthday! Aber – wer oder was ist die KFA eigentlich? Und was machen die da genau? Wir haben bei der Geschäftsführerin Alexandra Gramatke nachgefragt

SZENE HAMBURG: Frau Gramatke, wer ist die Kurzfilmagentur, und was machen Sie genau?

Alexandra Gramatke: Entstanden ist das Ganze aus dem NoBudget Kurzfilmfestival, das schon vor 33 Jahren das erste Mal stattfand. Da gab es immer mehr Nachfragen von Kinos und anderen Veranstaltern, die Kurzfilme auch außerhalb des Festivals zeigen oder sehen wollten. So entstand zunächst der Kurzfilmverleih, der vorrangig an Kinos Kurzfilme verleiht – als Vorfilm oder auch in speziell zusammengestellten, abendfüllenden Programmen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich dann immer mehr Bereiche.

Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind.

Zum Beispiel?

Der Vertrieb, der sich um den Lizenzhandel mit Fernsehsendern, Internetportalen oder Bildungseinrichtungen kümmert. Dann haben wir noch den Bereich Kurzfilm Schule, wo Filmemacherinnen Workshops mit Kindern aller Altersklassen und Schulformen veranstalten. Dann haben wir natürlich ein riesiges Archiv, das sich hauptsächlich aus den Einreichungen zum Filmfestival speist. Mittlerweile haben wir rund 45.000 Filme, die in unserer Datenbank gespeichert sind. Wir nutzen das beispielsweise auch dazu, unsere Filmprogramme zusammenzustellen, die wir für unterschiedlichste Veranstaltungen anbieten. Aktuell hatten wir beispielsweise mit dem DESY eine tolle Kooperation: Wir haben zum „Dark Matter Day“ ein entsprechendes Kurzfilmprogramm zusammengestellt. Oder letztens im Rahmen der India Week ein Programm aus indischen Kurzfilmen, die man hier sonst auch nicht sehen kann. Wir bekommen relativ häufig solche Anfragen, auch von außerhalb Hamburgs, weltweit.

Das heißt, Sie sind ein riesengroßes, internationales Unternehmen?

Kann man so sagen, ja. Auch wenn wir nicht so aussehen (lacht). Wir sind tatsächlich dadurch, dass unsere Mitarbeiter durch die ganze Welt reisen und auf Festivals auch in Panels sitzen oder Vorträge halten, weltweit ziemlich gut vernetzt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Feste Mitarbeiter? 15, aber nicht alle arbeiten Vollzeit. Und zwei davon kümmern sich um die organisatorische und künstlerische Leitung des Internationalen Kurzfilmfestivals, das ja unter dem Dach der Kurzfilmagentur stattfindet.

Wenn ich jetzt einen Kurzfilm produzieren würde – könnte ich Ihnen den einfach zuschicken?

Ja, genau, ein wichtiger Punkt. Das Schlaueste wäre wahrscheinlich, den bei unserem Festival einzureichen. Da klopfen wir ohnehin alle Filme darauf ab, ob sie beispielsweise als Vorfilm im Kino geeignet sind. Oder ob eventuell Interesse bei einem der Fernsehsender bestehen könnte, mit denen wir zusammenarbeiten. Dann sprechen wir den Filmemacher an und machen einen Vertrag für Verleih oder Vertrieb. Man kann uns den Film aber auch direkt anbieten, dann gucken wir uns das an und melden uns gegebenenfalls zurück.

Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben.

Wer schickt Ihnen denn Filme? Hauptsächlich Nachwuchsfilmemacher?

Ja, Nachwuchs ist ein wichtiger Bereich. Aber bei weitem nicht nur. Wir sehen den Kurzfilm als eigenständige Kunstform und haben auch mit vielen gestandenen Filmemachern Kontakt, die sich dieser Form verschrieben haben. Oder beides machen, Kurz- und Langfilm. Natürlich gibt es den finanziellen Aspekt, ein Kurzfilm kostet einfach weniger Geld. Aber ein Kurzfilm ist auch ästhetisch oder inhaltlich interessant, weil man viel mehr Freiheiten als im Langfilm hat, wo man meistens doch recht fest an Genre- oder Formatvorgaben gebunden ist. Man kann viel mehr ausprobieren.

Wie lang darf ein Kurzfilm denn sein, gibt’s da offizielle Grenzen?

Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland ist die Vorgabe für Förderung, dass er bis zu 30 Minuten lang sein darf. Die meisten Festivals handhaben das auch so. Wir auch. Natürlich machen wir Ausnahmen, wenn uns ein Film wirklich begeistert. Wir haben auch schon welche gezeigt, die 45 Minuten lang waren, auch wenn das offiziell ein „mittellanger“ Film ist. Für den Vertrieb, also die Ausstrahlung bei Fernsehsendern, sind am besten Filme geeignet, die zwischen 15 und 20 Minuten lang sind. Aber auch hier sind Ausnahmen immer möglich.

Wie viele Filme werden bei Ihnen eigentlich eingereicht?

Die meisten beim Festival, das sind zwischen 5000 und 6000 pro Jahr. Das ist natürlich ein ganz schöner Aufwand, die alle zu sichten. Jeder Wettbewerb hat eine eigene Sichtungsgruppe, und die müssen sich dann tage- und nächtelang da durchsehen. Außer der Reihe werden uns auch noch mehrere Filme pro Woche zugesandt.

Aus der ganzen Welt …?

Ja, genau. Unser Archiv ist sehr international.

Wir haben einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen.

Kann ich als Privatperson eigentlich auch bei Ihnen Filme ausleihen? Zum Beispiel für einen Filmabend mit Freunden?

Das ginge, klar. Allerdings müssten Sie dafür ein bisschen Geld bezahlen. Es für uns sehr wichtig, dass die Filme nicht umsonst rausgehen. Zum einen müssen wir natürlich einen gewissen Umsatz machen. Vor allem wollen wir aber, dass die Urheber in irgendeiner Form finanziell irgendetwas zurückbekommen. Auch wenn das manchmal nur kleine, eigentlich symbolische Beträge sind. Schließlich ist so ein Kurzfilm ja auch ein Wert. Wir haben aber trotzdem auch einen eigenen Youtube-Channel, auf dem wir in regelmäßigen Abständen Filme kostenlos zur Verfügung stellen. Das sind normalerweise Filme, die ihre Verwertung schon größtenteils hinter sich haben, also auf Festivals gelaufen sind oder vom Fernsehen gekauft wurden. Davor wird Werbung geschaltet, sodass die Urheber dafür dann auch eine kleine Vergütung erhalten, je nach Klickzahl.

Kurzfilme werden häufig belächtelt. Fühlen Sie sich in Hamburg trotzdem ernst genommen?

Auf jeden Fall! Das hängt auch mit dem Festival zusammen, dadurch werden wir sehr viel besser wahrgenommen. Die Agentur ist für den Endverbraucher ja gar nicht so sichtbar. Der sieht höchstens vielleicht im Kino einen Kurzfilm als Vorfilm oder eine Filminstallation im Museum, weiß aber gar nicht, dass das über uns dort gelandet ist. Wir wünschen uns natürlich mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit für den Kurzfilm, und dass er nicht nur als Nachwuchsformat gesehen wird. Nach oben hin ist da natürlich immer alles offen.

Interview: Maike Schade

www.shortfilm.com


Der KFA-Kurzfilm des Monats Dezember 2017:

 


Dieser Text ist ein Auszug aus der SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 30. Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop erhältlich!

 

So wollen wir arbeiten: Neid oder faire Bezahlung – Was bringt Gehaltstransparenz?

In der Eimsbüttler Agentur Elbdudler kennt jeder das exakte Gehalt seines Kollegen – trotzdem ist niemand neidisch. Ist Gehaltstransparenz die Zukunft unserer Arbeit?

In einer alten Kirche in Eimsbüttel hört man statt Orgelklängen und Gebeten klackernde Tastaturen und das leise Knattern der Kaffeemaschine – die Kreativagentur Elbdudler hat eines der ungewöhnlichsten Büros in Hamburg. Zuletzt hat sie aber nicht wegen ihres Standortes Schlagzeilen gemacht, sondern wegen ihres Gehaltssystems. Früher wurden hier einmal im Monat die Gehaltswünsche der Mitarbeiter im Plenum ausdiskutiert, inzwischen gibt es ein Tarifsystem. „Elbdudler ist so schnell gewachsen, da ging das irgendwann nicht mehr“, erklärt Maraike Czieslik, die als Grafikerin seit Anfang des Jahres für Elbdudler arbeitet.

Besonders spannend an der Arbeitsweise der Agentur aber ist vor allem eines: Alles ist transparent. Die Mitarbeiter können nicht nur alle E-Mails einsehen, sondern auch die Gehaltslisten der Kollegen. „Durch diese Transparenz ist das Gehalt kein großes Thema mehr“, sagt Luisa Stärk, Social-Media-Managerin im Unternehmen. Als der Leistungsdruck in ihrem letzten Job sich auch gesundheitlich bemerkbar machte, kündigte die heute 27-Jährige fristlos und bewarb sich bei Elbdudler. Inzwischen arbeitet sie seit drei Monaten in der Agentur. Wie Luisa erlebt auch ihre Kollegin Maraike die Arbeitssituation in der Agentur als entspannt: „Niemand tuschelt hintenrum über die Bezahlung des Kollegen, es gibt weniger Konflikte.“

In Deutschland wird schon seit mehreren Jahren darüber diskutiert, Gehälter transparenter zu machen.

In Norwegen ist man da hingegen schon viel weiter. Dort werden seit 2001 jedes Jahr Einkommen, Vermögen und die Steuerabgaben aller Bürger im Internet veröffentlicht. Um die Daten einzusehen, muss man sich ein Nutzerkonto im Internet anlegen. Die Bürger erfahren dann aber auch, wer ihre Gehaltsinformationen eingesehen hat.

Dass eine totale Lohntransparenz in Deutschland funktionieren würde, bezweifelt Mark Fallak. Er ist Pressesprecher des unabhängigen Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit, kurz IZA, mit Sitz in Bonn: „Bei dieser Form der Lohntransparenz müsste man hierzulande auch die verschiedenen Faktoren nachvollziehbar machen, die in Gehaltsunterschiede einfließen. Sonst drohen Neid und Missgunst.“ Aber warum funktioniert das System dann in Norwegen? Dafür nennt der Experte zwei Gründe. Erstens: „Norwegen hat eine Kultur der Offenheit und Transparenz, Deutschland eine Kultur der Privatsphäre und des Datenschutzes.“ Und zweitens: „Die Lohnlücke ist in Norwegen kleiner, das Neidpotenzial also geringer.“ Die Norweger können schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Gehaltsdaten auf den Ämtern einsehen. Im Gegensatz zu Deutschland ist ein offener Umgang mit Geld dort schon lange gang und gäbe. „Es ist aber wissenschaftlich nicht klar belegt, ob die Transparenz zu mehr Gleichheit geführt hat oder mehr Gleichheit die Transparenz nur akzeptabler macht“, so Fallak weiter.

In zwei Punkten kann Gehaltstransparenz aber durchaus Sinn machen.

„Mehr Transparenz soll zum einen helfen, Exzesse nach oben und unten zu verhindern“, erklärt Fallak. So wäre beispielsweise die Diskussion über die Deckelung von Top-Manager-Gehältern erst gar nicht aufgekommen, wenn das Einkommen der DAX-Vorstände geheim wäre. „Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Beseitigung von versteckter Lohndiskriminierung.“ Bei einer vergleichbaren Tätigkeit und Qualifikation liegt der Lohnunterschied zwischen Mann und Frau immerhin bei 6 Prozent. Durch transparente Gehälter fällt es Arbeitgebern schwerer, einer Frau grundlos weniger Gehalt auszuzahlen.

Das „Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen“ , das in Deutschland im Juli in Kraft getreten ist, ist der erste Schritt in diese Richtung.

Von nun an haben Mitarbeiter eines Betriebs mit mehr als 200 Beschäftigten ein Auskunftsrecht über das Gehalt der Mitarbeiter des anderen Geschlechts. Allerdings kann man deswegen nicht gleich den Gehaltscheck des unbeliebten Kollegen vom Schreibtisch gegenüber einsehen – Auskunft bekommen Arbeitnehmer nur über das durchschnittliche Gehalt der Mitarbeiter mit einer gleichen oder vergleichbaren Beschäftigung. Und das auch nur, wenn mindestens sechs davon vom jeweils anderen Geschlecht sind. Wirkliche Transparenz, wie sie bei Elbdudler herrscht, schafft das Gesetz also nicht.

Auch wenn die totale Gehaltstransparenz in Deutschland kein universell anwendbares Modell ist, war für Elbdudler dieser Schritt sicherlich der richtige. „ Viele junge Unternehmen ziehen einen Mitarbeitertypus an, der moderne Arbeitsformen und Aspekte wie zum Beispiel Transparenz besonders wertschätzt“, so Fallak. Das schließe die Neiddebatte zwar nicht aus, federe sie aber zumindest ab. Auch Maraike Czieslik, die 25-jährige Grafikerin von Elbdudler, äußert Bedenken. „Unser Modell pauschal auf alle Unternehmen zu übertragen, ist wahrscheinlich utopisches Wunschdenken.“ Trotzdem würde sie sich einen offeneren Umgang mit Gehalt wünschen.

„Diese ‚Wir reden nicht über Geld‘-Mentalität ist leider ziemlich verwurzelt.“

Direkt nach dem Studium ist auch Maraike erst einmal auf die Nase gefallen. Ohne große Erfahrung in Gehaltsverhandlungen hat sie sich im Vorstellungsgespräch einschüchtern lassen und dann zu wenig verlangt. „Junge Menschen haben oft ein Dankbarkeitsgefühl, überhaupt arbeiten zu dürfen und nicht gleich mit fehlender Erfahrung abgespeist zu werden. Viele machen dann das Erstbeste, das sie kriegen können – auch für wenig Geld.“ Wenn das Gehalt nicht angemessen ist, sollte man erst einmal versuchen, nachzuverhandeln. Wenn auch das nicht hilft, empfiehlt Kollegin Luisa: „Wir sollten uns öfter trauen, einen Schlussstrich zu ziehen und uns nicht mit zu kleinen Gehältern abspeisen lassen.“

www.elbdudler.de

Text: Sophia Herzog


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte „So wollen wir arbeiten“ in der SZENE HAMBURG, November 2017. Wir wollten von euch wissen: Was – außer Geld – treibt euch eigentlich zu eurem Job? Welche Jobs machen glücklich? Und wer hat es gewagt, noch einmal ganz neu anzufangen? Für unser Titelthema haben wir Hamburger an ihren Arbeitsplätzen besucht. Das Magazin ist seit 28. Oktober  2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


Hamburger des Monats: Konzertveranstalter Karsten Jahnke

Karsten Jahnke setzt seit den 1960er Jahren auf sein Bauchgefühl – und hat damit nicht nur seine Konzertagentur groß gemacht, sondern von Herbert Grönemeyer bis Depeche Mode auch zig Künstlerkarrieren aufgebaut. Diesen Monat feiert Jahnke seinen 80. Geburtstag. Ein Gespräch über Jazz in der Blütezeit, Agenten auf Abwegen und den „schönsten Veranstaltungsort Hamburgs“

SZENE HAMBURG: 
Karsten Jahnke, mal 
was ganz Einfaches zu Beginn: Nennen Sie die Top 3 der aktuellen Media Control Charts.

Karsten Jahnke: Die kenne ich nicht (lacht).

Andrea Berg, Helene Fischer und Mert. Legen Sie keinen besonderen Wert darauf zu wissen, was der breiten Masse gerade gefällt?

Das habe ich eigentlich noch nie. Ich bin nämlich der Meinung, dass 
eine hohe Chartplatzierung nicht 
unbedingt bedeutet, dass es auch konzertmäßig läuft. Klar, bei Helene Fischer und Andrea Berg ist es anders, aber es gab auch schon Künstler, die waren Nummer eins, aber deren Konzerte besuchte niemand.

Sehen Sie den Zeitgeist grundsätzlich als sekundär wichtig im Konzertgeschäft?

Zumindest ist es doch bezeichnend, dass die alten Stars wie Elton John immer noch die Säle füllen. Ein weiteres Beispiel ist der mittlerweile leider verstorbene Joe Cocker. Deren Publikum kommt seit Jahrzehnten, um sie zu sehen, und akzeptiert inzwischen auch Eintrittspreise, von denen man vor 20 Jahren noch dachte: never, ever.

Ich war immer stolz auf mein Bauchgefühl

Die gestiegenen Preise sind die Reaktion der Künstler und Veranstalter auf den Zerfall der Musikindustrie: Ausbleibende Plattenverkäufe werden durch teure Tickets aufgefangen.

Richtig. Früher sind die Leute auf Tour gegangen, damit sie ihre Platte weitere 1 Million mal verkaufen konnten. Heute sind Chartkünstler froh, wenn sie zumindest 8.000 Kopien loswerden. Erstaunlich ist allerdings, dass ein Künstler wie Gregory Porter, der zudem ja eindeutig dem Genre Jazz zuzurechnen ist, 250.000 Exemplare von seinem „Liquid Spirit“-Album in Deutschland verkauft hat. In meinen Augen einen erfreuliche Entwicklung …

… sicher auch, weil Ihnen das Genre seit Jahrzehnten bekanntlich am Herzen liegt.

Genau. Ich habe ja noch die Blütezeit in den 50ern mitgemacht. Damals gab es eigentlich nur Jazz, Rock kam erst ein Jahrzehnt später auf.

In den 60er Jahren  haben Sie dann auch begonnen, neben Ihrer Arbeit als Kaufmann erste Konzerte zu veranstalten. Wie hat sich damals der eine mit dem anderen Job die Waage gehalten?

Es war mein Vater, der meinte, ich solle etwas Vernünftiges lernen. Also habe ich eine Ausbildung zum Im- und Exportkaufmann gemacht und als solcher auch zehn Jahre gearbeitet. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie einige meiner damaligen Kollegen und ich es geschafft haben, regelmäßig nach Feierabend Konzerte zu organisieren. Irgendwann sagte jedenfalls mein Chef zu mir, ich solle mich mal selbstständig machen – als Konzertveranstalter.

Wobei Ihnen Ihre Kaufmannslehre 
sicher nicht geschadet hat.

Im Gegenteil, sie war enorm wertvoll. Es gibt ja genügend Beispiele in der Musikbranche, wo Leute zwar tolle Ideen hatten, aber nicht kalkulieren konnten. Die sind dann über den Jordan gegangen.

Sie hingegen hatten dauerhaft Erfolg. Was hat Ihnen dabei denn mehr geholfen: Der Sinn fürs Wirtschaftliche oder ein Händchen für die richtigen Künstler?

Ich war immer stolz auf mein Bauchgefühl. Klar, kein Mensch ist davor gefeit, sich zu irren, aber wenn man wirklich überzeugt von einer Band ist, ist es nicht so schlimm, wenn es mit ihr konzerttechnisch nicht gut läuft. Schlimm ist, wenn man eine Band angeboten bekommt, die man gar nicht haben will, sie aber trotzdem annimmt, und man dann Verluste macht. Ich habe immer Bands auf Tour geschickt, zu deren Konzerten ich selbst gerne gegangen wäre. Deshalb habe ich mich auch nie geärgert, wenn ich Geld verloren habe.

Ich bin kein Nostalgiker

Irgendwelche anderen Ärgernisse?

Sie erwähnten meine Vorliebe für Jazz. In der Vergangenheit kam es vor, dass manche Künstleragenten diese Vorliebe überhöht und mich als reinen Jazz-Veranstalter gesehen haben, was natürlich nicht stimmte. Wir wollten zum Beispiel mal Jamie Cullum nach Hamburg holen, haben ihn aber nicht bekommen, weil sein Agent „nicht mit einem reinen Jazz-Veranstalter“ zusammenarbeiten wollte. Das hat mich schon sauer gemacht. Ich meine, wir haben ja wirklich Konzerte von Acts aus jedem denkbaren Genre veranstaltet …

… bis auf Klassik.

Ja, denn da kenne ich mich nicht aus. Man könnte mir sagen: „Das hier ist der bedeutendste japanische Konzertpianist aller Zeiten!“ Und ich würde ihn weder kennen noch beurteilen können.

Hat das Geschäft in den 60ern und 70ern womöglich generell mehr Spaß gemacht, weil der Kontakt zwischen Künstlern und Veranstaltern noch deutlich enger war?

Tatsächlich hatte man damals als Veranstalter noch das Gefühl, man säße mit den Künstlern in einem Boot. Natürlich, es musste Geld eingespielt werden, aber man hat immer gemeinsam geguckt, wie man zum Beispiel Kosten reduzieren kann. Heute, speziell im internationalen Geschäft, hat man vor einer Tour gar nicht mehr die Möglichkeit, die Künstler zu sprechen – und wehe, man tut es trotzdem und auf eigene Faust, dann sind die Agenten und Manager stinkig.

Und die nationalen Künstler: Wie 
ist das generelle Verhältnis zu ihnen derzeit?

Mit denen konnte und kann man nach wie vor gut reden und auch vernünftige Deals machen. Jemand wie Johannes Oerding geht bei uns ein und aus. Dadurch kann man Ideen, die man für eine Tournee hat, auch viel besser kommunizieren.

Kennen Sie denn Nostalgie-Gefühle?

Ich bin kein Nostalgiker. Klar, es gab in den 70ern diesen einmaligen Deal mit Insterburg & Co., der war ein Traum. Die haben jedes ihrer jährlich 150 Konzerte ausverkauft – und das acht Jahre lang. Wir haben dann immer alles durch fünf geteilt, weshalb wir in der Konzertagentur auch immer Geld hatten und die Verluste aus anderen Tourneen auffangen konnten. Ich war und bin aber niemand, der Geld anhäuft. Der Laden muss nur laufen, das ist das Wichtigste.

Allgemein glaube ich, dass es keinen schöneren Beruf gibt als meinen

Ihr Gewinn war das Finanzielle, der Gewinn der Künstler waren langlebige Karrieren. Auf welche blicken Sie besonders gerne zurück?

Wir haben ja 20 Jahre Grönemeyer gemacht, und am Anfang haben wir eine Tournee organisiert mit nur 80 Besuchern pro Abend. Es gab sogar ein Konzert in Berlin, vor dem mich der Tourleiter anrief und meinte: „Wir haben jetzt 14 Karten verkauft, und wenn wir bis 21 Uhr auf 20 kommen, spielen wir.“ Eine Minute nach neun waren dann tatsächlich 21 Karten verkauft, und Grönemeyer musste vier Zugaben spielen (lacht). Auf so was bin ich schon ein bisschen stolz. Auch Westernhagen haben wir aufgebaut. Und Depeche Mode! Die füllen immer noch Stadien – nur leider nicht mit uns.

Depeche Mode haben in den 80er Jahren unter anderem  auf der Freilichtbühne im Stadtpark gespielt, die Sie als schönsten Veranstaltungsort Hamburgs bezeichnen …

… und das trotz Elbphilharmonie. Ich habe auch mal davon geträumt, im Winter, bei Schnee, dort etwas zu machen. Aber der Charme der Freilichtbühne liegt ja vor allem in dieser wunderbaren grünen Buchenhecke. Wenn die im Herbst und Winter braun oder gar nicht zu sehen ist, fehlt etwas.

Nun haben Sie für Ihre veranstalterischen Errungenschaften schon zig Preise bekommen, wurden „Hamburger des Jahres“ und für Ihr „Lebenswerk“ geehrt. Was hat Ihnen bisher am meisten geschmeichelt?

Allgemein glaube ich, dass es keinen schöneren Beruf gibt als meinen, weil ich unzählige Leute glücklich machen kann, indem ich Konzerte für sie veranstalte. Das bedeutet mir am meisten.

Interview: Erik Brandt-Höge / Foto: Steven Haberlandt

www.kj.de

Löppt: Nachhaltiges Modelabel Kluntje auf Erfolgskurs

Im Sommer hatten wir gemeinsam mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft (HKG) zum Crowdfunding Contest aufgerufen. Am Ende buhlten 14  kreative und innovative Projekte um die Gunst der Crowd. Mehr als 50.000 Euro kamen zusammen, 1.125 Unterstützer wurden mobilisiert. Gewonnen hatte das Modelabel Kluntje. Wir wollten jetzt wissen: Was hat sich seitdem getan?

So, wie der Ostfriese liebevoll und behutsam seinen Kluntje, den Würfelkandis, in den Tee gibt, geht’s auch beim gleichnamigen Hamburger Start-up-Fashionlabel weiter: Julia Radewald (25), Kati Gellert (26) und Lena Pudritz (28) konnten nach dem im August gewonnenen Nordstarter Crowdfunding Contest ihre ersten Kollektionsteile produzieren. Und jetzt?

Es wurde fleißig geackert! Das stoffdeck in Wilhelmsburg bietet den drei JAK-Absolventinnen ein kleines Atelier. Ein Freiraum, der neben jeder Menge Gemütlichkeit das alltägliche Durcheinander eines arbeitenden Modedesigners abbildet: Stoff, Stoff, Stoff, Scheren, Stecknadeln, Kleiderbügel, Nähmaschinen, verstreute Garnrollen, Skizzen und Entwürfe. Läuft bei euch, oder Kluntje?

„Wir arbeiten mittlerweile mit der Nähwerkstatt Tinka Bell in Berlin zusammen und lassen dort unsere Teile anfertigen. Gerade haben wir eine neue Kollektion entwickelt. Am 17. November launchen wir unseren Onlinestore und sind gleichzeitig eine Woche in der Pop-up-Location B-Lage zu finden“, sagt Julia. Es läuft definitiv.

Ein T-Shirt kannst du heute günstiger als einen Kaffee kaufen. Kleidung ist nichts mehr wert.

Der Crowdfunding Contest war ihr Sprungbrett ins weite Haifischbecken der Modeindustrie, von dem sich die Modedesignerinnen aber absetzen wollen. Ihnen geht es um einen bewussten und möglichst nachhaltigen Klamottenkonsum: „Ein T-Shirt kannst du heute günstiger als einen Kaffee kaufen. Kleidung ist nichts mehr wert. Natürlich werden wir nicht die breite Masse erreichen, aber einen kleinen Part, der sich vielleicht jetzt schon für Bioprodukte interessiert“, sagt Julia.Warum nicht nur beim Apfel, sondern auch beim T-Shirt auf Chemie und Gift verzichten, fragen sich die Kluntjes. Allerdings gibt es ein Problem. Nachhaltige Biostoffe haben eine sehr hohe Qualität. Und die kostet. „Aber es wollen nur wenige Menschen Geld dafür ausgeben, obwohl sich alle mit Bio schmücken und gesund leben wollen“, ergänzt Kati. Ein anderes Problem: Biostoffe sind nicht so sehr gefragt und darum häufig gar nicht zu kriegen.

Uns ist Transparenz wichtig

Kluntjes neue Kollektion besteht aus ebendiesen Biostoffen. Um den richtigen zu finden, mussten sich die Designerinnen erst einmal mit dem professionellen Stoffhandel auseinandersetzen. Ist der Stoff zertifiziert? Kann man dem Lieferanten vertrauen? Eine genaue Absprache ist wichtig, damit die eingekauften Materialien weiter zu der Berliner Näherei kommen. Doch warum Berlin? Für die Auswahl ihrer Produktionsstätte gibt es einen einfachen Grund: In Hamburg gibt es keine Lohnnäherei. In Berlin ist Tinka Bell die einzige Werkstatt, die ihre Aufträge nicht weiter ins Ausland abgibt. Made in Germany – ein schwieriges Thema. „Uns ist Transparenz wichtig“, erzählt Kluntje. „Wir können jederzeit da hinfahren und mit den Frauen quatschen. Die Kommunikation ist klarer und wir wissen genau, wo die Sachen herkommen.“

Mindestens genauso interessant: Wohin verkaufen sie ihre Teile? München, Innsbruck, Erlangen und Stuttgart. „Und Dörfer irgendwo im Nirgendwo. Das freut uns natürlich voll.“

Damit die Fangemeinde noch mehr wächst und das Label überall erreichbar sein kann, haben sich die Macherinnen hinter ihre Laptops geklemmt und einen Onlineshop entworfen. Am 17. November feiert dieser unter www.kluntje-fashion.com seinen Geburtstag – inklusive Launch-Party und knallenden Korken in der B-Lage. Die volle Ladung Bio und Nachhaltigkeit im Real Life gibt’s dort bereits ab  13. November. Dann öffnet für eine Woche ihr Pop-up-Store, in dem Kluntje in norddeutscher Manier sein unaufgeregtes, unbeschwertes Design mit Basic-Schnitten und Siebdruck-Schriftzügen präsentieren und verkaufen wird.

„Wir machen gerade eine Rundum-Überholung und putzen das Label für den Markt heraus. Webshop, neue Kollektion, neue Shootingbilder – eine professionellere Ebene halt. Das Crowdfunding hat uns eine andere Ausgangslage gegeben. Wir konnten Basics produzieren, können nun verkaufen und einen Onlinestore bedienen“, berichtet Julia. Dieses Selbstbewusstsein soll sich in Kluntjes Image weiter manifestieren. Löppt!

Text und Fotos: Christiane Mehlig

www.kluntje.eu

13.-18.11.2017 (Mo 12–19, Mi-Fr 12–19, Sa 11–18 Uhr), Pop Up Store, B-Lage
17.11.2017, 17 Uhr, Launchparty, B-Lage

Der große Fischbrötchen-Check

Ob in der Pause oder als Mitternachtscheck – ein Fischbrötchen ist immer eine gute Option. Unsere Kollegin Jana Belmann hat eine Woche lang jeden Tag ein Fischbrötchen gefuttert. Ihr Resümee:

Brücke 10: Elbe pur

Es ist 13 Uhr an den Landungsbrücken. Eine Schlange von Touris bildet sich vor der Brücke 10 und die Fischbrötchen gehen im Akkord über die Theke. Trotz des Ansturms halte ich nach nicht mal drei Minuten das Brötchen meiner Wahl in den Händen. Ob Winter oder Sommer, hier kann man zu jeder Jahreszeit draußen sitzen, in Decken gewickelt und auf Lammfelle gekuschelt. Aus den Lautsprechern klingt der leise Sound einer Gitarre und das Wasser der Elbe schwappt gegen den Steg. Während mir die Sonne ins Gesicht scheint, beiße ich in ein Brötchen mit geräucherter Makrele (4,50 Euro). Die ist gut gewürzt und saftig. Da stört auch das etwas trockene Brötchen kaum. Bei dieser Aussicht und der Auswahl an zehn verschiedene Fischbrötchen kann man nichts falsch machen.

Preis/ Leistung 4/5
Geschmack 4/5
Flair 5/5
Lage/Erreichbarkeit: St. Pauli-Landungsbrücken 10 (St. Pauli). S1, S2, S3, U3 oder Bus (111, 112) bis Landungsbrücken

Fisch Loop: Traditionsgeschäft

An einem Nachmittag mitten in der Woche verschlägt es mich ins Fisch Loop. Gähnende Leere. Um die Mittagszeit ist hier wohl mehr los als um 17 Uhr. In diesem Traditionsgeschäft fühle ich mich in die 80‘er Jahre zurückversetzt. Die Kacheln sind grau, auf manchen sind bunte Schiffe abgebildet. Quer durch den Laden erstreckt sich eine riesige Theke aus denen ganze Fische mit Eis bedeckt in Richtung des Besuchers glubschen. Das günstige Brötchen mit Räucherlachs wird frisch mit drei großen Stücken Lachs belegt, dann noch ein Salatblatt, Zwiebeln – fertig. Zum puren Geschmackserlebnis hätte noch ein wenig Sauce gefehlt. Dieser Laden versteht sein Handwerk, frischen Fisch gibt’s hier allemal.

Preis/Leistung 4/5
Geschmack 3/5
Flair 3/5
Lage/Erreichbarkeit: Straßburger Straße 15 (Dulsberg).
U1 bis Straßburger Straße

Kleine Haie große Fische: Bier, Schnack und Fisch

Anstatt die alkoholbedingte nächtliche Heißhungerattacke mit einem Döner zu stillen, sollte man lieber zum Fischbrötchen greifen. Bei Kleine Haie große Fische gibt’s die frisch belegt und einen netten Schnack gratis dazu. Am Wochenende treffen sich hier die Nachtschwärmer auf engstem Raum für einen Mitternachtssnack. Ein Stammgast empfiehlt mir den Stremellachs mit etwas Chilisauce. Ich folge der Empfehlung, aber ohne die Chilisauce. Das Brötchen ist fix fertig: mit saftigem Fisch, Salat und frischen Gurkenscheiben. Zusätzlich noch mit etwas Butter bestrichen – wirklich lecker. Auf der Bank vor dem kleinen Laden beobachte ich wie sich der Kiez langsam mit Menschen füllt, um die Nacht zum Tag zu machen.

Preis Leistung 4/5
Geschmack 4/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Querstraße 4 (St. Pauli). S1, S2, S3 oder mit dem Bus (111, 36, 37) bis Reeperbahn

Veddeler Fischgaststätte: Futtern wie bei Muttern

Die Veddeler Fischgaststätte ist eine echte Institution in Hamburg. Seit mehr als 80 Jahren wird hier frischer Fisch auf dem Teller und im Brötchen serviert. Obwohl das kleine Häuschen sich momentan mitten in einer Baustelle befindet, lasse ich mich vom äußeren Eindruck nicht täuschen. Im Inneren empfängt mich ein uriger Gastraum mit Seemannsknoten und alten Fischernetzen an den Wänden. In diesem Häuschen sieht alles noch genauso aus wie damals, als Hans Albers noch lebte! Leider gibt’s nur zwei Fischbrötchen zur Auswahl: Fischfrikadelle oder Backfisch. Letzteres schmeckt tatsächlich knackfrisch. Bei meinem nächsten Besuch werde ich aber eine große Portion Fisch mit Kartoffelsalat probieren.

Preis/Leistung:4/5
Geschmack 3/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Tunnelstraße 70 (Veddel). S3, S31 bis Veddel

Eier Carl: Das Gesamtpaket

Ein Fischbrötchen mit Lachs kostet hier stolze 4,80 Euro. Ich habe es trotzdem probiert und wurde vollends überzeugt. Eier Carl ist ein Restaurant direkt gegenüber von der Fischauktionshalle mit einer kleinen Auswahl an frisch zubereiteten Fischbrötchen. Als die Kellnerin meine Bestellung an den Tisch bringt, werde ich angelächelt von einem wunderschönen Salatblatt, einer gigantischen Menge Lachs und Zwiebeln. Die Innenseiten sind leicht mit Remoulade bestrichen. On Top gibt’s noch kleine Gewürzgurken. Einfach lecker. Wenn das Wetter mitspielt, kann man auf dem weitläufigen Platz sehr schön draußen sitzen, das turbulente Treiben am Hafen beobachten und die letzten Sonnenstrahlen genießen.

Preis/Leistung 4/5
Geschmack 5/5
Flair 4/5
Lage/Erreichbarkeit: Fischmarkt 3 (St. Pauli). S1, S2, S3, U3 bis Landungsbrücken oder Bus 111 bis Fischauktionshalle

Texte und Fotos: Jana Belmann 


Who the fuck is…

 

…Jana Belmann?
Mindestens bis Weihnachten kann die 23-Jährige jetzt keine Fischbrötchen mehr sehen. Für SZENE HAMBURG Uni-Extra (erschienen im Oktober 2017) probierte die Lüneburger KuWi-Studentin eine Woche lang jeden Tag einen anderen Fischimbiss aus. Jetzt weiß Jana, wo der Lachs am besten schmeckt.


 Der Text ist ein Auszug aus dem SZENE HAMBURG Uni-Extra (Ausgabe Herbst/Winter 2017/18) 


Ein Haus, 40 Eigentümer – ein Jahr Wohnprojekt GoMokry

Das Wohnprojekt feiert Einjähriges. Seit August 2016 wohnen rund 40 Leute zusammen in einem Haus. Sie stehen kurz davor, es „ihr“ Haus nennen zu können

Sie sitzen im Treppenhaus und unterhalten sich. Ein Ort, der sonst lediglich als Durchgang dient, wird für die Menschen an der Mokrystraße 1 und 3 zum Wohnzimmer. Sie realisieren: In einem normalen Wohnhaus wäre das nicht möglich. Doch „normal wohnen“ wollen sie alle gar nicht. Deswegen haben sie sich auch im Wohnprojekt GoMokry* zusammengeschlossen. Rund 40 Leute zwischen 1 und 35 Jahren haben sich gegen eine anonyme Mietswohnung und für eine Nachbarschaft entschieden, in der man sich wirklich kennt und austauscht. Für sie bedeutet das zum Beispiel, dass alle ein eigenes Zimmer haben, sich aber trotzdem Stockwerk übergreifend bewegen. Wer es im vierten Stock so gemütlich findet, verbringt dort den Abend. Wer Lust auf eine Yogastunde hat, geht in den Bewegungsraum im ersten Stock. Wessen Kind mit anderen spielen will, findet im zweiten Stock Spielkameraden. Doch auch experimentelle Wohnkonzepte gehören dazu. In einem Stockwerk wird „funktional“ gewohnt. Das heißt: Niemand hat ein eigenes Zimmer, alle Räume werden geteilt.

Die „Soli-Abende“ am Freitag sind das Herzstück.

Seit gut einem Jahr wohnen sie an der Mokrystraße. Sven-Jan Schmitz, freischaffender Pädagoge und Künstler, ist Bewohner der ersten Stunde. Ihm ist es wichtig, dass die „Mokry“ nicht nur als Wohnhaus wahrgenommen wird: „Das ehemalige Ladenlokal im Erdgeschoss ist öffentlicher Raum und nichtkommerzieller Kulturort“. Dort trifft man sich, isst zusammen, hört Musik oder spielt. Die „Soli-Abende“ am Freitag sind das Herzstück. Die dort generierten Gelder gehen an verschiedene Initiativen und Vereine, aber auch an Menschen in individuellen Notlagen. Generell gilt, dass in den Räumlichkeiten nichts gekauft, sondern nur gespendet werden kann.
Damit das Erdgeschoss autonom agieren kann, wird es von einem Betreiberkollektiv geführt. Das besteht auch aus Leuten aus dem Stadtteil, die nicht im Haus wohnen. Das ist wichtig, denn die Akzeptanz im Viertel mussten sich die Bewohnerinnen und Bewohner aus der Mokrystraße erst erarbeiten. „Am Anfang gab es auch mal krasses Feedback. ,Verpisst euch aus unserem Viertel‘, haben uns einzelne Menschen gesagt“, erzählt Sven-Jan Schmitz. Er kann es verstehen. Wilhelmsburg habe sich stark gewandelt. Was früher als „asi“ galt, sei heute schick. „Die Mieten stiegen und für diejenigen, welche früher hier gewohnt haben, wurde es noch schwerer, eine neue Bleibe zu finden“, resümiert Schmitz. Da sei ein Unmut ihnen gegenüber, die ein ganzes Haus bewohnen, verständlich. Die angespannte Situation hat sich mittlerweile gelegt. „Wir wollen einen runden Tisch und keine Blase“, so Schmitz. Gerade deswegen ist der Raum im Erdgeschoss so wichtig, weil er auch Anlaufstelle für den Stadtteil ist.

Hilfe beim Mietshäuser Syndikat

Wer in einer Mietswohnung wohnt, bezahlt jeden Monat seine Miete. Das Finanzierungskonzept für ihr Zuhause ist für die Leute an der Mokrystraße um einiges komplizierter. Die „Mokrys“ wollen nämlich Miteigentümer des Hauses werden, dafür haben sie sich Hilfe beim Mietshäuser Syndikat geholt.

Das Mietshäuser Syndikat unterstützt Wohnprojekte beim Kauf von Häusern. Unter dem Schirm des Vereins stehen deutschlandweit über 100 Projekte. Die solidarische Idee dabei ist, dass sich Wohnprojekte gegenseitig bei der Finanzierung helfen. Denn das Syndikat hat es leichter als Einzelpersonen, einen Kredit aufzunehmen.

Eine Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens bleibt die zu bezahlende Miete konstant. Zu einer Mieterhöhung kommt es nicht, da das Haus keinen Marktschwankungen mehr unterliegt. Wenn der Kredit beim Mietshäuser Syndikat abbezahlt ist, wird weiter in einen Solidarfonds eingezahlt. Daraus werden dann wieder Hauskäufe für andere Wohnprojekte finanziert. Der zweite Vorteil ist, dass das Haus nie Spekulationsobjekt wird. Auch wenn es in Zukunft möglich wäre, die Immobilie gewinnbringend zu verkaufen, verhindert dies die Mitgliedschaft im Mietshäuser Syndikat. Weder die Hausbewohner noch das Syndikat sind alleinige Eigentümer und daher hat immer eine Seite Vetorecht. So zum Beispiel auch im Falle eines Verkaufs. „Noch dieses Jahr wollen wir das Haus in das Mietshäuser Syndikat überführen und so Miteigentümer des Hauses werden“, sagt Sven-Jan Schmitz.

Mokry als Teil der Stadt

Den Satz „Lass mal in die ,Mokry‘ fahren!“ hört Schmitz jetzt auch häufiger außerhalb seines Freundeskreises. „Ich finde es wahnsinnig schön, wenn dieser Ort ein Teil der Stadt und dieses Stadtteils wird.“ Dafür gibt es einige Ideen wie ein geplanter „Hausladen“, wo geschenktes Essen weiterverschenkt wird. Da kann sich dann jemand aus dem Stadtteil mit schmalem Geldbeutel zum Beispiel Tomaten mitnehmen. Doch das sind nicht die einzigen Pläne: Küchen einbauen, Kinder-Spielzimmer ausbauen, Balkone anbauen. Bald kriegt GoMokry* sogar ein Schwesterprojekt. Im Nachbarhaus, in dem heute noch das geschlossene Rialto-Kino schläft, wird bald ein weiteres Wohnprojekt entstehen. Dann werden die „Mokrys“ mit ihrem Erfahrungsschatz schon mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

kontakt.mokryhuetten@posteo.de

Text: Sara Lisa Schäubli / Foto Philipp Jung


Szene Hamburg Titel Oktober Der Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte „So wollen wir wohnen“ in SZENE HAMBURG, Oktober 2017. Das Magazin ist im Oktober 2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


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