Prädikat Sehen! Kunst ist böse

Das freie Produktionsduo Meyer&Kowski inszeniert immer wieder ungewöhnliche Doppelmonologe an Orten, die den Stücken den richtigen Rahmen geben. Ihr neues Stück „Kunst ist böse“ spielt bis zum 24. Mai im Logensaal der Hamburger Kammerspiele

So spielt die aktuelle Produktion „Kunst ist böse“ in dem geschichtsträchtigen Logensaal der Kammerspiele. Der Schauspieler Hans-Jörg Frey teilt mit dem Publikum zwei als selbsterlebt angekündigte Ereignisse – allerdings aus einer für ihn neuen Perspektive. In den ersten 60 Minuten schlüpft er in die Rolle eines Regisseurs, der nach der Generalprobe einer Macbeth-Inszenierung vor Wut auf sein, wie ihm scheint, unfähiges Ensemble tobt. Frey behauptet, er selbst war vor 30 Jahren Teil dieses Ensembles, dessen Position am heutigen Abend sein Publikum einnimmt. Während Frey zwischen den Zuschauern umherläuft, die im Raum verteilt sitzen, nimmt seine Ansprache immer mehr Fahrt auf – Zynisch, herablassend oder donnernd nimmt er die Schauspieler auseinander. Dabei spricht und schaut er immer wieder einzelne Zuschauer an; Aber keine Sorge, es ist kein Mitmachtheater nur ein Stilmittel – das funktioniert. Frey hat ein großartiges Timing und verwandelt diesen Monolog gekonnt in ein Sprachkonzert. Kunst ist nicht böse, aber Menschen, die in ihrem Namen sich selbst legitimieren, können es werden.

Der zweite Teil ist ein wenig schräger. Als Besucher eines Zen-Seminars hocken die Zuschauer auf kleinen Sitzkissen – aber zum Glück ist dieser Monolog auch kürzer.

Ein gefragter Meister tanzt umher, verteilt Tee und lässt eine Stimme vom Band dazu erzählen. Das Thema dieses Seminars soll so lebensumfassend sein, dass es keine Überschrift dafür gebe und so bleibt man letztendlich auch etwas ratlos nach den rund 40 Minuten zurück, was aber nicht stört. Denn der wunderbare Hans-Jörg Frey, die gelungene Dramaturgie und das Gefühl mittendrin zu sein, machen aus dem Abend ein kurzweiliges Theatererlebnis.

/ Hedda Bültmann / Foto: Alexander Merbeth

Logensaal in den Kammerspielen, 19., 23.–24.5.

Redaktionskonzert Edition 6: Animal House

Die Zeit der britischen Indie-Pop-Stars ist vorbei? Die letzte Party mit Gitarren-Hits aus Leeds, Manchester und Newcastle gefeiert? Wir sagen: nein!

Zwar kommen unsere musikalischen Gäste beim Redaktionskonzert am 24.5.17 um 19 Uhr ursprünglich aus Australien, leben aber schon lange in ihrer Wahlheimat Brighton – und klingen auch so. Die Songs von Animal House sind knackig, melodiös, einfach typisch britisch und obendrein textlich immer wieder irrewitzig.

Wie immer sind die Tickets nur per Los zu ergattern. Aber: Für alle, die leider draußen bleiben müssen, streamen wir das Konzert live auf Facebook und Instagram

SZENE HAMBURG verlost 10×2 Gästelistenplätze. E-Mail mit Betreff „Animal“ bis 22.5.17, 10 Uhr an verlosung@vkfmi.de

SZENE Hamburg ESSEN+TRINKEN: Unsere Testsieger

13-mal „Hooray!“: Mit einem Release-Event in den Schanzenhöfen haben wir unsere neue ESSEN+TRINKEN-Ausgabe und die 13 Testsieger unter Hamburgs Restaurants gefeiert

Vor 130 geladenen Gästen erhielten unter anderem Anna Sgroi (Testsieger Italien), Johann Philipp vom Philipps Restaurant (Testsieger Szene-Läden), Aurelio Moreno und Tschabi Lopez vom Leche de Tigre (Testsieger weltweit) ihre Testsieger-Urkunde und jede Menge Applaus.

Der 292-Seiten starke Gastro-Guide ist ab sofort im Handel oder Online erhältlich und dreht sich von der ersten bis zur letzten Seite um Genuss in Hamburg und der Metropolregion. Ein echt dickes Ding!

Die Testsieger im Überblick

  • Kategorie: Szene-Läden

Philipps Restaurant
„Philipp versteht, wie man Gäste stilvoll willkommen heißt.“
Turnerstraße 9 (Karolinenviertel)

  • Kategorie: International & kreativ

Henriks
„Claas-Henrik Anklam hat mit dem Henriks eine stilvolle Gourmet-Anlaufstelle geschaffen.“
Tesdorpfstraße 8 (Rotherbaum)

  • Kategorie: Gutbürgerlich

Schuback
„Eine VIP-Exklusiv-Bewirtung in Kombination mit feinster gutbürgerlicher Küche.“
Eppendorfer Landstraße 165 (Eppendorf)

  • Kategorie: Italien

Anna Sgroi
„Zum Reinlegen lecker! Anna Sgroi kocht auch ohne Stern sternewürdig.“
Milchstraße 7 (Rotherbaum)

  • Kategorie: Frankreich

Brasserie la Provence
„Bereits nach dem ersten Besuch in der Brasserie fühlt man sich wie ein Stammgast.“
Eulenstraße 42 (Ottensen)

  • Kategorie: Iberien

Portomarin
„Die spanische Küche wird im Portomarin unaufgeregt und mit leidenschaftlicher Lust am Genuss zelebriert.“
Dorotheenstraße 180 (Winterhude)

  • Kategorie: Griechenland

Dionysos
„Ein famoser Abend mit der Erkenntnis: Das Dionysos bleibt unter den griechischen Lokalen eine Bank.“
Eppendorfer Weg 67 (Eimsbüttel)

  • Kategorie: Asien

Matsumi
„Hier kann man den Sushi-Meister dabei beobachten, wie er eine Köstlichkeit nach der anderen zubereitet – ein Erlebnis.“
Colonnaden 96 (Neustadt)

  • Kategorie: Orient & Indien

Fardi
„Ein Restaurantbesuch wie eine Reise in den Mittleren Osten.“
Hofweg 72 (Uhlenhorst)

  • Kategorie: Weltweit

Leche de Tigre
„Viva la Esskalation! Was das Team im Leche de Tigre auftischt, ist grandios.“
Nernstweg 32–34 (Ottensen)

  • Kategorie: Fisch

Boathouse
„Das Boathouse ist die perfekte Wahl für Menschen mit Lust auf großartigen Genuss.“
Isekai 1 (Eppendorf)

  • Kategorie: Fleisch

[m]eatery
„Eine grandiose Völlerei! Fleisch bleibt unser Gemüse.“
Drehbahn 49 (Neustadt)

  • Kategorie: Veggie

Piccolo Paradiso
„Unterschiedlichste Aromen ergänzen sich hier zu einem köstlichen Ganzen.“
Brüderstraße 25 (Neustadt)

  • Kategorie: Edel

Hier haben wir auf einen Testsieger verzichtet. Die Sterne- und Spitzenrestaurants in Hamburg sind einfach unvergleichlich.

/ Text: Sybille Fischer & Jennifer Meyer / Fotos: Philipp Jung

SZENE HAMBURG ESSEN+TRINKEN 2017/18 Launch Event

Hier finden Sie unsere Testsieger

Neu: SZENE Hamburg ESSEN+TRINKEN 2017/18

Party, jetzt! Wir sind stolz wie Bolle, dass die 30. Ausgabe unserer SZENE Hamburg ESSEN+TRINKEN mit ihren 292 Seiten noch fetter und schicker ist

Über 500 Restaurant- und Gastro-Tipps für Hamburg und Umland, noch mehr VIP-Tester, noch mehr Service, Porträts aus der Hamburger Food-Szene, feines Zeug aus dieser Stadt, Inspirationen…. mehr geht nicht. Das Ding ist ein echtes Brett! Und wir empfehlen euch, schnell im Handel eines der Exemplare für euch zu sichern. Oder eure Ausgabe hier zu bestellen.

Mahlzeit!

 

So oder So. Der SZENE Hamburg Kultur Talk geht in die 3. Runde

Ein Thema, zwei Meinungen, und dieses Mal – Obacht – vier Gäste: SO oder SO, der SZENE Hamburg Kulturtalk, geht in die dritte Runde. Im kukuun, 23. Mai, 20 Uhr.

Postkartenidylle oder Abrissromantik lautet unsere Frage. In welcher Stadt wollen wir leben? Wir schauen uns die Hamburger Stadtentwicklung am Beispiel der HafenCity an und fragen: Geht das in die richtige Richtung? Als Gäste begrüßen wir unter anderem üNN-Geschäftsführer Rolf Kellner und Rockcity-Geschäftsführerin Andrea Rothaug, den Moloch-Betreiber Johannes Schüller und den Vorsitzenden der Geschäftsführung HafenCity GmbH Prof. Jürgen Bruns-Berentelg. Volles Haus, tolle Gäste, ein klasse Thema.

Ein Abend, an dem Ideen dargestellt und Visionen zusammenwachsen sollen. Denn: Das ist unsere Stadt. Machen wir was draus….Aber was?

Dazu gibt es ein tolles Bühnen-Programm

So oder so
Als musikalische Gäste erwarten wir die fantastische Band Liza&Kay.

Wir werden das Geheimnis um den Namen unserer Hausband Dreiviertelweinstdu lüften und einen Überraschungsgast präsentieren.

Und auch das Glücksrad ist wieder mit im Spiel. Ein irrwitziger, scharfsinniger und informativer Abend erwartet euch. Moderation: Heinrich von Handzahm.

Heinrich von Handzahm So oder So

Fakten:

kukuun
23.5.17
Türen öffnen sich um 19 Uhr
Bühneneroberung ab 20 Uhr
Tickets: VVK 8 € inkl. Gebühren / AK 10 € über 
Eventbrite  und TixforGigs 

Wir verlosen 3×2 Karten für unseren Kultur Talk So oder So am 23. Mai 2017. Einfach eine Mail senden an verlosung@vkfmi.de, Betreff SO ODER SO, Einsendeschluss 19. Mai 2017, 10 Uhr. 

Wir freuen uns auf euch…

Redaktionskonzert Edition 5: Ed Prosek

In seinen Liedern steckt die Sonne Kaliforniens ebenso wie die Melancholie der britischen Küste: Der US-amerikanische Singer/Songwriter Ed Prosek kommt zu uns in die Redaktion. Als Sohn einer Opern-Komponistin wuchs er mit reichlich Klassik auf, studierte später am berühmten San Francisco Conservatory Of Music, bevor er sich musikalisch für Folk-Pop entschied. 2011 ging Prosek nach Südengland, wo seine Coverversion von Paul Simons Klassiker „Homeward Bound“ in einer TV-Werbekampagne lief und den jungen Musiker blitzartig einem Riesenpublikum bekannt machte. Vor zwei Jahren kam er auch nach Deutschland, zog nach Berlin. Dort arbeitete er an neuen Stücken wie seiner aktuellen Single „Shadows“ (erschienen Ende 2016).

Am 12. Mai erscheint seine neue EP „Flesh & Blood Part 1“. 

Am 15.5.17, 21 Uhr, spielt Prosek im Kleinen Donner – und vorher bei uns.

Die Teilnahmeplätze sind limitiert und nur per Los erhältlich. SZENE HAMBURG verlost 10×2 Gästelistenplätze für das Redaktionskonzert mit Ed Prosek am 15.5.17, 19 Uhr. E-Mail mit Betreff „Prosek“ bis Donnerstag, 11.5.17, 12 Uhr,  an verlosung@vkfmi.de

/ Foto: Stephan Pfaff

 

 

BierSZENE. Auf ein Bier mit Stefan Schröer von den Superfreunden

Hoher Besuch aus Berlin: Stefan Schröer von den Superfreunden hat mich für ein Wochenende und auf ein Bier besucht. Immer eine gute Gelegenheit, um über die Bierszene und die Zukunft von Craft Beer zu schnacken

Superfreunde

Bromance – Michael Arndt, Stefan Schröer und Daniel Elich werden leidenschaftlich, wenn’s um Bier geht.

Wer steckt eigentlich alles hinter den Superfreunden?

Das sind fünf super Freunde, die sich in Berlin zusammengetan haben, um Bier zu brauen. Als Vollzeitjob machen das Marco Sgarra und meine Wenigkeit. Dann gibt es noch Michael, Markus und Klaus, die eher im Hintergrund agieren.

Ihr verkauft nicht nur Bier, sondern auch eine Menge Merchandise. Was ist aus eurer Sicht wichtiger – gutes Marketing oder gutes Bier?

Die Basis ist: ein gutes Bier! Bei einem schlechten Produkt hilft auch das beste Marketing nichts. Gleichzeitig müssen aber alle drei Säulen stimmen, damit es auf Dauer funktioniert: Produkt, Marketing und Vertrieb. Wenn du das beste Bier der Welt hast, es aber nicht ins Sortiment aufgenommen wird oder die Flasche ein schlechtes Design hat, dann wird es niemand kaufen.

Was gehört zu gutem Marketing bei einem Craft Beer?

Craft Beer ist für mich ein Produkt, bei dem Ehrlichkeit und Transparenz zählen. Ich muss als Konsument erfahren können, wo und wie das Bier gebraut wird und wer dahintersteckt. Das ist die halbe Miete für gutes Marketing. Genauso haben wir es von Anfang an gemacht. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir keine Brauer sind, aber verdammt viel Bock haben. Zudem darf dein Produkt für die Menschen da draußen nicht langweilig werden. Es braucht jeden Tag aufs Neue frische Ideen, damit man sich gegen all die anderen Brauereien durchsetzen kann.

Keine Brauer sind, aber verdammt viel Bock auf Bier. Foto: Superfreunde

Gibt es Unterschiede zwischen der Craft-Beer-Szene in Hamburg und in Berlin?

Beide Städte mag ich sehr. Ich wohne schon lange in Berlin, Hamburg ist aber mittlerweile zu meiner zweiten Heimatstadt geworden. Unterschiede gibt es auf jeden Fall: Der Hamburger ist, nach meinem Empfinden, genügsamer als der Berliner – vor allem wenn es ums Bier trinken geht. Hamburger brauchen nicht permanent etwas Neues, Berliner sind dagegen in dieser Hinsicht sehr verwöhnt. Und: Sie fordern das auch ein. Während Hamburger die Biertrends, die aus den USA rüber schwappen, zwar wahrnehmen, aber sich davon nicht beeindrucken lassen, haben sich Berliner dem Trend schon längst angenommen.

Was glaubst du, welchen Stellenwert Craft Beer in der Zukunft haben wird?

Ich glaube ganz fest daran, dass Craft Beer kein Hype ist, sondern ein Resultat der Bierszene. Wer einmal festgestellt hat, dass ein Bier geil schmecken kann, wird nicht dahin zurückgehen, Plörre zu trinken. Viele stellen nach ihrem ersten Craft Beer fest, dass Bier auch einen intensiven Geschmack haben kann. Für diese Erfahrung muss man kein IPA trinken, das merkt man bereits bei traditionellen Bierstilen wie einem gut gebrauten Pils.

Bier ist keine Plörre. Und soll auch nicht so schmecken. Foto: Superfreunde

Wird in Zukunft jeder nur noch Craft Beer trinken?

In Deutschland haben wir einige „TV-Biere“, die allesamt sehr einfach gestrickt sind und noch immer den größten Markt haben. Es gibt aber auch viele Konsumenten, die beides trinken. Für die ist es ein Genuss, auch mal ein Craft Beer zu trinken, das natürlich auch teurer ist. Craft Beer wird, wie in Großbritannien oder den USA, immer präsenter in Deutschland werden und es wird immer mehr Kraft bekommen. Das merkt man allein daran, dass jetzt auch die großen Brauereien ihre „Craft-Biere“ auf den Markt bringen. Die haben Angst, dass die kleinen Brauereien ihnen den Markt wegnehmen, denn genauso geschieht es bereits in anderen Ländern. Ich hoffe, dass diese Entwicklung anhält und in fünf Jahren an jeder Ecke Craft Beer zu haben ist.

Was denkst du über das deutsche Reinheitsgebot?

Wir brauen unsere Biere ganz unbewusst nach dem Reinheitsgebot. Aber ganz ehrlich: Wenn jemand in sein Bier Orangenschalen oder frisch gemahlenen Pfeffer geben möchte, dann soll er das tun und sein Produkt trotzdem noch Bier nennen dürfen. Warum muss man Brauer mit diesem Reinheitsgebot so einschränken? Für mich ist es am Ende vor allem wichtig, dass klar deklariert ist, was das Bier enthält.

Klingt ziemlich gut, finde ich. In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

Mehr Infos zu den Superfreunden gibt es übrigens hier: www.facebook.com/superfreundecraftbeer/

/ Beitragsbild: (c) Puria Safary


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen@bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! 

Gern allein: Fayzen

Am 12. Mai erscheint Fayzens neues Album „Gern allein“. Das kann er am selben Abend mit seinen Fans feiern, bei seinem Konzert im Terrace Hill. Auf einen Song mit Fayzen – Wir fragten den Hamburger, welche Songs ihn berühren und wie er lässige Zeilen textet.  

SZENE HAMBURG: Fayzen, du bist unser Mann für Poesie! Hast du einen spontanen Zweizeiler für uns, der zu den immer länger und wärmer werdenden Tagen passt?

Fayzen: „In die Sonne gucken und egal wem danken, in die Sonne gucken und Vitamin D tanken. Mit dem Rad durch den Stadtpark oder einen VW-Bus zocken und dann Abfahrt.“

Kannst du eigentlich jederzeit so einen raushauen? Sieht man dich womöglich auch ständig durch die Straßen laufen und Einfälle in dein Songbook schreiben?

Ich tipp eigentlich immer irgendwelche Zeilen ins Handy. Ich kriege oft Sprüche von wegen: „Ey, Du bist ja voll das Handy-Opfer“, aber es ist ja nicht so, dass ich Pokémon oder Snake spiele. Wir haben früher in der Schulzeit so viel gefreestylt, dass ich im Kopf eigentlich die ganze Zeit im Freestyle-Modus bin.

Hast du so etwas wie eine Lieblingszeile aus deinen eigenen Texten? Bist du auf etwas ganz besonders stolz?

Ich habe bei der Arbeit an meinem neuen Album jede Zeile ausgetauscht, die ich nicht perfekt fand. Perfekt bedeutet für mich, dass eine Zeile so genau wie es geht das sagt, was ich denke. Das ist gar nicht so leicht, weil Gedanken oft nicht so richtig rational formuliert sind. Noch schwieriger wird es, wenn man versucht, ein Gefühl in Worte zu packen. Meine Kumpels – unter anderem die, die meckern, dass ich zu viel am Handy bin – sagen, dass diese Zeile voll zu mir passt: „Ich bin wieder auf der Suche nach dem perfekten Lied, ohne zu wissen, ob es überhaupt so etwas gibt, und ich such weiter! Immer, immer weiter!“ Damit wollen die Jungs wohl sagen, dass ich besessen bin (lacht).

Und welchen Song eines anderen Künstlers findest du lyrisch besonders gelungen? Eine Empfehlung, bitte!

Ich liebe das Lied „Melancholie“ von Gisbert zu Knyphausen. Einfach nur krass, wie er es geschafft hat, so ein abstraktes Gefühl wie die Melancholie zu portraitieren. Das ist so ein Lied, bei dem ich fast neidisch bin, dass ich es nicht geschrieben habe (lacht). Gisbert, falls du das hier liest: Ich bin ein rieeeeeeesen Fan von Dir!

/ Interview: Erik Brandt-Höge / Foto: Caren Detje

Konzert: 12.5., Terrace Hill, 20 Uhr; „Gern allein“, das neue Album von Fayzen, erscheint am 12.5. (Vertigo Berlin/Universal)

Serie: Hamburger Hafen. Das Oberhafenquartier Teil I

Hoffnungsträger oder Sorgenkind: Das Oberhafen-Quartier. In unserer Serie über den Hamburger Hafen stellen wir hier die Akteure vor, die das Oberhafenquartier zum Künstlerviertel machen könnten. Teil I: bauer + planer, Living Art & Halle und die Initiativen des Gängeviertels

Oberhafen Hamburg

Marcel P. Hahn und Till Richter (rechts) setzen mit bauer + planer auf eine offene, unkomplizierte Nutzergemeinschaft. Foto: Philipp Jung

bauer + planer

Darum geht’s:

bauer + planer ist ein Kollektiv von Handwerkern und Tischlern, das in Halle 4 sowohl eine umfangreich ausgestattete Werkstatt als auch einen Coworking Space zu günstigen Konditionen bereitstellt.

Die ganzen Vorzüge einer WG in einer Werkstatt vereinen, so die Devise von Marcel P. Hahn und Till Richter von bauer + planer. Interessant vor allem für Kreative und Start-ups, die sich keine eigene Werkstatt leisten können beziehungsweise aufgrund der hohen laufenden Kosten nicht ständig dazu gezwungen sein möchten, Aufträge anzunehmen. Die Idee der offenen Werkstatt entstand vor ca. fünfJahren und wurde auf die zweite Ausschreibung hin konkretisiert.

Haben während dieser Zeit eine weitere Werkstatt in Wilhelmsburg als Produktions-Hub und mein Büro im Gängeviertel mit kleiner Modellbauwerkstatt genutzt – beides soll im Sommer 2017 in den neuen Räumlichkeiten final zusammengeführt werden. Durften seit letztem Sommer übergangsweise ein großes Hallensegment gegenüber der Hanseatischen Materialverwaltung nutzen, müssen aber in Zukunft wieder kleiner denken – räumlich gesehen.

Größte Herausforderung:

Warten und sich in Geduld üben. Im Winterschlaf-Modus darauf hoffen, dass es endlich weitergeht. Zusehen, wie Kollektive mit ähnlichen Konzepten in Deutschland weiterkommen, während man selbst auf der Stelle tritt. Irgendwann einsehen, dass man das anfangs mobilisierte Netzwerk nicht mehr bei Laune halten kann.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Klappt super. Leute, die gemeinsame Interessen haben, arbeiten längst zusammen – oder behalten sich zumindest gegenseitig im Kopf. Till hatte damals von den Plänen des Oberhafenquartiers durch Petra Sommer von der Hanseatischen Materialverwaltung erfahren und anfangs noch überlegt, sich dort mit einer Werkstatt einzurichten. Doch dann kam alles anders und jetzt ist er froh darüber, noch mehr Austauschmöglichkeiten zu haben. Geplant sind beispielsweise gemeinsame Workshop-Angebote.

Oberhafen Hamburg

Der Fotograf Jürgen Carstensen ist ein alter Hase im Quartier: Mit Living Art ist er seit 17 Jahren Mieter. Foto: Heide Benser

Living Art & Halle 424

Darum geht’s:

Der Fotograf Jürgen Carstensen hatte vor 17 Jahren von einem Ort wie diesem geträumt – und ihn im Oberhafen gefunden. Das Schauspielhaus, Videofilmer, Fotografen, Kulissenbauer, sie alle haben ihn und sein Film- und Fotostudio LivingArt über die Jahre begleitet und an der gemeinsamen Erarbeitung eines kreativwirtschaftlichen Konzepts im Oberhafen mitgewirkt.

Die neueren Entwicklungen im Areal, die Suche nach Förderern und Vernetzung, die Einwerbung von Drittmitteln und die Präsentation nach außen, das alles haben er und andere langjährige Mieter – Buchverleger, Pin-up-Fotograf, Schuhhersteller, Videofilmer, Malerin – bereits hinter sich.

Gleichzeitig sieht er sich als Auslöser der Wandlung im Oberhafen. Dass hier außerPaletten einzulagern auch anderes möglich ist, beweist er nicht zuletzt seit 2014 mit seiner Halle 424, einem Veranstaltungsort für Klassik- und Jazzkonzerte. Gemeinsam mit Ulrich Bildstein vom Hamburger Kammerkunstverein veranstaltet Jürgen Carstensen einmal im Monat die Feierabendkonzerte.

Größte Herausforderung:

Keine nennenswerten. Hat den Oberhafen immer als kreativen und freizügigen Ort erlebt.

Nimmt allerdings wahr, dass sich der Ort allmählich verändert. Die grenzenlose Freiheit hat ein Ende – etwa durch Vorschriften oder Vorgaben von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der HafenCity GmbH.

Von wirklichen Problemen könne da aber nicht die Rede sein, man müsse allenfalls an der Kommunikation arbeiten.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Er kennt sie alle. Freut sich für die Alteingesessenen wie Designer Christoph Schmidt oder Kulissen- und Setbauer Stefan Münich, dass sie die bald fertig sanierten Flächen im vorderen Bereich der Halle 4 beziehen dürfen. Hat die Entwicklung von Parkour Creation e. V. mitverfolgt und hofft, dass der Bedarf nach einem solchen Ort weiter anhält.

Oberhafen Hamburg

Die Initiativen aus dem Gängeviertel mussten der Sanierung weichen. Und fanden im Oberhafen ein neues Zuhause. Foto: Philipp Jung

Initiativen des Gängeviertel e. V.

Darum geht’s:

Nora und Christian betreiben „Das Dinger“, den Pausenraum und Schmelztiegel des Quartiers. Christian hatte ursprünglich beim Aufbau des Molochs geholfen, woraus sich wiederum die Idee für die kleine Küche entwickelte. Zuvor hatte er bereits in der Gängeviertel  VoKü und auf dem Dockville-Festival gekocht.

Im Oberhafen bereiten Christian und Nora nun täglich ein Gericht für Freunde und Nachbarn. Da die Nachfrage immer größer wird, bemühen sie sich aktuell darum, die restlichen Auflagen zu erfüllen und eine offizielle Gastronomie zu werden. Im Zuge der Sanierungsarbeiten im Gängeviertel fand Johannes Schüller vom Moloch mit seinen Kollegen Ende Juli 2014 Zuflucht im Oberhafen.

Mittlerweile ist das Moloch über sich hinausgewachsen und lässt sich nicht mehr ins Gängeviertel „zurückquetschen“. Lukas Scheper, Mitbegründer des Coworking Space FilmFabrique, gehört ebenfalls zu denjenigen, die den Sanierungsarbeiten weichen mussten. Ist immer noch an zahlreichen Veranstaltungen im Gängeviertel beteiligt. Nico Krüger, Betreiber von Pfund & Dollar, einer Prototypen-Werkstatt mit Tischlerei und Schlosserei, kam in den Oberhafen, um beim Aufbau des Moloch mitzuhelfen.

Tat sich anschließend mit der Schlosserei Gunsenheimer und ApostrophZ zusammen. ApostrophZ, eine ursprünglich aus dem Dockville-Kontext entstandene Gemeinschaft, hat die Bar im Moloch mitgebaut und betreibt im Gängeviertel das Ladenlokal La Döns.

Größte Herausforderungen:

Das Geld reicht nicht, die Zukunft ist ungewiss, das Einholen von Genehmigungen nervenaufreibend. Für das Moloch steht eventuell sogar der Abriss ihres Biergartens bevor. Die dunkelste Stunde in der Geschichte des Clubs – entsprechend mies ist die Stimmung.

Vernetzung mit anderen Akteuren im Quartier:

Klappt vor allem innerhalb, der Gängeviertel-Strukturen hervorragend. Der Klüngel pflegt aber auch gute Kontakte zur Hanseatischen Materialverwaltung, zu bauer + planer und Parkour Creation e. V. – allein schon durch das gemeinsame Mittagessen im „Dinger“.

/Texte: Jasmin Shamsi

Serie: Hamburger Hafen. Nachtschicht bei den Hafenleuten

8,9 Millionen Container wurden 2016 in Deutschlands größtem Seehafen umgeschlagen. Mehr als 156.000 Arbeitskräfte in der Metropolregion sorgen dafür, dass alles reibungslos klappt

Bunte Bauklötze am Tag, Glitzerperlen in der Nacht, dazu ein ständiges Rumpeln und Pumpeln, wenn wieder etwas in die Schiffsbäuche kracht: Schon aus der Ferne bietet der Hafen eine faszinierende Bild und Klangästhetik.

Wie eine riesige, niemals stillstehende Maschine breitet sich das Gesamtkunstwerk aus Kränen, Brücken und Containern auf einer Fläche von 7.200 Hektar aus – das ist ein Zehntel von Hamburg. 10.000 Schiffe kommen jährlich hierher, fast alle denkbaren Güterarten werden an den 50 Umschlaganlagen abgefertigt, 145 Tonnen waren es 2014. Entsprechend viele Menschen sind in der Hafenregion beschäftigt, 156.000 nach offiziellen Zahlen.

Brückenfahrer, Ingenieure, Informatiker: Um den gigantischen Hafenkomplex am Laufen zu halten, werden die unterschiedlichsten Arbeitskräfte gebraucht. Viele von ihnen sind auf der ehemaligen Elbinsel Waltershof tätig, wo der HHLA-Containerterminal Burchardkai liegt.

1968 machte hier das erste Containerschiff fest, heute ist der Kai mit 1,4 Quadratkilometern die größte Containerabfertigungsanlage der Hansestadt – und das „Zuhause“ von Jessica, Bernd, Maik und Dirk, die wir genau dort besucht haben. Außerdem waren wir in Hamburgs quirligster Hafenkantine. Sie liegt gegenüber, auf dem Gelände des Terminalbetreibers Eurogate. Hier arbeiten mehr als 3.200 Menschen – und die wollen verpflegt werden.

Hamburger Hafen – Nachtschicht. Zu Besuch bei Jessica, Maik, Bernd und Dirk

Hamburger Hafen, Jessica

Kommt mit der Männerwelt im Hafen bestens klar:  Jessica, die Brückenfahrerin, arbeitet in 42 Meter Höhe. Foto: Philipp Jung

Jessica (25), Containerbrückenfahrerin

Nach meiner Schulzeit war ich mir nicht sicher, welcher Job der richtige für mich ist. Ich wusste nur: Ich gehöre nicht ins Büro. Also bin ich zur Lehrstellenbörse gegangen, wo unter anderem die HHLA vertreten war – bei dem Unternehmen habe ich mich schließlich beworben.

2009 habe ich meine Lehre zur Fachkraft für Hafenlogistik begonnen, wurde Brückenfahrerin, eine von nur wenigen weiblichen Arbeitskräften am Kai. Ich komme in dieser Männerwelt aber sehr gut zurecht, was sicher auch an meinem manchmal frechen Mundwerk liegt.

Meine Brücke ist 42 Meter hoch, von dort oben verlade ich die Container. Ich gehe auch an Deck der Schiffe, klettere auf Container und kontrolliere sie. Klar ist das viel und harte Arbeit, bei der ich mich durchgehend voll konzentrieren muss.

/ Protokoll: Erik Brandt-Höge

Hamburger Hafen Maik

Der Hafen? Machte ihn zu einem echten Hamburger Jung: Maik. Foto: Philipp Jung

Maik (46), Schiffsmeister

Aus Nordrhein-Westfalen bin ich 1991 nach Hamburg gezogen. Diese Stadt war immer mein Wunschziel. Ich hatte das Glück, als Quereinsteiger im Hafen anfangen zu dürfen – für mich das absolute Nonplusultra.

Seitdem fühle ich mich wie ein echter Hamburger. Zuerst habe ich als VC-Fahrer gearbeitet, war eine Zeitlang Schiffssteuerer, habe die Lkw-Beladungen koordiniert, bis ich Vorarbeiter und schließlich Schiffsmeister wurde.

Meine Aufgabe ist es, zu schauen, dass alle Vorschriften eingehalten werden und der Betrieb rund um die Schiffe immer läuft. Das bedeutet auch, dass ich schon eine Stunde vor jeder Schicht zusammen mit der Terminal-Planung die Punkte im Auge habe, wo es später Probleme geben könnte, also wo zum Beispiel Brücken aufeinandertreffen könnten und VC-Fahrer nicht unter, sondern hinter den Brücken arbeiten müssen.

Und da jeden Tag ein anderes Schiff reinkommt, beginnt meine Arbeit auch immer wieder von Neuem. Zwischendurch genieße ich auch mal die Bilder um mich herum, etwa wenn Kreuzfahrtschiffe auslaufen – das sieht immer fantastisch aus.

 / Protokoll: Erik Brandt-Höge

Hamburger Hafen Bernd

In den Hafen hineingeboren: Van-Carrier-Fahrer Bernd, sitzt 9 Meter hoch und transportiert die Container von A nach B. Foto: Philipp Jung

Bernd (32), VC-Fahrer

Ich wurde in den Hafen hineingeboren, nach meinem Opa und meiner Mutter kam ich in dritter Generation hierher.

2003 habe ich meine Lehre zum Seegüterkontrolleur begonnen – heute heißt das „Fachkraft für Hafenlogistik“. Nach den drei Ausbildungsjahren bin ich übernommen worden, und wie bei jedem fertigen Hafenfacharbeiter stellte sich die Frage: Brücken- oder VC-Fahrer? Es ist letztlich eine Typfrage, und ich bin einfach eher der VC-Typ.

Als solcher sitze ich in 9 Meter Höhe, nehme die Container vom Schiff auf und bringe sie ins Lager oder anders herum.

Ich arbeite besonders gern während der Nacht, was ich überhaupt nicht problematisch finde.

Im Gegenteil: Wenn im Hochsommer meine Schicht beginnt, geht hinter den Brücken gerade die Sonne unter – das ist schon sehr nett anzusehen. Und wenn ich morgens nach Hause komme, bringe ich die Kinder in den Kindergarten beziehungsweise in die Schule, weil meine Frau dann zur Arbeit muss. Danach gehe ich ins Bett.

/ Protokoll: Erik Brandt-Höge

Hamburger Hafen

Arne ist Betriebsstättenleiter bei Apetito Catering. Der Caterer verpflegt deutschlandweit 500 Kunden wie Unternehmen, Krankenhäuser, oder Seniorenheime. Auf dem Eurogate-Terminal betreibt das Unternehmen insgesamt drei Kantinen rund um die Uhr an 360 Tagen im Jahr. Foto: Philipp Jung

Arne (50), Betriebsstättenleiter

Seit neun Jahren bin ich an Bord der Apetito-Hafenkantine auf dem Eurogate-Terminal. Hier arbeiten rund fünfzig Mitarbeiter in drei Schichten rund um die Uhr und verpflegen die Hafenarbeiter mit rund 1.000 Essen täglich. Als gelernter Koch kenne ich die Gastronomie von der Pike auf. Über die Jahre in Management und Vertrieb hatte ich mich allerdings immer weiter von den Töpfen entfernt, das war nichts für mich.

Ich würde darum auch nicht die Karriereleiter weiter hinaufklettern wollen, weil ich immer nah am Herd sein möchte. Darum koche ich auch immer mal mit – sehr zum Leidwesen der Kollegen (lacht). Die behaupten, sie müssten eine Woche lang aufräumen, wenn ich mal zwei Tage mit am Herd stehe … Sie sehen aber, dass sich der Chef nicht zu schade ist, mit anzupacken.

Letzte Woche habe ich zum Beispiel, 60 Kilo Fisch filetiert, das finden sie, natürlich auch cool. Das Essen im Hafen ist heute ganz anders, als vor 20 Jahren. Damals gab’s Currywurst und Buletten am Kiosk. Unsere Gäste legen aber auch immer mehr Wert auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Bestimmt 25 Prozent von ihnen ernähren sich gesundheitsbewusst oder vegetarisch. Da stehen dann plötzlich solche Kerle vor einem und freuen sich über gebackene Auberginen. Niemand will mehr, dass man ihnen die Teller mit einer großen Kelle vollklatscht.

Das Essen wird heute ansprechend präsentiert und zum Teil auch direkt vor den Augen der Gäste zubereitet – Sonderwünsche sind da gar kein Problem. Ein Muss auf der Speisekarte sind aber auch heute immer noch von Zeit zu Zeit Currywurst und Schnitzel. Mir ist es wichtig, dass wir ein total motiviertes Team mit glücklichen Mitarbeitern haben. Ich kann sonst noch so teure Lebensmittel kaufen – wenn der Koch sich nicht wohlfühlt, kann er auch nichts Gutes herstellen.

Unsere Mitarbeiter zeigen, dass sie sich hier zu Hause fühlen. Darum fühlen sich auch die Gäste wohl: Zoll und Wasserschutzpolizei zum Beispiel haben ja die freie Wahl im Hafen, kommen in ihren Pausen aber zu uns und sind uns treu. Das macht den Hafen auch aus.

Er ist ein Kosmos für sich. Der Hamburger an sich ist ja schon stur, im Hafen ist man, noch mal sturer.

Man muss überzeugen. Im ersten Jahr haben mich viele nicht gegrüßt. Die mussten erst mal schauen, wer der Neue ist. Jetzt ist das alles anders. Wir halten alle zusammen und arbeiten Hand in Hand. Der Ton ist schon mal derbe, aber auch das gehört dazu. Wenn du hier einen Freund hast, dann bleibt er das auch. Ich bin längst ein echtes Hafenkind geworden!

/ Protokoll: Ilona Lütje

Hamburger Hafen Dirk

Auch sein Sohn und seine Tochter arbeiten im Hafen: Dirk. Foto: Philipp Jung

Dirk (48), stellvertretender Gruppenleiter

Seit 26 Jahren bin ich am Burchardkai, war Brückenfahrer, Vorarbeiter und Lademeister. Heute arbeite ich als stellvertretender Gruppenleiter.

Mein Team besteht aus 55 Leuten, deren Aufgaben ich von der fünften Etage der Bürozentrale aus koordiniere, dem sogenannten Leitstand. Zusammen mit einem Kollegen plane ich, wer wo arbeitet und wer wen beaufsichtigt.

Wichtig ist, dass die Schiffe rechtzeitig fertig werden und die Kunden zufrieden sind. Darum kümmert sich zusätzlich ein Außendienstmitarbeiter, mit dem wir im ständigen Kontakt sind.

Überhaupt gibt es eine extrem gute Kommunikation zwischen allen Mitarbeitern. Für deren Bedürfnisse bin ich übrigens auch noch zuständig; jeder weiß, dass er mit Kummer und Sorgen immer zu mir kommen kann.

Für mich fühlt sich das alles an wie eine große Familie, nicht zuletzt auch deshalb, weil mein Sohn und auch meine Tochter im Hafen arbeiten – die erste Frau überhaupt, die eine Brücke gefahren ist.

Und mein Schwiegervater war ebenfalls 40 Jahre im Hafen. Für mich und meine Familie ist das einfach der beste Arbeitsplatz.

/ Protokoll: Erik Brandt-Höge

/ Beitragsbild: Philipp Jung

Ilona Lütje

Ilona Lütje

Redaktionsleiterin

Nerven wie Drahtseile. Immer eine gute Idee im Kasten, ähh, Hirn. Und auf (fast) jede Frage eine (fast) immer schlaue Antwort: Ilo hält den Laden am Laufen. Bäm & Wow

 

Erik Brandt-Höge

Erik Brandt-Höge

Autor Stadtleben & Ressort-Leitung Musik

Erik schreibt als Autor für unser Stadtleben-Ressort und ist unser Musik-Chef im Haus. Man erkennt es an seinem Schreibtisch, wo neben Magazinen jede Menge CDs lagern. Und ein selbstgebautes Werder Bremen Logo aus Legosteinen, denn der Mann ist Bremen-Fan. Brisant: Ihm gegenüber sitzt Ilona Lütje, ein treuer HSV-Fan. An anregenden Fach-Gesprächen, vor allem nach den Wochenenden, mangelt es bei uns also nicht.