Nordstarter Crowdfunding Contest. Das sind die Gewinner

Seit dem 29. Juni haben 14 kreative und innovative Projekte insgesamt 1.125 Unterstützer für sich überzeugt und dabei über 50.000 Euro eingenommen. Gemeinsam mit der Hamburger Kreativ Gesellschaft konnten wir am 7. August die ersten drei Plätze küren.

Was die Macher der drei Projekte während des Contests gelernt haben und wie es jetzt für sie weitergehen soll, erzählen sie hier.

The People vs G20. Eine Film-Collage über den Gipfel

Ja, wir haben schon viele Bilder vom G20-Gipfel gesehen. Die Dokumentation „The People vs G20“ von Film Fatal, einer Gruppe junger, kreativer Filmschaffender aus St. Pauli, ist dennoch sehenswert

Die Filmemacher haben die Ereignisse vor und während des Gipfels mit der Kamera begleitet, waren mittendrin – und haben daraus nun eine gekonnt aufbereitete, 27-minütige Collage geschaffen.

 

Keine wackeligen Handybilder, sondern hervorragend fotografierte Eindrücke mit einem fantastisch guten Blick für kleine, aber spannende Details. Mehr Infos zur Gruppe und aktuellen Screenings unter www.facebook.com/stpaulizoo

/Maike Schade / Bilder Premiere: Tobias Neugeschwender / Filmstills: Film Fatal

Wir empfehlen: Nehmt euch die Zeit und schaut rein. Lohnt sich!

 

Bosse im Interview: „St. Pauli war für mich der Himmel“

Unsere Leute: Der Wahl-Hamburger Bosse bespielt in diesem Sommer erstmals die Trabrennbahn. Ein Gespräch über seine frühe Vorliebe für St. Pauli, Amore als Anker und das anstehende „Riesending“

Interview: Erik Brandt-Höge / Foto: Benedikt Schnermann

SZENE HAMBURG: Bosse, wann war dir klar: du und Hamburg, das könnte eine
Verbindung für länger sein?

Bosse: Schon als Teenagertourist war St. Pauli für mich der Himmel. Alternative Musik, Freiheit und Fußball. Da bin ich schnell angedockt.

Als du dann von Berlin nach Hamburg gezogen bist, warst du bereits etablierter Künstler. Denkst du, das Ankommen in der Hamburger Musikszene wäre dir sonst schwerer gefallen als einst in Berlin?

Bosse

Ich bin vor vielen Jahren wegen der Amore hierher, eher antizyklisch, da viele Hamburger Musiker damals nach Berlin gezogen sind. Ansonsten ist die Musikszene ein Dorf.

Du lebst am Stadtrand, hast zudem einen Platz mit Wohnwagen an der Elbe. Klingt fast wie ländliches Leben in der Stadt – oder trifft man dich, wenn du nicht tourst oder aufnimmst, auch regelmäßig in den dichter besiedelten und City-nahen Vierteln?

Ich mag den Stadtrand vor allem wegen der Elbe. Als unser Kind zur Welt kam, sind wir von der Annenstraße nach draußen gezogen. Es gibt trotzdem ein Büro auf St. Pauli und die ganzen Freunde. In Ottensen häng ich auch oft.

Und dein Musikeralltag? Wo und wie findet der statt? Wo wird z.B. geprobt? Wie muss man sich den Probenraum und das Studio vorstellen?

Wir proben einmal zu Beginn der Tour. Proberaum gibt es also nicht. Ich habe auch kein Studio. Nix hab ich. Mir reicht zum Schreiben ein Textbuch und eine Gitarre, da bin ich mobil und ungebunden. Feste Räume machen für meinen Job keinen Sinn. Am liebsten arbeite ich im Wohnzimmer, wenn keiner zu Hause ist, oder unterwegs.

Was die Hamburger Auftrittsorte betrifft, kommt nach der Sporthalle, die du bereits vor Jahren gefüllt hast, nun noch die Trabrennbahn dazu. Sind die ganz großen Shows in deiner Wahlheimat Hamburg besonders euphorisierend oder besonders Lampenfieber erregend oder schlichtweg Respekt einflößend?

In Hamburg waren die Konzerte schon immer besonders, egal ob in der Freiheit, in der Sporthalle oder im Knust. Die Trabrennbahn ist wirklich ein Riesending. Hätte keiner gedacht, dass wir die mal bespielen. Ich freue mich auf ein paar tolle Gäste auf der Bühne und über Boy und die Mighty Oaks. So einen Abend muss man als Musiker genießen, ohne Angst oder Stress in der Birne.

Hättest du etwas dagegen, wenn irgendwann das Millerntor-Stadion als Auftrittsort auch noch dazukäme?

He, he. Nicht durchdrehen.

Bumm Bumm: Magical Mysterie

Die Rückkehr des Karl Schmidt ist der Untertitel der Fortsetzung von Sven Regeners „Herr Lehmann“. Regisseur Arne Feldhusen erzählt in der Verfilmung die Geschichte eines sympathischen Anti-Helden – und feiert mit einer „Magical Mystery Tour“ das Leben, die Liebe und ein Stück deutsche Musikgeschichte: Techno. Am 31. August startet der Film in den Kinos. Das Abaton zeigt den Film im Rahmen eine Preview bereits am 28. August. Maike Schade hat mit dem Regisseur Arne Feldhusen über den Film gesprochen

Text & Interview: Maike Schade / Foto: xDCM / Gordon Timpen

Als die Mauer fiel, wankte auch Karl Schmidt: Er zertrümmerte seine Kunstwerke, wurde von seinem Kumpel Frank ins Urban-Krankenhaus geschleppt. Das war in „Herr Lehmann“, Leander Haußmanns genialer Verfilmung von Sven Regeners gleichnamigen Debütroman.

Jetzt ist er zurück: In „Magical Mystery“, der Verfilmung von Regeners Fortsetzungsroman.

Dieses Mal war Arne Feldhusen, preisgekrönt für „Stromberg“ und den „Tatortreiniger“, der Chef am Set. Und deshalb fühlt sich der Film auch ganz anders an als seinerzeit „Herr Lehmann“. Der taucht auch gar nicht mehr auf, im Mittelpunkt steht Karl Schmidt, grandios verkörpert von Charly Hübner.

Detlev Buck, der 2003 diese Rolle spielte, ist dennoch dabei – als steinreicher Chef des Techno-Labels Bumm-Bumm. Zusammen mit seinem Kumpel Raimund hat Ferdi eine Tour mit DJs durch Deutschland organisiert. Nur der Fahrer fehlt – und da kommt Karl, den sie nur Charly nennen, gerade recht: Als ehemaliger „Multitox“ muss er sowieso nüchtern bleiben.

Denn Karl ist zurück aus der Geschlossenen. Er lebt in einer therapeutischen Drogen-WG in Hamburg, jobbt als Aushilfshausmeister in einem Kinderkurheim. Wechselt Glühbirnen, entpropft verstopfte Klos, versorgt den heimeigenen Minizoo. Die Pillen hat er unlängst abgesetzt; der Blick ist dennoch trüb und leer. Als sein Sozialarbeiter Werner ihn zum sportlichen Urlaub in die Lüneburger Heide schicken will und im Kinderkurheim ein neuer Hausmeister eingestellt wird, entschließt er sich, den Job als Fahrer anzunehmen.

Es ist herrlich mitzuerleben, wie der schmerbäuchige Anti-Held auf der Reise nach und nach Selbstvertrauen gewinnt.

Während er morgens die zugedröhnten, zerfeierten, durchgeknallten DJs aus den Klubs klaubt, den Transporter mit der Bumm-Bumm-Meute über Köln, Hamburg, Bremen, München und ein norddeutsches Dorf mit unaussprechlichem Doppelnamen lenkt, ein Meerschweinchen beerdigt und fast einen psychotischen Schub erleidet, findet er zurück zu sich, ins Leben und zur Liebe. „Magical Mystery“ hat einen traumhaften Cast und ist gespickt mit absurd komischen Details und Dialogen.

Vor allem aber erzählt der Film eine leise, kleine, berührende Geschichte – und feiert mit einem großartigen Soundtrack und fetten Beats ein Stück deutscher Musikgeschichte.

Maike Schade hat mit Regisseur Arne Feldhusen über seinen Film gesprochen.

„Wer all diese absurden Details sehen will, jedes Wort des Romans liebt, den kann ich nicht befriedigen.“

SZENE HAMBURG: Arne, das ist dein erster „historischer“ Film. Wie bist du dazu gekommen?

Arne Feldhusen: Das ist eine lange Geschichte … Ich kenne Charlotte Goltermanns Namen schon sehr lange. Sie ist ja die Frau von Sven Regener, und mittlerweile macht sie für Filme musikalische Beratung. Aber früher, in den 90er Jahren, hatte sie in Hamburg ein Label, Ladomat 2000, ein Sublabel von L’ âge d’ Or. Die haben sich um die neue elektronische Musik gekümmert, aber aus einem Alternative-Umfeld heraus. Und dabei kam ein Mix raus, den ich total spannend fand. Ich hatte jede Ladomat-Platte! International waren die auch richtig erfolgreich. Der Song „From Disco to Disco“ am Ende des Films ist zum Beispiel so ein Ladomat-Song, und der war damals in Italien auf Nummer 1. Die Legende Charlotte Goltermann, die kannte ich damals also schon. Und als wir beim „Stromberg“-Film dann zusammengearbeitet haben, bei dem sie musikalische Beratung gemacht hat, hat sie mir den Roman gegeben. Er hat mich sofort angesprochen.

Was daran?

Nicht unbedingt das Musikalische, auch wenn man sich daran erinnert, weil man dabei war. Ich wollte keinen Musikfilm machen. Musik ist für mich total wichtig, sowieso, aber nur, um etwas zu unterstützen. Aber einen reinen Musikfilm, nein … Hast du das Gefühl, dass es das geworden ist?

Nein. Die Musik ist nur der Rahmen. Für mich ist das zum einen eine Liebesgeschichte. Vor allem aber die Geschichte von einer … äh, wie heißt das? … Ins-Leben-Zurückfindung.

Das ist schön. Dann ist es so geworden wie gedacht. Was mich vor allem bei diesem Buch gepackt hat, sind die Dialoge. Und die Figuren. Wenn er da über vier Seiten einen fast dadaistischen Dialog von Chaoten gibt, der eigentlich keinen Sinn hat, dann aber irgendwie ja doch. Das Ganze ist ja irgendwie eine Geschichte, bei der man denkt: Wo ist denn da die Geschichte? Aber dann merkt man, dass es eine Entwicklung ist, die genug Geschichte hat. Ich glaube, ich fühlte mich dem auch so nahe, weil Sven das ja auch aus der Distanz beschreibt. Ich war ja auch nie wirklich in der Techno-Szene, auch wenn ich manchmal aufgelegt habe, aber Sven hat da ja quasi eingeheiratet. Er ist immer Rockmusiker gewesen und hat sich das mit einem Astra von der Seite aus angeguckt. Dadurch hat er diese gute Distanz, die ich wichtig finde. Sie ist nicht groß, er war ja mittendrin, aber sie ist da. Auf gute Weise.

Sven Regener hat auch das Drehbuch geschrieben. Hat er dir am Set dann reingebratzelt?

Nein. Das geht auch nicht. Wir haben zusammen am Drehbuch gearbeitet – also, ich bin kein Autor, das ist ausschließlich Sven. Ich habe nur gesagt: Ja, das geht in die richtige Richtung, das kann man machen, da würde ich nochmal drüber nachdenken. Und als es  dann losging, hatte ich natürlich noch Fragen über Details, die ihm und auch Charlotte wichtig sind, es ist ja ihre Welt. Aber dann ist das irgendwann abgeschlossen, und dann beginnt meine Reise. Die können sich dann auch zurücklehnen, für mich ist der größte Druck am Set sowieso, dass ich will, dass es dem Autor gefällt.

Nicht dem Zuschauer?

Nein. Also klar, natürlich muss es dem Zuschauer gefallen. Ich mache ja sowieso nur Unterhaltung.

Nur?

Ja … Aber das ist anders. Ich muss mich erst mal selber auf etwas Neues einlassen, und hoffe gleichzeitig, dass ich die Zuschauer mitnehmen kann. Vorher aber muss ich dem Autor das Gefühl geben, dass ich verstanden habe, was er eigentlich sagen will. Das heißt nicht, dass ich alles genau so mache wie im Buch. Das funktioniert hier sowieso nicht, dieses Buch könnte man nicht eins zu eins verfilmen. Wer all diese absurden Details sehen will, jedes Wort des Romans liebt, den kann ich nicht befriedigen. Sondern nur den, der die Idee dahinter versteht und Bock drauf hat. Ich wollte auch nicht in diesem Regener-Haußmann-Buck-Kosmos von „Herr Lehmann“ rühren, sondern eher ein bisschen dagegen anstinken. Aber in dem Moment, wo Buck dabei war, ging das schon nicht mehr (lacht).

Magical Mysteriy

Arbeitsfoto; Arne Feldhusen (Regie)

Warum ist er denn dann dabei? Und warum ist er nicht Karl Schmidt, wie in „Herr Lehmann“?

Dass er dabei ist, ist etwas anderem geschuldet. Es war überhaupt nicht der Plan, dass Buck am Set seinem Alter Ego von früher begegnet. Für die Rolle von Karl Schmidt ist er mittlerweile auch einfach zu alt, der durfte ja nur ein paar Jahre älter sein als damals und nicht in dem Alter, in dem Buck jetzt ist. Aber das war auch nie Thema. Ich brauchte einen Ferdi, jemanden, der aus einer sehr lockeren Zeit kommt, ein bisschen hippiesk, der unbedingt noch dieses Gemeinschaftsstiftende will und eine Gruppe anführen kann. Das hat Buck sowieso alles. Und auch eine gewisse Traurigkeit, aber trotzdem etwas unfassbar Optimistisches, Fröhliches. Er ist jemand, der die anderen zusammenbringt. Das war für die Truppe etwas unheimlich Wichtiges.

Die reale Truppe? Oder die im Film?

Beides, das kann man nicht trennen. In dem Moment, in dem ich eine Geschichte mit solchen Individuen erzähle, erzähle ich sie mit Schauspielern, die ähnlich sind.

Die waren also in den Drehpausen genauso ein Chaotenhaufen wie im Film?!

Ja … (seufzt). Und deswegen war es auch so wichtig, dass das passt. Wenn man sich auf Leute stürzt, die eben mal das Maul aufreißen, sozusagen, dann muss man das eben auch ein bisschen lenken. Dann musst du dich beim Casting auch von Schauspielern verabschieden, die zwar großartig sind und eigentlich auch gut passen, aber die Truppe aus diesen sehr speziellen Persönlichkeiten nicht homogen machen. Ist mir irgendwie geglückt.

Ihr geht ja jetzt auf Kino-Tour. Wer passt denn dann auf euch auf?

Na, Buck(lacht)! Nein, ich weiß nicht, am Set war ich ja sehr, zu sehr in der Funktion des Regieführenden. Ich dachte oft: Schade, ich würde jetzt gern mit denen mehr Spaß haben. Aber ich musste mich die ganze Zeit zu sehr auf die Arbeit konzentrieren. Das wird jetzt definitv anders, wenn wir zusammen unterwegs sind.

Die Tanz- und Partyszenen wirken sehr authentisch. Wie habt ihr das so gut hinbekommen?

Das ist tatsächlich nicht so einfach, in vielen Filmen wirkt das eigentlich nur peinlich. Weil es ein enormer Aufwand ist. Bei uns haben sich die Tänzer vorher stundenlang eingetanzt. Aber das war mir eben wichtig. Gerade, wenn man die Szene kennt und mag, ist der Anspruch, es real wirken zu lassen, besonders hoch.

Ich habe den lustigen Äpfel-Pflück-Tanz vermisst …

Mir ging es ja nicht darum, die diversen Tanzstile damals zu zeigen. Ich wollte nicht noch einmal aufreißen, was damals alles neu und aufregend war. Das Thema wird ja durchaus behandelt, zum Beispiel durch diese riesigen Handys, die damals aufkamen. Aber ich wollte keinen Museumsfilm machen, es ging mir um Charlys Geschichte. Dass es da jemanden gibt, der in der richtigen Zeit den richtigen Schritt tut. Es ist viel wichtiger, was es mit Charly macht, wenn er zum ersten Mal wieder in einen Club kommt. Es geht um ein Gefühl und nicht um die Art, wie die da tanzen.

Trotzdem habt ihr eine Reihe damaliger Techno-Stars dabei: Westbam, Hans Nieswandt, Justus Köhncke, die Voigt-Brüder. Warum stehen die – bis auf Nieswandt –  nicht auch mal am Plattenteller?

Nein, es ging nicht darum, dass man die auflegen sieht. Die sind jetzt 20 Jahre älter, die müssen jetzt nicht nochmal die flotten DJs von damals spielen. Ich finde es viel besser zu sagen: Du bist jetzt hier der Gyros-Mann. Oder der Buchhändler. Für diejenigen, die sie aber vielleicht trotzdem erkennen, ist das bestimmt schön. Es schlägt eine Brücke von damals zu heute.

Habt ihr deshalb auch entschieden, nicht die Originalmusik von damals zu verwenden, sondern einen Soundtrack zu komponieren?

Genau. Wir brauchten ja unheimlich viel Musik, hatten aber nur ein sehr überschaubares Budget. Alle Künstler haben deshalb einfach das Gleiche bekommen, und das war nichts, womit man jetzt die große Mark macht. Deshalb freue ich mich besonders, dass so viele mitgemacht haben. Erobique zum Beispiel, also Carsten Meyer aus Hamburg, oder Westbam, Modeselektor und Deichkind. Die haben den „HalluHillu“-Hit von den HostiBros gemacht. Das ist ein Track, der früher vielleicht ja sogar ein Hit geworden wäre. Heute kann man das eigentlich nur lustig finden.

Ab 31.8.17 im Kino,  Preview am 28.8.17 im Abaton, 20 Uhr

Vermisst – Gefunden. Pudel wieder auf!

War was? Ja, einiges! Aber davon soll jetzt nicht die Rede sein.

Wichtig ist: Am Donnerstagabend, 17. August 2017, öffnet der gemütliche Hafenrand-Club aka Elbphilharmonie der Herzen aka alternativer-Szenetreff-bla-bla oder einfach Golden Pudel.

Trotz Bauarbeiten fürs Obergeschoss kann dank neuer Betondecke bereits in dieser Woche geöffnet werden. Genau 550 Tage nach dem furchtbaren Brand im Februar 2016 startet der Pudel in seine nicht-endende Saison.

 Endlich spricht wieder die Musik. Im August von Donnerstag bis Sonntag. Ab September wieder sieben Tage die Woche, alle Tage im Jahr und nun immer schon um 20 Uhr – für mehr Kneipe, für mehr Nachbarschaft!

Wie es drinnen aussieht? Überraschung!

 

Exklusive Einblicke in das neue Pudel-Leben und mehr zum Programm gibt’s in der neuen Ausgabe der SZENE HAMBURG. Die neue Ausgabe erscheint am 31. August 2017.

Weitere Infos auf www.pudel.com 

Text: Ole Masch 

Abgebrannt: Das Feuer im Februar 2016 zerstörte nicht nur den Kult-Club, sondern auch viele Hamburger Herzen. Jetzt geht’s endlich weiter. Foto: Change22 / Wikipedia

Sommer in Altona: Kultur im Biergarten

Das Zirkuszelt am Nobistor feiert Bergfest. Knapp zwei Wochen hat der Sommer in Altona jetzt schon auf dem Buckel – jetzt kommt die Kultur in den Biergarten – für lau und open air!

Klar ist: Das Konzept begeistert. Das Festival aus Musik und Kunst hat sich schon in die Herzen der Hamburger gespielt. Für sie gab’s laue Nächte im Zirkuszelt, unter anderem mit Tinariwen, Ronja von Rönne, Lambchob oder Me And My Drummer.

Jetzt legt das Sommerfestival noch einen drauf:

Neben den Konzerten im Zelt gibt’s ab nächster Woche jede Menge toller Events im Biergarten:

Mo, 14.08. Tim Jaacks / Hamburger Küchensession gehen raus!
Mi, 16.08. Leserpistole (Lesung)

Do, 17.08. OVE / Hamburger Küchensession gehen raus!

Sa, 19.08. „Zwei wie Ironie & Sarkasmus“ / Geschichten aus der Hölle des Alltags: Ein Biergarten-Abend mit Viktor Hacker und Jan Turner

Di, 22.08. Sebastian Hackel / Hamburger Küchensession gehen raus!
Sa, 26.08. Joe Astray

Eintritt: Ein Experiment – jeder gibt das, was es ihm wert ist.

Beginn ist jeweils um 19:00 Uhr.

 

Sommer in Altona, 30.7-30.8.17, www.sommerinaltona.de

 


Diese Konzerte im Zelt solltet ihr auch nicht verpassen:


Dalida

Melancholisches und berührendes Portrait eines Mega-Stars, der vergeblich von bürgerlicher Idylle träumte.

Dalida beging am 3. Mai 1987 Selbstmord, 54 Jahre war sie alt und eine der berühmtesten Chansonsängerinnen Frankreichs. Mehr als 2000 Lieder in 15 Sprachen hat sie aufgenommen, produzierte einen Hit nach dem anderen: „Ciao, ciao bambina“, „Am Tag, als der Regen kam“, „Besame Mucho“, „Gigi L’Amoroso“ oder auch „Paroles, paroles”. Als erste Künstlerin erhielt sie eine Diamantene Schallplatte – doch Zahlen sagen wenig über den Menschen aus.

Lisa Azuelos (“LOL”) gelingt mit „Dalida” das scheinbar Unmögliche, eine Annäherung an den Mythos. Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin schildert die Protagonistin ihres Films zwischen Triumphen und Niederlagen als eine Frau voller Widersprüche: auf der Bühne glamourös, atemberaubend, privat oft verzweifelt, einsam, auch wenn die Männer, gleich welchen Alters sie umschwärmen. Ihre Schönheit, Eleganz, ihr Lächeln, jene unvergleichliche Stimme mit dem tiefen, dunklen Timbre und dem rollenden „R“ verzaubert sie alle.

Dalida, 1933 als Kind italienischer Einwanderer in Kairo geboren, heißt mit bürgerlichem Namen Yolande Gigliotti. Sie ist eine unkonventionelle, mutige Frau, ihrer Zeit weit voraus, bereit, wenn es sein muss, jedes Tabu zu brechen. Und doch taugt sie nicht zur Rebellin. Im Gegenteil, eigentlich würde die begnadete Sängerin nur zu gern mit einem ihrer Fans tauschen, Kinder haben, daheim den Haushalt führen, die Karriere aufgeben.

Grandios, wie sich Sveva Alviti in Dalida verwandelt, als Ikone der Popkultur im Scheinwerferlicht zur Chronistin ihres eigenen Leids wird. Während die Chansons dreier Jahrzehnte mit der Handlung verschmelzen, begreift der Zuschauer zum ersten Mal wirklich die Texte, die Tragweite ihrer Worte, den Schmerz, die Hoffnungslosigkeit („Je suis malade”). Ob Heirat oder Liaison, alle Beziehungen enden ohne Ausnahme tragisch. Ihre große Liebe, der italienische Sänger Luigi Tencon, bringt sich 1967 während des Festivals in San Remo um, als der gemeinsame Beitrag “Ciao amore, ciao“ bei der Jury durchfällt. Wenig später will auch Dalida sterben. Mehrere Tage liegt sie im Koma. Selbst der Tod hätte sie nicht gewollt, sagt sie später.

Regie: Lisa Azuelos. Mit Sveva Alviti, Riccardo Scamarcio, Jean-Paul Rouve. Ab 10. August

/ Text: Anna Grillet / Fotos: Luc Roux