#5 Kellerkneipe: Mutter

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #5 Mutter.

Meine Mutter. Immer da, wenn man sie braucht. Umgibt einen mit ihrer Wärme. Hat ein Ohr. Stellt ein kühles Pilsner Urquell auf den Tisch und fragt, wie’s so läuft. Immer freundlich, nie aufdringlich. Aber besonders gastfreundlich: Die Bude ist immer voll. Nachbarn aus der Schanze, Musiker, Medienmacher, Bohemiens, manchmal auch Touristen. Das Szene-Volk, jung und alt, fühlt sich hier im Souterrain zu Hause. Ja, auf die Mutter ist Verlass. Öffnet abends um 20 Uhr. Schließt nie vor 4 Uhr morgens. „Und wenn wir hier nur einen Gast haben, die Mutter bleibt offen“, sagt Knut und zieht genüsslich an der Zigarette. Vor 19 Jahren hat er die Bar zusammen mit Eike, dem auch das Kitty und der Salon Stoer gehören, gegründet. Ihr Erfolgsrezept: Sein und sein lassen.

Was die Mutter nicht ist: ein Baggerschuppen. „#Metoo, so was gibt’s hier nicht“, sagt der 51-Jährige. „Frauen wissen, dass sie hier ihre Ruhe haben.“ Die finden sie in einer der vielen Ecken, denn die Mutter ist geschnitten wie alle Wohnungen in dem Haus: viele kleine Räume und ein langer Flur. Die begehrtesten Plätze sind die am Tresen. Mit Blick auf die Straße und nah am Zapfhahn. Das Glas in der einen Hand, den Kopf in der anderen, lässt sich hier die Zeit verquatschen. Der Job, die Liebe, das Leben. Und plötzlich ist es wieder morgen. Nur am Sonntag, da müssen wir leider woanders hin. 

Kneipengründungsjahr: 1998
Fassbiere: Jever
Musikstil: Wer hinterm Tresen steht, entscheidet, was läuft. „Zum Glück mag niemand von uns Schlager.“
Rauchen: Ja
Besonderheit: Zuverlässig bis 4 Uhr morgens geöffnet, „auch wenn wir hier allein sitzen“.

Text: Ilona Lütje

Foto: Michael Kohls

Stresemannstraße 11 (Sternschanze), Mo-Sa 20–4 Uhr; www.facebook.com/MutterHH

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


Y’akotos Hood #1 – Schmidtchen Barmbek

Die Sängerin und Songschreiberin lebt mittlerweile in Paris. In Hamburg war Barmbek ihre Basis.

Mit uns hat Y’akoto Ausflüge zu ihren fünf Lieblingsplätzen gemacht und erzählt, was daran so besonders ist. Hier kommt Tipp Nummer 1: Das Schmidtchen.

„Ich bin aus Geldmangel nach Barmbek gezogen, konnte mir die Schanze nicht mehr leisten. Und diese Rotklinkergegend mochte ich sofort, vor allem dieses damals noch total unaufgeregte Café. Hier saß ich immer und habe geschrieben. Ich habe Espresso aus guten Maschinen getrunken und an Konzepten gearbeitet, zum Beispiel an Storys für Videos. Manchmal habe ich auch einfach Mails beantwortet. Für solche Sachen bin ich immer gerne raus gegangen. Im Café ist man ja alleine, aber doch nicht alleine. Als das Schmidtchen noch ganz neu war, kam ich oft her. Mittlerweile ist es mir zu voll. Barmbek wird ja jetzt cool.”

Protokoll: Erik Brandt-Höge

Foto: Ana Maria Arevalo

Schmidtchen Barmbek: Friedrichsberger Straße 66 (Barmbek), www.schmidt-und-schmidtchen.de

Y’akoto Live: 21.4.18, 20 Uhr, Gruenspan

 


 

Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Bedrohte Räume #21: Der „Lange Jammer“ von Barmbek

Eine Stadt verspielt ihr historisches Erbe.

Neulich spazierte ich kreuz und quer durch Barmbek, dem Lotto King Karl Hamburgs. Dort, wo ich als Kind meine Mutter von der AOK abholte, nachdem ich „Gitarre“ bei Guilio Guilietti hatte. Guilio Guilietti. Verheißungsvoller konnte der Name des italienischen Gitarrenlehrers kaum sein und doch war es Guilio Guilietti, der meine Liebe zur Musik fast auf dem Gewissen gehabt hätte. Wäre da nicht meine Freundin Hedda aus der Hebebrandstraße 8 gewesen, die genau da lebte, wo damals die armen Leutchen wohnten: Bei Oma im „Langen Jammer“, 40 Quadratmeter, ohne Klo und Dusche, dafür mit Kaninchen. Hedda wusste, wenn ich meine alte Gitarre bei Onkel Hans im Hühnerstall versteckte, bräuchte ich nie wieder zu spielen. Denn Onkel Hans würde das Ding sofort schrotten. Sie sollte Recht behalten. Die Gitarre war und blieb, auch nach dem krassesten Anschiss des Jahrhunderts, für ewig verschollen. Ich war frei.

Erst viel später, als ich mit Hedda und ihrem Pinscher Wastel meine erste Band gründete, bemerkte ich, was für irre Häuschen das waren, in denen Hedda wohnte. Überall trällerten die Vögel, die Eingänge waren dick verrankt und alles war hobbitartig verwunschen. Diese alten Gesindehäuser boten uns ein dörfliches Idyll, in denen die Zeit stehen geblieben war. Für uns waren sie Übungsraum, Zuhause und Museum in einem. Sie waren Zeitzeugen. Erinnerung. Unser.

Doch die Häuser hießen nicht „Langer Jammer“, wenn es nicht wieder diese miese Hamburgensie gäbe, die einmal mehr den Profit über die Erinnerungskultur stellt. Die historischen Häuser aus dem 19. Jahrhundert stehen zwar unter Denkmalschutz, doch ihre Eckgrundstücklage ist einfach zu verlockend, als dass sich der Hamburger Senat für ihren Erhalt ausspräche. Sie wissen ja, kaum entdeckt und schon verhökert, so heißt es bei GNTM und auch bei unseren Verantwortlichen heute. Und, ob sie nun Scholz, Tschentscher, Stapelfeldt oder Steffen heißen, seit einiger Zeit packt mich bei Politikern mit Zischlaut im Nachnamen die geistige Flucht.

Der Senat setzt sich wieder gnadenlos über den Denkmalschutz hinweg und opfert auch dieses bauliche Erbe Hamburgs. Vandalen handeln bereits im Sinne der geplanten Zerstörung. Eine saftige Rendite beim Verkauf von begehrten städtischen Grundstücken wird dem Erhalt vorgezogen. Die ECE (Slogan: „Urbane Marktplätze der Zukunft!“) plant aktuell, die Hälfte der intakten Häuserzeilen abzureißen und den Rest zu entkernen, um einen schicken „Tagungsort“ draus zu machen. Dabei ist gerade der bescheidene Zuschnitt der historisch wertvollen Wohnungen so wichtig. Es gäbe ja längst Interessenten, die sich um das Heil der Häuser bemühen wollen, doch von Senatsseite wird abgeblockt. Komm schon, Du Herr Scholz, nur einmal, bevor Du gehst …

Und so trotte ich an der Fuhlsbüttler Straße Richtung Steenkoppel entlang und wieder zuckt die Faust in der Tasche. Denn, während Willi-Bredel-Gesellschaft, Denkmalschutzverein und Geschichtswerkstatt beharrlich eine Erinnerungskultur fordern, ist dieser Ort für mich das Versteck vor Guilio Guilietti. Doch für die Stadt ist es nur ein sogenanntes Potenzialgebiet.

Eure Raumsonde 

Andrea

Beitragsbild: Ana Maria Arevalo


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

 

 

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie auf Ihrer Website

 


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Neues Clubhaus an der Sternschanze?

Sobald die Deutsche Bahn die Sternbrücke saniert, müssen Waagenbau, Fundbureau und Astra Stube weichen. Derzeit wird über eine mögliche Alternative für die beliebten Schanzenclubs debattiert. SZENE HAMBURG sprach mit Waagenbau-Chef John Schierhorn über Pläne und Kritik.

SZENE HAMBURG: John Schierhorn, die Bezirksversammlung Altona hat sich kürzlich mit einer möglichen Ausweichfläche für die Sternbrückenclubs beschäftigt. Worum ging es genau?

John Schierhorn: Es ging um die Bebauung einer Fläche direkt am Bahnhof Sternschanze. Dort gibt es einen Bahndamm zwischen den Eingängen von U- und S-Bahn gegenüber vom Park. Diese könnte prinzipiell bebaut werden. Allerdings stehen dort viele Bäume und zudem werden neue Bauprojekte im Stadtteil aus gutem Grunde oft erst einmal kritisch beäugt. Im Moment liegt z. B. eine Idee einer privaten Immobilienfirma, der Steg (Stadtentwicklungsgesellschaft, Anm. d. Red.) vor.

Wie steht ihr zu diesen Plänen?

Erst einmal sind wir der Meinung, dass der Standort am Bahnhof für uns Clubs optimal wäre. Wir werden in zwei bis drei Jahren unsere Spielstätten an der Sternbrücke final verlieren. Dies ist der einzige Platz, an dem wir Clubs weiter zusammen und im Stadtteil bleiben können. Das ist natürlich eine großartige Chance. Allerdings sind wir der festen Überzeugung, dass wir zunächst mit dem Stadtteil zusammen schauen sollten, was genau dort wie gebaut werden kann und soll. Ich denke, dazu brauchen wir weder die Steg noch andere Unternehmen, die dort erst einmal Profit wittern. Entsprechend sind wir zu dem Thema mit dem Stadtteilbeirat und der Politik im Gespräch, nicht jedoch mit der Steg.

Welche Voraussetzungen gibt es für euch, damit ein Umzug in Frage kommt?

Wir möchten ein Konzept erarbeiten, das aus dem Stadtteil kommt und für konkrete Nutzer geplant wird. Dazu braucht es viele Gespräche und eine breit angelegte Beteiligung der Anwohner. Nicht als Informationsveranstaltung, sondern als echte Mitbestimmung. Außerdem sollte das Projekt vom Fleck weg gemeinnützig geplant werden.

Verlieren die Clubs in einem Neubau nicht ihren eigentlichen Charme?

Die Gefahr besteht, wenn man es scheiße macht. Keine Frage. Dazu gibt es auf dem Kiez ja genug Beispiele zu bewundern. Aber dass es auch anders geht, haben die Kollegen vom Hafenklang vorgemacht. Dort ist es ja nach dem Exil sogar noch geiler geworden. Wir glauben daran, dass wir mit dem Umzug einen Schritt nach vorne machen und uns für die nächsten Dekaden aufstellen können. Und da wollen wir hin.

Der Stadtteilbeirat Sternschanze kritisiert, dass für das Projekt viele Bäume gefällt werden müssten. Wie geht ihr damit um?

Das ist eines der großen Probleme. Wenn dort gebaut wird, dann sollte es möglichst minimalinvasiv sein. Einfach alle Bäume fällen, kommt auf keinen Fall in Frage! Für die Clubs brauchen wir jedoch auf der anderen Seite eine gewisse Grundfläche. Hier gilt es in meinen Augen, einen Kompromiss zu finden. Und natürlich gefällte Bäume zu ersetzen. Auch dafür braucht es eine solide Planung abseits kommerzieller Interessen. An einigen Stellen wird zusätzlich behauptet, dass dort Grünfläche verschwindet. Wer die Fläche kennt, weiß sofort, dass so etwas nur von Menschen kommen kann, die den Stadtteil höchstens von Spaziergängen kennen.

Wenn es dort nicht klappt, was ist die Alternative?

Wollen wir zusammen und im Stadtteil bleiben, gibt es keine uns bekannte Alternative. Auch die Brammerfläche (heute Central Park und Bauwagenplatz Zomia, Anm. d. Red.) kommt nicht mehr in Frage und dann müssten wir jahrelang pausieren. Ein Todesurteil für Clubs. Einen Plan B haben wir auch noch nicht. Aber natürlich suchen wir parallel nach Alternativen, falls es am Bahnhof nichts wird. Für gute Ideen sind wir dankbar!

Interview: Ole Masch

 


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

BierSZENE – Beerfluencer

Diese 6 Bier-Blogger solltest du kennen!

Fashion, Food, Sport – Influencer gibt es auf der ganzen Welt und wohl zu jedem Thema, natürlich auch im Bereich Craft Beer. In dieser BierSZENE stelle ich euch meine absoluten Lieblinge vor.

BEERFLUENCER AUS HAMBURG

Die Hamburger Jungs: beyondbeer

Auf dem Channel rund um die Jungs von Maximilian Marner bekommt ihr alle Infos rund um die skandinavische und englische Kreativbierszene. Per Instagram-Daily-Update verkündet Beyond das Arrival der heißesten Ware aus Nordeuropas Biernirwana. Die kleine, aber feine Biernerdszene Hamburgs gibt sich bei den Jungs regelmäßig die Klinke in die Hand und wird durch diesen Channel gleichzeitig optimal auf dem Laufenden gehalten.

 

BEERFLUENCER AUS DEUTSCHLAND

Die Craftbeer-Göttin: olivia.drinksbeer

Dieses sympathische Thüringer Mädel ist durch Zufall zum Beerfluencer geworden. Olivia Pelz ist in ihrer Wahlheimat Frankfurt am Main auf die Craftbeerbar „Naiv“ gestoßen und fing ganz unbewusst an, Kreativbier zu trinken. Durch die Bierauswahl und den Kontakt zu anderen Bierbloggern auf Instagram, kam Sie erst so richtig auf den Geschmack. Inzwischen folgen Olivia über 4000 Follower – nicht zu Unrecht, wie ich finde. Sie versteht es verdammt gut, Frau und Bier gemeinsam charmant in Szene zu setzen.

BEERFLUENCER AUS DER GANZEN WELT

Die Newcomer: pintgeneral

Die Community der beiden Jungs aus Finnland liegt zurzeit zwar nur bei gut 400 Followern, aber das wird ganz sicher nicht lange so bleiben. Warum? Außergewöhnlich kreative Aufnahmen von Bieren, die super inszeniert sind! Wenn die zwei so weitermachen, ist eine Verzehnfachung der Follower nur eine Frage der Zeit, da bin ich mir sicher.

Auf die Katze gekommen: lorenzothebeercat

Dieser Channel ist im wahrsten Sinne des Wortes auf die Katze gekommen! Jede Bieraufnahme wird von einer oder mehreren genervt reinblickenden Katzen gekrönt. Mega Bilder! Das sehen übrigens auch über 7000 Follower so.

Der Craftbeermessias: igarretoliver

Garrett Oliver, Braumeister der Brooklyn Brewery, hat sich bereits mit Foodpairing beschäftigt, als niemand in Europa nur einen Gedanken daran verschwendet hat. Anfang der 90er bereist Garrett Länder wie England, Belgien und Deutschland, um seine Erfahrung mit Aromen zurück in die USA zu importieren. Ohne ihn wäre das Thema Beerpairing – zumindest in New York – wohl deutlich langsamer in die Gänge gekommen. Mit etwas über 15.000 Followern mag er in Amerika influencertechnisch sicherlich nicht zu den Schwergewichten gehören, jedoch ist seine Bedeutung als Beerfluencer nicht wegzudiskutieren und seine tollen Beiträge für mich nicht wegzudenken.

Das Schwergewicht: eviltwinbrewing

Jeppe Jarnit-Bjergsø, Gründer von Eviltwinbrewing hat den Sprung über den Teich in Rekordzeit geschafft. Der Däne ist eigentlich Lehrer und hat 2010 in Kopenhagen angefangen Bier zu brauen und zu verkaufen. So erfolgreich, dass er inzwischen auch eine Bar in Brooklyn betreibt. Seinem Channel folgen inzwischen knapp 100.000 Follower – ein absolutes Schwergewicht unter den Beerfluencern. Whoa!

Falls ihr nun auch Lust habt, euch zum Trinken von richtig guten Kreativbieren verführen zu lassen, schaut doch mal bei dem einen oder anderen dieser tollen Kanäle vorbei. Ich verspreche: Die machen durstig!

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel


Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

KRACH+GETÖSE: Bestenförderung

Zum zehnten Mal geben RockCity Hamburg e. V. und die Haspa Musik Stiftung dem musikalischen Nachwuchs der Stadt einen ordentlichen Anschwung.

Gar nicht so leicht, sich als Newcomer im Musikgeschäft zurechtzufinden. Die Industrie wirkt wie ein Haifischbecken, schnelle Geldmache geht oft vor gesundem Wachstum. Dem treten RockCity Hamburg e. V. und die Haspa Musik Stiftung entgegen. Zum zehnten Mal suchen sie „Musik von hier“, also Künstler, solo oder mit Band, die besonders talentiert und spannend und damit eben auch enorm unterstützenswert sind. KRACH+GETÖSE ist der Hamburger Musikpreis, der weniger Award als eine Brücke für die Gewinner bedeutet. Sie erhalten eine zwölfmonatige maßgeschneiderte Bestenförderung, bestehend aus einem Preisgeld von je 1.200 Euro, Festivalslots, Recordings, Coachings, Plakatierungsaktionen, Instrumenten und Konzerten im In- und Ausland. Vom 14. März bis zum 11. April können sich Musiker unter www.krachundgetoese.de bewerben. Zusätzlich nominieren 50 Musikexperten ihre persönlichen Hamburger Favoriten. Eine Fachjury, in der u. a. Ali Zuckowski, Booty Carrell und Johnny Mauser (Neonschwarz) sitzen, entscheidet schließlich über die Preisträger. Dass KRACH+GETÖSE funktioniert, haben die Karrieren von Gewinnern aus den Vorjahren gezeigt, unter ihnen Haiyti, Fuck Art, Let’s Dance! und Tonbandgerät.

Text: Erik Brandt-Höge

www.krachundgetoese.de
www.rockcity.de
www.haspa-musik-stiftung.de


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Watu Wote: And the Oscar goes to … Hamburg?

Die Hamburg Media School-Absolventin Katja Benrath wurde mit ihrem Kurzfilm Watu Wote für den Oscar nominiert. Wir haben mit ihr und ihrem Team gesprochen: über Authentizität, die Dreharbeiten in Kenia und die Kleiderfrage zur Oscar-Verleihung.

Es sind nur rund 20 Minuten. Die aber so intensiv und berührend sind, dass man unbedingt ein Taschentuch bereithalten sollte. Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt HMS-Absolventin Katja Benrath eine Geschichte über Hass und Angst, Mut und Menschlichkeit in Nordkenia: Hier herrschen kriegsähnliche Zustände, zwischen Muslimen und Christen brodeln Hass und Misstrauen. Doch als Terroristen der Al-Shabaab- Miliz einen Reisebus überfallen, um alle Ungläubigen zu erschießen, stellen sich die Muslime unter Einsatz ihres Lebens vor ihre christlichen Mitreisenden. Zwei von ihnen werden angeschossen; einer von ihnen, ein Lehrer und Vater von fünf Kindern, stirbt später an seinen Verletzungen. Mehr als 30 Auszeichnungen räumte der Kurzfilm bereits ab, darunter den Studenten-Oscar. Wenn in der Nacht vom 4. auf den 5. März in L.A. die richtigen Oscars verliehen werden, könnte auch die wichtigste Auszeichnung der Branche noch dazukommen: „Watu Wote“ wurde in der Sektion Kurzfilm nominiert. Wir haben die sympathische 38-jährige Regisseurin getroffen – zusammen mit Drehbuchautorin und Cutterin Julia Drache sowie Kameramann Felix Striegel. Das war Katja Benrath wichtig: Denn diese beiden und Produzent Tobias Rosen, so sagt sie, hätten zum Gelingen des Filmes genauso viel beigetragen wie sie selber.

SZENE HAMBURG: Am Abend der Oscar- Nominierung hattet ihr Premiere in Kenia. Wie kam der Film dort an?
Katja Benrath: Die fanden ihn gut. Viele der Zuschauer gehörten natürlich zur Crew und zur Besetzung, ganz normal, dass manche dann gelacht haben, wenn sie sich erkannt haben. Das war bei dieser Thematik trotzdem ein sehr interessantes Erlebnis.

Wie realistisch ist denn eure Verfilmung?
Julia Drache: Wir haben mit sehr vielen Leuten gesprochen, die wirklich in dem Bus saßen, und haben sehr viele unterschiedliche Geschichten gehört. Unsere Version ist ein Mix aus dem, was uns am realistischsten erschien. Die muslimischen Frauen haben definitiv Kopftücher verteilt, und sicher ist auch, dass niemand die Christen verraten hat. Und es gab den Lehrer Salah Farah, der später an seinen Verletzungen gestorben ist, der die Terroristen offen konfrontiert hat.

Und die Hauptfigur?
Katja Benrath: Sie ist angelehnt an eine Person, die es wirklich gibt. Natürlich hätte sich der Lehrer als Hauptfigur angeboten. Aber dann hätten wir eventuell die Geschichte dieses Menschen, der auch noch gestorben ist, verändern müssen, dramaturgisch anpassen, unwahre Dinge hinzuerfinden. Das erschien mir anmaßend. Wir haben also eine fiktive Figur mit christlichem Background in den Bus gesetzt. In eine andere Kultur zu gehen und dort als jemand von außerhalb eine Geschichte zu erzählen, finde ich ohnehin sehr schwierig und manchmal fragwürdig. Eine Hauptfigur mit einem anders gefärbten Background ist eine zusätzliche Herausforderung und wir fanden die Christin auch als Identifikationsfigur eine gute Entscheidung.

Julia Drache: Die Christin, mit der wir gesprochen haben, war noch schwer traumatisiert und hatte Schwierigkeiten zu akzeptieren, dass sie tatsächlich von Muslimen gerettet wurde. Unsere Hauptfigur im Film benimmt sich, genau wie die reale Frau, zunächst sehr feindselig gegenüber den muslimischen Mitpassagieren, obwohl sie ihr nichts getan haben. Sie positioniert sich so offen gegen sie, dass man eigentlich denkt, niemand würde ihr im Ernstfall helfen. Das macht den Schluss natürlich viel stärker, denn trotz all der Anfeindungen stellen sich die muslimischen Mitreisenden schützend vor sie und die anderen Christen.

Der Film wirkt extrem authentisch. Wie habt ihr das als Europäer hinbekommen?
Katja Benrath: Intensive Beschäftigung und Empathie spielen eine Rolle. Die gemeinsame Entwicklung der Geschichte. Dann die großartige Kamera- arbeit. Sehr unmittelbar, ganz dicht dran und mitten im Geschehen. Und dann waren wir vier, fünf Monate vor Ort und haben da sehr eng mit den kenianischen Filmemachern zusammengearbeitet.

Felix Striegel: Wir sind ja nicht nach Nairobi geflogen, haben Urlaub gemacht und dann anderthalb Wochen gedreht, sondern uns ganz intensiv mit dem Land und den Leuten auseinandergesetzt. Wir haben in einer ganz normalen Wohnung in Nairobi gewohnt und monatelang den Alltag miterlebt. Da bekommt man schon einen anderen Bezug und einen anderen Blick auf das Land.

Wie wurdet ihr und euer Plan denn aufgenommen?
Felix Striegel: Erstaunlicherweise besser als zuerst erwartet.

Katja Benrath: Ja, der Dialog war sehr schnell da.

War es schwierig, Schauspieler zu finden? Gerade bei diesem Thema?
Katja Benrath: Wir hatten tatsächlich viele Bewerber, es gibt in Nairobi eine ziemlich große Theaterszene und dann ja auch Tom Tykwers Produktionsfirma „One Fine Day“, die seit acht Jahren in Kenia Filme dreht. Das Schwierigste war, somalische Schauspieler zu finden. Am Ende haben wir dann sogar zwei aus Minnesota eingeflogen, die schon mit Tom Hanks in „Captain Phillips“ gespielt haben. Aber die meisten sind tatsächlich Laiendarsteller.

Dream-Team (v. l.): Tobias Rosen, Katja Benrath, Julia Drache und Felix Striegel. Foto: Hamburg Media School

Dream-Team (v. l.): Tobias Rosen, Katja Benrath, Julia Drache und Felix Striegel. Foto: Hamburg Media School

Kann man denn im Film erkennen, ob jemand wirklich Somali ist?
Felix Striegel: Ja, klar! Das ist ein riesiger Kontinent mit unglaublich vielen Ethnien und Stämmen, die sich vom Teint, von der Physiognomie her unterscheiden. Alleine in Kenia gibt es 42 verschiedene Stämme! Die Somali haben ganz andere Gesichtszüge und einen ganz anderen Teint. Man hätte nicht einfach irgendjemanden nehmen und ihm ein Kopftuch aufsetzen können. So etwas wollten wir nicht, das wäre auch rassistisch und menschenverachtend. Wir wollten nicht einfach Klischees bedienen.

Katja Benrath: Das war übrigens auch die größte Sorge der kenianischen Filmemacher, sie haben bei internationalen Filmproduktionen sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Ist es nicht merkwürdig, in einer Sprache zu drehen, die man nicht versteht?
Katja Benrath: Die paar Sätze, die im Film vorkommen, kann ich inzwischen. Julia hat das Drehbuch auf Englisch geschrieben, und wir haben es übersetzen lassen. Ich habe dann sehr eng mit der Casterin zusammen- gearbeitet, die beurteilen konnte, ob das authentisch klingt. Ich fand es eigentlich nicht so problematisch. Die Kommunikation im Team war immer auf Englisch.

Das klingt jetzt alles so unkompliziert. So einfach war es aber nicht, oder? Felix, wurde dir nicht zum Beispiel die Kamera geklaut?
Felix Striegel: Ja, genau. Das war natürlich ein Schock. Glücklicher- weise war das noch kurz vor dem Dreh, sodass wir noch Ersatz besorgen konnten. Wäre das später passiert, hätte es wohl das Aus für den Film bedeutet. Wir hatten ja 50 Komparsen und noch mal fast 50 Leute Team, wir hätten das nicht mehr verschieben oder die Drehorte ändern können. Es gibt eigentlich nichts, das bei diesem Dreh nicht passiert wäre. Der Hauptdarsteller war während des Drehs ja auch im Gefängnis.

Warum?
Julia Drache: Weil er ein Somali ist. Es war eine ganz ähnliche Razzia wie die, mit der wir in den Film einsteigen, bei der Somalis manchmal grundlos verhaftet werden, wenn sie keinen Ausweis dabeihaben.

Katja Benrath: Gerade weil die Somalis so verfolgt werden, war es für sie wirklich eine Frage des Muts, bei dem Film mitzumachen. Bei den Castings waren einige, die dabei sein wollten, aber ohne ihr Gesicht zu zeigen. Weil sie tatsächlich eine Gefahr witterten, wenn sie sich im Film so klar gegen Al-Shabaab positionieren.

Bislang gab es aber keine Repressalien?
Katja Benrath: Nein.

Dann reden wir von etwas Schönem. Ihr wart gerade beim Oscar-Lunch der Nominierten in L. A?
Katja Benrath: Unser Produzent Tobias Rosen und ich waren da.

Und du hast mit Meryl Streep gesprochen …
Katja Benrath: Ja, ich habe kurz mit ihr die Kleiderfrage geklärt.

Ha! Gibt es wieder einen #MeToo- Dresscode?
Katja Benrath: Nein. Meryl Streep hat mir sinngemäß gesagt: Trag, was immer du tragen möchtest und mach den Mund auf, wenn es notwendig ist. Das fand ich sehr schön.

Was haltet ihr denn davon, wie diese Debatte verläuft? Ist das nicht langsam ein bisschen hysterisch?
Julia Drache: Allein die Tatsache, dass viele Frauen es offenbar über Jahrzehnte nicht gewagt haben, über sexuelle Belästigung bis hin zu Missbrauch zu sprechen, zeigt doch, dass diese Debatte längst überfällig war. Hysterisch finde ich daran gar nichts. Man muss natürlich darauf achten, dass alle Vorwürfe geprüft werden. Aber ich denke, dass es allein aufgrund der Debatte seltener bis zum Schlimmsten kommen wird. Und wenn doch, werden die Frauen viel wahrscheinlicher gleich aufstehen und den Mund aufmachen. Natürlich gibt es jetzt die armen Männer, die sagen, sie trauen sich gar nicht mehr, einer Frau ein Kompliment zu machen oder zu flirten. Aber denen sei gesagt: Wenn ihr irgendwelche Zweifel habt, dass euer Verhalten unangebracht ist, dann lasst es einfach gleich bleiben. (Die anderen beiden nicken)

Dann kommen wir zur wichtigsten Frage überhaupt: Was zieht ihr an?
Felix Striegel: Ich werde von Thorsten Lewin aus dem Portugiesenviertel gesponsert. Von ihm bekomme ich einen sehr coolen Smoking.

Julia Drache: Ich war gerade in Ottensen bei Estomo, die schneidern mir ein Kleid.

Katja Benrath: Im Rahmen der Solidarisierung habe ich mich für ein schwarzes Outfit entschieden und werde von Kaviar Gauche Berlin ausgestattet.

Und was macht ihr mit dem Teil, wenn ihr es wirklich gewinnt? Wie viele davon bekommt ihr eigentlich? Einen?
Katja Benrath: Leider kann man neben der Regie nur einen weiteren anmelden. Finde ich falsch, denn alle haben ihren Teil geleistet. Wir haben uns für den Produzenten entschieden. Wenn wir gewinnen sollten, geben wir vielleicht einen nach Kenia, und den anderen reichen wir wie einen Wanderpokal hier in Hamburg rum. Oder teilen ihn in vier Stücke …

Und wie geht’s jetzt weiter? Bleibt ihr vier zusammen?
Katja Benrath: Wir haben gerade alle diverse eigene Projekte, planen aber, zusammen ein dänisches Jugendbuch zu verfilmen. Das wurde gerade in dieser Konstellation gefördert und Julia ist dabei, das Drehbuch zu schreiben.

Julia Drache: Ja, ich adap-tiere gerade den Roman „Pferd, Pferd, Tiger, Tiger“ von Mette Eike Neerlin. Es geht um ein Mädchen, das mit einem drogendealenden Vater, einer nicht so ganz zuverlässigen Mutter und einer geistig behinderten Schwester aufwächst. Sie ist die „Erwachsenste“ aus der Familie, kümmert sich liebevoll um jeden und vergisst dabei sich selbst. Als sie zufällig in einem Hospiz landet, freundet sie sich mit einem im Sterben liegenden Mann an und lernt durch ihn, mehr an sich zu denken und auch mal „Nein“ zu sagen. Klingt nach hartem Tobak, ist aber sehr, sehr rührend und vor allem auch lustig.

Text & Interview: Maike Schade

Live-Übertragung der Oscar-Verleihung im Savoy Filmtheater, 4.3., 23.30 Uhr; „Watu Wote“ im TV: 8.3., BR, 0.30 Uhr

Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

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Deichtorhallen: Die langen, dunklen Schatten der Bilder

Von Moskau über New York nach Hamburg: Was die Zeichnungen Robert Longos mit Goyas Radierungen und Eisensteins Filmen zu tun haben

Ein paar geschickt geworfene Tennisbälle über den Dächern von New York starteten um 1980 die Blitzkarriere des Robert Longo (*1953). Er beballerte auf dem Dach seines Manhattaner Ateliers Freunde wie Cindy Sherman oder Larry Gagosian, die in properen Business-Outfits antraten, fotografierte ihre jähen Schreckens- und Ausweichgesten und setzte diese in die großformatigen Schwarzweiß-Zeichnungen seiner Men in the Cities um.

Verrenkt, ausgeknockt, eingefroren in exzentrische Gesten. Tänze am Abgrund, Todestänze gar? Ekstasen und Agonien – in diesen Bildern schien die Essenz der Achtzigerjahre geronnen, bevor diese recht begonnen hatten. Die Kunstszene liebte Longos coolen Drive, der aber steigerte sich bald in krude Multimedia-Extravaganzen hinein. Da brach die Kritik den Stab über ihn und witzelte: „Robert Long Ago“.

In den 1990er Jahren aber fand der Künstler zurück zum Schwarzweiß, zur Zeichnung. Mit unzähligen Kohlestiftstrichen zerdehnte er den kurzen schrillen Moment, in dem Medienbilder aufblitzen und verglühen. Er ließ sie „vom Auge zur Hand“ (Longo) gleiten: Er zeichnete Pressefotografien, in denen der Schrecken der Gegenwart gerinnt, so ab, als konserviere er ihre langen, dunklen Schatten: 2015 etwa das Foto der Fensterscheibe, die eine der Kugel des „Charlie Hebdo“-Attentats durchschlagen hatte.

Vor zwei Jahren entwickelte Longo gemeinsam mit Kate Fowle, der Chefkuratorin des Garage Museum of Contemporary Art in Moskau, eine Idee: Wie wäre es, die eigenen Bilder von Gewalt, Tod und Schrecken auszustellen, zusammen mit Werken zweier Künstler, in deren Oeuvre sich die soziale und politische Realität ihrer Zeit ähnlich zuspitzt: zusammen mit dem großen spanischen Wirklichkeitsdurchdringer Francisco de Goya und dem russischen Filmemagier Sergei Eisenstein? Die Idee zündete und die Schau kommt nach Stationen in Fowles Moskauer Haus und im New Yorker Brooklyn Museum jetzt in die Deichtorhallen.

Foto: Robert Longo

Robert Longo: Untitled (American Bald Eagle) 2017

Nacheinander wird man dort die Imaginationsräume der drei Künstler durchschreiten können: Etwa 50 Aquatinta-Radierungen aus vier Werkzyklen Goyas. 40 Skizzen und etliche Filme Eisensteins, die – nach einer Idee von Longo – mit einem Prozent der normalen Geschwindigkeit projiziert werden, so dass das Geschehen etwa des „Panzerkreuzer Potemkin“ als Abfolge einzelner, sorgsam komponierter und montierter Bilder wahrnehmbar wird. Und dazu etwa zwanzig bis zu 7,5 Meter große Zeichnungen Longos aus den letzten Jahren.

Drei unterschiedliche und doch verwandte Ansätze: Alle drei Künstler dramatisieren Geschichte und alle drei erlebten nicht nur historische Umbrüche, sondern auch die Desillusionierung der Aufbruchshoffnungen ihrer Zeit: der Aufklärung (Goya), der Russischen Revolution (Eisenstein) und der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre (Longo). Und alle drei sind, was die Problematik ihrer eigenen Standpunkte anbelangt, nicht aus dem Schneider: Bei Goya ist es die Nähe zum Hof, dem er mitunter gefällige Porträts lieferte, bei Eisenstein die zum Diktator Stalin, dessen Propagandaapparat er zu bedienen hatte, und bei Longo ist es die Nähe zum Kunstmarkt, der ihn und seine ikonischen Bilder umarmt.

Trotzdem möchte man am liebsten sofort eintauchen in die sicher atmosphärisch dichte Schau, in der sich spannende Resonanzen ergeben dürften – auch wenn man gespannt ist, ob Longos Zeichnungen der Komplexität der beiden anderen Ouevres standhalten. Der Künstler, der so seine Erfahrungen mit der Kritik bemacht hat, baute jedenfalls schon mal vor: Im Katalog merkt er an, er sähe sich „nicht in derselben Liga wie Goya und Eisenstein“.

Text: Karin Schulze

Fotos: Robert Longo

Proof: Francisco Goya, Sergei Eisenstein, Robert Longo. 17. Februar bis 27. Mai in den Deichtorhallen. Eröffnung 16. Februar um 19 Uhr. Im Rahmenprogramm laufen Eisenstein-Filme im Metropolis Kino.


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

WohnSZENE – Mit Stil in die neue Wohnung

(Sponsored) Jeder, der schon mal umgezogen ist, kennt das Gefühl: Das Ein- und Auspacken kann schon mal etwas anstrengend werden – das Einrichten des neuen Zuhauses hingegen macht Spaß und ist inspirierend zugleich. Interior-Bloggerin Sarah Ramroth erzählt uns hier und auf www.wohnfreude.de – dem informativen Lifestyle-Blog der Sparda-Bank Hamburg – wie sich mit Kreativität und guter Organisation die neue Wohnung stillvoll einrichten lässt.

Hej,

in meinem letzten Beitrag habe ich mich mit dem Thema Umzug und den dazugehörigen To-dos beschäftigt. Die beinhalten ja meist eher die Dinge, die leider viel Geld kosten (Umzugswagen, Halteverbotsschilder & Co.), um die man aber auch leider nicht herumkommt. Viel schöner sind da doch die To-dos, die bei einem Umzug anfallen und für die jeder nur allzu gerne Geld ausgibt! Okay. Jeder ist jetzt wahrscheinlich auch wieder übertrieben, aber ich denke die meisten von uns lieben es, sich neue Möbel auszusuchen. Bevor es allerdings zum Schweden & Co. geht, um mal nicht nur Kerzen zu kaufen, sollte man sich im Vorfeld vielleicht einige To-dos überlegen.

Während in der alten Wohnung noch die Farbe weiß dominierte, sind jetzt dank einer dunkelblauen Wand viele Messingakzente eingezogen. Foto: Sarah Ramroth

Ich habe bei meinen letzten Umzug verschiedene To-do-Listen (insgesamt waren es vier) angelegt, um den Überblick zu behalten. Es gab zwei Listen, die sich sowohl mit der alten als auch der neuen Wohnung beschäftigt haben und auf denen jeweils stand, was alles erledigt werden muss. Zusätzlich habe ich zwei Listen geführt, die mir ein wenig mehr am Herzen lagen. Auf der einen habe ich alles notiert, was ich an Möbelstücken und Krimskrams verkaufen möchte. Auf der anderen stand, welche Möbel oder Deko ich mir gerne neu kaufen möchte. Diese Liste war so gesehen das Herzstück meiner Umzugs-To-do-Listen! Sie war wirklich nicht schwer vollzubekommen, da für mich feststand, dass ich nicht vieles aus meiner alten Wohnung mit umziehen lassen wollte.

Die Idee, sich komplett neu einzurichten, klingt für die meisten von uns wahrscheinlich sehr verlockend. Im nächsten Atemzug stellt sich dann allerdings die Frage, woher man das Geld dafür nehmen soll. Und genau das ist der Grund, weshalb viele wieder von dem Gedanken abweichen, bei einem Umzug in neue Möbel zu investieren und doch lieber die alten Möbel mit umziehen lassen. Schließlich ist man ja nicht Krösus und hat mal eben ein paar Tausender auf dem Konto über. In diese Falle wollte ich diesmal allerdings nicht tappen! Es musste somit ein Plan her, wie ich mir meine neuen Möbel finanziere!

Text & Foto: Sarah Ramroth

 Dieser Text ist ein Auszug aus Sarahs Beitrag Einrichten – mit Stil in die neue Wohnung. Weiter geht’s bei www.wohnfreude.de, das Hamburger Online-Magazin rund ums Bauen, Wohnen, Finanzieren mit freundlicher Unterstützung der Sparda-Bank Hamburg eG.


Who the fuck is…

Sarah Ramroth gibt auf wohnglueck.hamburg und  @wohnglueckhamburg (Instagram) seit über einem Jahr praktische Einrichtungstipps und verbindet sie mit ihrer Liebe zu Hamburg. Einmal pro Monat berichtet sie über Hamburger Wohnthemen für www.szene-hamburg.com und www.wohnfreude.de.

Franz Ferdinand: „Wir wollten aufnehmen wie Elvis“

Die schottischen Indie-Popstars haben sich gezielt auf links gedreht. Ein Gespräch mit Sänger Alex Kapranos über die Neuerfindung und den Sound von „Always Ascending“, dem aktuellen Album der Band.

SZENE HAMBURG: Alex Kapranos, fürs neue Album seid ihr in den einsamen Westen Schottlands gezogen. Es heißt, ihr hättet euch gezielt isoliert und nur auf die Gesellschaft von Bobs (Bassist; Anm. d. Red.) Hund gesetzt, als ihr an den Songs gearbeitet habt.
Alex Kapranos: Der Hund hat unser Leben gerettet (lacht). Kleiner Tipp an alle Musiker, die sich für ihre Arbeit mal abschotten wollen: Nehmt einen Hund mit! Er wird dafür sorgen, dass alle freundlich zueinander bleiben.

Wo und wie genau habt ihr gewohnt? Wie muss man sich euer Arbeitsleben in der Einöde vorstellen?
In einem Haus mit integriertem Studio, ungefähr eine Autostunde südlich von Glasgow. Anfänglich haben wir nur gesprochen, über Ideen und Ziele. Dann haben wir geschrieben, gespielt, vieles neu gelernt. Man kann es wirklich so sagen: Wir hatten uns vorgenommen, eine neue Band zu werden.

Was bedeutete das denn konkret?
Wir wollten Musik erschaffen, die nicht klingt wie so vieles andere gegenwärtige Zeug. Eher wie die Vergangenheit – natürlich nicht unsere eigene.

Das musst du erklären.
Es geht um die Aufnahmemethoden. Wir haben eine rohe Live-Band-Performance in den Vordergrund gestellt. Bei uns wurde nichts programmiert, auch nicht die Synthie-Sounds – das haben wir alles selbst gespielt. Wir waren alle in einem Raum, auch ich zum Singen. Hat schon Elvis Presley so gemacht. Wir wollten also aufnehmen wie Elvis, aber immer noch in 2018 passen.

Rund um die Aufnahmen von „Always Ascending“ habt ihr zudem viel Zeit mit Sam Potter (ehemals Sänger bei Late Of The Pier; Anm. d. Red.) verbracht und euch darüber ausgetauscht, was Drogen mit einem machen und wie man Musik produzieren könnte, die sich für den Hörer anfühlt wie ein Rausch. Welche Ergebnisse haben die Gespräche gebracht?
Sam ist ein guter Freund von uns. Worüber wir tatsächlich viel gesprochen haben, waren psychedelische Erfahrungen und die Zeit, in der man diese noch nicht gemacht hatte und sich nur vorstellen konnte, wie sie sich wohl anfühlen würden. Ich spreche da über die frühen Teenagerjahre. Da überlegte man ja oft: Wie fühlt sich Romantik an? Wie Sex? Wie Drogen? Wie der Sieg bei einem wichtigen Fußballspiel? Wie ein Rockstardasein? Mit Sam kamen wir zu dem Fazit, dass die Vorstellung dieser Erfahrungen viel intensiver waren, als die Erfahrungen selbst. Naivität und Vorstellungskraft sind zusammen extrem stark.

Woher kommt eigentlich der Hang zum Rauschhaften?
Ach, wir sind doch alle auf der Suche nach Stimulation. Wir wollen uns aus unserer Alltagsposition herausheben. Wir streben danach, etwas zu finden, das uns tief berührt. Es geht darum, einen anderen Bewusstseinszustand zu erreichen. Das kann u.a. durch ein Konzert gelingen. Speziell Musik mit seinen widerkehrenden Elementen kann in dieser Hinsicht viel bewirken.

Interview: Erik Brandt-Höge

„Always Ascending“ ist am 9.2. (Domino/Goodtogo) erschienen, Franz Ferdinand spielt am 1. März 2017, 20:00 Uhr im Mehr! Theater

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus der Titelgeschichte von SZENE HAMBURG, Februar 2018. In unserem Magazin finden Sie noch mehr interessante Beiträge über den Stadtteil. Es ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!