Mairisch Verlag: Kein Unkraut

Wie schreibt man als kleiner Verlag schwarze Zahlen? Interview mit den Gründern Daniel Beskos und Peter Reichenbach

Mit cleveren Ideen bereichert der Indie-Verlag das Hamburger Literaturleben. Dafür wurde das Team jüngst mit dem Karl-Heinz-Zillmer-Preis ausgezeichnet. Zusammen mit Minimal Trash Art und Textem kann man sie bei Die lange Nacht der Independent Verlage im Nochtspeicher (29.8.) erleben.

SZENE HAMBURG: Seid ihr die ersten Hamburger, die diesen Preis bekommen?

Daniel Beskos: Ja. Die Stifter und die Jury kommen zwar aus Hamburg, aber es ist ein bundesweiter Preis. Umso cooler für uns.

Im Gegensatz zu anderen kleinen Verlagen schreibt ihr schwarze Zahlen. Wie habt ihr das geschafft?

Daniel: Wir sind langsam gewachsen. 2005 waren wir mit dem Studium fertig, haben Nebenjobs gemacht und viel Arbeit in den Verlag gesteckt. Das erste Geld haben wir wieder investiert. Wir bringen um die sechs Titel im Jahr heraus und machen nur Sachen, die wir selbst richtig gut finden und nach außen vertreten können wie die Bücher von Finn-Ole Heinrich oder zuletzt „Die Philosophie des Radfahrens“. Und wir sind Sparfüchse. Das Büro ist nicht teuer und wir haben keine teuren Wohnungen.

Sechs Bücher im Jahr ist nicht viel, oder?

Daniel: Nein. Aber wir kümmern uns sehr lange um unsere Autoren, organisieren Lesungen, bemühen uns um Stipendien für sie oder verkaufen Taschenbuchlizenzen. Wir wollen, dass sie von ihrem Beruf leben können, und versuchen ihnen das zu ermöglichen, indem wir möglichst viele Geldquellen für sie generieren.

Viele Verleger sprechen von Selbstausbeutung. Ist das für euch auch ein Thema?

Peter Reichenbach: Nein, so fühlt sich das nicht an. Die Arbeit macht uns ja Spaß.

Daniel: Wir haben eigentlich einen entspannten Arbeitstag. Es gibt natürlich anstrengende Phasen, wenn die Vorschau gemacht wird oder Titel in Druck gehen, aber wir machen, was wir wollen und wann wir wollen, und zahlen uns inzwischen ein ganz annehmbares Gehalt.

Wie seid ihr Verleger geworden?

Daniel: Wir haben in der Abi-Zeit angefangen, Lesungen zu organisieren. Eigentlich wollten wir zusammen Musik machen, aber haben schnell nur noch über die Songtexte geredet und fanden die viel interessanter. Dann haben wir in unserem Kulturzentrum eine Lesung veranstaltet, es kamen 70 Leute und das lief super. Das haben wir zwei Jahre lang jeden Monat gemacht. Später sind wir mit anderen Autoren durch ganz Deutschland gereist, haben in Kneipen Geschichten vorgelesen und abends gefeiert. Irgendwann hatten wir ganz viele Manuskripte und wollten sie auch veröffentlichen.

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Wollten eigentlich zusammen Musik machen: Daniel Beskos und Peter Reichenbach (v.l.n.r.)



Was für Musik wolltet ihr denn machen?

Daniel: Das waren die Neunziger. Ich hatte natürlich eine Grunge-Band (beide lachen).

„Mairisch“ bedeutet Unkraut im Hessischen. Wie kam es zu diesem Namen?

Peter: In Rottgau sagt man „Mairisch“ zu der Vogelmiere und das Wort wird auch pauschal für Unkraut verwendet. Diese unscheinbare kleine Pflanze mit weißen Blüten wird immer übersehen, aber ist eigentlich total hübsch. Das passt zu uns.

Daniel: Eines Tages saßen wir im Garten und tackerten die Bücher zusammen. Dann kam die Oma von irgendwem heraus und sagte, wir sollen den ganzen Literatur-Quatsch lassen und stattdessen lieber Mairisch aus dem Garten schaffen. Da mussten wir gerade den Verlag für eine kleine Messe anmelden und haben gesagt: Mairisch Verlag wäre ja witzig und das ist hängengeblieben. Es ist ganz schön, dass es so eine Bedeutung für uns hat, die nicht für jeden offensichtlich erkennbar ist.

Ist Hamburg eine gute Stadt für kleine Verlage?

Peter: Wir sind nach dem Grundstudium nach Hamburg gezogen und im Nachhinein war das auch die richtige Wahl. Wir haben hier Lesereihen wie Transit organisiert, die sehr gut aufgenommen wurden.

Daniel: Neben unzähligen Poetry Slams gibt es auch ein großes Publikum, das sich für Prosa interessiert, und da machen wir genau das Richtige. Ich habe das Gefühl, in Hamburg gibt es die Geduld, sich eine Geschichte erzählen zu lassen.

Welche Schwierigkeiten haben unabhängige Verlage heute? 

Daniel: Presse zu kriegen, wird immer schwieriger. Selbst Nischenmedien stürzen sich oft auf die gleichen Titel, die überall besprochen werden. Früher war es einfacher, mit einem Debütanten wahrgenommen zu werden. Außerdem kommt man schwer in die Buchhandlungen. Es ist natürlich nicht einfach für sie, aus dem Überangebot der Bücher etwas auszuwählen. Wenn man da nicht vertreten ist, dann hat man ganz automatisch weniger Leser.

Was macht ihr dagegen?

Peter: Eine Idee ist der Indiebookday, ein Tag, an dem Verleger, Buchhändler und Leser sich Bücher aus unabhängigen Verlagen empfehlen.

Wie funktioniert das?

Daniel: Es ist ein Event, zu dem sich Leute an einem bestimmten Datum zum Beispiel via Facebook einladen können. 2013 habe ich 200 Leute aufgerufen: Kauft ein Buch aus einem unabhängigen Verlag und postet das Cover oder ein Foto von euch mit dem Buch und dem Stichwort „Indiebookday“.  15.000 Leute haben etwas gepostet. Das haben die Buchhändler bemerkt und im nächsten Jahr Schaufenster, Büchertische oder Lesungen mit Indie-Verlagen vorbereitet. Ein paar Hundert Buchhändler haben mitgemacht, auch in Polen oder den Niederlanden. Wir haben ziemlich viel Presse bekommen. Nun hat sich das verselbstständigt. Wir stellen nur noch ein Plakat zur Verfügung und schauen, was passiert.

Peter: Verkaufsmäßig bringt das viel.

Daniel: Stimmt. In den letzten zwei Jahren haben mich Buchhändler angerufen und gesagt, dass es außerhalb der Weihnachtszeit ihr umsatzstärkster Tag wäre. Wir haben auch drei Preise dafür bekommen. Die Aufmerksamkeit ist da.

Interview: Natalia Sadovnik

Die lange Nacht der Independent Verlage
mit Mairisch, Textem und Minimal Trash Art
Nochtspeicher
Bernhard-Nocht-Str. 69a (St.Pauli)
29.8., 20 Uhr

Sommerfest für Surfer & Yogis (22.8.)

Driftwood Travelling steht für Surf- und Yogatripps. Das Team feiert den Sommer mit Board-Repair-Workshop & BBQ

Heute einen verabscheuungswürdigen Satz im Radio gehört: „Der Sommer ist fast vorbei.“ Nein! Schämt euch. Wir wehren uns mit Händen und Füßen dagegen und halten es wie André und Marco Spee sowie Steffen Körtje.

Die drei Individualreisenden – auf dem oberen Foto zu sehen mit Ernährungsexperte Lars Bülhoff (Ze Kitchen) – feiern den Sommer bis zum letzten Sonnenstrahl. Sollte es tatsächlich grauer werden, verziehen sie sich einfach an einen Ort, an dem es immer noch schön ist. Ihr Hamburger Unternehmen Driftwood Travelling steht für Surf- und Yogatripps, bei denen auch gesunde Ernährung eine Rolle spielt. Drei Destinationen sind buchbar – es geht an die Küste Costa Ricas, Spaniens oder nach Irland.

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Plakat_Sommerfest_final_02_kleinerEine Idee von ihrer Philosophy bekommt man nun beim Sommerfest am 22. August in Eimsbüttel. Unter anderem zeigt hier Driftwood- Surflehrer Felix in einem Workshop, wie man kleine Cracks oder Löcher im Board (ihr könnt euer Brett gerne mitbringen) repariert. Neben den Tipps bekommt jeder ein Erste Hilfe-Päckchen mit Harz, Härter, Schmirgelpapier und Co auf die Hand. Ein fettes Open Air-BBQ brutzelt derweil unter der Regie von Driftwood-Koch Alex Eychmülle vom Gasthof Möhrchen.

Ein Teil der Einnahmen wird an den Verein Projekt Yoga e.V. gespendet. Der Workshop beginnt um 14 Uhr und kostet 10 Euro inkl. Case – bitte anmelden.

Text: Lena Frommeyer
Fotos: Cosy/Thomas Kosikowski, © Driftwood-Travelling

Driftwood Travelling Sommerfest
Cafe Black Delight
Eppendorfer Weg 69 (Eimsbüttel)
22.8., 10–17 Uhr

Fantasy Filmfest (20.-30.8.)

Sexy Spandex, falsches Blut und Weltraummonster – das Filmfest gastiert vom 20. bis 30. August im Savoy am Steindamm

Als „Berlinackte“ ging die chinesische Schauspielerin Bai Ling 2012 in die Annalen der Berliner Filmfestspiele ein. Seither in der Versenkung verschwunden, feiert sie nun eine Wiederauferstehung des Fleisches in dessen schönster Form. Beim Fantasy Filmfest – vom 20. bis 30. August im Savoy-Filmtheater am Steindamm – bereichert sie die Hamburger Produktion „ABCs of Superheroes“ um einen spektakulären, in Hamburg gedrehten Gastauftritt.

Superhelden Fantasyfilmfest Hamburg

Coole Moves und beeindruckende Sixpacks in „ABCs of Superheroes“

Nicht nur Bai Ling gibt dem hanseatischen „Centerpiece“ des verdienstvollen Festivals Gelegenheit zur vollen Entfaltung. Für jeden Buchstaben des Alphabets präsentieren die „Local Heroes“ Jens Holzheuer und Oliver Tietgen in ihrem Spielfilmdebüt einen Superhelden oder einen Superschurken, die, so die beiden Filmemacher, „natürlich ein bisschen fieser und komplexer sind als die Helden aus den Comics, die wir als Kinder lasen und liebten“.

Später geschult und gestählt in den legendären „Gore Night“-Nächten des Alabama-Kinos, präsentieren sie ihr gesamtes Bildungsgut nun in dieser filmischen Anthologie, für die sie auch den Filmregisseur und C-Movie-Papst Uwe Boll als Darsteller gewinnen konnten. Jede Menge sexy Spandex, literweise falsches Blut, Mutanten und Monster „from out of space“ sorgen auf der Kinoleinwand für den ganz, ganz großer Budenzauber, der nichts zu wünschen übrig lässt. Horror aus der Region!

Text: Jörg Schöning

Savoy-Filmtehater
Steindamm 54 (St. Georg)
20.–30.8.

„ABCs of Superheroes“ läuft am 28.8. um 18.15 Uhr. Das vollständige Programm gibt es hier.

Abgestumpft und blasphemisch

Kraftakt fürs Off-Theater: Das Sprechwerk zeigt im August gleich zwei gesellschaftskritische Eigenproduktionen

Wenn andere Theater in die Sommerpause gehen, fangen die Sprechwerk-Schauspieler erst an zu proben. Bisher war das kleine Theater als Aufführungsort für freie Theatermacher und Gastspiele bekannt. Einmal im Jahr gab es eine Eigenproduktion, die von der Kulturbehörde gefördert wurde. Die letzte, „1984“, wurde so gut aufgenommen, dass die Schauspieler Lust bekamen, etwas Größeres zu machen. Die neue Veranstaltungsreihe „Wortgefechte“ zeigt vier bis fünf dialogstarke Eigenproduktionen im Jahr. Ein Kraftakt für das kleine Haus, zumal nach wie vor nur eines davon gefördert wird.

Im August gibt es gleich zwei Premieren. „Antarktis“ erzählt von Menschen, die sich mit Apps optimieren und nicht mehr zu sinnlichen Erfahrungen fähig sind. Die zweite Premiere mixt Salman Rushdies „Die Satanischen Verse“ mit  Oskar Panizzas radikal antikatholischer Satire „Liebeskonzil“ aus dem Jahr 1894. „Im Januar haben wir einen Antrag auf Förderung gestellt und ein paar Tage später war der Anschlag bei Charlie Hebdo“, sagt die Sprechwerk-Intendantin Konstanze Ullmer. Sie wollte das Thema religiöser Fanatismus unbedingt ansprechen und so beschäftigt sich das Stück einerseits „blasphemisch mit dem Islam“, andererseits „respektlos mit dem Christentum“.  Aktueller geht’s kaum.

Text: Natalia Sadovnik
Foto (Die Satanischen Verse/Liebeskonzil): Stefan Malzkorn

Hamburger Sprechwerk
Klaus-Groth-Straße 23 (Borgfelde)

„Antarktis“, 22..8 (Premiere), 23.8., 20 Uhr
„Die Satanischen Verse/Liebeskonzil“: 28.–30.8., 20 Uhr

MS Dockville (21.-23.8.)

DJs und Bands massieren die Elbinsel Wilhelmsburg mit Bass und Beats. Unser Festival-Lieblingstag: der Sonntag!

Zum neunten Mal treffen sich internationale Größen und noch unbekannte Talente auf der Elbinsel Wilhelmsburg, um MS Dockville-Romantik zu erleben. Sie packen ihre Instrumente und Platten aus, schauen in glückliche, verschwitzte, bunt angemalte Gesichter, sehen am Horizont in der untergehenden Sonne Hafenkräne verschwimmen und stimmen erste Akkorde und Beats an. Bierknappheit und knietief im Matsch versinken, stören die Festivalidylle nicht mehr, das Orga-Team ist mittlerweile gut eingespielt. Obwohl das Unperfekte ja auch seinen Charme hat, zumindest retrospektiv betrachtet.

José_González Dockville Szene Hamburg.Kopie

Guter Typ: José González (Junip-Frontmann) tritt am Sonntag auf die Bühne

Den Blick in die Zukunft gerichtet, erwartet die Festivalgemeinde diesmal ein gewohnt abwechslungsreiches Line-up: Indie-Rock und Post-Punk von Interpol (New York), Electro-Pop von FM Belfast (Island), Rap von Prinz Pi (Berlin), Live- Beats von Jan Blomqvist (Berlin), Electro von Caribou (Kanada) und vieles mehr. So ist das MS Dockville quasi internationales Gipfeltreffen des guten Musikgeschmacks. Vor allem der Sonntag wird dufte: Da ist unter anderem Klanggeek Dan Deacom (USA) am Start, Benjamin Booker (USA) spielt seinen Höllenblues, es gibt akustische Klänge von Junip-Frontmann José Gonzalez (Schweden), ein DJ-Live-Set von Alle Farben massiert die Elbinsel mit Beats und das dänische Doppel Rangleklods schmeißt den Synthesizer an.

Die Besucher, die sich auf dem Campingplatz einnisten, beginnen bereits  am Donnerstag (20.8.) mit der Feierei. Auf zwei Bühnen läuten sieben Acts der Labels Katermukke und Likebirdz sowie Resident-DJs vom Hamburger Club VOLT das Wochenende ein – Zugang mit Campingticket.

Text: Lena Frommeyer
Fotos: Thomas Quack (Installation), Malin Johansson

21.–23.8.
MS Dockville- Gelände
Schlengendeich 21 (Wilhelmsburg)
www.msdockville.de

Wer steht wann auf der Bühne? Hier geht’s zum Timetable

Der Sonntag in Soundfiles:

 

Happy Birthday, Gängeviertel! 

Ein ohrenbetäubendes Trompetenkonzert zum sechsten Geburtstag – das Gängeviertel feiert mit ellenlangem Programm

„Arm, aber sexy“ – den Spruch hat zwar Berlin auf ewig gepachtet, aber im Hamburger Gängeviertel herrschen ähnliche Zustände wie in der Hauptstadt. Seit Februar gibt es einen Planungsstopp zwischen den Vertretern des Gängeviertels und den zuständigen Behörden der Stadt. Vereinbarte Zielen seien verfehlt worden, weder Lösungen für Fragen zur Genossenschaftsanbindung, noch zum Betrieb der Fabrique als Zentrum für Kunst, Kultur, Politik und Soziales sowie zu alternativen Finanzierungs- und Sanierungsverfahren gefunden.

Nichts sei geklärt, so die Vertreter der Gängeviertel-Initiative, obwohl die Bauarbeiten in der Fabrique und in der Jupi Ende September abgeschlossen sein sollen. Auch was die Gängeviertel-Zweigstelle im Oberhafen mit der Alten Bahnmeisterei und dem Moloch angeht, hänge man in der Luft. „Unschöne und vor allem ungewisse Zeiten, die uns arm machen, arm an Geld, aber superreich an Ideen, Zusammenhalt, Solidarität, Liebe und politischen Willen“, erklärt die Initiative.

HH_Gaengeviertel_SpeckstrPSOUnd umso unsicherer die Zeiten, desto wilder muss gefeiert werden: Zum sechsten Geburtstag des Gängeviertels, das am 22. August 2009 mit einem „Hoffest“ besetzt wurde – die roten Punkte waren damals überall in der Stadt verteilt und lockten in den Valentinskamp.

Im Juli hat bereits mit einem umjubelten Konzert der „Goldenen Zitronen“ eine Soli-Veranstaltungsreihe für die Selbstverwaltung im Gängeviertel gestartet. Im Rahmen des Geburtstagssause stellt Nils Boeing sein Buch „Von Wegen – Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft“ vor; außerdem wird es Ausstellungen wie „Arm aber sechs, ey“ mit Künstlern aus dem Gängeviertel und Musik u.a. von Mark Boombastik geben. Also, „komm in die Gänge“ – auch so ein Spruch. Der gehört aber definitiv zu Hamburg.

Text: Julia Braune
Foto: Doris Antony, Berlin – Eigenes Werk

Gängeviertel
Valentinskamp 39 (Neustadt)
21.-23.8.

Französische Filmtage (20.-28.8.)

Jugendirresein – um diese Phase des Lebens geht es in den Lang- und Kurzfilmen im Metropolis

La vie lunatique lautet der Titel des diesjährigen Programms mit neuesten französischen Produktionen. Dabei handelt es sich um jene Phase im Leben, die man auch „Jugendirresein“ nennt. Als wahre lunatics präsentieren sich im Eröffnungsfilm „Des milliards de toi mon poussin“ (am 20.8. um 20 Uhr) freilich nicht die 15-jährige Maldi und der gleichaltrige Computer-Nerd Riwal, sondern die Erwachsenen, vor allem Maldis abgehobene Mutter, die einen Ruf „Zurück zur Natur“ vernimmt in der amüsanten „veganen“ Komödie der französischen Regisseurin Mathilde Laconche.

Die Nöte eines jugendlichen Einwanderers aus Indien schildert das Drama „Bébé tigre“ (21./23./26.8.), die Freuden einer jungen Pariserin die Alltagskomödie „Ma sacrée jeunesse“ (23./28.8.): Angeregt durch eine Affäre mit dem „Mann ihres Lebens“, verbringt die junge Jane einen ruhelosen Tag auf den Straßen der französischen Metropole. In der Tradition von Godard und Truffaut zeigt der Film von Carly Blackman: Auch „La nouvelle jeunesse française“ besitzt ihre „Nouvelle Vague“.

Text: Jörg Schöning

Metropolis Kino
Kleine Theaterstraße 10 (Neustadt)
20.-28.8.

Jannes Wochenrückblick Vol. 18

Spendenrekord mit Slayer-Tshirts

An dieser Stelle möchte ich gerne auch einmal schriftlich meinen Lobgesang auf Metalfans loswerden.

Wir waren gestern mit dem clubkinder-Verein wieder auf dem Elbriot eingeladen. Das ist nicht nur ein schönes Festival mit guten Bands und tollen Veranstaltern namens Hamburg Konzerte, das prima wächst und gedeiht, und im nächsten Jahr seine vierte Auflage feiern wird. Auf dem Elbriot fällt uns besonders auf, dass alle Beteiligten von Team über Musiker bis hin zu den Fans so eine Art Proto-clubkinder sind: Auf dem T-Shirt Satan anbeten, in echt aber sozial mega auf zack. Großzügig – auf dem Elbriot heimsen wir Jahr für Jahr Rekorde für freie Spenden ein. Interessiert an unseren Spendenzwecken, was leider längst nicht auf allen unserer Events der Fall ist. Bestens gelaunt – wir überlegen uns seit 2013 zum Beispiel immer wieder neue Aktionsfelder für unser Glücksrad. Für unsere Köpfe werden die eigentlich immer absurder, die Fans auf dem Elbriot feiern unseren Quatsch aber jedes Jahr mehr ab. Das ist toll und so eine Art Heimspiel für uns. Ein sehr lukratives für den guten Zweck: Gestern haben wir wieder fast tausend Euro für therapeutische Präventionsangebote für Kinder von psychisch kranken Eltern gesammelt. Mit jeder Menge Bier, Spaß und tollen Leuten. Das ist uns ja auch immer wichtig dabei.

Für mich privat erfüllt der gute alte Metal übrigens noch einen ganz anderen Zweck: Ich kann bei der Musik herrlich meine Wut über Missstände, Nachrichten oder politische Entscheidungen abbauen, die mit unseren Spendenzwecken zu tun haben. Auch nicht ganz unwichtig.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Chefkoch mieten

La Belle Assiette liefert Haute Cuisine

„Zu Hause schmeckt’s am besten“, hört man seine Großmutter noch im Ohr. Recht hatte sie. Aber: Sie konnte ja auch ziemlich gut kochen. Für diejenigen, die trotz mangelnder Kochfertigkeiten zum Fünf-Gänge-Menü nach Hause einladen wollen, gibt es La Belle Assiette, ein Start-up aus Frankreich.
Über die Online-Plattform kann man sich einen Koch mieten. Der ist Profi, kommt aus bekannten Restaurants und Hotels der Stadt wie dem Vlet oder Louis C. Jacob und bringt alles mit: Kochutensilien, frische Zutaten – und natürlich das Rezept fürs Menü. Das ist in verschiedenen Niveaus und Preisklassen wählbar: für Genießer (ab 49 Euro pro Person), Feinschmecker (ab 79 Euro) oder als Kaiserschmaus (ab 100 Euro). Während also der Profi am Herd steht, serviert und sogar den Abwasch macht, kümmert sich der Gastgeber um sein Date, bespaßt seine Freunde oder schaut dem Koch über die Schultern. ( JUL)

Kleine Oase: Louis Kitchen Bar

Burger mit Dry Aged Beef, knusprige Pizzen und Craft Beer: kulinarische Abwechslung in Barmbek-Süd

Ein Eckladen mit langer runder Fensterfront, Sichtmauerwerk und Kupferrohren, modern, geschmackvoll und apart hergerichtet ist Louis Kitchen Bar und ein missing link in der Gastrowüste Barmbek-Süd. Erkannt hat das Frank Barnowski, der schon mit dem Chicago Meatpackers in Eppendorf ein güldenes Händchen bewiesen hat. Die straßenseitige Terrasse der Louise Kitchen Bar ist durch alte Bäume, Blumenkästen mit Schilf und dickplankige Holzmöbel gut vom Straßenverkehrt abgeschirmt. Louis Kitchen Bar Barmbek 2

Hier mundet bei Hitze vor allem die frische, hausgemachte Lemon-Mint- oder Edelflower-Limonade (je 3,90 Euro), oder auch der kenntnisreich zubereitete Hugo (5,50 Euro). Die unkomplizierte Karte bietet ein paar Burger-Variationen jeweils mit 150g Dry Aged Beef (richtig gut: Italien Style mit gebratenem Gemüse und Cheddar), serviert mit großen Schnitzen French Fries und Sour Creme (zwischen 9,90 und 13,50 Euro). Knusprig dünne Pizzen und vegetarische Speisen ergänzen die Speisekarte.
Die Gerichte sind liebevoll zubereitet und hübsch angerichtet. Auch ein kleines Craft-Beer-Angebot fehlt nicht: Sowohl das kräftige IPA Crew Drunken Sailor mit 6,4 Volumenprozent als auch das hopfig frische Crew Republic Munich Summer (je 0,33 Liter 4,20 Euro) sind eine Entdeckung wert. (LIS)

 

Dehnhaide 24 (Barmbek-Süd)
Telefon 84 70 09 00,
Mo-Do 12–22.30, Fr ab 12
Sa ab 14, So 16–21.30 Uhr