Happy Birthday, Gängeviertel! 

Ein ohrenbetäubendes Trompetenkonzert zum sechsten Geburtstag – das Gängeviertel feiert mit ellenlangem Programm

„Arm, aber sexy“ – den Spruch hat zwar Berlin auf ewig gepachtet, aber im Hamburger Gängeviertel herrschen ähnliche Zustände wie in der Hauptstadt. Seit Februar gibt es einen Planungsstopp zwischen den Vertretern des Gängeviertels und den zuständigen Behörden der Stadt. Vereinbarte Zielen seien verfehlt worden, weder Lösungen für Fragen zur Genossenschaftsanbindung, noch zum Betrieb der Fabrique als Zentrum für Kunst, Kultur, Politik und Soziales sowie zu alternativen Finanzierungs- und Sanierungsverfahren gefunden.

Nichts sei geklärt, so die Vertreter der Gängeviertel-Initiative, obwohl die Bauarbeiten in der Fabrique und in der Jupi Ende September abgeschlossen sein sollen. Auch was die Gängeviertel-Zweigstelle im Oberhafen mit der Alten Bahnmeisterei und dem Moloch angeht, hänge man in der Luft. „Unschöne und vor allem ungewisse Zeiten, die uns arm machen, arm an Geld, aber superreich an Ideen, Zusammenhalt, Solidarität, Liebe und politischen Willen“, erklärt die Initiative.

HH_Gaengeviertel_SpeckstrPSOUnd umso unsicherer die Zeiten, desto wilder muss gefeiert werden: Zum sechsten Geburtstag des Gängeviertels, das am 22. August 2009 mit einem „Hoffest“ besetzt wurde – die roten Punkte waren damals überall in der Stadt verteilt und lockten in den Valentinskamp.

Im Juli hat bereits mit einem umjubelten Konzert der „Goldenen Zitronen“ eine Soli-Veranstaltungsreihe für die Selbstverwaltung im Gängeviertel gestartet. Im Rahmen des Geburtstagssause stellt Nils Boeing sein Buch „Von Wegen – Überlegungen zur freien Stadt der Zukunft“ vor; außerdem wird es Ausstellungen wie „Arm aber sechs, ey“ mit Künstlern aus dem Gängeviertel und Musik u.a. von Mark Boombastik geben. Also, „komm in die Gänge“ – auch so ein Spruch. Der gehört aber definitiv zu Hamburg.

Text: Julia Braune
Foto: Doris Antony, Berlin – Eigenes Werk

Gängeviertel
Valentinskamp 39 (Neustadt)
21.-23.8.

Französische Filmtage (20.-28.8.)

Jugendirresein – um diese Phase des Lebens geht es in den Lang- und Kurzfilmen im Metropolis

La vie lunatique lautet der Titel des diesjährigen Programms mit neuesten französischen Produktionen. Dabei handelt es sich um jene Phase im Leben, die man auch „Jugendirresein“ nennt. Als wahre lunatics präsentieren sich im Eröffnungsfilm „Des milliards de toi mon poussin“ (am 20.8. um 20 Uhr) freilich nicht die 15-jährige Maldi und der gleichaltrige Computer-Nerd Riwal, sondern die Erwachsenen, vor allem Maldis abgehobene Mutter, die einen Ruf „Zurück zur Natur“ vernimmt in der amüsanten „veganen“ Komödie der französischen Regisseurin Mathilde Laconche.

Die Nöte eines jugendlichen Einwanderers aus Indien schildert das Drama „Bébé tigre“ (21./23./26.8.), die Freuden einer jungen Pariserin die Alltagskomödie „Ma sacrée jeunesse“ (23./28.8.): Angeregt durch eine Affäre mit dem „Mann ihres Lebens“, verbringt die junge Jane einen ruhelosen Tag auf den Straßen der französischen Metropole. In der Tradition von Godard und Truffaut zeigt der Film von Carly Blackman: Auch „La nouvelle jeunesse française“ besitzt ihre „Nouvelle Vague“.

Text: Jörg Schöning

Metropolis Kino
Kleine Theaterstraße 10 (Neustadt)
20.-28.8.

Jannes Wochenrückblick Vol. 18

Spendenrekord mit Slayer-Tshirts

An dieser Stelle möchte ich gerne auch einmal schriftlich meinen Lobgesang auf Metalfans loswerden.

Wir waren gestern mit dem clubkinder-Verein wieder auf dem Elbriot eingeladen. Das ist nicht nur ein schönes Festival mit guten Bands und tollen Veranstaltern namens Hamburg Konzerte, das prima wächst und gedeiht, und im nächsten Jahr seine vierte Auflage feiern wird. Auf dem Elbriot fällt uns besonders auf, dass alle Beteiligten von Team über Musiker bis hin zu den Fans so eine Art Proto-clubkinder sind: Auf dem T-Shirt Satan anbeten, in echt aber sozial mega auf zack. Großzügig – auf dem Elbriot heimsen wir Jahr für Jahr Rekorde für freie Spenden ein. Interessiert an unseren Spendenzwecken, was leider längst nicht auf allen unserer Events der Fall ist. Bestens gelaunt – wir überlegen uns seit 2013 zum Beispiel immer wieder neue Aktionsfelder für unser Glücksrad. Für unsere Köpfe werden die eigentlich immer absurder, die Fans auf dem Elbriot feiern unseren Quatsch aber jedes Jahr mehr ab. Das ist toll und so eine Art Heimspiel für uns. Ein sehr lukratives für den guten Zweck: Gestern haben wir wieder fast tausend Euro für therapeutische Präventionsangebote für Kinder von psychisch kranken Eltern gesammelt. Mit jeder Menge Bier, Spaß und tollen Leuten. Das ist uns ja auch immer wichtig dabei.

Für mich privat erfüllt der gute alte Metal übrigens noch einen ganz anderen Zweck: Ich kann bei der Musik herrlich meine Wut über Missstände, Nachrichten oder politische Entscheidungen abbauen, die mit unseren Spendenzwecken zu tun haben. Auch nicht ganz unwichtig.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Polycore mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Chefkoch mieten

La Belle Assiette liefert Haute Cuisine

„Zu Hause schmeckt’s am besten“, hört man seine Großmutter noch im Ohr. Recht hatte sie. Aber: Sie konnte ja auch ziemlich gut kochen. Für diejenigen, die trotz mangelnder Kochfertigkeiten zum Fünf-Gänge-Menü nach Hause einladen wollen, gibt es La Belle Assiette, ein Start-up aus Frankreich.
Über die Online-Plattform kann man sich einen Koch mieten. Der ist Profi, kommt aus bekannten Restaurants und Hotels der Stadt wie dem Vlet oder Louis C. Jacob und bringt alles mit: Kochutensilien, frische Zutaten – und natürlich das Rezept fürs Menü. Das ist in verschiedenen Niveaus und Preisklassen wählbar: für Genießer (ab 49 Euro pro Person), Feinschmecker (ab 79 Euro) oder als Kaiserschmaus (ab 100 Euro). Während also der Profi am Herd steht, serviert und sogar den Abwasch macht, kümmert sich der Gastgeber um sein Date, bespaßt seine Freunde oder schaut dem Koch über die Schultern. ( JUL)

Kleine Oase: Louis Kitchen Bar

Burger mit Dry Aged Beef, knusprige Pizzen und Craft Beer: kulinarische Abwechslung in Barmbek-Süd

Ein Eckladen mit langer runder Fensterfront, Sichtmauerwerk und Kupferrohren, modern, geschmackvoll und apart hergerichtet ist Louis Kitchen Bar und ein missing link in der Gastrowüste Barmbek-Süd. Erkannt hat das Frank Barnowski, der schon mit dem Chicago Meatpackers in Eppendorf ein güldenes Händchen bewiesen hat. Die straßenseitige Terrasse der Louise Kitchen Bar ist durch alte Bäume, Blumenkästen mit Schilf und dickplankige Holzmöbel gut vom Straßenverkehrt abgeschirmt. Louis Kitchen Bar Barmbek 2

Hier mundet bei Hitze vor allem die frische, hausgemachte Lemon-Mint- oder Edelflower-Limonade (je 3,90 Euro), oder auch der kenntnisreich zubereitete Hugo (5,50 Euro). Die unkomplizierte Karte bietet ein paar Burger-Variationen jeweils mit 150g Dry Aged Beef (richtig gut: Italien Style mit gebratenem Gemüse und Cheddar), serviert mit großen Schnitzen French Fries und Sour Creme (zwischen 9,90 und 13,50 Euro). Knusprig dünne Pizzen und vegetarische Speisen ergänzen die Speisekarte.
Die Gerichte sind liebevoll zubereitet und hübsch angerichtet. Auch ein kleines Craft-Beer-Angebot fehlt nicht: Sowohl das kräftige IPA Crew Drunken Sailor mit 6,4 Volumenprozent als auch das hopfig frische Crew Republic Munich Summer (je 0,33 Liter 4,20 Euro) sind eine Entdeckung wert. (LIS)

 

Dehnhaide 24 (Barmbek-Süd)
Telefon 84 70 09 00,
Mo-Do 12–22.30, Fr ab 12
Sa ab 14, So 16–21.30 Uhr

Vietnamesische Glücksgefühle

Das Xeom verwöhnt seine Gäste mit authentischer Straßenküche aus Südostasien

Wir haben ordentlich Hunger und sind froh, als wir schon von Weitem die hellblauen Plastikhöckerchen auf dem Bürgersteig leuchten sehen. Um einige Tische herum verstreut, wirken sie so fröhlich, modern und authentisch wie der Rest dieses neuen Vietnamesen im Karoviertel. Fotos abenteuerlich überladener Mopeds schmücken die Wände im Souterrain, unter der Decke hängen Lampenkabel, so wild wie die Stromleitungen in Hanoi gespannt – und von bunten Plastikwäscheklammern fischt die Mutter des jungen Besitzers Long die Bestellungen, die in der offenen Küche gebrutzelt werden.

Xeom VietnamesischZu Tiger Bier (3 Euro) nehmen wir herrlich frische Sommerrollen (3 Euro) und gedämpften Seidentofu mit Reis, Pak Choi und Pilzen (7,50 Euro) namens Better Than Meat. Wie wahr! Alles ist leicht und würzig, vor allem auch die Reisnudelblätter mit mariniertem Fisch (7 Euro). Mit den Stäbchen kratzen wir auch die Schüssel mit dem perfekt scharfen Apfel-Mango-Salat aus (5,50 Euro), als Longs reizende Schwester Hangi dem Hund einen Topf Wasser bringt, unseren fragenden Blick auffängt und erklärt, dass die leckeren weißen Röhrchen im Salat Lotuswurzeln seien.

Und während das Mädchen am Nebentisch noch beseelt einen Smoothie mit Avocado und süßer Milch aus dem Einmachglas schlürft, fühlen wir uns bereits auf ganz leichte Weise wunderbar satt – und sind hąnh phúc, was „glücklich“ auf Vietnamesisch heißt.

Text: Sabine Danek

Xeom
Karolinenstraße 25 (Karolinenviertel)
Mo-So 12–22.30 Uhr

Jannes Wochenrückblick Vol. 17

Ein ganz normaler Stadtplan

Vor einigen Wochen ging diese unsägliche Google Maps Karte durch die sozialen Medien, auf der alle Unterkünfte für Zuwanderer und Geflüchtete eingetragen wurden. Könnte man hilfreich finden für Hilfesuchende, die ihre Hilfe anbieten wollen. War aber eher dafür gedacht, eine praktische Übersichtskarte für den Hass dummer Menschen zu werden.

In Zeiten, in denen Anja Reschke (Panorama / Tagesthemen) dazu aufruft, den Mund aufzumachen. In Zeiten, in denen Heinrich Schmitz (ehedem Kolumnist des European) sich wegen Morddrohungen von einer Initiative gegen fremdenfeindliche Demos distanzieren muss. In diesen Zeiten wünsche ich mir eindeutig lieber eine Karte, auf der hassfreie Orte eingezeichnet werden. Open Source. Von völlig hassfreien Hamburgern. Orte, an denen Geflüchtete zum Beispiel etwas wohlverdiente Ruhe finden können. Menschen, die sie willkommen heißen. Oder vielleicht eine Kuchentafel. Oder einen Grill voller Abendessen. Oder einen Gitarristen, der im Sonnenuntergang etwas spielt. Alle diese normal-schönen Dinge, die wir jeden Tag auf Instagram hochladen halt.

Auf dieser Karte wird bestimmt das neue A Summer’s Tale Festival auftauchen. Bestimmt auch das Dockville Gelände. Aber welche Clubs? Welche Restaurants? Welche öffentlichen Plätze? Wenn man sich diese Fragen stellt, muss man sich erst einmal die Frage stellen: Warum denn nicht alle?

Es muss insgesamt mehr Miteinander geben. Spielen. Kochen. Essen. Musik. Kunst. Gespräche. Dann hätten es all’ die intoleranten Grüppchen gegen Asylanten auch viel schwerer. Nicht zuletzt, da sich diese unbegründete Angst vor dem Fremden in Luft auflösen würde. Denn an hassfreien Orten ist Fremdes nicht lange fremd. Hamburg ist das Tor zur Welt: Wer fängt an, diese Karte mit mir zu zeichnen?

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Parkour durch die Stadt

Statt Kletterurlaub in den Alpen – zum Parkour-Laufen in die HafenCity. Ein Erfahrungsbericht

Mal eben über eine Parkbank zu springen, ist gar nicht so leicht. Bisher dienten mir Bänke sowieso eher als Sitzgelegenheit, ich hab sie nicht als Hindernis gesehen, das es zu überwinden gilt. Jetzt weiß ich aber: Es gibt etliche Möglichkeiten, hinüberzuhüpfen. Mit einem Zwischenschritt auf die Rückenlehne, kurz mit den Händen abgestützt oder ganz ohne die Bank zu berühren direkt rüber … Wo ich das gelernt habe? In der HafenCity. Beim öffentlichen Parkour-Training.

Urbane Spielwiese

Unknown-1_300dpiManche fahren für ihren Actionurlaub weite Strecken, um in Steilwänden zu klettern, düsen mit ihren Mountainbikes Berge hinab, machen Tauchkurse und stürzen sich im Wingsuit von Klippen herunter. Ich probiere es lieber mit einer kleineren Portion Adrenalin und radele zu den Marco-Polo-Terrassen. Jeden ersten Samstag im Monat treffen sich dort die Läufer vom Parkour-Hamburg-Team. Statt Touristen nehmen dann die urbanen Sportler den Platz ein, der bei näherer Betrachtung perfekt für den aus Frankreich stammenden Parkour-Sport geeignet ist: Die verschieden hohen Ebenen, die Geländer entlang der Treppen und die verwinkelt angeordneten Bänke machen den Platz zu einer urbanen Spielwiese. Gemeinsam springen die Läufer von Mauer zu Mauer und von Bank zu Bank; das Training ist offen für alle, jeder kann sich der Gruppe anschließen und mitmachen.

Zwischen kreischenden Möwen und interessiert schauenden Touristen laufen die etwa 20 Teilnehmer zum Aufwärmen hin und her und machen gemeinsame Dehnübungen; das ist ein festes Ritual.

Anschließend teilt sich die große Gruppe auf. Während Neulinge grundsätzliche Dinge wie einen möglichst weiten Sprung üben, rennen die erfahreneren Parkour-Läufer zielsicher vor der Kulisse aus Wasser, Hafenkränen und Elbphilharmonie über Mauern, Stufen und Geländer. Jetzt, wo das Training begonnen hat, fällt auf, dass der Platz durch die sportliche Intervention noch viel urbaner wirkt. Beim Parkour kommt es nicht nur darauf an, wie man am effizientesten von A nach B gelangt, sondern es geht auch darum, sich die Stadt anzueignen, verlassene Orte zurückzuerobern und städtische Plätze zweckzuentfremden. Die noble HafenCity scheint mit ihren gestalterischen Elementen und der kantig-modernen Architektur dafür prädestiniert.

Indoor-Halle

Ebenfalls in der HafenCity, nur etwa einen Kilometer von den Marco-Polo-Terrassen entfernt, entsteht zurzeit Hamburgs erste Parkour-Halle. Im Oberhafen-Quartier möchten die Mitglieder des Vereins Parkour Creation eine große Indoor-Landschaft aus Hindernissen aufbauen; die Halle wird eine der wenigen öffentlich zugänglichen Parkour-Anlagen der Stadt sein. Bis zur Eröffnung müssen sich die Parkour-Läufer weiterhin bei Wind und Wetter im öffentlichen Raum treffen. Nicht nur die HafenCity, sondern auch Planten un Blomen oder die City Nord eignen sich gut zum Parkour-Laufen.

An den Marco-Polo-Terrassen ist das Training nach etwa zwei Stunden vorbei. Geschafft und ausgepowert mache ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Das allerdings nicht von Mauer zu Mauer springend, sondern ganz unspektakulär mit dem Fahrrad.

Jannis Hartmann ist noch ein echter Jungspund – trotzdem hatte er Muskelkater nach all dem wilden Gehüpfe

MEHR TIPPS

Parkour
Jeden ersten Sonntag lädt das Parkour-Team Hamburg zu Outdoor-Einführungsworkshops an unterschiedlichen Orten ein; jeden Dienstag können Anfänger und Fortgeschrittene an einem Krafttraining um 19 Uhr am CCH teilnehmen.

Skaten
Ein absoluter Hotspot ist die Skateanlage auf dem ehemaligen Gelände der igs. Auf über 1.700 Quadratmetern erstrecken sich Ramps, Rails und Ledges und bieten nicht zuletzt mit einer zwei Meter tiefen Bowl all das, was das Herz eines Skaters höherschlagen lässt. Kein Wunder also, dass der Skatepark in der Szene mittlerweile europaweit bekannt ist.
Am Inselpark 20b (Wilhelmsburg)

RIB Piraten
Adrenalin-Junkies aufgepasst! RIB Piraten sorgen für echte High-Speed-Abenteuer auf der Elbe: Im Tiefflug schießen ihre Schlauchboote, sogenannte Rigid Inflatable Boats, über die Wellen. Die Boote sind mit einem 250 PS starken Triebwerk ausgestattet und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometer. Wer eine 90-minütige Tour bucht, rast in Begleitung eines Bootsführers vom Hamburger City Sporthafen Richtung Westen die Elbe flussabwärts; vorbei an Elbphilharmonie, Blankeneser Treppenviertel und Yachthafen.

Schuback: Landküche in Eppendorf

Nach der Sterneküche geht es im Schuback, ehemals Punker, ehemals Klopstock, wieder bodenständiger zu

Der Start im Schuback ist zauberhaft und holprig zugleich. Wir sitzen am Park, über uns rieseln zur Begrüßung weiße Blüten auf uns hinab. Bei der märchenhaften Kulisse gelingt es uns, über den ausgefallenen Weinkühlschrank (leider kein Sauvignon Blanc!) und die fehlenden Blicke unserer Bedienung hinwegzusehen. Nach 30 Minuten schwenke ich glücklich meinen Grauburgunder Heger Kaiserstuhl (0,5 Liter 12 Euro) goldgelb zur Abendsonne im Glas, ich schmecke die Süße von Honig und Birnen, warmes Brot versöhnt augenblicklich für die Wartezeit.

Wir starten mit karamellisiertem Ziegenkäse mit Balsamico-Streifen, cremiger Avocado und Blattsalat (9,50 Euro). Die knusprige Süße begeistert uns und macht den eher durchschnittlichen Ziegentaler wett. Um den Rucolasalat mit Kirschtomaten, warmen Gambas und Parmesangitterchips (11,50 Euro) geraten mein Freund und ich beinahe in Streit. Das Rindercarpaccio (10,50 Euro) könnte eine Spur geeister sein und einen Hauch Limette vertragen, mein Freund ist mit der Qualität des Fleisches zu seinem rassig-fruchtigen Stellenbosch (0,5 Liter 14 Euro) jedoch zufrieden. Wir genießen.

Unter dem Namen „Punker“ streckte sich das kleine Ecklokal mal nach Sterneniveau. Das kam bei den Eppendorfern nicht an, nun setzen die gleichen Betreiber auf deutsche Küche mit raffinierten Einsprengseln. Uns überzeugt das.

Als Hauptgericht nehmen wir Bratwurst, die Spezialität. Ich wähle die Wurst „getrüffeltes Kalb“ (11,50 Euro) mit Himbeersenf und cremigem Schuback-Spezialsenf, den mein Freund überschwänglich lobt, dazu selbst gemachten Kartoffelstampf und Sauerkraut. Neben uns duften Bratkartoffeln in die Sommernacht.

Das Schuback verzaubert mit einem romantischen Landküchegefühl mitten in Hamburg, irgendwie spüren wir beschwipst, dass Eppendorf mal ein Dorf war.

Text: Stefanie Maeck

Schuback: Eppendorfer Landstraße 165
(Eppendorf), Telefon 47 66 70,
Mo-So 10–24 Uhr;
www.restaurant-schuback.de

Kein Fachmagazin-Nerd

Unser Musik-Redakteur Erik Brandt-Höge hat seinen zweiten Roman veröffentlicht. „Flamingostar“ ist ein amüsanter Road-Trip durch die Schattenseiten der deutschen Musikindustrie und zugleich eine emotionale Familiengeschichte. Ein Gespräch

SZENE HAMBURG: Erinnerst du dich an die erste Zeile, die du für den Roman geschrieben hast?

Erik Brandt-Höge: Ja. Der erste Satz hieß „Schwarz.“ Ich habe versucht, die Leser relativ schnell reinzuziehen. Oder in dem Fall runterzuziehen, weil der Romanheld auf einer Brücke steht und überlegt, sich umzubringen.

Wie geht es weiter?

Der Roman hat zwei Ebenen: die spannende und absurde Showgeschäftswelt mit den größenwahnsinnigen Managern und den durchgeknallten Moderatoren, die man gar nicht ernst nehmen kann, und die Familientragödie. Der Vater lebt ein bisschen gegen den Sohn und beide haben die Trauer um die verstorbene Mutter gemeinsam.

Wie kamst du auf die Geschichte?

Das war relativ fix klar, dass ich über Musik schreiben würde. Ich bin der Meinung, man kann nur gut über das schreiben, was man selbst erlebt hat. In diesem Fall wollte ich die guten, schlechten und völlig lächerlichen Seiten der Musikwelt aufzeigen, die ich seit 10 Jahren erlebe. Den Familienkonflikt habe ich mir hingegen ausgedacht.

Hast du die Musikindustrie tatsächlich so erlebt, wie du sie beschreibst?

Ich habe jetzt nicht die größten Schlagerwelt-Erfahrungen. Aber ja, diese ganzen Label-Leute in den Hochhäusern, die Manager, die Agenten, aber auch die Journalisten wie mich selbst, die nicht alle Tassen im Schrank haben – habe ich alles erlebt.

Du hast nicht alle Tassen im Schrank?

Ein paar habe ich noch. Aber ich habe auch meine Fehler und bin bestimmt auch hier und da belächelbar.

Wofür denn so?

(Überlegt lange) Es gibt zwei Typen von Musikjournalisten. Es gibt Fachmagazin-Nerds, die unbedingt wissen wollen, wo, wann und warum irgendein Song entstanden ist. Und es gibt Leute, die versuchen, die Person zu charakterisieren, die dahinter steckt. Ich bin auf jeden Fall der zweite Typ. Mich interessiert, warum die Menschen so sind, wie sie sind, ihre Lebensgeschichten, warum sie solche Lieder schreiben. Jemand anderes würde sagen: „Bleib doch mal sachlich, du bist doch Musikjournalist und nicht Psychologe.“

Wie kamst du zum Musikjournalismus?

Ich habe 2005 ein Praktikum beim „Rolling Stone“ gemacht. In der Zeit waren die ganzen England-Bands riesig: Libertines, Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Maximo Park, Kaiser Chiefs. Diese Welle hat mich damals voll interessiert. Ich war mitten im Studium und wollte ganz viele Stars treffen, durfte aber nur kleine Plattenkritiken schreiben. Nach dem Praktikum hat mich ein Redakteur angerufen und gefragt, ob ich nicht frei für sie schreiben will. Dann habe ich gemerkt, dass es gar nicht so geil ist, Stars zu treffen. Mittlerweile will ich meine Lieblingsbands oft gar nicht kennenlernen.

Warum nicht?

Weil ich Angst habe, dass die total doof sind und mir mein Fan-Dasein verbauen.

Ist dir das häufig passiert?

Ich habe das oft erlebt, ja. Ich bin da sehr penibel, Arroganz kann für mich vieles zerstören. Ich habe aber auch oft das genaue Gegenteil erlebt.

Was meinst du?

Ich habe viele Leute getroffen, die Scheißmusik machen, aber wahnsinnig nett sind. Und dann denkst du: Ach du Scheiße, jetzt ist der auch noch so nett! Dann traut man sich fast gar nicht, über diese Scheißmusik so zu urteilen, wie sie es verdient. Das muss man natürlich trotzdem machen. Das passiert leider sehr, sehr häufig. (lacht)

Disclaimer: Hier hat der Interviewte das Aufnahmegerät pausiert und einige Namen genannt, die wir leider Gottes nicht veröffentlichen dürfen.

Zurück zu deinem Protagonisten, Justus von Schweben. Warum hat er denn so einen beschissenen Namen?

Der hat einen sehr schönen Namen. Er musste natürlich ein von und zu sein, weil er ein Reichenbubi ist, der in Berlin-Charlottenburg aufwächst, einen Anwaltsvater hat und ein wenig unter seiner Herkunft leidet. Schweben finde ich ein sehr angenehmes Wort. Und den Namen Justus mag ich gerne. Auch Jussi, die Abkürzung. Ich wollte eine gute Abkürzung haben.

Justus veröffentlicht ein Album. Die Songs sind alle im Buch enthalten…

…sie fallen einem richtigen Songwriter wahrscheinlich als sehr mies auf. 90 Prozent der Songs sind bewusst mega-kitschig, weil sie zum Schnulzenjungen Jussi passen sollten.

Gibt es zu den Songs auch Musik?

Ich habe tatsächlich oft am Klavier gesessen, als ich diese Songs geschrieben habe, aber von mir aus wird es da keine Musik geben. Wenn einer so irre ist und sie vertonen möchte, hat er hiermit mein „Go“. Aber ich selbst werde das nicht tun.

Warum nicht?

Weil ich das schlichtweg nicht kann. Ich kann null singen. Das hört sich echt scheiße an.

Ein Vorschlag von der SZENE HAMBURG: Lieber Bosse, wir würden dich wahnsinnig gerne „Mitte-Liebe“ singen hören.

Was ist für dich die spannendste Stelle im Roman?

Es gibt eine Stelle, in der es um den Unfalltod der Mutter von Justus geht. Es schien die ganze Zeit klar: sie hatte einen Unfall und ist dabei umgekommen, aber so einfach ist es nicht. An einer Stelle klärt sich das auf.

Was läuft eigentlich zwischen Justus und Hella?

Hella ist die Barfrau im „Flamingo“, wo Justus seinen ersten Auftritt hat. Eine sehr durchgreifende Frau, auf den ersten Blick extrem selbstbewusst und stark. Sie ist stückweise dafür verantwortlich, dass er sich überhaupt auf die Bühne traut. Sie imponiert ihm, diese schöne Frau mit der Afro-Frisur. Ich fand die selber ganz cool, mir hätte sie auch imponiert (grinst). Sie geht mit ihm auf Tour und irgendwann verliebt er sich in sie.

Justus nimmt irgendwann an einer Casting-Show teil, obwohl er sich erst dagegen gewehrt hat. Hat er seine Seele verkauft?

Er hat im Verlauf der ersten Karriere-Monate gelernt, mit dem Geschäft umzugehen und sich selbst nicht mehr ganz wichtig zu nehmen. Er hat so eine „Was soll’s“-Attitüde angenommen und macht weiterhin sein Ding.

Stehst du selbst auf Schnulzen?

Ich bin kein Kuschelrock-Käufer, aber ich stehe schon auf gute Balladen, zum Beispiel von Thees Uhlmann, Herrenmagazin oder Schrottgrenze. Das sind alles eher schroffe Balladen, nicht so glatt poliert.

Was geht musikalisch gar nicht?

(lange Pause) Nee, das kannst du auf keinen Fall schreiben. Damit mache ich mir Feinde. Das lassen wir komplett raus.

Langweilig.

(lacht) Okay, es gibt Schlager, die sind einfach scheiße, von vorne bis hinten. Eine reine Leute-Verarsche. Geldmacher-Schlager finde ich scheiße.

Interview: Natalia Sadovnik

Die Rezension über „Flamingostar“ ist in der aktuellen August-Ausgabe von SZENE HAMBURG zu lesen.

coverflamingo PSOErik Brandt-Höge: „Flamingostar“
Droemer Knaur Verlag, 252 Seiten, 12,99 Euro