SZENE HAMBURG im Juli

Urlaub in der eigenen Stadt

Warum im Sommer in die Ferne schweifen? Hamburg ist so facettenreich. SZENE HAMBURG präsentiert vier Wege, um Urlaub in der eigenen Stadt 
zu machen: für Entdecker, für Weltenbummler, für Eltern und Kinder sowie für Actionfans. Wer nach dem Lesen der zehnseitigen Anregungen noch nicht genug hat, kann sich durch unseren Kalender pflügen mit 2.700 Veranstaltungen in Hamburg für den Juli. Es gibt also wenige Gründe die Stadt zu verlassen. Das Wetter wird bestimmt auch noch bombig.

Und nicht vergessen: Schickt uns Bilder von eurem Sommer – von versteckten Gärten, schmelzenden Eiskugeln oder wie ihr einen Bauchklatscher in die Elbe macht. Wir wollen den Sommer festhalten und die besten Fotos veröffentlichen.

Noch ein Highlight: Am 10. Juli erscheint der neue Gastroguide SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN. Darin finden Sie alles, was Sie über Hamburgs Restaurantlandschaft wissen müssen: Kritiken, Berichte über lokale Craft-Beer-Brauer und die Streetfood-Szene, die besten vegetarisch-veganen Imbisse, Weinbars sowie Cafés.

Die Juli-Ausgabe erscheint am 27.6.!

SzeneTitelJuli

Die Juli-Ausgabe ab 27.6. im Handel und in unserem Onlineshop!

Weitere Themen im Juli:

Stadtleben
Chapel of Love: Ja sagen – zur Liebe und zu St. Pauli
Kunst im Stadion:
Streetart bei der Millerntor Gallery

Hamburger des Monats
Der Schauspieler Rolf Becker

Cineasten, raus!
Ein Überblick über die Freiluftkinos

Piepers paradise
Ausflugsziel Holzhütten-Kolonie

Fleischmarkt
Die SZENE HAMBURG-Redaktion zu Gast bei Metzgern: eine Bilderserie

Nie mehr Erste Liga
Saisonrücklick Amateurfußball

Essen + Trinken
Haute Cuisine und Local Food

Stimme vom Kiez
Die GWA St. Pauli wird 40!

Heiße Teile
Schöne Produkte made in Hamburg 
Titel

Film: Gefühlt Mitte Zwanzig
Der New Yorker Regisseur Noah Baumbach erzählt vom Culture- Clash der Generationen

Theater: Politisch inkorrekt
Schauspielhaus-Intendantin Karin Beier über ihre dritte Spielzeit

Literatur:
 Jenseits aller Normen
Daniela Chmelik erzählt von ihrem inklusiven Literaturblog Story-Teller

Sommerlektüre
Buchtipps für warme Tage

Kunst: „Jeder Fehler ist ein Kunstwerk“
„Hofnarr“ mit Hamburger Wurzeln: Christian Jankowski im Interview

Musik: Whiskey, Gitarre und Ohrstöpsel
Alex Tsitsigias spricht über das Festival-Comeback von Schrottgrenze bei „Müssen alle mit“

Nachtleben: Idyll im Industriegebiet
Hamburger Clubbetreiber plant eine Open-Air-Fläche in Rothenburgsort

Musikjournalismus im Sommerloch?

ByteFM-Kolumne: Und plötzlich klatschen alle, wenn sich Musiker als Nippel verkleiden

Eigentlich wollte ich diese Kolumne überschreiben mit: Die Woche der alten Herren. Am Ende ist es die Woche des ernüchternden Musikjournalismus geworden. Die Schlagzeilen: Einer bricht sich das Bein, der andere fängt einen Becher, der nächste verkleidet sich als Nippel.

Was ist nur los mit dem Online-Musikjournalismus? Ist das tatsächlich schon dieses Sommerloch? Muss wirklich tagelang und auf allen Plattformen gefeiert werden, dass Foo Fighters Dave Grohl’ trotz Beinbruch ein Konzert zu Ende spielt? Respekt dafür, aber die Ernennung zum Helden ist ein bisschen übertrieben.

Kaum haben wir Röntgenbilder gesichtet, macht ein Video die Runde, in dem David Achter de Molen, der Sänger der Band John Coffey, beim Crowdwalking einen Bierbecher fängt und das Bier trinkt. Wahnsinn. Krass. Mega. Ähm, was? Ernsthaft: Who cares? DAS ist Punkrock? Ach so.

Und dann war da noch die Sache mit dem Cover der neuen Platte der Eagles Of Death Metal. Zu sehen: eine Frau, die blank zieht. Statt Nippel sind die Köpfe der Bandleader Jesse Hughes und Josh Homme auf ihre Brüste gebaut. Witzig? Vielleicht. Rock’n’rollig? Absolut. Eine virale Standing Ovation wert? Definitiv nicht! Die Jungs machen Rock. So richtig alten hängengebliebenen Rock. Bei denen muss das so sein. Kümmert doch sonst auch niemanden.

Ich hätte nicht übel Lust, das ganze aufs Sommerloch zu schieben. In Anbetracht der Vielzahl der veröffentlichten Platten diese Woche (die zum Glück auch ihren Raum im virtuellen Journalismus fanden), lässt sich diese These aber kaum vertreten. Was ist es dann? Die Sehnsucht nach der schnellen Schlagzeile? Die Geilheit auf Sex, Drugs und Beinbruch? Oder einfach nur ein schlechter Scherz des Schicksals? Egal was, ich möchte, dass es aufhört. Bitte.

Text: Monique Schmiedl
Foto: Ausschnitt des Covers „Zipper Down“ von EODM

Wer sind ByteFM & Monique Schmiedl?

Monique Schmiedl_ByteFM

ByteFM ist moderiertes Internetradio mit handverlesener Musikauswahl, Sammelbecken für Musiknerds und Auffanglager für Kulturjunkies. Hier leben Journalisten, Musiker, Kenner und Liebhaber gemeinsam ihre Liebe zur Musikkultur jenseits der Mainstream-Hitgarantie. Monique Schmiedl ist Teil dieses Geklüngels. Ob Nerd oder Junkie – ohne Musikkultur geht bei ihr nichts. Stets den Schreiber-Stift am Anschlag, ist Monique mit offenen Ohren und Augen in Hamburgs Musikszene unterwegs. Für die Liebe zur Stadt, für sich, für euch, für ByteFM und für SZENE HAMBURG.

Stagediving in der Roten Flora

Kat Frankie kommt zur altonale Pop Nacht. Sie erzählt im Interview, warum Berlin wie Disneyland ist und wie Olli Schulz ihr Hamburg zeigte

Du bist 2004 nach Berlin gekommen – und geblieben, weil Sydney im Vergleich „total langweilig“ war. Was muss eine Stadt haben, um für eine Singer-Songwriterin aufregend zu sein?

Du bist gerade mit Olli Schulz getourt, auf dessen Album „Feelings aus der Asche“ du zu hören bist. Olli kommt aus Hamburg. Hat er dir die Stadt gezeigt?

Wäre Hamburg für dich zum Leben auch interessant?

Wenn man zu einem Festival geht, stößt man ja oft auf Acts, die man nicht kennt. Wie würdest du jemandem deine Musik beschreiben?

Du arbeitest mit einer Loop Station und begleitest dich so selbst. Ist das der Ersatz für eine Band?

Interview: Lena Frommeyer
Foto: Carola Schmidt

altonale Pop Nacht: Electro, Folk und Loop-Machine – beim Mini-Festival am 27.6. treten 13 Bands auf

altonalepopnacht-plakatRunde zwei für die altonale Pop Nacht. Nach dem Auftakt 2014 haben sich auch dieses Jahr wieder 13 Bands für das Mini-Festival rund um den Platz der Republik angekündigt. Serviert wird auf den vier Bühnen der perfekte Mix für einen lauen Sommerabend: mit melancholischen Electro-Beats der Hamburger Fuck Art Let’s Dance über Pop von Nörd aus Berlin und Rock/Alternative von Trupa Trupa aus der diesjährigen Paürtnerstadt Danzig bis hin zum 70er-Jahre-Folk-Pop der dänischen Band NovemberDecember ist für jeden etwas dabei.

Neben den Letztgenannten das Highlight des Abends: die australische Singer-Songwriterin Kat Frankie, die mit ihrer Stimme und einer Loop-Machine einen ganz besonderen Sound erzeugt. Orte des Geschehens sind neben dem Rathaus Altona und der Christianskirche die Alfred Schnittke Akademie sowie der Gemeindesaal der St. Petri-Kirche. Für die Aftershow-Sause bitten die DJs von 917xfm im Innenhof des Altonaer Rathauses zum „Tanz unterm Sternenzelt“.

Text: Theresa Huth

Platz der Republik (Altona Altstadt)
27.6., Einlass ab 17 Uhr

Kurs auf… was überhaupt?

Was steht eigentlich im rot-grünen Koalitionsvertrag? Für SZENE HAMBURG schauen freie Künstler, Umweltexperten und Netzaktivisten genau hin

Die Umwelt

Umweltjournalistin Katja Morgenthaler über Fahrradstadt, dicke Luft und Uran im Hafen. Ein Kommentar zum Koalitionsvertrag

Wir haben Probleme mit dem CO2-Ausstoß? Lasst uns ein Kohlekraftwerk nach Moorburg bauen! Autos parken die kümmerlichen Radwege zu? Dürfen sie, sind ja so viele!
Es scheint Hamburger zu geben, die nicht alles so lassen wollen, wie es ist in Europas „Umwelthauptstadt“ 2011. Mehr als zwölf Prozent von ihnen haben am 15. Februar Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Kein schlechtes Ergebnis für den Umweltschutz. Es spiegelt sich nur leider kaum im Koalitionsvertrag wider.

„In Hamburg ist der Trend zum Radfahren ungebrochen“, müssen wir schon auf Seite 36, nach der Auflistung aller sechs- bis achtspurigen Ausbauvorhaben für Autobahnen und Bundesstraßen lesen: „Immer mehr Radfahrerinnen und Radfahrer“ formulierten „ihren Wunsch nach guten Radfahrmöglichkeiten“. Nee, echt jetzt? Hamburg zur „Fahrradstadt“ zu machen, ist das wohl grünste Projekt des Papiers. Im Laufe der 2020er Jahre – also irgendwann nach dem jetzigen Senat – soll sich der Anteil des Radverkehrs auf 25 Prozent verdoppeln. Eine Marke, die Bremen schon 2013 knackte – um von echten Vorbildern wie Kopenhagen mal ganz zu schweigen.

Katja Morgenthaler

Katja Morgenthaler arbeitet als Redakteurin für das Greenpeace Magazin und lebt mit ihrer Familie in Eimsbüttel

Wer dem Fahrrad Platz einräumen möchte, muss ihn dem Auto wegnehmen: müsste. Irgendein Wille in diese Richtung ist nicht zu erkennen. Im Gegenteil. Wenn kein Wunder geschieht, bleibt Hamburg auch in dieser Legislaturperiode Deutschlands größte Stadt ohne Umweltzone. Eine Stadtmaut für den individuellen Motorverkehr ist ebenso wenig in Sicht. Dabei werden die verbindlichen EU-Grenzwerte für schädliche Stickoxide ständig überschritten. Im November hat ein Gericht die Stadt dazu verdonnert, das zu ändern. Wie das gehen soll, ohne Autofahrern wehzutun, will sich der Senat in den nächsten zwei Jahren ganz in Ruhe überlegen.

Beerdigt ist erneut eine Stadtbahn, die schneller vorangekommen wäre und mehr Fahrgäste gefasst hätte als Busse. Nichts für ungut, aber ein großer Wurf in dieser Hinsicht ist das Busbeschleunigungsprogramm nicht. Immerhin soll die U5 zügig weiter geplant werden. Ob für die Schienenanbindung solch attraktiver Wohnlagen wie Steilshoop und Osdorfer Born angesichts einer möglichen Olympiabewerbung auf den letzten Metern dann wirklich Geld da ist, bleibt abzuwarten.

Und sonst? Wenn der Scholzomat 2050 fast das heutige Alter von Helmut Schmidt erreicht haben wird, will die Stadt 80 Prozent weniger CO2 ausstoßen als 1990. Bis 2020 begnügt sie sich damit, „Anstrengungen“ zu „verstärken“ und zum nationalen Klimaziel beizutragen. Vorreiter sehen anders aus.

Eine Elbvertiefung wird kommen, falls die Gerichte es nicht noch verhindern. Dafür sollen mehr Schiffe mit Strom von Land versorgt werden. Strahlenfracht darf aber weiter festmachen … Umweltbewusste Wähler überkommt da wenig Lust, ihr Kreuz nächstes Mal wieder bei den Grünen zu machen. Die Frage ist nur: Wo sonst?

Die Kunst

Georg Kühn, freier Künstler aus Hamburg, hat sich das Kunst-Kapitel im Rot-Grün-Papierwerk angeschaut. Ein Kommentar

Hamburg braucht Platz für menschliche Begegnung, für Kultur, freies Durchatmen und stadtverträgliche Mobilität.“ Wer wollte da widersprechen? Und wie sollte man das irgendwann einklagen? Südlich der Elbe wird die Verheißung schon etwas konkreter, der Veringkanal soll „KulturKanal“ werden – und Kunst als Entwicklungspionier dienen. Oft sind solche Verzierungen obsolet, wenn das Kapital nachzieht. Noch aber wird hier Leerstand verwaltet. Diese Initiative wird vor allem von den Grünen gefördert, deren Basis den Koalitionsvertrag insgesamt skeptisch und unter Schmerzen durchgewunken hat.

Auf Seite 94 (von 115) des Koalitionsvertrags findet sich schließlich das Thema Kultur: „Die Vielfalt der Kultur in Hamburg macht ihren Reichtum aus“ – genannt werden Kunsthalle, Reeperbahn Festival, Staatsoper und Kinderbuchhaus. Allesamt etablierte Institute, die, so heißt es weiter „Millionen von Touristinnen und Touristen“ anlocken, sodass man „die Finanzierung der kulturellen Institutionen auch in Zukunft angemessen ausstatten“ wird. Aus allen diesen Sätzen spricht laut die merkantile Sicht auf urbane Kultur, wie sie die SPD bereits seit Langem einnimmt. Sinnfreier Selbstzweck, subversive Gegenentwürfe oder gesellschaftliche Utopien als kulturelles Motiv kann der Politik offensichtlich nicht dienen.

Georg_Kuehn Hamburg

Georg Kühn: Freier Künstler aus Hamburg, hat sich zuletzt über die Sprinkenhof AG geärgert, weil eine Lichtkünstlergruppe eine von der Stadt totgesparte Ausstellung im Rahmen des „Jahres des Lichts“ auf eigene Kosten realisiert hat, um dann für eine leer stehenden Bruchbude der Sprinkenhof auch noch Miete zu zahlen

So erfährt man später auch, dass „mit öffentlichen wie privaten Investitionen in die Kunstmeile mehr international bedeutende Ausstellungen nach Hamburg geholt werden“ sollen. Für immer Erste Liga (aber an der Nachwuchsförderung hapert’s, wenn das nicht auf Dauer zum Abstieg führt)! Allerdings auch bedacht werden soll die Provenienzforschung, sicherlich nicht ganz ohne internationalen Druck und im Sinne des Washingtoner Abkommens von bereits 1998!

Immerhin steht die Entwicklung von neuen Atelierflächen unter anderem in der Stockmeyerstraße explizit im Vertrag, wenn auch begleitet von weichen Formulierungen wie „Kulturelle Impulse für die Quartierentwicklung sollen auch die Möglichkeit erhalten, Förderung aus der Kulturtaxe zu erlangen“ (die bisher vor allem Großevents zugutekam) oder „mit einer proaktiveren Liegenschaftspolitik mehr günstige temporäre Flächen für Kreative einerseits und weniger Leerstand andererseits erreichen“. Eine geschmeidigere Sprinkenhof AG könnte tatsächlich viele interessante Kunsträume bieten, ob das allerdings je Realität wird, muss bezweifelt werden, hier regiert die Finanzbehörde. Um mal ungefähre Zahlen zu nennen: Der Haushalt beträgt etwa 11 Milliarden, die Kulturtaxe 11 Millionen, die freie Szene erhält etwa 110.000 Euro.

Ein Koalitionsvertrag dient wohl der allgemeinen Ausrichtung, wer konkrete Zahlen und Zusagen erhofft, wird hier leider enttäuscht. Die Zukunft wird zeigen, ob diese schwammig formulierten Ziele weiter verfolgt wurden oder ob sie nur als Beruhigungspillen zum wirtschaftsgläubigen Kurs der SPD gereicht wurden.

Auto Vektor durch Freepik entwickelt

„Hamburg macht sein eigenes Ding“

Adana Twins im Interview: Hamburgs erfolgreiches House-Duo spricht über die Clubkultur der Stadt und wo sie sich nachts ins Freibad stehlen

Ihr werdet weltweit gebucht, habt gerade eine Nordamerika-Tour hinter euch. Wie häufig seid ihr eigentlich noch in Hamburg?

Benni (rechts auf dem Bild): Wenn man bedenkt, wie sehr wir diese Stadt lieben, muss man ganz klar sagen: viel zu selten.

Besteht nicht die Gefahr, den Anschluss an die heimatliche Szene zu verlieren?

Friso: Natürlich sind wir nicht mehr so stark involviert, wie zu der Zeit, als wir jede Woche eine Party veranstaltet haben. Aber wir bemühen uns, auf dem neuesten Stand zu sein und unsere besten Buddys halten uns auf dem Laufenden.

Benni: Und dadurch, dass wir so oft weg sind, steht Feiern und Ausgehen nicht mehr an erster Stelle. Da chillen wir lieber mit unseren Frauen oder gehen mit Freunden was essen.

Trotzdem die Frage: Wie schätzt ihr die Szene für elektronische Musik in der Hansestadt zurzeit ein?

Benni: Sehr stark. Hier kommen echt eine Menge cooler Leute und Labels her. Diynamic, Smallville, Jeudi, Pampa, Liebe & Detail, um nur einige zu nennen. Die Qualität ist unfassbar gut.

Friso: Gerade im Ausland wird man von vielen Leuten positiv auf Hamburger Künstler oder Labels angesprochen.

Welche Rolle spielt Hamburg im internationalen Vergleich?

Friso: Eine Große! Zum Beispiel hat Pete Tong letztens eine ganze Show auf BBC Radio1 der Stadt gewidmet. Mit dabei: Solomun, Tensnake, Kruse & Nürnberg … und wir.

Was passiert denn im Moment bei euch musikalisch?

Benni: Wir erleben gerade einen kleinen Umbruch. Weg von Sample-House, hin zu darkeren, auch klassischeren Sachen. Es ist irgendwie immer doof, Namen für das zu finden, was man selbst macht. Wir haben auf jeden Fall extrem Spaß daran, vielschichtig an Dinge heranzugehen und etwas auszuprobieren.

Eure Adana Nights füllen seit Jahren die Läden der Stadt. Wie seht ihr grundsätzlich die hiesige Clubszene?

Benni: Hamburg war und ist schon immer etwas spezieller. Berlin-Themen wie Berghain, Panoramabar oder KaterMukke gehen fast immer. Auch lokale Größen sind wichtig, denn große internationale Acts wie Tale of Us, DJ Tennis oder Jamie Jones wären keine Garantie, dass die Bude aus allen Nähten platzt.

Friso: Das ist aber auch nicht verkehrt und zeigt, dass Hamburg eher sein eigenes Ding macht und nicht so sehr auf Hype-Themen steht.

Ihr veranstaltet eure Partys seit der Schließung des Ego an gleicher Stelle in der Villa Nova. Wie hat sich die Location verändert?

Friso: Das Soundsystem ist der absolute Wahnsinn. Schon im Ego war es sehr gut. Doch die neue Anlage setzt Maßstäbe. Auch die Raumaufteilung ist meiner Meinung nach besser und lässt den Club viel größer wirken. Und dann ist das neue Team wirklich herzlich. Wie damals im Ego, haben wir uns vom ersten Moment an wie zu Hause gefühlt.

Wenn ihr doch mal ausgeht, wo trifft man euch dann?

Benni: Wir gehen privat in die Villa Nova, aber gerne auch in den Baalsaal oder den Pudel. Soll es eine Bar sein, sind wir im Clockers, dem Wal-Rus und bald mit Sicherheit im neu eröffnenden Nusstafa.

Zum Schluss bitte noch eure persönlichen Tipps für den Sommer.

Benni: Open Airs sind immer ein Tipp. Außerdem zur Konzert-Saison im Stadtpark grillen, Bier an der Elbperle schlürfen oder nachts in Eimsbütteler Freibäder schleichen.

Text: Ole Masch
Foto: Felix Krüger

Calle 13 (25.6.)

Die puertoricanischen Straßen-HipHopper lassen am 25.6. eine Reggaeton-Piñata über dem Stadtpark explodieren. Wir verlosen Tickets

Auch wenn die Karriere der beiden Straßen-HipHopper von Calle 13 mit dem politischen Song „Querido FBI“ begonnen hat und ihre Haltung eindeutig linksorientiert ist, kann man die Musik der puertoricanischen Band auch einfach als Party-Musik genießen. Die beiden Halbbrüder Residente und Visitante, die Calle 13 vor zehn Jahren gegründet haben, heuern für ihre Tourneen mehr als ein Dutzend Sänger und Musiker an, jeder für sich ein Könner und vertraut mit den unendlich vielen Rhythmen, Tänzen und Gesängen Lateinamerikas. Cumbia, Salsa, Afro-Cuban Jazz, Tango verbinden sich mit Reggaeton, einer Neuschöpfung aus Reggae, Dancehall und Merengue. Konzerte mit Calle 13 sind ein ausgelassenes und schweißtreibendes Tanzvergnügen. Nachdem sie zuletzt in der Fabrik für ein ausflippendes Publikum gesorgt hat, gibt es die nächste Reggaeton-Party als Open Air im Stadtpark.

Text: Heinrich Oehmsen

hamburg:pur verlost 2 x 2 Tickets für das Konzert am 25.6. E-Mail mit Betreff „Calle 13“ bis zum 24.6. (15 Uhr) an online-verlosung(at)vkfmi.de.

Stadtpark Freilichtbühne
Saarlandstraße (Barmbek-Nord)
25.6., 19 Uhr

Jannes Wochenrückblick Vol. 10

Kolumne: Wie digital ist noch normal? Oder: Warum es doof ist, 13.000 Posts vom letzten Festival in der Timeline zu haben

In unserem heutigen Leben spielen Monitore eine Hauptrolle. Es gibt große im Büro und im Wohnzimmer, kleinere in der Aktentasche und noch kleinere in der Hosentasche. Die Digitalisierung hat viele Vorteile, aber meine heutige Kolumne ist wahrscheinlich die millionste Publikation, die sich diesem Thema widmet: Kinder, bitte legt eure Geräte mal beiseite.

Wer auf einem angesagten Festival oder bei einer fancy Ausstellung ist, möchte seinen Freundeskreis daran teilhaben lassen. Das ist verständlich. Aber muss man sich wirklich auf einem Bierbecher markieren? Wie wäre es mit etwas mehr Tiefe? Man könnte den liebevoll eingerichteten Backstagebereich zeigen. Oder sein Lieblingskunstwerk mit einer sinnhaften Begründung posten.

Am Wochenende pilgerte gefühlt halb Hamburg rund 70 Kilometer gen Südwesten zum Hurricane. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe 13.000 Posts vom Festival in meiner Timeline. Zum Beispiel Marteria aus 1.000 Metern Entfernung. Ich hätte fast gar nicht mehr hinfahren müssen. Was ist nur aus der Zeit geworden, wo man da keinen Empfang hatte und sein bestes Stück einfach mal drei Tage weggesteckt hat.

Apropos „aus der Zeit“: Ich bin in meiner Schulzeit von 1987 bis 2000 tatsächlich nicht einem einzigen Computer im Schulgebäude begegnet. Jetzt hat sich doch tatsächlich ein Abitur-Jahrgang ein T-Shirt mit der Aufschrift „Abipedia – 13 Jahre copy & paste“ machen lassen. Witzig und traurig und wahr. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Am Donnerstag war ich bei einem Vortrag des Marketeer Club Europe e.V. Dort stellte eine Medienwissenschaftlerin gegenüber, dass unsere Eltern im Büro täglich mit 300 Informationen zu tun hatten – unsere Generation scrollt und klickt sich dagegen durch 13.000. Das muss doch auch physisch mal eine Grenze haben?

Ihr könnt euch am Sonntagabend ja überlegen, wie so ein Tag früher ausgesehen haben mag. Fast unvorstellbar, finde ich.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Bier-Botschafter

Beyond Beer: Braugut aus aller Welt darf im neuen Beer Store & Taproom in Eimsbüttel direkt verkostet werden

Nein, als Aperitif gibt’s kein Bier, sondern Eiscreme. Vor prall gefüllten Flaschenregalen stehen die ersten Bier-Enthusiasten und löffeln eine gelungene Eiskreation auf Basis von Rodenbach Grand Cru, einer belgischen Sauerbierspezialität, die zum Teil fassgelagert wird und in ihrer fruchtigen Aromatik eher an Rotwein erinnert.

Schon bei der Eröffnungsfeier im Mai will das Team von Beyond Beer halten, was der Name verspricht, und das Thema Bier über das bloße Trinken hinaus angehen. In der Hamburger Craft-Beer-Szene sind sie längst keine Unbekannten mehr: Maximilian Marner und Ronald Siemsglüß veranstalten Braukurse und Bier-Tastings, Klaas Twietmeyer trägt die Botschaft des stilvollen Biergenusses über seinen Blog „Hops Hysteria“ in die Welt.

Gemeinsam mit Florentine Siemsglüß stehen sie hinter Beyond Beer, einem Beer Store & Taproom, in dem alles zusammenkommen soll, was das Thema Bier so erforschenswert macht. „Unser Vorbild sind die Brauereien selbst. Bei denen gehst du durch die Tür und bekommst sofort ein Bier in die Hand gedrückt.“

„Weil unsere Biere zum Teil sehr speziell sind, mochten wir die Idee, dass man sie in unserem Laden direkt kostenlos probieren kann. So wuchs die Idee vom Tresen“, so Ronald Siemsglüß. Drei Zapfhähne warten jetzt auf neugierige Bierliebhaber. „Die Idee ist, dass man vorbeikommt, ein, zwei Biere trinkt, sich etwas mitnimmt und dann weiter in die Schanze zieht.“

Einen regionalen Fokus gibt es nicht; die clean gestalteten, hellen Regale sind nach Ländern geordnet. Mächtige Trappistenbiere aus Belgien, innovative Kreationen aus Skandinavien, reichlich Ale aus Großbritannien und die Highlights aus Nord- und Süddeutschland sind vertreten. Mit Brauereien wie Mikkeller aus Kopenhagen oder Heidenpeters aus Berlin befinden sich darunter echte Nerd-Lieblinge, die trotz der wachsenden Verfügbarkeit von Craft Beer nicht einfach zu bekommen sind.

Die Hamburger Craft-Szene hat natürlich einen Ehrenplatz: Neuerscheinungen von Kehrwieder, Wildwuchs, Brewcifer, Buddelship und Co werden bei Beyond Beer so schnell wie möglich im Regal stehen.

Dass das Thema einen Nerv trifft, wurde schon vor der Eröffnung deutlich. „Als sich bei Facebook 500 Leute angekündigt hatten, wurden wir schon nervös. Am Ende waren es 1.100“, lacht Siemsglüß. Kurzerhand wurde die Eröffnungsfeier auf drei Tage ausgedehnt. Durstig blieb hier keiner.

Text: Benedikt Ernst

Beyond Beer
Weidenallee 55 (Eimsbüttel)
Telefon 44 46 54 24,
Di-Sa 12–20 Uhr

Prima Vista-Lesung

Sprecher lesen Texte, die das Publikum mitbringt. Einer davon ist Oliver Rohrbeck, die Stimme von Justus Jonas (Die Drei ???)

Er sei öfters in Hamburg, erzählt Oliver Rohrbeck im Interview mit SZENE HAMBURG. Auch, weil er eine Dauerkarte für die Spiele des FC St. Pauli habe. Am 22. Juni wird er zudem im Zirkuszelt im Schanzenpark aus Texten lesen, die er zuvor noch nie gesehen hat. So ist das Konzept der Prima Vista-Lesung. Von der Erotik-Lektüre bis zur koreanischen Gebrauchsanleitung landet da eine skurrile Mischung auf dem Sprecherpult von Oliver Rohrbeck und Synchronsprecher-Kollegen Detlef Bierstedt – den kennt man u.a. als Stimme von George Clooney.

SZENE HAMBURG: Wie läuft so eine Wundertüten-Lesung ab?

SZENE HAMBURG: Für wen ist das witziger – für euch oder das Publikum?

SZENE HAMBURG: Wie kriegt man das mit der Betonung hin, wenn man den Text nicht kennt?

SZENE HAMBURG: Inwiefern spielen Figuren und Schauspieler eine Rolle, die du oft synchronisierst: Justus Jonas (Die Drei ???), Ben Stiller oder Chris Rock?

SZENE HAMBURG: Gibt es etwas, aus dem du wirklich gerne einmal vorlesen würden, zum Beispiel aus einem Tagebuch?

Interview: Lena Frommeyer

Prima Vista Lesung
Zirkuszelt im Schanzenpark

22.6., 20 Uhr

Verliebt in DJ Koze

ByteFM-Kolumne: HipHop, Songwriting, Berghain-Techno – DJ Koze webte einen sexy Soundteppich für die Reihe „DJ-Kicks“

Sonntagmorgen. Die Spuren der letzten Nacht auf Pauli sind deutlich spürbar und ich hab die Jubiläumsausgabe der „DJ-Kicks“ vor der Nase. Oha, der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, sich harte Elektrobeats anzuhören. Was soll’s.

Die berühmt-berüchtigte Reihe aus dem Hause !K7 feiert Jubiläum und man hat sich DJ Koze ins Haus geholt, um die 50. Ausgabe zu be-beaten. Koze stellt sich somit in die Reihe von Top-DJs, die sich für DJ-Kicks beim Mixen und freien Interpretieren austoben konnten. Zwei Stunden Clubfeeling für zu Hause. Große Ehre für den Wahlhamburger. Große Erwartungen an die Jubiläumsausgabe. Großer Graus für meinen Kopf. Oh, wie weh ist mir.

Und dann kommt alles anders. Was für eine wundervolle Überraschung. DJ Koze macht mal wieder das, was er so wunderbar kann: sein eigenes Ding durchziehen. Er baut keinen harten Mix zusammen, viel eher arrangiert er einzelne Genre-Tracks. Koze stellt sommerlich flatternde Jazz-Songs neben zackigen HipHop, gefolgt von Indietronic-Klängen. Die Stücke funktionieren hierbei einzeln und sind doch zu einem Ganzen zusammengefügt.

DJ Koze hat eher ein Mixtape zusammengestellt, bei dem er die einzelnen Tracks mit Sprecheinlagen oder leichten Beats sanft ineinander überfließen lässt. Er hat den einzelnen Songs einen leichten Schal umgelegt und lässt ihnen Luft zum Atmen. Kein harter Grundbeat, der das Ausgangsmaterial unerkennbar macht, kein wildes DJing, sondern ein sanftes Kuratieren.

Allzu oft macht mein träges Gemüt an diesem Morgen einen Hopser, ob dieser wirren Zusammenstellung. Das ist großes Kino mit kleinen Mitteln. Da wird Erwartungen der Mittelfinger gezeigt. Das ist der perfekte Morgen-nach-dem-Abend-Kick.

Text: Monique Schmiedl

Wer sind ByteFM & Monique Schmiedl?

Monique Schmiedl_ByteFM

ByteFM ist moderiertes Internetradio mit handverlesener Musikauswahl, Sammelbecken für Musiknerds und Auffanglager für Kulturjunkies. Hier leben Journalisten, Musiker, Kenner und Liebhaber gemeinsam ihre Liebe zur Musikkultur jenseits der Mainstream-Hitgarantie. Monique Schmiedl ist Teil dieses Geklüngels. Ob Nerd oder Junkie – ohne Musikkultur geht bei ihr nichts. Stets den Schreiber-Stift am Anschlag, ist Monique mit offenen Ohren und Augen in Hamburgs Musikszene unterwegs. Für die Liebe zur Stadt, für sich, für euch, für ByteFM und für SZENE HAMBURG.