Reibung schaffen

Karin Beier mag keine leichten Aufgaben. Im Herbst bringt die Intendantin des Deutschen Schauspielhauses umstrittene Themen auf die Bühne: Islamkritik, Flüchtlinge und Extremismus. Ein Gespräch

SZENE HAMBURG: Ihre zweite Spielzeit in Hamburg geht zu Ende. Wie geht es Ihnen?

Karin Beier: Gut (lacht). Ich bin natürlich ein bisschen k. o. Wegen des Unfalls mit dem Eisernen Vorhang (Oktober 2013, Anm. d. Red.) waren wir spät dran mit der Planung der aktuellen Spielzeit, das hatte auch Konsequenzen für die Werkstätten … Es war permanentes Krisenmanagement. Aber künstlerisch gesehen, ist diese Spielzeit sehr gut gelaufen.

Sie haben angekündigt, dass die nächste Spielzeit weniger politisch korrekt wird. Was heißt das?

Als wir im Haus über das Stück „Geächtet“ sprachen, hatte ich Bedenken, dass man damit den falschen Leuten ins Horn bläst. Da gibt es zum Teil islamfeindliche Positionen, und wir wollten der AfD oder der Pegida-Bewegung damit keine Argumente liefern.

Was für Positionen sind das?

Zum Beispiel fällt der Satz: „Der Koran ist ein einziger langer Hassbrief an die Menschheit.“ Wenn so etwas auf der Bühne gesagt wird, könnte es plötzlich einen Wahrheitsanspruch bekommen, dabei ist es nur die Äußerung einer einzelnen Figur und nicht die politische Haltung des Stücks.

„Papst-Bashing ist erlaubt, Islamkritik nicht“, haben Sie gesagt. Möchten Sie das Tabu brechen?

(…)

Interview: Natalia Sadovnik
Foto: Klaus Lefebvre

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Juli-Ausgabe von SZENE HAMBURG zu lesen.

 

Zwischen Schreibtisch und Kaffeemaschine

„Sekretärinnen“ ist ein Liederabend über eine klischeebeladene Berufsgruppe

Sekretärin – der Begriff rangiert irgendwo zwischen Berufsbezeichnung und Schimpfwort. Jeder hat sofort Bilder von telefonierenden, schreibenden und Kaffee kochenden Frauen vor Augen. Inklusive der Funktion als guter Seele eines Büros oder die Geliebte des Chefs – genug Stoff also, um die Berufsgruppe abendfüllend zu porträtieren. Das gelang dem Musiker, Komponisten, Arrangeur und Pianisten Franz Wittenbrink vor genau 20 Jahren am Deutschen Schauspielhaus: „Sekretärinnen“ gehört zu dem von ihm erfundenen, neuen Genre des sogenannten Liederabends. Darin werden Schlager und Arien, Volkslieder, Popsongs und Balladen ihres ursprünglichen (Kon-)Textes beraubt und für den neuen Zusammenhang umgedichtet. Gesprochene Sprache ist überflüssig, denn alle Stimmungen, Beziehungen und Situationen erklären sich durch Gesang und Körpersprache. Dass die Klischees großartig überspitzt und bis zur Karikatur überzeichnet werden, macht aus den losen Szenen einen zum Brüllen komischen Liederabend.

Text: Dagmar Ellen Fischer
Foto: Bo Lahola 

Kammerspiele
Hartungstraße 9 (Rotherbaum)
25.7. (Premiere), 30.7.

Sommerlektüre: Wütende Männer

Wir empfehlen Bücher für die Urlaubstasche. Nr. 4: Dave Eggers politisches Kammerstück

Dave Eggers’ neuester Roman überrascht nicht nur mit dem Titel. Es ist eigentlich gar kein Roman, denn das Buch besteht nur aus Dialogen, ohne auch nur eine narrative Zeile. Ein junger Mann entführt nacheinander sieben Menschen, darunter einen Astronauten, einen Politiker sowie einen ehemaligen Lehrer, und verschleppt sie auf einen verlassenen Militärstützpunkt. Er wirft seinen Opfern vor, dass er keinen Platz in der Gesellschaft finden kann, deren alte Spielregeln nicht mehr gelten.

Eggers zeigt erneut ein Gespür für brandaktuelle Themen wie Polizeigewalt, Radikalisierung und individuelle Verantwortung. Seine Studie über Männer, die zu extremen Mitteln greifen, ist leicht lesbar, direkt und auch humorvoll. Wirkliche Antworten gibt der Roman nicht; Eggers hätte auch deutlich mehr wagen können. Die Lektüre bleibt dennoch bis zum Schluss spannend und danach noch eine Weile im Gedächtnis.

Dave_Eggers_Cover_VäterEine Empfehlung von Natalia Sadovnik

Lesedauer: Zwei „Game of Thrones“-Folgen

Dave Eggers: „Eure Väter, wo sind sie? Und die Propheten, leben sie ewig?“
KiWi, 224 Seiten, 18,99 Euro

Seilerstraße 24

Schmuckdesignerin Charlotte Simon und die Möbeldesignerinnen von Mjuka eröffnen ihren Showroom auf St. Pauli

Kaum größer als ein Kämmerlein ist Charlotte Simons Werkstatt. Sie sitzt auf einem Drehstuhl mit Rollen und führt Schmuckstücke aus ihrer aktuellen Kollektion „Lys“ vor. Die zarten Ringe, die jeweils mit einem winzigen Blatt verziert sind, kommen gerade frisch aus der Gießerei. Die 29-Jährige wird sie in mehreren Schleifgängen aufpolieren, bis sie so sehr glänzen, dass sie reif sind für die Auslage im Verkaufsraum ein Stockwerk höher.

Seilerstraße 1

Der frisch eröffnete kleine Laden liegt in der Seilerstraße 24 und ist hamburgweit der einzige Ort, wo man den filigranen Schmuck und die Lederaccessoires der Schmuckdesignerin kaufen kann. Man kennt die junge Frau auch aus einem anderen Kontext. Zusammen mit Nina Grätz und Christina Raack veröffentlichte sie das musikalisch-wertvolle Hörspiel „Eule findet den Beat“, zu dem sie die lustigen Illustrationen besteuerte.

Seilerstraße 2

Außer den Simon’schen Handarbeiten verkaufen dort auch die beiden Möbeldesignerinnen Annika Steven und Franziska Cadmus ihre Mjuka-Objekte. Die beiden 28-Jährigen mit Vorliebe für skandinawisches Design sind schon im November 2014 in das Ladengeschäft eingezogen. Sie haben sich eine interessante Nische erobert: die Einrichtung von sozialen Räumlichkeiten, wie Kitas, Arztpraxen oder Altenheimen.

Seilerstraße 3

Aber auch ihre Möbelentwürfe aus Holz und Textil können sich sehen lassen. Etwa die Bank Svell, die durch den besonderen Stoff ihres Sitzkissens lebt, das die Designerinnen in ihrer geräumigen Werkstatt selbst aufpolstern. Die befindet sich ebenfalls in den Katakomben des Ladens. Insgesamt neun Mieter teilen sich die Räume im Erdgeschoss und Keller der Seilerstraße 24. Dort ist ein wahrer Hort der Kreativität entstanden. Vorbeischauen lohnt sich.

Text: Alessa Pieroth

Seilerstraße 24 (St.Pauli)
Mo-Fr 12–19 Uhr und nach Vereinbarung

Weltreise durch Hamburg

Hamburg steckt voller fremder Welten. Katharina Manzke ging auf Erkundungstour. Das hilft gegen Fernweh

Mein Fernweh kündigt sich immer mit einem schönen Klingeln an. Es ist kein aufdringliches Tuten, keine schrille Schelle, es ist ein Glockenspiel. Fein und verheißungsvoll – so ähnlich wie die Melodie, die manchmal von der kleinen russisch-orthodoxen Kirche mit den himmelblauen Kuppeln zu hören ist. Ihre Zwiebeldächer ragen neben den klotzigen Hochhäusern der Lenzsiedlung in Eimsbüttel in die Höhe. Wie aus einer fremden Welt. In Hamburg gibt es viele „exotische“ Orte wie diesen. Und wenn mich mein Fernweh mal wieder wachklingelt, ich aber nicht in die Ferne reisen kann, dann suche ich die weite Welt eben in der Stadt.

Indianer, Mayas und affenköpfige Kühe

Zum Beispiel im Museum für Völkerkunde. Dort können Besucher fremde Kulturen zugleich in der Vergangenheit und in der Gegenwart bereisen. So gelange ich von den Indianern Nordamerikas zur hinduistischen Götterwelt nach Ägypten und zu den Mayas. Ich setze mich in ein Tipi, lausche über eine Hörstation fremdartigen Flötentönen und erfahre über das digitale Maya-Orakel, dass aus mir wahrscheinlich entweder Schamane oder Ehevermittlerin wird.

Ich gehe weiter in einen prächtigen Bali-Raum, wo in Vitrinen rituelle Masken gezeigt werden. Die Spiegelung der Glasscheibe sorgt für die optische Täuschung, dass mein Abbild mit den ausgestellten Gegenständen verschmilzt. Plötzlich blicke ich mir selbst als affenköpfige Kuh mit Fischmaul und Tigerzähnen entgegen. Ich bin zur schrecklichen Hexe „Celuluk“ geworden. Schnell wechsle ich zum freundlichen Wildschwein nebenan. Oder am besten gleich in die echte Wildnis …

Museum Völkerkunde 1

Chinesisches Teehaus im Yu Garden

Wildwuchs im Urwald

Der Sachsenwald ist der Rest eines riesigen Urwaldes und erinnert an manchen Stellen mit seinem verschlungenen Wildwuchs noch heute an einen Dschungel. Exotische Falter leben hier allerdings nur unter einer Glaskuppel. Auf dem Anwesen Friedrichsruh, im Besitz der Familie Bismarck, tummeln sich Zwergkaninchen, golden schimmernde Koi-Karpfen, Libellen und Eichhörnchen. Im Garten der Schmetterlinge, einem kleinen Tropenhaus, gibt es viele prächtige Insekten aus Südostasien, Afrika und Südamerika zu begutachten. Bei feuchtwarmem Klima flattern sie mit schnellem Flügelschlag zwischen exotischen Pflanzen kreuz und quer an mir vorbei. Groß wie Fledermäuse, aber viel schöner.

Schwarzweiß, gelb-orange gemustert, blau wie der pazifische Ozean. Wenn man stillhält, kann es passieren, dass sich „Phocides Polybius“, „Parnassius Mnemosyne“ und „Nymphalidae“ auf dem ausgestreckten Arm niederlassen. Viel scheuer ist da das Jemenchamäleon namens „Hube“, es bleibt lieber auf Distanz … Das ist mir ganz recht so. Zu viel Wildnis ist auch nicht gut. Dafür schmeckt auch der Apfelkuchen im Forsthaus Friedrichsruh viel zu gut!

Japan nahe St. Pauli

Exotische Ecken findet man übrigens auch nahe St. Pauli – und ich meine jetzt keine eindeutigen Etablissements, sondern Planten un Blomen. Immer sonntags lädt im Teehaus im japanischen Garten die deutsch-japanische Gesellschaft zur Teezeremonie. Man kann unangemeldet einfach vorbeikommen. Und so mische ich mich unter die zehn Gäste, die der Teemeisterin Kazuko Chujo dabei zusehen, wie sie die jahrtausendealte Kunst zelebriert. Harmonie, Reinheit, Stille und Respekt – diese Werte sollen während des Rituals formvollendet zum Ausdruck gebracht werden. Und es funktioniert: Sie äußern sich in jeder Bewegung der zierlichen, kleinen Frau, jedem Wort an die Gäste. Als ich schließlich selbst das grüne, leicht bittere Gebräu aus einer Keramikschale schlürfe, fühle ich mich bereits durch das Zuschauen herrlich entspannt.

Ich beschließe, den restlichen Sonntag ähnlich ruhig ausklingen zu lassen und setze mich auf eine Bank im japanischen Garten. Ich schließe die Augen und höre: leises Plätschern, Wind, verwehte Stimmen … Kein Läuten. Mein Fernweh schweigt. Zumindest für heute.

Text und Foto: Katharina Manzke

Weitere Hamburg-Entdeckungstouren, zum Beispiel für Actionlustige und Familien, findet Ihr in der Titelgeschichte der aktuellen Juli-Ausgabe von SZENE HAMBURG.

Mehr Tipps gegen Fernweh

Türkisches Hamam
Falls es im Hamburger Sommer doch mal regnet: Ein Besuch im türkischen Bad, einem Hamam, bewirkt Wunder. Los geht es schwitzend auf einer Sitzfläche aus Marmor, durch ein Peeling wird die Haut angenehm durchblutet und erneuert, und am Ende wird man in warmen Seifenschaum gehüllt wie Aphrodite in 1001 Nacht.

Hamam-Hafen Hamburg
Seewartenstraße 10 (St. Pauli)
Mo-Fr 10–22, Sa-So 11–21 Uhr

Hamam Palace
Veringstraße 16 (Wilhelmsburg)
Mo-Sa 10–22, So 10–21 Uhr

Islamische Kunst

Der Islam als Weltreligion hat viele kulturelle Schätze hervorgebracht. Die Sammlung Islamische Kunst im Museum für Kunst und Gewerbe zeigt dies mit rund 270 Exponaten und schlägt Brücken von der Vergangenheit in die Gegenwart. Ein eindrucksvolles Zeugnis islamischer Kunst ist auch an der Außenalster zu finden: Die Imam Ali Moschee, in der auch nicht muslimische Gäste willkommen sind, ist Deutschlands viertälteste Moschee. Ihre Fassade besteht aus himmelblauen Kacheln und strahlt Passanten schon von Weitem an.

Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
Di-So 10–18, Do 10–21 Uhr

Imam Ali Moschee
Schöne Aussicht 36 (Uhlenhorst)

Exotische Geschmäcker

Manchmal braucht es nur einen besonderen Duft in der Nase – und schwupps, ist man in Indien, Afrika oder Thailand. In die Welt der Gewürze entführt beispielsweise das Spicy’s, ein Museum zum Probieren und Riechen. Ein Gewürzparadies ist auch das Kräuterhaus in St. Georg. Das Traditionshaus führt über 600 Kräuter. Darunter verschiedene Curry-Mischungen, Ras el Hanout, Paella-Gewürz, Safran in Fäden und gemahlen. Hier findet man ganz bestimmt die passende Mischung für ein Hühnchen in Kokosmilch nach einem Rezept aus Papua-Neuguinea.

Spicy’s
Sandtorkai 34 (HafenCity)
Di-So 10–17 Uhr

Das Kräuterhaus
Koppel 34 (St. Georg)
Mo-Fr 10–19, Sa 10–18 Uhr

MS Artville

Natur, gute Musik, nette Leute und noch was fürs Auge. Die Wilhelmsburger Kunststadt eröffnet am 25. Juli

Zum fünften Mal wird das MS Artville vom 25.7. bis 15.8. auf der Elbinsel errichtet. Die Wilhelmsburger Kunststadt ist hungrigen Großstadtgeistern Inspirationsquelle, Hort der Entspannung und hemmungsloser Feierei. Abseits von weißen Wänden profaner Galerien, versteht sich das MS Artville als Open Air-Kulturstätte für den künstlerischen Underground (nicht im dunklen, verschlossenen Sinne) und Spielwiese diverser Kulturdisziplinen.

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DJ-Künstlerin Meggy pöbelt beim Richtfest (Foto: Vitali Gelwich)

Das Programm ist bunt wie das Innenleben einer Piñata, die über dem MS Dockville-Gelände explodiert. Los ging es eigentlich schon mit der Sonnenfeste (5.7). Mit Sonnen- und Regentanz zu Live DJ-Sets wurde das Artville-Jahr 2015 eingeläutet – eine Art Appetizer. Das Richtfest (25.7.) markiert den eigentlichen Start. Neben der Kunst steht wieder die Musik im Mittelpunkt. DJane Meggy, die auch Mitglied der Berliner Suol-Crew ist, liefert „groovige Housetunes, Vocals und tiefe Bässe“ ab. Ratkat, Tilman Tausendfreund und Beykin sind weitere Aufleger-Acts, den Container bebassen M.Rux und Echoel.

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Sekuoia wird der Klassik ihre Schwere entziehen (Foto: Ihsan-Tahir)

Einen Tag später folgt man auf der Elbinsel einer spannenden Mission. Im Rahmen des Festivals der Neoklassik Symfotronik (26.7.) will man der Klassik ihre Schwere entziehen. „Gemeinsam, Elektronisch. Unbekümmert. Symfotronisch tanzend und hörend.“ Unter anderem werden Erol Sarp und Lukas Vogel alias Grandbrothers delikate Soundgebilde für Tagträumer basteln. Außerdem bringen Sekuoia, Cralos Cipa und Sebastian Plano ihre elektronische Expertise ein. Der Juli endet mit dem Easy Kisi Dorffest (31.7.). Im Vorjahr baute Zipper die Rakete ein Rap-Gefährt. Da trifft DJ-Pult auf Wohnwagen und alle Spielarten des HipHop werden ineinander gemischt. Und alle tanzen zu Dexter, 12Vice und FJay (funksnotdead)!

Artville_Richtfest

Im August pilgert das Partyvolk dann zu den Evergreens Vogelball (1.8.) und Butterland-Open-Air (2.8.). Das Manifest (15.8. ab 14 Uhr) bildet den fulminanten Höhe- und Schlusspunkt.

Text: Lena Frommeyer & Alessa Pieroth
Fotos: Pablo Heimplatz (oben & unten)

Alte Schleuse 23 (Wilhelmsburg)
25.7.–15.8.
Richtfest: 25.7., ab 16 Uhr
Eintritt: 5 Euro (nur AK)

Café im Container

Kulinarischer Nachwuchs in Rothenburgsort: Bei Entenwerder1 gibt es Craft Beer und guten Kaffee von den Public Coffee Roasters

Die 600 Quadratmeter große Pontonanlage am Elbpark Entenwerder haben Thomas Friese und seine Tochter Alexandra (Thomas i-Punkt) schon seit Jahren im Visier. Ihr Ziel: Ein Ort in Rothenburgsort erschaffen, wo Platz ist für Kunst, Kultur und Kulinarik.

Von Weitem weisen die pinkfarbenen, im Wind flatternden Flaggen den Weg auf die insgesamt 600 Quadratmeter große, schwimmende Anlage. Über eine mehr als 100 Jahre alte Brücke (keine Angst: frisch saniert) gelangt man zum Café Entenwerder1. Es eröffnete im Juli 2015 und besteht aus zwei zusammengesetzten, rosa gestrichenen Schiffscontainern.

Speisekarte

Alles handgemacht – auch die Speisekarte

Draußen dienen umgestaltete Duckdalben als Sitzplätze mit Blick auf die Elbe. Drinnen bereitet
 die Café-Betreiberin Nina Plazonja die saisonalen
 Speisen zu. Am Wochenende gibt es Frühstück. Sowieso immer Craft Beer und Kaffeespezialitäten. Für letztere sorgt Argin Keshishian (Foto) – genauer
gesagt: die Public Coffee Roasters. Die Hamburger Rösterei, mit eigenem Café in der Neustadt, ist Teil des
 Konzepts. Seit jeher rösten sie ihre Bohnen in Rothenburgsort. Da schließt sich der Kreis.

So viel zur Kulinarik. Auch Kunst und Kultur wird bald auf den 
Ponton ziehen. Ein Goldener Pavillon wird dem 
Segelprojekt „Entenwerder Elbpiraten“ als Heimstätte dienen und verschiedenen Veranstaltungen
 Raum bieten. Also, rauf aufs Rad, rein ins Boot
und ab nach Entenwerder.

Text: Julia Braune
Foto: Nicolas Borst

Entenwerder 1 (Rothenburgsort)
Mo-Fr 12–22 Uhr
Sa 10–22 Uhr
So 10-18 Uhr

Sommerlektüre: Revolutionärer Weltumsegler

Wir empfehlen Bücher für die Urlaubstasche. No 3: Georg Forsters große Reise

Georg Forster, Naturforscher“, heißt es lapidar auf der Erinnerungstafel. Sie hängt am Giebel des Göttinger Hauses, in dem der einst gefeierte Weltumsegler und später verfemte Revolutionär kurze Zeit einmal gewohnt hat. Forster (1754–1794) war mit James Cook in die Südsee gereist. In Deutschland hatte niemand von der Welt so viel gesehen wie er. Als Mainzer Jakobiner hat er hier die erste Republik überhaupt mitbegründet.

Höchst lebendig, mithilfe vieler Zitate aus Forsters Briefen, Essays und Reiseerzählungen (wie der berühmten „Reise um die Welt“) rekonstruiert das Buch, wie sich aus seiner Naturanschauung sein Revolutionsverständnis entwickelt. Eloquent referiert es den aktuellen Stand der Forster-Forschung. Und es verfolgt dessen „Lebensreise“ bis ins Paris der Schreckensherrschaft.Dort erleiden all seine Hoffnungen auf schreckliche Weise Schiffbruch – was er aber noch eher akzeptierte, als „in Hamburg oder Altona“ eine ruhige Kugel zu schieben. Ein aufregendes Leben, dessen geistiges Substrat vom Autor analog entfaltet wird.


GeorgForster großEine Empfehlung von Jörg Schöning

Lesedauer: Zwei Wochenenden

Jürgen Goldstein: „Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt“
Matthes & Seitz, 310 Seiten, 24,90 Euro

Jannes Wochenrückblick Vol. 16

Kolumne: Echte Freunde

Ich werde erstaunlich häufig gefragt, ob ich tatsächlich alle 4.999 meiner Freunde auf Facebook kenne. Um die Antwort vorwegzunehmen: Ja. Ich kenne tatsächlich alle 4.999 meiner Freunde auf facebook. Und die Follower auf Instagram, meine Kontakte auf Xing und die Menschen hinter den Profilen auf Linkedin auch.

Meine Freunde im Bureau machen sich regelmäßig einen Spaß daraus, bei meinen Facebook-Freunden bis ganz nach unten zu scrollen, um mich abzufragen. Ich kann ihnen dann den Job der Person und den Grund, warum wir uns kennengelernt haben, nennen. Bisher bin ich ungeschlagen.

Vielleicht können sich das einige Menschen nicht vorstellen, aber ich bin immer ein wenig erstaunt, wenn es zu folgendem typischen Dialog kommt: »Hallo.« »Hallo.« »Weißt Du eigentlich, wer ich bin?« Wenn ich das nicht wüsste, würde ich doch nicht lächelnd auf diese Person zugehen und ihren Gruß erwidern, sondern fragen, ob oder woher wir uns kennen. Der Dialog kann jetzt verschiedene Wendungen nehmen, die zwischen einem spontanen Saufgelage auf die guten alten Zeiten und einem grundlos beleidigten Abgang der Grüßperson liegen.

Ich war diese Woche nicht nur zu einem Interview im Social Impact Lab eingeladen, wo ich gefragt wurde, wie die clubkinder in so kurzer Zeit so viele Supporter gewinnen konnten (der Grund steht oben zwischen den Zeilen), sondern auch zu Konzerten, Feten, dem Block Party Open Air und Hallo Frau Nachbar. Nichts für ungut: Ich habe alle Grüßenden er- und gekannt. Ich bin der Grüßonkel.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes
Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.

Jannes Wochenrückblick Vol. 15

Kolumne: Welcome to Hamburg

Ich möchte euch heute mal von einem Projekt aus meinem gemeinnützigen Förderverein erzählen. Mit dem clubkinder e.V. veranstalten wir so oft es geht „Welcome Dinner“, also Abende, an denen acht Hamburger acht Zuwanderer zum Abendessen einladen.

Bislang machen wir das meistens im Restaurant »Altes Mädchen«, es haben sich aber auch schon zahlreiche andere Lokale bei uns gemeldet. So viele, dass wir das gar nicht schaffen können, überall dort „Welcome Dinner“ zu veranstalten, weil wir auch eine gewisse Sorgfalt bei der Vor- und bei der Nachbereitung an den Tag legen wollen und wir das ja auch nur ehrenamtlich nebenbei machen können. Wir haben die ersten „Welcome Dinner“ allerdings dafür genutzt, kleine Listen für die Gäste und die potentiellen Veranstalter zu erstellen, mit denen man unsere Abende vervielfältigen kann, da es doch einige emotionale, wirtschaftliche und juristische Punkte zu bedenken gibt. Darum soll dieser Text hier als Aufruf dienen, uns bei den Welcome Dinner zu unterstützen: Wir haben jede Menge Freiwillige – über 300 Hamburger, die Zuwanderer einladen mögen, und wie gesagt auch zahlreiche Restaurants.

Der Lohn: ein ganz normaler Abend mit neuen Freunden. Und das ist genau das, was die Zuwanderer verdient haben. So zeigen wir Deutschland, dass es auch anders geht als in Dresden oder in Freital, und den Geflüchteten, dass es viele gastfreundliche Hamburger gibt. Eine enorm wichtige Geste im Wert von 20 Euro.

Die Kür: aus den Abendessen entstehen weitere Aktivitäten. Es wird gekocht und gelacht, einige Hamburger bringen den Zuwanderern Gitarre oder Gesang bei, Deutsch oder Englisch, gehen mit ihnen kicken oder boxen und laden sie auf Konzerte ein. Ganz normal eben. Für „uns“.

Habt einen schönen Start in die Woche, wir lesen uns Sonntag wieder, Jannes

Foto: Julia Schwendner

Who the fuck is Jannes?

Jannes Vahl hat den gemeinnützigen Verein Clubkinder e.V. gegründet. Mit Konzerten, Partys oder Events sammelt er Spenden für soziale Projekte in Hamburg, beispielsweise mit der Tagebuchlesung. Außerdem leitet er die Kreativagentur Flutlotsen mit Büro auf St. Pauli. Mit seinem Compagnon Joko setzt er hier Projekte um. Jannes Vahl hat 5.000 Facebookfreunde, trinkt Craft-Bier, mag die Band Pearl Jam und versendet digitale Herzchen. In seiner neuen Kolumne berichtet er jeden Sonntag über ein Hamburger Thema, das ihn in der letzten Woche beschäftigt hat.