(13.5.) Premiere: Glaube Liebe Hoffnung, Schauspielhaus, 19.30 Uhr

Untergang der Mittelschicht

Elisabeth arbeitet selbstständig als Vertreterin. Da sie keinen Gewerbeschein hat, erhält sie eine Geldstrafe, die sie nicht bezahlen kann und versucht deshalb ihre zukünftige Leiche für 150 Mark ans Anatomische Institut zu verkaufen. Was Elisabeth auch unternimmt, sie rutscht immer tiefer in ihre hoffnungslos prekäre Situation und landet schließlich im Gefängnis. Am Ende bleibt ihr nur der Suizid. Das Volksstück „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth aus dem Jahre 1932 basiert auf einem realen Gerichtsfall und entstand unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise. Wie in seinem legendären Wurzel-Faust am Hamburger Schauspielhaus, als der Regisseur Christoph Marthaler Mephisto und Gretchen vervielfältigte, lässt er auch hier die Protagonistin Elisabeth in zwei Versionen auftreten (Olivia Grigolli und Sasha Rau). Er zeigt nicht ein individuelles Schicksal, sondern skizziert den sozialen Abstieg einer ganzen Gesellschaftsschicht. Die Inszenierung von Marthaler kommt von der Berliner Volksbühne nach Hamburg. (KAL)

Schauspielhaus
Kirchenallee
13.5., 19.30 Uhr
Ticket: ab 10 Euro

Foto: Walter Mair

(13.5.) Mumford & Sons, Barclay Arena, 20 Uhr

Noch 2009 standen die Briten auf der Bühne des Molotow und ließen hier den Schweiß von der Decke tropfen. Seit diesem Konzert vor sieben Jahren gewannen Mumford & Sons mit ihrem energetischen Folkrock diverse Grammys, Brit- wie Billboard-Music-Awards und was nicht sonst noch alles. Drum reicht ein kleiner Kiezclub nicht mehr aus, wenn Marcus Mumford und seine vierköpfige Crew zur Show laden. Die Barclaycard Arena muss her. Und weil hier wirklich viele Leute reinpassen, wird das wohl der größte Chor Hamburgs sein, der jemals zu Banjoklängen „I will wait, I will wait for you“ mitgesungen hat. Wir sind gespannt, wie die eher geradlinigen Indie-Rock-Stücke ihres 2015er-Albums „Wilder Mind“ zünden. (LEN)

SZENE HAMBURG verlost 2×2 Gästelistenplätze: Schickt dafür eine E-Mail mit dem Stichwort „Mumford“ bis 11.5. an verlosung@vkfmi.de

Barclaycard Arena
Sylvesterallee 10
13.5., 20 Uhr

(12.5.) Premiere: Next Day, Kampnagel, 20 Uhr

Kinder an die Macht

Der Regisseur Phillipe Quesne wandelt mit seinen Inszenierungen gern zwischen Theater, Tanz, Musik und bildender Kunst; mit nur minimalen Mitteln erschafft er magische Bilderwelten. Als innovativer Performer war der 1970 geborene Franzose bereits mehrfach mit seinen eigentümlichen Settings auf Kampnagel zu Gast. Zuletzt beim Internationalen Sommerfestival 2013 mit „Swamp Club“, einer Performance, für die er eine ganze Sumpflandschaft auf der Bühne installierte. Für „Next Day“ inszenierte er im Auftrag des belgischen Theaters Campo ein Stück nur mit Kindern, die für ein erwachsenes Publikum spielen. Isoliert von der Zivilisation, in einer Gemeinschaft ohne Erwachsene, tanzen zwölf Kinder, machen Musik und turnen vor einer öden Hochhauskulisse. Quesnes Mikrokosmos, in dem die Grenzen zwischen Alltag und poetisch entrückter Traumwelt verschwimmen, lässt viel gedanklichen Spielraum für Themen wie Einsamkeit und Gemeinschaft und gibt Anregungen, wie Zusammenleben funktionieren kann. (KAL)

Kampnagel
Jarrestraße 21
12.5., 20 Uhr
Ticket: 20 Euro

(12.5.) Bluesalon, Baby!, Molotow, 21 UHr

Diejenigen, die das Wochenende spätestens am Donnerstag herbeisehnen, werden endlich erhört. Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat öffnet im Molotow der Bluesalon seine Pforten. Mit einem bunten Potpourri aus 50s-Beats, Blues und dem Besten aus Rock und HipHop bleiben keine Tanzwünsche offen. Und das Allerbeste: Das Vergnügen kostet keinen Cent. So lässt es sich beschwingt in den Freitag starten, und dann steht das Wochenende schon vor der Tür. (KF)

Molotow
Nobistor 14
12.5., 21 Uhr

(11.5.) Premiere: „Mr. Gaga“, Abaton, 20 Uhr

Seine Visionen haben die Welt des Tanzes revolutioniert: Ohad Naharin, israelischer Künstler und einer der führenden zeitgenössischen Choreografen. Die Performances sind leidenschaftlich, von unglaublicher Kraft, explosiv, fast martialisch, andere wieder sanft, sublim, zurückhaltend, erotisch, verletzlich. Mit „Gaga“ aber entwickelte der Choreograf eine völlig neue Bewegungssprache. Es geht um Freiheit und Vergnügen, die Interaktion zwischen den Beteiligten. „Gaga“ ist mehr Philosophie als Stil, die Beteiligten sollen lernen, auf ihren Körper zu hören.
Als einen Drogenrausch beschreibt Regisseur Tomer Heymann („Paperdolls“) so sein erstes Erlebnis mit den Kreationen Naharins, um dessen Vertrauen er lange kämpfen musste. Das Archivmaterial des Porträts ist demnach beeindruckend. Jene Magie der Bilder scheint fast körperlich spürbar, die atemberaubenden Bewegungsabläufe vereinen auch auf der Leinwand Schrecken und Schönheit auf sehr reale, unverwechselbare Weise. Im Abaton feiert der Film Premiere – inklusive Regisseur als Gast. (Anna Grillet)

Abaton
Allende-Platz 3
11.5., 20 Uhr

(11.5.) Ja Ja Ja „A Nordic Affair“, Molotow, 20 Uhr

Wer ein Herz für Musik aus dem hohen Norden hat, könnte mit Ja Ja Ja vielleicht seine neue Lieblingskonzertreihe gefunden haben! Unter dem Motto „A Nordic Affair“ versammeln sich hier einmal im Monat aufstrebende Künstler aus nördlichen Breitengraden im Molotow, wobei – wie bei einem guten Buffet – für jeden Geschmack etwas dabei ist: Für die Mai-Ausgabe konnten die Macher die Norweger Sløtface (Foto) nach Hamburg locken, die erst kürzlich das U in ihrem Namen gegen ein schickes Ø ausgetauscht haben, außerdem Vök (ISL) und View (FIN) . Eine Auswahl, die Fans von catchy Pop-Punk ebenso glücklich machen wird, wie Freunde von reduziertem Elektro-Pop oder düsterem Hip Hop. (KGR)

Molotow
Nobistor 14
11.5., 20 Uhr

(10.5.) CocoRosie, Mojo Club, 21 Uhr

Eigenwillige Kostümierungen, theatralische Inszenierungen, angeklebte Schnurrbärte und Instrumente aus der Spielzeugkiste – als Bianca und Sierra Casady 2004 auf der Bildfläche auftauchten, schienen die Popchronisten so überfordert mit einer musikalischen Einordnung, dass man einfach das Label „New Weird America“ für die beiden Schwestern erfand. Als deren Galionsfiguren haben sie in den vergangenen Jahren einen ganz eigenen märchenhaft verschrobenen Kosmos kreiert. Nach Ausflügen in die Kunst- und Opernwelt haben die Casady-Schwestern im vergangenen Jahr ihr sechstes Album „Heartache City“ veröffentlicht, mit dem sie nun auch nach Hamburg kommen. (KGR)

Mojo Club
Reeperbahn 1
10.5., 21 Uhr

(10.5.) Premiere: Finnisch, Monsun Theater, 20 Uhr

Einen Fremden aus Interesse anzusprechen, ist nicht so einfach. Und nahezu unmöglich, wenn man auch noch schüchtern ist. In dem Stück „Finnisch“ versucht ein Mann diesem Dilemma zu entkommen, indem er sich selbst ein Paket schickt, in der Hoffnung, dass es die aus der Ferne angehimmelte Postbotin bringen wird. Kurz vor ihrer vermeintlichen Ankunft spielt er in seiner Wohnung die unterschiedlichsten Varianten durch, wie das heiß ersehnte Treffen ablaufen könnte. Die dabei entstehende Hilflosigkeit des Mannes, seine Fantasien irgendwie zu verpacken, birgt eine gewisse Komik, die immer wieder ins Tragische rutscht. Denn der leichtfüßige Monolog offenbart die darunterliegende Einsamkeit, erzeugt von einer Leistungsgesellschaft, in der Emotionen keinen Raum finden. (HED)

Monsun Theater
10.5., 20 Uhr
Friedensallee 20
Ticket: 15,90 Euro

(9.5.) Michael Nasts „Generation Beziehungsunfähig“, Uni Hamburg, 20 Uhr

Was passiert, wenn wir uns als Individuen über alles andere stellen? In seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“ ermutigt Michael Nast zur Selbstreflexion: Es liest sich wie ein Gespräch mit dem besten Freund und zeichnet gleichzeitig die Stimmung einer ganzen Generation. Tinder, unser Selbstverständnis als Mittelpunkt der Welt und das Gefühl, auf nichts verzichten zu wollen, haben die Suche nach dem passenden Deckel verändert. Nasts Buch hält dem einen Spiegel vor – augenöffnend und anregend.

Universität Hamburg Audimax
Von-Melle-Park 4
9.5., 20 Uhr

(9.5.) Yes We Mystic, Kukuun, 20 Uhr

Winnipeg gilt nicht unbedingt als der schillerndste Ort Kanadas. Selbst die Einwohner verbindet mit ihrer Stadt, die in den Kriminalitätsstatistiken stets weit vorne landet, eine merkwürdige Hassliebe. Einen Kontrapunkt zu diesem rauen Image ihrer Heimatstadt setzen allerdings die Musiker von Yes We Mystic, die sich mit ihren Songs ganz der Harmonie und Schönheit verschrieben haben. Die fünfköpfige Band um Sänger Adam Fuhr frönt nämlich dem orchestralen Pop und benutzt dazu jedes Instrument, das ihnen über den Weg läuft. Das Ergebnis ist folkiger Indie-Rock mit Mandoline, Violine und Cello, der vermutlich selbst abgeklärten Winnipeggern ein Lächeln ins Gesicht zaubert. (KGR)

Kukuun
Spielbudenplatz 21
9.5., 29 Uhr
Ticket: 12 Euro