(13.4.) Konzert: William Fitzsimmons, Gruenspan, 20 Uhr

William Fitzsimmons definiert rein äußerlich das Hipstertum in Perfektion: überlanger Rauschebart, Hornbrille, Holzfällerhemd, Rapper-Mütze. Im Gegensatz zu den meisten seiner modischen Artgenossen ist der Mann aus Pittsburgh, Pennsylvania jedoch weit mehr als eine gewollt coole Erscheinung. Aufgewachsen als Sohn blinder Eltern, lernte Fitzsimmons schnell die Kraft von Sprache und Musik kennen, spielte bereits als Kind mehrere Instrumente: Klavier, Posaune, Gitarre – um nur einige zu nennen. Nach der High School schien alles auf eine Karriere als Musiker hinauszulaufen – aber Fitzsimmons hatte zunächst andere Pläne.

Er wurde Psychotherapeut. Nur nebenher schrieb er Songs, spielte hier und da, ohne ernsthafte Ambitionen, den Beruf zu ändern. Erst als seine Lieder über Umwege in der Fernsehserie „Grey’s Anatomy“ landeten und Fitzsimmons quasi über Nacht berühmt wurde, entschied er sich um und tauschte Praxis gegen Bühne. Wobei, so Fitzsimmons selbst, seine ruhigen, immer sehr persönlichen Singer-Songwriter-Stücke auch eine Art Fortführung seines ursprünglichen Jobs seien: „Durch meine Musik lasse ich den Leuten, die sie hören, so etwas wie musikalische Therapie zukommen.“ (EBH)

Gruenspan
Große Freiheit 58
13.4., 20 Uhr

(13.4.) Diskussion: Richard David Precht, Kampnagel, 20 Uhr

Richard David Precht neues Buch HamburgEr gilt als Popstar unter den Philosophen. Das mag an seinen langen Haaren liegen – oder daran, dass sein Buch „Wer bin ich und wenn ja wie viele“ durch die Bestsellerdecke schoss und in allen Bevölkerungsschichten gelesen wurde. Fest steht: Richard David Precht schafft es, die großen Fragen des Seins unterhaltsam und scharfsinnig zu analysieren und Antworten zu geben, die einleuchten.

In seinem neuen Buch „Erkenne die Welt“ (Verlag Goldmann, 22,99 Euro) ergründet Precht die Grundlagen unseres Verhaltens und die wahre Natur des Menschen. Es ist der erste von drei Bänden, in denen er sich die Geschichte entlanghangeln wird – von der Antike bis heute. Klingt anstrengend, ist es aber nicht, denn er stellt Fragen, auf die man brennend Antworten erhalten möchte: Warum handeln wir das eine Mal selbstlos, das andere Mal egoistisch? Wie kommt es eigentlich, dass sich fast alle Menschen mehr oder weniger für die „Guten“ halten und es trotzdem so viel Unrecht in der Welt gibt? Dabei zieht er große Denker unterschiedlicher Epochen heran und bringt seine Leser dazu, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Richard David Precht kommt am 13. April als Gast der Buchhandlung Heymann nach Hamburg und diskutiert auf Kampnagel mit Moderator Kester Schlenz darüber, wie die Erkenntnisse der Philosophie die Gesellschaft verändern und verbessern können. SZENE HAMBURG verlost 2 x 2 Tickets. Sendet eine E-Mail mit dem Betreff „Precht“ sowie eurem Vor- und Nachnamen bis zum 12.4. (15 Uhr) an online-verlosung@vkfmi.de.

Foto: Jens Komossa

Kampnagel
Jarrestraße 20 (Winterhude)
13.4., Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 16 Euro zzgl. Gebühren, Tickets in der Buchhandlung Heymann oder online via Kampnagel

(13.4.) Gypsy-Jazz trifft Reggae: Bukahara, Fabrik, 21 Uhr

Ihr Bandname klingt wie ein neues, hippes, vor allem aber scharfes Gewürz: Bukahara. Musikalisch gesehen ist diese Assoziation auch gar nicht so weit hergeholt. Die Band, deren Mitglieder teils in Berlin, teils in Köln beheimatet sind, schmeißen alles zusammen, was vor allem live zu einer chilischotenstarken Mischung wird: Gypsy-Jazz, Balkan-Sounds, Swing, Folk und Reggae. Es Gibt Gruppen, die behaupten, sie würden Genregrenzen überschreiten. Diese hier hat scheinbar nie welche gekannt. (EBH)

Fabrik
Barnerstraße 36
13.4., 21 Uhr

(12.4.) Lesung: Rasha Khayats „Weil wir längst woanders sind“, Thalia Nachtasyl, 20 Uhr

Saudi-Arabien gilt nicht gerade als Paradies für junge emanzipierte Frauen. Und doch entscheidet sich Layla, selbstbewusste Mittzwanzigerin aus Hamburg, für die Heimkehr in dieses Land, um einen Mann zu heiraten, den sie kaum kennt. Entsetzt reist ihr der Bruder Basil nach, er will Erklärungen für diese Entscheidung finden.

(…)

Rasha Khayat will mit ihrem Debütroman nicht schockieren, vielmehr wolle die Autorin „zu dem Gedanken einladen, ob Laylas Weg nicht auch eine Möglichkeit ist, mit einer Sehnsucht umzugehen.“ Khayat, die in Dortmund geboren wurde, im saudi-arabischen Jeddah und im Ruhrpott aufwuchs, kennt dieses Leben zwischen zwei Kulturen: „Es geht mir um die Entwurzelung – du gehörst zwar irgendwie in deine Umgebung, aber dir fehlt der Anker.“

(…)

Es ist dieses Fremdheitsgefühl, mit dem die Protagonisten Basil und Layla sehr unterschiedlich umgehen; dabei waren die Geschwisterkinder einer deutschen Mutter und eines arabischen Vaters einst unzertrennlich. Obwohl die Thematik des Romans sehr konfliktgeladen ist, erzählt Khayat diese Familiengeschichte zwischen West und Ost leicht und liebevoll – am Dienstag live in Hamburg.

Text: Astrid Schwaner
Foto: Anna Maria Thiemann

Thalia Nachtasyl
Alstertor 1
12.4., 20 Uhr

Szene April PublikationenDie ungekürzte Besprechung des Buches von Rasha Khayat findet ihr in der April-Ausgabe der SZENE HAMBURG

(12.4.) Theater: „Die Wand“, Hamburger Kammerspiele, 20 Uhr

Das Wiener Burgtheater ist zu Gast in den Hamburger Kammerspielen. Im Gepäck das Solostück „Die Wand“. Eines Morgens wacht eine Frau (Dorothee Hartinger) mitten in den Bergen in einer Hütte auf, eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand hinter der kein Leben mehr existiert. Ein Leben ohne andere Menschen – eine Bedrohung und zugleich eine Sehnsucht? Der Roman von Marlen Haushofer ist in seiner Deutung vielschichtig: Ein Symbol für Barrieren, die uns von den Mitmenschen trennen? Für Ausgrenzung und Depression? Sozialisationskrankheiten, die eines gemein haben: Einsamkeit. (HB)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
12.4., 20 Uhr

Foto: Reinhard Werner

Trailer zum gleichnamigen Fernsehfilm

(11.4.) Lesung: „Unterleuten“ von Juli Zeh, Rolf Liebermann Studio, 19.30 Uhr

Auf den ersten Blick ist „Unterleuten“ ein verschlafenes Dorf in Brandenburg, in dem ein paar Berliner nach der Wende ihren idyllischen Traum vom Landleben abseits der Großstadthektik verwirklichen. Als nahe der Ortschaft ein Windpark errichtet werden soll, brechen alte Streitigkeiten zwischen den Bewohnern wieder aus. Und neue entstehen – zwischen Westlern und Ostlern, Jung und Alt, Mann und Frau.

Wie eine Chorleiterin dirigiert Juli Zeh mühelos ihre zahlreichen und präzise beschriebenen Protagonisten: den Vogelschützer Gerhard mit seiner zwanzig Jahre jüngeren Frau Jule, die taffe Pferdeflüsterin Linda und den Computernerd Frederik sowie die ewigen Kontrahenten seit DDR-Zeiten: Kron und Gombrowski. In wechselnden Kapiteln erzählen über ein Dutzend Personen aus ihren Perspektiven. Deren Motive für oder gegen die geplanten Windräder beleuchtet die Autorin immer wieder neu – und so unterschiedlich die Ansichten ihrer Figuren auch sind, handelt doch jede von ihnen zutiefst egoistisch.

Zeh, die sich immer wieder zu politischen Themen äußert, analysiert nicht nur das „Unterleutner Soziotop“. Der 41-jährigen Juristin und Schriftstellerin gelingt mit ihrem neuen Roman eine facettenreiche Gesellschaftskritik, die einen gleichzeitig erschauern und schmunzeln lässt. (KAL)

Rolf Liebermann Studio
Oberstraße 120
11.4., 19.30 Uhr

Foto: Manfred Witt

(11.4.) Kino: „Ein Mann namens Ove“, Abaton, 20 Uhr

Grandiose Tragikomödie aus Schweden

Was ist das nur für eine Welt, in der es nicht möglich ist, sich in Ruhe das Leben zu nehmen!? Der 59-jährige Ove (Rolf Lassgård) hat alles verloren. Den Posten als Vorsteher seiner idyllischen Vorortsiedlung, seine über alles geliebte Frau Sonja (Ida Engholm) und seinen Job bei der Bahn. Doch der ersehnte Freitod kann dem patentierten Griesgram keine Erlösung bringen: Oves lebenslustige Nachbarn, angeführt von der Iranerin Parvaneh (Bahar Paris), kommen ihm unbewusst in die Quere. Ove straft sie mit Schimpfkanonaden. Parvaneh lässt jedoch nicht locker. Sie schließt den verbitterten Spießer, der jede Normübertretung mit gnadenloser Verachtung straft, ins Herz. So entdeckt Ove auf seine alten Tage plötzlich die Welt jenseits der Vorschriften noch einmal neu. (MS)

Abaton Kino
Allendeplatz 3/Ecke Grindelhof
11.4., 20 Uhr

(10.4.) Musik + Film: David Bowie Night, Jupi Bar, 21 Uhr

Bye Bye Spaceboy

Dreißig meist epochale Alben in fünfzig Jahren Schaffensperiode, dazu reichlich Filme, Clips und Kunstfiguren, Verkleidung, Verwandlung, Verzückung und Verstörung. Das alles hat uns der großartige David Bowie beschert, zuletzt das tolle Album „Blackstar“, mit dem er sogar seinen eigenen Tod noch genial inszeniert hat. Drei Monate nach seinem Ableben ist sein Verlust immer noch unfassbar, hat dieser Ausnahmekünstler doch eine ganze Generation beschallt und besungen, er war der „Soundtrack Of Our Lives“. Dieser Abend ist dem musikalischen und ästhetischen Genie gewidmet, es werden Ausschnitte aus Filmen, Interviews und Videoclips gezeigt und natürlich Musik, Musik, Musik. (KÜH)

Jupi-Bar Gängeviertel
Caffamacherreihe 37
10.4., 21 Uhr

Foto: Jo Atmon

(10.4.) Theater: „Die Netzwelt“, Hamburger Kammerspiele, 19 Uhr

Diffuse Freiheit in der weiten virtuellen Welt

Im Internet fällt es leicht, die kultivierte Fassade gänzlich fallen zu lassen. An einem Ort, an dem sich die geheimsten Sehnsüchte erfüllen, die dunkelsten Fantasien ausgelebt werden können, und das ohne seine Identität offenbaren zu müssen. Dieser Ort ist der virtuelle Club „Hideaway“ im „The Nether“, einer optimierten Version des heutigen Internets. Hier floriert das Geschäft mit Sex und Gewalt – Allerdings mit dem Einverständnis aller Beteiligten, also ganz legal, wie Woodnut feststellt, der sich als verdeckter Ermittler in die Simulation einloggt. Und in kürzester Zeit selbst in den Sog der totalen Freiheit gerät. Das Stück von Jennifer Haley beschäftigt sich mit den Strukturen einer virtuellen Parallelwelt: Welche Gesetze sind dort gültig? Welcher Moral bedient sich der Einzelne, wenn sein soziales Umfeld ausgeblendet ist? Und bleibt das dortige Handeln tatsächlich ohne Konsequenzen fürs reale Leben? (HB)

Hamburger Kammerspiele
Hartungstraße 9-11
10.4., 19 Uhr

Foto: Anatol Kotte

(9.4.) Nachtleben: Extrawelt + Gregor Tresher, Uebel & Gefährlich, 24 Uhr

Heute ist im Bunker mal wieder Anstehen angesagt. Wenn das international erfolgreiche Hamburger Elektro-Duo Extrawelt (Foto) und die Techno-Ikone Gregor Tresher gleichzeitig gebucht sind, ist die Türschlange vorprogrammiert. Die Weald-Crew bleibt damit ihrem seit Jahren erfolgreichen Booking treu und um das Einlasschaos nicht noch zu vergrößern, verzichtet man auf den Vorverkauf. Frühes Kommen lohnt in jeglicher Hinsicht, da sich mit MikaH, Punkt, Punkt und DJ Smut auch der Support sehen lassen kann! (OMA)

Uebel & Gefährlich
Feldstraße 66
9.4., 24 Uhr