Auf einen Song mit: Haiyti

Jeden Monat trifft Erik Brandt-Höge Hamburger Musiker und holt sich von ihnen aktuelle Musikempfehlungen. Diesmal mit Haiyti. Ihr neues Album „Montenegro Zero“ erscheint am 12.1.

SZENE HAMBURG: Haiyti, wir brauchen neue Kopfhörermusik für die Stadt. Was läuft denn bei dir aktuell?

Haiyti: Ajebutter22: „Ghana Bounce“. Ich grüße die Ghana-Connection aus Hamburg, ich hoffe, sie freut sich!

ITAN: „Kleine Line Koks“.

Alles von Capuz a.k.a. Kapuziner Monch, mein Bruder.

Welchen deiner eigenen neuen Tracks würdest du fürs Unterwegssein mit Kopfhörern empfehlen?

Mein komplettes Album „Montenegro Zero“. Da werdet ihr staunen!

Und wenn wir mal länger und mit dem Auto unterwegs sind: Welcher Song macht eine Fahrt zum reinen Vergnügen?

Wenn ihr im Auto noch ein Tapedeck habt, dann mein Untergrund-Mixtape „Untergrundweltstars“. Da könnt ihr euer blaues Wunder erleben.

Interview: Erik Brandt-Höge

Foto: Tim Bruening

„Montenegro Zero“ erscheint am 12.1.18 (Vertigo Berlin/Universal). Mehr unter www.der-bomber-der-herzen.de.

Mojo Club

18.3.18, 20 Uhr


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

WUTROT! Martin McDonaghs serviert einen brillanten, deftigen Genremix aus Neo-Western und Kleinstadt-Satire.

Der Zorn verdrängt alle anderen Gefühle, selbst die Trauer. Mildred Hayes (Frances McDormand) will Gerechtigkeit um jeden Preis. Vor sieben Monaten wurde ihre Tochter vergewaltigt und ermordet, vom Täter keine Spur. Die furchtlose, zynische 50-Jährige mietet für 5000 Dollar pro Monat drei riesige Werbetafeln am Ortsausgang und beschuldigt weithin sichtbar Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) der Untätigkeit. Ihrer Überzeugung nach foltern die heimischen Cops lieber Schwarze als Verbrechen aufzuklären. Vom ersten Moment an gehört unsere Sympathie der taffen Protagonistin, die mit ihren lakonischen, köstlich vulgären Sprüchen potenzielle Gegner außer Gefecht setzt.

Der britisch-irische Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh („7 Psychos“) verbindet virtuos bissigen schwarzen Humor mit dem Schrecken griechischer Tragödien. „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist weniger ein feministisch opulentes Rache-Epos als die düstere Chronik amerikanisch provinzieller Bigotterie. Es erzählt von Gewalt, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Korruption und einem kaltherzigen Priester.

Bald schon hat die allein erziehende Mildred fast die ganze Stadt gegen sich. Wenn es sein muss, wehrt sie sich tatkräftig, tritt einem Mitschüler ihres Sohnes in die Eier, im Zuge der Gleichberechtigung kriegt das Mädchen daneben auch was ab. Dem uneinsichtigen, fetten Zahnarzt bohrt sie ein Loch in den Daumen und nachts fliegen Molotow-Cocktails ins Polizei-Revier. Eine Traumrolle für Frances McDormand. Der Film explodiert fast vor verhaltener Wut, ist unberechenbar wie seine verzweifelte, skrupellose Anti-Heldin und trotzdem höchst subtil. In dieser packenden, vielschichtigen Charakterstudie führt McDonagh jede Art von Klischee ad absurdum, er spürt den verschiedenen Ursachen von Hass, Schmerz und Einsamkeit feinfühlig nach.

Chief Willoughby ist ein besonnener kluger Mann, der krebskranke Vater von zwei kleinen Töchtern wird bald sterben. Doch Mildred kennt keine Gnade; selbst dafür hat der Sheriff Verständnis. Genau wie für den gewalttätigen, rassistischen, von Mama gegängelten jungen Officer Dixon (Sam Rockwell), der seinen Zeugen ohne Zögern durch die Fensterscheibe des oberen Stockwerks auf die Straße schleudert. Dixon verabscheut Mildred. Umso überraschender ist das Finale.

Text: Sarah Castell

ABATON Kino

Ab 25. JANUAR 2018

(Preview: 22. Januar 2018, 20 Uhr)

Auf einen Song mit: Miu

Jeden Monat trifft Erik Brandt-Höge Hamburger Musiker und holt sich aktuelle Musikempfehlungen von denen, die es wissen müssen. Diesmal mit Miu, deren neues Video zum Song Ohana gerade erschienen ist.

SZENE HAMBURG: Miu, wir sind ganz melancholisch drauf. Und wir brauchen einen Soundtrack. Drei Empfehlungen, bitte!

Miu: LCD Soundsystem: „New York I Love You But You’re Bringing Me Down“. Der Song ist so herrlich perfekt unperfekt und könnte die Hassliebe zu einer Stadt wie New York kaum besser ausdrücken.

Black Keys: „Weight Of Love“. Schönster Bass-Sound, eines meiner Lieblingsgitarren-Soli und irgendwie könnte das Lied am Ende eines Roadmovies spielen, wenn der Protagonist in einem alten Auto eine amerikanische Landstraße entlangfährt und die Kamera langsam aus dem Bild zieht.

Damien Rice: „I Don’t Wanna Change You“. Ich könnte eigentlich immer gleich losweinen, wenn ich das Lied höre. Zum einen, weil es einen wunderschönen Streichersatz hat. Zum anderen, weil Damien Rice über eine unerfüllte Liebe mit Größe und Tragik zugleich erzählt.

Was braucht ein schönes melancholisches Lied deiner Meinung nach alles?

Ehrlichkeit! Es geht bei Melancholie nicht um große Instrumentierung oder komplizierte Arrangements. Aber natürlich kann ein Streichersatz an der passenden Stelle Gefühle verstärken. Letztlich zählt aber das Lied an sich. Und wenn es mit dem nötigen Gefühl in Text und Melodie geschrieben ist, dann reicht auch ein guter Sänger mit Gitarre oder Klavier.

Und brauchst du eine melancholische Stimmung, um melancholische Musik schreiben zu können – oder geht das eigentlich immer?

Ich glaube, ich brauche vor allem einen Anlass oder ein Thema, das mich beschäftigt oder in diese Stimmung bringt. Es kann aber auch ein schöner Akkord sein, der im Kopf etwas macht. Aber so ganz grundlos melancholisch bin ich selten, da fängt im Kopf schon meistens irgendetwas an zu rattern. Was ich allerdings gut kann, ist mir zu viele Gedanken machen oder Gefühle aufsaugen und mir zueigen machen. Das begünstigt sicherlich eine gewisse Melancholie in den Texten.

Interview: Erik Brandt-Höge

Knust
12.1.18, 21 Uhr

„Leaf“ von Miu ist am 25.8.17 (Herzog Records) erschienen.


Szene Hamburg Cover August Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Augsut 2017. Das Magazin ist seit 28. Juli 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


Max Frisch fragt… Sascha Leirich

In unserer Reihe „Max Frisch fragt…“ kommt der alte Meister der Literatur mit den Wortkünstlern der Gegenwart ins Gespräch. Diesmal mit Sascha Leirich, der gerade seinen Debütroman „Adrians Auftrag” über einen freiberuflichen Hamburger Werbetexter herausgebracht hat.

Max Frisch: Was bezeichnen Sie als männlich?

Sascha Leirich: In solchen Kategorien denke ich persönlich nicht. Aber meine Romanfigur Adrian weist gewisse machoeske Züge auf – bis er mit der hässlichen Fratze der Realität konfrontiert wird.

Wenn Sie an Verstorbene denken, wünschten Sie, dass der Verstorbene zu ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Wenn ich tot bin, möchte ich meine Ruhe haben! Deshalb sollen mich die Toten zu Lebzeiten gefälligst in Ruhe lassen.

Wie stellen Sie sich Armut vor?

Teuer!

Warum müssen wir die Frauen nicht verstehen?

Weil dieses Verständnis Liebe voraussetzt. Und die Liebe ist der fünfte Reiter der Apokalypse.

Interview: Jenny V. Wirschky

Foto: Tanja Leirich

Sascha Leirich: Adrians Auftrag, Saga Egmont, 180 Seiten, 9 Euro. 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Dezember 2017. Das Magazin ist seit 28. November  2017 am Kiosk und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


Club Award 2018: Eine Krone für den Club

Weit über 11.000 Veranstaltungen, geschätzte vier Millionen Besucher. Die Hamburger Liveclub-Szene brummt. Clubkombinat und Kulturbehörde finden das ausgezeichnet und vergeben die Club Awards 2018

Manch Clubbetreiber mag sich eben erst von den Silvesterfeierlichkeiten erholt haben, da steht bereits das nächste große Nachtleben-Event ins Haus. Am 25. Januar werden im Docks die Hamburger Club Awards verliehen. Bereits zum achten Mal gibt es die begehrten Trophäen. „Auch 2018 verschafft der Award den Leistungen der Clubszene die notwendige Aufmerksamkeit“, meint Lucas Paradies vom Clubkombinat. „Er bringt all diejenigen zum Feiern zusammen, die trotz zahlreicher Bedrohungslagen allabendlich mit Herzblut und Idealismus dafür sorgen, dass Clubgängerinnen eine schier endlose Zahl an Live-Konzerten und Partys erleben können“.

Und genau das soll belohnt werden. Im Rahmen der Verleihung werden Awards in Kategorien wie Bester neuer Club, Stärkste Newcomer-Förderung oder Clubnacht des Jahres verliehen. Das im letzten Jahr überarbeitete Jury-Verfahren, setzt auch diesmal auf die Schwarmintelligenz von rund 250 Personen aus der Hamburger Musikszene. „Es steht vor allem für mehr Fairness und Transparenz im Auswahlprozess,da persönliche Präferenzen weniger ins Gewicht fallen“, so Paradies. „Aus der Clubszene erreichte uns vielfach das Feedback, dass eine solche Ehrung nunviel mehr bedeutet“. Für den Award Beliebtester Musikclub des Jahres gilt das schon lange. Er wird seit jeher vom Publikum vergeben: Auf der Seite des Clubkombinats kann jeder noch bis zum 21. Januar für seinen persönlichen Lieblingsladen stimmen und seinem Club die Krone verleihen.

Text: Ole Masch

Foto: Ulrike Schmidt

Abstimmen unter award.clubkombinat.de