Kinderbühne frei!

Auf Kampnagel begegnen sich Generationen in zwei Theaterstücken aus Hamburg: „Gans der Bär“ und „Nimmer & Nimmermehr“

Ausgrenzung aufgrund von Andersartigkeit – ein zeitloses Thema. Um es bühnen- und kindgerecht aufzubereiten, braucht es Experten. Zu ihnen gehören „Meine Damen und Herren“ – ein Theater-Ensemble mit geistig behinderten Schauspielern – und „Hajusom“, eine Performance-Gruppe aus jugendlichen Flüchtlingen. Dafür haben sich die Beiden eines der besten Kinderbücher vorgenommen: „Gans der Bär“.

Wen auch immer kleine Gänse nach dem Schlüpfen als Erstes erblicken, den adoptieren sie als Muttertier. Dass es im preisgekrönten Bilderbuch zufällig einen ausgewachsenen Bären trifft, der die Wahl auf keinen Fall annehmen will, sorgt im Laufe der Geschichte für allerlei Unverträglichkeiten. Doch am Ende siegt der Wunsch des winzigen Vogels nach Zugehörigkeit zum wilden Raubtierriesen.

Beim Erarbeiten des Theaterstücks mit Puppen und Livemusik brachten Grundschüler zweier Hamburger Schulen ihre Vorstellungen von Andersartig- und Gemeinsamkeiten ein. Eine sehr persönliche Bühnenfassung ist für Zuschauer ab acht Jahren herausgekommen – Gans anders eben.

Einer ähnlichen Thematik widmet sich die Hamburger Choreografin Antje Pfundtner. Sie will herausfinden, wie sich Erwartungen von Kindern und Erwachsenen an ein Theaterstück unterscheiden. Im vergangenen Jahr zeigte sie das Stück „Nimmer“ für Kinder ab sechs Jahren über das Verschwinden von Dingen.

Für den zweiten Teil „Nimmer & Nimmermehr“ befragte sie Kinder und Erwachsene nach ihren unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Verschwinden. Diese Bühnenfassung gibt nun beiden Generationen genug Raum, einander sowie verschwundenen Dingen zu begegnen. Aber können sie sich tatsächlich eine Aufführung teilen? Oder müssen die einen oder die anderen zeitweise verschwinden, damit der Genuss für die jeweils andere Altersgruppe größer wird?

Text: Dagmar Ellen Fischer
Foto: Christian Martin

Kampnagel
Jarrestraße 20 (Winterhude)
Gans der Bär: 29.–31.5.
Nimmer & Nimmermehr: 8.–10.5.