Klubhaus St. Pauli

Bald eröffnet der Neubau am Spielbudenplatz. Mit dabei sind die Kukuun-Betreiber Julia und Olaf Staron. Bis zum Abriss des Vorgängergebäudes, sorgten sie über Jahre für gute Kulturarbeit

SZENE HAMBURG: Wer macht heutzutage noch einen Club auf?

Julia Staron: Ich denke zwischendurch auch immer, wir müssen verrückt sein. Unser Leben war vorher eigentlich ganz in Ordnung (lacht). Im alten Kukuun waren die schönsten Momente die, wenn man einen Künstler entdeckt und der wahnsinnig begeistert hat. Außerdem das gute Gefühl, etwas bei Gästen zu bewegen. Das ist der Motor, warum man es, vielleicht sogar wider besseres Wissen, erneut probiert.

Warum zieht ihr ins Klubhaus?

Für uns war klar, wenn noch mal ein Laden, dann nur am alten Standort. Das Projekt Klubhaus kommt ursprünglich von uns. Als wir damals ausgezogen sind, haben wir zu Papier gebracht, was an so einem Standort unserer Meinung nach hinpasst. Dann ist eine Projektgruppe an uns herangetreten und hat gefragt, ob sie es für die Ausschreibung benutzen dürften. Wir haben dann unter der Bedingung zugestimmt, dass hier auch wieder ein Kukuun reinkommt, wenn es klappt.

Wie ist euer heutiges Konzept?

Wir haben damals den Begriff der Kukuun-Familie geprägt. All die Experimente, die wir erlebt haben, haben Team, Gäste und auch Künstler zusammengeschweißt. Wir brauchten kaum Türsteher, weil gemeinsam darauf geachtet wurde, dass sich alle benehmen. Wir glauben, dass es einen Laden geben muss, der ein etwas älteres Publikum anspricht. Menschen ab 30 aufwärts, die eben nicht klassisch ins Theater gehen oder in irgendwelche Schickimicki-Läden und die auch weggehen möchten, ohne die Ältesten auf einer Teenie-Party zu sein.

Und inhaltlich?

Wir achten darauf, dass wir genrefrei sind. Das kann ein Rockkonzert sein oder ein Diskoabend. Es muss besonders sein. Unsere Kernausrichtung ist Livemusik, selbstverständlich von DJs begleitet. Und wir wollen den Raum immer wieder verwandeln. Kreative sollen kommen und den Raum bespielen. Deswegen ist das Kukuun weiß – also pur. Es ist eine Spielfläche für andere.

Arbeitet ihr auch musikalisch mit Fremdveranstaltern zusammen?

Wir arbeiten mit Konzertveranstaltern. Jahnke hat sich schon mit einigen Konzerten eingebucht. Unsere Kapazität von 200 Gästen ist durchaus wichtig für die Musikbranche. Von Partyveranstaltern haben wir bis jetzt noch keine Anfragen. Ich bin da auch kritisch, weil wir nicht in eine Szene-Ecke rutschen wollen. Wir hatten damals die Reihe „Kunst fickt Nachtleben“. Die dürfen gerne wiederkommen, weil das genau unser Thema ist. Bloß nicht so ein Lounge-Trallala wo es nur darum geht, dass irgendein teurer DJ kommt.

Was ist der „Freund des Hauses“?

Als Kulturbetrieb ist es fast aussichtslos, Geld bei einer Bank zu bekommen. Man ist daher auf die Industrie angewiesen. Wir wissen aber auch, dass es viele Kukuun-Fans gibt. Weil wir nicht tausend Gesellschafter haben können, haben wir uns überlegt, dass wir ein schönes Dankeschön-Paket schnüren, damit uns Leute fördern. Das Paket beinhaltet für 500 Euro zum Beispiel ein Leben lang 10 Prozent Rabatt auf Getränke, freien Eintritt bei Hausproduktionen, Teilnahme an Verlosungen oder auch private Betriebsfeiern.

Wann wird es bei euch konkret losgehen?

Es gibt die Pre-Opening-Party am 5. September. Die richtige Eröffnung ist eine Woche später. Wir werden an sieben Tagen in der Woche mit unterschiedlichem Programm öffnen. Am 18. September spielt beispielsweise Celina Bostic bei uns. Wir brauchen definitiv diese Anlaufphase, weil zum Reeperbahn Festival alles fertig sein muss.

Interview: Ole Masch

Kukuun
Spielbudenplatz 21
St. Pauli