KüchenSZENE

KüchenSZENE: Bowls. Das Glück in Schüsseln

Essen macht gute Laune, Liebe geht durch den Magen – und gemeinsam kochen schweißt zusammen. Wir luden Anne und Felix aus Hamburg zur Küchenparty und zum Rezepte-Test in der Praxis ein. Unser Thema: Bowls. Und das Glück

/ Text & Fotos: Regine Marxen

Das Glück liegt in den Schüsseln. Das sagt die Food-Bloggerin und Autorin Nina Olsson. Die Niederländerin hat im August diesen Jahres im Edel Verlag ihr Kochbuch „Bowls. Schüsseln zum Glück“ veröffentlicht. Auf 192 Seiten präsentiert Nina vegetarische Rezepte vom Frühstück über Suppen bis hin zur Süßspeise. Und jedes Rezept passt in eine Schüssel. Macht’s glücklich? Mal sehen.

Küchenparty

Team Küchenparty: Felix, Anne und die Gastgeber Regine von der SZENE HAMBURG und ihr Freund Stefan (v. li.)

Wir haben Anne und Felix zum Praxis- und Geschmackstest in unsere kleine Versuchsküche gebeten und drei Gerichte herausgepickt. Die Besonderheit: Wir kochen vegan, Anne ist Vegetarierin und verträgt keinen Weizen. Felix isst eigentlich alles. Auch ganz gerne mal ein Stück Fleisch. Mal sehen, ob wir ihn heute satt und zufrieden machen können.

Das Menü
  • Vorspeise Lauchsuppe, eine Cremesuppe mit Kartoffeln und – Überraschung – Lauch
  • Hauptspeise Buddha Bowl, scharfe Kichererbsen, Tofu, Quinoa und Sprosssen mit Kurkumadressing
  • Dessert Limettencreme, Dessert aus Limette, Avocado und Cashewkernen
  • Begleitende Wein Chateau Ventenac Cuvée Carla Rosé (1 Fl, 5,85 Euro) und Lixa Terras do Minho Rosé ( 1 Fl, 4,95 Euro)
Die Vorspeise

Zugegeben, das Menü klingt mächtig; es fiel uns schwer, uns bei der Fülle der leckeren Rezepte zu entscheiden. Denn das muss man Nina lassen: Was sie hier auf Papier serviert, macht Appetit. Also haben wir uns entschlossen, richtig zuzulangen und dafür tagsüber ein wenig zu hungern.

Wir starten mit der Lauchsuppe. Die Zutaten sind für vier Personen bemessen, das passt schon mal perfekt.

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Die Lauchsuppe braucht als Pfiff Shichimi togarashi. Das japanische Gewürz gibt es in den gängigen China-Läden. Nicht weglassen! Das wäre schade.

Die gute Nachricht vorweg: Wenn man das Pfund Kartoffeln erst mal geschält und gewürfelt hat, hat man den Großteil der Arbeit schon hinter sich. Die köcheln friedlich auf dem Herd vor sich hin, während Stefan den Lauch in Scheiben schneidet und in der Pfanne mit ein wenig Margarine andünstet. Der Rest unserer Kochgemeinschaft hat kurz Pause. Zeit, zu reden.

Zum Beispiel über das Glück, das sich leider nicht nur durch gutes Essen einstellen mag. Anne und Felix sind beide Sonderpädagogen an einer Hamburger Schule. Und es ist vor allem Anne, die mit ihrem Job hadert. Anspruch und Wirklichkeit, die Forderung nach Inklusion schwächerer und bildungsferner Schüler und das, was sie täglich an der Schule erlebt, gehen weit auseinander. Zu weit. So weit, dass sie unglücklich ist, der Ärger jeden Tag wächst, und die Frage auf dem Tisch liegt: Weitermachen? Oder neue Wege gehen? Das hieße, die Verbeamtung aufzugeben. Ein gewaltiger Schritt in diesen Zeiten. Bleiben oder gehen?

Felix, so scheint es, kann das, was Anne nicht kann: sich abgrenzen. Welchen Stellenwert hat der Job und welchen die Ideale? Schwierige Frage. Wir nippen an unserem Glas Cuvée Carla Rosé, vor uns stappeln sich auf dem Küchentisch die Zutaten, die Dunstabzugshaube surrt hörbar vor sich hin – und wir stellen fest: Eine Küche ist was Feines. Hier finden immer die besten Partys und Gespräche statt, mein absoluter Lieblingsort in der Wohnung.

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Der Lauch wird in Scheiben geschnitten und in der Pfanne gedünstet.

Derweil sind die Kartoffeln bissfest und werden zusammen mit dem Lauch, der Mandelmilch, dem Kochwein, der Gemüsebrühe und dem Mandelmus in den Mixer befördert. Eine kleine Prise Shichimi togarashi (gibt’s im Chinaladen) verleiht ihr den letzten Pfiff. Mengenmäßig hätte die Hälfte der Zutaten fast gereicht, vor allem, wenn die Suppe als Vorspeise fungiert. Aber da sie warm und kalt super mundet, löffeln wir den Rest einfach am nächsten Tag im Büro.

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Nicht billig in der Herstellung, aber super lecker: Glück zum Löffeln

Was überzeugt? Die cremige Konsistenz, die unkomplizierte Herstellung und auch der Einkauf der Zutaten war relativ einfach zu handhaben. Da Stefan und ich zuhause vegan kochen, haben wir für den durchschnittlichen Haushalt eher ungewöhnliche Lebensmittel wie Mandelmus immer im Haus.

Was überzeugt nicht? Der Preis. Wer alle Zutaten, auch Mandelmus und Co, neu kaufen muss, wird leider festellen, dass die Zutaten insgesamt nicht günstig daher kommen. Mandelmus (in Bio-Qualität) kostet rund 8 Euro im normalen Lebensmittelhandel, und auch die Mandelmilch schlägt ins Kontor.

Insgesamt haben wir rund 24 Euro für die Suppen-Zutaten ausgegeben. Alle Zutaten gab es ohne viel Suchen beim gut sortierten Lebensmittelhändler. Nur für die Gewürze mussten wir zum China-Laden fahren. 

Die Hauptspeise

Der Klassiker der Glücks-Schüsseln: die Buddha Bowl. Derbe gesund, schön anzusschauen, da die Zutaten wunderbar bunt sind. Und, leider, nicht ganz leicht zu kochen. Oder besser, nicht ganz so fix. Hier müssen wir alle mit anpacken.

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Eine Schüssel voller Gesundheit: die Buddha Bowl

Proteinreicher Quinoa, Kicherbsen und frische Kurkumawurzel, die besonders nährstoffreich ist. Das klingt verlockend, will aber erst Mal in servierfähige Form gebracht werden. Der Quinoa wird nach Packungsanleitung gegart und bereit gestellt. Achtet beim Abgießen darauf, dass ihr ein möglichst engmaschiges Sieb wählt. Die Kurkumawurzel, wichtig für das Dressing, wird erst geschält und dann fein gerieben. Achtung: Kurkuma färbt im frischen Zustand. Verwendet unbedingt Handschuhe. Es sei denn, ihr steht auf gelbe Hände.

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Kurkuma im frischen Zustand meint es ernst: Wer die gelbe Färbung nicht für längere Zeit als schmückendes Element an den Händen mit sich herumtragen möchte, sollte beim Verarbeiten Handschuhe tragen.

Die Süßkartoffel wird von ihrer Schale befreit, in kleine Würfel geschnitten und in der Pfanne gegart. Die Kichererbsen landen ebenfalls in der Pfanne und werden dort kurz angebraten, bevor wir sie mit Chilli, Pfeffer, Salz und Koriander abschmecken. Sojasauce und Tofu sind fix fertig zubereitet, fehlt nur noch die Melone. Wir erinnern uns: Eine Melone hat viele Kerne. Und diese müssen wir entfernen, bevor wir sie in kleine Würfel zerteilen und dann mit den anderen Zutaten in einer großen Schüssel anrichten. Das ist Arbeit und erfordert ein wenig Geduld. Der Lohn: Eine Bowl, die durch die Kombination von Tofu, der Süße besagter Melone, der pikanten Würze der Kichererbsen und der Schärfe von frischen Radieschen besticht. Das Kurkuma-Dressing mit Kreuzkümmel und Tahini ist ein echter Geschmacks-Hammer und sollte unbedingt getrennt serviert werden.

Was überzeugt? Die Vielfältigkeit. Wir haben uns eng an das Rezept gehalten, aber dieses lässt sich ganz leicht variieren. Wichtig ist aus unserer Sicht das Dressing. Das ist gesetzt, der Rest bleibt euren Geschmacksnerven überlassen.

Was überzeugt nicht? Die Mengenangaben. Das Rezept ist auf zwei bis drei Personen ausgerichtet. Das Ergebnis langte locker für vier bis fünf Gäste.

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Ein Schlingel, wer Böses dabei denkt. Der Spiralschneider zaubert aus Wurzeln Gemüsenudeln

Da die Buddha Bowl bunt daher kommt, muss man leider auch viele Zutaten im Vorfeld einkaufen. Ganz unkompliziert und günstig ist das nicht. Für Gäste toll, ansonsten würden wir empfehlen, das Rezept ein wenig abzuspecken, um es alltagstauglicher zu gestalten.

 

Wir haben für diese Hauptspeise rund 33 Euro ausgegeben. Alle Zutaten waren unkompliziert erhältlich, die Kurkumawurzel gab es nur im Bio-Markt. Insgesamt mussten wir nicht mehr als zwei Lebensmittelhändler aufsuchen.

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Satt werden? Kein Problem. Das Rezept ist übrigens auf zwei bis drei Personen ausgelegt.

Nachtisch

Eigentlich sind wir schon ganz schön satt. Daher lassen wir uns mit dem Dessert, der fruchtig-grünen Limettencreme, noch ein wenig Zeit. Wir nutzen die Pause, um Glückskeks-Sprüche zu studieren. Immer wieder ein schönes Gimmick für Gäste und passend zum Motto des Abends. Mein Spruch: „Vergiss nicht, in dir steckt mehr als Du glaubst.“ Weißt Bescheid. 😉

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Das Glück steckt im Keks.

Kurz vor Mitternacht spüren wir wieder einen Hauch von Appetit. Der Wein ist eh alle, Zeit fürs Dessert.

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Die Limettencreme ist schnell gemacht, aber ganz schön gehaltvoll. Avocado, Kokosmilch , Kokosöl, und Cashewkerne werden zusammen mit Limetten- und Zitronensaft, Vanillextrakt und Agvensirup püriert und in Schälchen gefüllt. Achtung: Die Cashewkerne müssen über Nacht in Wasser eingeweicht werden. Diese Zeit müsst ihr einplanen.

Wer mag, kann das Ganze mit Blütenpollen garnieren. Wir haben’s gelassen. Das Budget war ausgeschöpft.

Was überzeugt? Geschmack und die unkomplizierte Herstellung. Tolle Konsistenz, überraschende Zitrusnote. Einfach großartig

Was überzeugt nicht? Das Dessert als Dessert. Das Teil ist einfach zu mächtig. Zudem auch hier die Mengen wieder sehr großzügig bemessen sind.

Wir haben für die Limettencreme insgesamt rund 14 Euro ausgegeben. Alle Zutaten waren unkompliziert im gut sortierten Lebensmittelhandel zu finden. Blütenpollen bekommt ihr im Reformhaus.

Und der Glücksfaktor? Hoch!  Nina Olsson hat ein abwechslungsreiches und kreatives Kochbuch vorgelegt, das definitv Glückspunkte setzen kann. Sogar Felix gibt am Ende des Abends zu: „Bei so einem Essen fehlt mir das Fleisch überhaupt nicht.“

Super, so soll’s sein. Neues entdecken und genießen. Und das schüsselweise. Einfach mal aufs Bauchgefühl hören. Auch im Job. Anne jedenfalls hat sich inzwischen entschieden, ihre Verbeamtung aufzugeben und ins Angestelltendasein zu wechseln.

Glück braucht eben Entscheidungen. Am Herd. Oder im Leben. Guten Appetit!


Vegetarische Bowls. Schüsseln zum Glück ist erschienen im Edel Verlag und kostet 19,95 Euro

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