Lesen ohne Atomstrom (22.-27.4.)

Beim erneuerbaren Literaturfest setzen sich Autoren für die Energiewende ein. Auch Günter Grass wollte dabei sein. Mit seinem Tod verliert die Bewegung einen ihrer Mitbegründer

Im April regnete und hagelte es in den vergangenen Jahren jährlich Lesungen. Als Gegenveranstaltung zu den Vattenfall-Lesetagen gab es die HEW-Lesetage, mit hochkarätigen Autoren in beiden Parteien. Ebenso prominent waren die Lese-Akteure bei „Lesen ohne Atomstrom“, die sich auch gegen Vattenfall richteten, sich programmatisch aber auch von den anderen Gegenveranstaltern abgrenzten.

In diesem Jahr ist das anders: Vattenfall- und HEW-Lesetage gibt es nicht mehr, „Lesen ohne Atomstrom“ ist geblieben. Die Veranstalter wollen sich nach wie vor für Atomausstieg und die Energiewende einsetzen. Ebenso wie Vandana Shiva, Nina Hagen, Andrea Maria Schenkel, Anna Thalbach, Dennis Meadows, Christian Redl oder Marc Elsberg. Sie alle lesen an verschiedenen Veranstaltungsorten in Hamburg erneuerbar und für umsonst.

Auch Literaturnobelpreisträger Günter Grass wollte bei den Lesetagen in Hamburg dabei sein. Wenige Tage vor dem Event starb der Schriftsteller. Das Team des Literaturfestes verfasste dazu ein Statement auf der Homepage. Hier ein Auszug:

Wir sind traurig!
Günter Grass ist tot. Mit seinem Ableben verliert ‚Lesen ohne Atomstrom – Die erneuerbaren Lesetage‘ einen seiner Mitbegründer. Frank Otto, Sprecher des Kultur für alle e. V., der das Hamburger Literaturfestival veranstaltet: „Wir sind tief bestürzt über den Tod von Günter Grass. Bei aller Trauer und Anteilnahme: Sein Werk hat ihn für uns unsterblich gemacht.“ Günter Grass, Nina Hagen, Rainer Burchardt und Feridun Zaimoglu waren 2011 die ersten Autoren, die für ‚Lesen ohne Atomstrom‘ aufgetreten waren. Als Ausdruck ihrer Verbundenheit zu den ‚Erneuerbaren Lesetagen‘ wollten alle Festivalgründer zum fünfjährigen Bestehen am Jahrestag der Explosion des Atomreaktors von Tschernobyl nochmals auftreten – am 26. April im Ohnsorg-Theater.

„Wir haben heute die Meinung aller Beteiligten eingeholt. Alle wollen, dass die konzertante Lesung am Tschernobyl-Jahrestag im Ohnsorg-Theater stattfindet“, teilt Oliver Neß, Sprecher des Festivals ‚Lesen ohne Atomstrom‘, mit.„Die Veranstaltung im Rahmen von ‚Lesen ohne Atomstrom‘ muss unbedingt stattfinden“, bestätigt Hilke Ohsoling, Büroleiterin von Günter Grass. „Wir werden den Abend Günter Grass widmen“, sagt Rainer Burchardt, langjähriger ‚Deutschlandfunk‘-Chefredakteur. „Es ist für mich als wäre ein Familienmitglied gestorben: Günter Grass war ein großer Dichter – und ein großer Mensch“, sagt Feridun Zaimoglu. Der von Grass geschätzte Kieler Autor wird – möglicherweise mit weiteren schriftstellerischen Weggefährten – jene Ballade lesen, die Günter Grass für den Abend im Ohnsorg-Theater bereits ausgewählt hatte: „Netajis Weltreise“, eine der letzten Veröffentlichungen von Grass.

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Foto: Steidl

verschiedene Orte
u.a. Fabrik
Barnerstraße 36 (Ottensen)
22.–27.4.