Eberhard Gugel

Logo-Chef Gugel braucht keine Millionen

Eberhard Gugel könnte seinen Club locker für viel Geld an Immobilien-Investoren verkaufen. Macht er nicht. Logo –  ein Leben lang

Mitten in Hamburg, auf einem der begehrten Sahnegrundstücke im Grindel, steht zwischen Altbauten und Geschäftshäusern ein pechschwarzer Flachbau, der fast wie eine dieser alten Garagen aus den 60ern aussieht. Seit über 40 Jahren ist hier das Logo zu Hause. Und obwohl dem Eigentümer Eberhard Gugel, dem Club und Grundstück seit 21 Jahren gehören, regelmäßig Millionenbeträge angeboten werden dafür, dass er seine Koffer packt, bleibt er stur. „Was soll ich denn mit dem vielen Geld?“, fragt er dann. Aber das wissen die Investoren auch nicht so recht. Sie haben nur einen Wunsch: Auf dem Grundstück – direkt gegenüber der Uni und mit bester Nah- und Fernverkehrsanbindung – einen schönen, modernen Neubau zu errichten. 4.000 Quadratmeter, die sich bei der aktuellen Wohnungsnot ideal verkaufen ließen. Aktuell könnte man locker 8.000 Euro pro Quadratmeter verlangen.

„Wenn es keinen neuen Platz für das Logo gibt, werde ich hier nicht weggehen“, sagt der 60-Jährige und haut trotzig mit der flachen Hand auf den Tresen. Dabei ist es nicht so, dass er nicht schon alles versucht hat. Fast sah es auch nach einer guten Lösung aus: Der scheidende Bezirksamtschef Torsten Sevecke wollte den Club in einem Neubau vorm Bezirksamt unterbringen. Allerdings hatte er die Rechnung ohne das Denkmalamt gemacht – und das fand die Idee auf dem Gelände der mit Ensembleschutz belegten Grindelhochhäuser gar nicht gut. Im Gespräch war auch der Uni-Neubau gegenüber der Polizei in der Sedanstraße. „Da hätten wir niemanden gestört“, so Gugel. Doch die Uni beanspruchte die 400 Quadratmeter schließlich selbst.

Etwas, das man dem Logo auch nachsagt: Bands treten gern zweimal auf – einmal bei ihrem Auf- und einmal bei ihrem Abstieg

Weg aus Eimsbüttel will Gugel auf keinen Fall. „Die Gegend ist schön und unglaublich sicher. Wir haben hier ein gemütliches kleines Viertel, das noch lange nicht diese ganze Schanzen-Arroganz in sich trägt. Und du kommst hier völlig entspannt her“, schwärmt er. „Ich zieh schon gar nicht auf den Kiez und erst recht nicht nach Billbrook oder Eidelstedt. Ich möchte, dass die Gäste völlig stressfrei und ohne Angst herkommen können.“

Das Publikum: Bunt gemischt. Professoren, Arbeiter, Auszubildende – „Hier ist alles, was sich für Livemusik interessiert “, sagt Gugel, der nach Punk, Metal und Rock jetzt auch ein wenig entspannter mit HipHop umgeht. „Das zählt ja für mich eigentlich nicht zur Livemusik“, sagt er achselzuckend. „Aber manche find ich gar nicht schlecht.“ Etwas, das man dem Logo auch nachsagt: Bands treten gern zweimal auf – einmal bei ihrem Auf- und einmal bei ihrem Abstieg.

„Ich denke nicht übers Verkaufen nach – dann wär das Logo ja weg.“

Um Mitternacht muss die letzte Zugabe vorbei sein. Nach massiven Anwohnerbeschwerden habe man sich auf diesen Kompromiss geeinigt. Feierabend ist dann allerdings noch lange nicht. „Wenn alles gemütlich ist, kann es auch vorkommen, dass wir noch bis drei Uhr sitzen, Bier trinken und kickern“, erzählt Gugel.

„Eigentlich dachte ich immer, ich geh mit 60 in Rente. Aber da wär mir ja langweilig und meine Frau würde sich wahrscheinlich scheiden lassen, weil der Alte die ganze Zeit rumnervt“, sagt er lachend. Dann seien die millionenschweren Angebote wohl eine schöne Altersvorsorge? Gugel guckt verständnislos. „Ich denke nicht übers Verkaufen nach – dann wär das Logo ja weg.“ Schließlich sei es der einzige Liveclub im Viertel. „Ich werde den Laden später einfach an junge Leute verpachten, die Bock drauf haben. Und dann komm ich zweimal pro Woche rein und weiß alles besser. Das ist doch viel spannender.“  / Ilona Lütje

Neugierig geworden? Dann geht’s hier zum Logo-Programm.


SZ1116-001_Titel_.inddDer Text ist ein Auszug aus dem Titelthema „Leben im Grindel“ aus der November-Ausgabe von SZENE Hamburg.

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