Luft nach unten: Nordwind-Festival auf Kampnagel

Am 27.11. startet das nordische Kulturfestival. Der russische Radikalkünstler Pjotr Pawlenski kann nicht kommen. Er wurde in Moskau verhaftet – wegen Brandstiftung

Auch wenn der Hamburger das nicht gerne zugibt: Es geht noch viel, viel nördlicher. Skandinavier, Isländer, die Bewohner des Baltikums zucken nur amüsiert mit den Mundwinkeln, wenn wir über unser laues Seelüftchen sprechen. Darum trägt das größte deutsche Festival für Darstellende Künste und Musik aus den nordischen Ländern den passenden Namen Nordwind.

Ende November sollte dieser auch einen besonderen russischen Künstler nach Kampnagel fegen, den Regierungskritiker Pjotr Pawlenski, der sich den Mund zunähte und seinen Hodensack auf den Roten Platz nagelte. Aber auch der größte Sturm ist gegen die russische Justiz machtlos. Pawlenski wurde jüngst verhaftet, weil er die Tür zum russischen Geheimdienst FSB in Brand setzte, um gegen den staatlichen Terror zu protestieren. Dass die Staatsmacht wenig humorvoll und respektvoll im Angesicht dieser Kunstaktion reagierte, war abzusehen.

Kampnagel zeigt die weltweit erste Pawlenski-Retrospektive. Videos, Fotos und Reaktionen von Medien und der russischen Justiz sind zu sehen. Da der Künstler nach wie vor in Haft sitzt, wird seine Mitarbeiterin Oxana Schalygina zu Gast sein. Weitere Künstler sind zum Festival geladen:  Unter anderem zeigt die isländische Tänzerin und Choreografin Erna Ómarsdóttir bereits zum vierten Mal ihre düster-dynamische Bühnenarbeit „Black Marrow“ (Foto). Das Nordwind-Festival findet bis zum 5. Dezember statt.

Text: Lena Frommeyer
Foto: Bjarni Grimsson

Kampnagel
Jarrestraße 20 (Winterhude)
27.11.–5.12.

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