Moritz Bleibtreu haut ab!

Der Hamburger Schauspieler mutiert im Thriller „Die dunkle Seite des Mondes“ vom Banker zum Waldschrat. Ab 14.1. läuft die „Jekyll and Hyde“-Story im Kino

Krank. So kommt uns die Welt manchmal vor, angesichts all der Gier, der Hektik und der Gewalt um uns herum. Wer hätte noch nie den Wunsch gehabt, einfach auszubrechen? Abzuhauen, als Selbstversorger auf dem Land zu leben und auf den Rest der Welt da draußen, pardon, zu scheißen?

In „Die dunkle Seite des Mondes“, einer Verfilmung von Martin Suters gleichnamigen Roman, ist es der Selbstmord eines Unternehmers, der in Top-Anwalt Urs Blank Zweifel an der Sinnhaftigkeit seines Lebens aufkommen lässt: Er hat den Mann mit seinem Fusions-Deal in den Ruin getrieben. Klar, er hat einfach seinen Job gemacht, und das ziemlich gut – und schreckt nun doch davor zurück, die Verheiratung zweier pharmazeutischer Unternehmen in die Wege zu leiten.

Es geht um viel Geld, auch für Blank selbst; doch das scheint dem Anwalt angesichts der moralischen Fragwürdigkeit der Fusion nicht mehr erstrebenswert zu sein. Als er das Hippie-Mädchen Lucille (Nora von Waldstätten) trifft, kommt es ihm vor, als sei er „aufgewacht“, wie er selber sagt. Ein missglückter Pilz-Trip, Teil seines Weges zur neuen Selbstfindung, zeigt dann aber, dass noch ganz andere, dunkle Seiten in ihm schlummern …

Erst Anwalt, dann Zweifler, dann Asozialer

„Die dunkle Seite des Mondes“ ist die fesselnde Geschichte eines Mannes, der sich vom höchst respektierten, erfolgreichen Gesellschaftsmitglied in einen instinktgetriebenen und gewalttätigen Einsiedler verwandelt. Die aktuelle Verfilmung mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle stellt die beklemmende Atmosphäre gut dar, auch dank der herrlich düsteren und detailreichen Bilder. Bleibtreu überzeugt als Urs Blank – zunächst als Anwalt, dann als Zweifler, schließlich als Asozialer.

Anders als in Suters Roman verliert Blank im Film aber nie ganz den Kontakt zur Außenwelt, es kommt zum recht plötzlichen und nebulösen (im übertragenen wie wortwörtlichen Sinne) Showdown zwischen Blank und seinem Widersacher Pius Ott (Jürgen Prochnow).

„Im Film geht es zum Schluss weniger darum, wie sich Blank weiterentwickelt. Uns ging es auch darum, die abgefuckte, absolutistische Weltsicht von Ott zu zeigen: Dem ist alles egal, weil er schon alles hat. Doch das, was man bei diesen Menschen in der Hochfinanz oder in der Pharmaindustrie immer ‚Gier‘ nennt, ist gar nicht so sehr Gier nach noch mehr Reichtum. Es geht denen nicht darum, die zigste Yacht zu kaufen. Es geht darum, stärker zu sein als der andere. Und dabei gehen sie auch über Leichen“

erklärt Bleibtreu im Gespräch mit SZENE HAMBURG.

Insgesamt ist der Film (Regie: Stephan Rick) gelungen, er zeigt: Die Deutschen können nicht nur Komödie, sondern auch einen dunklen Thriller. Herrlich, die Mordlust in Bleibtreu-Blanks Augen! Die der 44-Jährige im wahren Leben übrigens noch nie verspürt hat: „Das ist mir völlig fremd. Die einzige Rechtfertigung, die es für Gewalt in jedweder Form gibt, ist die Verteidigung der eigenen Gesundheit oder derer, die du liebst.“

Genau wie Urs Blank fühlt aber auch Bleibtreu sich im Wald wohl. Regelmäßig, so erzählt er, ist er im Sachsenwald nahe seines Wahl-Heimatorts Hamburg-Reinbek unterwegs. Deswegen ist er schließlich von Ottensen da rausgezogen. Ruhe. Natur. Entschleunigung. Vielleicht sollten wir alle öfter in den Wald gehen. Vielleicht wäre die Welt dann eine bessere.

Text: Maike Schade
Foto: Felix Cramer / Alamode Film

„Die dunkle Seite des Mondes“ läuft ab 14.1. im Kino