MS Dockville: Einhörner & Kuhmist

Das MS Dockville-Wochenende ist vorbei und wir finden immer noch Glitzer in allen Ritzen. So war das Festival

Wäre am Wochenende ein Einhorn durch die Wilhelmsburger Industriebrache getrabt, die Leute hätten nur kurz mit den Schultern gezuckt und ihm ein Bier angeboten. Fantastisches gehört schlicht zum Dockville dazu, zum quietschbunten Festivalalltag. Auf der Elbinsel flatterte drei Tage lang wieder Lametta in den Bäumen, Diskokugeln glitzerten in der Sonne, und Seifenblasen flogen durch die Luft – zum nunmehr neunten Male.

Der Dresscode an diesem Wochenende war klar definiert: Von jedem zweiten Rücken baumelte ein Turnbeutel. Die Mädels trugen kurze Jeansshorts, Blumen im Haar und Glitzer am ganzen Körper. Viele streckten geschmückte Regenschirme, Poolnudeln oder andere, von weiten sichtbare Erkennungszeichen in die Luft – so blieb die Gruppe zusammen, zwischen 25.000 Menschen ist auf Handykommunikation kein Verlass.

Alles erinnerte an das Coachella-Festival in der kalifornischen Colorado-Wüste – Kunst, Schmuck, ausgelassene Feierstimmung. Auf dem Gelände war es generell leicht, sich zu verlaufen, zu verlieren, aber auf gute Art und Weise. Die vorderen Areas, die Namen trugen wie Butterland und Nest, waren zwischen den Bäumen versteckt. Einmal abgebogen und durch die Büsche geschlüpft, fand man sich zwischen Ausdruckstänzern wieder. Hier ging es elektronisch zu.

Einen Fußmarsch entfernt lagen die Hauptbühnen. Die Sonne brannte auf freier Fläche und der plattgetrammelte Boden stank nach Kuhmist. Die Nase rümpfte man so lange, bis die Ohren abgelenkt wurden. Beispielsweise am Sonntag durch Benjamin Bookers Höllenblues aus der Punkgarage. Wobei, der beste Musiker in der Band war eigentlich der Schlagzeuge, irrer Typ. Später nahmen die deutschrappenden Orsons die Bühne auseinander, unterstützt von den Kindern des Sommercamps Lüttville.

Nach Sonnenuntergang flirrte der bizarr-elektronische Sound des dänischen Duos Rangleklods über die Köpfe der Besucher hinweg, wurde von den industriellen Bauten zurückgeworfen und schlug direkt in den Magen ein. Dort kribbelte es noch, wenn der schwedische Liedermacher José González mit sanfter Stimme und seiner Gitarre das Festival beendete.

Mit der S-Bahn fuhr man danach zurück ins echte Leben. Auf dem Bahnsteig verteilte ein Geschäftsmann aus Köln großzügig seinen Vorrat an Schokoriegeln. Zufrieden kauten die jungen Leute wie ausgehungert. An der Verpackung klebte Glitzer, den wird man wohl noch tagelang in Hamburg finden.

Text/Fotos: Lena Frommeyer & Andre Weber

 

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