Rod Gonzales Hamburg Film

Musik-Doku mit Rod Gonzalez

Vor 30 Jahren floh er vor Pinochets Militärputsch nach Langenhorn, im Gepäck chilenische Protestsongs. Jetzt hat der Ärzte-Bassist seine Musiker-Idole in der alten Heimat besucht

Rod Gonzalez braust fröstelnd auf einem Roller durch Hamburg, in sein Elternhaus nach Langenhorn. Dort stöbert er mit seinem Vater Cesar in Erinnerungsstücken: Plakate, Schriftstücke und unzählige Tapes mit Protestsongs der „Nueva Cancion Chilena“ – Violeta Parra, Victor Jara, Quilapayún. Musik, mit der er aufgewachsen ist, und die ihn nachhaltig geprägt hat. Schon immer, erzählt er, wollte er nach Chile reisen, um einige dieser legendären Musiker und deren Erben kennenzulernen und ein Album (VÖ tba) mit ihnen aufzunehmen. Jetzt ist die Zeit gekommen – für „El Viaje“, die Reise.

Sie führt den Ärzte-Bassisten quer durch das südamerikanische Land. Er lernt faszinierende Menschen kennen: Eduardo Carrasco, Bandleader von Quilapayún, der wegen Pinochets Militärdiktatur 20 Jahre im Exil in Frankreich lebte und nun in Chile Philosophie lehrt. Den Liedermacher Eduardo Yañez, der von den Militärs inhaftiert und gefoltert wurde. Camila Morena, Shooting-Star der lateinamerikanischen Musikszene. Chinoy, der mit seiner ungewöhnlich hohen Stimme und poetischen Texten verzaubert – und auch in einer Punkband singt, bei der Gonzalez spontan als Drummer einsteigt. Und natürlich Alda „Macha“ Asenjo, Bandleader von Chico Trujillo, den Rod Gonzalez bei einem Gig in Berlin kennengelernt hatte.

Regie führte bei „El Viaje“ ein Freund Rods aus Kindertagen, der Hamburger Nahuel Lopez. Dessen Vater gehörte ebenso wie Cesar Gonzalez der linken Protestbewegung in Chile an, auch er musste nach Hamburg fliehen. „El Viaje“ ist nicht nur ein Juwel voll berührender Musik, das ein umfassendes Bild der quirligen chilenischen Protestmusik-Szene liefert, sondern gibt auch Einblicke in das Leben im südamerikanischen Land: das sympathische Chaos, die grandiose Natur und den immer noch schwelenden Konflikt mit den indigenen Mapuche. Dass Gonzalez vor allem zu Beginn des Films verkrampft und unsicher wirkt, macht den Film sympathisch und authentisch: Er ist nun mal kein Schauspieler, kein professioneller Dokumentarfilmer, sondern einfach ein Mann auf einer für ihn aufwühlenden Reise.

Text: Maike Schade

Regie: Nahuel Lopez. Mit Rodrigo Gonzalez, Camila Moreno, Eduardo Carasco, Eduardo Yañez, Mauricio „Chinoy“ Castillo, Aldo „Macha“ Asenjo

„El Viaje“ läuft ab 11.8. im Abaton Kino