Parkour durch die Stadt

Statt Kletterurlaub in den Alpen – zum Parkour-Laufen in die HafenCity. Ein Erfahrungsbericht

Mal eben über eine Parkbank zu springen, ist gar nicht so leicht. Bisher dienten mir Bänke sowieso eher als Sitzgelegenheit, ich hab sie nicht als Hindernis gesehen, das es zu überwinden gilt. Jetzt weiß ich aber: Es gibt etliche Möglichkeiten, hinüberzuhüpfen. Mit einem Zwischenschritt auf die Rückenlehne, kurz mit den Händen abgestützt oder ganz ohne die Bank zu berühren direkt rüber … Wo ich das gelernt habe? In der HafenCity. Beim öffentlichen Parkour-Training.

Urbane Spielwiese

Unknown-1_300dpiManche fahren für ihren Actionurlaub weite Strecken, um in Steilwänden zu klettern, düsen mit ihren Mountainbikes Berge hinab, machen Tauchkurse und stürzen sich im Wingsuit von Klippen herunter. Ich probiere es lieber mit einer kleineren Portion Adrenalin und radele zu den Marco-Polo-Terrassen. Jeden ersten Samstag im Monat treffen sich dort die Läufer vom Parkour-Hamburg-Team. Statt Touristen nehmen dann die urbanen Sportler den Platz ein, der bei näherer Betrachtung perfekt für den aus Frankreich stammenden Parkour-Sport geeignet ist: Die verschieden hohen Ebenen, die Geländer entlang der Treppen und die verwinkelt angeordneten Bänke machen den Platz zu einer urbanen Spielwiese. Gemeinsam springen die Läufer von Mauer zu Mauer und von Bank zu Bank; das Training ist offen für alle, jeder kann sich der Gruppe anschließen und mitmachen.

Zwischen kreischenden Möwen und interessiert schauenden Touristen laufen die etwa 20 Teilnehmer zum Aufwärmen hin und her und machen gemeinsame Dehnübungen; das ist ein festes Ritual.

Anschließend teilt sich die große Gruppe auf. Während Neulinge grundsätzliche Dinge wie einen möglichst weiten Sprung üben, rennen die erfahreneren Parkour-Läufer zielsicher vor der Kulisse aus Wasser, Hafenkränen und Elbphilharmonie über Mauern, Stufen und Geländer. Jetzt, wo das Training begonnen hat, fällt auf, dass der Platz durch die sportliche Intervention noch viel urbaner wirkt. Beim Parkour kommt es nicht nur darauf an, wie man am effizientesten von A nach B gelangt, sondern es geht auch darum, sich die Stadt anzueignen, verlassene Orte zurückzuerobern und städtische Plätze zweckzuentfremden. Die noble HafenCity scheint mit ihren gestalterischen Elementen und der kantig-modernen Architektur dafür prädestiniert.

Indoor-Halle

Ebenfalls in der HafenCity, nur etwa einen Kilometer von den Marco-Polo-Terrassen entfernt, entsteht zurzeit Hamburgs erste Parkour-Halle. Im Oberhafen-Quartier möchten die Mitglieder des Vereins Parkour Creation eine große Indoor-Landschaft aus Hindernissen aufbauen; die Halle wird eine der wenigen öffentlich zugänglichen Parkour-Anlagen der Stadt sein. Bis zur Eröffnung müssen sich die Parkour-Läufer weiterhin bei Wind und Wetter im öffentlichen Raum treffen. Nicht nur die HafenCity, sondern auch Planten un Blomen oder die City Nord eignen sich gut zum Parkour-Laufen.

An den Marco-Polo-Terrassen ist das Training nach etwa zwei Stunden vorbei. Geschafft und ausgepowert mache ich mich wieder auf den Weg nach Hause. Das allerdings nicht von Mauer zu Mauer springend, sondern ganz unspektakulär mit dem Fahrrad.

Jannis Hartmann ist noch ein echter Jungspund – trotzdem hatte er Muskelkater nach all dem wilden Gehüpfe

MEHR TIPPS

Parkour
Jeden ersten Sonntag lädt das Parkour-Team Hamburg zu Outdoor-Einführungsworkshops an unterschiedlichen Orten ein; jeden Dienstag können Anfänger und Fortgeschrittene an einem Krafttraining um 19 Uhr am CCH teilnehmen.

Skaten
Ein absoluter Hotspot ist die Skateanlage auf dem ehemaligen Gelände der igs. Auf über 1.700 Quadratmetern erstrecken sich Ramps, Rails und Ledges und bieten nicht zuletzt mit einer zwei Meter tiefen Bowl all das, was das Herz eines Skaters höherschlagen lässt. Kein Wunder also, dass der Skatepark in der Szene mittlerweile europaweit bekannt ist.
Am Inselpark 20b (Wilhelmsburg)

RIB Piraten
Adrenalin-Junkies aufgepasst! RIB Piraten sorgen für echte High-Speed-Abenteuer auf der Elbe: Im Tiefflug schießen ihre Schlauchboote, sogenannte Rigid Inflatable Boats, über die Wellen. Die Boote sind mit einem 250 PS starken Triebwerk ausgestattet und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometer. Wer eine 90-minütige Tour bucht, rast in Begleitung eines Bootsführers vom Hamburger City Sporthafen Richtung Westen die Elbe flussabwärts; vorbei an Elbphilharmonie, Blankeneser Treppenviertel und Yachthafen.