Schanzenkind Jill hat mächtig leckere Pizza!

Sternschanze. Gentrifizierung im Viertel – damit muss Schluss sein. Doch im Jills trifft der Protest die Falsche

Klassische Salami-Pizza sucht man hier vergeblich. Im Jill ist weniger mehr. Schließlich hat sich Inhaberin Jill Bittner der original neapolitanischen Pizza verschrieben und dafür die Räume des ehemaligen Schanzensterns gemietet. Das kommt nicht bei jedem gut an. Schon zur Eröffnung musste die Polizei anrücken, auch heute noch fliegen hin und wieder Farbbeutel, sind die Schlüssellöcher zugeklebt. Die Autonomen fragen nicht lang. Was neu ist, gehört plattgemacht. „Es hat sich aber ein wenig beruhigt“, sagt die 32-Jährige auf Nachfrage. „Alle zwei Wochen gibt es eine kleine Mini-Bambule gegen die neuen Mieter der Schanzenhöfe. Aber die Aggression lässt nach.“

Pizzeria Jill wünschen wir Durchhaltevermögen. Und dass sich schnell rumspricht: Inhaberin Jill ist ein echtes Kind der Schanze – und sie hat mächtig leckere Pizza! Die kommt aus dem Herzen des Ladens: In dem schweren Ofen mitten im Restaurant wird sie bei 480 Grad C innerhalb von 60 bis 90 Sekunden gebacken. Klingt zwar nicht nach Slowfood, ist es aber: Schließlich muss der Teig fast drei Tage gären, bevor er verarbeitet werden kann. Belegt wird die Pizza dann mit frischen und vor allem ausgewählten Zutaten, möglichst nachhaltig und bio.

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Wir genießen den Abend im gemütlichen Innenhof und teilen uns als Vorspeise eine Caprese mit Mozzarella di bufala – mit frischen Tomaten von den
Tomatenrettern. Die Pizza-Wahl ist nicht leicht und fällt schließlich auf die Tartufo mit Sommertrüffel und eine Spinat-Pizza. Der Name ist verdient, denn statt
Spinat-Käse-Pampe wird uns eine dünne und unfettige Pizza mit frischem Babyspinat serviert. Die Preise zwischen 7 und 13 Euro sind verglichen mit den gewohnten Lieferpizzen mehr als günstig. Nach den neapolitanischen Pizzen, die weder Magen noch Gewissen belasten, ist sogar noch Platz für eine Käseplatte zum Naschen hinterher. Auch die Getränkekarte kann sich sehen lassen: Es gibt eine umfangreiche Auswahl an Weinen und Softgetränken und eine große Palette von Gin & Tonic.

Wir sind verliebt. In diese fluffig-leichte, authentische Pizza. Und in das Jill. Das geht offenbar auch vielen Italienern so: Eine große Gruppe bringt Urlaubsgefühl in die Schanzenhöfe. „Ich habe viele italienische Stammgäste, sie sind mein persönlich größter Erfolg – denn das muss ja etwas heißen“, sagt Jill. Übrigens: Frühstücken lässt sich auch ganz gut – selbst verkatert. Denn dann gibt’s statt Kaffee ein kleines Bier dazu. / Ilona Lütje

Jill
Bartelsstraße 12
Mo-Fr 7.30–23,  Sa-So 8.30–24 Uhr 

Foto: Anja Paap