Restaurant-Tipp: La Scala

Mario Zini ist eine zweibeinige Weinbibel, Patron und Chefkoch dieses formidablen Eck-Restaurants in Eppendorf

Dieser Laden im toten Winkel des Eppendorfer Wegs, in diesem gedrungenen, muffigen, gelblichen Klinkerbau? Der lohnt sich? Ja, der lohnt sich. Spätestens beim ersten Bissen wird jeder Skeptiker zum Schwärmer. Vielleicht schon beim ersten Schluck. Denn Mario Zini ist nicht nur Patron und Chefkoch vom La Scala, sondern auch eine zweibeinige Weinbibel, eine römisch-önologische Offenbarung, und man ist gut beraten, die frohe Botschaft anzunehmen.

Als Koch ist Zini eine Art Neoklassizist, der das altmodische Geschnörkel der traditionellen Haute Cuisine zurechtstutzt und in die Sprache einfacher italienischer Küche übersetzt, ohne dabei in einer folkloristischen, Trikolore farbenen Wolke aus Oregano und Basilikum zu verpuffen. Seine Küche ist insofern italienisch, als sie mit minimalen Zutaten maximalen Geschmack erzeugt.

Zum Beispiel machen die hausmarinierten Alici (10,50 Euro) so glücklich, dass es niemanden kümmern würde, wäre das Essen danach zu Ende: Die Anchovis werden per Hand entgrätet, in Zitrone eingelegt, danach in Öl gewendet. Fertig. Auch das Salzwiesenlamm aus dem Ofen (28 Euro) singt keine Arien über den Ruhm seiner Vorfahren; es ist einfach nur unanständig zart. Und nachdem man den Wolfsbarsch im Salzmantel (65 Euro für zwei Personen) probiert hat, scheint es das einzig Sensible zu sein, das man mit einem Wolfsbarsch tun könnte.

Wer ins La Scala kommt, muss Geld mitbringen, aber wer einmal hier gegessen hat, der weiß, dass er in einer besseren Welt war, bis Mario Zini an der Tür steht und einen guten Heimweg wünscht.

Text: Nikolai Antoniadis
Foto: Jakob Börner

La Scala
Falkenried 54 (Eppendorf)
Telefon 420 62 95
Di-So ab 19 (Küche bis 23 Uhr)
Hauptgerichte zwischen 15 und 25 Euro

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