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Sommer in Altona: Kultur im Biergarten

Das Zirkuszelt am Nobistor feiert Bergfest. Knapp zwei Wochen hat der Sommer in Altona jetzt schon auf dem Buckel – jetzt kommt die Kultur in den Biergarten – für lau und open air!

Klar ist: Das Konzept begeistert. Das Festival aus Musik und Kunst hat sich schon in die Herzen der Hamburger gespielt. Für sie gab’s laue Nächte im Zirkuszelt, unter anderem mit Tinariwen, Ronja von Rönne, Lambchob oder Me And My Drummer.

Jetzt legt das Sommerfestival noch einen drauf:

Neben den Konzerten im Zelt gibt’s ab nächster Woche jede Menge toller Events im Biergarten:

Mo, 14.08. Tim Jaacks / Hamburger Küchensession gehen raus!
Mi, 16.08. Leserpistole (Lesung)

Do, 17.08. OVE / Hamburger Küchensession gehen raus!

Sa, 19.08. „Zwei wie Ironie & Sarkasmus“ / Geschichten aus der Hölle des Alltags: Ein Biergarten-Abend mit Viktor Hacker und Jan Turner

Di, 22.08. Sebastian Hackel / Hamburger Küchensession gehen raus!
Sa, 26.08. Joe Astray

Eintritt: Ein Experiment – jeder gibt das, was es ihm wert ist.

Beginn ist jeweils um 19:00 Uhr.

 

Sommer in Altona, 30.7-30.8.17, www.sommerinaltona.de

 


Diese Konzerte im Zelt solltet ihr auch nicht verpassen:


Altona 93: Hör’ mal, wer da hämmert

Altona 93 testet gegen das Premier-League-Team von West Ham United

Joe Hart, Chicharito, Marko Arnautovic: Der Kader von West Ham United, dem Club aus dem Londoner East End, liest sich beeindruckend. Am vergangenen Wochenende absolvierten die britischen Ballzauberer zwei Tests gegen Werder Bremen (0:1 und 2:2), jetzt kommen „The Hammers“ nach Hamburg.

Gegner hier: Altona 93. Eben erst in die Regionalliga aufgestiegen, ist die Truppe von Trainer Berkan Algan logischerweise extraheiß auf einen Kontrahenten von diesem Kaliber. „Ich will mit Altona einfach jedes denkbare Ziel erreichen“, hat der Coach kürzlich im SZENE HAMBURG-Interview angegeben. Das Vorhaben gegen West Ham sollte vermutlich sein, nicht zweistellig vom eigenen Platz gefegt zu werden.

Doch selbst ein 0:17 würde die 5.000 (!) Zuschauer auf der so was von ausverkauften Adolf-Jäger-Kampfbahn sicher nicht stören.

Die Londoner können heute hämmern, so viel sie wollen: Der Spaß wird im Vordergrund stehen, wenn die Premier-League-Millionäre gegen die Griegstraßen-Kicker spielen.

/ EBH

Spielbeginn: 18.30 Uhr, Griegstraße 62 / www.altona93.de

Altona93

Auf ein gutes Spiel, Jungs! Wir feiern schon mal vor…

Serie: Altona. Sommer in Altona – Das Zirkuszelt am Nobistor

Es kommt was Neues auf uns zu: Am Nobistor wird ab dem 30. Juli bis Ende August ein neuer Festival-Ort für Musik und Kunst entstehen. Sommer in Altona!

Ein Zirkuszelt, ein abwechlsungsreiches Kulturprogramm und dazu Sommer, Sonne, Leichtigkeit. Das sind die Zutaten für Sommer in Altona. Das Event, das den Hamburgern den August versüßen möchte, erlebt in diesem Jahr seine Premiere und hat eine Menge Überraschungen im Programm. Wir verschaffen euch einen kleinen Überblick.

 Laue Nächte unterm Zirkuszelt

So, 30.07.
Musik: Tinariwen

Das bereits mit einem Grammy geehrte Kollektiv aus dem Süden der Sahara verbindet traditionelle Musik und Instrumente mit europäischen Pop- und Rockeinflüssen, wozu auch elektrische Gitarren zählen.
Eintritt: 25 Euro

Mo, 31.07.
Lesung: Ronja von Rönne

Ronja-von-Roenne

Foto-Carolin-Saage

Ronja von Rönne, der laut Deutschlandfunk Kultur „neue Stern am Himmel des deutschen Popliteratentums“, liest bei SOMMER IN ALTONA aus ihrer zweiten Buchveröffentlichung.
Eintritt: 13 Euro

Di, 01.08.
Musik: Lambchop

Kurt Wagner hat es wieder getan. Mit knapp 57 Jahren hat der Musiker aus Nashville sich und sein musikalisches Vehikel namens Lambchop nochmals komplett neu erfunden.
Eintritt: 30 Euro

 

Do, 3.08.2017
Musik: MAECKES & Die Katastrophen

Maeckes hat bei all seinen bisherigen Releases ein sprachliches Labyrinth um sich herum gebaut. Er hatte in dieser Labyrinth-Welt immer schon seine Hörer, trotzdem hat er sie selten an sich herangelassen. Sein aktuelles Album †il† beinhaltet den Schlüssel zu seiner Welt.
Eintritt: 25,50 Euro

 

Fr, 4.08.
Musik: Me And My Drummer

Man sieht kaum mehr eine Band musizieren, hier stehen zwei Vertraute eng bei einander. Sind abwechselnd Liebespaar und wieder getrennt, umkreisen einander im Boxring wie im Ballsaal.
Eintritt: 16 Euro

 

Sa, 5.08.2017
Musik: Stereo Total

Stereo Total kombinieren eine minimalistische Produktion (im positiven Sinne) mit einem Garagen-Underground-Sound, zugleich authentisch und dilettantisch, ironisch und effektiv, poppig und (subversiv) politisch. Genug geschwafelt. Hingehen.
Eintritt: 20 Euro

 

Di, 8.08.2017
Musik: Brant Bjork + special guest: Sean Wheeler

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert steht der Multiinstrumentalist, Produzent, Label- und Festivalgründer damit im Epizentrum des kalifornischen Stoner- und Desert Rock, der längst ein weltweites Phänomen darstellt.
Eintritt: 20 Euro

 

Mi, 9.08.2017
Musik: Jesper Munk

Jesper Munk hat praktisch im Alleingang Blues (und seine Spielarten) für eine neue Generation auch in Deutschland wieder populär gemacht, kein Wunder, dass in der Musikpresse wie dem Rolling Stone Vergleiche mit Jack White, The Black Keys und Gary Clark Jr. gezogen wurden.
Eintritt: 22 Euro

 

Do, 10.08.2017
Musik: Malky

Sie sind ein unzertrennliches Team – Brüder im Geiste, die sich so vertraut sind, dass sie nicht viele Worte brauchen. Mit Malky verzichten sie bewusst auf große Effekte, Pop in der Nude-Version.
Eintritt: 19 Euro

Fr, 11.08.2017
Musik: Nick Waterhouse

nick waterhouse
Nachdem die letzte Show des R&B-Revivalisten aus Kalifornien im Mojo Club bereits Wochen vorher ausverkauft war, steht Nick Waterhouse mit seiner vorzüglichen Band für eine Zugabe der besonderen Art bereit! Einlass nur mit tadellos polierten Tanzschuhen.
Eintritt: 25 Euro

Sa, 12.08.2017
Musik: The Baboon Show

The Baboon Show sind kein Geheimtipp mehr und haben sich in den vergangenen Jahren durch ihre unfassbar guten Liveauftritte, egal ob als Headliner oder als Gast bei Donots, Pascow oder Die Toten Hosen, einen beachtlichen Bekanntheitsgrad und einen ausgezeichnet Ruf erspielt.
Eintritt: 15 Euro

Di, 15.08.2017
Musik: Torpus & The Art Directors

Sönke Torpus und seine tollkühne Crew sind kurzrfristig eingesprungen, nachdem die ursprünglich geplanten Lower Than Atlantis abgesagt hatten. Ein sehr cooler Ersatz! Denn mit ihrem Northern-Country-Folk liefern die vier Burschen aus Nordfriesland mit ihrer schwedischen Bassistin ganz sicher einen rührenden, lustigen, sommerlichen Abend mit toller Musik aus großen Herzen.
Eintritt: 13 Euro

Mi, 23.08.2017
Musik: Jochen Distelmeyer

Foto: Sven Sindt

Überraschende Versionen von Britney Spears’ „Toxic“ über „Video Games“ von Lana Del Rey und The Verves „Bitter Sweet Symphony“ sowie Evergreens und Instant Classics von Kris Kristofferson, Al Green, Avicii, Joni Mitchell und Radiohead werden durch die elegant-einfühlsame Produktion (Swen Meyer) und Distelmeyers mal hell sehnsuchtsvollen, dann dunkel schimmernden Gesang unmittelbar zu seinen eigenen. Eigen wie der Künstler selbst.
Eintritt: 18 Euro

Do, 24.08.2017
Musik: Kapelle Herrenweide & Shred Kelly

 Sommer in AltonaHamburgs energiegeladenste und charmanteste Kapelle trifft auf mehrfach Award-ausgezeichneten Powerpop aus Kanada! Verbunden sind die zwei Bands in tanzwütigen Off-Beats und schwer vergleichbarer, grenzenloser Spielfreude.
Eintritt: 15 Euro

Fr, 25.08.2017
Musik: DeWolff

Sommer in Altona

Foto: Melanie Marsman

Inspiriert von Legenden wie DeepPurple und Led Zeppelin, zwischen Leon Russel, den Black Keys und den Allman Brothers, bieten DeWolff feinsten psychedelischen Blues-Rock, der aktuell seines Gleichen sucht.
Eintritt: 19 Euro

Di, 29.08.2017
Musik: Hans Söllner & Band

Seit 20 Jahren ist er nun unterwegs, der Mann aus Bad Reichenhall und irgendwo zwischen Bob Dylan, Johnny Cash und einem bayerischen Wilderer treibt Söllner sein Wesen – singt in der Songwriter-Tradition amerikanischer Direktheit.
Eintritt: 25 Euro

Mi, 30.08.2017
Musik: Amsterdam Klezmer Band

Was Mitte der 1990er Jahre mit Straßenmusik in Hollands Hauptstadt begann, füllt längst große Konzertsäle und Festivalgelände überall auf der Welt, ihre „street credibility“ hat sich die Amsterdam Klezmer Band (AKB) dennoch bis heute bewahrt.
Eintritt: 21 Euro
 / Beitragsbild: Lambchop by Elise Tyler

Sommer in Altona, 30.7-30.8.17, www.sommerinaltona.de


Serie: Altona. Bahnhof Altona – Zug um Zug

Der Umzug des Altonaer Bahnhofs nach Diebsteich kostet Hunderte Millionen Euro und ist ein Hamburger Vorzeigeprojekt. Doch es gibt Widerstand

Michael Jung schwingt sich aufs Fahrrad. Er spricht fast ununterbrochen, auch wenn er radelt. Zwei Stunden wird die Tour an diesem Montag im Mai dauern.

Während Fakten und Kritik aus ihm heraussprudeln, sucht er sich seinen Weg durch das gigantische Neubaugebiet an der Harkortstraße. Sein roter Anorak flattert im Wind. Ab und zu rückt er seine dunkelblaue Schirmmütze zurecht, jene mit dem Logo der Kreditanstalt für Wiederaufbau an der Seite. Die Rohbauten der ersten neuen Wohnhäuser lässt er links liegen, die haushoch gestapelten Bierkisten der Holstenbrauerei rechts.

Plötzlich versperrt ihm ein Bauzaun den Weg. „Die Käufer der Wohnungen haben etwas unterschreiben müssen“, ruft er. Die Investoren, die hier die Häuser hochziehen, hätten von den neuen Eigentümern verlangt, nicht wegen Bahnlärm und Brauereigeruch nachträglich eine Minderung des Kaufpreises zu verlangen. „So sichern die sich ab, sollten Brauerei und Fernbahnhof doch nicht verlegt werden“, sagt er, während er umständlich wendet. Seine Reifen haben sich zentimetertief in den gelben Sand der Baustelle gegraben.

Altonaer Bahnhof

Rechnet mit dem Schlimmsten: Michael Jung kämpft mit seiner Bürgerinitiative gegen die Pläne von Stadt und Bahn. Foto: Philipp Jung

Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg wollen den Altonaer Bahnhof nach Diebsteich verlegen. Nur die S-Bahn soll weiter dorthin fahren. Michael Jung will das nicht. Der Rentner hat deshalb die Bürgerinitiative „Prellbock“ gegründet.

Seit Jahren kämpft er mit seinen Mitstreitern gegen Bahn und Stadt und die Pläne, den Zugverkehr vom Altonaer Bahnhof nach Diebsteich zu verlegen, um Platz für das riesige, prestigeträchtige Neubauprojekt „Mitte Altona“ zu schaffen. Auch die Holstenbrauerei soll deshalb umziehen, in den Hamburger Süden. Schließlich wird so Wohnraum geschaffen und gleichzeitig der Zuglärm reduziert. Außerdem entstehen neben schicken Apartments auch Sozialwohnungen, im Verhältnis zwei zu eins.

Doch in Jungs Augen geht das alles auch anders: billiger, schneller, transparenter und ohne den Fernbahnhof zu verlegen.

Der Pressesprecher der Bahn für den Regionalbereich Nord, Egbert Meyer- Lovis, sitzt in einem kleinen, hellen Konferenzraum im obersten Stock eines Büroneubaus in Hamburg-Hammerbrook. Hier hat die Bahn ihre Hamburg-Zentrale.

Vor ihm auf dem Tisch liegen Prospekte der Bahn über den geplanten Bahnhofsumzug. In ihnen sind neben Plänen und Luftbildern auch Illustrationen im Graffiti-Stil zu sehen. Sie zeigen Altonaer Bürger, wie sie sich selbst gern sehen: jung, im Trend, grün.

Die Deutsche Bahn möchte sie so für sich und für das Projekt gewinnen.

Damit springt sie über ihren eigenen Schatten. Für die Bahn gibt es nur Sachbeschädigung, Street Art ist ihr fremd. Jetzt hat sie sie selbst gedruckt.

Zu den hübschen Illustrationen passen auch die Argumente der Bahn für die Verlegung: Nach DB-Angaben spart sie etwa Rangierfahrten, was 370 Tonnen weniger Kohlendioxidausstoß jährlich bedeutet. Zudem sind laut Zahlen der Bahn nur etwa 5.000 der 130.000 Menschen, die täglich in Altona umsteigen, Fernbahnkunden. Das örtliche kleine und große Gewerbe würde also aus Sicht der Bahn nicht allzu sehr leiden, wenn keine Regional- und Fernzüge mehr in Altona halten. Noch dazu, auch das versichert Meyer-Lovis, wird von den 125 Bahnmitarbeitern in Altona niemand entlassen werden.

Hier werden in sechs Jahren Fernzüge halten. Foto: Philipp Jung

Die Angestellten werden vielmehr mit dem Bahnhof umziehen. Sogar die Alternativvorschläge der Bürgerinitiative haben die Bahner geprüft. Ihr Urteil: So leider nicht machbar, der Betrieb am Altonaer Fernbahnhof wäre auch mit den Vorschlägen von „Prellbock“ nicht aufrechtzuerhalten. Die Bahnhofsverlegung scheint alternativlos zu sein.

„Was nun auf die Bahn zukommt, sind die Kosten für die gesamte Verlegung des Bahnhofes“, sagt Meyer-Lovis. Die würden insgesamt bei rund 360 Millionen Euro liegen. „Es gibt außerdem eine vertragliche Regelung zwischen Bahn und Stadt darüber, dass die Stadt einen Investor für den Bereich außerhalb des neuen Bahnhofes in Diebsteich sucht“, sagt er. Es sei also nicht Sache der Bahn, Gebäude dort zu planen, zu bezahlen und auszuschreiben. Ansonsten ist für ihn – laufendes Planfeststellungsverfahren hin oder her – längst ein Point of no return erreicht: Schon vor Jahren hat die Bahn die Grundstücke für das neue Wohngebiet verkauft. Der Deal war umstritten, die Grundstücke wurden mehrfach weiterverkauft und in Bauland für Wohnhäuser umgewidmet.

Der Wert der Immobilien hatte sich so um ein Vielfaches erhöht. Für die „Mitte Altona“ einigte sich die Stadt dann mit dem neuen Eigner, dem Immobilienfonds Aurelis in der Hand von Investor George Soros – auf Kosten der Bürger, wie manche meinen.

Zwischen Meyer-Lovis Prospekten liegt auch ein Ausdruck einer großen Anfrage von CDU-Abgeordneten an die Hamburger Bürgerschaft. 33 Fragen zu den Plänen des Senats und der Bahn haben die Politiker gestellt. Auf viele davon wünschen sich Michael Jung und seine Bürgerinitiative schon lange Antworten. Auch, wenn es sie überrascht, dass ausgerechnet die CDU ihnen jetzt beispringt.

Im nächsten Jahr soll es mit dem Umzug losgehen, 2023 soll alles fertig sein

Etwa die Hälfte der Fragen müssen Meyer- Lovis und seine Leuten nun beantworten helfen, weil sie auch Angelegenheiten der Bahn berühren. Im nächsten Jahr soll es mit dem Umzug losgehen, 2023 soll alles fertig sein, geht es nach den Bahnern.

Altonaer Bahnhof

Befürchtet schwerwiegende Nachteile: Jan-Oliver Siebrand von der Handelskammer Hamburg. Foto: Sebastian Grundke

Was dann in Diebsteich geschieht, beschäftigt auch die Hamburger Handelskammer. In Zimmer 352 der Hamburger Handelskammer hängt eine riesige Landkarte von Hamburg mit vielen roten Markierungen. In dem Zimmer arbeitet Jan-Oliver Siebrand. Er leitet die Abteilung der Kammer für Stadtentwicklung. Längst hat er eigene Pläne für das Gebiet um den neuen Bahnhof in Diebsteich entwickeln lassen.


2 Hochhäuser will die Stadt als Bahnhofsempfangsgebäude bauen. Dafür werden insgesamt 30 Millionen Euro investiert 360 Millionen Euro wird die Verlegung des Bahnhofs Altona voraussichtlich kosten 2023 sollen Fernreisende bereits in Diebsteich in den Zug steigen können


Eine Mehrzweckhalle für Konzerte und Party-Events, Sportplätze auf dem Dach der Lagerhalle eines Großhändlers, ein Parkhaus, ein Hotel, ein Kongresszentrum.

Solche Dinge plant er dort. Diebsteich heißt auf diesen Plänen schon gar nicht mehr Diebsteich, sondern nach dem neuen Bahnhof, der Altona heißen wird. Der bisherige Altonaer Bahnhof wird dann Altona- Mitte heißen, zumindest diese Bahnhofsumbenennung ist, sagt Siebrand, beschlossene Sache.

Er blättert durch seine Unterlagen, erklärt Pläne und Skizzen, den Masterplan der Kammer eben. Er hat heute keinen Schlips um. Seit in der Kammer die Reformer das Sagen haben, geht das. „Die Stadt führt da momentan vorbereitende Untersuchungen durch“, erklärt er dann. Das sei der erste Schritt zu einer sogenannten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, die die Umwidmung der Grundstücke dort nach sich ziehen könnte. „Dies gilt als das schärfste planungsrechtliche Schwert“, sagt er.

Seine Kammer habe die Befürchtung, dass das Gebiet in diesem Zuge verstärkt als Wohngebiet ausgewiesen werden könnte. „Für die verbleibenden Betriebe könnte dies schwerwiegende Auswirkungen haben, etwa, dass künftig nicht mehr im Drei- Schicht-Betrieb, sondern nur noch im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden darf oder der Zu- und Anlieferverkehr deutlich eingeschränkt wird“, sagt er. Das seien nur zwei Beispiele dafür, was für die Wirtschaft auf dem Spiel stehe, wenn sich die Gegend zum Wohngebiet hin wandeln würde. Die Pläne der Kammer stehen im Widerspruch zu dem, was die Stadt für das Viertel plant.

Altonaer Bahnhof

Dirk Kienscherf von der SPD hat große Pläne für das neue Gebiet beim Diebsteich. Foto: Philipp Jung

Die Stadt, das ist in diesem Fall Dirk Kienscher, Experte für Stadtentwicklung der Hamburger SPD und Bürgerschaftsabgeordneter. „Das Konzept der Handelskammer ist so ganz hübsch und nett. Aber realistisch ist der Bau einer Parkanlage, also ohne Einnahmen, über eine große Gleisanlage bei laufenden Betrieb, nun wirklich nicht“, sagt er. Selbst beim Hauptbahnhof, den Gleisen zum Hühnerposten hin, habe es vielfach Überlegungen zur Überbauung mit Häusern und damit auch einer Gegenfinanzierung gegeben. „Aber bis heute hat das aufgrund der enormen Kosten keiner hingekriegt“, sagt er.

Dirk Kienscherf ist um Bürgernähe bemüht. Auf der Website des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten steht sogar seine Handynummer. Wie er so im Bistro nahe des Altonaer Bahnhofs sitzt und an einem Käsebrötchen kaut, kauft man ihm diese Nähe auch ab. Er ist sogar gekommen, obwohl er momentan mit einer alten Sportverletzung kämpft. Seine Krücken lehnen neben ihm. Den Weg vom Bahnhof ist er praktisch gehumpelt.

„Bis spätestens 2024 muss dieser Bahnhof in Diebsteich stehen, aber was danach kommt, dafür werden wir uns mehr Zeit nehmen“, sagt er. Mit der städtebaulichen Entwicklungsplanung hätten sie jetzt Vorkaufsrechte geltend gemacht. „Wenn jemand auf die Idee kommt, dort mit den Grundstücken zu spekulieren, geht das nicht“, sagt er.

Wie sich das ganze nach der Bahnhofsverlegung tatsächlich weiterentwickeln wird, sei noch offen. Kienscherf plant jedenfalls zwei Hochhäuser mit je 16 bis 20 Stockwerken beim Diebsteich, sozusagen als Bahnhofsempfangsgebäude. Die Grundstücke hat die Stadt bereits gekauft. Die wollte dort ein Bahnhofsgebäude bauen, das Kienscherfs Meinung nach viel zu klein gewesen wäre. Er spricht in dem Zusammenhang gerne von einer Hundehütte.

Auch hat Kienscherf durchgesetzt, dass der neue Bahnhof in Diebsteich längere Bahnsteigüberdachungen bekommt.

Rund 30 Millionen wird das Ganze die Stadt etwa kosten. Langfristig stellt er sich eine Entwicklung wie in Altonas Mitte vor, also mehr Wohnhäuser mit einem Drittel Sozialwohnungen.

Altonaer Bahnhof

Das Ende naht: Feuchtbiotop am Bahnhof Diebsteich. Foto: Philipp Jung

Michael Jung hält an und steigt vom Fahrrad ab. Er ist jetzt mitten im Niemandsland zwischen Altona und Diebsteich angekommen. Nun ist er nur  mit Bahnbelangen befasst, um die Waggonbeschaffung hat er sich damals zum Beispiel gekümmert. Den Krach um den Tiefbahnhof Stuttgart 21 hat er vorhergesehen – jedenfalls, dass das Ganze nicht wie geplant finanzierbar ist. Nun befürchtet er so etwas in kleinerer Form auch in Hamburg. Er würde gerne verhindern, dass es so kommt. So denkt Jung: Wenn etwas noch nicht komplett feststeht, wird es schlimmer als gedacht. Er ist der Pessimist unter den ganzen Zahlenmenschen, die sich mit diesem Projekt beschäftigen. Vielleicht ist er auch der einzige, der laut seine Zweifel äußert. Seine Bürgerinitiative hat auch dem neuen Bahnvorstand geschrieben. In dem Brief prangert er die Missstände des Projekts an: Die mangelnde Bürgerbeteiligung, die fehlende Transparenz und die Gefahr, dass die Kosten steigen zum Beispiel. Den Bahnvorstand fordert er auf, dass Projekt zu stoppen. Er bekam eine freundliche, aber abschlägige Antwort.

Jung steigt wieder aufs Fahrrad. Er möchte noch das Feuchtbiotop am Diebsteicher Bahnhof zeigen. Das soll zugeschüttet werden. Auch weiß er von einigen Gewerbetreibenden dort, die ihre Grundstücke vielleicht bald gewinnbringend verkaufen und dann wegziehen werden.

Deren Niederlassungen möchte er ebenfalls noch zeigen.

/ Text: Sebastian Grundke /Beitragsbild: Philipp Jung


Mehr Infos gibt’s unter www.bahnprojekt-hamburg-altona.de

Serie: Altona. Die altonale Pop Nacht

Ein Tag, ein Festival. Die altonale Pop Nacht gehört  zu den etablierten Kulturhighlights des Sommers in Altona

Am Sonnabend, Kinder, wird’s was geben. Und zwar feinste Musik an unterschiedlichen Locations in Altona. Im Rahmen der altonale 19 findet auch in diesem Jahr die altonale Pop Nacht statt. Am 24. Juni wird Altona für einen Tag zur Konzertbühne.

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Ist am Start: Mega-Sympath Spaceman Spiff © Andreas Hornoff

Neben der Christians- und St. Petri Kirche, dem Innenhof des Rathauses und einer kostenfrei zugänglichen Bühne am Festivalzentrum, wird in diesem Jahr auch wieder der stimmungsvolle Gallionsfigurensaal des Museums bespielt. Spannende und für Konzerte nur selten genutzte Orte bilden damit den Rahmen für einen langen Abend mit 12 Künstlerinnen und Bands samt Aftershow-Party bis in die frühen Morgenstunden.

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Niklas Paschburg nimmt am Piano Platz © Promo

Wer ist dabei? Spaceman Spiff, der Folk-Popper Yalta Club und die hoch gehandelten und tanzbaren Beats der Berliner Oum Shatt. Zudem konnten aufstrebende Akteure des immer beliebteren Neoklassik-Genres gewonnen werden; an den Kirchenpianos nehmen Platz Niklas Paschburg und Mammal Hands.

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Kommen in die Kirche: MammalHands © Promo

Abgerundet wird das Programm von Künstlern, die im Laufe dieses Jahres den Schritt aus dem Insiderkreis in Richtung große Bühnen gehen werden: Frère (Indie-Pop aus Bochum), Das Paradies (Neues Projekt des Talking To Turtles-Sängers), Jon Kenzie (Folk aus Manchester), The Bongo Club (Energie à la The Hives aus Schweden) und Lor (Polens neuer Indie-Stern).

Die Fakten

Spielorte:

  • Rathaus Altona
  • Christianskirche
  • St. Petri Kirche
  • Altonaer Museum (Gallionsfigurensaal)
  • Festivalzentrum

24. Juni 2017 /Einlass: 17 Uhr / Beginn: 18 Uhr / Mehr Infos: www.altonale.de/altonale/kultur/musik/popnacht/  oder auf Facebook

TICKETS an allen bekannte VVK-Stellen oder hier:

 

Tipp: Bei gutem Wetter wird traditionell um 14 Uhr zum Pop Picknick in den Park beim Platz der Republik eingeladen.

/REM/ Beitragsbild-Thomas Panzau

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Folk Popper Yalta Club werfen sich schon mal in Pose © Promo

 

Serie: Altona. altonale 19: Das dürfen Sie nicht verpassen

200 Konzerte, Kunstausstellungen, Lesungen, Film- und Theateraufführungen: Vom 16. Juni bis 2. Juli findet wieder Norddeutschlands größtes Kultur- und Stadtteilfestival statt. Wir liefern einen kleinen Überblick

 

Film

Elf Orte, vier Monitore und zehn Leinwände stehen für die 9. Film altonale zur Verfügung. Gezeigt werden ca. 40 Filme über unentdeckte, versteckte und verschwindende Räume.

„Free Spaces“

Das EU-Kulturprojekt „Spaces“ dokumentierend folgt die österreichische Mitinitiatorin, Filmemacherin und Journalistin Ina Ivanceanu Künstlern und Aktivisten jenseits postkommunistischer Tristesse, die mit viel Witz und Kreativität ihr Recht auf Stadt und auf Meinungsfreiheit behaupten. In Yerevan, der Hauptstadt Armeniens wird ein Kino besetzt; in Moldawiens Hauptstadt Chisinau ein alter sowjetischer Zirkus reaktiviert, in Georgien mitten in Tiflis eine düstere UBahn-Passage in eine glamouröse Arena verwandelt und in der Ukraine ein stillgelegtes Fabrikareal in Kiew zur kulturellen Agora umfunktioniert. Entstanden sind erfrischende Portraits osteuropäischer Kultur-Metropolen, wie wir sie noch nicht gesehen haben, in denen es immer wieder um die Rückeroberung des öffentlichen Raums geht. Nach der Filmvorführung gibt es Gelegenheit für ein Gespräch mit der Filmemacherin Ina Ivanceanu.

Fr 23.6.17, 22 Uhr, Platz der Republik, open air in Kooperation mit ElbFilmKunst e.V., Eintritt: Spende willkommen

„Gestern Dortmund-Hörde heute Hamburg-Altona – Zwei Stadtteile erfinden sich neu“

„Bodenerhebungen“ / D 2016 / 19:48 Min. / R: Doro Carl, Claudia Reiche & „Göttliche Lage“ / D 2014 / 99 Min. / R: Ulrike Franke und Michael Loeken

Zwei Dokumentarfilme erzählen über Stadtentwicklungsgeschichte und den Wandel von Industrie- zur Freizeitgesellschaft. Während auf dem einstigen Stahlwerksgelände Phoenix-Ost in Dortmund bereits ein künstlicher See angelegt ist, an dessen Ufer man luxuriöse Wohnbebauung findet, hat der Umbau des ehemaligen Bahngeländes zur „Neuen Mitte Altona“ mit Parkanlage und Wohnungsbau im Dreidrittelmix gerade erst begonnen. Architektonische Visionen von Stadtplaner und visionäre Spekulationen von Projektentwicklern treffen in den beiden Filmen auf Stimmen von alteingesessenen und neuen Anwohnern. Nach der Filmvorführung gibt es Gelegenheit für ein Gespräch mit den Filmemacherinnen Doro Carl und Claudia Reiche.

Mo 26.6.17, 19.30 Uhr, W3, Nernstweg 32, Eintritt: Spende willkommen

Schauen! Film-Empfehlungen

– „Ekhofstraße, Hamburg-Hohenfelde – Eine Mieterinitiative kämpft um ihr Viertel“

Dokumentarfilm, Vorstellung mit Filmemacher Heinz Harmstorf und Michael Körner

Mi 21.6.17, 20 Uhr, mpz

– „Wem gehören unsere Städte?“

Dokumentarfilm in Anwesenheit von Filmemacherin Claire Laborey

Sa 24.6.17, 19 Uhr, Thalia in der Gaußstraße

-„Manche hatten Krokodile“

Dokumentarfilm über Kiez-Originale und Kiez-Bewohner. In Anwesenheit von Filmemacher Christian Hornung

Do 29.6.17, 20 Uhr, Hafenbahnhof

Weitere Filmveranstaltungen unter: www.altonale.de/altonale/kultur/film

 

Hafenfest

 

Alle Traditionsschiffe im Museumshafen können besichtigt werden. Gleich um 12 Uhr findet eine kleine Rundfahrt zum Fischmarkt auf historischen Bötchen statt. Auf der Kastenschute des Hafenmuseums gibt’s plattdeutsche Geschichten (15 und 16 Uhr) und um 17 Uhr spielt die Tüdelband live an Deck des Schwimmkrans. Tipp: Wer in einem Fischer- oder Taklerhemd kommt, erhält am Infopoint eine kleine Überraschung.

25.6., 12–19 Uhr, Museumshafen Oevelgönne

 

Kids

Bei den vielen Veranstaltungen im Kids Park f.llt die Entscheidung schwer. Dort wird z. B. eine Stadt aus Kartons gebaut und das Licht im Raum erforscht: Was ist Licht und wie können wir es sichtbar machen? Interessierte Kinder können an einem Puppenspiel-Workshop teilnehmen oder sich beim Marionettenvariete verzaubern lassen. Mitmachen ist dabei ausdrücklich erwünscht. Stadt bauen und Licht erforschen:

1.–2.7., 11–18 Uhr; Puppenspiel- Workshop: 2.7., 12+16 Uhr; Marionettenvariete: 2.7.17, 14 Uhr, alle Veranstaltungen Kids Park, Kemal-Altun-Platz

 

Kulinarik

Kochevents: Ein Food-Festival ganz besonderer Art findet im Rahmen von altonale kulinarisch statt. In der Show- und Co-Küche im Mercado laden Küche, Konditoren und Sommeliers zu interessanten Kochevents ein.

22.–30.6.17, Mercado

Flying Dinner: Bei diesem Genussspaziergang werden nacheinander fünf Locations angesteuert und leckere Speisen verkostet – vom Bergtags bis zum Eiscafe Filippi.

24.6.17, 16–22 Uhr, Große Bergstraße

 

Kunst

 

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Kunst im Schaufenster. Foto: Thomas Panzau

Luft, Wasser, Straße, Altenheime und Abrisshallen werden neben den Orten, an denen Kunst normalerweise ausgestellt wird, bei der Kunst altonale genutzt. In den Schaufenstern von Ottensen und Altona werden ebenfalls wieder Werke von Künstlern zu sehen sein, die sich um den Altonale Kunstpreis bewerben.

Altona Kunstpreis – Preisverleihung am 2.6.17, 18 Uhr, Altonaer Museum

Noorderlicht – Simulacrum: Was ist echt, was unecht? In Zeiten von Computerspielen und virtuellen Kameras verschwimmen die Grenzen. Das Projekt „Simulacrum“ der Fotokünstler von Noorderlicht kommt aus Groningen, der diesjährigen Partnerstadt der Altonale.

Eröffnung 17.6.17, 11 Uhr, bis 1.7., Greskewitz Kleinitz Galerie; www.noorderlicht.com

 

Literatur

 

Book.beat: Pop und Poesie geben sich auch in diesem Jahr wieder ein Stelldichein. U. a. mit dabei sind Filo, Mona Harry, Nils Petersen Bente Varlemann. Als Stargast zum 10. Jubiläum ist Sebastian 23 aus Bochum eingeladen.

23.6.17, 19.30 Uhr, Christianskirche

Literatur Ahoi!: Natur und Kultur – Bei einer Elbfahrt auf der MS Commodore lesen die Schriftsteller Stefan Beuse und Gerhard Henschel sowie die Newcomerin Ada Dorian aus ihren neuen Werken.

27.6.17, 19.30 Uhr, Anleger Altona (Fischmarkt)

 

Musik

 

Altonale Pop Nacht: Zum 4. Mal erobern sich Musiker ungewöhnliche Orte. Zusätzlich zum Platz der Republik werden z. B. auch im Altonaer Rathaus und der Christianskirche Konzerte gespielt. Zum diesjährigen Line-up gehören u. a. Singer- Songwriter Spaceman Spiff , die Indie-Pop-Band Yalta Club und der Neoklassiker Niklas Paschburg (der das Cover unserer Juni-Ausgabe ziert), der gern mit elektronischen und klassischen Tönen experimentiert. Tipp: Als Appetitanreger gibt’s vorher ein Pop Picknick mit Musik, Snacks und Drinks.

24.6.17, 18 Uhr (Picknick ab 14 Uhr), Platz der Republik

Serenade im Park: Bei diesem unterhaltsamen Stündchen unter freiem Himmel präsentiert das Ensemble Elbwind selten gespielte Werke von Antonio Rosetti. Tipp: Decken mitbringen.

2.7.17, 15 Uhr, Park bei der Christianskirche

 

Theater

 

Altona macht auf. Foto: Thomas Panzau

Altona macht auf: Bewohner führen auf ihren Balkonen oder in verwunschenen Hinterhöfen selbst einstudierte Theaterstückchen auf oder trällern ein Liedchen. Beliebter Rundgang, der gerade mit dem Stadtteilkulturpreis ausgezeichnet wurde.

www.altona-macht-auf.de

Maidorf – Trilogie des Zusammenlebens:  Eine installativ-erzählende Theaterperformance.

24.6.17, 14 und 20 Uhr, REWECenter, Anlieferungshalle, Max-Brauer-Allee 59

 

altonale Stadtteilfest

 

Auf der altonale darf es auch mal schrill werden. Foto: Thomas Panzau

Finales Flanieren!  Zum Ausklang der Altonale erobern sich vom 30. Juni bis 2. Juli vor allem die Anwohner und Geschäftsleute den öffentlichen Raum. Das Straßenfest breitet sich auf einen stattlichen Areal von 4 Kilometern aus. Vom Platz der Republik bis zum Altonaer Bahnhof verläuft der Antik- und Flohmarkt, der in den letzten Jahren beachtlich angewachsen ist und ausgiebiges Trödeln erlaubt. Auf der Infomeile zwischen Bahrenfelder Straße, Kleiner Rainstraße und der Friedensallee präsentieren sich Vereine und Organisationen des Viertels und stellen ihre Projekte vor. Auch die Grüne Meile in der Großen Rainstraße bietet viel Informatives zum Thema Nachhaltigkeit sowie Mitmachaktionen und Workshops darüber, wie wir in Zukunft leben wollen.

Es gibt auch in diesem Jahr wieder einen Kunstmarkt mit zahlreichen Künstlern, die ihre Malerei, Grafik, Zeichnungen und Objekte zwischen Spritzenplatz und Arnoldstraße ausstellen. Ein Kreativmarkt der etwas anderen Art ist Designgift. Vor allem Kleidung, Schmuck, Accessories und Kulinarisches sind hier im Angebot. Dieses zeichnet sich besonders durch fairen Handel, Regionalität und biologisch abbaubare Rohstoffe aus.

Und während des gesamten Straßenfestes gibt es auf insgesamt acht Bühnen Livemusik für jeden Geschmack mit Nico Suave, Joco, D-Flame & DJ Sparc, One Trick Pony, BigBandBertha- Blau, Stylezhood und vielen anderen.

30.6.–2.7.17, in Ottensen und Altona-Altstadt; Termine und weitere Infos unter www.altonale.de

/KAL/ Beitragsbild: Thomas Panzau

Serie: Altona. altonale 19. Was Sie über das Kulturfestival wissen müssen

200 Konzerte, Kunstausstellungen, Lesungen, Film- und Theateraufführungen: Vom 16. Juni bis 2. Juli findet wieder Norddeutschlands größtes Kultur- und Stadtteilfestival statt. Willkommen auf der altonale 19!

Kunst im öffentlichen Raum: altonale 19. Foto: Thomas Panzau

Es ist schon eine Weile her, genauer gesagt satte 19 Jahre, da wurde der Grundstein für ein Stadtteilfest gelegt, das schon bald viel mehr war, als nur eine Aneinanderreihung von Fressbuden und kommerziellen Händlern. Konzeptionell und zeitlich. Ursprünglich wurde die Altonale an nur einem Wochenende veranstaltet, seit einigen Jahren geht dem Straßenfest ein 14-tägiges Kulturprogramm voraus, an dem sich professionelle Künstler aus Altona, aber auch viele kreative Bewohner beteiligen.

Inzwischen ist die altonale als lokales Festival zu einem festen Bestandteil des Kulturlebens im Bezirk geworden –  mit Strahlkraft auch über Hamburgs Grenzen hinaus.

In diesem Jahr ist die Partnerstadt das niederländische Groningen, das sich unter anderem mit dem Kunstprojekt „Simulacrum“ der Fotokünstler von Noorderlicht beteiligt. Zu der kleinen Musik und Festivalstadt besteht bereits eine lebhafte Beziehung. Man kennt sich, zum einen durch die Städtepartnerschaft der beiden Hafenstädte und zum anderen durch die Handelsverbindungen seit der Hansezeit.

Das Thema der altonale 19 heißt diesmal „Raum“. Naheliegend, spielt doch die Inbesitznahme und Umgestaltung des öffentlichen Raums durch Kunst und Kultur bei der Altonale grundsätzlich eine Rolle. Aber auch die zunehmende Verdichtung in dem ohnehin schon dicht besiedelten Bezirk, vor allem durch das neue Wohngebiet Mitte- Altona und die geplante Bebauung des Holsten-Areals, beschäftigen die Bewohner.

 

altonale 19: Schauplätze & -orte

 

In Straßen und auf Plätzen rund um den Altonaer Bahnhof und die Große Bergstraße tobt an diesen Tagen das Leben. Und mehr noch: Erstmals wird das Veranstaltungsareal von Altona und Ottensen auch nach Bahrenfeld ausgeweitet.

Not at home altonale 19

Unter dem Motto „(NOT) AT HOME“ findet über den gesamten Zeitraum in der alten Lagerhalle des OBI-Baumarkts in der Ruhrstraße täglich ein Crossover verschiedener Kunstsparten statt. „Ich freue mich, dass wir diesen Raum als Kunst- und Kulturhalle revitalisieren können“, sagt Heike Gronholz, die 2016 die Geschäftsführung der altonale übernommen hat.

Highlights „(NOT) AT HOME“

„Salon International“,Tanzprojekt der Choreografin Rica Blunck mit Jugendlichen aus Syrien, Chile, Deutschland, Afghanistan, Togo. 23. Juni, 20 Uhr / Bildervortrag des Journalisten Oliver Lück zu seinen europaweiten Reisen. 29.6., 20 Uhr / „Nachtasyl“ von Maxim Gorki. 30.6.–1.7., 19 Uhr / Gruppenausstellung von Achterhaus und 2025 Kunst und Kultur. 23.6.–1.7.
Alle Termine: OBI-Halle, Ruhrstraße 46–88

Auch der altonale Salon im Thalia in der Gaustraße, den sie im letzten Jahr ins Leben gerufen hat, liegt Heike Gronholz besonders am Herzen. Hier können die Bürger am 24. Juni ab 13 Uhr mit verantwortlichen Politikern und Experten über das Thema „Verwendung und Nutzung des öffentlichen Raums“ und über die Wandlungsprozesse im Stadtteil diskutieren. Eingeladen dazu sind auch Grünen- Politikerin Christa Goetsch, Bezirksamtsleiterin Liane Melzer und Baudezernent Johannes Gerdelmann.

Der altonale Salon soll Ort der Diskussion sein. Foto: Thomas Panzau

Wie im vergangenen Jahr wird der Park beim Platz der Republik zum Festivalzentrum. Dort wird am 16. Juni um 18 Uhr die altonale zum zweiten Mal gemeinsam mit STAMP, dem internationalen Festival der Straßenkünste, eröffnet. Hier wird es jeden Abend ein abwechslungsreiches Programm mit Aufführungen, Musik und Tanz geben. Wie die meisten Veranstaltungen von Altonale und STAMP sind auch diese für jedermann zugänglich und kostenfrei.

STAMP altonale

STAMP, das Festival der Straßenkünste, eröffnet zeitgleich mit der altonale. Foto: Thomas Panzau

altonale 19, 16.6.–2.7.; alle Termine und Orte unter www.altonale.de

/Text: KAL / Foto: Thomas Panzau

Serie: Altona. Die altonale 19. Das Festivalzentrum

Kultur & Remmidemmi: Von 16. Juni bis 2. Juli 2017 findet Norddeutschlands größtes Kultur- und Stadtteilfestival statt. Die altonale 19 lockt mit einem üppig bepacktem Korb an Programminhalten!

altonale19

Allerlei Kunst und Bemerkenswertes, Leute und Ideen, Treffen, Plauschen, Beieinandersein: das Festivalzentrum. Foto: © Thomas Panzau

Das Festivalzentrum

Hier schlägt das Herz der altonale19, hier laufen die Fäden zusammen: Das Festivalzentrum auf dem Platz der Republik lädt zum Plauschen, Entdecken und Staunen. An diesem Ort wird von der Eröffnung der altonale19 bis zum Abschluss mit dem Straßenfest am 2. Juli ein abwechslungsreiches Kulturprogramm geboten.

Öffnungszeiten Café und Bar: Montag – Freitag: 12 – 23 Uhr, Samstags & Sonntags 10-23 Uhr als .  12 – 14 Uhr täglich wechselnder Mittagstisch, 18 – 22 Uhr kleines Speisenangebot.

Highlights am Festivalzentrum

Seminar zum EU-Projekt Journeys: Migration & Kultur

Die altonale und STAMP laden zu einer Gesprächsrunde mit folgenden Themen ein:

  • Migration – welche Bedeutung hat kulturelle Teilhabe?
  • Welche Form der kulturellen Teilhabe kann es geben und gibt es schon?
  • Wo sind wir heute angekommen und wo wollen wir künftig hin?
  • Die Künstlerinnen Rica Blunck und Anja Behrens sind anwesend.

19.6.17, 19 Uhr, Eintritt frei

Man singt Hamburgisch

Achtung, Mundart! Zum ersten Mal präsentiert sich Hafenschwester mit *man singt hamburgisch* auf der altonale. Zusammen mit kabel-jo laden zum gemeinsamen Singen bekannter Hamburger- und Seefahrtslieder ein. Textsicherheit ist nicht von Nöten, denn die Texte gibt es an die Hand. Also, keine Ausrede, einfach mitsingen!

20.6.17 19 Uhr, Eintritt: €  11,50

Trio Macchiato

Musik rund ums Mittelmeer ist die Spezialität dieser Band. Mal besuchen sie musikalisch das Café Méditerraneo, mal folgen sie den Gleisen des legendären Orientexpress. Trio Macchiato spielt auf nationalen und internationalen Bühnen und ist Stammgast bei renommierten Festivals wie dem Rheingau Musikfest, den Niedersächsischen Musiktagen und den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

23.6.17, 18.30 – 20 Uhr, Eintritt frei

Veronique Elling

Die französische Chansonsängerin Véronique Elling und der Akkordeonist Jurij Kandelja sind mal zärtlich, mal berauschend, mal schwindelerregend wild. Huch? jaja, hier geht es emotional zu. Hier können die größten Chansonsänger aller Zeiten neu entdeckt werden: Jacques Brel, ÉdithPiaf, Charles Aznavour, Barbara, Juliette Gréco et bien d’autres.

23.6.17, 20 – 21.15 Uhr, Eintritt frei

Familientag

 Von Musik von den  Lukulule oder  Kinderlieder Jazz über Literatur mit  Nulli und Priesemut sowie Tanz mit  Samova Tanztee bis zu Theater mit  Das Papperlapapp der Tiere und Film mit  Mo&Firese ist nahezu jede der altonale Kultursparten vertreten.

25.6.17, 10.30 Uhr bis Mitternacht, Eintritt frei (sofern nicht anders vermerkt)

/Foto: © Thomas Panzau

 

Serie: Altona. Das Künstler-Kombinat. Der Hausbesuch Teil 6

Im Eschelsweg hat sich über 16 Jahre hinweg ein Ort entwickelt, der Musiker, Tonstudios und kreative Werkstätten unter einem Dach vereint. Letzter Teil unseres Hausbesuches: Musikproduzent Philipp Schwär

/ von Regine Marxen. Foto: Philipp Jung

 

2. Stock. Philipp Schwär. Oben angekommen

 

„Bevor du überhaupt einen Rechner aufstellst, musst du eine Couch und Lampen hinstellen. Sich wohlzufühlen in einem Studio, finde ich unheimlich wichtig“, sagt Philipp Schwär (31). Das sieht man seinem kleinen Studio im zweiten Stock an. Eine Menge Deko-Kram ist hier zu finden. Kassettenhüllen, Bilder – und eine Couch. Die stammt noch aus den H.O.M.E Studios, wo Philipp seine ersten Jahre in Hamburg verbracht hat.

Franz Plaza ließ ihn damals in seinem Studio unterkommen. Eine super Zeit, aber nach vier Jahren, genauer 2012, war die Zeit gekommen: Er wollte sein eigenes Ding machen und kam im Eschelsweg  unter. Erst in einem der Studios im Zwischengeschoss; vor zwei Jahren zog er schließlich in den zweiten Stock. „Ich habe mich also hochgearbeitet“, lacht er. „Das ist hier echt alles Mega. Die Lage, die Leute. Wir haben hier einen großen Aufnahmeraum und helfen uns gegenseitig, was das Equipment angeht. Und weil das funktioniert, sind wir teilweise besser ausgestattet als das größte Studio. In diesem Haus gibt es alles, was du brauchst. Oder jemals brauchen wirst.“

Das Soll an Karriere ist erreicht: Philipp lebt von der Musik. Von echter Musik. 

Künstlerisch hat Philipp sich vor 10 Jahren entschieden, sich voll aufs Produzieren zu konzentrieren. Dieses Band-Ding ist nichts für ihn. „Da spielst du oft immer die gleichen 20 Song über Jahre. Hier habe ich immer unterschiedliche Sachen. Gerade eben habe ich einen Track für einen Straßen-Rapper gemixt, danach mache ich eine romantische Ballade für einen österreichischen Singer/Songwriter, danach mache ich ein bisschen Filmmusik. Das ist ganz viel Unterschiedliches.“

Was ihn an Musik interessiert, ist der Song, nicht die Form.

Deshalb hört er alles – und produziert die unterschiedlichsten Künstler wie Milliarden, Fayzen oder Tim Bendzko. „Ich finde alles irgendwie geil, so lange es eine gute Energie hat. Und ich muss es mit den Leuten, mit denen ich arbeite, zwölf Stunden in einem Raum aushalten können.“

Das sei mindestens genauso wichtig wie die Musik selber: Die Vibes miteinander.

Philipp ist zufrieden dort, wo er jetzt ist. Räumlich und beruflich. „Das Soll an Karriere ist für mich erfüllt. Ich kann davon leben, dass ich echte Musik mache. Nicht von Werbe-Tracks oder so, sondern von echter Musik von echten Künstlern. Ich habe Tageslicht, kreative Leute, die alle irgendwie was anderes machen. Guten Kaffee. Und einen Balkon.“

Philipp Schwär ist oben angekommen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Serie: Altona. Das Künstler-Kombinat. Der Hausbesuch Teil 5

Im Eschelsweg hat sich über 16 Jahre hinweg ein Ort entwickelt, der Musiker, Tonstudios und kreative Werkstätten unter einem Dach vereint. Teil 5 unseres Hausbesuches: Buchbinderei Altona-Inhaberin Kathrin Langenhagen

/ von Regine Marxen. Foto: Philipp Jung

„Ach, das ist so toll, dass es so was noch gibt.” Das ist so ein Spruch, der die Buchbinderin Kathrin Langenhagen (44) nervt.

„Dass es so was wie mich gibt, hat ja jeder selber in der Hand. Ob er ein Handwerk beauftragt oder im Internet ein standardisiertes Produkt bestellt.“

Seit acht Jahren ist sie mit ihrem Meisterbetrieb im Eschelsweg daheim. Bindet Bücher, Speisekarten oder Fotobände und gibt meist an den Wochenenden Buchbinder-Workshops. Der 150 Quadratmeter große Raum ist hell und lichtdurchflutet. Schmiedeeiserne Maschinen, Prägestempel, Schneidemaschinen und Papiere haben ihren Platz. Vor der Tür stehen Blumen in Setzkästen. Kathrin fühlt sich sichtlich wohl. „Die neuen Vermieter machen hier viel, kümmern sich, das gefällt mir. Hier hat sich viel getan.“

Damals war’s spezieller. Aber Zeiten – und Hausgemeinschaften – ändern sich

Im Haus selber hat Kathrin wenig berufliche Schnittmengen. Sie fällt als Handwerksbetrieb ein wenig aus dem Rahmen.

„Jeder macht sein Ding. Das war vor acht Jahren anders. Das Haus hat sich eben verändert. Unten waren Messgeräte-Produzenten für meteorologische Instrumente, eine Druckerei gab es, unten im Keller war ein italienischer Espresso-Maschinen- Bastler. Das war damals spezieller. Das hat sich schon verändert. Mit den neuen Mietern habe ich wenig Austausch. Das stört mich aber nicht. Dafür beschwert sich keiner, wenn ich mal laute Partys feiere. Das nachbarschaftliche Verhältnis stimmt einfach in diesem Haus.“

Mehr über die Buchbinderei Altona findet ihr unter www.buchbinderei-altona.de