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BierSZENE: Warum zur Hölle ist Craft Beer eigentlich so teuer?

Diese Frage hat sich wahrscheinlich jeder von euch schon gestellt, als er vor den Regalen seines Lieblings-Bierhändlers stand. 5,99 Euro für ein 0,33-Flaschenbier? Warum zum Teufel ist das so teuer?! Ist doch nur Bier, oder? Nicht ganz. Es ist vor allem ein Hopfensmoothie mit viel, viel Inhalt.

Massenproduziertes Bier ist billig hergestellt, aus 08/15-Zutaten gebraut und waaaahnsinnig verwässert. Daher schmeckt es nur nach wenig oder im schlimmsten Fall – wie bei Oettinger – auch mal nach Klo. Bei guten Bieren ist es nicht anders als bei guten Speisen: Will man, dass mehr und vor allem gute Zutaten drinstecken, muss man dafür auch tiefer in die Tasche greifen. Die Craftbrauer unseres Vertrauens benutzen also gefragte, qualitativ hochwertige und deshalb teure Rohstoffen, um uns ein leckeres Bier zu kredenzen.

Jede Menge gute Tropfen: In Hamburger Fachgeschäften wie dem Craft Beer Store kommen keine Massenprodukte ins Regal.

HOPFEN – das grüne Gold

Der Preis für Hopfen wird auf dem internationalen Markt von Angebot und Nachfrage bestimmt. Da die Craft-Beer-Szene in den vergangenen Jahren in vielen Ländern gewachsen ist, sind auch die Nachfrage nach besonderen Hopfensorten und somit auch ihre Einkaufspreise gestiegen. Prominentes „Opfer“ ist der Citra-Hopfen aus den USA: Er ist mega beliebt unter den Hopheads und daher sehr teuer geworden in den letzten Jahren. Ein Kilo Citra kostet um die 80 bis 90 Euro. Noch vor ein paar Jahren lag der Preis bei weniger als der Hälfte! Auch Dry Hopping (auf Deutsch: Hopfenstopfen) liegt im Trend. Wie der Name vermuten lässt, braucht man für dieses Verfahren jede Menge Hopfen – auch das macht das fertige Bier am Ende natürlich teurer.

MALZ – ein teurer Spaß

Im Mittelalter galt Weizenbier als Getränk der Fürsten und Könige. Klar, damals war das vor allem der Knappheit dieses edlen Getreides geschuldet, aber so ein Körnchen kann auch heutzutage noch recht teuer sein. Wird es lange veredelt oder – wie bei Rauchmalzen – zusätzlich behandelt, kann dies die Geldbörse des Braumeisters gut strapazieren. Zudem stecken in fast jedem Craft Beer deutlich mehr Malze als bei industriell hergestelltem Bier.

LAGERUNG – weniger Kopp, mehr Kosten

Einen weiteren Faktor stellt die Lagerung von Jungbier in Gärtanks da. Aus Kostengründen verweilt industriell gefertigtes Bier meist eine Woche in der Lagerung. Die Lagerung stellt unter anderem sicher, dass Alkaloide, die wir nicht im Bier haben wollen, auf natürliche Weise herausgefiltert werden. Ja, das sind die bösen Fuselstoffe, die für unser Kopfaua am Folgetag zuständig sind. Je länger man dem Bier Zeit zum Ruhen gibt, desto besser und sauberer ist es am Ende. Unter dem Gütesiegel Slow Brewing haben sich mittlerweile sogar Brauereien zusammengeschlossen, die für eine langsame und schonende Brauweise stehen.

Das teuerste Bier der Welt

… kommt übrigens aus Bayern. Woher auch sonst? Bei Schorsch Bräu wird ein Eisbock produziert, der einen Alkoholgehalt von 57 Prozent erreicht. Dies geschieht durch Einfrieren eines ohnehin schon alkoholreichen Bockbiers. Durch die lange Lagerung von mindestens vier und bis zu sechs Monaten, erreicht der Eisbock sein hohes Alkoholvolumen. Er ist damit das stärkste und mit knapp 100 Euro für 0,2 Liter auch das teuerste Bier der Welt. Und soll ich euch was sagen? Der teure Tropfen lohnt sich richtig!

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

/Fotos: Henning Angerer


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

 

 

BierSZENE: Diese 6 Biere MUSST du probieren!

Hamburg, halt dich fest: Ich verrate euch die „Biere meines Lebens“. Diese sechs glorreichen Sude haben mich in den letzten Jahren einfach umgehauen – und glaubt mir, ich habe viele Biere probiert. SEHR viele. Die Besten der Besten gibt’s jetzt. Hier. Für euch. Und los!

1. Hoppebräu: West Coast IPA

Was für eine Hopfengranate! Das West Coast IPA von Markus Hoppe aus Oberbayern ist sehr jung (geb. 2017) und mächtig feierwütig. Schluck für Schluck verwandelt das American IPA deinen Gaumen in eine Karibik-Party: super süffig, mega weich, fein perlig. Aber Vorsicht: Im Abgang schlagen die 90 IBU durch und kleben präsent bitter im Rachen. Kein Getränk für Hopfenspießer!

2. McGargles: Fancy Frank’s Lager

Das Glück der Iren liegt – in diesem Bier! Fancy Frank’s Lager ist ein absolutes „Must-drink“ von der grünen Insel. Toll würzig, schön schlank und dazu noch super selten, denn die McGargles-Familie hat sich mit dem Lager an einen für Irland ganz und gar untypischen Bierstil gewagt. Lagertest bestanden – und wie!

West Coast IPA, Vancouver Weisse und Clear Alcohols Are For Rich Women On Diets

3. Bierfabrik: Clear Alcohols Are For Rich Women On Diets

Sebastian Mergel von der Berliner Bierfabrik ist für mich der „King of Barrel-aged Beer“ und mit diesem fassgelagerten Rauchbier hat der Brauer und frühere Winzergeselle (!) endgültig Heldenstatus erreicht. Das Geheimnis: Sebastian hat seinen Rauchbock The Swanson für 4 Monate in einem Holzfass aus amerikanischer Eiche gelagert; vorher reifte darin noch Pinot Noir aus der Pfalz. Das Ergebnis: ein butterweicher Bock, ein schokoladig-fruchtig-herber Gaumenstreichler – einfach ein Traum (mit einem seeeeeeehr langen Namen).

Der „King of Barrel-aged Beer“: Sebastian Mergele von der Berliner Bierfabrik

4. Ratsherrn: Dreizack

Dieses Bier ist eine Offenbarung! Und für mich der geilste Coup von Ratsherrn-Braumeister Ian Pyle. Das Belgian Tripel fährt mit 8,4 % Vol. voll auf. Diesen hohen Alkoholgehalt schmeckt man null, stattdessen tanzt der Dreizack fruchtig und weich über die Geschmacksknospen. Und das Allerbeste: Aus erster Bierquelle weiß ich, dass die neue Charge des Dreizacks kurz vor Abfüllung steht. Ab November fließt er wieder – im Craft Beer Store von Ratsherrn oder beim Bierdealer deines Vertrauens.

5. Steamworks: Vancouver Weisse

Sauerbiere sind in – und dieses Sauerbier ist der Kracher! Die Vancouver Weisse wird von Steamworks in Kanada im Berliner Stil gebraut und mit frischen Himbeeren fermentiert. Es entsteht: ein trockener, saurer Hochgenuss. Die Himbeeren kommen erst im Abgang, dann aber volle Pulle zur Geltung. Insidertipp: Ich habe noch drei Fässer des limitierten Sondersuds im Alten Mädchen auf Vorrat. Come in and drink out.

Katerfrühstück Vanilla Stout, Fancy Frank’s Lager und Dreizack

6. Schoppe Bräu: Katerfrühstück Vanilla Stout

Holy Shit! Dieses Katerfrühstück knallt mit 12 Prozent und der ultimativen Vanilledröhnung. 200 Vanilleschoten haben die Brauer von Schoppe Bräu aus Berlin mühsam per Hand ausgeschabt und daraus dieses Imperial Vanilla Stout zusammengebraut. Würzig, zimtig, nelkig, geil: Dieser teuflisch gute Kater lohnt sich.

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

PS: Die Zusammenstellung dieser Liste basiert auf meinem persönlichen Ranking bei Untappd. Über Jahre hinweg habe ich jedes Bier sorgfältig verkostet, bewertet und nun für euch meine absoluten Favoriten herausgefiltert.

 /Fotos: hfr


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

 

 

BierSZENE mit Daniel Elich – 2016 in Bieren

Moin Hamburg,

was war 2016 bitte für ein Jahr? Kurios und traurig, voller Höhen und Tiefen, ein Fass randvoll mit gemischten Gefühlen. Zumindest – und immerhin – kann ich eines sicher sagen: Für die Craft-Beer-Szene war 2016 ein gutes Jahr. Denn: Es ist viel passiert …

Zahlreiche neue Biere haben in 2016 das Licht der Welt erblickt.

Mein Favorit des Jahres: der fruchtige, trocken-süße „Dreizack“ aus der Microbrauerei, sprich der kleinen Test- und Experimentierbrauerei von Ratsherrn. Ian Pyle beweist damit mal wieder sein Können in Sachen belgische Bierstile. So muss ein Tripel schmecken! Ein echter Hit ist auch das „Schlanke“ von Wildwuchs aus Lüneburg, mit dem Brauer Friedrich Matthies aka „Fiete“ einen tollen und sehr trinkbaren Tropfen gezaubert hat. Unfiltriert, weich, schlank mit einem Hauch von Südfrüchten (Cascade Hopfen!) – markant, aber ohne herbe Kanten.

bierszene

Das Highlight unter den Events? Der Winter Beer Day in den Schanzenhöfen, unter anderem mit Fräulein Brauer aus Berlin. Foto: Henning Angerer

Mein Event-Highlight 2016?

Eindeutig der Winter Beer Day im November in den Schanzenhöfen! Für mich ein Tag der Superlative: 2.000 Gäste, 18 Brauereien aus Deutschland, Dänemark, USA und Italien – und 60 süffige Winterbiere. So voll, so gut, so biervernarrt wie nie. Genial war auch mein Abstecher in die heiligen Hallen von Heller-Bräu, wo das weltbekannte fränkische Rauchbier „Schlenkerla“ entsteht. Den parallel stattfindenden Bockbieranstich in Bamberg hab ich natürlich direkt mitgenommen. (Bierliebhaber aufgepasst: Hin da, das lohnt sich!) Auch für mein Bierwissens war 2016 ein zünftiges Jahr – mit der Weiterbildung zum Master BeerKeeper, Ausflügen zur Hopfenernte in Hallertau sowie zur Hopfenforschungsanstalt der Barth-Haas Group.

Die ambitioniertesten Projekte in 2016…

…gehen auf das Konto von zwei ausländischen Brauereien: Stone Brewing aus Kalifornien und Brew Dog aus Schottland. Beide haben Ende 2016 nach Berlin expandiert, Stone Brewing nach dem Motto: „think big“. Mit einer 100hl-Anlage in einem alten Gaswerk in Mariendorf versorgen die kalifornischen Craft-Beer-Pioniere mehr als 1.200 Gäste vor Ort und den ganzen europäischen Markt mit ihren Bieren. Brew Dog in Berlin Mitte verköstigt immerhin 200 Gäste und verspricht maximal Abwechslung mit 30 Bieren am Hahn. Außerdem neu in Berlin: Fräulein Brauer, die Biere ohne Chichi, aber mit unheimlich viel Geschmack kreieren.

hopfenernte szene Hamburg

Ernte gut, alles gut: 2016 – ein spitzen Jahr für den Hopfen. Foto: Sybille Fischer

Und was war im Rest vom Norden los?

Viel! Mit ihrer neuen Brauerei in Bahrenfeld beweisen Sascha und Lars von Hopper Bräu (est. 2014) ebenfalls Mut zur Größe. Was für eine Bereicherung für die Hamburger Bierlandschaft! Gleiches gilt für die Wacken Brauerei in und aus Wacken in Holstein, die auf einen Schlag eine 30hl-Brauerei eröffnete und deftig Leben in die Branche bringt.

Kurz gesagt: geile neue Biere, geile neue Brauereien, eine richtig gute Hopfenernte und ein steigender Craft-Beer-Marktanteil gen 2 Prozent – da geht noch was in 2017!

 

Prost & rutscht gut ins neue Jahr.

Euer Daniel

Fotos: Jennifer Meyer (oben), Sybille Fischer (Hopfen), Henning Angerer (Winter Beer Day)

Ihr habt weitere Fragen rund um Bier? Dann immer her damit an bierszene@altes-maedchen.com


Szene Hamburg

Daniel Elich (33) Foto: Privat


Mehr von Daniel

 Who the fuck is…Daniel?

Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen Bieronkel und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! Adresse: instagram.com/bieronkel_

BierSZENE. Die Craft Beer Kolumne von Daniel Elich

Neu: Die Craft Beer Kolumne für Hopfen-Liebhaber, -Kenner und -Genießer. Alle 14 Tage exklusiv bei uns!

Moin Hamburg,

ich bin Daniel, Biersommelier im Alten Mädchen, und ab sofort werdet ihr hier alle zwei Wochen von mir lesen. Das Thema? Bier, Bier und noch mehr Bier. Und mit Bier meine ich vor allem: Craft Beer!

Ich berichte euch von meinen Besuchen bei befreundeten Brauern und Biernerds und halte euch über braufrische Neuentdeckungen auf dem Laufenden. „BierSZENE mit Daniel“ eben.

BIERSzene

Daniel und Ian Pyle sprechen über ihr Lieblingsthema. Craft Beer!

Zu Beginn die Frage aller Fragen: Was ist denn eigentlich dieses Craft Beer, von dem alle reden – und schwärmen? Genau dieses Thema kam auch bei meinem letzten Gespräch mit Ian Pyle, Braumeister und kreativem Kopf der Ratsherrn Brauerei, wieder auf. Mit der Erkenntnis: Eine exakte Definition für Craft Beer gibt es in Deutschland nicht.

Das ist in Amerika ganz anders, berichtet Ian, der einige Jahre in der Craft-Beer-Szene in Philadelphia und Boston gearbeitet hat. Die Brewers Association (US-Berufsverband der Craft-Brauereien) hat dort eine klare Definition verfasst:

Craft Beer stammt von unabhängigen, inhabergeführten Brauereien mit einem Ausstoß von maximal 6 Millionen Barrel, sprich 9,6 Millionen Hektolitern.

Und in Deutschland? Da versteht man Craft Beer als Synonym für die neuen, meist sehr hopfenlastigen Stile. Also IPAs und Pale Ales, denen der amerikanische Westküstenhopfen diese extrem starken tropischen Frucht- und Cassisnoten verleiht. Nach amerikanischer Definition wäre aber auch ein uriges Altbier oder das Bamberger Rauchbier ein Craft Beer. Zu Recht finden Ian und ich.

Aber gute Nachrichten: Es weht frischer Wind in der jungen deutschen Craft-Beer-Szene, die vor allem in Berlin und Hamburg brodelt. Denn mittlerweile erwarten (Craft-)Biertrinker mehr Vielfalt neben IPA und Pale Ale – und sie haben Bock auf weitere ausgefallene Stile wie die belgischen Tripel- und Sauerbiere. Da ist das Potential noch groß. Dazu und zu meinem Gespräch mit Ian gibt’s in Kürze mehr – von mir für euch.

Prost!
Euer Daniel

PS: Ihr habt Bierfragen? Dann immer her damit an Redaktion@VKFMI.de Gute Fragen verdienen gute Antworten.

Fotos: privat

 

Szene Hamburg

Daniel Elich (33) Foto: Privat

Who the fuck is…Daniel?

Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.