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BierSZENE – Angeberwissen. Obergärig? Oder untergärig?

Obergärig? Untergärig? Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wo da eigentlich der Unterschied ist? Nach dieser Kolumne seid ihr schlauer. Und so viel verrate ich schon jetzt: Es ist alles eine Frage der Hefe

It’s all about the Hefe

Hefe ist ein pilzartiger Mikroorganismus, der nicht nur zum Backen, sondern auch zum Brauen unabdingbar ist. Und obwohl in letzter Zeit alle nur über fancy Hopfensorten sprechen, sind die eigentlichen Partypeople im Brautank die Hefekulturen. Denn Hefe wandelt Zucker in Alkohol um (Oh yeah!) und sorgt so (bei den meisten Menschen) für gute Laune.

Der ursprünglichste und älteste Typ ist die wilde Hefe. Der Brausud wird auf offenen Gärschiffen bei geöffneten Fenstern angesetzt. Die Hefe in der Umgebungsluft kann sich so auf den Sud setzen und die Spontan-Gärung beginnt. Bier, das mit wilder Hefe gebraut wird, findet man vor allem noch in Belgien. Grundsätzlich ist diese Art des Brauens heute aber nicht mehr weit verbreitet, da man durch die wilden Hefen den Brauprozess und die Qualität des Endprodukts kaum steuern kann.

Obergärige Hefe: Manche mögen’s heiß

Leichter Geselle. Foto: Jennifer Meyer

Obergärige Hefe ist der zweitälteste Hefe-Typ und liebt es muckelig-warm während der Gärung. Bei Temperaturen um die 16-25° Celsius kommt obergärige Hefe in Fahrt und bildet Sprossenverbände – also eine Art Hefenetz. Während des Brauprozesses entsteht unter anderem Kohlensäure, die dieses Hefenetz nach OBEN im Gärtank treibt. Dort schwimmt die Hefe fröhlich auf der Oberfläche des Suds.

Beispiele für obergäriges Bier sind Weißbier, Stout, Porter, Ale und IPA wie das Boulevard von Von Freude – leicht, trocken, ein wenig süß und mit dem Geschmack von Rosenblüten und Stachelbeeren schmiegt es sich weich um die Zunge.

Untergärige Hefe: Die coolste Sau unter den Mikroorganismen

BierSzene

Würzig und ganz schön süffig. Foto: Jennifer Meyer

Untergärige Hefe ist der jüngste Hefetyp und bevorzugt die kälteren Temperaturen von 5-12° Celsius, um zu arbeiten. Daher war sie vor der Erfindung weiterentwickelter Kühltechniken lediglich von September bis März einsetzbar. Untergärige Hefen bilden keine Sprossenverbände, sondern sind paarweise im Sud unterwegs. Der Auftrieb der Kohlensäure reicht bei dieser geringen Oberfläche nicht aus, um die Hefe nach oben zu tragen, so dass sie sich meist in der Mitte oder im UNTEREN Bereich des Gärtanks aufhält.

Beispiele für untergäriges Bier sind Pilsener, Helles, Märzen und Lager wie das von Ratsherrn: süffig, würzig, süßlich und Aromen, die an schwarzen Tee erinnern. Köstlich das Ding!

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

BierSZENE. Auf ein Bier mit Stefan Schröer von den Superfreunden

Hoher Besuch aus Berlin: Stefan Schröer von den Superfreunden hat mich für ein Wochenende und auf ein Bier besucht. Immer eine gute Gelegenheit, um über die Bierszene und die Zukunft von Craft Beer zu schnacken

Superfreunde

Bromance – Michael Arndt, Stefan Schröer und Daniel Elich werden leidenschaftlich, wenn’s um Bier geht.

Wer steckt eigentlich alles hinter den Superfreunden?

Das sind fünf super Freunde, die sich in Berlin zusammengetan haben, um Bier zu brauen. Als Vollzeitjob machen das Marco Sgarra und meine Wenigkeit. Dann gibt es noch Michael, Markus und Klaus, die eher im Hintergrund agieren.

Ihr verkauft nicht nur Bier, sondern auch eine Menge Merchandise. Was ist aus eurer Sicht wichtiger – gutes Marketing oder gutes Bier?

Die Basis ist: ein gutes Bier! Bei einem schlechten Produkt hilft auch das beste Marketing nichts. Gleichzeitig müssen aber alle drei Säulen stimmen, damit es auf Dauer funktioniert: Produkt, Marketing und Vertrieb. Wenn du das beste Bier der Welt hast, es aber nicht ins Sortiment aufgenommen wird oder die Flasche ein schlechtes Design hat, dann wird es niemand kaufen.

Was gehört zu gutem Marketing bei einem Craft Beer?

Craft Beer ist für mich ein Produkt, bei dem Ehrlichkeit und Transparenz zählen. Ich muss als Konsument erfahren können, wo und wie das Bier gebraut wird und wer dahintersteckt. Das ist die halbe Miete für gutes Marketing. Genauso haben wir es von Anfang an gemacht. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir keine Brauer sind, aber verdammt viel Bock haben. Zudem darf dein Produkt für die Menschen da draußen nicht langweilig werden. Es braucht jeden Tag aufs Neue frische Ideen, damit man sich gegen all die anderen Brauereien durchsetzen kann.

Keine Brauer sind, aber verdammt viel Bock auf Bier. Foto: Superfreunde

Gibt es Unterschiede zwischen der Craft-Beer-Szene in Hamburg und in Berlin?

Beide Städte mag ich sehr. Ich wohne schon lange in Berlin, Hamburg ist aber mittlerweile zu meiner zweiten Heimatstadt geworden. Unterschiede gibt es auf jeden Fall: Der Hamburger ist, nach meinem Empfinden, genügsamer als der Berliner – vor allem wenn es ums Bier trinken geht. Hamburger brauchen nicht permanent etwas Neues, Berliner sind dagegen in dieser Hinsicht sehr verwöhnt. Und: Sie fordern das auch ein. Während Hamburger die Biertrends, die aus den USA rüber schwappen, zwar wahrnehmen, aber sich davon nicht beeindrucken lassen, haben sich Berliner dem Trend schon längst angenommen.

Was glaubst du, welchen Stellenwert Craft Beer in der Zukunft haben wird?

Ich glaube ganz fest daran, dass Craft Beer kein Hype ist, sondern ein Resultat der Bierszene. Wer einmal festgestellt hat, dass ein Bier geil schmecken kann, wird nicht dahin zurückgehen, Plörre zu trinken. Viele stellen nach ihrem ersten Craft Beer fest, dass Bier auch einen intensiven Geschmack haben kann. Für diese Erfahrung muss man kein IPA trinken, das merkt man bereits bei traditionellen Bierstilen wie einem gut gebrauten Pils.

Bier ist keine Plörre. Und soll auch nicht so schmecken. Foto: Superfreunde

Wird in Zukunft jeder nur noch Craft Beer trinken?

In Deutschland haben wir einige „TV-Biere“, die allesamt sehr einfach gestrickt sind und noch immer den größten Markt haben. Es gibt aber auch viele Konsumenten, die beides trinken. Für die ist es ein Genuss, auch mal ein Craft Beer zu trinken, das natürlich auch teurer ist. Craft Beer wird, wie in Großbritannien oder den USA, immer präsenter in Deutschland werden und es wird immer mehr Kraft bekommen. Das merkt man allein daran, dass jetzt auch die großen Brauereien ihre „Craft-Biere“ auf den Markt bringen. Die haben Angst, dass die kleinen Brauereien ihnen den Markt wegnehmen, denn genauso geschieht es bereits in anderen Ländern. Ich hoffe, dass diese Entwicklung anhält und in fünf Jahren an jeder Ecke Craft Beer zu haben ist.

Was denkst du über das deutsche Reinheitsgebot?

Wir brauen unsere Biere ganz unbewusst nach dem Reinheitsgebot. Aber ganz ehrlich: Wenn jemand in sein Bier Orangenschalen oder frisch gemahlenen Pfeffer geben möchte, dann soll er das tun und sein Produkt trotzdem noch Bier nennen dürfen. Warum muss man Brauer mit diesem Reinheitsgebot so einschränken? Für mich ist es am Ende vor allem wichtig, dass klar deklariert ist, was das Bier enthält.

Klingt ziemlich gut, finde ich. In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

Mehr Infos zu den Superfreunden gibt es übrigens hier: www.facebook.com/superfreundecraftbeer/

/ Beitragsbild: (c) Puria Safary


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen@bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! 

BierSZENE: 5 Angeberfakten zum Tag des Bieres

Am Sonntag ist der Tag des Bieres. Nein, was sage ich, der FEIERTAG des Deutschen Bieres. Für mich als Biersommelier also quasi der wichtigste Tag des Jahres

Am 23. April vor genau 501 Jahren wurde das deutsche Reinheitsgebot proklamiert – und gilt seitdem per Gesetz. Vom Reinheitsgebot kann man halten, was man will, aber: Bier ist immer ein guter Grund zum Feiern.

BierSzene

Bier & Whiskey? Geile Idee. Nicht lang schnacken, machen!

Damit ihr am Sonntag mit Wissen klotzen könnt, gibt’s hier fünf astreine Angeberfakten für euch

  1. In Bier stecken bis zu 2.000 Aromen. Da kann Wein mit seinen schlappen 500 Aromen einpacken – Spirituosen mit 300 bis 400 sowieso. Was so geschmacklich im Bier steckt? Von Kaffee, Schokolade und Lakritz bis hin zu Toast, Heu und Gletschereis-Bonbons, in Sachen Aromavielfalt ist bei Bier (fast) alles drin.
  2. Whisky und Bier sind unzertrennlich. Denn: Die Herstellung beider Getränke ist anfangs identisch – bei beiden wird Getreide vermälzt. (So nennt man den kontrollierten Keimvorgang, bei dem aus Getreide Malz entsteht.) Es gibt Traditionsbetriebe in Schottland, die nur Braumeister anstellen. Nicht zum Bierbrauen, sondern um aus ihnen beste Whiskey-Brennmeister zu machen.

By the way: Schenkt euch mal ein torfiges Porter ein (16–17 Grad warm) und trinkt ein Gläschen Jonny Walker Double Black dazu – naturlement auch bei Zimmertemperatur. Beide schaukeln sich durch ein ähnliches Aromaprofil toll gegenseitig auf. Mega, sag ich euch!

  1. Die belgische Bierkultur wurde 2016 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt – als erste Biernation überhaupt. Begründung: Unser Nachbarland trumpft mit einer enormen Biervielfalt (1.500 Biersorten!), seiner langen Biertradition und einer hochlebendigen Bierkultur mit regionalen Brauereipraktiken, Festen, Vereinigungen und mehr im ganzen Land auf.
  2. Weltweiter Marktführer in Sachen Bier ist: China. Im Reich der Mitte wurden 2012 mehr als 490 Millionen Hektoliter Bier hergestellt. Deutschland schafft es mit seinen 94,6 Millionen Hektolitern nur auf Platz 5 – und selbst von dem hier gebrauten Bier wird über eine Million nach China exportiert.

 

5. Der weltweit renommierteste Bierwettbewerb ist der World Beer Cup . Alle zwei Jahre treffen sich tausende von Brauereien in Boulder, Colorado, und batteln sich in rund 100 Kategorien. 2016 gingen ganze 1.907 Brauereien aus 55 Ländern mit insgesamt 6.596 Bieren  an den Start. Das Motto: „Die Qualität und die Vielfalt von Bieren aus der ganzen Welt beweisen, dass exzellentes Brauhandwerk keine Grenzen kennt.“ Das nenn ich mal echte Völkerverständigung.

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

Fotos: Henning Angerer (Beitragsbild) /  www.instagram.com/bieronkelhh/


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen@bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! 

BierSZENE. 5 Gründe, warum Dosenbier geiler ist als ihr denkt

Moin Hamburg,

in anderen Ländern wird es längst als einer der Biertrends des Jahres gefeiert, bei uns hingegen schaut man noch immer in skeptische Gesichter, wenn man es seinen Gästen fernab von Fußball und Festivals einschenkt – die Rede ist von Dosenbier. Den schlechten Ruf hat Bier aus der Büchse meiner Meinung nach völlig zu Unrecht, denn die Dose bringt unschlagbare Vorteile gegenüber der Bierflasche mit sich.

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1) Mach dir Frische auf

Dass Biere aus der Dose geschmacklich so oft danebenliegen, liegt daran, dass man Bier in Blechbüchsen bislang vor allem in der Getränke-Billigabteilung von Supermärkten findet. Grundsätzlich sorgen Dosen aber dafür, dass weniger Sauerstoff und keine UV-Strahlen (super für den flüchtigen Hopfen) an das Bier kommt. Die guten Hopfentropfen bleiben in den „Mini-Fässchen“ also länger frisch und behalten ihren Geschmack.

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2) Kein Bock auf warmes Bier

Bierdosen lassen sich im Kühlschrank deutlich schneller kühlen als Glasflaschen.

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3) Umweltschützer aus dem Bierregal

Weniger Müll durch fehlende Kronkorken und ablösbare Etiketten; ein geringeres Eigengewicht als Bierflaschen, was beim Transport für einen kleinen CO2-Abdruck sorgt; 100 Prozent recyclebar – Getränkedosen sind wahre Umweltschützer.

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4) Schwere Bierkästen adé

Mit den leichteren Dosen müsst ihr euch auf dem Weg nach Hause oder in den Stadtpark nicht mehr so abschleppen.

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5) Stabiles Ding

Wer eine Bierflasche und eine -Dose fallen lässt, erkennt schnell den entscheidenden Unterschied: Während die Bierflasche mit hoher Wahrscheinlichkeit in zig Scherben zersplittert, ist die Dose oftmals noch ganz.

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Einer der deutschen Vorreiter in Sachen gutes Bier aus der Dose ist Broy aus München. Wer deren guten Stoff selbst einmal probieren will oder noch Fragen zum Thema Dosenbier hat, kann die Macher am 1. April 2017 beim Spring Beer Day in den Hamburger Schanzenhöfen treffen. Ich bin natürlich auch am Start.

Bis dahin: Prost und eine schöne Zeit!

Euer Daniel

 Fotos: Broy

 


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen@bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! 

BierSZENE. Auf ein Bier mit Sascha von Hopper Bräu

„Craft Beer ist Einstellungssache“. Im Gespräch mit dem Hamburger Braumeister Sascha Bruns

Sascha Bruns ist Chef-Brauer und Kreativkopf bei Hopper Bräu – eine Hamburger Craft-Beer-Brauerei, dessen Bier es bereits bis an die Zapfhähne Japans geschafft hat. Höchste Zeit, dass auch ich mich mit ihm auf ein Bier und ein paar Fragen treffe.

Hopperbraeu

Craft Beer? Ist eine reine Einstellungssache. Foto: Hopperbräu

Warum bist du Brauer geworden?

Durch Zufall. Ich hatte mein Studium abgebrochen und zur großen Freude meiner Eltern keinen Plan B. Ich bin dann mit meiner damaligen Freundin nach Berlin gezogen und habe gehofft, dass die Stadt irgendetwas für mich bereithält. In Berlin angekommen bin ich über Schoppe Bräu gestolpert. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich ein IPA getrunken und war völlig überrascht, wie krass Bier schmecken kann. Bier war bis dato nur ein Begleitgetränk für mich. Schopper Bräu hat zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise einen Auszubildenden gesucht. So habe ich mir am nächsten Tag Gummistiefel gekauft und bin Brauer geworden.

War dir dann auch von Anfang an klar, dass du irgendwann eine eigene Brauerei haben möchtest?

Eine Brauerei zu gründen, das ist eigentlich gar nicht auf meinem Mist gewachsen. Hättest du mich vor drei oder vier Jahren gefragt, wo ich heute perspektivisch stehe, hätte ich nie gesagt, dass ich in Hamburg eine Brauerei habe. Der Anstoß dazu kam von meinem Geschäftspartner Lars, den ich in Berlin beim Biertrinken kennengelernt habe.

Hopperbräu

An der Craft Beer Quelle. Foto: Hopperbräu

Was waren bis jetzt die größten Hürden für euch?

Da gab es viele – manche größer, manche kleiner. Anfangs war es schwierig, eine Brauerei zu finden, die nach unseren Rezepten brauen möchte und nicht einfach ihr Standardpils in unsere Flaschen abfüllt. Dann noch eine zu finden, die das für einen vertretbaren Preis macht – das war nicht einfach. Die Genehmigungsprozesse für den Bau der Hopper-Bräu-Hallen toppen aber alles. Der Papierkram war unglaublich! Als nächstes schreiben wir einen Ratgeber mit dem Titel „Wie baue ich eine Brauerei?“. (lacht)

Wie kommt ihr auf die Idee für die Biere?

Die Einflüsse kommen von überall. Grundsätzlich trinken wir natürlich auch eine Menge Bier von anderen Brauereien und schauen, wo die aktuellen Trends hingehen. Dann passiert es aber auch, dass ich etwas Leckeres esse und mich frage, welches Bier wohl dazu passt. Und manchmal gibt es einfach nur einen coolen Hopfen, mit dem ich Lust habe, etwas zu machen.

Hopperbräu

Verpackung und Inhalt. Stimmt beides. Foto: Hopperbräu

Wie lange braucht ihr von der Idee bis zum fertigen Bier?

Manchmal geht das ganz schnell. Generell gehen wir so vor: Wir haben eine Idee für ein neues Bier und setzen diese in verschiedene Probesude um. Wenn die fertig sind, laden wir zu einem kleinen, öffentlichen Tasting, bei dem die Probesude verkostet und bewertet werden. Der Probesud, der es durch das Tasting schafft, wird auf der großen Anlage gebraut. Das haben wir bisher bei all unseren Bieren so gemacht. Ein spannender Prozess.

Ging euch ein Bier schon einmal so richtig daneben?

Ein Probesud auf jeden Fall, ja. Da geht öfter mal was in die Hose. In der Theorie ist das dann eine geile Kombination, in der Realität hingegen nicht genießbar. Das ging uns bei einem IPA so, bei dem wir mit Hopfensorten experimentiert haben. Schrecklich!

Wie sehen die Zukunftspläne für Hopper Bräu aus?

Für mich ist Craft Beer dann spannend, wenn jede Brauerei ein großes Portfolio verschiedener Biere hat. Das zu gewährleisten ist aber nicht so einfach. Denn viele Biere heißt auch viele Brautanks. Das wiederum heißt, dass du einen starken Vertrieb haben musst. Für all das möchten und müssen wir weiterwachsen.

Hopperbräu

Immer im Blick: Der Hopfen. Foto: Hopperbräu

Was hältst du von der Craft-Beer-Szene in Deutschland?

Die Hamburger Craft-Beer-Szene ist für mich geprägt von hoher Qualität und sie wird auch zunehmend mutiger. Man muss einfach sagen, dass Berlin ein Stück verrückter und schnelllebiger ist – das drückt sich dann natürlich auch in deren Bieren der Stadt aus. Der Brauszene in Deutschland täte insgesamt mehr Dynamik gut. Bereits jetzt gibt es sehr gute Craft-Beer-Brauereien und solche, die es versuchen. Für mich ist das genau richtig. Am Ende entscheidet schließlich immer der Konsument. Genau deshalb ist eine Sache auch besonders wichtig: Wir müssen lernen, wie der Markt funktioniert. Ein gutes Bier zu brauen ist da nur der erste Schritt. Vertrieb und Marketing sind super wichtig. Denn jetzt, wo die Leute abgegrast sind, die Craft Beer geil finden und offen sind für Neues und gute Produkte, kommen die anderen, die noch überzeugt werden müssen. An die zu kommen, wird eine Herausforderung.

In welcher Region der Welt wird zurzeit das beste Bier gebraut?

Traditionell gesehen sind belgische Biere für mich nach wie vor unschlagbar. Kreativ-verrückte Craft Biere findet man in Skandinavien – Lettland, Litauen und Estland haben da einige großartige Brauereien. Aber auch Italien ist in Sachen Bier gerade krass unterwegs. Ein augenscheinliches Weinland mit einer großen Craft-Beer-Szene, die bereits viel weiter ist als Deutschland. Wirklich beeindruckend.

Was ist Craft Beer für dich?

Craft Beer ist Einstellungssache. Es geht um die Haltung, die hinter einem Bier steht. Mache ich Bier, auf das ich Bock habe und das besonders ist oder mache ich ein Bier, das massentauglich ist? Für mich ist Craft Beer Ausdruck von Kreativität und Unabhängigkeit. Die Größe der Brauerei ist dabei für mich nicht entscheidend. Natürlich ist Craft Beer aber auch zu einem Marketingbegriff geworden, den sich manche Brauereien gerne aufs Etikett schreiben. Das allein macht ein Produkt aber noch nicht gut.

 

Mehr über Hopper Bräu erfahrt ihr auch hier.


Daniel Elich

Foto: Altes Mädchen

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder. Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen@bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß! 

 

BierSZENE – 4 Fakten zur Hamburger Biergeschichte

Moin Hamburg,

ich komm gerade aus der Zeitmaschine. Ihr Name: Museum für Hamburgische Geschichte. Dort bin ich mal eben ins Mittelalter abgetaucht und habe mir das Hamburg von damals angeschaut. Glasklares Fazit meiner Zeitreise:

Hamburger Biergeschichte ist Stadtgeschichte. Wieso, weshalb, warum? Hier 4 Gründe: 

1.000 Jahre Prost!

Hamburg blickt auf mehr als 1.000 Jahre Biergeschichte zurück. Damit hat die Hansestadt eine der ältesten Brautraditionen in Deutschland. Und nicht nur das: Im 15. Jahrhundert gab es mehr als 500 Hamburger Brauereien und nirgends wurde zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert mehr Bier gebraut. Kaum zu glauben, dass es hier heute nur noch 12 aktive Brauereien gibt, Tendenz (wieder) steigend. Zum Glück!

In Zahlen: Jeder Hanseat trank bis zu 2 Liter Bier am Tag, das macht satte 1.000 Liter im Jahr.

Kein Tag ohne Bier

Bier war als „flüssiges Brot“ im Mittelalter allgegenwärtig: morgens zum Frühstück als schöööne Biersuppe, mittags als Krafttrunk und abends zum (oder statt) Abendbrot. In Zahlen: Jeder Hanseat trank bis zu 2 Liter Bier am Tag, das macht satte 1.000 Liter im Jahr. Heute sind es gerade mal 100 Liter pro Nase. Gut … das Mittelalterbier war meist alkoholfrei, aber Kaffee und Tee hatten damals noch nix zu melden. Außerdem war Bier durch das Abkochen im Brauprozess fast keimfrei und somit perfekt für alle – auch für Kinder.

Flüssiger Exportschlager

Alles Pfeffersäcke? Von wegen! Bierfässer machten Hamburg reich. Vor allem der fässerweise Export nach Holland, Frankreich, England und Co. im Rahmen der Hanse war einer der Wachstumsmotoren und machte Hamburg zur Mittelalter-Metropole. 

Bier gut, alles gut

Ab dem 15. Jahrhundert ging’s abwärts für die Bierwirtschaft. Der Niedergang der Hanse und später auch Kaffee, Tee und Schnaps aus der Neuen Welt machten dem Bier das Leben schwer. Außerdem warnten Moralisten vor den Gefahren von zu hohem Bier- oder besser gesagt Alkoholkonsums. Erst mit der Gewerbefreiheit und technischer Innovationen zur Herstellung untergäriger Biere wie Pilsner erlebte der Biermarkt im 19. Jahrhundert wieder einen Aufschwung.

Genug Geschichte, zurück in die Zukunft. Und die sieht dank Craft-Beer-Bewegung rosig aus. Mehr Bier für alle! Apropos: Extra für die Ausstellung hat die Störtebeker Braumanufaktur ein Hamburger Rauchweizenbier nach mittelalterlicher Rezeptur gebraut. Klare Sache, was bei mir heute Abend im Glas landet …

In diesem Sinne: Prost und ein schönes Wochenende!

Euer Daniel

Kein Bier ohne Alster. Hamburg – Brauhaus der Hanse“. Die Sonderausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte läuft noch bis 12. März 2017.

 Foto Aufmacher: Henning Angerer


Who the fuck is…Daniel?

Szene Hamburg

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen.

Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen Bieronkel und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!  @bieronkelHH_

BierSZENE mit Daniel Elich – Die Craft-Beer-Trends 2017

Nach dem Rückblick geht’s nun voran. Das sind die Trends 2017 in Sachen Hopfengetränk. Und einer davon lautet: Dosenbier!

Moin Hamburg,

 und frohes Neues! Schon klar, das Jahr ist jetzt bereits ein paar Tage alt, aber für die Craft-Beer-Szene gibt es 2017 tatsächlich viel Neues, Schönes und Leckeres zu berichten.

 BierSZENE 13. Januar.2017

Dosenbier startet ein großes Comeback in Deutschland

„Dosenbier? Wirklich?“, fragt ihr euch jetzt. Ja! Bier aus der Dose hat in Deutschland nicht den besten Ruf. Schließlich findet man Bier in Blechbüchsen bislang vor allem in der Getränke-Billigabteilung von Supermärkten. Dabei bringt die Dose unschlagbare Vorteile gegenüber der Bierflasche mit sich. Nicht nur, dass sie für eine bessere Konservierung der guten Hopfentropfen sorgt – vor allem IPAs kommt das zugute – sie ist auch besser für die Umwelt als schwere Glasflaschen, die durch lange Transportwege euer CO2-Konto belasten. Wer sich fürs neue Jahr also vorgenommen hatte, etwas gegen den Klimawandel zu tun: bitte sehr!

Brauereien wie Beavertown aus London sind übrigens mit dafür verantwortlich, dass Dosenbier gerade wieder salonfähig wird. Mit comichaften Designs, die Superhelden, Zombies und Aliens zeigen, sowie richtig gutem Bier bringt Chefkreativer Logan Plant das Dosenbier unters Volk. Definitiv mein Geheimtipp für 2017.

Um welchen Bierstil man 2017 nicht herum kommt?

Für mich ganz klar: das Sourbeer – in den USA der Bierstil der letzten Jahre. Ähnlich verhält es sich mit Bieren, die einen geringen Alkoholanteil haben, aber trotzdem stark gehopft sind, sogenannte „Session IPA’s“ wie das Neck Oil von Beavertown. Bereits im vergangenen Sommer hat man gemerkt, dass diese Bierstile mehr Anklang bei uns finden. Sollten wir dieses Jahr wieder ein paar warme Sommermonate bekommen, werden diese Stile sicherlich ihren Durchbruch bei uns schaffen.

 BIERSZENE Daniel Elich

Hamburger Bierszene: Newcomer und Bierkenner

Einer der Bier-Newcomer des letzten Jahres ist Nikhil Jani, der Kopf der Circle8Brewery aus Alsterdorf. Beim Winter Beer Day 2016 hat er uns mit seinem Xmas-Ale schwer begeistert. Ich denke, wir dürfen uns in 2017 auf fantastische neue Biere von Nikhil freuen. Seid gespannt!

Außerdem passiert zurzeit einiges am Fischmarkt. Meine ehemaligen Chefs und Gründer des Alten Mädchen, Patrick Rüther und Axel Ohm, planen fürs Frühjahr 2017 ein neues Gastronomiekonzept in den Riverkasematten. Wetten, das hat wieder etwas mit Bier zu tun…

Schön wär’s! Meine Wünsche für 2017.

Am meisten würde ich mich über mehr Vielfalt freuen. „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Nie war das Sprichwort so richtig wie für die Hamburger Craft-Beer-Szene.

Außerdem hoffe ich auf noch mehr Events zum Thema „Craft“. Ich finde es toll, dass immer mehr Hamburger Wert auf Qualität legen und sich für gute Produkte begeistern lassen. Diese Entwicklung darf 2017 sehr gerne so anhalten.

Prost, auf ein grandioses 2017!

Euer Daniel

 

Fotos: Daniel Elich / Winter Beer Day (oben): Henning Angerer

 

Ihr habt weitere Fragen rund um Bier? Dann immer her damit an bierszene@altes-maedchen.com

 


Szene Hamburg

Daniel Elich (33) Foto: Privat

Who the fuck is…Daniel?

Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen Bieronkel und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!  @bieronkelHH_

 

 

 

 

 

 


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