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Freiwurf für alle – die Handball-Inklusionsliga

Fünf Vereine, acht Teams, eine Liga. „Freiwurf Hamburg“, die einzige Handball-Inklusionsliga in Deutschland, ist eine Hamburger Erfolgsgeschichte.

Als die Mannschaften eingeteilt werden, habe ich ein Problem. Beim Sport bin ich extrem ehrgeizig, will unbedingt gewinnen. Andererseits kann ich doch unmöglich mit voller Power spielen, oder? Schließlich nehme ich als Journalist am Training der Inklusionshandball-mannschaft Spielgemeinschaft Wilhelmsburg teil. Um mal zu erspüren, wie das ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Handball spielen. Plötzlich passiert es, während ich noch sinniere. Ich passe in der Verteidigung nicht auf und wir kassieren das Tor zum 0:1. „Toooor“, ruft Lennart und dreht strahlend ab. Der kräftige 27-Jährige hat die plötzliche Lücke in der Deckung genutzt. Zwanzig Minuten später bin ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Gewinnen war auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Besonders gefreut habe ich mich, als Tanja – die einzige Rollstuhlfahrerin auf dem Feld – einen gelungenen Pass gespielt hat.

Jens Krüger ist seit über 50 Jahren beim SG Wilhelmsburg – zuerst als Spieler, dann als Trainer. Foto: Jakob Börner

„So ist das bei uns. Es geht vor allem um das Miteinander und weniger um die Leistung“, sagt Jens Krüger (57). Der Mann ist eine Handball-Institution in Wilhelmsburg. Seit über 50 Jahren im Verein – erst als Spieler, dann als Trainer – gründete er die Inklusionsmannschaft, die in der einzigen vom Deutschen Handball-Bund offiziell anerkannten Handball-Inklusionsliga spielt: „Freiwurf Hamburg“. Aus fünf Hamburger Vereinen haben sich dabei acht Teams mit fast hundert Sportlerinnen und Sportlern mit und ohne Behinderung gebildet, die in einer Liga gegeneinander antreten.

„Warum eigentlich nicht Handball?“

Eine dieser Mannschaften ist die SG Wilhelmsburg „Ich habe in allen Sportarten gesehen, wie sie auch von behinderten Menschen mit Leidenschaft betrieben wird. Da habe ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht beim Handball?“, sagt Krüger. Torschütze Lennart ist ein gutes Beispiel dafür, wie goldrichtig die Gründung des Teams war. Durch Komplikationen bei der Geburt leidet er unter Sauerstoffmangel im Gehirn, ist oft orientierungslos, kann sich schlecht artikulieren. „Aber er ist ein herzensguter Kerl. Am Anfang kam er alle vier Wochen aus Ratzeburg her, dann alle zwei, mittlerweile ist er jede Woche dabei“, erzählt Krüger. Lennarts Vater Uwe ist ebenfalls in die SG Wilhelmsburg eingetreten. „Unser Sohn fiebert dem Training und den Spieltagen richtig entgegen“, sagt er.

Die Basis dafür, dass dies alles möglich war, hat Martin Wild geschaffen. Er ist der Vorsitzende der Inklusionsliga „Freiwurf Hamburg“. 2009 baute er beim Altrahlstedter Männerturnverein (AMTV) die erste Handball-Inklusionsmannschaft in Hamburg auf. „Die Idee kam damals sofort super an. Die Halle war proppenvoll mit 18 Leuten. Wir trainierten ein Jahr für uns, und natürlich wollte die Mannschaft schon gern gegen andere Teams spielen.“ Glücklicherweise waren bereits andere Handballvereine aufmerksam geworden – und Wild war bereit, weitere Pionierarbeit zu leisten.

Feinarbeit vorm ersten Anpfiff

Erst leistete er Aufbauhilfe beim SV Eidelstedt, danach beim FC St. Pauli. Mit der SG Wilhelmsburg und dem Elmshorner Handball- Team kamen zwei weitere Vereine dazu. Und im Jahr 2013/14 startete „Freiwurf Hamburg“ unter dem Dach des Deutschen Handball-Bundes, der von der Idee ebenfalls begeistert war. Doch vor dem ersten Anpfiff war viel Feinarbeit notwendig. Unter dem Motto „Inklusion für alle in der Metropolregion Hamburg“ wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet, unter anderem von der Uni Hamburg und der Sporthochschule Köln. Die Regeln wurden stets angepasst, damit wirklich alle Spielerinnen und Spieler unter fairen Bedingungen dabei sein können.

Taktische Besprechung: Das Trainerteam bei der Arbeit. Foto: Jakob Börner

So gibt es zum Beispiel für Rollstuhlfahrerinnen wie Tanja einen eigenen Streifen auf dem Feld, in dem nur sie den Ball berühren dürfen. „Das Ganze ist ein demokratischer Prozess. Wir überprüfen fortlaufend, ob wir unserem Anspruch an Inklusion für wirklich alle gerecht werden können. Manchmal ist das anstrengend und mühselig, aber es lohnt sich wirklich sehr“, sagt Wild. Wichtig ist also nicht, wer jedes Jahr Meister wird. Wichtig ist, dass Menschen wie Lennart und Tanja mit ganz viel Leidenschaft am Sport Spaß haben können. Eine gelungene Lektion für Menschen wie mich.

Text: Mirko Schneider
Fotos: Jakob Börner

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 Dieser Text stammt aus der Beilage „Vielfalt Leben“, dem gemeinsamen Magazin von SZENE HAMBURG (Juni 2018) und dem Inklusionsbüro. Das Magazin ist seit dem 26. Mai 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

 

 

 

 

 

 

Ein Fußballteam für alle!?

Tobias Hillebrand hat eine Vision: Eine Fußball-Liga, in der jeder mitspielen darf – egal, ob mit oder ohne Handicap. 2019 soll die neue Inklusionsliga starten.

Tobias Hillebrand (26) hat einen Traum. „Klar kann ich mir vorstellen, bei der Eröffnung dabei zu sein. Das wäre schon cool, wenn man einen Weg so lange mitgegangen ist“, sagt er. Hillebrand ist im Hamburger Fußballverband (HFV) Koordinator für die Bereiche Behindertenfußball und Inklusion – und arbeitet für den Verband an einer kleinen Revolution: der Inklusionsliga. „Inklusion bedeutet, dass alle mitspielen können“, sagt Hillebrand, der gerade seine Magisterarbeit im Sportstudium schreibt und zudem Erziehungswissenschaften studiert hat.

Was sich aufs erste Hören selbstverständlich anhört, wäre bei genauerer Betrachtung etwas für Hamburg völlig Neues. Menschen mit geistigem und/oder körperlichem Handicap, Menschen ohne Handicaps, Frauen und Männer, Alte und Junge – alle in einer Fußballmannschaft. Unter anderem in Bayern und am Niederrhein existieren erfolgreiche Modellversuche. Auch in Hamburg gibt es ein Vorbild. In der Freiwurf-Hamburg-Liga spielen acht Teams in der bundesweit ersten vom Deutschen Handball-Bund anerkannten inklusiven Handball-Liga.

Hürden auf dem Weg zur Inklusionsliga

Hillebrand selbst scheint wie geschaffen für die Aufgabe, das gute Beispiel des Handballs nun auf die Fußball-Felder unserer Stadt zu transferieren. Die Eltern des jungen Mannes waren gehörlos. Er kennt den Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Handicap also aus eigener Erfahrung. „Ich habe viel mit Zeichensprache übersetzt und ich war immer der Erste, der ans Telefon gegangen ist. Ich war sozusagen der Ansprechpartner vom Arzt bis zur Kirche. Mit Unterstützung meiner Großeltern hat das alles sehr gut geklappt und ich habe auch viel Freizeit mit anderen gehörlosen Menschen verbracht“, sagt Hillebrand. Er ist überzeugt, dass nur der Kontakt zur Inklusion beiträgt. Hier könne der Fußball seine oft gerühmte Brückenfunktion einnehmen. „Ein hemmender Faktor für Menschen ohne Handicap ist es oft, dass sie die Reaktionen von Menschen mit Handicap nicht so richtig einschätzen können. Das können sie aber mit der Zeit. Und dann wachsen tolle Gemeinschaften heran.“

Lob erhält Hillebrand von HFV-Pressesprecher Carsten Byernetzki: „Dem Verband liegt das Thema schon seit Jahren sehr am Herzen. Tobias treibt das hier bei uns super voran. Wer einmal gesehen hat, wie ehrlich und natürlich diese Menschen sich freuen, wenn sie zum Beispiel ein Tor schießen, der weiß, es lohnt sich.“ Doch auf dem Weg zur Inklusionsliga, die im Sommer 2019 starten soll, sind noch einige Hürden zu überwinden. Hillebrand netzwerkt viel, spricht mit Vereinen über deren klassische Probleme beim Aufbau einer Mannschaft wie zum Beispiel notwendige Fahrdienste für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Das erste Hallen-Inklusionsturnier fand bereits statt, der im Bereich Inklusion sehr aktive SV Nettelnburg-Allermöhe siegte im Beisein des von der entspannten Turnieratmosphäre und den sportlichen Leistungen begeisterten HFV-Präsidenten Dirk Fischer. Weitere Turniere sind in diesem Jahr geplant. „Der Hamburger Sportbund finanziert die Turniere aus seinem Inklusionstopf, wir als HFV steuern zum Beispiel etwas Geld für die Pokale bei“, so Hillebrand.

Nächstes Jahr soll’s losgehen

Die acht Mannschaften für einen Ligastart sind bereits beisammen, aber losgehen kann es trotzdem noch nicht. Denn mehrere rechtliche Hürden sind zu überwinden. Nach den HFV-Statuten wird nach Geschlechtern getrennt in Altersgruppen (Jugendmannschaften, Damen, Herren, Senioren etc.) gespielt. Und es dürfen nur Mannschaften mitkicken, die HFV-Mitglieder sind. Unter den acht Interessenten befinden sich aber mit dem SV Eichede und Bad Oldesloe zwei Teams, die Mitglied im Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband sind. „Wir müssen für die Inklusionsliga neue rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, wollen die Statuten ändern. Das soll auf dem Verbandstag 2019 geschehen“, sagt Byernetzki.

Der HFV will dann selbst einen Antrag stellen, zustimmen müssen die Hamburger Amateurfußballvereine. „2018 ist ein hoffnungsvolles Jahr. Ich bin zuversichtlich, dass es 2019 losgeht“, sagt Hillebrand. Und die vorsichtige Frage, ob sich auch genügend Menschen ohne Handicap finden werden, die mitspielen, beantwortet Hille-
brand lächelnd und gelassen: „Die Frage sollte lauten: Warum eigentlich nicht?“

Text: Mirko Schneider
Foto: HFV

 


Februar-Ausgabe SZENE Hamburg

 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, März 2018. Das Magazin ist seit dem 24. Februar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Barrierefreie Ausgeh-Tipps

Die Suche nach einer Location ist in Hamburg nicht immer einfach. Am Telefon geben sich viele Restaurants und Bars als barrierefrei aus, ohne es wirklich zu sein. „Irgendwie kriegen wir das schon hin“, heißt es gern. Besser ist es, sich auf Empfehlungen zu verlassen. Oder eine Alternative zu finden … Anastasia Umriks Tipps für Kaffee, Dinner und Tanz

Restaurants

Saliba
Dieses (sehr!) kleine syrische Restaurant ist nichts für große Rollstühle und laute Stimmen. Aber es ist für Menschen mit feinen Geschmacksnerven und der perfekte Ort, um jemanden zu beeindrucken oder um einen Satz mit „Willst du mich …“ zu beginnen. Finde ich.

▶ Rollstuhltoilette befindet sich im „Parlament“, nicht weit von dem Restaurant.
Neuer Wall 13 (Neustadt), Telefon 34 50 21, Mo-Sa 12–23 Uhr; www.saliba.de

Petit Bonheur
Wer französische Musik, das französische Essen und generell Frankreich mag, der sollte das Restaurant „Petit Bonheur“ kennen. Es ist wie ein spontaner Kurzurlaub, es ist wie im Film: Intensiv, französisch, betörend und lecker.

▶ Rollstuhltoilette ist vorhanden.
Hütten 85-86 (Neustadt), Telefon 33 44 15 26, Mo-Fr, 12–18, Sa 17–24 Uhr; www.petitbonheur-restaurant.de

Vju im Energiebunker
Der Blick über Hamburg, der Blick ins Weite … da ist es fast egal, wie der Kuchen schmeckt. Aber er schmeckt! Und der Kaffee auch. Alles ist wunderbar an diesem Ort und ganz egal, ob bei einem Date oder nicht, diese Location verlässt man positiv und beseelt.

▶ Rollstuhltoilette ist vorhanden, wird aber leider oft als Abstellkammer genutzt. Aber es gibt eine, ja.
Neuhöfer Straße 7 (Wilhelmsburg), Telefon 0157 58 55 37 06 , Fr 12–18, Sa-So 10–18 Uhr; www.vju-hamburg.de

Altes Mädchen
Ein Ort zum Bleiben und zum Genießen. Im Winter kann man an der Feuerstelle sitzen, im Sommer draußen – und überhaupt geht es mir an diesem Ort immer gut. Die Gedanken und die Gespräche fließen, das Bier auch. Schön!

▶ Rollstuhltoilette ist vorhanden.
Lagerstraße 28b (St. Pauli), Telefon 80 00 77 75 0, Mo-Sa ab 12, So ab 10 Uhr; www.altes-maedchen.com

Frau Möller
Ach, Möller … wie viele Abende habe ich in dieser Kneipe verbracht! Ich liebe es dort zu sein, weil sich in dieser Kneipe Reiche und Arme, Junge und Alte begegnen, Anzugträger neben Kapuzenträger/innen sitzen und gemeinsam auf HSV oder St. Pauli anstoßen. Sowohl das Essen als auch die Getränke sind bezahlbar, die Stimmung ist entspannt. Die Kneipe ist sowohl als Dating-Location als auch für Singles (um es nicht mehr lang zu sein) geeignet.

▶ Rollstuhltoilette ist nicht vorhanden, aber schräg gegenüber ist das Hotel George mit einer großen Toilette.
Lange Reihe 96 (St. Georg), Telefon 25 32 88 17, Mo-Do 11.30–4, Fr 11.30–6, Sa 11–6, So 11-4 Uhr; www.fraumoeller.com

Atelier F
Französische und amerikanische Speisen neu definiert, sehr feine Küche und das Interieur ist der Wahnsinn: Jeder Raum hat ein eigenes Design, es gibt die ganze Zeit etwas zu entdecken und selbst dann hat man noch nicht alles gesehen. Und für die, die es sehr kuschelig mögen, gibt es sogar kleine Kabinen für zwei bis vier Personen. Ganz wie zu Hause – nur besser. Ein Muss für alle Leute mit Sinn für schönes Design!

▶ Es gibt eine barrierefreie Toilette im Kaufmannshaus, zu dem das Atelier F gehört.
Große Bleichen 31 (Neustadt); www.atelierf.eu

Portonovo
Ein Blick aus dem Fenster und dieser landet direkt auf der Außenalster. Mit ganz viel Fantasie kann man sich einbilden, man sei gerade in Italien und warte auf das Essen: Nudeln, Pizza, Fisch, Fleisch … alles steht hier zur Auswahl. Der Sonnenuntergang lässt sich sommers wie winters wunderbar genießen! Kurzurlaub für die Seele.

▶ Es gibt hier leider keine (große) barrierefreie Toilette, allerdings sind die Toiletten ebenerdig zugänglich. Für die einen gegebenenfalls passend, für andere wiederum nicht.
Alsterufer 2 (Rotherbaum); www.ristorante-portonovo.de

Tschebull
Seid nicht so naiv wie ich und geht da nicht ohne eine Reservierung hin; es ist nämlich oft ziemlich ausgebucht. Als ich dort endlich einen Tisch bekam, verstand ich, warum es spontan immer ausgebucht war: Gutes österreichisches Essen, sehr gute Weine und eine warme, gemütliche Atmosphäre. Ich habe als Letzte das Restaurant verlassen.

▶ Rollstuhltoilette befindet sich im Hotel Hyatt im gleichen Gebäude.
Mönckebergstraße 7 (Altstadt); www.tschebull.de

Chapeau
Wer im Chapeau essen geht, der sollte sich auf viele „Wow“-Momente einstellen. Dort ist, neben dem hervorragenden Essen, auch das Einrichtungsdesign sehr exklusiv und bis ins Detail ausgewählt. Man kann sich stundenlang umgucken und entdeckt auch dann noch neue Dinge. Sehr gut fürs erste Date geeignet – es entsteht keine Langeweile, selbst wenn das Gegenüber öde ist.

▶ Rollstuhltoilette ist vorhanden.
Moorfuhrtweg 10 (Winterhude); www.chapeau-restaurant.com

 

Cafés

Mutterland
Das Café eignet sich als zentraler Treffpunkt genauso wie für eine eine angenehme Wartezeit auf den nächsten Zug. Auch ist es ein guter Ort fürs Abendessen, bevor man ins Schauspielhaus oder in die Lange Reihe weiterzieht. Herrlich: der kleine Laden mit kulinarischen Geschenken (die man auch für sich selbst kaufen darf). Beim Herausgehen ist man sehr befriedigt. Und arm. Aber das macht nichts!

▶ Zahlreiche barrierefreie Toiletten befinden sich in der zentral gelegenen Umgebung.
Ernst-Merck-Straße 9 (St. Georg); www.mutterland.de

Café Leonar
Ich dachte immer, das Café sei eher etwas für intellektuelle, belesene, Fremdwörter benutzende Professoren. Bis ich dort eine Verabredung (na gut, nennen wir es „Date“) hatte und seitdem von dort nicht mehr wegzukriegen bin. Angenehme, friedliche Atmosphäre. Und hinterher fühlt man sich gleich so viel schlauer!

▶ Rollstuhltoilette ist nicht vorhanden.
Grindelhof 59 (Rotherbaum); www.cafeleonar.de

Entenwerder1
Noch bevor die Hamburger BloggerInnen diesen wunderbaren Ort entdeckt haben, saß ich da schon längst mit meiner kleinen Schwester und trank die Hauslimonade mit Ingwer und Gurke. Es ist nämlich das einzige Café in meiner Wohngegend – und es ist das allerschönste in ganz Hamburg. Mehr sag ich dazu nicht!

▶ Rollstuhltoilette ist nicht vorhanden.
Entenwerder 1 (Rothenburgsort), Telefon 70 29 35 88, Mo-Fr 11–20, Sa 10–22, So 10–18 Uhr

Koppel 66
Ich bin mindestens alle zehn Tage in der Koppel und inzwischen weiß jede/r Kellner/in wie ich meinen Kaffee trinke: Cappuccino, in einem Pappbecher (wegen des Gewichts) und mit einem Strohhalm. Ein Öko-Café in sehr cool. Dort fühle ich mich wohl und bekomme die besten Ideen!

▶ Rollstuhltoilette ist nicht vorhanden, aber eine Station weiter ist das George Hotel mit einer sehr großen Toilette.
Koppel 66 (St. Georg); www.koppel66.de

 

Clubs/ Bars

Uebel & Gefährlich
Konzerte und Partys jeglicher Musikrichtungen finden hier statt, meistens irgendetwas mit Elektro, was das Durchfeiern der Nächte angeht

▶ Rollstuhltoilette ist leider nicht vorhanden. Rausschwitzen!
Feldstraße 66 (St. Pauli), Telefon 31 79 36 10; www.uebelundgefaehrlich.com

Bar 1910
Für einen Moment habe ich vergessen, welches Jahr wir haben und wo ich bin. Der Pianist spielte „Happy Birthday“ und ich war so sehr in Gedanken verloren, dass ich vergessen habe, dass er womöglich für mich spielt … Das war an meinem ersten Abend in der Bar 1910 und seitdem bin ich sehr gern an diesem Ort. Die Inneneinrichtung ist aus den 20er Jahren und riecht nach einer intensiven Geschichte, während an der Bar meistens sehr interessante Persönlichkeiten verweilen.

▶ Rollstuhltoilette ist vorhanden.
Kirchenallee 34-36 (St. Georg); www.bar1910-hamburg.de

Mojo
Wer Funk, Soul, HipHop und tolle Menschen mag, der ist hier richtig. Etwas zu dunkel der Club, aber der Sound dafür umso besser. Ich bin gern hier!

▶ Rollstuhltoilette ist vorhanden.
Reeperbahn 1 (St. Pauli); www.mojo.de

/ Texte: Anastasia Umrik / Foto: Philipp Jung

 


Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zum PDF der ersten Ausgabe aus Juni 2017.

Ein Konzerthaus für alle. Auch für Willi?

Grenzen der Inklusion: Willi (10) ist schwer musikbegeistert – und schwer geistig behindert. Bei einer Probe des NDR Elbphilharmonie Orchesters hat der Junge im vollbesetzten Großen Saal des neuen Konzerthauses getanzt. Doch ist dieses Verhalten für das Publikum zumutbar?

Als Willi nach Hause kommt, wird’s trubelig. Und laut. Um kurz nach 15 Uhr stürmt der Junge, zurück von der Schule, ins Esszimmer. Sein Blick fixiert das iPad auf dem Tisch. Vier Laufschritte und eine Bildschirmberührung später ertönt daraus Musik: Peter Tschaikowsky, „Der Nussknacker“. Willi stößt ein euphorisches „Aaah!“ aus. Er greift das Tablet und rennt damit auf Toilette. Während die Klospülung läuft, spielt Willis Musikanlage Beethovens Coriolan-Ouvertüre – mit Video des Bayerischen Staatsorchesters. Willi flitzt zurück an den Esstisch. Während seine Mutter ihm warme Laugenstangen aus dem Ofen holt, klickt sich der Zehnjährige durch sein Musikrepertoire. Teilweise so schnell, als wolle er all seine Lieblingsstücke auf einmal hören. Dann steht Essen und Trinken auf dem Tisch. Das iPad weicht ein Stück nach links. In seiner rechten Hand hält Willi wahlweise eine Laugenstange oder einen Becher Milch. Die linke wippt nun lässig im Takt von „Buena Vista Social Club“, Track 2. Auch sein Kopf nickt gemütlich im Rhythmus. Die Musik hat den Jungen mit Down-Syndrom voll unter Kontrolle. Das ist die Sprache, die er liebt.

Nur über Symbole auf der Sprach-App kann Birte Müller mit ihrem Sohn kommunizieren

„Wird die Elbphilharmonie wirklich für alle Menschen da sein, selbst für so einen wie meinen Sohn, für den ich keine Verhaltensgarantie abgeben kann?“, fragte Willis Mutter, Birte Müller, im Februar dieses Jahres – kurz nach Einweihung von Hamburgs neuem Wahrzeichen – in ihrer Kolumne bei Spiegel Online. Müller hat hier nicht nur den Wunsch geäußert, dass auch ihr Sohn einmal den besonderen Klang im Großen Saal erleben darf. Sie offenbart vielmehr an einem Beispiel, wo Inklusion an Grenzen stößt: Haben Menschen mit Behinderung, die sich nicht mehrheitskonform verhalten können, dennoch das Recht, an Kulturveranstaltungen teilzunehmen? Oder ist die Mehrheit dazu berechtigt, solche Menschen auszuschließen, weil ansonsten ihr eigenes Erleben behindert wird? Ein Spannungsfeld.

Sechsmal hat die Familie sich bereits in dieses Spannungsfeld begeben und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Der erste Versuch vor fünf Jahren, ein Auftritt des Münchener Bläserensembles Blechschaden in der Laeiszhalle, scheiterte nach einer Viertelstunde: Im Oberrang bekam Willi Panik, die Familie musste das Konzert verlassen. Ein Jahr später der zweite Anlauf. Wieder Laeiszhalle, „Peter und der Wolf“. Für Willi bis heute ein Evergreen. Die Familie sitzt nun im Parkett. Das Problem diesmal: Es ist ein Kinderkonzert. Die Lieder werden gekürzt, Gesprächsdialoge eingefügt. Willi nervt es zutiefst: „In den Textpassagen ist er ausgeflippt, hat auf den Nachbarn vor sich gehauen in der Hoffnung, dass dadurch jemand wieder für Musik sorgt“, erzählt Birte Müller.

In Konzerten für Erwachsene kommt die Musik zwar voll zur Geltung – dafür empfinden hier viele schon ein hörbares Räuspern als Störung. Wenn ein Paukenschlag dramatische Spannung erzeugt, kann Willi diese aber nicht einfach aufnehmen. Er muss seinem Sitznachbarn auf die Schulter klopfen, auf die Trommel zeigen, und „Oooaaahh!“ jauchzen. Wenn er dafür nur ein „Pssst“ erntet, bringt ihn das auf die Palme. Er wird noch lauter. „In solchen Situationen läuft mir der Schweiß. Mir tun alle leid; die Musiker, Willi und die anderen Zuschauer“, sagt Birte Müller.

Sie selbst hat dann nur zwei Optionen: Die Spannung aushalten – oder mit ihrer Familie die Flucht antreten. Warum besucht die Familie nach all diesen – für alle Beteiligten – unschönen Erfahrungen weiterhin Konzerte? Weil es auch Erlebnisse gegeben hat, in denen Birte Müller keine Schweißperlen, sondern Tränen der Rührung über das Gesicht gelaufen sind. Wenn Willis Verhaltensauffälligkeit nicht stört, sondern seine auffällige Musikbegeisterung andere Menschen berührt. Wie im März in der Christuskirche Eidelstedt: Beim jährlichen „Brückenkonzert“ sind ausdrücklich auch Menschen mit geistiger Behinderung willkommen. Die klassische Musik soll eine verbindende Brücke schlagen. Zwischen Schwerstmehrfachbehinderten und Schwerstmehrfachnormalen rümpfte an Willis zehntem Geburtstag niemand die Nase, als dieser während Bachs Klavierkonzert Nr. 1 plötzlich aufstand, um sich zur Musik zu bewegen. Der musikalische Leiter der Kirche zeigte sich davon sichtlich bewegt: „Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand zu Bach getanzt hat“, sagte er in seiner Rede nach dem Konzert unter Tränen.

Als Birte Müller im Februar in ihrer Online-Kolumne fragte, ob ihr Sohn auch im „Konzerthaus für alle“ willkommen sei, rechnete sie nicht damit: Vier Monate später durfte Willi mit Mama und Opa an einer Probe des NDR Elbphilharmonie Orchesters teilnehmen. Eine Mitarbeiterin hatte sie eingeladen. Willi hörte erst gebannt zu, dann stand er auf und tanzte. Er war dermaßen begeistert, dass er am Ende aus dem Saal getragen werden musste. „Mit Willi in die Probe zu kommen, hat mir viel bedeutet“, schrieb Birte Müller hinterher in einem Dankesbrief. „Wir können einfach nicht in ,normale‘ Konzerte gehen. Und das schmerzt sehr, wenn man ein Kind hat, das nur wenige Wörter mit Gebärden sagen kann, und das einen sonntagmorgens mit den Zeichen für Pauke, Geige, Trompete und Kontrabass begrüßt, und ich ihm aber eben nur ganz selten diesen Wunsch erfüllen kann.“ Doch Birte Müller hat Mut gefasst. Sie weiß, dass Konzerte, „in denen explizit alle willkommen sind“, Erfolg haben können. „Ich finde es gut, wenn Leute ganz ruhig und tief in die Musik einsteigen wollen, wirklich. Ich möchte nur, dass es auch Tage gibt, an denen es anders laufen könnte.“

An die Elbphilharmonie richtet sie einen konkreten Vorschlag: „Ein vierteljährliches ,All inclusive‘-Konzert, zu dem jeder eingeladen ist. Je nach Nachfrage wird Menschen mit geistiger Behinderung auf einen Anteil der Karten ein Vorkaufsrecht eingeräumt.“ Das Ziel: „Ein inklusives Publikum, in dem jeder seine Begeisterung unterschiedlich zum Ausdruck bringt. Im besten Fall beschert es allen ein bereicherndes Erlebnis, weil die Erwartungshaltung eine andere ist.“

Tom R. Schulz, Pressesprecher der Elbphilharmonie, hält diesen Vorschlag „grundsätzlich für eine super Idee“. Auch für Nichtbehinderte könne das Erleben einer von außen betrachtet ungesteuerten emotionalen Musikbegeisterung sehr bewegend sein. Aber: Willi sei für die Elbphilharmonie erst einmal ein ganz besonderer Fall von Musikliebe. „Bislang hat sich noch niemand sonst in einer vergleichbaren Lebenssituation an uns gewandt, der oder die Musik live erleben möchte, sich dabei aber nicht so verhalten kann, wie wir das von Konzertbesuchern sonst erwarten.“ Seine Empfehlung: Die Betroffenen sollten gemeinschaftlich einen Wunsch formulieren und an die drei großen Hamburger Orchester herantragen. Wenn die Musiker sich darauf einlassen, glaubt Schulz, „dass in so einer Veranstaltung, wenn sie gut vorbereitet ist, ein großes Potenzial stecken kann.“

Willis Welt

Willi ist mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) zur Welt gekommen. Durch eine Stimmbandlähmung und eine therapieresistente Epilepsie (West-Syndrom) kurz nach der Geburt haben Mutter und Sohn Willis erstes Lebensjahr größtenteils im Krankenhaus verbracht. Heute ist der Zehnjährige schwer geistig behindert und kann nicht sprechen. Mit seiner Familie kommuniziert er vor allem über Gebärden, einen Sprachcomputer – und über Musik. Mehr über „Willis Welt“ unter www.illuland.de

Birte Müller

… hat nach einem Auslandsaufenthalt in Australien an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) Buchillustration studiert. Das Studium hat die heute 44-Jährige mit weiteren Reisen verbunden: Ein Semester lang studierte sie Freie Malerei in Mexiko, ihre Diplomarbeit verfasste sie in einem Dorf in Bolivien. Die Mutter von zwei Kindern schreibt regelmäßig über ihren ganz normalen Familienwahnsinn. Dass dieser auch Bücher füllen kann, zeigt ihr jüngstes Werk „Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg“. Außerdem bietet Müller Lesungen an Grundschulen an, unter anderem zum Thema „Behinderung“.

Texte: David Hock / Fotos: Jakob Börner

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Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zur ersten Ausgabe aus Juni 2017.

Können Menschen mit Behinderung Sex haben?

FAQ. Anastasia Umrik nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Als Bloggerin schreibt sie über das Leben und kennt die Unsicherheiten, die manche Menschen haben, wenn sie die 30-Jährige das erste Mal sehen. „Dass ich im Rollstuhl schreibe, ist nur relevant, wenn man sich mit mir auf einen Kaffee treffen will“, sagt sie. Warum Political Correctness nervt und ob sie auch mit einem Bier intus noch Rollstuhl fahren darf, erzählt sie selbst.

Können Menschen mit Behinderung Sex haben?
Das ist wahrscheinlich die am häufigsten gestellte Frage. Und die Antwort ist recht simpel, aber ehrlich: JA! Je nach Behinderungsart besteht (vielleicht!) eine körperliche Einschränkung, die euch beide zum Umdenken bewegen wird, aber im Grunde genommen ist es wie bei jedem anderen Menschen auch: Wenn die Chemie stimmt, wenn die Anziehung vorhanden ist, dann steht einer körperlichen Annäherung nichts mehr im Wege. Einfach mutig sein und baggern, was das Zeug hält! Was hat man schon zu verlieren?

Wie sage ich einem Menschen mit sichtbarer Behinderung „Hallo“?
Vielleicht denkst du, dass es eine ziemlich „dumme“ Frage ist und schämst dich sogar dafür. Ich kann dich beruhigen: Sogar ich stelle sie mir manchmal, insbesondere wenn mir Menschen mit einer mir noch recht unbekannten Behinderung gegenüberstehen – zum Beispiel Blinde oder Menschen mit einer starken Sprachbehinderung. Nun, da muss man einfach durch. Handle so wie immer und strecke selbstbewusst deine Hand hin. Es ist in der Verantwortung des Menschen mit Behinderung, dir zu sagen, wenn du etwas anders machen sollst. Du kannst schließlich nicht alles wissen.

Dürfen Rollstuhlfahrer Alkohol trinken und dann auch noch fahren?
Na klar ..! Es gibt kein Gesetz, das offiziell das Trinken am „Rollstuhl-Steuer“ verbietet. Was du dabei beachten solltest? Pass auf deine Füße auf. Es kann nämlich sein, dass der/die RollstuhlfahrerIn dir aus Versehen im Suff drüberfährt. Aber wenn ihr gemeinsam einen Schnaps trinkt, dann lässt sich der Schmerz schnell vergessen. Prost!

Muss ich immer helfen / nett sein?
Möchtest du nett sein und helfen? Wenn deine Antwort „Ja.“ lautet, dann folge bitte auch weiterhin deinen Ansprüchen und Werten – die gute Erziehung deiner Eltern soll nicht umsonst gewesen sein. Lass dich nicht verunsichern, wenn irgendjemand deine Hilfe unhöflich abwehrt. Es ist nicht dein Problem, du bist lediglich deinem Instinkt gefolgt. Das Gleiche gilt, wenn deine Antwort „Nein.“ lautet. Wenn du siehst, dass der/die RollstuhlfahrerIn offensichtlich Hilfe braucht – bleib sitzen, tu so, als hättest du es nicht gesehen. Weil du es bei allen anderen Menschen auch so gemacht hättest. Wenn Inklusion, dann richtig! Oder?

Warum kenne ich keine Menschen mit Behinderung?
Tja … gute Frage! Es muss nicht zwingend deine alleinige Schuld sein. Vielleicht wohnst du in einer sehr stufenreichen Gegend oder die Orte, die du besuchst, sind im Keller? Vielleicht hattest du bisher aber auch einfach nicht die Gelegenheit, mit einem Menschen mit Behinderung zu sprechen oder hast sogar doofe Erfahrungen gemacht, als du in Kontakt treten wolltest? Es ist nicht wichtig, was bisher der Grund dafür war. Wichtig ist, dass es sich ab sofort ändert – wenn du es möchtest.

Was hab’ ich von der Inklusion?
Die Krux liegt darin, dass es gerade in Mode ist zu denken, die Inklusion sei etwas, das nur Menschen mit Behinderung betrifft. Stimmt aber gar nicht!
Inklusion betrifft alle – wirklich A L L E! Alte, Junge, Männer, Frauen, Dicke und Dünne, Schlaue und nicht so Schlaue, Weiße, Schwarze, Kleine und Große … und, na ja, eben auch die Menschen mit einer Behinderung. Findest du dich in einem der oben erwähnten Worte wieder?
Das hast du von der Inklusion!

Wie leben Menschen mit Behinderung? Wie kann ich mir das vorstellen?
In erster Linie sind Menschen mit Behinderung einfach nur „Menschen“, und Menschen sind sehr vielfältig. Sie hören unterschiedliche Musik, mögen unterschiedliches Essen, und sie leben sehr verschieden. Deren Jobs sind unterschiedlich, manche arbeiten gar nicht. Viele wohnen sehr selbstständig und selbstbewusst, einige trauen sich nicht in das echte Leben hinein. Einige sind eher impulsiv und laut, manche schüchtern und introvertiert. Nichts von deren Eigenschaften hat mit der Behinderung zu tun. Menschen halt – und Menschen sind manchmal auch seltsam.
Auf diese Frage gibt es leider nicht DIE Antwort. Weil es nicht DEN Menschen mit Behinderung gibt. Sorry.

Bin ich vielleicht auch behindert?
Ja, vielleicht.

Was mache ich, wenn ich mich in eine/n behinderte/n Mann / Frau verliebe?
Was gibt es Schöneres, als die Schmetterlinge im Bauch zu spüren, der erste Kuss, das Warten auf ein Wiedersehen ..? Hey, go for it! Und scheiß’ drauf, was andere sagen oder denken könnten!

Immer diese Political Correctness … nervt! Was darf man sagen, was nicht?
Ja, das kann ich verstehen. Mich nervt es auch ständig, aufpassen zu müssen, was und wie man denn nun sagen darf. Es gibt ein paar Regeln, die stehen auch im Knigge, wie man mit Menschen umgehen sollte; bleib einfach höflich, nett, und entspannt. Denk nicht zuuu viel nach beim Reden, es bremst nämlich den Redefluss. Sei du, sei durchschnittlich nett, und dann passt es schon!

/ Text: Anastasia Umrik

/ Foto: Philipp Jung

 


Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zur ersten Ausgabe aus Juni 2017.

Leben mit Assistenz: „Ich kann fast nichts allein“

Ein Leben ohne fremde Hilfe ist nicht möglich. Unsere Autorin Anastasia Umrik kennt das nicht anders. Und ist darum heute Arbeitgeberin: Mehr als 40 Frauen haben sie in den letzten zehn Jahren begleitet. Ab 1. Februar ist wieder eine Stelle frei.

Keine 08/15 Sache

Kurz vor meinem 21. Geburtstag, kurz vor dem Ende meiner Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau: Seit zwei Minuten fühle ich mich sehr erwachsen: Soeben bin ich in meine erste eigene Wohnung gezogen. YEAH! Der Hunger meldet sich und ich überlege kurz, wie noch mal die fremde Person in meiner Wohnung heißt. „Lisa?“, rufe ich den Namen meiner neuen Assistentin noch etwas unsicher. „Kannst du mir bitte die Pizza in den Ofen schieben?“ Ich kann das nämlich nicht allein. Ich kann fast nichts allein.

Zehn Jahre später: „Was ist gelb und weht im Wind?“, fragt die junge Frau, die bei mir als Assistentin arbeitet, und macht gerade den Wasserkocher an. „Weiß nicht …“, sage ich und grinse, ahnend dass es einer dieser Witze ist, bei dem man Augen rollend schmunzelt. „Eine Fahnaneee!!!“, sagt sie und lacht laut auf. Wir haben den gleichen Sinn für doofe Witze, uns beiden stehen Lachtränen in den Augen. Es klingelt an der Tür, der Postbote wahrscheinlich. Mein lautloses Handy blinkt ununterbrochen, der Wasserkocher ist fertig, die Musik dudelt im Wohnzimmer, ich erinnere mich an meine To-do-Liste … Der neue Tag hat begonnen, der Alltag hat mich wieder. Ich bewege mich Richtung Wohnzimmer und schließe die Tür – und erkläre meiner Assistentin nicht warum, was bei mir heute alles auf dem Zettel steht, und warum ich unsere morgendliche Unterhaltung so abrupt unterbrechen musste. Das muss sie nicht wissen, ich rufe sie, wenn ich ihre Hilfe benötige.

Keine 08/15-Managerin

In den zehn Jahren, in denen ich allein wohne, haben mich über vierzig verschiedene Frauen im Alltag unterstützt. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufsbranchen: Studentinnen, Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Mütter. Sie sind mutig und wollen etwas Neues ausprobieren, sie suchen nach Sicherheit und gleichzeitig Flexibilität – beides kann ich ihnen bieten – und sind körperlich in der Lage, meine muskelschwachen Arme durch ihre zu ergänzen. Alle mich betreffenden Entscheidungen fälle ich selbst: Wie möchte ich meinen Tag gestalten? Wo? Mit wem? Was ist mir dabei wichtig? Lediglich das Warum erkläre ich selten. Hier habe ich für mich meine persönliche Grenze beschlossen.

Jede vermeintliche Kleinigkeit muss ich kommunizieren und sehr transparent mit meinen Bedürfnissen und Emotionen sein. Aus welchem Glas ich trinken und welchen Kugelschreiber in der Hand halten möchte. Wie das Essen gewürzt sein soll und ob die Kerzen auf dem Tisch angezündet werden sollen. Ich formuliere, wie ich die Wäsche gewaschen haben möchte, und sage sehr genau, auf welche Art und Weise die Fenster geputzt werden sollen. Durch die klare Kommunikation habe ich zu vielen Sachen auch eine klare Meinung, die musste ich mir allerdings einst erst bilden. Auch über meine emotionale Verfassung spreche ich meistens sehr offen, um keine Missverständnisse entstehen zu lassen: „Ich möchte heute lieber allein sein, eine geschlossene Tür wäre mir lieb.“

Professionalität, Grenzen und gleichzeitig herzliche Offenheit war für mich von Anfang an ein großes Thema. Wie nah darf oder möchte ich meine Assistentinnen an mich heranlassen und wie viel möchte ich aus deren Leben überhaupt wissen? Ich mag alle Menschen, die ich meine Wohnung betreten lasse, und ich verquatsche mich unheimlich gern mit ihnen. Meine Assistentinnen sind eine Inspirationsquelle für mich. Durch die unterschiedlichsten Lebensweisen und Altersklassen nehme ich sehr viel mit, erfahre über neue Welten und habe dann das Gefühl, selbst ein Stück von ihrem Alltag gelebt zu haben. Bei all dem großartigen Austausch darf ich nicht vergessen, dass mein eigenes Leben, gefüllt mit vielen tollen Freunden, einem sehr spannenden Beruf und einer viel zu kurz kommenden Freizeit, weiterhin gelebt und erfahren werden will.

Das Leben mit Assistenz gleicht einer Unternehmensführung. Und zum Chefsein gehören klare Kommunikation und Grenzen, aber auch das Können, den Mitarbeiter*innen zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Ach, und die Einsatzpläne wollen erstellt, die Abrechnungen gemacht und das Geld überwiesen werden.

Das Modell der persönlichen Assistenz ist für mich die größte Freiheit, die ich mir jemals hätte erträumen können. Ich reise, ich gehe aus, ich arbeite, ich treffe Freunde, ich führe meinen Haushalt und kann meine ganz persönlichen Gewohnheiten ausleben. Mir begegnen hier Menschen, die hätte ich in einem Leben ohne Assistenz niemals getroffen, nie hätte ich diese Dinge gelernt und erfahren, die ich hier – einfach so – hören darf.

Kein 08/15-Job

Wie jeder Job hat auch dieser Vor- und Nachteile. Das Besondere bei diesem Job ist die Gelegenheit, etwas Sinnvolles für Geld zu tun, einen Einblick in ein neues Lebenskonzept zu bekommen und durch die finanzielle Sicherheit mehr Zeit für die Verwirklichung der eigenen Projekte zu haben. Hier lernen alle Beteiligten in erster Linie etwas über sich und ihre Grenzen, aber auch über die Kommunikation und die 1:1-Zusammenarbeit.
Für mich arbeiten immer fünf bis sieben Assistentinnen gleichzeitig in wechselnden Schichten. Eine normale Schicht beginnt gegen Mittag und dauert in der Regel 24 Stunden. Die Aufgabe der Assistenz: Sie muss in dieser Zeit mein verlängerter Arm sein. Es ist nicht leicht, denn es erfordert ein Höchstmaß an emotionaler Flexibilität. Ob ich zu Hause bleibe oder viel auf dem Programm steht, bei guter oder schlechter Laune, unabhängig vom Wetter und eigenen Bedürfnissen: Bestimmte Dinge müssen gemacht werden. Die aktive Teilnahme an Diskussionen oder Events ist für die Assistentin nicht möglich, denn sie ist lediglich ein Schatten, der immer in die Sichtbarkeit rückt, wenn er gebraucht wird.

Als ich Ewgenia frage, was ihr die Arbeit mit mir bedeutet, überlegt sie nicht lang: „Für mich liegt die Herausforderung dieser Arbeit darin, mich, meine Befindlichkeiten, Meinungen, und Vorstellungen selbst zurückzustellen und dabei trotzdem authentisch zu bleiben. Und das ist gleichzeitig auch das Schönste – nicht die hohe Sicherheit der Anstellung, die hohe Flexibilität und genug Zeit für Eigenes, sondern genau diese Balance, die es erlaubt, dass zwischen uns eine besondere Kommunikation entsteht. Sie gibt mir das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein und wirklich zu helfen.“ Seit fast drei Jahren ist sie nun schon bei mir. Ob wir Freundinnen seien, werde ich oft gefragt. Darüber müssen wir beide immer schmunzeln, weil wir inzwischen ein gutes Team miteinander sind, viele Dinge funktionieren wortlos über Augenkontakt, sodass wir synchron nebeneinander wirken.

Ich lehne das Prinzip „Freundschaft“ nicht partout ab. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man sich mag, wenn man über die gleichen Dinge lacht und ähnliche politische Ansichten hat. Auch der ähnliche Stil ist nicht unwichtig, schließlich begleiten mich die Assistentinnen den ganzen Tag. Dennoch darf die Freundschaft nicht die Priorität sein, wenn man den Arbeitsvertrag unterschreibt. Es ist in erster Linie ein Arbeitsverhältnis, das Ziel ist klar: Die Absicherung unserer beider Leben. Es ist wie mit der Liebe: Es ist wie es ist, manchmal entstehen Dinge und Gefühle, dagegen sollte man sich nicht sträuben, finde ich.

Ab 1. Februar ist wieder eine Stelle frei. Bewerbungen an info@anastasia-umrik.de

Text: Anastasia Umrik / Foto: Philipp Jung

 


Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zum PDF der aktuellen Ausgabe.

Hamburgerin des Monats: Hannah und der Schwer-in-Ordnung-Ausweis

Hannahs Gegenentwurf zum Schwerbehindertenausweis ist ein viraler Hit im Netz. Als sie und ihre Eltern die Chance erkennen und anderen mit dieser Botschaft helfen, wird aus der Idee der 14-Jährigen eine Tatsache. Die Hamburger Sozialbehörde will den „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ jetzt offiziell ausstellen. Nicht als Ersatz. Aber als Zeichen. Ein Gespräch mit der Urheberin und ihren Eltern

„Alle sind besonders…“

SZENE HAMBURG: Hannah, du hast einen Schwerbehindertenausweis bekommen. Dann hast du dir einen „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ gemacht, weil du dachtest, der andere passt gar nicht zu dir. Warum?
Hannah Kiesbye: Na ja, weil eben alle schwer in Ordnung sind. Egal, was für Besonderheiten sie haben.

Du bist also mit 14 Jahren bereits eine „Ausweiserfinderin“ – weißt du schon, was du später machen möchtest?
Hannah: Ich bin noch am Überlegen. Ich hab schon viele Ideen, was ich mal werden könnte. Zum Beispiel Lehrer oder Arzt oder Friseur oder so. Oder vielleicht sogar Bäcker … dann muss ich zwar früh aufstehen, aber das stört mich nicht.

Vielleicht hast du ja ein Hobby, das du irgendwann mal gern den ganzen Tag machen würdest?
Hannah: Mein größtes Hobby ist Zirkus. Da mach ich Springseil und
Diabolo. Mit den zwei Stäben und in der Mitte das Diabolo, das wirft man dann hoch. Und mit Pois mache ich auch viel, das sind so Teile mit Tüchern dran, die man sich um die Hand legt und dann umherschwingt und Tricks macht.

„…normal ist man deswegen trotzdem“

Du hast also ganz schön viele Ideen und lässt dich auch gar nicht einschränken. Du weißt, was du willst. Welchen Tipp würdest du Menschen geben, die andere Menschen ausgrenzen, nur, weil diese anders sind?
Hannah: Meine Eltern und ich haben neulich einen Film geguckt, der heißt „ein Tick anders“. Das Mädchen, das diese Ticks hat, heißt Eva und jedes Mal, wenn sie aufgeregt ist oder sauer oder traurig oder nicht weiterweiß, dann spricht sie Wörter aus, die gar nicht zu dem Satz passen. Wie „Überfall“ oder so. Das ist ihre Besonderheit.

Inge Kiesbye, Hannahs Mutter: Ich hätte vielleicht noch ein Beispiel. Wenn ein Mädchen aus eurer Mädchengruppe geärgert wird, weil es anders ist als andere. Zum Beispiel, weil es immer Fragen stellt und dann kommt jemand, der sagt: „Oh, du nervst mit deinen Fragen“. Was würdest du zu der Person sagen?

Hannah: Ich würde sagen: Hey, hör mal auf, die zu ärgern. Die ist doch auch normal, es gibt doch eigentlich keinen Grund, die so zu belästigen. Und jetzt hör mal bitte auf damit. Oder wenn jetzt jemand diese Eva aus dem Film ärgern sollte, dann würd ich sagen: Hey, die Eva ist doch auch normal, auch wenn sie vielleicht ein bisschen irritiert – kann ja sein – aber normal ist man deswegen ja trotzdem.

Ich finde das Wort „normal“ ganz schön schwierig. Aber vielleicht hast du ja eine Idee, was normal ist …
Hannah: Mmmh … das fällt mir grad auch nicht ein …

Hast du schon mal mit jemandem darüber gesprochen, was normal ist und was nicht?
Hannah: Nicht so ausführlich.

Kai Bruhn, Hannahs Vater: Wir sprechen viel über Besonderheiten. Das ist ein Begriff, der interessanter ist als „normal“.

Hannah: Ja, zum Beispiel meine Freundin L. Die kann nicht immer vollständige Sätze machen. Wenn sie erzählt, was sie erlebt hat, dann sagt sie eher so einzelne Wörter.

Verstehst du sie trotzdem?
Hannah: L. kenn ich ganz gut und darum habe ich mich auch schon daran gewöhnt. Eine andere Klassenkameradin zum Beispiel macht oft laute Schluckgeräusche, wenn es ganz ruhig in der Klasse ist.

Inge: Und was ist deine Besonderheit? Hast du eine?

Hannah: Soll ich einfach mal den Namen dieser Besonderheit nennen? Trisomie 21.

Du bist in einer Mädchengruppe, in der alle eine Besonderheit haben – kommen da auch mal neue Mädchen dazu, oder ist die immer schon gewesen, wie sie jetzt ist?

Hannah: Die war von Anfang an so. Ich kannte meine Freundinnen aus der Gruppe schon vorher. Die sind auch auf meiner Schule. Aber S. und A. hab ich in der Gruppe neu kennengelernt.

„Das war schon ungewohnt und ein bisschen schwierig“

Musstest du dich an die Besonderheiten von den beiden erst gewöhnen?
Hannah: Da kann ich mich nicht mehr so richtig dran erinnern …

Inge: Die Gruppe gibt es jetzt auch schon drei Jahre. Aber wenn zum Beispiel jemand neu zum Zirkus dazukommt, wie zum Beispiel A., wie ist das für dich?

Hannah: Sie hat die Besonderheit, dass sie immer ganz offen auf andere zugeht. Wie bei mir. Direkt: „Moin, hallo, ich bin A.“ Das war schon ungewohnt und ein bisschen schwierig.

Du hast jetzt viele interessante Sachen über deine Hobbys erzählt. Magst du uns noch etwas über deine Schule erzählen?
Hannah: Ich geh auf die Schülerschule in Pinneberg. Da mag ich am liebsten die Fächer Mathe und Lebenspraktisches Projekt. Da lernt man was Praktisches für seinen Alltag später. Zum Beispiel kochen, auf den Markt gehen, bügeln und so.

Was macht dir daran so viel Spaß?
Hannah: Die Lehrerin, die das leitet, die mag ich gerne. Und die Kinder, die da mitmachen, sind meine Freunde.

Fast geschafft, Hannah. Eine letzte Frage: Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Hannah: Meine Hobbys sind Zirkus, die Mädchengruppe und reiten. An mir mag ich mein Lächeln, meine Klamotten und dass ich ’ne Brille aufhabe. Und wenn ich mein Kleid angezogen habe, finde ich auch, dass ich schick aussehe.

Interview: Jenny Wirschky / Foto: Jakob Börner

 


Mehr Geschichten rund um das Thema Inklusion gibt es in unserem Special „Vielfalt leben“, das zusammen mit der Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erschienen ist. Hier geht’s zum PDF der ersten Ausgabe aus Juni 2017.

Zeit für Inklusion

Zeit für Inklusion: Am Rathaus weht die Inklusionsfahne, vier Wochen lang stehen Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt.

Hamburg ist inklusiv! Oder zumindest auf dem besten Weg dorthin. Seit die UN die Behindertenrechtskonvention 2006 auf den Weg gebracht hat, spielt das Thema eine immer größere Rolle in der Stadt. In Hamburg engagieren sich vor allem die Senatskoordinatorin Ingrid Körner und das Inklusionsbüro für ein gleichberechtigtes Miteinander aller Menschen. Doch obwohl die Gleichberechtigung bereits im Grundgesetz verankert ist, ist sie noch längst nicht Alltag. Vorurteile, Unsicherheiten, Unkenntnis, Ignoranz – es gibt viele Gründe, die ein gemeinschaftliches Miteinander immer noch erschweren.

Mit dem Hissen der Inklusionsfahne am Rathaus haben Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, und Ingrid Körner, Senatskoordinatorin für die Gleichstellung behinderter Menschen, die Veranstaltungsreihe „Zeit für Inklusion“ eröffnet

Darum ist es „Zeit für Inklusion“: „Es ist wichtig, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Thema Inklusion zu schärfen. Nach wie vor sehen wir an vielen Orten in der Stadt, dass noch viel zu tun ist etwa in Sachen Barrierefreiheit. Denn ohne sie ist Inklusion und Teilhabe für behinderte Menschen nicht möglich“, sagte denn auch Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit, als sie am  1. November zusammen mit Senatskoordinatorin Ingrid Körner am Hamburger Rathaus die Inklusionsfahne hisste. Am 13. November beginnt  offiziell die „Woche der Inklusion“. Bis zum 4. Dezember 2017 bieten  im gesamten Stadtgebiet Sportvereine, Kultureinrichtungen, Stiftungen, Bücherhallen und Bürgervereine weit mehr als 100 unterschiedliche Veranstaltungen für Menschen mit Behinderungen an. Auch wir sind dabei: In unserer Dezember-Ausgabe der SZENE HAMBURG erscheint unser zweites Inklusions-Special.

Tipp: Der NDR sendet am 14. November 2017  im Radio (NDR 90,3) und im Fernsehen (Hamburg Journal) einen „Thementag Inklusion“.

Den Abschluss bildet die Auszeichnung „Wegbereiter der Inklusion“ im Rathaus am 4. Dezember durch Senatskoordinatorin Körner. Gewürdigt werden Projekte, Personen oder Initiativen, die sich auf den Weg gemacht haben, ihre Angebote inklusiv zu gestalten. „Mit der ‚Zeit für Inklusion‘ möchten wir auf die große Bedeutung dieses Themas für Menschen mit Behinderung aber auch für unsere gesamte Gesellschaft hinweisen. Ich freue mich, dass sich so viele Menschen in Hamburg mit Aktivitäten und Aktionen daran beteiligen“, so Senatskoordinatorin Körner.

Alle Angebote sind in einer Broschüre zusammengefasst und online erhältlich unter www.hamburg.de/inklusion

/ ILO / FOTOS: JAKOB BÖRNER


 Die erste Inklusionsbeilage ist erschienen im Juni 2017 – mit viel Herzblut eines großartigen inklusiven Teams. Doch trotzdem sind wir längst nicht Weltmeister in dem Thema. So kapitulierten wir zum Beispiel an der Erstellung einer wirklich barrierefreien Ausgabe. Denn das würde bedeuten, dass dieses Magazin auch für Sehbehinderte problemlos zu lesen ist (große Schrift, wenig Text – siehe Beispiel Seite 16) und auch gleichzeitig noch in einfacher Sprache erscheint. Wir haben uns in diesem Fall dagegen entschieden. Denn vor allem wollen wir mit diesen Specials vor allem eines: Das Thema in der Welt der Menschen ohne Behinderung platzieren, sensibilisieren, Ängste nehmen, aufklären, denn so fängt Inklusion bereits an. Wichtig auch: Fragen stellen, sich trauen. Und verstehen: Wir sind alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierungen oder Behinderungen!