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Neues Pfandsystem – Baumrettung to go

Recup ist der neue Pfandbecher für Coffee-to-go. In fast 20 Cafés ist es möglich, der Koffeinsucht in Einklang mit Mutter Erde zu frönen.

Bäume zu retten, ist zeitaufwendig – wer hat heutzutage schon die Muße, sich jahrelang an einem Baumhaus festzuketten? Außerdem gibt’s da nicht mal Kaffee! Recup hat die alltagstaugliche Lösung für ökologisches Engagement: Ein Pfandsystem für To-go-Becher. Recup löst die „Refill it!“-Becher ab, die 2016 von der sozial engagierten Kaffeerösterei El Rojito in die Hamburger Cafés gebracht wurden. Denn zwei Pfandsysteme gleichzeitig, das führt zu nichts. Und auf Dauer kann die kleine Kaffeerösterei das große Aufkommen nicht bewältigen. „Wir überlassen Recup das Feld“, sagt Roman Witt von El Rojito. Das Start-up Recup ist bereits in 23 deutschen Städten mit seinem Pfandsystem am Start. Einen Euro Pfand kostet ein Becher, der in allen teilnehmenden Läden zurückgegeben werden kann. Unter den Teilnehmern sind bereits das Café Koppel in St. Georg, die Biokonditorei Eichel in der Osterstraße und viele andere.

Etwa 43.000 Bäume gehen drauf, um zu den etwa 2,8 Mrd. To-go-Bechern verarbeitet zu werden, die in Deutschland jährlich befüllt werden. Ihre Pappe ist von einer feinen Kunststoffhülle überzogen, die das Recycling unmöglich macht. Im besten Fall überfüllen die Pappbecher die Mülleimer in den Innenstädten – manche landen auch auf Grünflächen oder in den Bahnen. Die Städte, die dafür zuständig sind, die Abfälle zu entsorgen, sind von dem Problem zunehmend belastet. „Es ist wichtig, dass sich jeder Kaffeetrinker und -anbieter fragt, was die Müllproblematik für ihn bedeutet“, sagt Johanna Perret, die bei Recup für Design und Kommunikation zuständig ist. Allerdings stellt sie auch klar: „Coffee to go ist ein Lebensgefühl, das wir nicht negativ behaften wollen.“ Roman Witt von El Rojito sieht eher die Stadt Hamburg in der Verantwortung: „Ich würde mir wünschen, dass die Stadt ein Zeichen setzt und Betriebe unterstützt.“ Bis dahin heißt es wohl: Immer schön Recup trinken oder den Kaffee ganz entspannt im Sitzen genießen!

Text: Sabrina Pohlmann

www.recup.de


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Karo Beach – Der Sommer wird öko

Deutschlands erster Zero Waste Beach Club, das Karo Beach, haucht einer langweiligen Asphaltfläche Stadtleben ein.

Zigarettenkippen, Plastikflaschen und Einweggrills im Sand, überquellende Mülleimer… Am Elbstrand vielleicht, aber nicht im Karo Beach! Auf der Freifläche vor der Rindermarkthalle eröffnen die Betreiber der zwei unverpackt-Läden „Stückgut“ einen Strandclub, in dem (fast) kein Müll produziert wird. Er ist der erste seiner Art in Deutschland. 

Der nachhaltige Dorfplatz

Die „Betonwüste“ vor der Rindermarkthalle soll zum urbanen Dorfplatz werden. Den Gründerinnen und Gründern schwebt ein ökologisches Idyll inmitten des Partytrubels vor; eine Großstadtoase, an der die Besucher rasten, ihre Füße hochlegen und klönen können. Eltern, die fair gehandelten Eiskaffee aus pflanzlichen Stroh-Halmen schlürfen, die Kinder backen den köstlichen Kuchen mit Sand aus der Region, Anzugträger und Studenten spielen nach Feierabend eine Partie Volleyball im Sonnenuntergang. Wenn die hamburgische Sommerluft bei Einbruch der Dunkelheit empfindlich frisch wird (also an den meisten Abenden), wärmt man sich am Lagerfeuer. Denn im Karo Beach wird es keine Heizpilze geben, die extrem viel CO2 abgeben. Ein Feuer zu machen, ist nicht nur gemütlich, sondern auch deutlich nachhaltiger.

Details machen den Unterschied: Hier gibt es keine To go-Becher, Plastik-Strohhalme oder Einwegflaschen. Die Gäste essen Gerichte aus den Läden in der Rindermarkthalle, die so regional wie möglich sind. Zero Waste, also wirklich gar kein Müll, ist das hehre Ideal, das die Richtung vorgibt. Zumindest gibt es weder Einweggeschirr noch Plastiktüten. Doch an jeder Lieferkette kommt irgendwann der Punkt, der sich nicht mehr beeinflussen lässt. Für das Karo Eck sind das die Kooperationspartner: „Wenn jemand in der Rindermarkthalle bestellt, um das nach draußen zu bekommen und ein Gastwirt eine Stück Fleisch aus einer Plastikhülle nimmt, können wir das nicht kontrollieren“, so Betreiber Dominik Lorenzen.

„eine Plattform für das Thema Zero Waste“

Die Betreiber vertreten aber ohnehin keine dogmatische „ganz oder gar nicht“-Einstellung. Stattdessen wollen sie es sich und ihren Gästen gut gehen lassen. „Müllvermeidung hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit Spaß und der Bejahung von Leben“, sagt Mitgründerin Insa Dehne. Der Club will allen Interessierten Tipps für einen müllfreien Lebensstil geben und eine Plattform für das Thema sein ein. „Denkbar sind Sessions und vielleicht Mini-Kongresse zu Müllvermeidung.“, so Lorenzen. Das Karo Beach ist also nicht nur ein Club, sondern auch ein Versuchslabor für kreative Ideen im Bereich Müllvermeidung. Ideenklau ist erwünscht: Sie wollen eine Zero Waste Bewegung in der ganzen Hamburger Gastronomie. Der erste Schritt ist gemacht und das Karo Beach eröffnet.

Karo Beach, Neuer Kamp 31, (St.Pauli), ab 9.5.18, täglich 10–22 Uhr; www.karo-beach.de

Text: Sabrina Pohlmann


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!