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#7 Kellerkneipe: Herr Buhbe

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. Nummer 7: Herr Buhbe.

Wir ziehen den Bauch ein, stellen uns auf die Zehenspitzen und machen uns so dünn wie möglich, damit wir durch den Türspalt im vollgestellten Hinterzimmer passen. Von hier aus führt uns Chefin Tina Popovic eine schmale Treppe hinunter in die Katakomben des Herr Buhbe. Vor uns liegt ein langer Laubengang. Rechts reiht sich eine Nische an die nächste, links gelangt man in einen großzügigen Kellerraum. Anfang des 20. Jahrhunderts lagerte der Gastronom und Winzer Eduard Buhbe hier unten seine Weinfässer. In den 00er Jahren fanden in dem Haus, dessen Eigentümerin die SAGA ist, geheime Sadomaso-Partys statt.

Tina Popovic, die mit ihrer Mutter Dubravka Popovic seit 2007 das Thämers ein Stockwerk höher und seit 2012 das Herr Buhbe betreibt, erinnert sich noch an einschlägig gekleidete Gäste, die manchmal vor der Tür Schlange standen, als Herr Buhbe noch SittsaM hieß. Erst seit 2012 geht es hier tatsächlich sittsam zu.

Die Frauen Popovic haben einen charmanten Umgang mit den Fußstapfen ihrer Vorgänger gefunden. Die holzvertäfelten Wände, das alte Mobiliar, Weinflaschen aus den 70er Jahren mit vergilbten Etiketten. Herr Buhbe ist mehr Restaurant als Kneipe. Man kann hier gut Bratkartoffeln oder Burger essen, aber mindestens genauso gut am Abend einen Gin Tonic trinken. Wirklich besonders ist die familiäre Stimmung, die das Lokal verbreitet. Herr Buhbe und das Thämers sind heute sowas wie die Seele der Neustadt. Nur wer die Augen offen hält, findet hier und da einen Hinweis auf vergangene Tage.

Kneipengründungsjahr: 1898 Weinstube Buhbe, seit 2012 Herr Buhbe
Fassbiere: Ratsherrn Pils, Zwickel, Rotbier, Pale Ale, Augustiner
Musikstil: Chansons, Indie, Pop, Hauptsache modern
Rauchen: Im Raucherraum oder vor der Tür
Besonderheit: Katakomben & Tradition (Eduard Buhbe & Söhne)

Text: Alessa Pieroth

Foto: Michael Kohls

Herr Buhbe: Wexstraße 42 (Neustadt), Tel 34 66 89, Mo-Fr 12–15 und 18–24; Sa 18–24 Uhr, Küche bis 23 Uhr; www.thaemers.de

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#6 Kellerkneipe: Nowa Huta

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #6 Nowa Huta.

Nowa Huta ist ein Stadtteil Krakaus, der dem Muster einer Planstadt folgend in Form eines halben Achtecks mit zentralem Platz angelegt wurde. Der zentrale Platz der Nowa Huta in Eimsbüttel ist selbstverständlich die Bar, die neben den typisch polnischen Spirituosen so besondere Schätze wie selbst gemachte Sirups (Sanddorn, Quitte, Cassis, Petersilie), Birkenschnaps und Moosbeersaft bereithält. Daraus werden fantasievoll klingende Drinks à la Rosa Albrecht, das letzte Einhorn und – als zeitgenössisches Special – Covfefe Royal (Gin Tonic mit Moosbeersaft) kreiert.

Wer sich einmal entschieden hat, kann sein Getränk direkt am Tresen, in kleinen gemütlichen Sitznischen oder im Sommer auch draußen auf dem großzügigen und mit bunten Lichterketten dekorierten Vorplatz einnehmen und den Klängen wechselnder DJs lauschen. Die Zeiten, in denen in der Huta Klassiker der polnischen Küche wie Borschtsch, Soljanka oder Bigos angeboten wurden, sind zwar vorbei, aber so ein Cocktail mit Dill und Gurke ist ja auch ’ne halbe Mahlzeit. Na zdrowie!

Kneipengründungsjahr: 2011
Fassbiere: Pilsener Urquell
Musikstil: Je nach Barkeeper oder DJ, meist HipHop, Soul oder Elektro
Rauchen: Nein
Besonderheit: Selbst gemachte Sirups und polnische Spirituosen-Spezialitäten

Text: Julia Kleinwächter 

Foto: Michael Kohls

Lindenallee 37 (Eimsbüttel), Mi-Sa 19–3 Uhr; www.facebook.com/HutaNowa

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


#5 Kellerkneipe: Mutter

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #5 Mutter.

Meine Mutter. Immer da, wenn man sie braucht. Umgibt einen mit ihrer Wärme. Hat ein Ohr. Stellt ein kühles Pilsner Urquell auf den Tisch und fragt, wie’s so läuft. Immer freundlich, nie aufdringlich. Aber besonders gastfreundlich: Die Bude ist immer voll. Nachbarn aus der Schanze, Musiker, Medienmacher, Bohemiens, manchmal auch Touristen. Das Szene-Volk, jung und alt, fühlt sich hier im Souterrain zu Hause. Ja, auf die Mutter ist Verlass. Öffnet abends um 20 Uhr. Schließt nie vor 4 Uhr morgens. „Und wenn wir hier nur einen Gast haben, die Mutter bleibt offen“, sagt Knut und zieht genüsslich an der Zigarette. Vor 19 Jahren hat er die Bar zusammen mit Eike, dem auch das Kitty und der Salon Stoer gehören, gegründet. Ihr Erfolgsrezept: Sein und sein lassen.

Was die Mutter nicht ist: ein Baggerschuppen. „#Metoo, so was gibt’s hier nicht“, sagt der 51-Jährige. „Frauen wissen, dass sie hier ihre Ruhe haben.“ Die finden sie in einer der vielen Ecken, denn die Mutter ist geschnitten wie alle Wohnungen in dem Haus: viele kleine Räume und ein langer Flur. Die begehrtesten Plätze sind die am Tresen. Mit Blick auf die Straße und nah am Zapfhahn. Das Glas in der einen Hand, den Kopf in der anderen, lässt sich hier die Zeit verquatschen. Der Job, die Liebe, das Leben. Und plötzlich ist es wieder morgen. Nur am Sonntag, da müssen wir leider woanders hin. 

Kneipengründungsjahr: 1998
Fassbiere: Jever
Musikstil: Wer hinterm Tresen steht, entscheidet, was läuft. „Zum Glück mag niemand von uns Schlager.“
Rauchen: Ja
Besonderheit: Zuverlässig bis 4 Uhr morgens geöffnet, „auch wenn wir hier allein sitzen“.

Text: Ilona Lütje

Foto: Michael Kohls

Stresemannstraße 11 (Sternschanze), Mo-Sa 20–4 Uhr; www.facebook.com/MutterHH

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!


#4 Kellerkneipe: Menschenzoo

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #4 Menschenzoo.

Als ich vor vier Jahren nach Hamburg kam, war der „Menschenzoo“ eine der ersten Kneipen, die ich betrat und quasi mein erster Kontakt mit St. Pauli. Gut, damals hieß es noch Skorbut, wenn ich mich recht entsinne. Aber egal, wie der Schuppen heißt, sein Charakter (Charme klingt hier zu weichgespült) blieb mir in Erinnerung. Niedrige Decke, warm, laut, zwanglos, mit gemütlichen Ecken und gefestigten Menschen.

Ja, die Leute hier haben alle eine Richtung eingeschlagen, ziehen am selben Strang und rasten zur gleichen Musik aus. Sie verbinden gleiche Werte und ein Scheißsystem, wogegen es anzustänkern gilt. Ich fühle mich hier pudelwohl. Zum Lachen geh ich gern in den Keller. Denn der Menschenzoo hier drinnen ist mir viel lieber als so mancher Affe da draußen.

Kneipengründungsjahr: 2015. Der Keller in der Hopfenstraße 34 hat schon viel gesehen und gehört. In den 90ern war hier das Tiefenrausch – ein „flauschiger Technokeller“, wie Besitzer Dominik sagt. Es folgten unter anderem das Skorbut und der Kraken. Seit zehn Jahren steht der Laden für Punkrock
Fassbiere: Keine
Musikstil: Punkrock, Hardcore, Ska-Punk, Irish Folk-Punk
Rauchen: Ja
Besonderheit: Zugetaggt bis unter die Decke, ein Flipper (Attack from Mars), ein Kicker, veganer White Russian (6 Euro), Donnerstags gibt es entweder einen DJ auf die Ohren oder „Zoff im Zoo“ – die streiterprobte Podiumsdiskussion über Themen aus Politik und Musik

Text: Christiane Mehlig

Foto: Michael Kohls

Hopfenstraße 34 (St.Pauli), Di-Do 21–2, Fr-Sa 21–4 Uhr; www.menschenzoo.com


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#3 Kellerkneipe: meine kleinraumdisko

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #3 Kleinraumdisko.

Auf die Frage, ob es in Hamburg die perfekte Bar gibt, kann ich nur heftig mit dem Kopf nicken. Die Kleinraumdisko – meine Rettungsinsel vom Massentourismus in der Schanze. Nur ein paar Stufen von der Feldstraße abwärts, stolpert man durch die Tür, direkt an den Tresen. Und sofort, eingelullt in rotes Licht und Kerzenschein, setzt der Entspannungsprozess ein. Charmant- gemütlich sind die vielen Sitzecken mit lässigen Ledersofas und Cocktailtischen unter stilvollen Hängelampen, alles Originale aus den 70er Jahren. On top: die außergewöhnliche und gute Musik. „Subkulturell geprägte Untergrund- musik“, wie der Betreiber Jörn sie nennt, Stichwort: Nick Cave.

Wenn er hinter dem Tresen steht, braucht es Glück oder Geduld, um einen der wenigen Thekenplätze zu erwischen. Doch es lohnt sich, denn während er die Gläser füllt, lässt er sich ein bisschen von seinem unglaublichen Wissen über Gin und Whiskey entlocken, auch wenn beides manchmal dafür sorgt, dass das ein oder andere Detail nicht hängenbleibt. Jeder Abend kann anders sein: Mit dem Kopf auf der Theke (der Doppelwacholder ist eine Wucht), verliebt in der Knutschecke (eine in die Wand eingelassene Zweier-Couch) oder mit Freunden einfach nur die Zeit genießen – hier ist der perfekte Ort, um Erinnerungen zu schaffen.

Kneipengründungsjahr: 2007
Fassbiere: Keine
Musikstil: Subkulturell geprägte Untergrundmusik
Rauchen: Ja
Besonderheit: Sehr coole Einrichtung im 70er Style und fast alles Orginalteile, kein Retro-Schrott

Text: Hedda Bültmann

Foto: Michael Kohls 

Neuer Kamp 17 (St. Pauli), Telefon 18 20 15 09, Di-Do 20–2, Fr-Sa 2–4 Uhr; www.facebook.com/meine.kleinraumdisko

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#2 Kellerkneipe: Birdland

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #2 Birdland.

Schock 2013: Die Betreiber gehen in Rente, das Birdland macht zu! Geht gar nicht, schließlich ist das seit den 80ern der Jazzclub in Hamburg. Hier haben schon Weltstars wie Art Blakey, Brad Mehldau, Chet Baker, Ray Brown, Joe Henderson oder Diana Krall gespielt. Und ich habe bei der donnerstäglichen Jamsession unzählige mehr oder weniger feucht-fröhliche, inspirierende, beschwingende Abende mit Freunden verbracht. Doch hip, hip, hooray: 2014 übernehmen die Söhne von Dieter und Heidi Reichert, Wolff und Ralph, den Laden, zusammen mit zwei Freunden vom Freundlich + Kompetent eröffnen sie das Birdland wieder.

Seitdem gibt’s nicht nur reinrassigen Jazz, sondern auch Singer-Songwriter,-Soul, Funk, HipHop oder Reggae zu hören. Und das in der gewohnten, zauberhaften, gemütlichen Atmosphäre: Das etwas schraddelige Holzgestühl, an den Wänden die von Heidi Reichert selbst gemalten, bunten Jazzmusiker-Porträts und Unterschriften unzähliger Künstler, kuscheliges Licht, Glitzerlichter hinter der Bühne. Und so ist ein Abstieg in den Musikkeller immer noch das, was er früher war: Ein Ausflug in eine heimelige, nostalgische Welt mit fantastischem Soundtrack. Ein bisschen La La Land für die Seele …

Kneipengründungsjahr: 1985 von Dieter und Heidi Reichert als Jazzclub gegründet, 2014 von den Söhnen Wolff Reichert und Ralph Reichert sowie den beiden Gastronomen des Freundlich+ Kompetent Julius Horn und Julian Jasper-Koch übernommen mit erweitertem musikalischem und neuem Barkonzept
Fassbiere: Keine
Musikstil: Jazz, Singer/Songwriter, Funk, Soul, Reggae, HipHop
Rauchen: Nein
Besonderheit: Jeden 1. und 3. Mittwoch: Birdland Vocal Session und jeden Donnerstag: Birdland Jam Session bei freiem Eintritt

Text: Maike Schade

Foto: Michael Kohls

Gärtnerstraße 122 (Hoheluft-West), Telefon 40 52 77, Mi 19.30–1 , Do-Sa 19.30–2 Uhr; www.birdlandhamburg.de


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#1 Kellerkneipe: Eldorado

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #1 Eldorado.

Klar, das Eldo ist ganz schön verraucht und oft fröstelt es mich in den ersten paar Minuten, so frisch ist es. Aber dann: fläzen ohne Ende auf den durch- gesessenen Ledersofas und roten Kinosesseln. In immer kürzeren Abständen zum Kupfertresen und der schön geschwungenen Zapfanlage, um eine neue Runde Jever vom Fass zu holen. Rage Against the Machine, Blur, Red Hot Chili Peppers – Rock ist hier definitiv tonangebend. Durch das Fenster über unseren Köpfen ist von der Außenwelt – bis auf vorbeieilende Beine und angeleinte Hunde – nicht viel mitzukriegen.

Umgeben von Retro-Tapeten und -Möbeln, eingehüllt in Rauch und warmes Licht ist dieser Ort zeitlos, eine Art schwarzes Loch, das einen nach Stunden wieder ausspuckt, als wäre nichts gewesen. Anfang letzten Jahres wurde das Eldorado von Redakteur Bernd, Otzen- treff-Besitzer Jan und Henning vom St. Pauli Tourist Office übernommen. Neben den gewohnten DJs am Wochenende gibt es jetzt sonntags New Wave und Pfeffi für kleines Geld. Außerdem, so wurde mir versprochen, wird die Heizung ab sofort höher gedreht.

Kneipengründungsjahr: 1904/ Neuübernahme Anfang 2017
Fassbiere: Jever, Ratsherrn Zwickel, Astra
Musikstil: Rock
Rauchen: Ja
Besonderheit: Retro-Tapete und Kupfertresen

Text: Jasmin Shamsi

Foto: Michael Kohls

Wohlwillstraße 50 (St. Pauli), Telefon 0151/10364351, So-Do 20-2, Fr-Sa 20-4 Uhr, www.eldoradostpauli.de 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!