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#2 Kellerkneipe: Birdland

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #2 Birdland.

Schock 2013: Die Betreiber gehen in Rente, das Birdland macht zu! Geht gar nicht, schließlich ist das seit den 80ern der Jazzclub in Hamburg. Hier haben schon Weltstars wie Art Blakey, Brad Mehldau, Chet Baker, Ray Brown, Joe Henderson oder Diana Krall gespielt. Und ich habe bei der donnerstäglichen Jamsession unzählige mehr oder weniger feucht-fröhliche, inspirierende, beschwingende Abende mit Freunden verbracht. Doch hip, hip, hooray: 2014 übernehmen die Söhne von Dieter und Heidi Reichert, Wolff und Ralph, den Laden, zusammen mit zwei Freunden vom Freundlich + Kompetent eröffnen sie das Birdland wieder.

Seitdem gibt’s nicht nur reinrassigen Jazz, sondern auch Singer-Songwriter,-Soul, Funk, HipHop oder Reggae zu hören. Und das in der gewohnten, zauberhaften, gemütlichen Atmosphäre: Das etwas schraddelige Holzgestühl, an den Wänden die von Heidi Reichert selbst gemalten, bunten Jazzmusiker-Porträts und Unterschriften unzähliger Künstler, kuscheliges Licht, Glitzerlichter hinter der Bühne. Und so ist ein Abstieg in den Musikkeller immer noch das, was er früher war: Ein Ausflug in eine heimelige, nostalgische Welt mit fantastischem Soundtrack. Ein bisschen La La Land für die Seele …

Kneipengründungsjahr: 1985 von Dieter und Heidi Reichert als Jazzclub gegründet, 2014 von den Söhnen Wolff Reichert und Ralph Reichert sowie den beiden Gastronomen des Freundlich+ Kompetent Julius Horn und Julian Jasper-Koch übernommen mit erweitertem musikalischem und neuem Barkonzept
Fassbiere: Keine
Musikstil: Jazz, Singer/Songwriter, Funk, Soul, Reggae, HipHop
Rauchen: Nein
Besonderheit: Jeden 1. und 3. Mittwoch: Birdland Vocal Session und jeden Donnerstag: Birdland Jam Session bei freiem Eintritt

Text: Maike Schade

Gärtnerstraße 122 (Hoheluft-West), Telefon 40 52 77, Mi 19.30–1 , Do-Sa 19.30–2 Uhr; www.birdlandhamburg.de


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Meet the Resident: Melbo

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG Resident DJs vor. Im Januar 2017 ist Melbo an der Reihe. Gebürtig aus London, aufgewachsen in Wien, steht die 32-Jährige seit 2013 in Hamburg hinter den Decks.

Schrägster Gast- Kommentar: Du hast richtig gut aufgelegt, aber ich bin besser.

Platte des Monats: Ryan Murgatroyd – Something Said.

Lieblingsplatten:
Kruder & Dorfmeister – The K&D Sessions, Röyksopp – Melody A.M., Trentemøller – The Last Resort, Dj Shadow – Entroducing.

Größter Moment als DJ:
Ich habe einmal vor „nur“ drei Leuten aufgelegt, aber einer von ihnen ist nach meinem Gig zu mir gekommen und meinte, dass es wunderschön war und dass er sich so richtig fallen lassen konnte. Das hat diesen eigentlich bescheidenen Gig völlig aufgewertet und mich daran erinnert, dass es egal ist, vor wievielen Leuten man als DJ spielt. Das Wichtigste daran bleibt, dass man eine Geschichte erzählt, die jemanden berührt hat.

Was nervt in Hamburg:
Eindeutig das Wetter und der hohe Mietspiegel.

Party des Monats (Februar 2018): Recondite live (16.2.18, Uebel & Gefährlich, 24 Uhr) / Konzert: Mars Mobil im Jazz Café (1.2.18).

/ OMA 

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Februar 2018. Das Magazin ist seit dem 26. Januar 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

#1 Kellerkneipe: Eldorado

Zeit zum Luft holen, Abhängen und Runterkommen. Am besten bei einem kühlen Pils in einer lauschigen Bar. Wir zeigen darum unsere liebsten Kellerkneipen. #1 Eldorado.

Klar, das Eldo ist ganz schön verraucht und oft fröstelt es mich in den ersten paar Minuten, so frisch ist es. Aber dann: fläzen ohne Ende auf den durch- gesessenen Ledersofas und roten Kinosesseln. In immer kürzeren Abständen zum Kupfertresen und der schön geschwungenen Zapfanlage, um eine neue Runde Jever vom Fass zu holen. Rage Against the Machine, Blur, Red Hot Chili Peppers – Rock ist hier definitiv tonangebend. Durch das Fenster über unseren Köpfen ist von der Außenwelt – bis auf vorbeieilende Beine und angeleinte Hunde – nicht viel mitzukriegen.

Umgeben von Retro-Tapeten und -Möbeln, eingehüllt in Rauch und warmes Licht ist dieser Ort zeitlos, eine Art schwarzes Loch, das einen nach Stunden wieder ausspuckt, als wäre nichts gewesen. Anfang letzten Jahres wurde das Eldorado von Redakteur Bernd, Otzen- treff-Besitzer Jan und Henning vom St. Pauli Tourist Office übernommen. Neben den gewohnten DJs am Wochenende gibt es jetzt sonntags New Wave und Pfeffi für kleines Geld. Außerdem, so wurde mir versprochen, wird die Heizung ab sofort höher gedreht.

Kneipengründungsjahr: 1904/ Neuübernahme Anfang 2017
Fassbiere: Jever, Ratsherrn Zwickel, Astra
Musikstil: Rock
Rauchen: Ja
Besonderheit: Retro-Tapete und Kupfertresen

Text: Jasmin Shamsi

Foto: Michael Kohls

Wohlwillstraße 50 (St. Pauli), Telefon 0151/10364351, So-Do 20-2, Fr-Sa 20-4 Uhr, www.eldoradostpauli.de 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Die DJane ist tot, lang lebe der DJ

Sexismus: Nachts sind alle Katzen grau. Und im Club sind alle Menschen gleich? Schön wär’s. Noch immer gelten Frauen an den Plattentellern als Exoten. Doch zum Glück steigt der Anteil weiblicher DJs – auch in den Hamburger Clubs.

Das Jahr 2017 wird als das in Erinnerung bleiben, in dem zahlreiche Skandale in der Medienwelt die Sexismus-Debatte neu entfachten – und es gab kaum eine Branche, die davon nicht betroffen war. Auch das sich stets als liberal gebende Musikbusiness, so ungern seine Akteure es auch wahrhaben wollen, krankt seit jeher an einem starken Ungleichgewicht von weiblichen und männlichen Künstlern, ungerechten Gagen und Diskriminierung. Diese Probleme, die struktureller Natur sind, machen vor der Clubtür nicht Halt. Denn auch in der elektronischen Musikszene werden – abgesehen von einigen Ausnahmen – weibliche DJs immer noch weniger ernst genommen als ihre männlichen Kollegen. Und statt um Fähigkeiten, geht es in der Regel eher um Äußerlichkeiten.

Bestes Beispiel ist der Fall um Konstantin, Mitbegründer des Weimarer Techno-Labels Giegling. Im Sommer 2017 echauffierte er sich in einem Gespräch mit dem Groove-Magazin über die Ungerechtigkeit, dass weibliche DJs derzeit so sehr gefördert würden – obwohl sie ja meist schlechter auflegten als Männer. Demnach wäre es für Frauen also wesentlich einfacher, als DJ Erfolge zu feiern, weil sie unverhältnismäßig große Unterstützung erfuhren.

Nicht nur bei vielen weiblichen DJs stößt diese Aussage auf großes Unverständnis. Fathia, die seit etwa zwei Jahren in der Hamburger Pooca Bar regelmäßig Deep House und Techno auflegt, meint: „Ich sehe nicht, dass weibliche DJs großartig gehypt werden. Es gibt immer noch genügend Partys, bei denen gar keine Frauen gebucht sind.“

Dabei ist diese Entwicklung hin zur männerdominierten Branche, in denen Frauen, homosexuelle oder queere Personen nur eine Nebenrolle spielen, im Grunde paradox. Denn ihre Geburtsstunde feierte elektronische Clubmusik schließlich in den Schwulenbars von New York und Detroit. An Orten also, an denen die LGBTQ-Gemeinde Zuflucht fand und sich den Diskriminierungen des Alltags zumindest für ein paar Stunden entziehen konnte.

Dass die internationale Clublandschaft spätestens seit den 90er Jahren von heterosexuellen weißen Männern bestimmt wurde und Frauen und andere marginalisierte Personengruppen lange Zeit nahezu unsichtbar waren, bemerkte auch die Musikproduzentin Susanne Kirchmayr, die als Electric Indigo seit mehr als 20 Jahren in den Clubs dieser Welt auflegt. Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, gründete die Österreicherin 1998 female:pressure – ein Verzeichnis von Künstlerinnen, DJs, VJs, Produzentinnen und Bookerinnen, die im Bereich der elektronischen Musik agieren und sich über eine Datenbank miteinander vernetzen können. Aktuell umfasst diese mehr als 2.000 Mitglieder aus 74 Ländern.

Yeşim Duman setzt sich für weibliche DJs ein.

Dass sich die Geschlechterverhältnisse jedoch langsam aber sicher verschieben, macht eine Studie deutlich, die alle zwei Jahre von female:pressure erhoben wird und die die Sichtbarkeit weiblicher Akteure in der internationalen Festival- und Clubszene beleuchtet. Aus der aktuellen Auflage aus dem Herbst 2017 geht hervor, dass der Anteil an weiblichen Acts, der 2012 noch bei 7,4 Prozent lag, sich 2016 auf 24,6 Prozent erhöht hat, auch in Hamburg.

Einen Teil dazu trägt Bruna bei, die mit dem Projekt „Bruna & Paul“ zum Hamburger Somnium-Kollektiv gehört und seit einigen Jahren unter anderem regelmäßig im Hafenklang an den Decks steht. Weil in unserer Gesellschaft Männer und Frauen eben noch nicht gleichgestellt seien, spiele der Feminismus und die Sensibilisierung dafür nach wie vor eine große Rolle, meint die 26-Jährige: „Ich habe, seitdem ich selbst auflege, immer versucht, mich mit anderen weiblichen DJs zu vernetzen, weil mir der Zusammenhalt und die Solidarität sehr wichtig sind. Ich halte auch nichts von Konkurrenzdenken, sondern sehe den Austausch mit anderen DJs viel mehr als eine Bereicherung an.“

Diesen Ansatz verfolgt auch Yeşim, deren selbst veranstaltete Partys, wie zuletzt „Erdogay“ im Golden Pudel, auch immer mal wieder mit einem rein weiblichen Line-up aufwarten – ohne dass sie das beabsichtigt hätte. Fathia dagegen sieht diese „Female DJ Partys“ kritisch, da sie die Gefahr eines umgekehrten Sexismus bergen, eben weil sie Männer komplett ausschließen. Worin sich jedoch alle einig sind: Die Lösung des Problems kann nur darin liegen, sich vom Schubladendenken zu verabschieden. Ein wichtiger Schritt ist vermutlich dann getan, wenn Menschen endlich aufhören das Wort „DJane“ zu benutzen, bei dem sich vielen weiblichen DJs die Fußnägel hochrollen und das (Geschlechter-)Grenzen aufbaut, wo doch eigentlich keine sein sollten. Fathia bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „Es geht doch bei der Musik um Vereinigung, um das Miteinander. Miteinander das Glück teilen. Und nicht um Egokram.“

Text: Katharina Grabowski

 


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2018. Das Magazin ist seit dem 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Meet the Resident: Oskar.

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG Resident DJs vor. Im Januar 2017 ist OSKAR. an der Reihe.

OSKAR., 24, seit 2011 DJ, Seit der Eröffnung Resident im PAL, Veranstalter von POWER TOWER im Uebel & Gefährlich.

Schrecklichste Gast-Frage: Mich hat mal jemand beim Auflegen gefragt, ob er einen Track auf YouTube anmachen kann … Im Club!

Platte des Monats: Burial – Rodent (Original Mix).

Lieblingsplatten: Alles von Aphex Twin, alles von Daft Punk bis 2005, Burial’s Untrue LP & Veröffentlichungen auf Labels wie Ostgut Ton, Ilian Tape, R&S, Running Back, L.I.E.S. und Ninja Tune.

Größter Moment als DJ: Jedes Mal wenn ich Support für die Vorbilder spielen darf. Wenn die Tanzfläche komplett gefüllt ist, aber keiner spricht, stattdessen sich alle wie in Trance verhalten. Die Reaktionen der Gäste wenn mein letzter Track ausläuft. Oder wenn man die Fortschritte der eigenen Crew beobachten kann. An dieser Stelle Shout Outs an meine Residents im PAL, Funky Kartell und an alle die mich immer unterstützt und inspiriert haben.

Was nervt in Hamburg: Keine Spätis.

Party des Monats: Die erste Party im PAL nach einer kurzen Winterpause.

/ OMA

PAL
20.1.18, 24 Uhr


 Dieser Text ist ein Auszug aus SZENE HAMBURG, Januar 2017. Das Magazin ist seit 22. Dezember 2017 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Golden Pudel is BACK

WAU! Die Elbphilharmonie der Herzen ist zurück. SZENE HAMBURG blickt ins Innere des beliebten Hafenrand-Clubs und freut sich über die Eröffnung.

Die 550 Tage ohne Golden Pudel waren mehr als genug. Ohne großes Brimborium sollte Mitte August der frisch renovierte Club erneut seine Türen öffnen. So zumindest wünschte es sich das Betreiber- Kollektiv einige Zeit vorher. „Die Idee ist, einfach aufzumachen und so zu tun, als ob nichts war. Wir wollen jetzt einfach unser Ding machen und zur Normalität übergehen“, so Mitbetreiber Ralf Köster zur SZENE HAMBURG. Und so wurden einige überrascht, als die Nachricht der Wiedereröffnung erst drei Tage vor dem geplanten Datum die Runde machte. Keine Pressemitteilung, keine Interviews. Lediglich eine Aktualisierung der eigenen Webseite mit dem Programm für die kommenden Wochen.

Dass Bude, Terrasse, Vorplatz und sogar Pudeltreppe trotzdem gerammelt voll waren, überraschte dann weniger. Zu groß war die Lücke, die die Schließung nach dem fatalen Brand im Februar 2016 in der Kunst- und Musikszene der Stadt hinterlassen hatte. Deren Vertreter waren am Eröffnungsabend so zahlreich vorhanden, dass man mit ihnen mühelos ein mittelgroßes Festivalprogramm füllen könnte. Und das ist trotz der im Pudel so angenehm praktizierten Unaufgeregtheit gegenüber Szeneprominenz interessant, weil es die Reichweite der Pudelfamilie verdeutlicht, in erster Linie aber die große Solidarität zeigt, die der Laden – nicht erst, aber ganz besonders – seit dem verheerenden Feuer erfahren hat.

Weltweite Soli-Veranstaltungen, Exil-Partys befreundeter Clubs, freiwillige Helfer, Benefizkonzerte oder zahlreiche Spendenaufrufe bekannter Persönlichkeiten wie Helge Schneider, Ewald Lienen, Beginner, Jamie Lidell, Jimi Tenor, Deichkind, Trentemöller, Fettes Brot und vielen weiteren, haben dazu beigetragen, dass das durch Löschwasser zerstörte Erdgeschoss saniert werden konnte und dank neuer Betondecke auch während der folgenden Obergeschoss- Bauarbeiten geöffnet sein kann.

Und Solidarität mit dem Pudel ist weiterhin wichtig. Denn obwohl die Stadt Hilfen von 200.000 Euro zusagte und auch der Bezirk Altona 100.000 Euro für den Wiederaufbau übernimmt, soll der Rest der Gesamtkosten von rund 850.000 Euro durch Eigenleistungen und Spenden erbracht werden, berichtet der NDR.

So zu tun, als ob nichts war, klingt da schwierig, gelingt an den ersten Clubabenden aber ganz gut. Wer sich früher problemlos durch den Club navigierte, wird dies auch heute tun. Betritt man den Pudel durch die schweren Holzflügeltüren, fällt vor allem der neue Tresen ins Auge. Seitlich versetzt bietet der Barbereich mehr Platz für eine wirkliche Neuerung: Der Pudel öffnet jetzt ab 20 Uhr. „Wir wollen auch Kneipe für den frühen Abend sein, ein Kumpelnest in dem man sich gepflegt unterhalten kann ohne gegen die Musik anschreien zu müssen“, erzählt Köster. „Für die Nachbarschaft und für Leute, die nicht erst um 2 Uhr nachts ausgehen um sich an Beats für die Hüften zu erfreuen“.

Keine Musik von der Stange: Pudel Dancefloor. Foto: Katja Ruge

Natürlich wird das weiterhin möglich sein. Große Teile des bewährten Programms mit täglichen Veranstaltungsreihen wie Die Kotze hat meine Jacke verklebt oder dem MFOC-Sonntag und Pudel-nahen Labels und Künstler*innen wie Ratkat, Cindy Looper, Pelle Boys, Gatto Musculoso, Knarf Rellöm, Smallville oder liebe*detail finden sich im September-Programm wieder. Und auch Konzerthighlights wie der Auftritt der Sheffielder Band Blood Sport knüpfen nahtlos an alte Pudelzeiten an.

Am besten also hingehen und sich selber ein Bild machen. Denn eines ist klar: Jetzt spricht wieder die Musik!

Mehr Infos auf www.pudel.com

Text: Ole Masch / Fotos: Katja Ruge

Dieser Text ist erstmals erschienen in der SZENE HAMBURG Ausgabe September 2017.

 

Meet The Resident: Safari Collective

Jeden Monat stellen wir in der SZENE HAMBURG Resident DJs vor. Im Dezember 2017 ist das Safari Collective an der Reihe. 

Safari Collective (Funcky & Martin), 44 & 40 Jahre, seit 2004 im Yoko Mono, seit 2012 im Fundbureau (Nachtflohmarkt), seit 2016 im John Lemon.

Schrecklichste (oder schönste) Gast-Frage:
„Eeehm, du, ich bin jetzt nicht verliebt in dich oder so, aber darf ich mal ein Foto von deiner Playlist machen, dann gibst du mir deine Nummer und ich schicke es dir dann auch …“.

Platte des Monats:
Rising Appalachia – Alive

Lieblingsplatten:
Sehr schwer, das einzugrenzen, aber acht für die einsame Insel mit dampfdruckgetriebenem Plattenspieler wären wohl:
SNFU – Better than a stick inthe eye
Luke Winslow-King – The Coming Tide
Jakob – Subsets of Sets
Pink Floyd – A Saucerful of Secrets
Omnia – Musick and Poetree
Tschaikowsky – Ouverture Solennelle 1812
Soundtrack von „Cold Mountain“
The Cure – Standing on a Beach

 

Größter Moment als DJ:
Es ist immer das Großartigste, wenn man mit Leuten, die eigentlich nur mit Freunden quatschen und trinken wollten, dann gemeinsam mit vorher Fremden auf den Tischen tanzt.

Was nervt in Hamburg:
Nervig sind letztlich nur einige Menschen, aber die gibt es auch in Moskau oder in der Wüste… oder sonstwo.

Party des Monats:
Jeder Freitag und Samstag im neuen Yoko – Club und Bar.

/ OMA

Yoko – Club und Bar
Valentinskamp 47 ( im sehrehemaligen Madhouse); Bar 17 Uhr, Club 23 Uhr

Afro-Party: Kalakuta in Hamburg

Afro-Party: Im Oktober kehrt die Kalakuta-Reihe aus der Sommerpause zurück. Martin Moritz, Teil des erfolgreichen Hamburger Slow-House-Trios Sutsche, veranstaltet den Abend seit fünf Jahren im Golem

Zwirbelt gerne Afrobeats: Martin Moritz. / Foto: Beta Lounge Hamburg

SZENE HAMBURG: Kalakuta in Hamburg. Was ist das?
Martin Moritz: Ein Afro-Allnigter in der Bar vom Golem, zu dem ich jeweils Gast-DJs einlade. Ich widme mich dort ausschließlich der Musik des afrikanischen Kontinents mit Schwerpunkt auf die sogenannte goldene Ära: Afrobeat, Soukous, Highlife, Makossa, Benga und artverwandtes aus West- und Zentralafrika der 70er bis 90er. Aber auch Kwaito aus Südafrika, Coupé Décalé von der Elfenbeinküste oder Naija Pop aus Nigeria. Im Partykeller, der Krypta, gibt es vom Golem parallel häufig House-Veranstaltungen. Das ist immer schön, weil es große Schnittmengen gibt und eine tolle Erfahrung, wenn Leute, die eigentlich wegen House oder Techno kommen, zu Afrobeats tanzen.

Du bist auch in der Krypta gestartet. Mittlerweile bist du an die Bar gezogen. Warum?
Ich finde den Raum schöner und mag es, auf eine musikalische Reise zu gehen, wo nicht die ganze Zeit gefordert wird. Von jedem an Disco orientierten Floor ist man es als DJ eher gewohnt zu pushen, aber ich finde es spannend, auch mal deepe Sachen zu spielen und die ersten Stunden ein bisschen ruhiger anzugehen. Man kann die Leute dort in einer Bar-Situation abholen und ihnen von hier die Polyrhythmen in die Hypophyse zwirbeln (lacht).

Woher stammt der Begriff Kalakuta?
Das ist der Name einer Kommune, die Fela Kuti 1970 in Lagos, Nigeria, gegründet hat. Der Übervater des Afrobeat, Yoruba-Priester und spätere Präsidentschaftskandidat, hat sich damals politisiert und festgestellt, dass er emanzipatorische Lebensformen sucht. Er zog mit seiner Familie und gesamter Entourage von Tänzern bis Anwälten dorthin. Es gab ein Aufnahmestudio, den legendären Nachtclub The Shrine und sogar eine Krankenstation. Traurige Berühmtheit erlangte der Ort durch wiederholte brutale Überfälle durch das Militär, die in diversen Fela-Songs thematisiert wurden.

Wie bist du zur afrikanischen Musik gekommen?
Vor zehn Jahren habe ich angefangen, solche Platten zu kaufen. Ich befand mich beim Auflegen in einer kleinen Sinnkrise. Das war die Techhouse-Zeit und ich hatte das Gefühl, mich damit ein bisschen in die Ecke gespielt zu haben. Afrika fand ich schon immer interessant und war damals ein blinder Fleck auf meiner musikalischen Landkarte. Gleichzeitig hat so gut wie jede westliche Popmusik ihre Ursprünge in Afrika. Deswegen habe ich mich darauf gestürzt, weil es so viel zu entdecken gab und gibt. Als ich mich später entschlossen habe, eine Party im Golem zu machen, musste ein Name her. Nach langem Hin und Her habe ich mich für Kalakuta entschieden, was eine sehr weit verbreitete Referenz in Afro-Kontexten ist.

Langes Hin und Her?
Ja, weil ich nicht einen ausschließlichen Afrobeat-Abend machen wollte. Fela Kuti gilt als Schöpfer des Genres und ist sicher mein Favorit. Aber eigentlich gilt mein Interesse dem ganzen afrikanischen Kontinent und den verschiedenen lokalen Musik- formen, ihren vielfältigen Tonalitäten und Rhythmen. Afrobeat liegt auch die abstrakte Idee einer panafrikanischen Musik zugrunde, als Utopie eines vereinten, emanzipierten Afrika. Die hat auch Fela Kuti aufgeführt, um die Einheit aller afrikanischen Menschen weltweit, unabhängig von ihrer Ethnie oder Nationalität, zu propagieren. Ich würde gerne dieser Vision von Afrika und nicht zuerst einer geografischen Idee Tribut zollen.

Wer besucht dich im Oktober?
Das wird ein Gipfelchentreffen, von dem ich schon seit langer Zeit träume. Das in Bochum ansässige Label Kalakuta Soul Records verwöhnt seit 2013 mit exklusiven Produktionen und Edits. Die entsprechenden Kalakuta Soul Partys sind bereits Legende. Ich freue mich, mit Guy Dermosessian endlich einen der beiden DJs und Labelbosse hinter den Plattenspielern zu begrüßen. Er ist in ganz Europa unterwegs und deren Partys spannen einen Bogen aus allen vier Ecken der Welt. Wir werden dann aber einen rein afrikanischen Fokus haben. Mune_Ra und Sinza Musila machen den Abend komplett.

Du sagtest, dass du selber vor zehn Jahren angefangen hast, solche Platten zu kaufen. Wo?
Meine Plattenläden hier in Hamburg sind allen voran Groove City und Zardoz. Und natürlich kann man in Secondhand-Läden Glück haben. Aber zur Orientierung habe ich immer das Internet genutzt. Allein schon deswegen, weil die Stadt keine Hochburg für afrikanische Musik ist. Die Szene ist sehr klein und Hamburg eher konservativ, was Trends angeht. Als ich vor fünf Jahren anfing, kannte ich hier kaum Afro-Partys. Ich fand es immer sehr bedauerlich, dass es kaum interkulturellen Austausch gibt. Die Kalakuta-Party sollte daher immer eine Brücke schlagen und möglichst offen und niedrigschwellig Leuten unabhängig vom Hintergrund eine Plattform zum Treffen und Tanzen geben.

Funktioniert das?
Total. Und deswegen wollte ich mit meiner Afro-Party auch nicht etwa in einen Black-Music-Club oder in einen Techno-Club, sondern möglichst in einen Laden, der zwar anerkannt ist, aber unterschiedlich bespielt wird. Sich also keine Tradition vorschreibt und die Regeln für sich formuliert hat. Ich möchte lieber Leuten afrikanische Musik vorspielen, die zufällig dabei sind oder sich nicht ständig auf HipHop- oder Reggae-Partys aufhalten. Die schönsten Momente sind die, wenn unterschiedliche Leute zueinander finden. Neulich habe ich beim Auflegen bemerkt, da tanzen 60-jährige Muttis, die die Bands von früher kannten mit 20-Jährigen, die wegen des Ladens da waren. Wenn man sich mit denen hinsetzen würde, haben die wahrscheinlich komplett unterschiedliche Ideen davon, was gerade läuft. Aber genau das ist doch spannend.

Interview: Ole Masch / Beitragsbild: Kalakuta Soul Besuch – Guy Dermosessian. Foto: Atmir_Dolci

21.10., Golem, 22 Uhr