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#Schreberleben – Wo fließt das ganze Wasser hin?

Im Garten wächst nicht nur Gemüse, sondern auch das Bewusstsein für die Natur und ihre Ressourcen.

„Wo fließt das ganze Wasser hin, während ich noch am Zähne putzen bin?“ Diese Textzeile vom Mia-Album „Stille Post“ verfolgt mich seit meiner Studienzeit. Anfang der Nullerjahre im fränkischen Bamberg. Sie hat sich so tief in mein Gedächtnis gebrannt, dass ich sie täglich abspule, wenn ich beobachte, wie das Wasser aus dem Hahn rauscht und im Abflussrohr verschwindet. Ich würde von mir selbst behaupten, recht sparsam im Umgang mit Wasser zu sein. Dass da aber noch deutlich Luft nach oben ist, habe ich in unserem Kleingarten gelernt.

Kanalisation á la Kleingarten.

Auch dort müssen wir Zähne putzen, Hände waschen und Abspülen – ohne Kanalisation. Das Schmutzwasser sammeln wir in Kanistern direkt unter dem Becken. Wenn die voll sind, schleppen wir sie nach draußen und schütten den Inhalt über den Kompost. Alle 15 Liter ein Gang. Das Gute: Ich habe genau im Blick, wie viel Wasser ich verbrauche. Erschreckend viel! Ich sehe aber auch, dass ich mit wenig Aufwand meinen Wasserkonsum auf ein Zehntel verringern kann – indem ich etwa beim Einschäumen der Hände das Wasser aus- oder erst nach dem Ausspucken der Zahnpasta, es wieder einschalte.

Zwar müssen wir in Hamburg im Moment keinen Wassermangel fürchten – selbst in diesem Rekordsommer war das Grundwasser, aus dem unsere Stadt ihr Trinkwasser gewinnt, auf einem guten Niveau. Und trotzdem sollte man den eigenen Verbrauch kritisch hinterfragen. Denn Wasser ist eine kostbare Ressource und weltweit nur ­begrenzt vorhanden.

Und für ein weiteres Thema bin ich sensibler geworden. Einmal kippten wir das Wasser mit einem Mikroanteil Spülmittel direkt ins Beet. Einmal und nie wieder! Alle Pflanzen verkümmerten zu blattlosen Skeletten. Der Hibiskus hat sich bis heute nicht erholt. Seitdem benutzen wir nur noch biologisch abbaubares Spülmittel, auch zu Hause.

Bis Anfang der 2000er Jahre waren übrigens noch fließendes Wasser und Spültoiletten in Hamburger Schreber­gärten erlaubt. Abwasser und Fäkalien wurden gedankenlos in Gruben unter den Hütten gesammelt und versickerten dort nach und nach im Boden. Heute ist das in den rund 35.000 Hamburger Kleingärten nicht mehr erlaubt, um das Grundwasser nicht zu gefährden. Würde man alle Schrebergärtner zusammenfassen, entspräche das der Bevölkerung einer Kleinstadt. Lüneburg ohne Abwassersystem? Unvorstellbar.

Text & Foto: Alessa Pieroth


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, August 2018. Das Magazin ist seit dem 28. Juli 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 


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Karo Beach – Der Sommer wird öko

Deutschlands erster Zero Waste Beach Club, das Karo Beach, haucht einer langweiligen Asphaltfläche Stadtleben ein.

Zigarettenkippen, Plastikflaschen und Einweggrills im Sand, überquellende Mülleimer… Am Elbstrand vielleicht, aber nicht im Karo Beach! Auf der Freifläche vor der Rindermarkthalle eröffnen die Betreiber der zwei unverpackt-Läden „Stückgut“ einen Strandclub, in dem (fast) kein Müll produziert wird. Er ist der erste seiner Art in Deutschland. 

Der nachhaltige Dorfplatz

Die „Betonwüste“ vor der Rindermarkthalle soll zum urbanen Dorfplatz werden. Den Gründerinnen und Gründern schwebt ein ökologisches Idyll inmitten des Partytrubels vor; eine Großstadtoase, an der die Besucher rasten, ihre Füße hochlegen und klönen können. Eltern, die fair gehandelten Eiskaffee aus pflanzlichen Stroh-Halmen schlürfen, die Kinder backen den köstlichen Kuchen mit Sand aus der Region, Anzugträger und Studenten spielen nach Feierabend eine Partie Volleyball im Sonnenuntergang. Wenn die hamburgische Sommerluft bei Einbruch der Dunkelheit empfindlich frisch wird (also an den meisten Abenden), wärmt man sich am Lagerfeuer. Denn im Karo Beach wird es keine Heizpilze geben, die extrem viel CO2 abgeben. Ein Feuer zu machen, ist nicht nur gemütlich, sondern auch deutlich nachhaltiger.

Details machen den Unterschied: Hier gibt es keine To go-Becher, Plastik-Strohhalme oder Einwegflaschen. Die Gäste essen Gerichte aus den Läden in der Rindermarkthalle, die so regional wie möglich sind. Zero Waste, also wirklich gar kein Müll, ist das hehre Ideal, das die Richtung vorgibt. Zumindest gibt es weder Einweggeschirr noch Plastiktüten. Doch an jeder Lieferkette kommt irgendwann der Punkt, der sich nicht mehr beeinflussen lässt. Für das Karo Eck sind das die Kooperationspartner: „Wenn jemand in der Rindermarkthalle bestellt, um das nach draußen zu bekommen und ein Gastwirt eine Stück Fleisch aus einer Plastikhülle nimmt, können wir das nicht kontrollieren“, so Betreiber Dominik Lorenzen.

„eine Plattform für das Thema Zero Waste“

Die Betreiber vertreten aber ohnehin keine dogmatische „ganz oder gar nicht“-Einstellung. Stattdessen wollen sie es sich und ihren Gästen gut gehen lassen. „Müllvermeidung hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit Spaß und der Bejahung von Leben“, sagt Mitgründerin Insa Dehne. Der Club will allen Interessierten Tipps für einen müllfreien Lebensstil geben und eine Plattform für das Thema sein ein. „Denkbar sind Sessions und vielleicht Mini-Kongresse zu Müllvermeidung.“, so Lorenzen. Das Karo Beach ist also nicht nur ein Club, sondern auch ein Versuchslabor für kreative Ideen im Bereich Müllvermeidung. Ideenklau ist erwünscht: Sie wollen eine Zero Waste Bewegung in der ganzen Hamburger Gastronomie. Der erste Schritt ist gemacht und das Karo Beach eröffnet.

Karo Beach, Neuer Kamp 31, (St.Pauli), ab 9.5.18, täglich 10–22 Uhr; www.karo-beach.de

Text: Sabrina Pohlmann


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!