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#Schreberleben – Der Kuckuck und die Laube

Raus aus der Stadt, rein ins Landleben – Im Schrebergarten begegnen wir der Hektik des Alltags mit Schneckenhotels und dreckigen Händen.

Zu viert stehen wir vorm Hochbeet. Die Nasenspitzen dicht über dem Boden tasten wir mit den Fingern über das Beet, um herauszufinden: „Welches Radieschen ist schon reif ?“ An einigen Stellen lugt deutlich die rote Schale aus der Erde hervor. Vorsichtig ziehen wir an den haarigen, leicht stacheligen Blättern die ersten kleinen Knöllchen raus – und beißen rein. Erfrischende Schärfe, leichte Süße, knackige Saftigkeit – das ist mal gar kein Vergleich zu den Radieschen aus dem Supermarkt.

Der Anfang

Vor drei Jahren kam der Schrebergarten zu uns. Genaugenommen in unseren Facebook-Messenger. Eine Freundin schwärmte von dem Gartenverein. „Da wehen keine Deutschlandfahnen, die Dove-Elbe ist zum Baden ganz nah, die Mischung an Pächtern ist angenehm und das Beste ist: Es gibt noch ein paar freie verwilderte Parzellen.“ Mit Bullerbü im Kopf und Baby im Bauch fuhren wir zur Besichtigung und sagten spontan zu. Die Laube vom Typ Flottbek aus den 1970er Jahren war nicht gerade günstig, aber in einem frisch renovierten Zustand, was uns als junge Familie mit bald zwei kleinen Kindern sehr gelegen kam. Das war im Spätsommer 2015. Dann laufen in den meisten Gartenvereinen die Kündigungsfristen aus. Der ideale Zeitpunkt also, sich um eine eigene Gartenlaube zu kümmern.

Vom Baum in den Mund.

Viel zu tun

Mit der neuen Laube bekamen wir auch einige Auflagen: Den hohen Rasen mähen, die Hecke schneiden, die Fassade der Hütte streichen und das Gartentor reparieren. Im Februar musste der 40 Jahre alte Apfelbaum beschnitten werden, im März platzte die Wasserleitung, im April entdeckten wir eine morsche Stelle unterhalb des Dachfensters und im Mai nervten die misstrauischen Blicke der Nachbarn. Aber spätestens ab dem Wochenende im Juni, als wir das erste Mal in der Hütte übernachteten, waren wir angekommen. Der Blick auf die große Schafsweide, das Rauschen der hohen Linden, das ferne Rufen des Kuckucks und das feuchte Gras zwischen den Zehen am Morgen. Ja, das war tatsächlich wie in Bullerbü.

Faszination Schneckenschleim.

Angekommen

Von März bis Oktober fahren wir jetzt fast jedes Wochenende in den Garten. Wir haben kleine Rituale, wie den morgendlichen Ausflug zur Dorfbäckerei. Dabei nimmt der Vater den Sohn auf dem Gepäckträger mit. Die wilde Jungsbande zimmert Schneckenhotels und hilft hoch motiviert mit, tiefe Löcher zu schaufeln. Wir bewundern Babyspinnennester und jeder von uns hatte schon eine Zecke. Dieses Jahr ernten wir hoffentlich unsere ersten Kürbisse, die die nette Nachbarin während der Hitzewelle so zuverlässig gießt. Am Abend sitzen wir mit unseren Gartenfreunden auf der Terrasse, bis wir erschöpft und zufrieden ins Bett fallen. Und alle diese Eindrücke, das Obst und Gemüse nehmen wir dann am Montag mit in die Stadt.

Text & Fotos: Alessa Pieroth

Mehr zum Thema Sommer in der Stadt findet ihr in der gedruckten SZENE HAMBURG. 

Darunter:

QUAAAK! Eppendorfer Moor – Es ist wieder soweit. Im Sommer werden die Großstädter von der Sehnsucht nach Natur und Entschleunigung befallen. Die kann erfüllt werden – und das mitten in Hamburg, Eine Schnellkur für die Sinne zwischen Gräsern, Gänsen und Gezilpe; Text: Erik Brandt-Höge

ABGEHEN ODER ABHÄNGEN Endlich Urlaub! Und nun? Loslegen und Körper und Geist in Schwung bringen? Oder einfach mal nichts tun? Eine Anleitung; Texte: Sabrina Pohlmann & Maike Schade

Zurück zu den Wurzeln Urban Gardening – Pflanzen, gießen, ernten – gemeinschaftliches Gärtnern liegt im Trend. Immer mehr grüne Oasen für Jedermann entstehen in der Stadt. Wir haben verschiedene Porjekte besucht, die zeigen: Wer mitmacht, gewinnt mehr als eine handgezüchtete Zucchini; Text: Sophia Herzog

CAMPING Drei Plätze, drei Welten: Wir haben in und um Hamburg gecampt und Lieblingsorte für den Urlaub vor der Haustür gefunden; Texte: Erik Brandt-Höge


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Juli 2018. Das Magazin ist seit dem 29. Juni 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich! 

BierSZENE – Auf diesen Festivals gibt’s richtig gutes Bier

Bye bye, Industriebier: Daniel Elich zeigt, auf welchen europäischen Festivals gute Craft Biere aus den Hähnen fließen.

„Welcome to Rock am Ring – powered by Carlsberg!“ Seid Ihr es auch leid, auf Mainstream-Festivals zu gehen, die von großen Bierkonzernen gesponsert werden? Ich finde, deren Zeit sollte sich langsam aber sich dem Ende zuneigen. Für alle, die keine Lust mehr auf Astra & Co. haben, gibt es hier deshalb eine kleine feine Liste mit unabhängigen Festivals, bei denen beste Kreativbiere aus den Zapfhähnen fließen.

1) „Wilde Möhre“

Seit 2013 gibt es das Festival „Wilde Möhre“ in Brandenburg. Das Kunst- und Musikfestival ist ein gemeinschaftliches Festival für alle – ungeachtet von Geschlecht, Alter, Hautfarbe oder Herkunft. Musikalisch geht die Wilde Fahrt von Techno bis HipHop. Das beste ist aber: Hier gibt es auch jedes Mal tolles Craft Beer von der Berliner Bierfabrik.

Wann? 9. bis 13. August 2018
Wo? Brandenburg (Deutschland) 
Mehr Infos: wildemoehrefestival.de

2) „Green Man“

Seit 2003 öffnet das Green Man Festival seine Tore für Musik- und Kunst-Liebhaber aus aller Welt. Eingebettet ist das Festival in die majestätischen Brecon Beacons – eine Bergkette in Wales. Eine ganze Woche lang kann hier gecampt werden, um tagsüber die Wälder, Wasserfälle und Flüsse zu erkunden oder um mehr als 1.000 Künstler zu erleben. Auf die Ohren gibt es hier Alternative, Indie, Rock und Folk. Für den Durst: das eigens fürs Festival gebraute Craft Beer, das es nirgends sonst zu kaufen gibt.

Wann? 16. bis 19. August 2018
Wo? Brecon Beacons (Wales, Großbritannien)
Mehr Infos: www.greenman.net

3) „Garbicz Festival“

Das „Garbicz Festival“ ist ein Musik- & Kunstfestival direkt am See und mit einer traumhaften Waldkulisse. Das Festival lebt aber auch von der Wahrnehmung, dass wir alle gemeinsam für Mensch und Natur verantwortlich sind. Eine Anreise mit Auto, ist der Umwelt zuliebe, deshalb auch nicht möglich. Musikalisch gibts vor allem Elektronisches. Nach dem Abdancen erfrischt Bier aus diversen polnischen Craft-Beer-Brauereien.

Wann? 2. bis 5. August 2018
Wo? Garbicz (Polen)
Mehr Infos: garbiczfestival.com

In diesem Sinne: Prost.

Euer Daniel

Text: Daniel Elich
Beitragsfoto: Florian Forsbach


mehr BierSZENE:


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Daniel Ehlich

Foto: Felix Valentin / Jupiter Union

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

Tag der offenen Gesellschaft – Zeit, die Freiheit zu feiern

Am 16.6.2018 ist wieder Tag der offenen Gesellschaft. Fremde und Freunde in ganz Deutschland schlemmen für die Demokratie.

Rechtspopulismus bedroht die demokratische Gesellschaft: Die AfD sitzt im Bundestag, Rassisten und Antisemiten kühlen das soziale Klima auch im Sommer herunter. Doch Abhilfe naht: Die bundesweit aktive Initiative „Die offene Gesellschaft“ zeigt Haltung – und ruft zum großen Festmahl auf. Im Namen einer offenen Gesellschaft wird am 16.6.2018 diskutiert, sich kennengelernt oder ein Zeichen gegen Hass gesetzt: Mit mehr als 1000 Tafeln im öffentlichen Raum, bei denen jeder willkommen ist oder zum Veranstalter werden kann. „Wir wollen demokratische Werte erhalten“, sagt Pressesprecher Erik Enge und meint damit die im Grundgesetz verankerten Rechte wie die Freiheit von Diskriminierung und individuelle Lebenssicherheit.

#dafür

Wichtig ist der offenen Gesellschaft, sich für etwas einzusetzen: für eine offene Gesellschaft eben, die Spaß macht. Und zwar allen! Und für die Freiheit, die das Leben bereichert. Unter dem Hashtag #dafür werden die Tafeln und Aktionen am großen Tag in den sozialen Medien sichtbar.

Essen verbindet

Picknicken mit einem Kasten Bier im Park oder ein Viergängemenü im Vorgarten? Alles ist möglich und gilt als Tafel. Ab sofort heißt es: Das Buffet ist eröffnet und auf der Homepage kann man seine Tafel anmelden.

Text: Sabrina Pohlmann
Beitragsfoto: Die offene Gesellschaft/Gemina Picht

www.die-offene-gesellschaft.de

Tafeln in Hamburg:

Vollständige Karte unter www.die-offene-gesellschaft.de/16juni/tafeln

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Noch mehr Initiativen:

BierSZENE – Die schönsten Craft-Bier-Gärten der Stadt

Entschuldigung! Aber was haben wir bitte für einen geilen Start in den Sommer dieses Jahr in Hamburg!? Wo ihr das in Hamburg am besten bei feinstem Kreativbier genießen könnt, habe ich euch hier mal sorgsamst zusammengetragen.

 

Überquell

Auf der Terrasse des Überquells kommt zusammen, was zusammen gehört: Solide Craft Biere, leckere Pizza und eine fancy Location mit hip-rustikalem Charme und Blick auf den Hafen. Hier lässt sich in entspannter Gesellschaft wunderbar ein Feierabendbierchen genießen. Also: Herkommen, hinfläzen, Birkenstocks aus und Bier trinken.

St. Pauli Fischmarkt 28-32; Mo-Do 17–23 Uhr, Fr-So ab 12 Uhr; www.ueberquell.com

Bunthaus

Im letzten Herbst hat die Elbinsel-Brauerei Bunthaus ihren ersten Schankraum im alten Wasserwerk mitten auf dem neuen Kulinarischen Campus eröffnet. Seitdem strömt hier donnerstags und freitags ab 18 Uhr feinstes Craft Beer aus den Hähnen. Besonders gut: die Sauerbiere der Brauer Jens Block und Jens Hinrichs. Auf der Terrasse, umgeben vom Grün des Inselparks, lässt sich die Woche besonders schön ausklingen.

Kurdamm 24; Do + Fr 18–0 Uhr; www.bunthaus.beer

Altes Mädchen

Biergarten "Altes Mädchen" in Hamburg; Foto: Henning Angerer

Foto: Henning Angerer

Wer an einem lauen Sommerabend gerne ein lauschiges Plätzchen in der Schanze hätte, ist auf der Terrasse des Alten Mädchen ziemlich gut aufgehoben. Mit Blick in die Ratsherrn Brauerei kann man hier aus 30 verschiedenen Bieren vom Fass und 70 Flaschenbieren aus aller Welt wählen. An schönen Tagen gibt es Burger, Süßkartoffelpommes und Co. aus dem Foodtruck.

Lagerstraße 28B; Mo-Sa 18–0 Uhr; www.altes-mädchen.de

Malto

Seit ein paar Monaten fließt im Malto an der Max-Brauer-Allee nicht nur richtig gutes Bier, in dem kleinen Biergarten im Hinterhof kann man auch wunderbar lässige Abende genießen. Ein paar köstliche Kleinigkeiten kann man zu den guten Hopfentropfen von Birrificio Shanghait hier auch wegschnabulieren.

Max-Brauer-Allee 88; Mo-So 10–21 Uhr; malto.shanghait.beer

In diesem Sinne: Prost!

Euer Daniel

Beitragsfoto: Überquell


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Daniel Ehlich

Foto: Felix Valentin / Jupiter Union

Daniel Elich (33) ist Biersommelier im Alten Mädchen. Seit 10 Jahren in Norddeutschland, seit 3 Jahren in den Schanzenhöfen, seit 2 Jahren Biersommelier: Das Leben von Daniel Elich dreht sich um Bier – jeden Tag. Ab sofort trinken wir mit ihm die besten Biere, besuchen mit ihm befreundete Brauer und erkunden mit ihm die Bierszene. Alle 14 Tage neu. Alle 14 Tage anders. Wein kann ja jeder.

Ps: Auf Instagram trägt Daniel den Namen @bieronkelHH_ und postet beharrlich rund ums Thema Bier. Macht Spaß!

Karo Beach – Der Sommer wird öko

Deutschlands erster Zero Waste Beach Club, das Karo Beach, haucht einer langweiligen Asphaltfläche Stadtleben ein.

Zigarettenkippen, Plastikflaschen und Einweggrills im Sand, überquellende Mülleimer… Am Elbstrand vielleicht, aber nicht im Karo Beach! Auf der Freifläche vor der Rindermarkthalle eröffnen die Betreiber der zwei unverpackt-Läden „Stückgut“ einen Strandclub, in dem (fast) kein Müll produziert wird. Er ist der erste seiner Art in Deutschland. 

Der nachhaltige Dorfplatz

Die „Betonwüste“ vor der Rindermarkthalle soll zum urbanen Dorfplatz werden. Den Gründerinnen und Gründern schwebt ein ökologisches Idyll inmitten des Partytrubels vor; eine Großstadtoase, an der die Besucher rasten, ihre Füße hochlegen und klönen können. Eltern, die fair gehandelten Eiskaffee aus pflanzlichen Stroh-Halmen schlürfen, die Kinder backen den köstlichen Kuchen mit Sand aus der Region, Anzugträger und Studenten spielen nach Feierabend eine Partie Volleyball im Sonnenuntergang. Wenn die hamburgische Sommerluft bei Einbruch der Dunkelheit empfindlich frisch wird (also an den meisten Abenden), wärmt man sich am Lagerfeuer. Denn im Karo Beach wird es keine Heizpilze geben, die extrem viel CO2 abgeben. Ein Feuer zu machen, ist nicht nur gemütlich, sondern auch deutlich nachhaltiger.

Details machen den Unterschied: Hier gibt es keine To go-Becher, Plastik-Strohhalme oder Einwegflaschen. Die Gäste essen Gerichte aus den Läden in der Rindermarkthalle, die so regional wie möglich sind. Zero Waste, also wirklich gar kein Müll, ist das hehre Ideal, das die Richtung vorgibt. Zumindest gibt es weder Einweggeschirr noch Plastiktüten. Doch an jeder Lieferkette kommt irgendwann der Punkt, der sich nicht mehr beeinflussen lässt. Für das Karo Eck sind das die Kooperationspartner: „Wenn jemand in der Rindermarkthalle bestellt, um das nach draußen zu bekommen und ein Gastwirt eine Stück Fleisch aus einer Plastikhülle nimmt, können wir das nicht kontrollieren“, so Betreiber Dominik Lorenzen.

„eine Plattform für das Thema Zero Waste“

Die Betreiber vertreten aber ohnehin keine dogmatische „ganz oder gar nicht“-Einstellung. Stattdessen wollen sie es sich und ihren Gästen gut gehen lassen. „Müllvermeidung hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit Spaß und der Bejahung von Leben“, sagt Mitgründerin Insa Dehne. Der Club will allen Interessierten Tipps für einen müllfreien Lebensstil geben und eine Plattform für das Thema sein ein. „Denkbar sind Sessions und vielleicht Mini-Kongresse zu Müllvermeidung.“, so Lorenzen. Das Karo Beach ist also nicht nur ein Club, sondern auch ein Versuchslabor für kreative Ideen im Bereich Müllvermeidung. Ideenklau ist erwünscht: Sie wollen eine Zero Waste Bewegung in der ganzen Hamburger Gastronomie. Der erste Schritt ist gemacht und das Karo Beach eröffnet.

Karo Beach, Neuer Kamp 31, (St.Pauli), ab 9.5.18, täglich 10–22 Uhr; www.karo-beach.de

Text: Sabrina Pohlmann


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!

Bedrohte Räume #23: Grünanlagen, Flipflops und ein Povoll!

Kaum benetzt der erste Sonnenstrahl die Hansestadt, schon fummelt der Hamburger die Flipflops raus. Ab geht’s zum DOSEN-Saufi kaufen. Dazu EINWEGgrill, PLASTIKflaschen und jede Menge KOTeletts, Würstel und lecker naschfertige Salate aus dem Kühlregal.

Und nun ab in die Grünanlage. Chillen. Decke raus, Würstel aus der Packung und Grill angeschmissen. Kaum freut er sich über das selbstgemachte Essen, erhebt sich der Hamburger, grabscht den Rhododendron, bricht ihm das Genick und tritt ihn in Stücke. Feuer fertig. Licht an. Weiter grillen.

Wenn der gemeine Hamburger dann nachts schön satt und betrunken ist, will er zügig seine Sachen packen. Er ist da praktisch veranlagt, er nimmt nur mit, was 100% ihm gehört. Den Kubikmeter Plastikmüll lässt er zurück. Ist ja alles leer. Aber er schwärmt am nächsten Tag den Kollegen vor: „Gestern im Park hab ich so richtig schön am Feuer gesessen, Holz gehackt, mal ganz regional gegessen.“ Er erinnert sich nicht mehr an Mutter, die ihn lehrte: „Ein voller Mülleimer, mein Kind, bedeutet, du musst deinen Scheiß selbst mit nach Hause nehmen!“ und „Gib nicht so an!“

Ja, so sinnierte ich, als ich heute morgen meine Eichhörnchenfriends im Park an einem verkohlten Stück Würstel knabbern hörte, ein paar Ratten an einem toten Eichhörnchen nagen sah und neben dem überquellenden Mülleimer 10 Packungen Rattengift fand.

Ja, so kam ich zu dem Schluss, dass die Sonne dem Hamburger jeden Sommer ein gehöriges Loch in die Birne fräst. Ein Sommerloch. Jeder kleine Intellekt krepiert sofort, jedes gute Benehmen wird kurzgebraten. Der Hamburger erinnert nicht, dass PLASTIK TÖDLICH ist für diesen Planeten, dass DOSEN für die ERDERWÄRMUNG mitverantwortlich sind, dass HORMONfleisch giftig ist und EINWEGgrills der schlimmste TOXICMIST sind. Der Hamburger genießt schwerelos.

Und so machte ich mich an die Arbeit, um für den bedrohten Raum „Grünanlage“ Folgendes von der Stadt zu erbitten:

  1. Hamburg – stell’ bitte von April bis Oktober sehr große Müllcontainer in alle Parks.  Getrennt nach Plastik, Papier, Glas, Kompost.
  2. Dazu helfen Gebotsschilder: Müll wegwerfen nur von 6.15h-6.16h erlaubt.
  3. Und baut endlich mehr Grünanlagen, sonst werden wir sauer.
  4. Wenn 1-4 nicht helfen, dann bitte Arschloch-Schilder verschenken und fiese Povolls verteilen.

Eure Raumsonde

Andrea


Who the fuck is…

Andrea Rothaug Szene Hamburg Stadtmagazin

Foto: Katja Ruge

Andrea Rothaug ist eine musikalische Raumsonde mit Hang zum Wort, Kulturmanagerin, Autorin, Dozentin, Veranstalterin, Präsidentin. Was diese Frau so alles treibt, erfahren Sie unter www.andrearothaug.de

 


 Dieser Text stammt aus SZENE HAMBURG Stadtmagazin, Mai 2018. Das Magazin ist seit dem 28. April 2018 im Handel und zeitlos in unserem Online Shop oder als ePaper erhältlich!